Ausland.
Vom Generalleutnant v. Winterfeldt.
Aus Grisolles wird berichtet: Am Freitag vormittag 10 Uhr wurde der bei dem Oberstleutnant v. Winterfeld! nötig gewordene operative Eingriff unter dreioiertclstün- diger Nartow vorgenommen. Er hat die Operation gut über- standen. Das Befinden ist weiter zufriedenstellend.
Auslandsreisen des Königs von Spanien.
Aus Madrid wird gemeldet: König Alfons, der sich in 14 Tagen noch Wien begeben und an den Jagden des Erzherzogs Franz Ferdinand teilnehmen wird, wird sodann einer persönlichen (finlaning des Präsidenten Poincar^ folgend, nach Pari-Z reisen, und sich von da mit der .Wnigin nach -England begeben, wo er etwa 3 Wochen bleiben wird.
Aus M exiko-Cilt)
wird gemeldet: In der Versammlung des Kabinetts, die in der Nacht zum Freitag stattfand, wurde die formelle negative Antwort .Huertas auf die Forderungen der Vereinigten Staaten eingehend besprochen. In der Antwort wird be'tritten werden, dass die Bereinigten Staaten irgend ein gesetzliches oder sonstiges Recht haben, das Ausscheiden Huertas zu verlangen. — Lind, der amerikanische Sverialgefandte traf Freitag morgen in Begleitung des Gesandtschaftsselretörs in Merilo ein.
Aus Stadt und Land.
Dieben, 8. November 1913.
Das hessische Dolksschnlwesen.
Seit dem Jahre 1912 hat die statistische Bearbeitung des hessischen Volksschulwefens eine durchgreifende Umänderung erfahren, die sich in erster Linie in einer klareren Uebersicht über die Schularten und Schulklassen, die Fortbildungsschul- und Berussklassen widerspiegelt.
Im Gr^siherzogtum Hessen waren am 10. Mai 1913 insgesamt 973 öffentliche Volksschulen vorhanden (1912 : 980): davon kommen auf Starkenburg 368 (368), Oberhessen 414 (41.5) und Rheinhessen 191 (197). Dem Bekenntnis nach zergliederten sie sich in 903 (905) Simultanschulen, 34 (36) evangelische und 36 (39) katholische Schulen. Der Zahl der S ch u l- klassen nach waren es bezüglich des Geschlechts 3903, und zwar 691 Knaben-, 699 Mädchen- und 2513 gemischte Klassen: nach dem V o l ls s ch ulleh rpla n: 398 einklassige, 510 zweiklassige, 311 dreiklassige, 438 vierkkassige und 2246 mehrklassige.
Die Zahl des Lehrpersonals setzt sich folgender- maßen zusammen: 3371 Lehrer, 541 Lehrerinnen, zusammen 3912. Die Zahl der Schulkinder betrug 210 388 (208 279), darunter 105096 (103 950) Knaben und 105 292 (102995) Mädchen. Nach dem Bekenntnis waren es 138 259 evangelische, 68 469 katholische, 1783 israelitische und 1877 andersgläubige Kinder. — Die Zahl der D i l fssch u lkta ssen betrug 33 mit 782 Schulkindern (435 Knaben und 347 Mädchen). Die Zahl der Fachlehrer und Fachtehrerin- n e n wurde jetzt zum erstenmal statistisch festqestellt. Es unterrichteten 15 Fachlehrer und 175 Fachlehrerinnen. Die Zahl der Schulgemeinden, in denen noch Schulgeld erhoben wird, hat sich von fünf auf zwei verringert. Erweiterte Volksschulen gibt es sechs mit 135 Klassen, 141 Lehrern und 5364 Schulkindern. Sie befinden sich in den Städten Darmstadt (3), Offenbach (2) und Gießen (1).
** T a g e s k a l e n d e r für SamStag, den R. imb Sonntag, den 9. November: S t a d t t b e a t e r: Samstag nachmittags 3*/ Nbr: „D i e Hermannsschlacht*; Sonntag nachmittags 3'/, Uhr: „Püppchen*; abenb«71', Uhr: „Majolika*.
Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.
U n i o n - T b e a t e r: Täglich Vorstellung. (DienStagS und San'StagS neues Vrogramm.)
OberbessischeS Museum und Gail'sche Samni- lunoen. Geöffnet Sonntag vormittags 11—1 Uhr unentgeltlich
Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 11 — 1 Uhr unentgeltlich.
O b e r H e s s i s ch e r K u n st v e r e i u. Die Gemälde-Ausstellung ist täglich von 11—1 Uhr und ebenfalls Mittwochs von 3 bis 5 Uhr geöffnet.
Kolosseum (EasS Leib) Samstag und Sonntag: LanS und Ney, Antispiritistenpaar.
Verein der Fortschritt!. VolkSvartei: Außerordentliche Generalversammlung. Samstag abends 9 Uhr im -Einhorn". ,,
Gesellschaftsverein. Marianne Geyer-Berlin: Lieder zur Laute. Sonntag abends l'A Uhr.
Tic Anlagemusik kann morgen wegen Verhinderung der RegimentSinlisik nicht stattün^en und findet daher Montag nachmittag 3 Uhr in der Süd-Antagc statt (mir bei gutem Wetter). Epielplan: 1. Iägermarsch, von F. Bratfüch. 2. Fantasie auS „Siegsried", von N. Wagner. 3. Ouvertüre zur Oper „Tas goldene Kreuz", von I. Brüll. 4. Alt-Badischer Marsch, von E. Kaiser. *
ErbgroßHerzog Georg begeht heute seinen achten Geburtstag.
*♦ Studentische Unterrichtskurse. Am nächsten Montag beginnen huT wieder die studentischen Unterrichtskurse, und zivar in Deutsch I und II (Montags), fftechnen I lind II und Geographie im Geogr. Institut, Brandplatz 4II (Mittwochs), Franzosisä) >Donnerstags und Englisch I und II (Freitag). Die Shirle sinden in der Universität V?9 Uhr abends statt chusgenom- men Gemirapbie Die zkurse wollen Männern und Frauen der er werl>stätigen Bevölkeriing von Gießen imb Umgegend Gelegenheit geben, sich in Elementarsächern und Spraclu:n weiterzubilden. Auch sollen Vorträge und Fstl/rnngen mannigfacher Art den .Hörern geboten werben. Die Kurse sind außer einer Einschreibgebühr von 0,50 Mark für jeden Kurs kostenlos.
** Ein lieber fal( auf ein Bahnwärterhäuschen wurde am Freitag abend auf dem Posten V auf der Kreisstraße G i e ß e n — R ö d g e n üerübt Nachdem der Zug Gießen—Fulda, der 6.38 Uhr hier abfährt, den Uebergang passiert hatte und der Bahnwärter Peter Schmitt in sein Häuschen, das zugleich zum Wohnhause dient, zurückget'ehrt war, kam ein etwa 25jähriger, gut gekleideter Mann sehr aufgeregt ihm nach und verlangte Essen Nach einigem Zögern machte die Frau des Bahnwärters dem Fremden etwas Essen zurecht uud lud ihn ein, am Familientisch Platz zu nehmen Anfangs aß der Mann ruhig, plötzlich zog er einen Revolver und schoß auf die Frau. Der zweite Schuß traf in den Arni und rief eine st a r k e F l e i i ch w u n d e hervor. Dann sprang der Fremde auf und eilte dem Ausgange zu. Sclunitt wollte ihn aufhalten, wurde jedoch durch zwei neue Revolverschüsse, die an ihm vorbei in den Türrahmen drangen, in Schach gehalten. Der Täter entkam unerkannt. Er'soll ziemlich groß, etwa 1.70 Nteter, und sehr schlank gewesen sein, war mit einem blauen Anzug, schwarzen schuhen und einem ungewöhnlich hohen Stehkragen bekleidet. Soweit bis jetzt bekannt ist, sind die sofort angestellten Ermittlungen der Gendarmerie noch zu keinem Ergebnis gekommen.
Darlehensschwindler. Die Finna Lorenz Heu- hach in Köln sucht in diesiger Gegend Vertreter für Dar- l e h e n s v c r m i t t l u n g e n. Nach der Zmtruktion für die Ausnahme von Darlehensanträaen hat der c^lbsuchendc an den Vertretet für bie Vermittlung betf Antrags eine Gebühr
von 1,50 bis 15 Mark (je nach der Höhe des gewüm'cheen Darlehens) zu zahlen, ohne dann! aber irgend welche Aussicht am Gewährung eines Darlehens zu erhalten. Die durch die Der treter eingegangenen Anträge werden dann von der Firma Lorenz Heubach in Köln geprüft, und, sofern ein Antrag z u r B e a r - beitung angenommen wird, ist eine weitere Gebühr in Höhe von 4—25 Mark an die Firma Heubach cinzusenden. Nach den durch die Rechtsberatungsstelle des^E v. Arbeiter Vereins Gießen mit Unterstützung der Stadt Rechtsauskunftsstelle in 5löln eingezogenen Erkundigungen ist Heubach von Beruf Schreiner, er übte sein Handwerk längere Zeit hin durch nicht mehr aus, befaßte sich vielmehr mit Tarlehensverrnitt lunaen usw., wbei er jedoch nicht einwandfret verging, weshalb er im Jahre 1911 zu 8 Monaten Gefängnis ver urteilt wurde. Zurzeit arbeitet er wieder als Schreiner, wehrend seine Frau, mit welcher er in Gütertrennung lebt, anfangs unter dem Namen Hembach und je&t wieder als Heubach Darlehens Vermittlungen aubictet. Bor icder geschäftlichen Verbindung mit Herr dach oder dessen Frau kann nur dringend gewarnt werden. Die Rechtsberatungsstelle des Evang. Arbeiter Vereins Gießen ’-irtet alle durch .Heubach oder Frau etiuc Geschädigten, ihr schriftlich oder in den Sonntags vormittags von 11—12 Uhr Himer- der Dest-Anlage 11 Parterre stattnn denden Sprechstunden das Material zur Veiterverfolgung der An gelegenheit zur Verfügung zu stellen.
** Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Posts checkverkehr Ende Oktober 1913 auf 84 388 gestiegen (Zugang im Monat Oktober 1021 Auf diesen Postscheckkonten wurden im Oktober gebucht 1632 Mill. Mark Gutschriften und 1625 Millionen Mark Lastschriften. Das Gefamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Oktober durchschnittlich 177,7 Millionen Mark. Im Verkehr der Reichspostscheckämter mit dem Postsparkassenamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, der luremburgischen und belgischen PosWerwaltung sowie den schweizerischen Postscheckbureaus wurden 8,1 Millionen Mar^/umgesetzt und zwar auf 3540 "Uebertragungen in der Richtung nach und auf 16 410 Uebertraguugen in der Richtung aus dem Auslande.
Landkreis Gießen.
(!) Nonnenroth, 7. Nov. Seinerzeit erging im Kreisblatt des Kreises Gießen eine Anfrage an die Gemeinden, ob ein Kursus der Wanderhaus Haltungsschule abgehalten werden sollte. Der Ortsvorstand beschloß, die erforderlichen Mittel bereitzustellen, falls sich eine genügende Anzahl Mädchen oder Frauen an dem Kursus beteiligt. Bald nach Bekanntgabe dieses Beschlusses meldeten sich nahezu zwanzig Mädchen, also ein hoher Prozentsatz für unsere kleine Gemeinde.
= Lollar, 8. Nov. In einem gestern unter „Eingesandt" erschienenen Berichte über die außerordentliche Hauptversammlung des Spar- und Borschußvereins Lollar muß es nicht heißen „G. m. b. H.", sondern „G. m. u. b. H.".
Kreis Büdingen.
§ Nieder-Mockstadt, 7. Nov. Bei der G c m e i n d e- ratSwahl wurden wiedergemählt die Landwirte Heinrich Kaul, Heinrich Tobias Ulrich IT., neugewcchlt Karl Hetterich. Von sozialdemokratischer Seite waren drei Kandidaten (darunter ein Landwirt) aufgestellt worden; eS wäre der Partei bei 5 Stimmen Mehrheit ein Sitz zngefallcn. Der Wahlakt verlief sehr lebhaft.
§ Rinderbügen, 7. Nov. Bei der Gemeinderatswahl wurden wredergewählt: Gastwirt Heinrich Röder II. mit 49 Stimmen und Landwirt Wilhelm Kircher II. mit 32 Stimmen, neugewählt wurde Landwirt Johannes Stürtz mit 34 Stimmen. Bon 105 Wahlberechtigten stimmten 80 ab.
§ G laub er g, 7. Nov Bei der Gemeinderatswahl wurden wiedergewäh>lt: Heinrich Muller, neu- gewählt Heinrich Berk, Wilhelm Becker und Philipp Betz. Die Wahl verlief diesmal ruhiger als in früheren Jahren.
Wenings, 6. Nov. Dieser Tage verstarb in seinem Hei- matstädtchcn L a ü b a ch der in weiten Kreisen bekannte und wegen seines echt deutschen Wesens von allen Seiten hochgeschätzte Gräfl. Solms-Laubachischc Reviersörster H. Franziskus im 71. Le bcnsjcrhre. Erst im April d. I. konnte er mit sc irrem 70. Geburtstage sein 50jähriges Dienstjubiläum im benachbarten Forsthause Wernings feiern und sich bei der Gelegenheit besonderer Ehrungen des Grasen von Laubach erfreuen. Auch der Großherzog ließ ihm damals durch Herrn iüreisrat B o c ck m a n n - Büdingen das silberne Verdiettslkreuz Philipps des Großmütigen überreichen. Eine tückische Krankheit nötigte ihn vor einigen Wochen die ijmt lieb gewordenen Waldungen, die unter seiner etwa 35jährigen Sorgfalt und Pflege so prächtig gediehen waren, zu verlassen, um im Kran-- kenhause zu Laubach Heilung zu suchen.
Kreis Lauterbach.
R Freien st ein au, 7. Nov. Bei den diesjähriaen Herb ft- Übungen, die sich zum großen Teil über den südlichen Teil deS Kreises £,mitcrbocb nuSbehnten, sind m bet hiesigen Gemarkung für etwa 2'100 Mk. Flurfchäbeu cntrinuben nnd an die betreffenden geschädigten Grundstücksbesitzer auSbezahlt worden. Die größten Flurschäden wurden an den beiden letzten Tagen während deS 8orvSinanövcrS verursacht, während nur etwa */, aui Brigade- ül'unaen eut'allen. In» ganten sind i>n Kreise Lauterbach durch die Abschätzuimskommission 474') Mark Flurschabenkosten lestgestellt wordeu, die sich au» 16 Glemnrfitnqcn verteilen. Tie Orte Ober- Moos, ÜUinzeuan, Fleschenbach, Salz und Rabmühl sind an den beiden letzten Tagen ebenfalls stark mit Flurschäden heimgesucki inorden Es ivnrden für diese ^emarknugen dnrchschnittlch 350 Mk. Flnrfchadenkoslen auSgezahlt.
KrciS Friedberg.
L. Friedberg, 7. Nov. Im benachbarten Ilbenstadt wurde der Besitzer einer Sandgrube durch einen Erdrutsch schwer verletzt. Er erlitt einen Schenkelbruch und schwere innere Verletzungen — In dem Singsaale des Lehrerseminars wird triefen Winter Dr. Vogel aus Friedberg Vorlesungen über Tierpsychologie für Lehrer und Nichtlehrer halten.
r. Bad-Nauheim, 7 Nov. Ein Bauprojekt, das schon seit langer Zeit im Ok'beimen vorbereitet ist, beschäftigt seit einigen Tagen die Ocsscittlichkcit. Eine Frankfurter (Gesellschaft, deren "Name nod) nicht bekannt ist, will in der Dunker- üraßc 12 ui I len ähnliche Wohnhäuser errichten. Die Preise der Häuser bewegen sich zwischen 13 und 22 Tausend Mark. Bei der regen Bautätigkeit, die in den letzten Jahren hier herrschte, sicht man in den Kreisen der Hausbesitzer in dem neuen Projekt eine gefährliche Konkurrenz und ist von dessen Bekanntwerden sehr überrascht.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 7. Nov. Wegen Blutschande wurde am Freitag der 36 Jalnc alte Taglöhner Fr. Jung verhaftet, der sich fortgesetzt an seiner jetzt 16 Jahre alten Stieftochter vergangen bat, so daß auch t»ic Folgen nicht ausgeblichen sind.
rm. B e e d c n k l r ck c n, 7. Nov Bei der letzten Nackkirch- wnbe nnirbe in einer titblä gcrei brr 26 Jahre alte Stein- bauer mit einer «ilasche heran aut btn Kopf geschlagen haß eine schwere Verletzung unb Gelnrnerschüncrung hervorgerufen wurde unh der Verletzte 0g. Bonin so behenkl'ck harnieherlintt, baß man seinen Tob stünhlich erwartet. Der Täter war hamals nickt mit Sicherheit fcstgestrklt worden unb ist auch rut noch nicht unzweifelhaft ermittelt. Lurch die StaLtsanwaltjchajt sind dahier
feit heute an Ort und Stelle entsprechende Feststellungen augestellt worden.
Kreis Vetzlar.
— Vetzlar, 8. Nov. In her Nacht vorn 6. auf 7 l. Mts. wurde in Wetzlar inbreiDobnungenvon Aerztenein- gebrocken. Tie Diebe ciireuteten auycr 60 Mk in bar verschiedenes Silberzeug und Kleidungsstücke. S c vollfübrlcn die Tat durch Eindrücken her Fensterscheibe, bie vorder mit Schmierseife über» trickeu wurde. Gleiche Diebstähle in Aerztewohnungen kamen in icyter Zeit in SturtgaN, Heilbronn und Darmstadt vor. Tie Täter scheinen überall dieselben zu sein.
Heffen^Niisfaa.
s Marburg, 7. Nov. Die beabsichtigte Gründung einer .Gesellschaft für die Erzie düng deutscher Kinder auS dem Auslande und den deutschen Schutzgebieten* ist zestern abend in einer in den Stadtsälen abqebaltenen Ber- sanunlung endgültig erfolgt. Zmn Sitz der Zentralstelle wurde Marburg bestimmt nnd als Vorsitzender deS Ver- roaltunaSrateg, dem zahlreiche Herren unb Damen auS den ersten Kreisen unserer Stadt unb der Provinz angehören, UnioersitätSprofesior Andree gewählt.
X. Hanau, 7.Nov. Die Vereidigung der Rekruten der Hanauer (Garnison hat sich zum ersten Male in voller Oefientlichkeit vollzogen. Zu dem feierlichen Alte, der auf dem hiesigen Paradevlay stattfand, hatten die Krieger- und Mililarvercine Einladungen erhalten. Auch der kommandierende General des 18. Armeekorvs, Exzellenz von Schenck, war anwesend. — In der Scftwahn cyen Bijou- teriefabrik sind Brillantringe im Werte von über 2000 Mark auf unaufgeklärte Weise abhanden gekommen.
fc. Wiesbaden, 7. Nov. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde der zum 2. Bürgermeister gewählte seitherige Beigeordnete Friedrich Travers durch den Oberbürgermeister 0cbeimrat Glässing in sein Amt eingcführt — Nach Mitteilung des Oberbürgermeisters betrugen die Einnahmen aus den Beranstal • tungcn des Prinz-Heinrich-Fluges in Wiesbaden 36 000 Mk., die Ausgaben 41 000 Mk. Bon den zur Deckung eines eventuellen Fehlbetrags bereitgestell-ten 20000 Mk wurden, da nur 5000 Mk. benötigt wurden, 15000 Mk. an die Stadtkasse zurückbezahlt.
fc. Eschwege, 7. Nov. Der zum Bürgermeister gewöhlkc Beigeordnete Tr. Ku hm ans Bcrlin-Obersthönweibe bat die Uebernahme der Stelle abgekehnt.
vereinsnachrichlen.
r. Bad-Nauheim, 7. Nov. In Der Hauvtversammluug her Sckiitzengilhe wurde seslaeikellt, baß her 'Herein mit leinen 60 Mitalietern zurzeit her größte Verein im Mutelbeutslien Schiiyenverbgube sei. Tie Einnahmen der ©rtüMengilbe beliefen sich im nbgelaufenen VereinSiayre aus 2700 Mk, bic 2lu8gnben auf 2300 Mark.
GcricbtssanL.
Darmstadt, 7. Nov. Eine Frage von grundlegender Bedeutung befriiäitigte die Ixmtigc Strafkammer. Unter her Anklage deS Vergehens geizen bie (Hcmcrbeorbnung hatten sich die beiden S. W. unb I. B. auS Osfenbach zu ver antworten, wiftl sic trotz ihres Hanbels mit Altwaren fein sog. Tröbler-Ansiveisbuck führten In bicscm Bucke soll her Nachweis über die Herkunft, her gekauften Altwar-u inaeteagen sein Sic haben nun eine Art Großhandel in Sacken, inbem f e n t '»*#'? auikausen und in großen Posten, nathbrr.t sie ausgebessert und, wieder absetzen. Da:- Schüjscugerickt bat sie sreigesprochen, ha sie nur eine Art Großgcfchäft betreiben. Da bad Gesetz die Führung des Trödlerbuches nur für den Kleinbandel vorfchreibt, erfolgte die Freisprechung: auch die Kosten der Verteidigung wurden auf die Staatskasse übernommen.
Der Nitualmordprozeh.
Petersbn rg, 7. Nov. Die Anllagereden beginnen mit einer Au.F:inaubcrsetzung her $ er bad) t ö m pm en tc gegru anbere unb ziehen ben Schluß, baß, wenn die anderen unschuldig sind, Bcilis fdndbig ist. Die sreiwilligcn Detektive haben eine Verhängnis- volle Rolle gespielt. Es liegt kein raffinierter Schritt von Juden, sondern ein bummer Schritt des eifrigen Reporters Brasul vor. der die Dankbarkeit der AnNäger verdient. Wir sitzen hier monatelang nicht wegen Beilis, sondern wegen Brasul. Man legt den Talmud gegen die Inden aus.
Auch ein „Jubiläum"!
Ans dem Leben der berüchtigtesten deutschen Giftmischerin.
Wer in Bremen den Sehenswürdigkeiten naebgebt, dem hrtb von dem kundigen Einheimischen, etwa uvanzig Schritte vom Nordportal des Domes entfernt, ein in bie Erbe eingelassener, mit einem Kreuz gezeichneter Stein gezeigt. Das ist her sogen. Gottfriedstein. Er bezeidmet bie Stelle des Schafotts, auf hem am 21. April 1831 bie berückuigste deutsche Gittmiichcri», bk Gesche Gottfried, durch das Schwert des Henkers InngvridXrt nnirbe. ES ist ein Jubiläumsartikel eigener Art, der sich mit dieser Verbrecherin befaßt: Im Oktober 1813 vergiftete sie ihren ersten Mann! Krauß zählt in seiner „Psychologie hed Verbrechens" bic Gottsrieb zu ben größten WirtmiKberinnrn, henn 14 Morbe hat sie ringeftanben, dazu 15 nicht töblid) verlaufene Mordversuche, während man sie damals in dem Verdacht hatte, mindestens 60 Morde begangen zu haben.
Trotzdem es jetzt mehr als 80 Jahre her ist, seitdem die Verbrecherin ihr Leben unter dem tödlichen Streich des Scharfrichters lassen mußte, bat sich der Abscheu vor txefer scheinheiligen Frevlerin hoch bis jetzt noch lebenhig erhalten: nod) letzt gehört cs zu ben überlieferten Pflichten her Bremer Jugend, beim Vorübergehen den Stein anzuspucken!
Es ist nicht ohne Jntereste, hem Werdegang dieses verbrecherischen Weibes nachzuspüren. Als die Person 21 Jahre alt war, Der heiratete sie sich mit einem Sattlcrmeistcr Miltcnberg. Die Ehe gestaltete sich aber bald überaus unglücklich Kein Wunder, daß bie Gottfried Liebschaften anknüpfte; zunäckst mit einem Dein« reisenden Gottlieb, her acht Jahre später ihr zweiter Mann wurde, dann mit einem Deftiauffeber Koppisch. Als schließlich hie Ehe auch sinanziell ruiniert würbe, stieg in der Seele her Frau langsam der Gebanke auf, sich des Gatten durch Mord zu entledigen. Der 310011 half ihr! Eines TageS sah sie im Theater Kotzebues „Gras Brnjoivsky", in dem ein gewisser Kasaruwff ohne jcXs Moilv bic Vergiftung des Grafen beschließt, und hinterher so von Edelmut trieft, daß er die öerjen aller 3<iborrr erobert. Damir loar für die Gottfried die Frage des „Wie" gelöst. Wenige Docken später hatte sie durck Gift ihren Mann beledigt. Der berühmte Astronom Olbers, Arzt in Bremen, lwtte ein „hitziges «Mle»* fieber" konstatiert. Es ist entfctzlick, in ben Chroniken zu lesen, mit welcker Lust am Töten bic Verbreckerin ibr unheimliches Gc- fdMirt weiter betrieb. Innerhalb kurzer Zeit tötete sie ihre Eltern unh ihre eigenen drei Brüder, bann ihren Znnllingsbruder und ihren zweiten Mann, ben Gottlieb. Dabei war sic der 'Jufur.mdt gegenüber von bezaubernder Liebenswürdigkeit. Vor allen Tinaot liebte sie bie Linder, mit denen sie prächtig um;ugeben wußte. Unb dabei hat die Frau ihre eigenen Linder kaltblütig hm gemordet!
Ihre nun folgenden Untaten beging sie teils aus Habgier, teils auS reiner Freude am Töten. Furcht vor Emdeckimg lanntC


