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Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.
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— Alfred Russell Wallace y. Der berühmte Naturforscher Alfred Russell Wallace ist nach einer Meldung aus London im 92. Lebensjahre gestorben. Wallace war einer der genialsten Mitbegründer der Theorie von der Zuchtwahl.
blieben sei. Später sei dann dieses Skelett der Großen Oper angeboten worden. Berlioz habe den cl-emaligen Träger noch persönlich gekannt. Ein Sekretär der Oper suchte durch eingehende Nachforschungen bei den Bühnenarbeitern und in den Büchern der Oper, die Wahrheit dieser Geschichte heraus.',usinden. Es ließ sich aber nur feststellen, daß nie jemand das Skelett gesehen hat, und daß es überhaupt nie verwendet worden ist. Da ist die Legende von dem Einzuge des ehemaligen Direktors Nestor Rogueplan, der noch im Operngebäude selbst wohnte, und den Theodore de Banville in seinen Erinnerlmgen als einen sonderbaren Kautz geschildert hat. Rogueplan hatte nämlich die Gewohnheit, sämtliche Briefe, die an die Leitung der Oper einliefen, uneröffnet in eine Schublade zu werfen. Er versicherte, daß *oic Tinge an der Oper ebenso gut gingen, wenn er diese Briefe nicht gelesen oder beantwortet habe. Zn der Tat machte die Oper unter seiner Leitung bedeutende Fortschritte. Aber, was waren die großen Vorstellungen im .Hinblick auf die kleinen auserwählten Konzerte, die er in der Oper nur wenigen Freunden gab! Diese Konzerte dauerten nie länger als 10 Minuten, aber sie waren von konzentrieter Schönheit. Er behauptete, daß er bei der Leitung des Theaters auch einen Genuß haben tvolle. Ta find ferner zahlreiche Legenden, die sich mit den Zuschauern beschäftigen. Am interessantesten ist wohl die des rätselhaften Persers. Gegen Ende des zweiten Kaiserreiches sand sich jeden Abend, ohne Unterbrechung, in einem Orchesterfauteuil ein Perser ein. Sein Turban und sein weißer Bart gehörten unbedingt zu dem künstlerischen Bilde. Man wußte nichts von ihm, was natürlich Anlaß zu allerlei Fabeleien und Sagen gab. Man behauptete, daß er aus seinem Vaterlande verbannt sei. Er saß täglich ruhig da und verwog keine Miene. Ein Maler wollte ihn einst foppen. Er verkleidete sich als Perser, klebte sich einen Bart an und erschien so als getreuer Doppelgänger neben dem echten Perser. Tas ganze Theater war in Unruhe. Alle Blicke waren auf die Beiden gerichtet. Wer der Orientale »var nicht zu verwirren. Er grüßte mit einem verbindlichen Lächeln seinen angeblichen aLndsmann und folgte im übrigen mit der gleichen Aufmerksamkeit und Ruhe wie bisher der Vorstellung. Ta wird auch immer wieder die niedliche Geschichte von dem Advokaten erzählt, dem einst ein Schauspieler-Klient bei seinem Tode ein lebenslängliches Abonnement für die Große Oper geschenkt hatte, und der nun täglich in einem schwarzen Samtkäppchen in der svgenanMen „Höllenloge" saß.
Deutsches Reich.
Der Kaiser
traf am gestrigen Freitag mit kleinem Gefolge kurz nach Uhr im Automobil in K ö n i g s w u st e r h a u s e n ein und fuhr sogleich nach dem' dortigen Blindenheim, wo er weit über eine Stunde verweilte. Um 6 Uhr begab sich der Kaiser nach dem Jagdschloß. In dem reichbeflaggten Orte war inzwischen Haus für Haus illuminiert. Das Publikum stand in dichten Scharen am Wege und bereitete dem Kaiser ein herzliches Willkommen. Im Schloßhof wurde er mit dem Fürstengruß empfangen. Die Schulkinder umsäumten den Weg mit Fackeln. Gleichzeitig war der kaiserliche Sonderzug eingelaufen, mit dem Prinz Oskar, der Reichs kanz- l e r, die Fürsten zu Fürstenberg und Solms-Baruth sowie die anderen Jagdgäste eintrasen. Um 7 Uhr fand Abendtafel im Jagdschloß statt.
Die Kaiserin reiste Freitag nachmittag nach Kassel ab.
Der russische Hlimfferpräfiöent ttokoVtzsW, welcher von dem Präsidenten Poineare empfangen wurde, erklärte einem Berichterstatter u. a.: Man hat mir übertriebenen Optimismus nachgesagt, aber die Tatsachen haben mir schließlich recht gegeben. Die Londoner Konferenz hat, was immer man von ihr gejagt haben mag, Verwickelungen und Konflikte verhindert mid es wäre ein übertriebener Pessimismus zu glauben, daß ihr dies nicht auch für die neuen Schwierigkeiten gelingen sollte, welche der orientalische Zwist barbietet. Ich sehe die albanische Frage
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politische Wochenschau.
Gießen, 8. November.
Wir stehen vor dem Ende des „Krupp-Prozesses", und der gestrige Antrag des Oberstaatsanwalts, die beiden Angeklagten, Brandt und Eccius, zu je 5 Monaten Gefängnis zu verurteilen, ist ein Abschluß, über den sich schon einige Be- tT(id)tungcn stellen laßt. Folgt das Gericht dem Antrag des Oberstaatsanwalts, so wird die Firma Krupp einen empfindlichen Schlag erhalten, denn der Anklagevertreter hat tu feinem Plädoyer auch auÄrrücklich crötirt, „der Beweis sei erbracht, daß man in Essen ganz genau über die Sachlage informiert gewesen sei." Wenn die überaus umfangreiche Zeugenvernehmung im Grunde absolut nichts anderes ergeben hat, als was man aus Verhandlungen des früheren Prozesses bereits gekannt hat, so war doch die überaus scharfe und unerbittliche Art und Weise, wie die Anklagebehörde ihr Amt angefaßt hat, etwas Sensationelles und die ganze Oef- fentlichkeit Aufregendes. In dieser Hinsicht dürfte es der Partei des Herrn Liebknecht doch recht schwer fallen, gegen deutsche Gerichte den Vorwurf der Klassenparteilichkeit zu erheben. Im Gegenteil, bei genauerem Zusehen kommt man zu dem Schlüsse, daß bei anderen Prozeßbeteiligten in einer gewöhnlichen Bestechungsaffaire ein so umfangreicher Apparat von Nachforschung ganz unmöglich gewesen wäre.
Der Oberstaatsanwalt ist geradezu ein Opfer der unerbittlich strengen Auffassung seiner Amtspflichten geworden. Es liegt darin einesteils ein erfreuliches Zeugnis von der Unvoreingenommenheit deutscher Gerichte, aus der andern Seite aber herrscht der Eindruck vor, daß dieses lobenswerte Rechtsgefühl doch zu weite Gebiete unseres öffentlichen und staatlichen Lebens ins Nutschen gebracht hat, daß namentlich draußen, im Auslande her Eindruck erweckt worden sein mag, als herrschten in Deutschland und in seiner Militärorganisation trübe Mißstände. Diese Meinung hat nun durch den Verlauf der Sache ganz den Grund und Boden verloren. Auch der Staatsanwalt ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß von Verrat militärischer Geheimnisse kaum die Rede 'sein könne. Ebenso hat das Vergehen der Bestechung, dem' sonst so überaus abstoßende Merkmale anhaften, hier eine mildernde Beigabe. Es sind nicht nur gewinnsüchtige Motive, die einzelne untere Organe der Heeresverwaltung ihre Pflichten vergessen ließen, sondern auch kameradschaftliche Rücksichten und leichtfertige, aber doch begreifliche Selbsttäuschungen. Brandt ist kein Vaterlandsverräter, fein Mensch von niedriger Gesinnung. Wenn er wirklich eine fünfmonatige Gefängnisstrafe erhalten sollte, so wäre damit sein Vergehen vollauf gesühnt. Daß der Staatsanwalt ihn nicht den alleinigen Sündenbock sein lassen will, berührt sympathisch. In der Tat kann man nicht leugnen, daß einige höhere Beamte der Firma Krupp in Essen als Mitwisser und be- wußteBeför.derer der Brandtfchen Bestrebungen die schlimmeren Fehler gemacht haben. Sie haben der Firma nicht genutzt, sondern ihr schweren Schaden zugefügt. Gerade die bezeich-
Tageskalendcr aus -em Jahre 1813.
8. November Napoleon kommt, aus DratscUcmd flüchtend, m St. Cloud an.
9. November. Abermaliges Gefecht bei Hochheim, in dem die Oefterreicher die Franzosen schlagen, die 25 Offi- ftierc, 800 Mann, 4 Gesetze und 1 Fahne verlieren.
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Gretzener Sta-ttheater.
Das Geheimnis.
Schauspiel von Henri B e r n st e i n.
Gießen, 8. November.
Henri Bernstein hat in Deutschland seinen größten Erfolg mit dem spannenden, aber gemachten Schauspiel „D er Dieb" errungen; seine neueren Werke vermochten kein tieferes Interesse zu erregen, weil sie gar zu handgreiflich grob gezimmert waren. Sein neuestes Bühnenstück, „Das Geheimnis", ist wieder ein „Schlager" geworden und hält nun feinen Siegeszug über die deutschen Bühnen, die mit offenen Armen nach wirkungsvollen Schaustücken verlangen.
Und wirkungsvoll ist „Das Geheimnis".
Der Maler Constant Jannelot ist seit elf Jahren mit seiner liebreizenden, entzückenden Frau in glücklichster Ehe verheiratet. Kein Wölkchen trübt den Liebcshimmel des Pärchens und glücklich wie am ersten Tage, sind sie heute noch ineinander verliebt. Aber aus stillen, verstohlenen Gesten der lächelnoen Gattin fühlt man bald, daß irgendwo ein Geheimnis steckt. Es scheint zunächst die heimliche Liebschaft Henriette Hvzleurs, einer reizenden, verwitweten Freundin des Hauses zu sein, denn Gabriele hat ihrem Manne nichts von dieser Liebschaft mit Charlie Ponta Tulli er- j'äjjit — sie hat sogar den jungen, schüchternen Diplomaten Denis le Guenn von der Ehrenhaftigkeit Henriettes zu überzeugen gewußt, so daß dieser seine Bedenken aufgibt und die Witwe heiratet Im zweiten Aufzuge erscheint nun Ponta Tulli, und der mitleidige Zuschauer zittert für das Liebesglück des jungen Pärchens, benn nun muß sich das Geheimnis aufklären, meint man; nun 'muß le Guenn von dem Vorleben seiner Frau erfahren, lind das Geheimnis klärt sich auf: aber anders, als mancher denkt Ponta war gar nicht seiner angebeteten Henriette überdrüssig, wie es zuerst hieß, im Gegenteil, er wollte sie unbedingt heiraten; er wäre auch nicht gekommen, wenn man ihn nicht geraten hätte; Denis wäre auch nicht guf Ponta eisersüchteg geworden, wenn er nicht geschickten Einflüsterungen erlegen wäre;Constant schließlich hätte sich nie mit seiner Schwester entzweit, wenn er nicht, ohne daß er es merkte, geschoben worden wäre. Alles, alles, und das ist das Geheimnis, hat die liebreizende, entzückende Gabriele vollbracht, die Frau, die ihren Mann abgöt- lisch liebt Sie kann es nicht ertragen, daß jemand glücklich ist, ifrer dieses Glück nicht ihr zu verdanken hat, sie muß Liste ersinnen und Ränke schmieden, sie kann nicht gut sein, so sehr sie auch möchte. Wer ein gütiges Geschick hat edle Menschen um sie gestellt. Nachdem alles aufgeklärt ist, reift Ponta ab mb die beiden Paare vergeben einander und gehen bann jedes seiner Wege.
- Der Aifall, dest das Stück gfltern hier fand, Mr sehr «rft
Die Ausführung, bie von Herrn Tworkowski geleitet wurde, war im allgemeinen recht gut, wenn man sich auch einiges anders gewünscht hätte und wenn auch häufig zu leise gesprochen wurde. Herr B r u ch w i tz , der den Maler Constant spielte, ist nicht der Mann des Salons; seiner gedrungenen Kraft entsprechen die genialischen Helden, das naturwüchsig Starke. Da liegt sein bestes Können, ein sieghaftes Stürmen. Für den Constant 'war er zu derb. Sehr fein gab Frau Sonntag-Blume die Gabriele. In ihrer Darstellung gewann der seltsame Charakter Leben; das Schlechte, Verderbte, blieb im Unterbewiißtsein und lohte nur manchmal rasch und heiß auf. Man glaubte ihr die große Liebe zu ihrem Mann, man glaubte auch an ihre Reue. Recht hübsch, aber doch nicht fraulich genug war Frl. Dagny als Henriette. Ganz reizend war sie im Anfang; voll nachdenklicher Scham um eine verlorene Mädchenehre, aber nachher nicht temperamentvoll genug, um ihren Fehltritt glaubhaft zu machen. Oder war es im Leiden um den Fehltritt? Im übrigen verwüste sie nicht vergeblich, tiefer in ihre Rolle einzudringen und sie zu klären. Das Talent dazu hat sie in reichem Maße. Dem schüchternen Diplomaten le Guenne gab Herr Steinh 0 fer eine sonnig wärmende Güte, eine rührende Hilflosigkeit und auch im äußeren so getreu dem von dem Verfasser entworfenen Bilde, daß es eigentlich rätselhaft ist, was .Henriette so sehr an ihm liebt. Den heiteren Lebemann Ponta Tulli mit dem gramvollen Herzen spielte Herr R 011 e d keck und frisch mit einer leisen Trauer im Auge; abgeschliffen und abgeklärt. Eine köstliche Tante Clotilde bot Frl. Frenzei; ganz Dame und doch komisch genug. N.
Legenden aus der pariser Großen Oper.
Legenden — denken wir an sie, so sehen wir im Geiste als ihren Schauplatz verfallene Burgen, dunkle Stloftcrgänge, mond- scheinheglänzte Plätze und Straßen einer schlafenden alten Stadt vor uns. Mer: es gibt viel mehr Legenden zwischen Himmel und Erde, als bie Schulweisheit sich träumen läßt und selbst ganz moderne Häuser, Stätten und Einrichtungen haben zuweilen ihren Legendenschatz. So auch die Pariser Große Oper. Eine Menge, halb historischer Gesckstchten gehen da um und werden von einer Künstlergeneratiou gläubig der nächsten überliefert, wobei die Geschichten, wie *55 nun einmal das Schicksal der Legenden zu fein pflegt, selbst mancherlei Wandlungen unterliegen mögen.
Ta ist z. B. die Legende von dem Skelette des Ooktors Bois- martin, die jedesmal bei einer Vorstellung des „Freischütz" durchs Haus geflüstett^wird. Früher soll nämlich in der Kugelguß,'zene ein richtiges Skelett venvendet worden sein, das das Skelett eines seinerzeit bekannten Pariser Arztes, des Doktor Boismattiu, gewesen sei. Ter Arzt habe es bei seinem Tode seiner Geliebten, einer Tänzerin, vermacht. Diese habe bamit aber nichts anzu- fangen gewußt, so daß es in einem Schrank vergessen liegen ge-
nenben Konferenzen in Essen, die sich an Brandts von Gewissensbissen getragenen Aeußerungen anknüpsten, beweisen, baß in Essen eine schonenbe Tulbung fragwürdiger Hanb- lungen geübt würbe. Direktor Eccius, ber Verantwortliche dieses Teils der Kruppschen Geschäfte, wird die Schale zur bitteren Neige leeren müssen.
Und doch, so ernst man diese faxen Auffassungen gc- schästlicher Moral auch beurteilen mag, viel schlimmer sehen die Unternehmungen und Beweggründe aus, die zur Aufrollung der lcidiaen Angelegenheit geführt haben, fperr v. Metzen ist tatsächlich, wie der eine Verteidiger feststellte, gerichtet. Wenn ihn keine gerichtliche Strafe ereilt, so verfolgt ihn doch auf allen seinen weiteren Schritten der Schatten eines üblen Leumunds. Wer solchen Vertrauensbruch verübt, daß er eine Stelle, auf deren Besetzung er einigen Einfluß hat, um eigener, schnöder Gewinnsucht willen verkauft, für den ist Entlassung die allermildeste Strafe. Wer aber dann, um für diese Maßregelung sich zu rächen, zum scheinheiligen Denunzianten wird, erniedrigt sich bis zur Selbstverachtung. Es besteht der Verdacht, daß Herr v. Metzen in seinen „guten" Tagen, als er noch Angestellter der Firma Krupp war, genau so gut um die fragwürdigen Beziehungen Brandts gewußt hat wie Direktor Eccius. Und wenn überhaupt Landesverratsgcfahrcn dabei im Spiele waren, so hat sie mehr als ein anderer der, Zeuge v. Metzen heraufbeschworen.
Bei diesen Qualitäten des Hauptbelastungszeugen war es wirklich nicht gerade erforderlich, daß der Prozeß so ungewöhnlich große Dimensionen annahm, und der Staatsanwalt ging in der Hitze des Gefechts doch manchmal weit übers Ziel hinaus. Dies äußerte sich besonders in der Zitierung der Zeugen v. Bücking und Wangemann. Das verdächtigende Geschwätz, daß Empfehlungen Kruppscher Direktoren auf Beförderungen von Militärbeamten Einfluß gehabt haben könnten , war doch wohl keine Zwangslage, Telegramme in die Welt zu schicken und einen ahnungslosen' Herrn in Mera n Hals über Kops diese seltsame Vergnügungsreise nach Berlin antreten zu lassen. Die Vernehmung des Zeugen Majors Wangemann, war ebensowenig gerechtfertigt, denn wenn dem Abg. Liebknecht ein Offizier, der mit Krupp Beziehungen unterhält, verdächtig erscheint, so braucht daraus wirklich noch keine gerichtliche Hauptaktion gemacht zu werden.
Wie die Strafen gegen die beiden Angeklagten «auch ausfallen mögen, bie widerliche Sache ist nun ein- für allemal aus ber Welt geschafft. Es liegen Verfehlungen vor, gewiß, aber sie sind bei weitem nicht so schwerwiegender Art, daß wir mit Dr. Liebknecht auch nur halbwegs ein „Panama" annehmen müßten. Die Militärverwaltung hat durchaus Feine weltbewegenden Skandalgeschichten zu beklagen; sie ist durch diese Aufdeckungen nur zur weiteren Ausbreitung ihrer Vorsichtsmaßregeln genötigt worden, und sie wird dafür zu sorgen haben, daß keinerlei wesentliches Geheimmaterial mehr in private Hände gelangt.
als nebensächlich und wenig beunruhigend an. Sie haben gesehen, wie sich bie Regierung Serbiens schnell dem Willen Europas unterworfen hat, indem es Albanien räumt. Ich kenn« Vcniscl 0 s nicht, aber ein überlegener Staatsmann, als den ihn jedermann ansieht, wirb er nicht ermangeln, sich gleichfalls demselben Willen zu unterwerfen, umfontdir als es sich seitens Griechenlands nur um eine Frage nationaler Empfindlichkeit zu handeln scheint. Als schwerwiegender und ernster sehe ich die türkisch-griechische Spannung an, aber ich glaube: daß man sich, um deren Lösung zu beschleunigen, mit ber Räumung Albaniens beeilen muß. Die Türkei erwartet, hofft sogar vielleicht von dieser Seite her eine Verwicklung, wo sic ber tertius gaudens wäre, wie sie es im Kriege zwischen ben Balkanverbündeten war, der ihr Adrianopel eingetragen hat.
Aus Italien, wo ich mich mit Marchese San Giuliano unterhalten habe, bringe ich feinen anderen Eindruck mit, als den, daß die Aktion ber italienischen Regierung innig mit ber Oesterreichs auf dem Balkan verknüpft bleibt und daß das römische Kabinett, das von Oesterreich an Serbien gerichtete Ultimatum für durchaus gerechtfertigt hielt. Gewiß, unsere Gesichtspunkte, sind nicht dieftlben, aber ich bleibe nichtsdestowenigm: der Ueberzeugung, daß die Londoner Konferenz mit der Zeit alles wirb hereinbringen können, was bie Reformen in Armenien anlangt. So ist biefe Frage noch nicht reif.
In meinen Unterredungen mit dem Ministerpräsidenten 23 art l)o u und dem Minister Pichon werbe ich auch bie Frage der in Frankreich vorznnelstnenben Ausgabe von Obligationen ber russischen Staatseisenbahn erörtern. Der russische Staat ist dabei interessiert, ba er diese Bahn garantiert. Man behauptet immer, daß der Besuch eines russischen Skaatsministers das Vorspiel für eine Anleihe bilde. Das ist hier keineswegs der Fall. Die gute Lage unseres Staatsschatzes schließt für Rußland jede Notwendigkeit aus, einen Kredit in Anspruch zu nehmen.
Konstantinopel, 7. Nov. Hiesige Mvrgcnblätter melden, der deutsche Konsul Dr. Bassel sei als Mitglied der Kommission zur Reform der Finanzen in Aussicht genommen. Die Ernennung wird nicht, wie die türkischen Blätter angeben, auf Wunsch Deutschlands, sondern auf Ansuchen der türkischen Regierung erfolgen. — Die Reise des rumänischen Ministers Take Jonescu nach Athen wird von der Pforte und den Diplomaten in optimistischem Sinne ausgelegt, weil Take Jonescu, durch ein türkisches Memorandum informiert, die guten Dienste Rumäniens in dem griechisch-türkischen Konflikt anbieten werde.
Athen, 7. Nov. Der rumänische Mini st er des Innern, Jonescu, ist hier eingetroffen und vom Mi- nisterpräsidenten empfangen worden. Eine große Menschenmenge jubelte ihm zu. Die Stadt ist beflaggt.
Nr. 265 Erstes Blatt 163. Zahrgang Samstag, 8. November M
Der SietzE Anzeiger NV wir YezuaSvrel»
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