mrS Saloniki ausgelaufene Schiffe tomtien einige schiffbrüchige Mannschaften retten.
Athen, 6. MLr-, (Hgence Havas.) Vie Meldung der „Neuen Freien Presse", daß der türkische Kreuzer „Harni - bi j e" in der Ducht von Hagton-Oros drei griechische Transportschiffe in den Grund gebohrt habe, ist unbegründet
Neues von Enver Bep.
Kon stavtinopel, 6 März. Enver Bey unternahm heute als Bevbachtnn aSo ffi^ie r einen Erkun- dnn gSflng von San Stefano aus aus einem deutschen Doppeldecker, den der deutsche Flieger Hauptmann Krey steuerte.
Dctiffcbe» Reich.
Kaiser und Reichskanzler.
Der Kaiser stattete am Donnerstag vormittag dem Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg einen Besuch ab
Den Schwarzen Adlerorden verlieh der Kaiser dem Generaladiutanten des Kaisers General der Infanterie von Loewenfeld.
Das würt tembergische Kultusministerium hat für das Regierungsjubiläum des Kaisers und für den Gedächtnistag der Befreiungskriege für sämtliche höhere Schulen und Volksschulen, Lehrerbildungs- unb Erziehungsanstalten Schulferien mit schulfreiem Tag angeordnet.
Deutsche Luftschiffe in England.
Zwischen der Luftfahrzeug-Gesellschaft in Bitterfeld, die augenblicklich für die e n g l i s ch e Regierung einen Parseval- kreuzer von 86 Meter Länge unt> 15 Meter größtem Durchschnitt zum Preise von 550000 Mark baut, und der englischen Regierung ist ein Vertrag zustand" gekommen, wonach die Luftfahrzeug-GeseTschaft der englischen Regierung zu diesem Luftschiff auch die Zeichnungen liefert. England darf für eine gewisse Zeit selbständig so viel Luftschiffe bauen wie es will, für jedes dieser Luftschiffe aber muß es an die Luftfahrzeug-Gesellschaft eine bestimmte Summe entrichten. Die deutsche Regierung hat zu diesem Vertrag die Genehmigung gegeben.
Eine Anfrageüber den bulgarischen Boykott.
Der Abg. Bassermann hat folgende kurze Anfragegestellt: „Ist dem .Herrn Reichskanzler bekannt, daß nt Bulgarien unter Beteiligung amtlicher bulgarij'djer Stellen ein Boykott deutf cher Waren staltfindet? Welche Maßregel gedenkt der Herr Reichskanzler dagegen zu ergreifen? Ich begnüge mich mit einer schriftlichen Antwort."
Auslanv.
Präsident Gras Tisza über das allgemeine Wahlrecht in Deutschland.
Das „Berliner Tageblatt meldet aus Budapest: Im ungarischen Abgeordnetenhause äußerte sich Präsident Gras Tisza über die Wahlrechtsvorlage und hob ais Argument gegen das allgemeine Wahlrecht dessen Wirkung in Deutschland hervor. Nirgends habe das allgemeine Wahlrecht so destruktive Ergebnisse erbracht als in Deutschland. (Allgemeine Zustimmung.) Wo sei im Deutschen Reichstage das gewaltige geistige und sittliche Kapital vertreten, das die große reicl^deutsche liberale Intelligenz vertrete? Wie müßte wohl, wenn in Deutschland der Parlamentarismus bestände, die aus einem solchen Reichstage l>ervor- gehende parlameittariscl>e. Regierung aussehen? Das Deutsche Reich bestehe neben seinem NeickfStagc, weil es keinen Paria- mentarismus besitze. Güt bißchen übertrieben darf man diese „Feststellung" schon nennen!
FrankreichsneueLuftkreuzer.
Die von dem französischen Kriegsministerium bestellten acht großen Luftkreuzer von 20000 Kubikmeter sotten tm November ober Dezember dieses Jahres fertig- gestettt werden. Die französische Militärverwaltung wird demnach Ende dieses Jahres über acht große Luftkreuzer, fünf kleine Luftkreuzer und acht AusUärungslu.ftschiffe verfügen.
Die chinesische Anleihe.
Aus Peking wird berichtet: Der Finanzminister erklärte heute morgen bcn Gesandten der sechs Mächte,, daß es.zronklos sei, über die Anleihe auf der Grundlage des letzten Vorschages bdtr. der Beiräte zu beraten, da dieser Plan von der Nationalversammlung so verschieden sei, daß das neue Parlament ihn sicherlich z u r ü ck w e i s e n würde. Der englische Gesandte erwiderte nachmittags, wenn die Bedingungen der Gesandten der sechs Mächte nicht angenommen würden, sei es unwahrscheinlich, daß sich fernerhin eine günstige Gelegenheit zum Abschluß einer Sechsmächte-Anleihe bieten würde. — Es wird allgemein angenommen, daß die Chinesen hoffen, daß die Verhandlungen in London zu einer vollständig neuen Anleihe von 20 Millionen Pfund Sterling führen.
Schwurgericht.
th. Gießen- 6. März. Zweikampf.
Unter einem Andrang, wie ihn die Gießener Schwurgerichts- Verhandlungen sonst nur bei großen Mordprozessen zu verzeichnen haben, verhandelten beute die Geschtoorenen gegen den am 29. März 1888 zu Michelstadt geborenen ehemaligen Leutnant beö Fuß Art Rgts. Nr. 3, Friedrich Wilh. Ittmann wegen Tötung im Zweikampf. Die Anklage verttat Oberstaatsanwalt Hofmann. Die Verteidigung führten die Rechtsamvälte Ju- stizrat Dr. Jung und Falk- Frankfurt a. M.
Der Angeklagte ist geständig, am 15. November in der 6. Schneise des Licher Walde-' ben Flieger Georg Fighiera ans Nizza im Zweikampf getötet zu haben
Aul Befragen erklärte Jttmann, er habe im Januar 1912 auf einem Ballfest im Wiesbadener Kurhause die Frau Fighiera kennen gelernt. Er hat die Frau, die juh in ihrer Ehe recht unglücklich fühlte, wiederholt getroffen. Ihr Mann habe ihr vor der Hocweit ein Lungenleiden verheimlicht und sie leide sehr unter fernen krankhaften Ideen Frau Fighiera wollte sich von ihrem Manne scheiden lassen, und ihm bann angeboren Auf Betragen des Vorsitzenden LandaerichtSrat M och erklärte Jttmann er habe mit der Dame nur anständig verkehrt und den Ehemann erst am Morgen auf dem Kampfplatz kennen gelernt. Nach Frau ,vighieran Abreise von Wiesbaden entspann sich ein lebhafter Brieiwcchsel. xer Vorsitzende bemerkt, daß aus den Briefen ber- lwrgehe, daß Jttmann e> gewesen ist, der schon im Februar die tyran gedrängt habe, sich von ihrem Ehemann zu trennen Er habe auch einmal geschrieben, der Ehemann Fighiera müsse mit oder ohne DtzeU fort, wenn er nicht in die Trennung nnlliae Der Angeklagte erwidert, daß sich der Inhalt seiner Briefe nur auö einer getvisscn Stimmung heraus erklären lasse: er habe nie die Absicht gehabt, bcn Ehemann Fighiera zu toten
Der Vorsitzende fragt, ob er noch geschrieben habe, nachdem Fighiera im Mai v. I die Liebesbriefe entdeckt, und Jttmann gebeten habe, den Briefwechsel einznstellen. Der Angeklagte entgegnet, er habe ans Bitten der Frau den Brieiwechsel tortgesetzl Der Angeklagte gibt weiter zu, daß er den "ikiei des C bemanne» nicht beantwortet l»abe und daß «ich dieser dann uh seiner Regiments-Kommandeur geroanbr habe. Infolgedessen inracb der Ehrenrat fein Urteil, das zwar durch den Maner gemildert wurde ihn aber zwang, seinen Abschtcd zu ne. i v.;,gni ? > Vor
Wurfs der Feigheit ließ Jttmann den Fighiera fordern und als dieser in Paris keinen Zeugen für den Zweikampf fand, schlug der Kartellträger Assessor Beck in Offenbach vor, aut Gießener S. E. Waffen anzutreten. Becks Bemühungen gelang es, die Forderung auf dreimaligen Kugelwechsel und 10 Schritt Entfernung berabjubrüden. Noch vor diesem X)anbei habe sich Fighiera an den Obersten des Angeklagten gewandt und diesem mitgeleilt, daß der sehr belastende zweite Bries an Jttmann versehentlich gar nicht abgesandt sei, und sich setzt unter Geschäfts- papieren bei ihm vorgnunden habe. Das Ehrengericht des S. C. genehmigte den Zweikamvs nicht, weil Fighiera bei dem Obersten die Beleidigung zurückgenonnnen hatte. Dagegen forderte Fighiera noch wahrend her Verhandlungen des Ehrengerichts den Angeklagten aut Pistolen. Dieser Zweikampf wurde bann auch vom Ehrengericht gutgeheißen.
Der Vorsitzende richtet an den Angeklagten die Frage, ob er nicht gewußt hat, daß Frau Fighiera früher schon einmal verheiratet gewesen war und daß diese Ehe getrennt worden ist, weil die Frau einen österreichischen und auch einen deutschen Offizier genau so an sich gefettet hat, rote sie dies bei ihm getan habe. Der Angeklagte bejahte diese Frage. Der Angettagte kommt nun zur Schilderung des Duells. Beim ersten Kugel wechsel schoß Fighiera schon bei zwei, doch ging die Äugel unmittetz bar zu seinen Füßen in ben Boden. Darauf schoß er, ohne den Gegner zu treffen. Zum zweiten Gang wurden die Plätze gewechselt: dabei sagte ihm sein Sekundant, er sötte zielen: seines Erachtens hat sein Gegner bei diesem Gang ebenfalls gezielt. Fighieras Waffe ging wieder zuerst los, aber ohne zu treffen: er selbst hat auf des Gegners Beine gehalten und sah, wie er zusammenbrach. Er hatte ihn in den Oberschenkel getroffen. Ter Angeklagte versicherte, es sei nicht seine Absicht gewesen, den Gegner .zu toten. Ehe Fighiera verstarb, bat er sich mit Jttmaitn versöhnt und in der Klinik auch feine Blumen angenommen. Bor dem Duell, so erklärte der Angettagte, bat sein Sekundant ihm mitgeteilt, daß Fighiera darauf ausgehe, ihn zu treffen, er habe aber gesagt, er wotte ihn schonen, worauf jener ihn zur Vorsicht gemahnt «hat.
Der Angeklagte sieht ein, daß er die Veranlassung zu der ganzen unglücklichen Geschichte war und versichert noch einmal, daß er den Mann nicht habe töten wollen. Auf Befragen des Oberstaatsanwalts gesteht der Angettagte, daß er noch nach der Eingabe des Ehemanns ans Regiment mit Frau Fighiera im Briefwechsel gestanden habe, ja noch sogar im August mit der Frau 14 Tage in Lugano gewesen sei. Hier hat ihm die Frau mitgeteilt, daß sie von ihrem Mann in andern Umständen sei, wodurch sich das Verhältnis zwischen ihnen sehr abgekühlt hat. Nach einigen Zwischenfragen des Oberstaatsanwalts H o f m a n n n ist die Vernehmung des Angeklagten beendet.
Bei der Zeugenvernehmung erklärt Assistenzarzt Dr. Stephan, er habe hei dem Zweikampf als Arzt mitgewirkt, aber keine 93eobad;tiutgcn machen formen. Gerichtsassessor Beck - Offenbach, der die erste nicht genehmigte Forderung uberbrackste, war bei dem Zweikampf nicht zugegen. Fighiera war nach seiner Deobaclstung ein sehr sympathischer Mensch von anständiger Ge- sinnunng. Regimentskommandeur Oberst Meckel vom 3. Fuß-Ar- tincrie»9icgt. teilte mit, daß der Spruch des Ehrengerichts einsttrn- mig auf schichten W schied gebrütet hat. Der oberste Kriegsherr hat aber den Spruch in Verw-.rrnung geändert und cs wurde Dem Clnge-- ffagten nahe gelegt, seinen Abschied einzureichen, den er dann auch erhaben hat. Auf Veranlassung Jttrnanns hat sich bann ber Ehrenamt mit einer von diesem an Fighiera gestellten schweren Forderung besaßt, das Duell aber nicht genehmigt, weil der Gegner in einem zweiten Brief an den Zeugen alle Beleidigungen förmlich zurückgenommen hatte. Oberst Meckel ist der Anfickst, daß Frau Fighiera eine äußerst raffinierte Frau sei, die es verstauben hat, ben jungen Offizier in ihre Netze zu fangen, dieser war ja nicht der lerste Offfzier, dem sie die Karriere brrbnrben h-tt Hauptmann Wolf war bei dem Duell als Vertreter be? Regiments juge .cn Unb holt es für ganz selbstverständlich, daß ^sitnuinn gezielt hat. Dr Büchner, der als Arzt bei dem Duell tätig war, schildert ben Hergang. Nach dem Duell habe er mit Frau Fighiera ge- sproclfen, die die Sache anfänglich sehr gelassen aufnahm. Ms sich später der Zustand des Verletzten zum Schlimmen wendete, wurde die 5rau aufgeregt und gebärdete sich sehr erschüttert. Ms sich einmal die Frau Fighiera nut Jttmann teleplfonisch verständigen wollte, geriet der Patient außer sich Die Frau verfiel von einem Extrem ins andere. Fighiera hat gewußt, daß Jttmann ein vorzüglicher Pistolenschütze war; die Versöhnungsversüchc scheiterten.
Drei junge Akademiker, die beim Ehrengericht des S. C. mit-- gewirkt haben, machen von dem Recht der Zeugnisverweigerung Gebrauch. Frau Dr. M a r x - Frankfurt a. M. bekundet, daß Frau .Fighiera wiederholt geäußert habe, sie wünsche den Tod ihres Mannes. Mchtig.ist, daß am Tage vor dem Duell Jttmann sie telephonisch veranlassen wollte, Frau Fighiera von der Reise nach Gießen zurückzuhalten. Die Eheleute waren aber schon abg ereilt.
Der Vertreter ber Anklage beantragt, bei den Akten beffudliche Briefe ber Frau Fighiera zur Verlesung zu bringen. Der Verteidiger beantragt, dann auch die Briefe des Angeklagten zu verlesen.
Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Koch, bittet, doch diese Sacht* nicht so zu behandeln, als ob sie ein übergroßes Interesse für die Oefsentlichkeit habe.
Es werben dann nur gewisse Stellen des Briefwechsels verlesen. Die Briefe der Frau Fighiera lassen erkennen, daß diese den Angettagten stets in dem Glauben gelassen hat, sse wolle faf) von ihrem Manne trennen und Jttmann dann heiraten. In einem Briefe schreibt sie, cs wäre gut, wenn das Duett bald stattfinde und ihr Mann nachher nicht mehr lebte. In einem Brief vom 21. Oktober schreibt Jttmann, er werde Fighiera im Duell töten, wenn er nicht in die Scheidung willige, imb er sei ein guter Schütze.
Es wird darauf die eidliche Aussage ber Frau Fighiera verlesen, bic nicht zum Termin geladen ist, weil fie in Nizza lebt. Sie ist 1883 in Hamburg geboren und war dort mit einem Oberlehrer vermählt. 1911 hat sie Fighiera in Paris geheiratet Im Jahre 1912 will sie eine Zeülang die Msicht gehabt haben, sich von ihrem Manne zu trennen unb wurde darin durch die Bekanntschaft mit Jttmann bestärk. Von diesem Scheidungs- gedankeu tarn sie aber später wieder ab. Das Protokoll bestätigt, was Jttmann selbst über das Verhältnis zu der Frau angegeben' Aus dem Urteil ber Ehescheibungsklage wirb festgestellt, baß die Frau für den schuldigen Teil erklärt wurde. Sie halte zugleich mit zwei Offizieren und mit Fighiera Verhältnisse an-
Geh. Medizinalrat Dr. foabertorn als medizinischer Sachverständiger erörtert den Befund der Leiche des Fighiera. Er erklärt, daß zu der Verwundung Blutvergiftung cüigetrcten sei, und so der Sckuß mittelbar die Todesursache sei. Die Sektton bube ferner ergeben, daß keine Lungentuberkulose vorgelegen habe, in dieser Hiniictzt sei Fighiera gounb gewesen.
Damit ist die Beweisaufnahme beendet und den Gcschwv reiten wird die Schultchaqc vorgetogt, die auf Zweikamps mit löblichen Waffen und Todesfall lautet.
Oberstaatsanwalt Hofmann führt aus: Das Drama, welches Anfang Januar b. I. im festlichen Ballsaal des Kurhauses in Wiesbaden seinen Anfang genommen unb un Sdnncnbcrger Walb sein blutige» Enbe fanb, verlangt Sühne Eine manns- tolle Frau war bic Veranlassung unb zweifellos bte Urheberin Fighiera, der getötete Mann, habe Oxlmut besessen: er habe dem Angeklagten durchaus anständig geschrieben, den Verkehr und den Briefwechsel mit seiner Ehefrau zu unterlassen, unb hak bann «ehr edel gehandelt, als er seine Beleidigung beim Reqi ment zurrnknahm, um dem Angettagten die Uniform zu erhalten, dagegen habe der Angeklagte den Verkehr mü der Frau fort
.xcx. Ankläger »childertc bic Sorfmnmnnie im einzelnen imb roenbet fich an die Gefchworcuen, mban er fordert, daß diese die ^ilmlhTranc baahen.
,, ^^ger crDärcn. daß sic das Wort erst nach dem Liahnpruch der Geichwormcu nehmen lverden, da fie allein di Strafeumenung behaitbdn wollten.
Nach einer kaum viertelstündigen Beratung verkündet der Obmann die Bejahung ber Schulbfrage, worauf Oberstaatsanwalt Hofmann 31 2 Jahre Festung beantragt.
Der Berteibigrr Justizral Dr. Jung hält die beantragte Strafe für viel zu hoch. Ter 9üigcKagte habe gefehlt, aber er sei einer schönen Frau zum Opfer gefallen, deren Vorleben er gefaimt, die ihn verführt hat, unb er sei schon bestraft burd) bcn Verlust seiner Stellung als Offizier. JSä genüge vollständig, wenn man ihn mit der geringsten zuläffigen Strafe von zwei Jahre Festung belege.
Rechtsanwalt Falk verweist darauf, daß es nicht die Absicht Jttrnanns war, den Gegner zu töten, nur ein unglücklicher Zufall hat diesen Erfolg herbeigeführt, deshalb liege keine Veranlassung vor, den Angettagten besonders hart zu bestrafen.
Der Gerichtshof erkannte danach auf
21/. Jahr Festungshaft.
Ms mildernde Umstände kommen die Art in Betracht, wie der Angettagte von Frau Fighiera förmlich verführt worden fei, unb weiter seine Jugenb. Niun Lonne aber ben Angettagten nicht für so unerfahren halten, baß er nicht hätte wissen müllen, wie weit er gehen durste Den Angettagten treffe aber auch eine schwere Schuld, daß die Tinge so gekommen sind, darum habe der Gerichtshof nicht auf bte Minimal strafe erkennen können
Aur Stadt und Cant*
Gießen, 7. März 1913.
*♦ Tageskalenderfür Freitag, den 7. März: Stabt- the ater: ,Ter Revisor/ Anfang 8 Uhr.
•• Titel- unb Ordensverleihung. Der Groß- Herzog hat dem Großkaufmann Kommerzienrat Karl Auq. Fischer zu Bingen den Charakter als Geh. Kommerzienrat und ihm bas Ritterkreuz 1. Klaffe des VerdienfiorbenS PhiUppS dcS Großmütigen verliehen.
•e Ruyestanbsversetzung. Der Großherzog hat den Oberförster der Dbcrförftcrei Stomborf, Forstmeister Herm. Lautenschläqer zu Stornborf, auf fein Nachfuchen, unter Anerkennung feiner treu geleisteten Dienste, biS zur Wieber- bcrftcQung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt. Die Stelle wird zur Wiederdesetzung ausgeschrieben.
•• Aufnahmeprüfungen im DolkSfchul- lehrerinnen-Seminar. Für die, die beabsichtigen, in das bestehende Seminar für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt einzutreten, ist es von Wichtigkeit, zu erfahren, daß die Aufnahmeprüfungen schon vor den Osterserien, am 13. März, ihren Anfang nehmen. Im Unterschied von dem Leherinnenseminar ber Viktoriaschule werden für die unterste Klaffe keine Kenntnisse in fremden Sprachen, sondern nur gediegene Volksschulkenntnisse verlangt, unb etz wird kein Schulgeld erhoben. Die Anmeldiingen sind vorher an die Direktion zu richten nach vorheriger Untersuchung der Schülerin durch den Kreisarzt. — Entgegen ben Bedenken derer, die von dem Lehrerinnenberus meinen abraten zu muffen, fei darauf aufmerksam gemacht, daß gegenwärtig die Unterklaffen der Seminarien schwächer besucht sind. So ist zu erwarten, daß da§ Mehrangebot von Lehrkräften, durch das in den letzten Jahren die sofortige Verivendung der Lehrerinnen zum Teil nicht möglich ivar, allmählich wieder zurückgehen wird, und die Aussichten für bic Lehrerinnen wieder so gut werden, wie sie bisher gewesen sind.
** Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß die Aufführung von Parkettsitz Nr. 10 am Sonntag nachmittag bte unbedingt letzte der amüsanten Fliegerposse ist Die Borstellung wird bei kleinen Preisen gegeben, ebenso die Abendvorstellung von „Mein Freund Teddy*.
** Im deutschen Frauenbund für die Kolonien sprach gestern abend in der UniversitälSaula Oberstleutnant z. D. Richelmann über „Wie ich Deutsch-Ost- afrika zur Wißmannzeit und 20 Jahre später gefunden habe/ Der Redner verstand es mit seinen 1*/, stündigen Ausführungen, die von etwa 60 prächtigen Lichtbildern be gleitet waren, die Zuhörer von Anfang bis zum Ende im Bann zu halten. Ausgehend von der Hafenstadt Dar eS Salam machte Herr Richelmann mehrere Reisen in das Innere, besonders zum Ufagaragebirge und zum Viktoriasee. Mit beredten Worten beschrieb der Vortragende die Herrlichkeiten des tropischen Urwaldes, die durchweg recht sauberen Plantagen der deutschen Ansiedler und die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen. Am Ende des BortrageS wurde dem Redner lebhafter Beifall gespendet.
** Die Brandschatzung der Geschäftsleute. Eine besondere Charakter-Eigenschaft des Deutschen ist eS, außer der bekannten Gastfreundschaft auch bereitwillig Opfer zu bringen, wenn es fich um großzügige Sachen, zur Ehrung verdienstvoller Männer oder für daS Interesse des Vaterlandes handelt. Selbst bei Gaben zu wohltätigen Zwecken oder für Vereinsförderung kargt man nicht, doch fanden gerade auf letzterem Gebiete in lüngster Zeit leider vielfach Mißbräuche statt. Jeder kleinste Verein auf dem Lande glaubt in den Geschäftskreisen, aus denen Warenlieserungen dorthin erfolgen, die Stelle zu sehen, wo er Mittel für seine Zwecke findet. Die Erreichung der letzteren erfolgt daher mitunter in der Art der Brandschatzung. Ohne irgend jemand nahe treten zu wollen, meinen wir darauf Hinweisen zu sollen, daß diese Art der Selbsthilfe verwerflich ist und dem rechtlich Denkenden gewiß nicht die innere Beftiedigung verschafft. Den reellen GeschästStreiden- den aber möchten wir empfehlen, sich einmütig gegen diese ungerechtfertigten Belastungen zu verwahren, indem sie die geplanten Unterstützungen zurückweisen und dadurch ihr StandeSbewußtsein heben.
Landkreis Sieden.
— Lich, 6. Febr. In Rr. 53 berichtete man, daß in Wölfersheim am Samstag die Hauptarbeiten für die Zentrale dec elektrischen Beleuchtung fertig geworden seien und Wölfersheim an diesem Sage im Glanze des elektrischen Lichtes gestrahlt hätte. Auch Lich freut sich unb kann die Zeit nicht erwarten, bis Licht und Kraft abgegeben werden. Seitdem die elektrifchc Lichtanlage neben den Petroleumlampen montiert ist, scheint unter ihnen eine wahre Unlust zum Brennen ausgebrochen zu sein. Die eine rußt unb bic anbere riecht. Viele Lichtabnehmer trösten sich damit, daß das Licht bis zum Herbste überhaupt überflüssig sei. Füc bie Kcaftabnehmer wirb eß noch lange em frommer Munsch bleiben.
Kreis Friedberg.
--- Friedberg, 6. März. Unter den bei dem Torpedo- "glück Ertrunkenen befindet sich auch ein Friedberger, der 21 jährige Willi Hebous, Cohn deS Kasinowins. Er'war erst feit EamStag auf diesem Torpedoboot eingestellt.


