Nr. 56
Der Siehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich Sithener^awilienblätter: zweimal wöchentl.Nrei§: Nfittfflrbcn Kreis föiefoen (Dienstag und Freitag) ; zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse iür Depeschen:
Anzeiger Gießen.
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Erstes Blatt
165. Jahrgang
Aeitag, 7. März 1913
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und Verlag der Vriihl'schen Univ.-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7.
Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.
VezrrgSprer >: monatlich 75 Vs., vierteljährlich Alt. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Alk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps., ausivärts 20 Pienniq. Ehefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für- den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton", ,Ver»nischtes" und „Gerichtssaal": K. Neurath; für .Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfahr 12 Seiten.
Der göH von Janina.
Wir erhielten folgende Meldungen:
Athen, 6. März. (Agence Havas.) Infolge des entscheidenden Sieges der Griechen hat der türkische Befehlshaber Essad Pascha, der die Truppen in der Gegend von Janina zusammengezogen hat, dem griechischen Kronprinzen die Nebergabe an geboten.
Athen, 6. März. (Amtlich.) General S out za ist mit dreiEskadrons heute morgen um 9 11 hr in Janina eingezogen. In Besani ist die hellenische Flagge gehißt worden.
Die Einnahme Janinas in Epirus durch die griechischen Truppen ist zweifellos einer der bedeutendsten militärischen Erfolge im Balkankriege; sie bedeutet für Griechenland nach so manchen Fehlschlägen die Wiederherstellung seines politischen Ansehens. Griechenland rückt mit diesem Siege erst wirklich an die Seite seiner bisher weit glücklicheren Verbündeten. Janina war es, um deswillen man in Athen den ersten Waffenstillstand von Tschataldscha nicht unterschreiben wollte. Nach Janina sandte man den Kronprinzen Konstantin, der sich persönlich für den Erfolg verbürgte und der die Hoffnung, die man auf ihn setzte, nun auch tatsächlich erfüllt hat. Die Aussichten der Griechen, in Epirus kriegerische Lorbeeren zu pflücken, waren durchaus nicht groß. Man hatte in Anbetracht der sehr schwachen Finanzen des Staates von der Anlage ständiger Befestigungen und Garnisonen an der bisherigen Nordwestgrenze Griechenlands abgesehen, was sich bei Ausbruch des Balkankrieges als schwerer Nachteil herausstellte. Man hatte nur einen schwachen Rückhalt in den Sperrbefestigungen bei Arta an der zwischen Berg und Fluß eingeengten Straße von Janina. Alles andere mußte aus dem Stegreif von der Küste her gemacht werden. Hier aber half die anfeuernde Erinnerung einer großen Vergangenheit. Die Griechen kämpften in Epirus jetzt sozusagen auf ihrem historischstem Boden. Dort sammelte sich schon im peleponnesischen .Krieg die stolze Flotte Athens, die Thucidides beschrieben hat. Es Libt kaum einen berühmten Römer, der nicht an dieser Wasserstraße zwischen Italien und Griechenland, zwischen Europa und Asien erschienen wäre, durch die die Flut der Völkerbewegnng sich Jahrhunderte hindurch hin- und hergcwälzt hat. Nero auf seinem phataftischen Zuge nach Griechenland Tarn dort vorbei. Im Mittelalter jene gewaltige Frankenflottc, die von Venedig zum vierten Kreuzzuuge auszog. Unablässig kamen die Flottenzüge der Türken, der Venezianer, der Franken an dem heutigen Santi Quargnta vorbei, wo jetzt die Griechen zum letzten Ringen mit den Türken gelandet waren. 1797 kamen die Franzosen unter Bonaparte dorthin, 1799 wieder die Russen und Türken, 1815 die Engländer, und erst am 1. Juni 1864 wehte wieder drüben in Korfu die Fahne Griechenlands und bezeichnete den Stützpunkt für die heutigen Vorstöße Griechenlands zur Wiedergewinnung der einst verlorenen Herrschaft in Epirus.
Von einem in Athen wohüenden Deutschen erhalten wir noch folgende Mitteilungen, deren überschwänglicher Grund- ion ja zu erklären ist:
Griechenland ist nicht mehr der über die Achsel angesehene schwache Miniaturstaat, der 1897 gegen die Türken schmählich unterlag. Seine Truppen haben nun im Balkankriege trotz anfänglicher Mißerfolge Mut, Ausdauer und
Geschicklichkeit bewiesen. Kreta, Samos, Chios, Mytilene und Lemnos sind dem Mutierlande wieder zugefall'n, und in 'Epirus mag die Freude der griechischen Bevölkerung, die so viele Jahre unter der türkischen Fremdherrschaft stand, jetzt nach den: Falle Janinas unbeschireibüch sein. Griechenland verdankt seine Erfolge vor allem einem Manne, dem Kreter Eleuth?rios V eniz e l o s, der vor drei Jahren von einer Beg.i;ierungswoge der Vol.sliune auf den Ministerpräsidentenstuhl getragen wurde und sich dort bewährt hat. Er verwarf die zerfahrene Politik seiner Vorgänger und 'stellte statt der Wahrnehmung persönlicher und parteipolitischer Interessen das Wohl des Landes in den Vordergrund. Die Revision der Verfassung benutzte er zu einer Stärkung der monarchischen Ordnung, wie sie Griechenland ganz besonders brauchte. Durch eine llug zurückhaltende auswärtige Politik vermied er bis zuletzt, d. h. bis zum Ausbruch des Balkautrieges, mit voller Äbsich jede türtische Verwickelung, so daß Handel und Wandel in Griechenland nicht nur vor Stö 'nngen, sondern, was viel wichtiger ist, auch vor der Furcht vor,Störungen bewahrt blieben. Wenn die Wunden des jetzigen Krieges geheilt sind, was nicht lange währen dürfte, wenn die Fremden wieder durch das neue Hellas pilgern, wird mcm mit Staunen feststellen, daß sich das Aussehen der griechischen Städte in wenigen Jahren sehr vorteilhaft verändert hat. War es früher ein Scherzwort, daß man in Athen nur Staub und Politik finde, so trifft auch das Körnchen Wahrheit jenes Witzes nicht mehr zu. Die ehemaligen politischen Straßenkundg bungen scheinen auf N mwerwi de kehr eingestellt, und in den Hauptstraßen, die vollständig rnoderni- sicrt und asphaltiert sind, fehlt der Staub. Anstelle der alten schmu' iaen P'erd bahnen verk hren cl gante elektrische Tramways tuie in den schönsten Städten des großen Europas. Statt des unerfreulichen Papicrg l?es erhält man beim Wechseln jetzt blankes Silber, mit) die Drachme ist nicht mehr 50 Pfennig wert, sondern steht heute pari, d. h. 80 Pfennig, oder noch besser. Die griechische Auswanderung, besonders nach den Vereinigten Staaten, die als bedenkliches Zeichen angesehen wurde, hat sich durch die heimgezahlten Summen der Ausgewanderten und durch die starke Rückwanderung wohlhabend gewordener Landsleute als Goldquell erwiesen. Nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die früher so kränkliche Industrie erlebt einen unleugbaren Aufschwung.
Die letzte für die Griechen siegreiche Schlacht.
Ueber die in der obigen Meldung schon erwähnte Schlacht, die zur Einnahme von Janina führte, erhalten wir, folgende Meldung:
Athen, 6. März. Für den allgemeinen Angriff gegen die Befestigungen von Janina wurde es nach dem neuen Plan als notwendig betrachtet, Truppen auf den linken Flügel zu verschieben, von wo der Angriff unternommen werden sollte. Damit die Truppenverschiebungen von dem Feinde, der glaubte, daß der Angriff auf der rechten' Seite stattfinden würde, unbemerkt blieb, befahl der Kronprinz eine intensive Beschießung aller feindlichen Stellungen. Diesem Befehle entsprechend wurde vorgestern der Feind den ganzen Tag Mit lebhaftem Geschützfeuer angegriffen: das Fort Bisani antwortete anfangs nicht, dann aber eröffnete es das Feuer gegen die Griechen. Während des Tages sind mehr als 30 000 Geschosse abgefeuert worden, die in Bisani großen Schaden verursachten und dort sechs Batterien völlig zum Schweigen brachten. Der Kronprinz, die Prinzen und der Generalstab verfolgten den Kampf in der Nähe der Feucr-
linie. Während die grie chische Artillerie auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Türken ablenkte, rückten starke griechische Truppe nabt eilun gen rasch vom linken Flügel vor, und erreichten die Höhen von Mandliassa. Das Geschützfeuer dauerte die ganze Nacht weniger heftig fort und wurde gestern früh wieder lebhaft ausgenommen, als die griechischen Truppen kühn gegen dm Feind vorrücktm. Die Türken waren bestürzt durch die Plötzlichkeit des von beträchtlichen Streitkräftm ausgeführtm Angriffes, wichen zurück und begannenin Unordnunggegen Bisani zu fliehen, da sie deM heftigen Fmer nicht mehr widerstehen konnten. Um 11 Uhr vorm. trat wieder Ruhe ein. Die Griechen setztm den Vormarsch fort, besetzten nachmittags die Berge und die Batterien von St. Nicolas. Sie machten 110 Gefangene, darunter 40 Offiziere, und er -- obertenmehrereKanonen und Maschinengewehre. Die Begeisterung unter dm griechischen Truppen ist unbeschreiblich. Der rechte Flügel behauptete seine Stellungen, während die Division Metzowo schnell vorrückte und Trisko und Kotonraki besetzte. Um' 3 Uhr nachmittags war die Flucht der Türkm auf dm linken Flügel allgemein. Die Türkm flüchtetm in panik- artigem Schreckm in die Ebene in der Richtung auf Janina hinab. Vergebms versuchten die Offiziere die Flüchtenden zuM Stehen zu bringen. Die Flucht der Türkm auf Janina dauerte bis Mitternacht. Der Kronprinz drückte seine Freude über die Tapferkeit und dm Erfolg der Tmppen aus, die bis an den vor dem Toren von Janina getegenm Ort Toulouti vorgerückt sind.
Die Begeisterung in Athen.
Paris, 6. März. Aus Achen wird telegraphiert: Die Einnahme von Janina rief unbeschreibliche Begeisterung hervor. Mit besonderem Stolz betont man, baß die erste der drei großen türkischen Festungen von den Griechen erobert worben fei. Tie türkische Bechtzung von Irmina wirb als Kriegsgefangene anig 'sehen. Tie Uebergabe der Waffen wird abteikungsweife erfolgen.
Rücktritt des GroßwesierS?
K o n st a n t i n o p e l, 5. März. .Heute nachmittag, liefen hartnäckige Gerüchte um, daß ber Großwesip die Absicht kundgegeben habe, zurückzutreten. Die Gerüchte sind nicht bestätigt worben.
Die Botschafter
berieten, wie das „Reutersche Bureau" erfährt, in iArer Konferenz am Donnerstag, die 21/.> Stunden dauerte, über die durch den rumänisch-bulgarischen Streit geschaffene Lage. Die nächste Versammlung findet am Dienstag statt.
Serbische Truppentransporte zum Sinken gebracht?
Die Heldentaten des türkischen Kreuzers „Hamidijc" sind immer mit einiger Vorsicht aufzunehmen. Er will jetzt, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, 24 Truppcn- transportschiffe in den Grund gebohrt haben. Aber das Dementi folgt dieser Verkündigung auf dem Füße. Man wird ja bald hören, ob an dem Vorgang etwas Wahres ist:
Die Wiener „Neue Freie Presse" meldet aus Konstantinopel: Der Kreuzer „Hamidijc traf heute morgen vor der Bucht von Hagion-Oros auf eine Flotte von 24 griechischen Schiffen, die serbische Truppen mit 24 kleinen und 10 großen Geschützen nach Skutari transportiert hatten. Der „Hamid i j e" e r ö f f n e t e b a s F e u e r g e g e n d r e i Transportschiffe, welche sanken. Erst drei Stunde später
Das Wetter int Mürz und vergangenen Zebrnar.
Tie Wetterlundigcu lassen den Frühling mit dem ersten M'irz beginnen. In unserer Gegend und vor allem auch in Südeuropa entspricht diese Einteilung der Jahreszeiten den natürlichen Verhältnissen. In Nordeuropa dagegen muß der März noch ganz entschieden dem Winter zugerechuet werden. Der Monat weist in Deutschland folgende Mittellemperaturen auf: Aachen 5,2 Grad, Berlin 3,7 Grad, Breslau 1,9 Grad, Bromberg 1,2 Grad, Königsberg 0,2 Grad, Frankfurt 5,0 Grad, Karlsruhe 5,2 Grad, Straßburg 5,4 Grad, Stuttgart 5,0 Grad, München 2,3 Grad. Winterlich sind demnach noch die Verhältnisse im Osten des Reiches, während nach Westen die Wärme zunimmt. Die mittlere Tageswärme steigt vom 1. bis 31. des Monats um 4 Grad an, in Mittel- und Süddeutschland (Tiefland) von 3—4 Grad bis 7 bis 8 Grad. Am stärksten ist der Wärmeanstteg in der zwecken Monatshälfte. Durchschnittlich kann mit einer mittleren Nacht- temperattir von 1—2 Grad und einer Nachmittagswarmc von 9 Grad gerechnet werden. Tiefe Frosttemperaturen können aber noch bis zu Ende des Monats beobachtet werden, ^er kälteste Märzlag n>ar der 2. März 1877 mit 11—13 Grad Kälte ie nach ber .Höhenlage des Ortes. Die höchste Wärme wurde am 27. Marz 1903 mit 23,4 Grad beobachtet. Tie mittlere Zahl der ,vrost- tage beträgt immer noch 10. 1883 hatten 27 ~age im Marz Temperaturen unte^ Null. Ganz abnorm war auch der Marz 1888 Noch am 20. wurde ganz Europa von eiligen Nordwinden überflutet, die von heftigen Schneestürmen begleitet waren. Deutschland lag damals unter einer tiefen Schneedecke, die gegen Ende des Monats verschwand, ^n unseren Gebirgen gehört der März nock) ganz dem Winter an. ^er Brocken hat eine Mitteltemperatur von —3,2 Grad Feldberg Taunus -0,6 Grad, Sckneekoppe -6,4 Grad, 3.ugiWe-10,6 Grad. In vielen Jahren tragen die Mittelgebirge über 800 Meter noch eine dauernde Schneedecke. Die Niedericklage sind im März im Mittel gering, die Bewölkung nimmt weiter ab, dergleichen die Nebel Häufigkeit. Gewitter komme» im Marz nicht häufiger wie im Winter vor. Erst im April setzt die Gewitter- tätigfeit stärker ein, das Kennzeichen der wärmeren Jahreszeit.
Aus unserem engeren hessischen Bezirk seien noch folgende Monatstemperaturen mitgeteilt: Darmstadt 5,2 Grad, (menen 4,3, Bad-Nauheim 4,1, Mainz 5,6, Offenbach 4,9, Michelstadt 3,9, Sckwtten 3,6, Worms 5,3, Alzey 4,5 Grad.
Der vergangene Februar war u it g c iv o I) n 11 d) t r o et e n. Bis zum 10, lagerte hohep Druck über Südeuropa, Ivährcnd Tief
druckgebiete im Norden vorüberzogen und warme Luftmassen ansaugten. Dqher war es überall um 5—6 Grad zu warm. Die Tagestemperaturen erleben sich in Südwestdeutschland aus 10 bis 12 Grad, in Ostdeutschland nur auf 8 Grad. Ganz Deutschland, den Osten ausgenommen, war frostsrei. Nur in Bromberg trat am 2. vorübergehend stärkerer Frost ein. Die Niederschläge waren anfangs stark. Es fielen vom 2.—8. Februar in vielen Gegenden 20 und mehr Millimeter Regen. Am 13. in Ostdeutschland, am 15. auch im Westen und Süden begann eine kältere, frvstreiche, aber fast durchaus trockene Wetterperiode. Heber Nord- und Nordosteuropa stellte sich hoher Druck ein, der kalte Luftmassen über Europa sandte. Die Temperaturen gingen jetzt vielerorts bis 6 Grad unter das normale Mittel herab. Ganz besonders kräftig war der Frost in Ostdeutschland, wo verschiedentlich 15—18 Grad Kälte vorkamen. Im Westen ftieg die Kälte nicht über 10 Grad. Schnee fiel nur in ganz geringer Menge: in den Niederiingen nirgends mehr als einige Zentimeter. Dabei trat die sehr seltene Erscheinung ein, daß selbst die Mittelgebirge schneefrei waren. Die trockenen Ostwinde verzehrten bald die letzten Schiieereste. Der Iwhe Druck brachte eine große Anzahl völlig heiterer, herrlicher Muttertage mit angenehmen Mittagstemperaturen. In den Annalen des Wintersports wird dem Februar keine rühmliche Stelle beschieden sein.
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— Felix Holländer Intendant des Frankfurter Schauspielhauses. Felix Holländer ist der Posten eines Intendanten am Frankfurter Schauspielhause übertragen worden. Wie aus Frankfurt a. M. zuverlässig gemeldet wird, verhandelt die zuständige Stelle seit Wochen mit dem trefflichen Berliner Theatermann. Die Stellung ist übrigens nicht ausgeschrieben worden, sondern man verhandelt mit Holländer allein. Es bleibt abzuwarten, ob und unter welchen Voraussetzungen Holländer nach Frankfurt a. M. geht; für Berlin würde, wie die „Voss. Ztg." bemerkt, das Sck;eiden des kühnen und feinsinnigen Regisseurs und Dramaturgen, der im Verbände der Rcinhardtbühneu an führender Stelle wirkt, einen ernsthaften Verlust bedeuten, der lebhaft zu bedauern wäre. Immerhin darf man hoffen, daß Holländer dem Berliner Theaterleben erhalten bleiben werde, da er erst jüngst einen neuen langjährigen Vertrag mit Reinhardt abgeschlossen hat.
— Gregors Stellung erschüttert. Die Wiener Blätter erklärten, daß die Direktion über die Vorfälle im Hof- theater Aufklärung zu geben hat, wie es kouyneu könne, daß in
einem1 Institut, wie ber Wiener Hofoper, sich Szenen ereignen können, wie sie in der kleinsten Provinzstadt nicht möglich sind. Wer die Verhälttiisse an der Wiener Hofoper kennt, wird verstehen, daß die Auftritte nicht ohne Folgen bleiben können. In der Tat verlautet, daß die Stellung des Direktors Gregor burdi den Skandal erschüttert ist und daß er bereits demnächst vorläufig durch den Hoskapell- meifter Schalk ersetzt werden wird. Die durch den Skandal am meisten getroffene Sängerin, die von Kolleginnen als eine sehr feinfühlige und gewissenhafte Künstlerin geschildert wird, ist nod) nicht wieder hergestellt.
— Mawsons Südpolarreise. Ans Sydney,- 5. März, wird gemeldet: Professor David erhielt von dem Südpolarforscher Mawson ein drahtloses Telegramm, " dem Mawson über den Tod des Dr. M e r tz und des Leutnants Ninnis nähere Mitteilungeir macht. Danach stürzte Ninnis bei Erforschung des neuen Küstenstriches, 300 Meilen südöstlich vom Winterguartier, mit einem .Hundegespann und fast allem Proviant in eine unergründliche Gletscherspalte. Tr. Mertz und Mawson machten sich mit unzureichenden Lebensrnitteln und sechs Hunden über das Plateau auf den Weg zur Schutzhütte. Schlechtes Wetter hemmte jedock) ihr Weiterkommen. Sie lebten hauptsädilick) vom Fleisch der Hunde. Dr. Mertz starb am 17. Januar an den Folgen vvn Unterernährung. Mawson mußte sid) nun allein durch Schnee und Nebel hindurcharbeiten. Er wurde wie durch ein Wunder behütet, als er eine Strecke passierte, die von Gletscherspalten dicht durchzogen loar. Wohlbehalten gelangte er schließlich zur Schutzhütte. Das Expeditionsschiff „Aurora" hatte gewartet, solange es sich mit seiner Sicherheit vertrug, hatte aber einige Stunde vor Mawsons An^inft ab- fahren müssen. In der £>ütte fand Mawson sechs Leute, die zurückgelassen worden waren, um nad) ihm zu suchen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Ein Sonderkursus zur Ausbildung von Schulärzten findet vom 14.—26. April an ber Akademie für praktische Medizin in Düsseldorf statt. — An der Universität Tübingen wird eine neue Professur für Mineralogie und Kristallographie errichtet. Tübingen war von allen größeren deutschen Universitäten die einzige, an der bis ietit nur eine Lehrkraft für dieses Fach angestellt war, obgleich die bortige paläontologische Sammlung $u den bedeutendsten in Deutschland gehört.


