Ausgabe 
8.10.1913 Zweites Blatt
 
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M. 256

163. Mrgang

Zweites Blatt

Erscheint ISglkch mit Ausnahme des SonntagS.

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Parteien Fühlung nehmen soll, um mit diesen wenn möglich gemeinsam in die Wahlbewegung einzutreten. Für ein allei­niges Vorgehen des Bürgervereins fand sich direkt keine Stimme, wohl aber war eine Minderheit der Ansicht, mit einer beschränkten Anzahl von Vereinigungen, den größe­ren Bczirksvereinen, dem Hausbesitzervcrein, dem Mieter- Verein und dem evangelischen Arbeiterverein gemeinsam bei der Wahl Einfluß zu gewinnen zu suchen, wenn keine Ver­ständigung mit den politischen Parteien zu finden sei. Es wurde ausdrücklich betont, daß der Versuch gemacht werden soll, mit allen politischen Parteigruppen möglichst eine Eini­gung herbeizuführen. Schließlich kam ein Antrag des Stadt­verordneten Winn zur Annahme, der dahinging, daß derVor- stand des Bürgervereins ermächtigt wird, mit den maßge­benden Vereinen Fühlung zu gewinnen, um mit diesen ge­meinsam in die Wahl einzutretcn. Stadtv. Plank und darauf auch der Antragsteller, interpretierten den Begriff der m a ß - gebenden Vereine, daß damit in erster Linie die politischen Parteiorganisationen einschließlich der Sozialdemokratie ge­dacht sind. Lehrer Kling war damit einverstanden, wenn bei dieser Vereinigung auch die politisch rechtsstehenden Bür­ger berücksichtigt werden, so daß ihnen das Mandat, das sie inne hatten, gesichert wird. Es wurde ausdrücklich erklärt, daß, wenn eine Verständigung bei der Stadtverordnetenwahl wegen eines gemeinsamen Vorgehens der politischen Vereini­gungen mit dem Bürgerverein zustande kommt, dem so ge­einten Wahlkomitce es überlassen bleiben soll, ob sie noch an­dere Vereine, wie den Bezirksverein Nord-Ost und Süd-West, den Hausbesitzer- und den Mieterverein, sowie den evangeli­schen Arbeiterverein zu dem Bündnis noch mit heranziehen will. Die Versammlung, die im Einhorn-Hotel stattfand, war von 50 Bürgervereinsmitgliedern, darunter Mitglieder aller politischen Parteien mit Ausnahme solcher der Sozialdemo- kratie, besucht.

Mittwoch, 8. Moder 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießeiu

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Schienenwege, während der Landbetrieb einen Rückgang der Roheinnahmen zeigt. An Landeserzeugnissen wurden verschifft (die Ziffern des Vorjahres in Klammern): Palm­kerne 9923 (13163) Tonnen, Palmöl 2547 (4011) Tonnen, Mais 1487 (235) Tonnen, Banmwolle 946 (639) Tonnen, Baumwotlsaat 821 (657) Tonnen. Das Anlagekapital der gesamten Verkehrs an lagen kann zurzeit zu rund 20 794 000 Mark angenommen werden und erführt demnach durch den Betriebsüberschuß von 552 000 Marl eine Verzinsung von 2,66 v.H. Aus dem Betriebsüberschuß wird demnächst der Pachtzins bestritten, der für die Zeit von April bis ein­schließlich November, solange die Landungsbrücke noch nicht wieder im Betriebe war, nach dem ermäßigten Be­trage von 450000 Mark für das Jahr zur Erhebung kommt, also mit 450 000:8/i2 = 300 000 Mark. Für die übrigen vier Monate gilt der vertragliche Pachtzins von 523 000 Mark, also 4/i->: 523 000 = 174 333,33 Mark, zusammen 474 333,33 Mark. Sodann erhält die Pächterin ihre Entschädigung in Höhe von 40000 Mark. Der Rest findet zur Deckung der Zuschüsse der Pächterin für die vergangenen Jahre Verwen­dung. Im Betriebsdienst der Verkehrsanlagen waren be­schäftigt 26 (28) Europäer, 30 (24) farbige Beamte und 78V (808) farbige Arbeiter. An Fahrzeugen waren am Schluß des Rechnungsjahres vorhanden: 15 Lokomotiven, 15 Personenwagen, 5 vereinigte Post- und Gepäckwagen und 174 Güterwagen.

** Feierdes 18. Oktober. Am Montag abend tagte auf Einladung der beiden hiesigen Turnvereine ein vor­bereitender Ausschuß, der beschloß, am 19. Oktober d. Js., abends 8 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsaarten zur Erinnerung an die vor 100 Jahren stattgehabte Völker­schlacht bei Leipzig einen Hcrrenkommers zu veranstalten. Zur Mitwirkung sollen außiw den Militärvercinen alle hiesigen Vereine eingeladen werden, deren Bereinszwecke auf die Förderung der Leibesübungen hinzielen. Einla­dungen zur Bildung eines großen Ausschusses, der seine erste Sitzung nächsten Freitagabend bei Gastwirt Spuck ab­hält, sind unterwegs. In dankenswerter Weise hat sich der Gesangverein Liederkranz zur Mitwirkung bereit erklärt. Gesangliche, turnerische und radsportliche Darbietungen wer­den gezeigt werden. Für die Festrede ist Herr Oberlehrer Tr. Schmoller gewonnen worden. Zum Kommers selbst werden die Spitzen der Behörden besondere Einladungen erhalten. Zutritt zum Kommers haben sonst nur die Mit­glieder der mitwirkenden Vereine, denen empfohlen wird, ihre Vereinsabzeichen anzulegen. Ncach den bisherigen Vor­bereitungen zu schließen, verspricht die Feier sich in durch­aus würdiger Form an die Feier der Jugend am Sonntag nachmittag auzuschließen.

** In die Stadtverordnetenwahlbewe­gung ist gestern in seiner Mitgliederversammlung der Bür­ge r v e r e i n eingetreten. Der Vorstand hatte seinen Mitglie­dern zur Stellungnahme im allgemeinen drei Fragen vor­gelegt: 1. Soll der Bürgerverein allein Vorgehen? 2. Soll er ber der bevorstehenden Wahl mit den politischen Parteien gemeinsam vorgehen? 3. Soll er alle Jnteressentengruppen auffordern, mit ihm gemeinsam in die Wahlbewegung ein­zutreten. In der Aussprache war die Ansicht der Mehrheit der Redner die, daß der Kürgerverein mit den politischen

Aus Stadt und Land.

Gießen, 7. Oktober 1913.

Die Jagd im Oktober.

Für den Revierbesitzer, der nicht gerade zu denen gehört, die mit goldenen Kugeln schießen können, bringt der Oktober eine recht angenehme Abwechselung für den Küchenzettel den Kückzen- hascn. Mehr als einige Sonntagsbraten aber sollte die Jagd vor­läufig nicht hergeben, denn Suche und Ansitz auf Hasen sind in mancher Hinsicht nicht gut für den Wildbestand. Die K'tnmmcn haben ja außerdem auch noch keinen Frost bekommen und der Kohl dazu ebenfalls nicht. Also bleibe die Wildkammer im Revier für die späteren Treibjagden reserviert. Wer die Suche aber aus­üben muß Gründe gibt es ja immer der richte sich nach Wind und Wetter, dennHarro", der Hase, weiß ein Plätzchen an der Sonne wohl zu schätzen, dort liegt er dann gelegentlich so fest, daß man ihn übergeht. Rutscht er aber plötzlich vor uns aus der Sasse, so ist die Gefahr beim Schießen nicht zu unter­schätzen, solch' ein Schreck hat schon manchen einen Schuß riskieren lassen, der besser unterlassen ivvrden wäre, denn bei der jetzt noch ftattsindcnden Feldarbeit sollte man doppelt und dreifach vor­sichtig sein, damit kein Unglück geschieht. Man trifft bei solchen Streifen auch mitunter auf einen Fuchs. Ter Ueberschlane, der aber gar nicht so gerieben ist, wie man vielfach denkt, liegt mit­unter, wie ein Hund zusammengerollt, mitten im freien Felde und schläft, im warmen Herbstsonnensck ein ohne jede^ Rücken­deckung. Manchem Jäger ist er schon auf diese Art zu -schuß ge­kommen. Zunächst ist wohl das Erstaunen beiderseits, aber lange läßt Reineke uns nicht Zeit, dann fud.t er das Weite, vor allem baldigst Deckung in einer Furche. Es ist ganz interessant, an dem glücklich erlegtenRaubritter" sestzustellen, w.oraus der Magen­inhalt zur Seit besteht: dabei wird man häufig die überraschende Tatsache konstatieren, daß der als gefährlicher Räuber verschriene Fuchs zeitweilig auch Vegetarier ist. Brombeeren, Aepfel und Birnen liebt der rote Freibeuter im Herbst, und er hat ja augen­blicklich reichliche Auswahl. Wenn man bann noch die Reste von Feldmäusen im Magen des Schlaubergers vorsindet, könnte man auf den Gedanken kommen, daß seine oft geschilderte Gefährlich­keit für die Jagd ins Gebiet der Tierfabeln gehört. Aber all­zumilde sollte man trotzdem durch solche Beweismittel nicht ge­stimmt werden, denn der Fuchs nimmt da, wo er etwas findet - wies trefft!"' Jedenfalls nutzt er die Saison aus, und die Obst­ernte ist jetzt müheloser für ihn, als das zufällige Erhaschen Veit Hasen, deren Nachwuchs doch auch schon recht flott aus den Läufen ist. Für die Glücklichen, denen der Abschuß von Hirschen alljährlich im Herbstzusteht", sind nun die Tage gekommen, in denen sie Weidmannssrend und -Leid nach Herzenslust durchkosten können. Die Hirschemeldeten", wohl des warmen Wetters wegen, in der Briest nicht so stark wie sonst, aber je schwieriger sich der Absckuß eines Kapitalen gestaltet, desto wertvoller wird dem glücklichen Schützen das Geweih werden. Von dem Verhalten des Rotwildes, das sich, wie gesagt, ganz nach der Wetterlage richtet, hängt das frühere oder spätere Anstteten des Rudels sehr wesentlich ab, und ans diesem Grunde wird in manchen Rotwild­revieren der Abschuß nicht ganz nach Wunsch unb Willen aus- fallen, besonders, wenn die Jägerei für einen hohen Gast einen ganz bestimmten Hirsch zu Schuß bringen soll. Da gibt cs denn häufig lange Gesichter, denn an Zufälligkeiten fehlt es auch sonst nicht. Tröstend bleibt in solchen Fällen der alte Jägerspruch: Alle Tage ist nicht Fangtag!"

sich dringend, die .Aufgabe ein bis zwei Tage vorher zu bewirken. Bei der großen Menge der Anzeigen kann nnr bei rechtzeitiger Beftellnng eine wirkungsvolle Anordnung gewährleistet werden

Verlag de; Siebener Anzeigers.

DieSiebener Zamtiienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen erscheinen monatlich zweimal.

Unseren Anzeigenkunden zur gefälligen Beachtung.

Um den größeren Anzeigen für die Samstagsnulnmer sorgfältige Satzausstattung zu sichern, empfiehlt es

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Eilbotenlaus am 17. Oktober.

UnsereMtgliederundZö? [iime werben aufflcioroertii: zahlreich zu beieiligen. |v% Anmeldungen bis greitM benlO.£fi.inberAurnl*

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberhehen

Die bayerische Königsfrage.

Der Abgeordnete Adolf Müller machte auf dem dieser Tage in Nürnberg abgehaltenen Parteitag der Sozialdemo­kratie Bayerns Mitteilungen über ein geheimes Aktenstück zur 'bat)erischen Königsfrage beziehungsweise über ein seiner­zeit erstattetes Gutachten, dem die Regierung in ihren Maßnahmen folgte. Eine Königsproklamation ohne gesetzliche Grundlage, besagt das Gutachten, würde int Landtag entschiedenen Widerspruch finden. Na­mentlich der Führer der Liberalen machte die Zustimmung davon abhängig, daß der Weg eines Verfassungsgesetzes gewählt werde. Aehnliche Ansichten wurden aus dem Zen­trum laut. Nachdem während der Regentschaft schon mehr­fache Verfassungsänderungen vorgenommen worden seien, könne der Zweifel, ob derartiges zulässig sei, als über­wunden gelten. Ein verfassungsmäßiger Weg empfehle sich auch deshalb, weil die Möglichkeit, die Gesetzmäßigkeit eines anderweitigen Vorgehens zu bestreiten, das Anscheii der Krone und die Rechtssicherheit königlicher Erlasse schädigen würde.

Nach der ungeschickt vorbereiteten Eidesleistung des Regenten, bemerkte Müller zu diesem Gutachten, sei der gesetzliche Weg verrammelt gewesen. Das ist größten­teils die' Schuld des Zentrums gewesen, das seinerzeit im 'letzten Augenblick versagte.

Zum Thronwechsel in Maskat.

Seid Fesil ben Turki, den Sultan von Oman, ist nach einer Depesche aus Maskat nach längerer Krankheit dort von schwerem Leiden erlöst worden. Wir haben gestern von der Meldung Notiz genommen und wollen heute nach derKöln. Ztg." noch einige ergänzende Mitteilungen hinzufügen.

Er soll etwa 47 Jahre alt gewesen sein, und seine StranT- heitszustcmde waren zuletzt in hochgradiger Wassersucht verlausen. Neben seines Leibes Gebrechen machten dem Verstorbenen seit Jahren auch Regierungsschwierigkeiten das Leben schwer. Zwar nimmt auf der Karte das Gebiet des Sultans von Oman noch einen beträchtlichen Raum ein, allein die Tage der wirklichen Macht des Sultanats sind längst vorüber, und in einiger Ent­fernung von der Küste ist das Machtgebot des Potentaten in Maskat bei den unbändigen Araberhäuptlingeu leerer Schall ge­worden. Besonders der Scheck) Abdullah, der sich in neuerer Zeit in Semail, der zweiten Stadt des Sultanats, zum Imam aufgeworfen, hat Seid Fesil ben Turki schwer bedrängt. Semail, das von seinem Sohne Taimur, dem neuen Sultan, geräumt worden war, ist nämlich der Mittelpunkt des Dattelgeschäftes von Maskat, und wenn es dem neuen Sultan nicht gelingen sollte, den Usurpator zu überwältigen und das fruchtbare Tal von Semail wieder unter seine Herrschaft zu bringen, so wird es nicht nur mit feiner Macht, sondern auch mit seinen Einkünften recht übel bestellt fein. Wahrscheinlich wäre ohne die Hilfe der indischen Regierung, die vor ein paar Monaten erst ein halbes Bataillon indischer Truppen nach Maskat gelegt hat, die Herrlichkeit des Schattensultans überhaupt schon zu Ende, zumal da auf die eine oder andere Weise auch die Einnahmen, die der von franzö­sischer Seite über Maskat betriebene Waffenschmuggel nach i>er Ostküste des Perfischen Golfs und nach der indischen Nord- wcstgrenze mit sich brachte, versiegen werden. Wenn infolge einer-, mie es heißt in der Hauptsache bereits vereinbarten llebercinfnnft mit Frankreich, das Wassengesckäft in Dschibuti künftig unter; bunben wird dürfte Maskat aufhören, als mehr denn ein ganz irnbei'-'utenber Küstenplatz zu gelten. Sein Rückgang in politischer Bedeutung begann im Jahre 1856 beim Tode des Sultans Said, des teilten mächtigen Abkömmlings der aus dem Jemen stammen- d n Jm^rns (bie im 18. Jahrhundert Maskat ben Portugiesen entrißen und die Herrschaft über Oman, Sansibar und die afri­kanische Ostküste vereinigt hatten), als zwei seiner Söhne pch den 'Thron streitig machten. Guter bemächtigte sich der Herrfchaft tn Maskat der andere in Sansibar. Der Vtzekvnlg von Indien damals Lord Eanmng, wurde als Schiedsrichter angernfen und sand cs am einfachsten, die Trennung der beiden Sultanate rn bestätigen ^cr eben verstorbene Seid Fesil ben Turki war der wett! Än des Seid Turki ben Said, dem damals Maskat St-nYt mar Er war 1888 seinem Vater in der Regierung gefolgt mid hat sich von Anfang an keineswegs als ein Mehrer des Reiches bewährt.

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DettN'che Kolonien*

Wirtschaftliches aus Togo

Kalenderjahr 1912 ist für unser kleinstes Schutz- flebict Togo, wirtchaftlich kein besonders gunsttges ge- wesen Gleichwohl -können bie Betrrebsergebnrsse ferner Ver- kehrsan^gen als befriedigend bezeichnet werden denn die uqrjaniay , ^rücfe und der drei. Bahnen find

um°78000 Marr gcstioqcn. wahrend cs gelang, bie Setricbg- 55 000 Mark zu ermaßrgcn. Der Bc- tSübertoiif; von 552 000 Mark übertrifft den des Bor- fabrä um 134 000 Mark, was erne Steigerns von bmiahe Äm Stet ist. Besonders güMrg rst bie Rentabcktat der

** Ortsgruppe Gießen des Neichsvereins libe­raler Arbeiter und Angestellten. Am Donnerstag, den 9. Oktober, abends 9 Uhr, findet im Saale des Hotels Felsenketler eine Versammlung für alle liberal denkenden Staatsbeamten und -Arbeiter statt, in der Herr Redakteur Anton Erkelenz, Berlin, über Staatsbeamtenrechte und Staatsarbeiterrechte sprechen wird. Nach dem Vortrag findet freie Aussprache statt, an der sich jeder Eingeladene betei­ligen kann.

** Das Ein sinternder Gemüse. Es ist von Vorteil, wenn die zu überwinternden Gemüse so lange im Boden bleiben können, als die Witterung dies zuläßt. Zu früh cingetointcrC halten sich die meisten weniger gut. Besonders, wenn sie vor dem Einschlagen einige Zeit auf Haufen gesetzt lagern müssen. Sie erwärmen sich hierbei, verlieren viel an Nährwert und Wohl­geschmack und treiben im Frühjahr eher aus als andere. Anderer­seits^ darf man mit dem Ein wintern auch nickst warten, bis der Frost die Arbeit vergeblich macht. Während einige leichte Nacht« fröfte den meisten Gemüsen durchaus nichts schaden, sondern zum Abschluß des Wachstums beitragen, und dadurch einer guten Durchwinterung förderlich sind, ist stärkerer Frost nacksteilig. Er­frorenes Gemüse geht bald in Fäulnis über. Am geeignetsten sind die letzten trockenen Tage im Oktober ober Anfang November. Sellerie wird beim Ausheben von aller Erde befreit, die Wurzeln ein wenig eingekürzt und das Kraut bis auf bie innersten Blätter glatt an der Ansatzstelle abgeschnitten. Hierbei darf aber bie Knolle nicht verletzt werden, weil sonst der Geschmack leidet. Hieraus schichtet man ben Sellerie Knolle neben Knolle und Schicht auf Schicht in reinen, mäßig feuchten Sand so ein, daß eine Knolle die andere nicht berührt und ein dachförmig abfallender Hügel entsteht, an dem bie Blattbüschel überall nach außen stehen. In gleicher Weise verfährt man mit Wurzelpetersilie, Karotten, Rettich unb Speiserüben. Rote Rüben dürfen auch an den Wurzeln nicht verletzt werden, noch weniger darf man ihnen den Kopf abschneiden, wie man dies bei ben Runkelrüben gewohnt ist. Sie werden sonst saftlos und holzig. Für alle diese Wurzelgemüse ist der Keller der beste Ueberwinterungsraum. Sie beanspruchen, wenn man in der angegebenen Weise bei dem Einschlagen »erfährt, nur wenig Raum, unb sind jederzeit bequem zu erreichen. Schwierig­keiten entstehen dagegen, wenn es sich barum handelt, größere Mengen von Kohlgemüsen zu durchwintern. Durch ihre sehr leb­hafte Atmung verschlechtern sie bie Luft in einer Weise, daß das ganze Haus riecht, sobald einmal die Kellertüre für kurze Zeit geöffnet bleibt. Außerdem sind die Keller auch meistens zu warm. Man überwintert daher Weißkraut, Rotkraut, Wirsing sowie noch nicht ausgebildeten Blumenkohl häufig in Gruben, bie man an geschützter Stelle des Gartens 50 Zentimeter tief, anderthalb Meter breit und beliebig lang auswirft, so daß die ausgeworfene Erbe einen natürlichen Schutz gegen bas Eindringen von Regen und Schneewasser bildet. Die Köpfe von Weißkraut, Rotkraut unb Wirsing, an denen man alle losen Blätter sorgfältig entfernt, werden bei trockenem Wetter mit etwas Ballen ausgehoben unb Kopf neben Kopf mit ben Wurzeln nach unten halbliegend ober stehend auf ben Boden der Grube in lockere Erde eingeschlagen. Blumenkohl hebt man ebenfalls mit allen Wurzeln unb der an< hastenden Erde aus, läßt aber den größten Teil der Blätter daran und achtet darauf, daß namentlich bi£ inneren nicht zer­brochen werden mtd pflanzt sie stehend in die Grube, wobei man die Erde so fest wie möglich an die Wurzeln andrückt. Ist das Wetter noch milde, so bleibt bie Grube offen, man hält aber Stangen und Bretter bereit, um bei eintretendem Frostwetter decken zu können. Tritt anhaltende Kälte ein, bann kommt, um das Einfrieren zu verhindern, noch eine Schicht Laub darüber. Bei Bedarf wird ein Teil der Grube, soweit wie zum Einsteigen nötig ist, geöffnet, muß aber nach Entnahme sofort wieder gut verschlossen werden. Wird bei mildem Wetter bisweilen der Vorrat von faulenden Teilen gesäubert, so hält sich das Gemüse bis zum Februar und länger frisch unb der Blumenkohl bildet trotz des Licht- und Luftabschlusses zarte weiße Köpfe. Man kann ab«

politische Tagesschau.

Das Arbeitsprogramm der Parlamente.

Die Parlamente, Reichstag und preußischer Landtag, toerben, so schreibt man uns aus Berlin, in der nächsten Sitzungsperiode mit gesetzgeberischem Material nicht zu sehr belastet werden. Dem Reichstage werden an großen Ge­setzen nur die Regelung der Sonntagsruhe im Han­delsgewerbe und eine Novelle zur Gewerbeord­nung, betreffend das Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe, zugehen, während die übrigen ihm zugedachten Entwürfe mehr zu den kleineren Entwürfen gehören, die tiefgehende Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Fraktionen nicht cherbeiführen dürften, wie z. B. das Eisenbahnhaftpflicht­gesetz, das Luftrechtgesetz, das Altpcnsionargesetz u. a. Aller- dings ist der Reichstag aus denr Frühjahr noch mit Vor­lagen überlastet, die die Tätigkeit des Parlaments noch ge­raume Zeit in Anspruch nehmen dürften. Erinnert sei an das Postscheckgesetz, das Konkurrenzklauselgesetz, das Jugend- gerichtsgefetz, das Petroleummonopolgesetz und das Spio- nagegcsetz.

Was den preußischenLandtag anbelangt, so kom- lmen für ihn außer dem Voranschlag nur das Fischereigesetz, das Wohnungsgesetz, das Ausgrabungsgesetz, einige Verwal­tungsreformgesetze, ein Eisenbahnanleihegesetz, das Par­zellierungsgesetz und eventuell ein Fideikommißgesetz in Betracht.

Die Arbeitsperioden der Parlamente werden, soweit es sich übersehen läßt, in normalen Grenzen sich bewegen.

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Inh. Kari Ohm - Bni^raben »

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