Ausgabe 
9.1.1913 Zweites Blatt
 
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Zur Sesol-una -er im Staatsdienst angestellten hessischen Geometer s. Klaffe.

Man schreibt uns:

ImGießener Anzeiger" Nr. 304 vom 27. v. Mts. findet sich in dem ArtikelDie beiden Kammern in Hessen" bei der Besprechung der Revision der Besoldungs- Ordnung die Stelle:Die Erste Kammer wird die Re­gierungsvorlage ablehnen, die ein Mehr gegenüber der letzten Vorlage von etma Mk. 225 000 pro Jahr fordert, sie wird sich deshalb erst recht nicht bereit finden lassen, auf die Sonderwünsche der Lehrer, Geometer, Unterbeam­ten usw. einzugehen."

Es möge nun gestattet sein, die Wünsche der Geo­meter 1. Klasse hier vorzutragen und zu begründen. Nach dem Entwurf der neuen Besoldungsordnung sind die hes­sischen Geometer 1. Klasse in die Gehaltsklasse 48 von 21004400 Mark bei 21jähriger Aufrückungsfrist einge- reiht worden. In der Begründung wird von der Groß- herzoglichen Negierung gesagt, daß durch die neuen Ge­haltssätze die organische Revision der Besoldungsordnung durchgeführt werden soll, d. h., daß durch sie die Sparten und Unstimmigkeiten beseitigt werden sollen, die sich in der alten Besoldungsordnung finden oder im Laufe der Jahre Entstanden sind.Es waren also einzelne Beamte und Bc- amtenklafien in diejenigen höheren Klassen einzuordueu, mit denen ne gleichzuftellen die Vorbildung, die Wich- Hgleit der Stellung und Dienstobliegenheiten, das Vor­bild anderer Stauten rechtfertigt oder verlangt." (Darm­städter Zeitung" Nr. 292 vom 11. 12. 12.) Des weiteren wird in der Begründung gesagt, daß bei den mittleren Beamten der Anfangsgehalt von 2100 Mark mit dem An­fangsgehalt der mittleren Beamten in Preußen überein­stimmt, während nur im Endgehalt von 4400 Mk. die hessi­schen mittleren Beamter um 100 Mk. hinter den preußischen mittleren Beamten zurückbleiben. Diese Begründungen sind völlig zutreffend für die mittler eit Beamten des Ver- waltungs-, Justiz- und Finanzdienstes. In keiner Hin­sicht sind sie aber dafür stichhaltig, daß auch die Geo­meter 1. Klasse in die Gehaltsklasse 48 ausgenommen wor­den sind, denn die Geometer 1. Klasse haben durch den schon seit 1885 vorgeschriebenen Besuch der Technischen Hochschule und für die zu liefernde praktische Probearbeit eine 2i/2 Jahre längere und somit auch bedeu­tend kostspieligere Ausbildung, als die mitt­leren Beamten des Verwaltungs-, Justiz- und Finanz­dienstes, so daß die Geometer 1. Klasse überhaupt nicht in die Gehaltsklasse 48 einzureihen sein werden.

Auch entspricht es nicht der dieitstlichen Stellung, daß die Geomeier 1. Klasse in die Gehaltsklasse 48 ausgenom­men worden sind, weil an die Geometer 1. Klasse in Hessen dieselben Anforderungen gestellt werden, wie an ihre Kol­legen in Preußen, und diese wie jene in ihrem Fache an der ersten Stelle stehen. Wie das Bermessungsweseu in anderen deutschen Staaten bewertet wird, zeigen 11. a. die Einrich­tungen in Bayern, wo für alle Geometer ein volles aka­demisches Studium vorgeschrieben ist.

Daß auch das Vorbild der anderen deutschen Staaten mit nicht voll akademisch aebildeten Geometern bei der Ein­reihung der Geometer 1. Klasse in die Gehaltsklasse 48 nicht maßgebend gewesen sein kann, soll an dem nachfolgenden Vergleich gezeigt werden. In Preußen erhalten die mit den hessischen Geometern 1. Klasse zu vergleichenden Land­messer im Lokaldienst nach dem Gesetz vom 26. Mai 1909 einen Gehalt, nicht wie die Regierungsvorlage vermuten läßt, von 2100 bis 4500 Mk, sondern einen solchen von 2 7 00 bis 5100 M k. bei 18jähriger Aufrückungs­frist, int Gegensatz zu den preußischen mittleren Beamten im Lokaldienst, für die 2100 bis 4500 Mk. bei 21jähriger Aufrückungsfrist vorgesehen sind.

Hiernach müssen die hessischen Geometer 1. Klasse in ihren Anfangsgehältern um t>00 Mk., im Höcksteinkornmen aber um 700 Mk. hinter ihren preußischen Kollegen zurück­bleiben. Ferner ist hervorzuheben, daß die hessischen Geo­meter 1. Klasse in ihrer Eigenschaft als Staatsdienst­anwärter in allen Stufen eine um 300 Mk. höhere Ver­gütung beziehen, als diejenigen Staatsdienstanwärter (Finanzaspiranten, Gerichtsschreiberaspiranten usw.), aus denen die mittleren Beamten des Verwaltungs-, Justiz- und Finanzdienstes hervorgehen. Hiernach ist bei den im Staatsdienst verwendeten Geometern 1. Klasse ein Unter­schied gegenüber den vorgenannten Gruppen schon gemacht.

Was aber für die verwendeten Geometer 1. Klasse gilt, das sollte doch für die fest angestellten auch gelten.

Aus den vorstehenden Darlegungen ergibt sich, daß die hessischen Geometer 1. Klasse allen Grund haben, eine Er­höhung ihrer vorgesehenen Gehaltsbezüge und die Ein­reihung in eine höhere, ihrer Vorbildung und dienstlichen ; Stellung, sowie dem Vorbild anderer Staaten entsprechende Gehaltsklasse anzustreben. Das sind Wünsche, deren Berück­sichtigung schon in dem Besoldungsgesetz von 1898 recht und billig gewesen wäre.

Statistisches aus Hessen.

R.B. T a r m st a d t, 8. Jan.

D i e Bevölkerung nach Altersklassen in Hessen stellte sich bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 aus 1 282 051 Personen und zwar 639 198 männliche und 642 853 weibliche. Davon lebten in der Provinz Starkenburg 294 418 männliche und 295 962 weibliche, in der Provinz Oberhessen 154 408 männliche und 154 825 weibliche und in der Provinz Rheinhessen 190 372 männliche und 192 066 weibliche Personen. Tie Zahl der Kinder unter einem Jahr betrug in Starkenburg 15 458, in Oberhessen 7097 und in Rheinhessen 8955, die Zahl der Kinder von 15 Jahren im ganzen Großherzogtum 61 761 männliche und 60 103 weibliche, von 510 Jahren 73 881 männ­liche und 72 506 weibliche, von 1015 Jahren gab es 12 767 .Knaben und 12 674 Mädchen, von 2025 Jahren 58 209 männ­liche und 52 063 weibliche Personen, von 3040 Jahren 92 600 männliche und 93 474 weibliche, von 4050 Jahren 66 966 männ­liche und 68 536 weibliche, von 5060 Jahren 45 578 männliche und 49 293 weibliche, von 6070 Jahren 37155 männliche und 36 339 weibliche, von 7080 Jahren 14 273 männliche und 16 777 weibliche, von 8090 Jahren 2334 männliche und 2840 weibliche und von über 90 Jahren 107 männliche und 102 weib­liche Personen. Aus diesen Zahlen erhellt, daß int allgemeinen viel mehr Frauen wesentlich älter werden als Männer. Bis zu 20 Jahren halten sich Männer und Frauen mit je 23 000 die Wage, von 2025 Jahren sind fast 6000 Männer mehr vor­handen und dann geht die Zahl der Männer, namentlich vom 50. Jahre ab, wieder wesentlich zurück. Es wird also durch bic1 amtliche Statistik bestätigt, daß in Hessen die Frauen ein zäheres Leben haben, als der Mann!

Einkommen und Vermögen.

Das Einkommen und Vermögen -der hessischen Be­völkerung ist in den letzten Jahrzehnten ganz außerordentlich gewachsen. Während im Jahre 1890 das gesamte Einkommen von zusammen 209 366 Einkommenfteuerpflichtigen 275 Millionen betrug, stellte es sich int Jahre 1900 bei 270134 Einkommen- seuerpslichtigen aus 391 Millionen, im Jahre 1910 bei 367 377 Pflichtigen auf 582 Millionen und 1912 bei 383 053 Pflichtigen aus 620 Millionen. Tas Vermögen dieser Steuerzahler stieg von 4167 Millionen int Jahre 1900 auf 4599 Millionen im Jahre 1910 und auf 4693 Millionen im Jahre 1912. Auf den Kopf der Bevölkerung kamen int Jahre 1890 nur 277 Mark Ein kommen, im Jahre 1900 351 Mark, int Jahre 1910 456 Mark und im Jahre 1912 475 Mart. Tas Vermögen fiel dagegen von 3687 Mark aus den Kopf der Bevölkerung int Jahre 1900 aus 3596 Mark int Jahre 1912. Ganz außerordentlich sind auch die Zahlen über die Steuerverteilnng. 1890 gab es 135 404 Steuerzahler mit 500900 Mark Einkommen, 1912 144 386 mit dem gleichen Einkommen. Dagegen stieg die Zahl der Personen mit einem Einkommen von 9001700 Mark von 44 970 Per­sonen^ im Jahre 1890 aus 143 993 im Jahre 1910 und auf 161 478 im Jahre 1912, die Personenzahl mit Einkommen von 17002600 Mark von 12 456 im Jahre 1890 auf 38 184 im Jahre 1912, der Personen mit 26004000 Mark von 8455 im Jahre 1890 aus 20 755 im Jahre 1912, bei 40006000 Mark Einkommen von 3973 im Jahre 1890 ans 8784 im Jahre 1912, bei 60008000 Mark Einkommen von 1688 int Jahre 1890 auf 3566 im Jahre 1912, bei 800012 000 Mark von 1242 im Jahre 1890 auf 2554 im Jahre 1912 und bei Einkommen von 12000 und mehr Mark von 1131 im Jahre 1890 auf 2799 int Jahre 1912. Nicht so rapid, wie das Einkommen, ist das Vermögen an­gewachsen. Hierüber liegen, da die Vermögenssteuer erst 1901 in Hessen eingeiübrt wurde, erst seit diesem Jahre die Ergebnisse vor. Es waren 1901 mit einem reinen Vermögeit von 300015000 Mark veranlagt 84 682 Personen, 1910 94 689 Personen, mit 15 00030 000 Mark 1901 30129 Personen, 1910 33 338 Per­sonen, mit 30 00060 000 Mark 1901 17 678 Personen, 1910 19 250 Personen.. Bei einem Vermögen von 90150 Tausend Mark stieg die Zähl von 3348 auf 3737 Personen, bei 150 bis 300 Tausend Mark von 1986 auf 2333 Personen, bei 500 000 Mark bis 1 Million 314 auf 433 Personen und die Zahl der Millionäre in Hessen wuchs in demselben Zeitraum von 10 Jahren um 39, nthnlid)! von 203 auf 242 Personen.

Ans Statt ttnO Cant«

(Bienen, 9. Januar 1913.

* * Prüfungswesen. Durch Entschließung des Mi­nisteriums der Fincrnzen wurde der ständige juristische Hilfsarbeiter bei diesem Ministerium, Finanzrat Kuhl zum Mitglied der Prüfungskommission für die mittleren Stellen im Finanzfach ernannt.

* * Selbständige cvang. Kirchen gemeinde. Der Großherzog hat die Errichtung einer selbständigen Kirchengemeinde Talheim genehmigt.

* * Alt katholischer W eihbis cho f. Ter von der altkatholischen Synode zum Koadjutor mit dem Rechte der Nachfolge für den latholischen Bischof Josepb Temmel zu Bonn gewählte Weihbischof Dr. Gg. M 0 0 g daselbst ist zufolge Entschließung des Großherzogs anerkannt und ver­eidigt worden.

* * Zulass ungen zur Re ch t s a n w al t s cha f t. Am 14. Dezember wurde der Notar und Rechtsanwalt Wilh. Schott zit Pfeddersheim zur Rechtsanwaltschaft bei dein Amtsgericht Pfeddersheim zugelassen, nachidem er die Zu­lassung als Rechtsanwalt bei dem Amtsgericht Osthofen aufgegeben hatte: am 16. Dezember wurde der Referendar Tr. Friedrich Knöpfe! zu Darmstadt zur Rechts­anwaltschaft bei dem Amtsgericht Groß- 4erau zu­gelassen: am 17. Dezember wurde der Rechtsanwalt Dr. Jriedr. Diehl zu Groß-Gerau zur Rechtsanwaltschiaft bei dem Oberlandesgericht zugelassen, nachdem er die Zu lassung bei dem Amtsgericht Groß-Gerau aufgegeben hatte: an demselben Tage wurde der Gerichtsassessor Karl Mei sel zu Darmstadt zur Rechtsanwaltschaft bei dem Land­gericht der Provinz Starkenburg zugelassen.

** Oberhessischer Obstbauverein. In der letzten außerordentlichen Hauptversammlung in Gießen wurden die neuen Satzungen angenommen. Aus diesen geht hervor, daß in Zukunft der Verein sich in Kreisobst- gartenbauticreine mit ihren Unterorganen g:i. bcrn wird. In allen Versammlungen des laufenden Beremsjahres wett den die vom Verein Beauftragten in dieser Angelegenheit Aufklärung geben. Der Zweck der Neugliederung ist, eine intensivere Arbeit auf dem gesamten Gebiete des Obst­und Gartenbaues zu teilten. Beauftragt sind vom Verein int Kreis Friedberg Gartenbauinspektor John, für den Kreis Gießen Dr. S^pffmamt und Obstbautechniker Wenn­macher, für die Kreise Alsfeld, Lauterbach, Schotten Ver­einsobstbautechniker Koch-Alsfeld.

Landkreis Gießen.

Heuchelheim, 8. Ian. Im Gafthause von F. Kreiling Derannaltct am nächsten Sonntag nachmittag die Landwirtschaflskammcr einen Vortrag überDie Verminderung und Bekämpfung der Getreideschädlinge durch die Bestellzeit und geeignete Düngung". Redner ist Landwirt- schaftsleyrer Tamm-Lich.

Watzenborn, 8 Jan. Am Sonntag, 12. Januar, nachmittags 3 Uhr, findet hier bei Wirt Pfaff zur Ludwigs- Höhe eine Versammlung des Ober hessischen Schäfer- vereinS statt.

Kreis Büdingen.

Wallernhausen, 8. Jan. Am Sonntag findet im Gasthause von Bürgermeister Reuning ein Vortrag von Landwuckschaftslehrer Wagner-Büdingen überDie Vor­teile der Feldbereinigung" statt.

Kreis Alsfeld.

X Ilsdorf, 8. Jan. Am vorigen Sonntag sand hier die Weihnachtsfeier des V. H.-C. Vereins zu' Mücke statt. Lehrer Jüngst überraschte die Versammlung mit einem Weihnachtsspiel, Knecht Rupprecht, das von Minbcrn recht schön vorgetragen wurde und den Beifall der zahl­reichen Versammlung fand. Eine Weihnachtsverlosung reihte sich an.

Kreis Schotten.

Aus dem Kreise Schotten, 8. Jan. Wie ver­spätet die Herbstbestellung der Felder ausgeführt wurde und nicht beendigt werden konitte, das zeigen die dieser Tage noch vorgenommenen Arbeiten ans d e m F e l d e. Auf einem Hofe unseres Kreises standen jüngst zwölf Ar­beiter im Felde und machten Kartoffel aus. Diese Kar­toffeln hatten schon unter der Schneedecke geruht, waren aber wohl erhalten geblieben. Der überaus gelinde Winter ermöglicht auch beim Beginn des neuen Jahres die Fort- setzung der noch zu erledigeirden Feldarbeiten. So sieht

wie Gustav $alfe zu Sichten begann.

(Zu seinem 60. Geburtstage, 11. Januar.)

Kaum mag man es glauben, daß Gustav Falke nun schon ein Sechzigjähriger sein soll; -soviel Jugendsinn und Heiterkeit unb Lebensmut weht durch seine Dichtung! Ein echter und rechter Dichtersmann hat er schon in frühesten Jahren den Weg nach dem Parnaß zu suchen begonnen, unb er hat bic Geschichte seiner ersten dichterischen. Versuche selbst in einer Skizze über seine Kindheit gar anmutig geschildert.

Er war 'in seiner Vaterstadt Lübeck Tertianer int ersten Jahre, als ihn sein Mathematiker, dessen schlechtester Schüler Falke war, zuerst alswerdenden Tichter" tu eine freilich nur beschränkte Oessentlichkeit einführte. Im Fallischen Hause hing ein BildTer Torfarzt". Ein alter Schäfer hält eine kranke Ente unterm linken Arm, und in der Rechten eine Medizin­flasche, die er gegen das Licht prüft. Dieses Bild hatte Falke besungen. Der Arbeitslehrer, dem seine Mutter die Verse gezeigt hatte, mochte c*5 im Lehrerkollegium ausgeplaudert haben genug, es geschah zu Faltes größter Verblüffung und ^cham, daß der Herr Professor ihm in der Mathematilstundc vor der ganzen Klasse spöttisch vorwarf:Enten kannst du besingen, aber rechnen kannst du nicht!" Aber dies Entengedicht ist nicht Falles einziger dichterischer Versuch in seiner Schülerzeit geblieben.Ich er­innere mich, so erzählt er, aus jener Zeit noch eines längeren Gedichtes voll Schillerschen Jambenschwunges, worin ich alle Toten seit Alexander dem Großen bis auf Goetl-e und Schiller aus deut Grab auferstehen und mich in einem eiidlosen Geistcrzug umkreisen ließ. Das Gedickt war als eine große Wüstenphantasie angelegt. 3d' irrte durch den endlosen Sand, Schädel und Totenbeine bezeichneten die Straße, bis all' dieses Gebein sich wieder zu den Gestalten jener abgestorbenen Geister belebte, aus bereit Muno nun pessimistische Klagen über die Vergänglichkeit alles Irdischen, aller menschlichen Größe unb alles menschlichen Rulnues ertönten. Dieses Opus sand sogar den Beifall meines Stiefvaters nnb seines Freundes Tr. Ave-Lallement, des be­kannten Kriminalschriftstellers. Meine Mutter war auch mit dem Gedicht vor Emanuel Geibels Tür gewesen, fand aber doch nicht das Herz, einzutreten, und kehrte wieder um. Schade! Das Gedickt hätte sicher leine Gnade vor ihm gesunden, aber vielleicht hätte derDichter" die Freude gehabt, dem berühmten Kollegen" näherzutrcten und ich wäre um eine Lebenserinnernng reicher geworden, wemt nicht um noch Mehr und Wettvolleres.".

Ter angehende Dichterswann hatte, als er das Lübecker Catharineunt verließ, den Wunsch, zu studieren, schöne Wissen- fdwjten oder Musik. Aber der Stiesvater wollte anders: er tat den jungen Menschen in den Buchhaitdel, bei dem er ja auch mit Büchern zu tun habe. So kam Falke zu seinem Beruf, und er begann, wie auch Meister Wilhelm Raabe begonnen Hal Erst hantierte er mit Büchern, verpackte und verkaufte sie, und später

hat er selber welche gemacht, die andere verkaufen mußten. Also ist er schließlich doch beim Buchhandel geblieben.

Geheimnisv oll er Verkauf einer berühmten K 11 n st s a m m l u n g. In den Pariser Kunstkreisen hat man bisher mit Spannung einer Auktion entgegengesehen, die im Frühjahr dieses - Jahres stattsinden sollte. Es handelie sich um den Verkauf der berühmten Bildergalerie Streengracht in Haag. <s>ie umfaßt eine glänzende Reihe von Werken der großen hol­ländischen Meister, vor allem auch mehrere Bilder Rembrandts. Der Wert wird in Fachkreisen out acht vis zehn Millionen Franken geschätzt. Man versprach sich von der Verfteigerung di'eser Galerie in Paris wieder allerlei aufsehnerregende Verkäufe und freute sich auf die ungeheuren Preise, die besonders bic Rembrandts erzielen sollten. Nun ist jedoch dieSensation" nock) früher ge­kommen, als man geahnt hatte: an zuständiger Stelle wurde mit- geteili, daß die Auktion überhaupt nicht stattfinden könne, die Galerie sei nämlich schon im ganzen von einem einzelnen er­standen worden. Die Ceff entlief feit kennt bisher weder den Namen dieses Käufers, noch bic Höhe der Summe, für die er die Schöbe des holländischen Sammlers erworben hat. Aber die Bilder werden wohl in nicht gar zu langer Zeit auf der anderen Seite des, Ozeans wieder ans dem Dunkel auf tauchen. Tie Pariser trösten sich über dieses entgangene Ereignis des Kunstlebens mit ber^Aussicht auf die anderen großen Versteigerungen, die in diesem Jahre schon ungewöhnlich früh angesetzt find.

Eine neue Krankheit für Mitteleuropa? Großes und uickiebsames Aussehen muß die Nachricht erregen, daß die Pellagra, die man früher seit langem nur als Mais­krankheit in Oberitalien und wenigen benachbarten Gebieten Süd­europas kannte, in England nachgewiesen worden ist. Damit fällt das Gefühl der Sicherheit, das man in Mitteleuropa gegenüber dieser Seuche hatte, in sich zusammen, ebenso auch wahrscheinlich die alte Auffassung, daß die Krankheit lediglich durch den Genuß Don verdorbenem Mais entstell'. Daß sie nicht notwendig auf eine heißere Zone beschränkt zu sein braucht, hatte schon ihre Ent­deckung in den Vereinigten Staaten bewiesen, wo sie während der letzten fünf Jahre in nicht weniger als 35 Staaten mit mehreren tausend Fällen gesunden worden ist. Auch dott spielt der Mais in der Volksernährung eine so große Rolle, daß sich damit das Austreten der Pellagra wohl in Zusammenhang bringen liefe Ganz anders aber liegen die Verhältnisse auf den.britischen Jnstln, und damit scheint der alte Glaube an die Entstellung der Maiskrankheit gänzlich hinfällig zu werden. An seine Stelle tritt zunächst die vor drei Jahren von Dr. Sambon ausgestellte Worte, daß auch diese Krankheit durch Insekten aus den Men­schen übertragen werde, und zwar durch eine echte Mücke. Der Erreger der Pellagra nwre danach ein Urtier, das dem Keim der Malaria durchaus ähnlich fein soll Ti: alte Auffassung beruhte

auf der Annahme, daß in verderbendem Mais durch Bakterien ein Giftstoff erzeugt werde, der die Kranli. il mit ihrem langsamen und qualvollen Verlauf herbeisühre. Diese alte Maistheorie wird nun wohl ebenso das Feld räumen müssen wie bic frühere Er­klärung der Schlaskrankheit, die aus den Genuß der Maniol- wurzel geschoben wurde. Tie Vorstellung, daß sich die Pellagra auch auf andere Lander Mitteleuropas verbreiten könnte, ist höchst unbehaglich, da sie zu den entsetzlichsten Krankheiten der Erde gehört. Im letzten Stadium greift sie das Gehirn derart an, daß die Kranken meist wahnsiilnig roerben, wahrend bis' dahin die Merkmale ost wertig deutlich sind. Aus diesem Grunde mögen viele Fälle von Pellagra Überseen ober falsch gedeutet worden sein. Namentlich könnte eine genaue Turchforschung der Irren­häuser Ueberraschungen zutage fördern.

Der Umzug eines Di ch t e r g r a b e s. Wie aus Skagen gemeldet wird, haben bic anbauernben, heftigen Herbst- stürme im Zusamnienwirken mit dem reißenden Meeresstrome ihr Zerstörungswerk an der Küste von Skagen zwischen dem Leuchtfeuer unb der äußersten Landspitze, also gerade auf der Strecke, wo man Holger Drachmaun sein Grab errichtet hat, mit großer Macht unb Schnelligkeit fortgesetzt, und eine Be­sichtigung des Dichtergrabes, die am Neujahrstagc vorgenommen mürbe, zeigte, daß die Wogen bereits den Fuß der Tünc über­schwemmen. Die Gefahr, baß das ganze Dichtergrab von ben Wellen verschlungen werde, erschien so groß, daß man sich zu einem Umzug des Grabes entschließen mußte. Ein Freund Drach- manns hat zunächst die Aschenurnc aus dem Grabe geholt und sie in Drachmanns Hause in Vcstcrbli ilutergcbracht. Ebenso will man die Steine, die in Tolmenform die eigentliche Grab­kammer umgeben in Sicherheit bringen unb schließlich auch das schöne, von Etatsrat Hegel gestiftete Bronzepvttal rechtzeitig nach Vesterby schaffen. Im Sommer soll dann der endgültige Um­zug des Dichtergrabes erfolgen, und zwar soll es an den Nord- ltrandsklippen seinen tünftigen Platz finden, wo es vor dem Wogenprall als völlig gesichert gelten kann.

Ein goldenes Vier- Eva ngelienbuch voll- Itän-btg. Erne Handschrift der vatikanischen Bibliothek in Rom enthält das Lukas- und Johannes-Evangelillm in Aoldschrift. -tie dott fehlenden Evangelien snid, )uic Kaspar Ncn6 Gregory in derTheologischen Llteraturzcitung" mitteilt, jetzt von Robert Szentlvanyi m der Batthanyschen Bibliothek festgestellt worden. So kennen wir jetzt ben ganzen künstlerisch reich geschmückten Codex Aureus von Lorsch. Die Handschrift ist eng mit der Ada-wandschrift in Trier, dem berühmten Hauptwerk karolingi­scher Buchmalerei, verwandt, und zwar sowohl äußerlich in Form und Schrift wie innerlich im Text. Szentivanyi hält es für wahrscheinlich, daß sie aus der Palastsckmle in Mchen hervor­gegangen unb zwischen 783 unb 827 entstanden ist