2tus Stadt und fand«
G ieße n, 6. März 1913.
- Pfarrpersonalien. Der Großherzotz hat den eoang. Pfarrer Phil. Münch 311 Dornheim anläßlich seine. Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse deS Verdienstordens Philipps deS Großmütige, verliehen.
"Oberlehrerpersonalien. Durch Entschließung deS Ministeriums deS Innern wurde der LehramtSrefcrendai Hch. Schaaf zu WoruiS zum Lebran.tsassesior ernannt.
** Lehrerpersonalien Ucbertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Jos. 3 cf)i 111 er aus Weinolsheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober Mörlen. — Er ledig t ist die mit einem kalt;. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ludwigshöhe. Mir der Stelle ist Organistendienst verbunden. — 3n den Ruhestand rcr fett wurde der Lehrer an der Gemerndeschule zu Rohrbach Mr. Tieburgj Ludw. Tarmstädter auf sein Nachsuchen, unter An erkemrung seiner langjährigen treuen Dienste, und ihm aus diesem Anlaß das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzenbe Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eikartsborn.
"Erledigt ist die Stelle des P s a u d m e i st e r s des Beitreibungsbezirks F ü r r h i. O.^ Meldeschluß Samstag, 8. März.
** Die schriftliche Staatsprüfung für den höheren Forst dienst beginnt am Mittwoch, 26. Marz, zu Darmstadt. Gesuche um Zulassung sind unter Verwendung des Eingabestempels von 1,50 Ml bis zum 12. März bei der Ministe riakabteilung für Forst- und Kameralverwaltung einzureichen
•• Reichszuschuß für Wissenschaft!. Arbeiten. Dem Jngenienr-Ehemiker Karl Elschner, dem bisherigen 2. Leiter der Phosphatwerke aus Na non Marshall- Inseln, ist durch das Reichs-Kolomalamt ein R e i chs - Zuschuß zur Veröffentlichung einer Arbeit bewilligt worden, die während des eben abgelaufenen Semesters in Gießener Instituten angefertigt worden ist. Sie behandelt: „Eoral- loizene Phosphatinseln Austral-Oceaniens und ihre Produkte". Elschner, 5er bereits mehrere größere Expeditionen erfolgreich leitete, wird in kurzer Zeit Deutschland wieder verlassen.
"Wanderkurse der Zentrale für Mutter - und Säuglings für sorge inÄessen. Der zwölftägiqe thirfud, bei die Wcuibcrlehrerui der Zentrale für Mutier und Säuglings fstrsorge über die Pflege und Ernährung des Kindes in den beiden ersten Lebensiahren in Heppenheim abgehallen hat, ist am 20. Februar beendet worden. Der Kursus erfreute sich eines lrirhaften Zuspruchs von Frauen und Mädchen Heppenheims. Der Andrang war so stark, daß zahlreiche Frauen und Mädchen, die an ihm teilnehmen wollten, rncht zngelassen werden l'onnteii, ob vwhl der Kursus in zwei 9Lbtcilungnt cingticilt war. Am Nach mittag nahmen 113 Mädclxm der verschiedensten Altersstufen daran teil. Die Zahl der Teilnchmerinnen an dem abeiids statt findenden Frauenkursus betrug 150. 60 Frauen und 72 Mädchen konnte eine Bescheinigung über regelmäßige Teilnahme an dem Kursus «usgestellt werden. Zurzeit jindet ein Wanderlursus in Laute r- badj statt Für den März ist ein Kursus in Schotten vor gesehen. Aus allen Teilen des Landes sind der Zentrale Gesuche WJt Veranstaltungen von Wanderkursen zugegangen, so daß die Zentrale denuiächst eine zweite Wanderlehrerin anstellen muß.
" Klare Betonung der Eiitlassung ist nottoenbig, tote folgender Fall beweist: Nicht ganz korrekt handelte eine Stepperin, die bei dem Schästefabrikant Rebenschütz beschäftigt war. Sie war bis kurz vor Weihnachten drei Wochen krank gewesen, batte sich aber er ft nach Neujahr wieder zur Arbeit ge- trtdbet. Rebenschük hatte zunächst allerlei Ausflüchte: bann bot rt ihr eine Arbeit an, auf die die Mlägerin nicht geübt war und bei der sie in den ersten Wochen höchstens drei Mark verdient haben würde. Ter Fabrikant mutete dem 1 ungen Mäddvn zu, die Losten des von ihm einseitig geänderten Arbeitsverhältnisses allein zu tragen. Andere Arbeit wieö Rebenschütz der Klägerin nickst an ; er gab ihr aber auch nicht zu verstehen, daß sie infolge der «ttvaü verspäteten Meldung zur Arbeit sich als entlassen betrachten könne. Auch die Invalidenkarte behielt er; er tat mit einem Worte nichts, was zur Klärung des Verhältnisses hätte beitragen können. Mit Rücksicht darauf, daß beide Parteien nicht ganz korrekt gehandelt batten, schlug das Gericht einen Vergleich von 8 Mark vor. Tie Klägerin erklärte sich auch dazu bereit: Rebenschütz aber pochte auf sein vermeimliches Reckst. Höchstens iuolle er zwei Mark zahlen. Er ließ sich auch nicht zu dem Vergleich bemegen, als ihm der Vorsitzenbe ziemlich deutlich zu verstehen gab, daß sein Prozeß ungünstig für ihn auSgehen könne. Er änderte vielmehr seine Taktik und widerrief ein Zugeständnis, das er in der ersten Verhandlung der Klägerin ge- mackst hatte. Ohne das Eiuverst.iubuiS von der anderen Seite kann aber das einmal gemachte Zugeständnis einer Partei nickst widerrufen toerben, meinte der Vorsitzende Es kam schließlich M einem Urteil. In dem Umstand, daß die Klägerin nach der Krankheit noch Einige Zeit zu Hause blieb, erblickt das Gericht nach Lage der Sache lein unbefugtes Verlassen der Arbeit. Ter Beklagte luar deshalb verpslickstet, der Klägerin den Arbeiis- entgana in voller Höhe im Betrage von 40 Mark für zivei Wochen SU zahlen. ,^Jch geize weiter!" erklärte der Veriirteilte ärgerlich Als ihm von allen Seiten aber klar gemacht wurde, daß das Urteil sofort rechtskräftig sei, warf er ärgerlich zwei Goldfüchse auf den Tisch unb verschwand.
Kreis Alsfeld.
Stornborf, 3. März Gestern abend sprach Landwirt Moll auS Sdilalingat Brandenburg) über die Tätigkeit und WirkiingSweise des ..Deutschen Bauernbundes". Herr Moll sprach über die Arbeitstätigkeit des Deutschen '.Bauern blindes, der eS sich zur Aufgabe gemacht habe, ben deutschen Mittelstand mit Rat unb Tat zu unterftiit.’zn.
? Baden rod, 3. März. Gestern abend hielt der Land- wirtsch-asll KonNimverein seine Hauptversanmüung ab. Der Rechner erstattete die Zahresreckmmig und konnte eine Dividende von 7 Prozent verteilt werden.
Kreis Lauterbach.
■*' AngerSbach, 4. März. Durch das KreiSveteiinär- amt Lanlerbach werben zurzeit sämtliche hier gehaltenen Klauentiere einer U n ters ii ch i, ng auf Seuchen- verdacht unterzogen, da der Ursprung der vor einiger Zeit in einen», hiesigeil Gehöft zum AuSbrnch gekommenen Maul- und Klanenfeiiche bis jetzt nicht ermittelt werden konnte. Es wird angenommen, daß die Seuche auch noch in anderen Gehöften vorhanden fein könnte, aber von den Viehbesitzern wegen der unliebsamen Sperre verheimlicht wird. Die Untersuchung geschieht auf Anordnung deS Ministeriums.
X Schlitz, 4. März. Das Krieg er fest des Haffia- bezirkS La u 1c r b ach - S chl i l; wird am 6. und 7. Juli hier gefeiert. Der Krieger- und Militärverein verbindet damit die Feier feines 25jährigen Bestehens.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 2 '."i m. ttn 12 MLrtz findet die Ent Tafiung der « a n b i b a t c n bc • evang Predigers em inars statt 15 Kandidaten befudmt zurzeit ba? Scimnar, ii von ihnen Werben entlassen Mit der Entlassung wird eine Abscknedsseier für Direktor Geb. Minfxurat D .2 ger ocrbiuibcn - Heute fand in der Aula des Gymnasiums die \ n 110 f f u u g der Gymnasialabiturienten ft an 'A'a ’nem i^-iang des Sängerchors hielt Pro' B a r. m ‘[bfdr. >srede Tirefun 'N 11 fett überreichte Preise.
Starkenburg und Rheinhessen.
bs. Darmstadt, 3. März. Im Anschluß an die Besprechung, die Ende Oktober über die Frage des Sorg» Unwesens und der kaufmännischen Buchführung stattgefunden hat, ist in der am letzten Freitag abgehaltenen Sitzung der Ausschüsse für Handwerk und Kleinhandel der Ortsgruppe Darmstadt des H a n s a - B u n d e s ein greifbares Ergebnis erzielt worden Man einigte sich dahin, die einzelnen Innungen uni> irerterrereinigungen zu veranlassen, bei ihren Mitgliedern dahin zu wirten, die Rechnungen für Ausbesserung ipalesrens am Schlüsse des Monats und die Rechnungen für sonstige Lieferungen spätestens am Schlüsse des Quartals der ?runb ichaft zu übermitteln. Man hält die Durchführung einer derartigen Maßnahme für möglich und erhofft von ihr inen bedeutend schnelleren Eingang der ausstehenden Beträge^ — Vor einiger Zeit tauchte das Gerücht auf, daß die Stadt der Duncan-Schule einen Zuschuß geleistet habe, um das Unternehmen zu halten Tie Bürgermeisterei veröffentlicht nun eine Richtigstellung Darin heißt eS, daß die Stadt der Tuncan-SckuUe lediglich ein Darlehen gewährt habe. Außer dem Grundbesitz der Schule, der zur Sicherheit dient, haben sich solvente Frank- furter Bürger bereit erklärt, Bürgschaft für die Schuld zu leisten, so daß für die Stadt jedes Risiko ausgeschlossen ist. Mit dem Betrieb unb dem Fortbestand der Schule hat die Stadt nichts zu tun. M it dem Darlehen wurden die Baukosten abgetragen. Auch andern Tarlehnssuchem wurde fein Geld entzogen. Tas Geld wurde aus Sparlassenmitteln entnommen und wird um y< Prozent höher verzinst als das sonst ausgeliehene Geld.
Hessen-Nassau.
ss Marburg, 4. März. In das UntersuchungS- gesängnis wurde der Hüttenarbeiter Weiß aus Weiden- bnulen bei Gladenbach cingeliefert. Er steht im Verdacht, sein Hau8 in Brand gesetzt zu haben.
Herborn, 3. Mürz. Die für gestern nachmittag einberufene Berfammluug von Interessenten für das Eisenbahner 0 j e k t Herborn — Mengerskirchen war von 80Pcr- onen besucht. Bürgermeister Birkendahl berichtete über die Aussührung des Projektes sin allgemeinen. Nachdem sich das alte Projett von hier nach Löhnberg als unausführbar erwiesen bat, hat man sich dahin geeinigt, von hier über Greisen st ei n— 59 eil ft ein — Mengerskirchen eine Bahn zustande zu bringen. Viele Millionen könnten auf dieser Strecke nutzbar gemacht werden. Industrie und Handel bctimen Leben. Von den Buberusfchcn Werken war Tirektor Hassel- Wetzlar anwesend. Er gab die Versicherung ab, baß das Proj.lt von den Buderusschen Werken unterstützt werben würbe. Es sprachen noch einige Herren, bie iämtlid) die Vorzüge der geplanten Strecke anerkannten. Von Beilstein war eine Vertretung in der Versammlung nicht anwesend, obwohl es sehr stark bei dem Zustandekommen der Bahn interessiert ist. In das Komitee, das die Angclegenheil bearbeiten soll, wurden gewählt Bürgermeister Birkendahl, Karl Neuendorff, Louis Bömper, Louis Schumann in Herborn: Bürgermeister Kolb und Fabrikant Berkenhofs Mertzmbad;; Bürgermeister Hiek--Hörbach: Bürgermeister Dscker-Hirfck-berg; Gemeinde-Porsteher Schweizer und Wirt Simon in Greifenstein: Bürgermeister Stahl und Bäcker Adolf Hartmann in Haiern: Bürgermeister Gimber-Rodenberg: Bürgermeister Tropp Odersberg; Pfarrer Stör unb Bürgermeister ^chneiber-Nendcroth; Bürgermeister Hild-Arbom und Bürger - meistcr Anzäon imb Wirt Gotthard in Mengerskirchen.
Die Zeugen Zinn und der junge Heß werden wegen geistiger Minderwertigkeit, ba sie von brr Bedeutung des Etdes infolge- dessen fernen Begriff haben, auf Gerichtsbeicküuß hin nicku vereidigt. Die Edeirau des Metzgers Rupp II. wird utm Schluß der Beweisaufnahme noch einmal vorgerufcn unb gefragt, ob sie nicht wisse, baß ihr Ehemann in der Scheuer cm Selms geschlachtet habe. Tie Frau erzählt, daß m Mutterscha gelammt hatte unb banatb krank würbe. Das Tier hatte große Schmerzen und ihr Mann schnitt dem Tier deshalb ben Hals ab. Das Fleisch bat der Schäfer Zinn für bie Hunde bekommen.
Damit ist die Beweisaufnahme erledigt .
Den Geschworenen wird nur die Schulbfrage auf Meineid vorgelegt.
Staatsanwalt Trümverl begründete die'Anklage, indem er darauf hinwies, daß der Eid die Grundlage unserer Rcchls- orbming sei. Es sei auch sehr schwer, den Meineidigen uir Verantwortung zu ziehen, weil der Beweis nur sehr feilen zu führen fei. So sei auch über den Wortlaut dessen, was Frau Sdmierle vor der Straftimmcr befunbet, kein Beweis zu erbringen. Der Staatsanwalt läßt beshalb bie Anklage gegen sie fallen. Anders liege aber der Fall bei dem Ehemann, der wifienllich falsch ge schworen habe, daß er am 25. Februar fein Schar gekauft, und auch leins erhalten habe, .'lls Beweis, baß Stbnicrle um bie fragliche Zeit ein Tier getauft bar, liegt ber unterschriebene Kaufvertrag vor. Hierzu komme das Zeugnis des Rupp I., das allein allerdings eine Anklage auf Meineid nicht stützen könne, aber es seien auch noch bi; Zeugen Rnvp II. und dessen Frau, sowie Bernges unb Fran da Er bin.-c, bas Beweis- material zu prüsen unb die Sdwldftage zu b.nahen.
Ter Berteibiger, Rechtsanwalt Römhclb. ging mit den Zeugenaussagen scharf ins Gericht. Wie die Ihitcridinit unter den Kausvcrtcag gekommen ist, den Heß vorgelegt hat, ist nicht zu sagen. Nachgewiescn ist, daß Schnier!e am 25. Februar bei Heß in Ranstadt mar, um sich 250 Mk. für ein an Heß verkauftes Rind zu holen. Sdmierle ist ein braver, unbescholtener Mann, der sich, wie einwandsftei bargetan würbe, cbrlid) und redlich Mühe gegeben bat, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Ein lolcher Mann schwört mit Bewußtsein keinen falschen Eid. Er plädiert deshalb auf Freisprechung.
Nach kurzer Beratung wird der Spruch der Geschworenen verkündet: für beibe Angeklagte wird die Schiildfrage verneint, woraus der Gerichtshof ein fr eis p r c ch e n d e s Urteil fällt.
(ßcrid?tsfaaL
tti. Gießen, 6. März.
Gestern abend verhandelte in der Zeughauskascrne bas Kriegsgericht per 25. Division in zwei Anklagefällen Die Anklage richtete sich gegen ben im Oktober angetretenen K G. von Osten - dach, der schon am 29. Januar b. I. vor dem Kriegsgericht, geitaiiben hatte. Er war sahnenflüchtig geworben, weil er nicht bei ber Insanterie, sonbern bei der Marine dienen wollte Auf Antrag des Verteidigers hatte der Gerichtshof damals beschlofscn, G. im Garniionlazarett von einem Spezialisten auf seinen Geistes zustanb untersuchen zu lassen. Der Sachvemänbigc hatte den Angeklagten zwar als geistig minbernilrtig bezeichnet, aber für Tntl5 H^^iungen sei er doch verantwortlich zu machen. Dr. Weckerling blieb auch in der gestrigen Verhandlung bei seiner dnud)t. Stabsarzt Tr. Romberg, der G. eingehenb beobachtet bat, war der Ansicht, daß ber Angeklagte bochgrabig schwachsinnia sei unb bie Tat baber unter § 51 b S. G falle Der Anklage Vertreter beantragte infolge des Gutachtens bes Stabsarztes Dr Romberg iZ-reifprechung und das Kriegsgericht erkannte auch dem gemafi. — In ber weiteren Verhanblung verurteilte bas ^lriegs» geriast den gestänbigen Musketier B. von ber 5. Komp des 168 Im.-Regts., ber vor seinem Dienstantritt in vier Fällen Unter' Hblagunflcn im Betrage von 35 Mk begangen bat, zu 10 Tagen Gefängnis.
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Schwurgericht.
th. Gießen, 5. März.
Schluß der Verhandlung wegen Meineid.
Der Landwirt Julius König von Selters, der vor dem Lrtcnbergcr Amtsgericht zugunsten bes Angeklagten geschworen hat, aber von ber Anklage bes fahrlässigen FalscheibS frei- gesprochen worben war, wirb von bem Vorsitzenben daraus aufmerksam gemacht, vorsichtig in seiner Aussage zu Werke zu gehen. Er habe in Ortenberg geschworen, baß Schmerle feit 15 Zähren keine Schafe gehalten habe, unb habe bann vor ber Stratfammcr zugegeben, baß er nur von 12 Jahren wisse. K ö n i g will nicht wabrgenomrnen haben, daß Schnierle 1908 ein Sdwf batte, wohl habe er aber einmal gehört, daß der Angeklagte vorübergehend fremde Tiere im Stalle hatte. Ob fein Nachbar von Heß Schafe gekauft hatte, weiß er nicht.
Ter Zeuge Schmied Bergiges von Selters hat vor etwa vier Jahren geschen, wie von Schnierlcs ein großes weißes Sd,af mehrmals zur Herde getrieben wurde, und glaubt, baß bie Familie bas Trer bamals sechs bis acht Wochen gehalten hat.
Tie Ehefrau Bernges will gesehen haben, wie der junge Max Heß etwas in den Hof von Schmerle geleitet bat: wenn die Zeugin sich nicht irrt, glaubt sie, Heß habe das Teer an einem istrohfeil geführt; sie erklärt^aber bestimmt, daß sie imcberholt gefeben hat, wie aus der Scfmicrle’fchcn Hof reite ein weißes <5chat der Herde zugetrieben wurde. Auf Befragen des Verteidigers bemerkt die Zeugin, Mar Heß sei ihr bekannt gewesen, loeil er m Geschäften mehrere Male in ihrem Hause war Rechtsanwalt Römlicld macht die Zeugin daraus ausmerksam, baß sie nor dem Amtsgericht in Orten berg im Zivilprozeß Heß gegen Schnierle beschworen habe: Ich kann mich nid)t besinnen, ein Schafaus bem Dos bei Schmerle gesehen zu haben. Der Verteidiger richtet an die Zeugin die Frage, wie es komme, daß sie heute Angaben macht, die das Gegenteil befagni. Frau Bernges kann den Widerspruch nicht auffiären. Sie gibt aber ,u, viel mit der Familie Rupp zu verkehren und dabei sei häufig über ben Prozeß Heß-Schnierle und die Sache König geftnodten ivorbcn.
Ter Zeuge Max Heß, ein junger Mensch von 27 Jahren bem mau aus den ersten Blick den Geistcsschwachi-n anfieht wirb nun aiifgvrufen Ter Borsibende muß ihm jedes Wort form' lieh abkausen: er antiuortet nur schwer und ganz knapp, mit we- mgen Worten Aus feinen Bekundungen gebt hervor, baß ihm Rupp I. begegnete, als er die Sdjafe nach Selters zu trieb unb ihn mit allen 5 Tieren in feine Ho freite brachte. Von dort will er cm <xbar in Scknierles Stall gebracht haben, kann aber ntchMagen, ob Schnierle ober dessen Frau zugegen mar.
Ter Geridstsbof besd»Iießt, diesen Zeugen unvereidigt zu lassen weil er die Bedeutung des Eides wohl kaum erkennen könne.
Ter Sohn des Angeklagten bekundet, baß er 190S vom Militär beim gekommen fei; er habe damals lein Schaf im Dause gesehen. Wenn eins dagewesen märe, müsse er es bemerkt haben.
Ter Bürgermeister Rupp hon Selters schildert den Angeklagten als einen gefälligen, wohltätigen Menschen, ber stets bestrebt war, seine Sduilbcn, wenn auch langsam, zu bezahlen
xer Gerichtsvollzicl>er M en er von Ortenberg iebilbert, mte er öfter mit idmiale zu tun hatte unb sich dieser alle Mühe gc» geben habe, seinen Verpflichtungen nachzukornrnen. In der letzten Zen versuchte Schmerle, sich durch Schiebungen zu bellen.
Pfarrer Kumpf von Wenings hält Frau Bernges des Meineides »ür täbig. Der Vorsitz,iide, X'anbgerichtsrat Kock tragt den Zeugen, weiche Tatsachen er Tür seine Meinung ansiihrrn tonne Es gehe dock nidrt an, ohne weiteres von einem Menschen äu bebaupten, in des Meineids fähig. Der Pfarrer erklärt fr. baue die <rrau mdü für io gciefhgt m ihrer Wabrhetts- .doriltzende bemerkt darauf: Herr Pfarrer, möglich ist eben alles, aber man toll ohne zureichenden Grund niemanb so waS nachlagen!
sie i^On-tb1hlr,ro?5^ ^nmnmenen Zeugen bekunden mehrere, daß Jahre 1908 bei Schmerle keine <xbafc gesehen babeiv Qfbört^h?.! ^5*fl5n b<7I*trn übcr Gespräche, die sie im Dorie gehört badenAuch dap der Metzger :Nurp II. abends m seiner oaxnier ent cdxn gndMddnr:, was Diner m Abrede stellte u.nen nnzeme Zeugni von Hörensagen zu berichten.
D a rm städ ter >s t u de n ten mor d vor Gericht.
. zV -y,a r m stabt, 5. März. Die schweren Ansschreitunqen, denen ant Morgen des 13 Novencker v. I ein M'iisihcnleben Sirm Opfer gerallcn ist, beschäftigte, tote bereit«? gemeldet, unter grauem AndrMtge des Pubulums bas hiesige S-dmniigcruhL Zu verantworten batten sich der Ingcineur B a b r wegen >rorpcr ■ Wrleuung mit Todeserfolg, sonne dei Stubcnrcn I 1 it ä b t unc» Bauer wegen Beihilfe ba;u. Wahrend man zunächst amtabni, aatz cö 1 id> bei den Strritigfcucn, die zu den Straftntfn ftihrten, um volittzche oder religiöse Difterrnzcn gehmidelt Ixrbe hat sich berausgestellt, da? von ioldvn Beweggründen Nicht die Rede fnn lamt. Der Hauplangchvrige Bahr tarn, wie mobl nodi erinnerlich ist, mit ben anderen Angeklagten unb nodi cinigni freunden in später Nachtsrunde üi das Easä „Ernst Lubwig". nad> b«nn er in einer Bar schwer ge.zeck't hatte, so daß er völlig an getrunken Ivar. In dem Eas^ befanden sich eine Anzahl russi- ld;er etubciitm, darunter der Stubent Weiser aus Cnüod:au, bie bald von ihren deutsch-en .shnnntilitonai .^hinsett muroen. xsnt Verlauf der Auseinand.rie',ung -og Weiser einen Rnmli'er, kam aber nidzt dazu, ihn zu gebrauchen. Der Wirt stiftete sdstieiV lid) einigermaßen Frieden unb veranlaßte, daß Weiser unb seine Begleiter bas Lokal verließen. Unter den deutschen Stu dorten, soll mm, was von ihnen allerdings lebhaft bestritten wirb, ver-« abredet worden sein, Weiser zu folgen unb ihm den Revolver ab- zunehmen. Weiser .wurde zunächst von All stöbt ringel)olt unb kam mit diesem ins Handgemenge. Dabei cnthib sicki ber Revolver, ben Weiser in ber Tasche trug, mehrere Male, irnhrschemlich infolge des Ringens. '.'Ülfübt glaubte aber, das- Weiser nut '.'tbsicht gesdwssen habe und ries seinen Freund 'Fahr zur Untt-rstützamg herbei. Dieser zog fein lafd.enmeiTer und stach blindlings auf die am Boden sich Wälzenden ein Weiser erhielt drei Stiche, von denen der eine die große Sdjlagaber traf, so daß er noch wenigen Minuten verblutete. '.Huch AN stöbt wurde von Bahr geftodxm. Er erlitt eine so schwere Armverletzung, daß der Arm für immer ft ei f bleiben wirb :
Ws die Folgen des Strritrs bekannt wurden, bemächtigte sich der ^tudentemchaft und der Bürgerschaft große Erregung, die auch in mehreren Beriamnilungen zum .'liisorud kam. Rektor unb Senat der Hocksdrale iura dm ihre sch-irffte Mischilllguim über das Berhalten beider Parteien aus und verboten für die Folge jedes Waffentragen. Bahr, der sich wie seine Mitangellwit«, mit vollständiger Trunkenheit zu rntfduiCbigen suchte, ridücte an die Eltern des Erstochenen ein Sdirribcn. in dem er feine tiefe Reue über die Tat aussprack, Bahr ist bereits 32 Jahre alt unb hat schon praktisch in verschiedenen großen Faftnkrii gearbeitet. An der Hochschule ließ er sich nod) einmal inmiatri kulleren, um sein Staatsexamen zu madjen. Verschiedene Leu mundszeugen stellten den Angeklagten ein gutes Zeugnis aus. Alle Zeugen bekunden, daß die .'lngeklagten sich in einem Zustande hochgradiger Trunkenh.il' beftmben kitten.
Auf Grund der Bnoeisaufnahme funTthcn die Geschworenen, wie schon iiritgetrill, sämtliche '?buicti<igte br; ifnuni zur Last ge legten Straftaten für schuldig, billigten ihnen aber mildernde Umstünde zu. Bahr wird toegrn >Körperverletzung mit töt Hdzm ^.'lusgange zu einem Jahr drei Monaten, All ftädt wegen B-teiliming cm einer Schlägerei, durch die der Tod eines Memcken herbeigenibrt wurde, zu drei Monaten imb Bauer wegen des gleichen Vergehens zu drei W 0 d, e n Ge- sän gnis verurteilt. — Den Angeklagten werden auch die Kosten des Berfahrens auferlegt.
w. Metz, 4. März. Die Stratfammcr verurteilte vier junge Burschen im Alter von 16 bis 18 Jahren, die vor einiacn Mo naten unter dein Namen .Bund ber schwarzen Toten- köpfe" die Metzer Umgegend nnstcher gemacht unb zahlreiche EinbruchsdiebstäHle, darunter mehrere zur Erbeutung von Waffen, sowie rericfaiebeiitlid) Straßeiiräubercien verübt hatten, zu dre i Jahren e i ä n a n i ü m zwei Fällen. ;:i einem Jahr (BefäuaniS unb drei Monaten GetänaniS in jr einem Falle. Einer ber Angellaaten, der zurzeit der Tat das 18. 2cbcni- jahr noch nicht erreicht hatte, wird sich wegen zweier Straßen- übedäHe, die unter Anwendung gefährlicher Waffen criolaten. dem nöchft vor dem 6cf>muraericf)t zn verantivorten hoben. Ein fünfter Genoffe ber Bande ist flüchtig. Die Angeklagten anben die ihnen Z"r Last gelegten Daten zu, betonten ober mehr ober minder, daß sie das Opfer der Echnndliteratnr geworben seien.


