Ausgabe 
6.3.1913 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

M. 55

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint rmt Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oherhesien

DieKietzener Familienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Nrclsblatt fkr tzen Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DizLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Donnerstag, 6. März 1913

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universitäts - Blich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: es® 51.

Redaktion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

Der Keifer in Bremen.

Bremen, 5. März. Der Kaiser ist im Automobil von Wilhelmshaven kommend, um 12 Uhr 10 Minuten mit Gefolge vor dem Rathause angekommcn, wo er vom Senat, den Spitzen der Behörden und dem Offizierkorps empfangen wurde. Entgegen dem bisherigen Brauche begab sich der Kaiser nicht in den Ratskeller, sondern durch die untere Halle nach dem neuen Rathause, das er eingehend be­sichtigte. Um 1 Uhr nahm der Kaiser, indem er einer Ein­ladung des Senats folgte, das Frühstück im neuen Rathause.

Um 3 Uhr 1.5 Minuten nachmittags verließ der Kaiser das neue Rathaus und begab sich, von dem zahlreich angesammelten Publikum herzlich begrüßt, zum Bahnhöfe, von Jüo er nach Verabschiedung von dem Bürgermeister Barkhauscn um 3 Uhr 20 Minuten weiterreiste.

DerJkdam" meldet: Der Mi nist er rat hat den Bericht des türkischen Botschafters in Petersburg über das Ergebnis der Friedensverhandlungen in Petersburg be­raten und beschlossen, neue Instruktionen an den Botschafter zu senden. Damit hofft der Ministerrat, daß die Meinungsverschiedenheiten wegen der türkisch-bulga­rischen Grenze beigelegt werden. Im allgemeinen lehnt man hier jeden Gedanken an eine Kriegs­entschädigung ab.

Aus den Neichrtagsausschüssen.

:: Berlin, 5. März.

Das Etatnotgesetz.

Der Buda et a r-s schuß nahm heute das Etatnot- gesetz an. mit kleinen ' Streichungen bezw. Zurückstellung von Positionen. Im Einzelnen ist davon mitzuteilen: Der .Kriegsminister begründet ausführlich und teilweise vertrau- lick> die im Notgesetz enthaltene Forderung eines neuen Armeeinspekteurs in Danzig. Das Zentrum bezweifelt die Dringlichkeit der Forderung. Eine solche Maßregel müsse im Zusammenhang mit der allgemeinen Organisation durchgeführt werden. Wenn man diese For­derung bewillige, so ziehe das Konsequenzen für die Militär­vorlage nach sich. Der Kriegsminister erwidert, daß es sich um die Umwandlung einer der bestehenden sieben Armee- inspcktionen aus einer nicht etatisierten in eine etatisierte Stelle handele. Es finde also keinerlei Bindung des Reichstags für die künftige Militärvor­lage statt. Bei der Abstimmung wurde der geforderte Armeeinspekteur gegen die Stimmen der Sozial­demokraten und der Mehrheit des Zentrums angenommen. Die Zentrumsmitglieder, Fürst Löwen­stein und Freiherr v. Thünefeld, stinnnten für die Forderung. Dagegen wurde die Mietsentschädigung von 15 000 auf 10000 Mk. ermäßigt.

Eine weitere Auseinandersetzung ergab sich bei den Forderungen für Neubauten, wo das Zentrum Be­denken äußerte, ob iricht durch die kommende Militärvorlage auch die in dem Notgesetz angeforderten Bauten wieder berührt werden, so daß im ganzen eine Verteuerung der Bauten cintreten würde. Von der Verwaltung wird das bestritten, die Forderungen seien darauf geprüft. Die For­derungen werden bewilligt, die Forderungen für die Magazingebäude in Jüterbog und Neubreisach zurückgestcllt.

Tann folgen Erörterungen über den Grund stücks- tausch in der Angelegenheit des von: preu­ßischen Abgeordnetenhaus verlangten Gar­tens. Nach einer Aussprache wird die Forderung aus diesem Notgesetz herausgenommen und zurückgestellt. Im übrigen wird, wie schon erwähnt, das Notgesetz angenommen.

Der Kolonialvoranschlag.

Der Ausschuß setzte hierauf die Beratung des Kolonial­voranschlags fort. Eine volksparteiliche Entschließung über die etatrechtliche Verbindung von Polizeitruppe und

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Sch u tz t r u p p e in d w e st in den Beziehungen zwischen Reich und Schutzgebiet wird weiter erörtert. Vom Zenrtum wird die Streichung von zwei Kompagnien der Schutztruppe gefordert. Aus dem Ausschuß wird die Regierung aufgefordert, das Schutztruppengesetz mit grö­ßerem Interesse weiter zu behandeln, wodurch auch ein besserer Schutz der Kolonien ermöglicht tvürdc. Staats­sekretär Dr. So lf erklärt sich bereit, unter der Bedingung, daß der Reichstag auf den Paragraphen, der eine Einschrän­kung der Kommandogewalt des Kaisers einführt, Verzicht leistet; nach dieser Bestimmung ist die Ernennung der Offiziere der Gegenzeichnung des Reichskanzlers Vorbehalten. Im übrigen legt, wie der Staatssekretär erklärt, die Ver­waltung auf dieses Gesetz großer: Wert.

Die Entschließung wird schließlich ange­nommen.

Der Wahlprüfnngsausschuß

erklärte die Wahl des Abgeordneten Frommer (kons., Preuß.-Eplau) für g ü l t i g , bei der Wahl des Abgeordneten Pens (Soz., Brandenburg) werden Beweiserhe­bungen beschlossen. Die Prüfung der Wahl des Grafen Oppersdorfs (b. k. Fr., FraustaDt-Lissa) kam noch nicht zu Ende.

Der Ausschuß für die Konkurrenzklaufel

strich heute aus der Regierungsvorlage die beiden Para­graphen 75a und 75b des 5?andclsgesetzbuches. § 75a will dem Prinzipal unter verschiedenen Voraussetzungen die Möglichkeit einer Verzichterklärung einräumen, während § 75b nach der Vorlage Ausnahmebestimmungen für Ge­hilfen außerhalb Europas und mit Gehältern von mehr als 8000 Mk. enthält; auch die sogenannte kleine Konkur- rcnzklausel, die im § 75b enthalten ist, fällt mit dem Ausschußbeschluß. Für die zweite Lesung wurde jedoch eine Berücksichtigung des Auslands Handels in Aussicht gestellt. Der Ausschuß vertagte sich dann auf Dienstag, den 8. April.

Aus

Ein provisorischesGehaltsgesetz.

2 armstadt, 5. März. Die Regierung hat der Zwei­ten Kammer einen Gesetzentwurf wegen der Dicnst- bezüge der Staatsbeamten und 'Volksschul- lehrer und deren Hinterbliebenen sowie über die Deck­ung s m i t t e l zugehen lassen, durch das die Geltungs­dauer des Gesetzes vom 17. Juli 1912, das am 31. März dieses Jahres abläuft, für das Jahr 1913 verlängert werden soll. In der Begründung wird ausgeführt, daß die Ver­längerung deshalb nötig sei, weil der von der Regierung am 17. Dezember 1912 vorgelegte Gesetzentwurf, der die von den Ständen als äußerst dringlich bezeichnete orga­nische Revision der Beamten- und Lehrer-Gehälter ent­halte, vor dem 1. April nicht verabschiedet werde.

Deutsches Reich.

Die W e h r v o r l a g e und ihre Deckung.

Bei der Besprechung der Deckung der einmaligen Kosten der Heeresvorlage durch eine einmalige Abgabevom Vermögen schreibt der WürttembergischeStaats- Anzeiger": Wie wir vernehmen, steht die württember­gische Regierung dem Gedanken der Erhebung einer ein­maligen Abgabe vom Besitz behufs Deckung der einmaligen Kosten der Heeresvorlage sympathisch gegenüber.

Das bayerische Prinzregentenpaar in Berlin.

DieNorddeutsche Allg. Ztg." schreibt:Der Prinz und die Prinzessin Ludwig von Bayern treffen am Donnerstag zum Besuch des Kaiserpaares in der Reichs­hauptstadt ein. Mit freudigem Willkommengruß werden den hohen Gästen aus Süddeutschland die Herzen entgegen­schlagen. Die erneute Bekräftigung bundcsbrüderlichen

---------! .. ................ -rwirrni ..........................

Empfindens, in dem Süd und Nord geeint sind, drückt dem Besuch des Regentenpaares den Stempel auf.

Aus dem Landtagswahlkrcis Wetzlar.

Die fortschrittliche Volkspartei stellte für den Wahlkreis Wetzlar den Bäckermeister K Y r m s e aus Wetzlar als Land- tagskändidaten auf.

Die Stadtverordneten von Saarbrücken beschlossen, den Veteranen, soweit sie nicht ein Jahres­einkommen von mehr als 1200 Mark haben, zur Jahr­hundertfeier am 10. März ein Ehrengeschenk von 20 Mark zulgcwähren und zu diesem Zweck GOOQ Mark bereit »umstellen. Ferner wurde als Spende zum Jubiläumdes Kaisers und Königs 50 000 Mark zur Verfügung gestellt, deren Zinsen zum Betrieb und zur Unterhaltung einer Waldschule verwendet werden sollen. Zur Errichtung eines Flugstütz­punktes wurden 12 000 Mark bewilligt.

Ansrand.

S7c r König und d i e Königin von England haben am Dienstag abend mit Gefolge beim deutschen Botschafter Fürsten Lichnowsky in der deutschen Botschaft gespeist, die zu Ehren des erstmaligen Erscheinens der Mäjestäten reich geschmückt war. Unter den Gästen befanden sich^ der russische Botschafter und Gräfin von Benclcndorff, der italienische Botschafter und Marquis Jmperiati, Lortgroßkawaler Viscount Haldane, Lordgeheimsiegel­bewahrer Marquis of Crewe, Lady of Crewe, der Staatssekretär des Acußern Sir Edward Grey, der Kolonialminister Harcourt und Frau Harcourr, Frau von Kühlmann, und die Mitglieder des Stabes der Botschaft. Es wurde an zwei runden Tischen gespeist. An einem hatte König Georg den Ehrenplatz mit der Fürsten Lickiwwsky, tut dem anderen Königin Mary mit dem Fürsten Lichnowsky zur Seite. Nach Aufhebung der Tafel trug Hermann Gura deutsche Lieder vor.

Der ober st e Kriegsrat Frankreichs hat sich einstimmig für die allgemeine dreijährige Dienstzeit ausgesprochen. Die Generale wiesen auf die be­dauerlichen Folgen der zweijährigen Dienstzeit hin, sie erklärten, daß sie bei den Besichtigungen wiederholt den geringen Mann- sckwstSbestand der Kompagnien, Batterien und Schwadronen fest- gestellt und die Wahrnehmung gemacht hätten, wie sehr unter den Umständen die Ausbildung der Soldaten gelitten habe. Ein großer Teil der Aussprache bezog sich auf die Frage.der Deckungs- trnppcn. Mehrere Generäle hoben dabei hervor, daß für ein Land, dessen allgemeine Politik einen defensiven^ Charakter habe, eine um so dringendere Notwendigkeit bestehe, starke Deckungstruppen zu besitzen. Die Vermehrung des Mannschaftsbestanbes durch die dreijährige Dienstzeit werde es ermöglichen, die Infanterie- Kompagnien der Armee-Korps an der Ostgrenze auf 200 Mann zu erhöhen, so daß die Deckungsttuppen den ersten Angriff aus- halteik könnten, beinahe ohne das Eintreffen der Reservisten ab­warten zu müssen. Als einzige Milderung des drei­jährigen Dien st cs wurde von dem Obersten Kriegsrat ein regelmäßiger Urlaub in Aussicht genommen, der hauptsächlich den Zweck haben soll, den Soldaten Beteiligung an landwirtschaftlichen Arbeiten zu ermögliche::. Mit der Frage, ob das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit bereits auf die unter den Fahnen stehenden Truppen anzuwenden Ware, hatte sich der Oberste Kriegsrat nicht zu befassen, da der Kriegsminister auf Grund des bestehenden Gesetzes ermächtigt ist, die freiwerdende Iahresklasse zurückzubehalten, falls er es für notwendig hält. Mehrfach verlautet noch, der Oberste Kriegsrat habe empfohlen, den Universitätsstudenten dadurch eine Erleichterung zu gewähren, daß sie das dritte.Dienstjahr gruppenweise in einer Universitätsstadt ableisten können. Der französische Mi­ni st e r r a t hat die Beschlüsse des Kriegsrates schon genehmigt, und der Gesetzentwurf wird schon am.1 heutigen Donnerstag der Kammer zugehen.

Arbeiterbewegung.

Ein Ausstand im Malerqewerbe.

Berlin, 4. März. 800 in dem Verbände der Maleret- geschäfte in Berlin und den Vororten organisierte Malermeister haben einstimmig beschlossen, am 8. März sämtlicheorgani- fierten Gehilfen z u entlassen.

UrauMMNg eine- ©per.

Aus Mainz, 4. März, wird uns geschrieben:

D i e Au s g e sto ß e n c" (La Lepreuse) Legendäre Tra­gödie in 3 Akten von Henri Bataille, Musik von Silvio La = zarri. Die Geschichte dieser Oper, die sowohl in Paris als auch bei ihrer gesttigen deutschen Uraufführung im hiesigen Stadttheater äußerst starke Erfolge hatte, ist überaus merkwürdig. Uebcr zwölf Jahre lag das Kunstwerk im Bureau der Opera- Comique und der Direktor hatte nicht den Mut, das Stück seines grausigen Inhalts wegen aufzusühren. Wahre Kämpfe wurden pm diese Oper in den Zeitungen geführt, als die Verfasser ihr Aufführungsrecht geltend machten. Erst im vorigen Jahre übergab der Direktor das Werk der Bühne und seine glänzeiwe Aufnahme ließ ihn den langen Aufschub nicht gänzlich verschmerzen.. Das Stück versetzt uns ins Mittelalter. Ort der Handlung ein breto­nisches Dorf, in dem die Lepra Opfer um Opfer fordert. Die von der Krankheit Ergriffenen werden in weißen .Häufen: ver­wahrt und eichen ihr schmerzenreiches Dasein fern von jeder «menschlichen Hilfe. Sie sind lebendig begraben. In diesen Häusern finden jedoch nur die Kranken Unterkunft, die sichtbare Zeichen der Lepra trage::. Viele- Verdächtige gehe:: frei umher. Auch die alte Bäuerin Tili und ihre Tochter Metta gehören dazu. Tie Mte wurde ihr Leben lang von den Bauern ver­spottet und gehaßt und nun sucht sie sich durch ihre schöne Tochter an bei: Spöttern zu rächen. Alietta hat schon mehrere Männer ins Garn gelockt und verdorben. In den: Stück selbst bemüht sie sich um einen fungen Burschen namens Erooanik, zu dem sie jedoch eine glühen... Zuneigung faßt. Ihn sucht Alietta zu bewahren; sie stößt ihn zurück, um ihn nicht auch zu verderben. Die alte Tili weiß aber die Eifersucht der Tochter zu erregen, und so reicht sie deut Geliebten den Becher, aus dem sie vorher getrunken. Sie kredenzt ihm ben Tod'.

Erooanik verfällt fernem' Schicksal und soll in das iveiße Haus eingeschlossen werden. Eine Prozession holt ihn ab wie zum Begräbnis. Herzzerreißend wird der Abschied von Eltern und Geschwistern. Wie er sich bereit macht, von der Welt zu scheiden, erscheint Alietta und folgt ihm freiwillig in die trostlose Ab­geschiedenheit.

Den Stoff hat der Textdichter einer Valladensammlung ent­nommen und hat ihm auch den Hauch des Volt'sdramas ge­lassen. Die furchtbaren Leiden der gräßliche:: Krankheit treten dem Zuschauer überhaupt nicht vor Augen. Er fühlt nur das Walten einer zersetzenden Gewalt, die ihn erschauern und zittern macht, aber nicht ab stößt und empört. Und wenn ihn auch die Handlung die tödlichen Qualen vermuten läßt, so ist ihnen die schmerzende Schärfe genommen, und eine zarte Romantik breitet ihren Schleier über die grausame Wirklichkeit. Die gedankenreiche, etwas akademisch angehauchte Musik ist schon vor einiger Zeit

in der Allgemeine:: Musikzeitunn näher untersucht und nicht mit Unrecht als ganz hervorragend angesprochen worden: Wegen der Kongruenz zwischen Absichten und Können, ihrer Reife und 9fbrunbung, ihrer Vereinigung von Lieblichkeit uub Herbheit und ihrer starken Theaterwirkung heißt es dort, verdient dieLepreuse". zu den gelungensten Werken gezählt werden, die in den letzten Jahrzehnten das Licht der Rampe erblickten. Und wirklich, man fühlte sich tief ergriffen von der Harmonie zwischen Handlung und Musik, von der furchtbaren Kraft mit der Lazarri sein Werk meistert.

Der Beifall war, wie schon eingangs erwähnt, sehr stark unb die gute Ausnahme in Mainz dürfte den Siegeszug des Stückes eröffnen, da eine große Anzahl Theaterdirektoren der glänzenden Aufführung beiwolmteu. Auch der Komponist, der sogar den Proben bcigcwohnt batte, war anwesend. Er sowohl, wie Kapell­meister Gvrter und Hofrat Behreiws wurden des öftern auf die Bühne gerufen. Tie Leistungen der Sänger waren durchweg sehr gut. Namentlich seien erwähnt: Frl. Gauntier (Alietta), Frl. Hofmann (Die alte Tili) mtb Herr Gesser (Erovanik). N.

ks. Arons Grab. In einem Bortrage, den der englische Forscher Julian (toanbe im Camera-Klub zu London über seine Reisen in Aegypten unb Arabien jüngst gehalten hat, erstattete er auch Bericht über das heilige Grabmal auf dem Berge Hör, das nach der lieber!ieferung als Axons Grab gilt. Es wird von den Mohammedanern eifersüchtig gehütet, und Julian Grande halt sich für den ersten ^Europäer, dem es vergönnt war, das Innere des Grabmals zu betreten. Auch kein Jude soll seit Jahrhunderten in b-em heiligen Grabmal gewesen fein, ba die Molstimmedaner es als eines ihrer National Heiligtümer ansehen. Herrn Grande ist es ttotz der eifersüchttgen Bewachung gelungen, eine Photographie des Inneren auszunehmen, die er zur weiteren Forschung und Klarlegung wissensck-astlichen Stellen unterbreiten will. Ter Forscher fand nänckich an der Wand einige arabische Inschriften, aber auch gewisse hebräische Zeichen, die auf ihn den Anschein große:: Alters mttdtfcn unb von denen er annimmt, daß sie, loenn entziffert, von großem lvissensckMftlichcn Werte fein werden. Es war Herrn Grande wegen der überaus strengen Aufsicht umnöglich, die Inschriften in der kurzen Zeit zu kopieren.

Ein unbekanntes Gedicht Korners:Das Eiserne Kren z". Angesichts der am 9. März 1813 erfolgten Stiftung des Eiserne:: .Kreuzes dürste die Wiedergabe eines un­bekannten Gedichtes Theodor Körners, das der Dichter in der ersten Begeisterung über den neuen Kriegsorden geschaffen hat, von besonderen^.Interesse sein. In einem im Jahre 1819 in Halle erschienenen Buche von Fr. W. Lehmann, Kgl. Preußischen Uni­versitäts-Schreibemeister, mit dem TitelEin Eicheukranz um Theodor Korner", das bestimmt war, dem Freihestshelden ein

kalligraphisches Denkmal zu setze::, wird dies Originalgedicht ab­gedruckt, mit dem ausdrücklichen Vermerk, daß es sich nicht in den hinterlassenen Schriften des Verfassers befindet. Es lautet:

Das Eiserne Kreuz.

Als ein Denkmal jener Tage, Ueberstandner Leidenzeit, Ms ein Simwild harter Plage Ward das Eh rne K^euz geweiht. Eines Mannes Brust zu schmücken. Der mit unerschrocknen Blicken, Und mit eisernem Gemüth Der Gefahr ins Auge sieht.

Stark unb fest wie dieses Eisen, Müsse des Soldaten Muth Sich dereinst im Kamps beweisen Ungebeugt von Feinbeswuth; Wie es in bem Feuer glühet, Unterm Hammer Funken sprühet; Biet' er im Gefecht mit Lust Ten Geschossen seine .Brust.

Finster sey des Siegers Seck, Wie dies schwarze Eisenerz, Unb aus seinem Innern stehle Sich kein Jubel mtb kein Schmerz', Erst, wenn er den Feind bezwungen, Unb bas Vaterland errungen, iDeffnc die verschlossene Brust Sich der neuen Lebenslust.

Ohne Rostfleck, ohne SchramMe Ohne Bruch wie dieses Erz Unb geläutert in der FlaMMe Sey auch des Soldaten Herz. Ohne Furcht und ohne Tadel Sey er vom gediegnen Lkdcl; Unb von jeder Schlacke rein Müsse sey ne Seele seyn.

Wie, mit Schweiß im Angesichte, Aus ber Erde tiefem Sckmcht, Zu den: hellen Smrnenlickite

Es der Bergmann einst gebracht;

So will auch der Freiheit Segen Auf gefahrvoll steilen Wegen, 9hir mit Arbeit, Müh und Peiir

Einst zu Tag gefördert seyn.

T h . K ö r vM c.