Ausgabe 
9.1.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

gaben des .Kraftwerkes wurden als viel zu hoch bezeichnet, wie auch die Herübemahme eines Teils der Tätigkeit der letzt bet den Bergwerken beschäftigten .Beamten, da diese doch nicht tech­nisch für das Krasttoerk vorgebildet seien. Das Bad Nauheim soll noch zum Gegenstand der Besprechung mit der Regierung bezüglich der Mehrforderungen gemacht werden. -Auch hier wurde eine kaufmännische Aufstellung gefordert, damit der jeweilige Kapitalwert des Gesamtunternehmens und dessen Reiite ohne weiteres ersehen werden könne.

Kapitel 9, Samcnklenganstalt zu Gammelsbach i. O., 10, Staatseisenbahnen, und 11, Lotterie, gaben zu keinen besonderen Bemerkungen Anlaß. Bei den Einnahmen aus den Staats- eisen bahnen nahm der Finanzausschuß in Aussicht, ent­sprechend den tatsächlichen Ergebnisseii, wie sie sich jetzt heraus- gcftellr haben, die veranschlagte Summe von 17 443 000 Mk. entsprechend zu erhöhen. Bei den direkten Steuern wurde die Frage der Schreibgehilfen im allgemeinen erörtert. Man war allgemein der Ansicht, daß die jetzige, von der Re­gierung getroffene Regelung, nach welcher das 35. Lebensjahr und mindestens 15jährige Beschäftigung verlangt wird, mehr aber noch die Bedingung, daß nur 20 Proz. der Schreibgehilfen an­gestellt werden sollen, sür die Uebergangszeit außerordentliche Härten hervorgerufen habe. Dazu komme,, daß die Privat­versicherung für Angestellte den Schreibgehilfen erhöhte Aus­gaben auferlege. Hier sei eine Aenderung der Regierungsvor­schläge dringend geboten, und es soll nach dieser Richtung eben­falls mit der Regierung verhandelt werden.

Deatscbes Reich.

Die neue Wehrvorlage.

Der BerlinerLokalanzeiger" bezeichnet die Angaben eines Berliner Blattes über die neue Wehrvorlage als eine auf Kombinationen gestützte Leistung. Daß ein Er­gänzungsetat zur Erfüllung organisatorischer Forderungen des Heerswesens kommen soll, sei, be­kannt. Die Einzelheiten ständen aber noch nicht f e st. Die Vorarbeiten zu dem Etat seien noch nicht ab­geschlossen.

Der Eisenbahnvoranschlag sieht an einmaligen außerordentlichen Ausgaben vor: Eine erste Rate zur Herstellung eines Ueberholungsgeleises auf dem Bahnhof Obernhof (Lahn) von 50000 Mk., zur Erweiterung der Hauptwerkstätte Betzdorf 100 000 Mk., zur Erweiterung des Bahnhofs Goldstein 50 000 Mk., zur Herstellung der Straßenunterführung am Ostende des Bahnhofs Oberursel 50 000 Mk., zur Herstellung von zwei Ueberholungsgeleisen auf dem Haltepunkt Kerzelt 50000 Mk., außerdem, dem hessischen Staate zur Last fal­lend, zur Erweiterung des Bahnhofes Niederohmen 50000 Ml., zur Herstellung einer weiteren Zufahrt zum Lokomotivschrippen auf dem Hauptbahnhof Mainz 100 000 Mark, die ebenfalls dem hessischen Staate zur Last fallen.

Eine Trauerfeier für den Grafen v. Schliessen.

Am Mittwoch nachmittag fand in der Jnvalidenkirche in Berlin die Trauerfeier für den verstorbenen Gene­raladjutanten, General-Feldmarschall Grafen v. Schliessen, statt. Der Trauerfeier wohnten außer der Familie des Entschlafenen die hier anwesenden Prinzen und die Söhne des Kaisers, ferner Prinz Friedrich Leopold, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, die General-Feldmar- schälle, General-Obersten und Ritter des Schwarzen Adler­ordens mit dem Reichskanzler an der Spitze, sowie viele Tanten und Herren der Hofgesellschaft bei. Ter Kaiser erschien zur Trauerseier gegen 3 Uhr im Automobil vom Neuen Palais und legte einen Kranz an dem vor dem Altar aufgebahrten Sarge nieder.

Der Ausschmückungsausschuß des Reichs­tages

hat einem Antrag des Reichsamts des Innern stattgegeben, wonach eine Herme W a l l o t s in der Osthalle des Reichs­tagsgebäudes Aufstellung finden soll. Die Büste wird von Professor Diez hergestellt werden.

Der sozialdemokratische Parteitag für Preußen

nahm bezüglich der Landtagswahlen folgende Be­schlüsse an:' In allen Wahlkreisen, in denen dies mög- lich ist, werden selbständige Wahlmänner aufgestellt. In den übrigen Wahltrcisen wird für diejenigen bürgerlichen Wahl-

Ferner werden die Preise für die besseren Plätze erhöht, die der billigen dagegen erniedrigt. Es werden 12 Volksvorstellungen veranstaltet, außerdem sollen die Vorstellungen später beginnen, um den weitesten Kreisen den Besuch Äer Theater zu ermöglichen. Es bleibt abzuwarten, ob durch diese Maßnahmen die Theater­misere beseitigt wird.

Der Neubau der Neuen Freien Volksbühne int Scheunenviertel. Der Magistrat Berlin hat, vor­behaltlich der Zustimmung der Berltner Stadtverordneten-Ver- sammlung, beschlossen, dem Verein Neue Freie Volksbühne eine erste Hypothek von zwei Millionen Mark für die Bebauung des 4565 Quadratmeter großen mittleren Teils des>eunenviertels mit eitlem Theater zu bewilligen. Tas Theater soll 2000 Plätze umfassen und mit der «Front nach dem Bülowplatz errichtet werden. Ter Verein besteht feit 22 Jahren, zählt jetzt 50 000 Mitglieder und bietet hinreichende Sicher 1-ett sür eine gedeihliche Entwicklung des großzügigen Unternehmens, das etwa 5 Millionen Mark erfordert. Tie Kosten des Baues, der vom Diplom-Ingenieur Oscar Kausmann entworfen ist, sollen sich allein auf 4,3 Mil­lionen Mark belaufen. Hinter der ersten Hypothek von 2 Mill. Marl, die mit 4 Vs v. H. verzinst werden soll, wird eine Amorti- sationshypothek von 500 000 Mk. und danach das zu amortisierende Restkaufgeld von 1 Million Mk. folgen. Der Verein hofft einen jährlichen Ueberschuß von etwa 100000 Mark zu erzielen. Er hat sich verpflichtet, jährlich mindestens 10 Nachmittagsvorstel­lungen für Berliner Gemeindeschüler mit Eintrittspreisen von 60 Pfg. zu veranstalten. Ter Magistrat beabsichtigt die Hypothek aus Änleihemitteln zu entnehmen und hat die Beleihung im öffentlichen Zitter esse beschlossen, einmal um die Bebauung des Scheunenviertels zu beschleunigen, dann auch um die Aufführung von dramatischen Werken zu billigen Preisen zu fördern. Mit dem Bau des Theaters soll ^entuell sofort begonnen werden. Tie Polizeibehörde hat das Projeft bereits in seinen Einzelheiten geprüft und nack Abänderung einiger nebensächlicher Konstt-uk- tionen usw. genehmigt. Es sind Misgänge nach mehreren Seiten, it. a. auch nach der Linienstraße vorgesehen. Der Haupteingang befindet sich am Bülowplatz. Mit den Eigentümern des Baublocks hat der Magistrat noch eilten besonderen Vertrag abgeschlossen

Bildschmuck i m Eisenbahnwagen. Für den schönen Plan, unsere Eisenbahnnuigen mit künstlerischen Städte- und Landschaftsbildern zu schmücken, hatte der Bund Deutscher Berkehrsvereiue gemeinsam mit der Leipziger Akademie sür graphisckie Künste und dem Deutschen Buchgewerbeverein einen Wettbewerb ausgescknieben. Mehrfarbige Lithographien waren gewünscht, die in Rahmen unter Glas in den Eisenbahn­abteilen aufgehängt werden sollen, vorläufig in denen der preußisch- hessischen und eliassisclp-lothringifchen Eisenbahnverwaltung. Tas Ergebnis des Wettbewerbs, dessen Preisrichter unter anderen Max Klinger und Max Seliger waren, hat gezeigt, wie viel Inter­esse unsere Künstlerschaft an den Schönheiten der Heimat hat. Neunzehn Bilder wurden preisgekrönt und angekanft, darunter Arbeiten von Ulrich Hübner, M. Stern, Ubbelobde, Hans Hartig.

männer gestimmt, welche das Versprechen abgeben, daß sie nur Kandidaten wählen, die für die Uebertrcrgung des Reichstagswahlrechts auf den Preußischen Landtag stimmen. Bei den Stichwahlen verlangt die Sozialdemokratie, wenn sie den Ausschlag gibt, die Abtretung des Mandats. Wird dies bewilligt, jo stimmen die sozialdemokratischen Wahlmänner schon im ersten Wahlgang außer für den sozialdemokratischen Kandidaten für die Kandidaten der be­treffenden bürgerlichen Parteien. Andernfalls stimmen die Sozialdemokraten im ersten Wahlgang nur für ihre Kan­didaten und enthalten sich bei der Stichwahl der Stimmen.

Ausland.

40 neue österreichische Flugschiffe.

Die österreichische Heeresleistung hat 40 Flugschiffe mit Liefer­zeit Ende April in Auftrag gegeben.

Oesterreichischc Auszeichnungen für deutsche Diplom a ten.

Dem Unterstaatssekretär int Deutschen Auswärtigen Amt, Zimmermann, wurde nach einer Wiener Meldung der Orden der eisernen Krone erster Klasse und dem Geheimen Legationsrctt v. Stumm das Großkreuz des Franz-Josephordens verliehen. Eine hohe Auszeichmmg war, wie die politische Korrespondenz meldet, dem Staatssekretär von Kiderlen-Wächter zuge­dacht.

Das neue S ä beldu ell Tiszas.

Wie aus O f e n p e ft gemeldet wird, fand zwischen dem Grasen Tisza und dem Grafen Aladar S z e ch e n y i ein Säbel­duell statt, weil Szechenyi schriftlich erklärt hatte, er habe den Gruß Tiszas nur irrtümlich erwidert. Szechenyi erhielt einen Hieb am Kopfe. Tisza blieb unverletzt. Die Abgeordneten der Regierungspartei bereiteten Tisza Ovationen.

Aus O f e n p e st kommt ferner die Meldung, auch der Reichs­tagsabgeordnete Desider P o l o n y i habe dem Grafen Tisza seine Zeugen geschickt wegen einer angeblichen Beleidigung. Wahr­scheinlich werde es zu einem Duell kommen. Wie es heißt, stehen noch weitere Duelle mit dem Grafen Tisza bevor. Desider Polonyi soll ein Riese von Gestalt und bereits gekrönter Fechter sein. Als Tisza von dem Duell mit dem Grafen Szechenyi nach Hause fuhr, riefen Sozialdemokraten:Nieder mit Tisza, es wird ihn schon einer verletzen!" Die oppositionellen Helhen werden, auch wenn einer von ihnen Tisza verletzen sollte, sich nicht mit Ruhm bedecken.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 9. Januar 1913.

** Tageskalender für Donnerstag, 9. Ian. 4. off. Vortrag des ftanün. und des Ortsgewerbevereins: Ingenieur F r o m b o l z - Dortmund: Krupp und seine Werke. Um 8% Ubr in der Universitäksanla.

Oeff. Vortrag des Naturbeiloereins: Vortrag vom Lehrer a. D. ft ivft en aus Weißenfels: Die gefürchtetsten Kinder­krankheiten. Abends 8% Uhr im Hotel Schutz.

*

** O rd ensVerleihung. Der Großherzog hat bem, Oberbriefträger Johs. Betz in Eschenrod das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste verliehen.

Zur Entlastung d e§ Güterverkehrs auf dem Bahnhof Gießen will die Eisenbabnverwaltung zwischen den Linien Köln Gießen und Gießen Frankfurt eine besondere zweigleisige Güterbahn anlegen, die von Wetzlar her in Hessen die Gemarkungen Allcndorf a. d. Lahn, Heuchelheim, Klein-Linden und Großen-Linden berührt. Die neue Linie soll zwischen dem alten und neuen Ortsteil von Klein-Linden durchgeführt werden.

** Provinzialausschußsitzungen finden statt: am Mittwoch, 15. Jan., vormittags 3/49 Uhr, mit folgen­der Tagesordnung: 1. Klage des Ortsarmenverban­des Wetzlar gegen den Landarmenverband Gießen wegen Unterstützung des Heinrich Ortmüller zu Wetzlar. 2. Klage des Heinrich Deubel VIII. in Rudingshain gegen Großh. Kreisamt Schotten wegen Versagung des Wandergewerbescheins. 3. Gesuch des Ludwig Fil- singer von Unter-Schmitten um Erlaubnis zum Be­triebe einer Gastwirtschaft. 4. Die Drogerie des Apo­thekers Stockbauer in Bad-Nauheim; ferner am Samstag, 18. d. Mts., vormittags 3/^9 Uhr, mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Landarmenverbanbes Wiesbaden gegen den Landarmenverband Friedberg wegen Unterstützung des Georg Conow aus Neustadt. 2. Klage des Ortsarmenverbandes Friedberg gegen den Ortsarmenverband Echzell wegen Unterstützung des Al­bert Kaufmann. 3. Gewerbeanlage des Karl Konrad R e u ß zu Friedberg. 4. Gesuch des Georg Friedrich Rühl zu Otterbach um Erlaubnis zum Betriebe einer Schank­wirtschaft.

*' Das hessische Tuberkulose - Wander- Museum wird, nachdem eS durch die Landesversicherungs- anslalt Thüringen für die dortigen Verhältnisse ergänzt worden ist, seit Juni 1912 in thüringischen Stödten zur Schau gestellt. Bis zum Dezember waren bereits 13 Städte besucht worden, in denen rund 70 000 Besucher gezählt wurden. DaS Museum findet in Thüringen durch­weg großes Interesse.

** Unentgeltliche Benutzung der deutschen Patentschriften. Bei der Bibliothek der Zentralstelle für die Gewerbe, Darmstadt, Neckarstraße 3, befindet sich eine Auslegestelle der vom Patentamt in Berlin heraus­gegebenen Patentschriften über die seit dem 1. Juli 1877 erteilten Patente. Die Auslegestelle ist geöffnet an den Wochentagen von 81/212V2 und von 351/2 Uhr (Samstag nachmittag ausgenommen) und kann von jedermann un­entgeltlich benutzt werden. Durch diese Einrichtung soll jedermann Gelegenheit gegeben werden, sich über den In­halt von Patenten zu unterrichten. Um auch auswärts wohnenden Personen die Einsicht der Patentschriften zu ermöglichen, ist die leihweise Abgabe einzelner Nummern auf kürzere Zeit gestattet. Die neu erscheiuenden Patent­schriften werben ben Auslegestellen in ei 1 wöchigen Zwischen«, räumen überwiesen und dem Publikum alsbald nach ihrem Erscheinen zugänglich gemacht.

**DerFriseur-nndPerückenmacher-Gehilfen- V er ein feierte am Sonntag abend im Kath. Veremslmus fein 1. Stiftungsfest. Tie humoristischen Theaterstücke, besonders die Tünnesrollen, wurden mit großem Beifall ausgenommen. Ein Tanz bildete den Schluß der Veranstaltung.

Dieb stahl. In der "Nacht vom 7. auf 8. l. Mts. wurde in einer hiesigen.Wirtschaft durch Einsteigen durch ein Abortfenster die Regi strier kas se erbrochen und um etwa 100 Mark erleichtert. Auch ließ der Dieb einen Eheck über 10 Mark und 100 Zigaretten mttgehen.

Kreis Alsfeld.

ok. Alsfeld, 8. Jan. Ein Toppeijubiläum konnte Land­briesträger Kaspar Pabst von hier heute feiern. Er begeht näm­

lich heute seine silberne Hochzeit und' feiert zugleich sein?5iMnges Dienftjubiläum als Landbriefträger.

ok. Vadenrod, 8. Jan. Hier ist eine so große Anzahl von Schulkindern an den Masern erkrankt, daß die Schule geschlossen werden mußte. Auch in S t 0 r n d 0 r f ist ein Teil der Schulkinder an den Masern erfratfft.

Kreis Schotten.

** Aus Schotten, 8. Jan., erhielten wir Nach­richt von einem Gerücht, daß ein Mädchen aus der Nach­barschaft von seinem Verlobten in die Schweiz ver­schleppt worden sei und dort an Mädchenhändler ver­kauft werden sollte. Die darüber in Zürich mit ztvei Leu­ten geführten Verhandlungen seien von dritter Seite be­lauscht und die drei Mädchenhändler verhaftet worden. Wir können dazu mitteilen, daß es sich bei der An- tzelegenheit um einen Klatsch handelt, denn der allein in Frage kommende Herr befindet sich in seinem oberhessi­schen Aufenthaltsort und geht seinem Berufe nach. Er kann alfo nicht in Zürich in Untersuchungshaft sein.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 8. Jan. Denmächst wird man mit dem Bau des Krematoriums beginnen. Die Stadt- verordneten-Versammlung hat einen viergliedrigen Ausschuß gewählt, der die Krematorien benachbarter Städte be­suchen soll.

= Butzbach, 8. Jan. Durch eine kreisamtliche Ver­fügung ist der Gemeinderat augewiesen worden, Frau A. Bender Ww. als größte Grundbesitzerin der Gemeinde, zu. den G e m e i n d e r a t s s i tz u n g e n einzu­laden. Nach einem Gesetze von 1858, das in die neue Gemeindeordnung übernommen wurde, ist nämlich der höchstbesteuerte Grundbesitzer, der mehr als ein Viertel der gesamten Grundsteuer bezahlt, vollberechtigtes Mit­glied des Gemeinderats. Da Frauen nach dem gltenden. Recht nicht dem Gemeinderat angehören können, muß Frau Bender einen Vertreter stellen, wenn sie ihr Recht aus­üben will.

Starkenburg und Rheinhessen.

Darmstadt, 8. Jan. Fürst und Fürstin zu Solms-Lich sind gestern nachmittag 2.23 Uhr, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen abends 6.30 Uhr zum Besuch im Neuen Palais eingetroffen. Abends 8 Uhr fand in den Räumen des Alten Palais der erste diesjährige Hofball statt, zu dem au';er den Fürst­lichkeiten Mi g.i der standesherrlicher Fami.ien Eiu.adun- gen erhalten hatten. Im ganzen ergingen etwa 500 Ein­ladungen. Heute mittag 1 Uhr waren n. d. Darmst. Ztg. die hier anwesenden Mitglieder der standesherrlichen Fa­milien zur Frühstückstasel im Neuen Palais geladen.

Darmstadt, 8. Jan. Die Leitung der hieugen Haupt­niederlassung der Bank für Handel und Industrie wurde vom 1. Januar ab den Herren F. v. Hessert, bis­her Oberstaatsanwalt in Darmstadt, und H. Brink übertragen, als deren Stellvertreter Herr L. Neuz fungiert.

m Offenbach, 8. Jan. Der KreiSschulmjpektor Schul­rat Scherer, der seit dem 1. Oktober v. I. hier tätig ist, begeht am 15. Januar sein 25jä hriges Jubiläum als Kreisschulinspektor. Ein Au 10 m 0 bil -Unfa ll ereignete sich 'n Fechen heim. Als der in der Goethestraßc 65 wohnende Betriebsleiter Otto Höhn eine Kurve fahren wollte, rannte das Automobil gegen einen Telegraphenmast. Der Anprall war so heftig, daß die Jnsaffen herausgeschleudetl und das Auto erheblich beschädigt wurde. Während Hohn mit geringeren Verletzungen dcwonkam, wurde seine Frau schwer verletzt vom Platze getragen. Neben äußeren Ver­letzungen trug sie eine Gehirnerschütterung davon. Beide Verletzte wurden ins städtische Krankenhaus gebracht.

Kreis Wetzlar.

Salzböden, 9. Jan. Gestern morgen sahen die Holzhauer deS hiesigen Geiiieindewaldes ein Rudel Hirsche, etwa 20 Stück, vorbeilaufen. Kurze Zeit darauf fand man ein prächtiges Alttier, das nicht mehr laufen konnte. Tas Tier war gegen einen Baum gesprungen und hatte das Rückgrat gebrochen.

Hessen-Nassau.

Marburg, 8. Jan. Der dem Abgeordnetenhause zu­gegangene Etat des Kultusministeriums sieht unter den einmaligen außerordentlichen Ausgaben für die Uni­versität Marburg 114 800 Mk. als letzte Ritte für bauliche Veränderungen und Verbesserungen der medizini­schen Klinik vor. Ferner sind vorgesehen 50 650 Mk. für den Ankauf des Hausgrundstücks Deutschhausstraße 11 als Dienstwohnung des Direktors der Frauenklinik, 150 000 Mart als zweite Rate für den Neubau der Psychiatrischen Aufnahmestation und die Poliklinik, 45 000 Mk. für die bauliche Erweiterung des chemischen Instituts, 150 000 Mk. als zweite Rate für den Neubau des physikalischen In­stituts und 26 600 Mk. für die Erweiterung ber Hörsäle des Zoologischen Instituts.

tc. Frankfurt a M., 8. Jan. Verschwunden ist die 15jährige Tochter deS in der Kettengasse 14 in Würzburg wohnhaften Büttners Grünfeld, die in Frankfurt a. M., Fahrgasse 21, bei Verwandten sich aufhielt. Es ist nicht auS- geschlosien, daß das Mädchen einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Eme im Verdacht deS Mädchenhandels stehende Frau ist auf Veranlassung der Frankfurter Kriminalpolizei verhaftet worden.

Landwirtschaft.

Landwirtschaftlicher Vortragßkursus.

Mainz, 8. Jan. Gestern vormittag wurde durch den Vorsitzender der Landwirtschaftskammer Geh. Regierungsrat Haas der landwirtsch. Vortrags kursus mit einer Begrüßungs­ansprache eröffnet. Als Vertreter ber Regierung war Geh. Landes­ökonomierat Müller, von der Provinzialdirektion Mainz Re­gierungsrat Tr. Werner, ferner- Kreisveterinärarzt Tr. Beiling anwesend. Der Vortragskursus war von ungefähr 250 Personen besucht.

Den ersten Vortrag hielt Regierungsrat Tr. Appel von der Kaiser!. Biologischen 9lnftalt Tahlem über Kartoffel­krankheiten, besonders die Blattrollkrankheit. Ter Vor­tragende behandelte zuerst die Bedeutung des Kartoffelbaues für die gesamte Boltsernährung und machte dabei auf die erhebliche Steigerung der ftartoffet ertrage aufmerksam. Tie Schwarzbeinig­keit ber Kartoffel, die in Hessen nur in verhältnismäßig geringem Maße auftritt, kann von dem Landwirt durch entsprechende Auf­bewahrung der Kartoffeln und Kulturmaßnahmen auf dem Felde in ber Hauptsache vermieden werden. Tie Ringkrankheit der Kartoffel ist gegenwärtig nicht in erheblicher Ausdehnung zu bcobarfiten. Durch Auslegung von nur ganzen Knollen, feine geschnittenen, kann diese Krankheit beschränkt werden. Eine größere Bedeutung hat die Blattrollkrankheit der Kartoffeln. Äe Ur­sachen dieser .Krankheit ünb bis heute noch nicht jestgeftellt. Tas Anerkennungswesen der Kartoffeln, welches in Hessen zuerst stündig zur Ausführung kam, gibt die Möglichkeit, diese Krankheit zu beschränken. Auf diese Weise gelangen nur die Saatkartoffeln