Erstes Blatt
163. Jahrgang
ÄS
Die heutige Nummer umfahr 10 Selten-
und
Tie dem
— Nansens Begleiter Johannsens. Ter Tod eines bekannten Polarforschers wird aus Christiania gemeldet: Frcdcrik Hjalmar Johannsen, Nansens treuer und aufopferungsvoller Gefährte bei der berühmten Expedition des „Fram" in den Jahren 1893—96 ist gestorben. 5 phannsen diente damals als Leutnant in der norwegischen Armee; -als aber Nansens Plan bekannt wurde,
in ’moiemUntemebmen,6e< icrwq: Slanutattur, wo Mtft tatißc Seteiliflung bis
manbier enbcn hatten der Krie-g s-Minister der Minister des Aeußern am Dienstag eine sprechung mit ihm in der Nähe von Tschataldscha. Minister kehrten abends zurück und berichteten sofort Ministerrat.
Englische Vorschüsse für die Türkei.
F Lander erlTn — ■* J.r- ( usden. -- 'Wgjpl-UII.
Nr. 7
Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal ivöchentlicl SießenerZamilienblätter, zweunal ivöchenll.Ureis- blatt für den Kreis Siehrn (Dienstag und Freitag); zweimal mönntl. Land- wirtschaftliche Zeitfragcn Fernsprech - Anschlüsse: für die Nedaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Annahme von Anzeigen für d»e Tagesnummer bis vorinittags 9 Uhr.
ItD-klll elegante und einfache werden angeimigl
Wilbclmitr. 8III.
ruhte er nicht, bis er unter die kleine Mannschaft der FraM ausgenommen worden war: als einfacher Heizer zog er mit hinauf nach Norden, und Annindscn, der bei der Reise als Ingenieur wirkte, war sein unmittelbarer Vorgesetzter. Als am 5. Januar 1895 die Fram vom Eise umschlossen wurde und Nansen erkannte, das; er mit seinem Schiffe nicht weiter nach Norden würde vordringen können, faßte er den Entschluß zu seiner kühnen Schlitten- reife. Und Leutnant Johannsen wurde sein Begleiter. Am 14. März brachen die beiden Männer mit drei Schlitten, zwei Kajaks, 28 Hunden und Vorräten für 100 Tage auf, dem Pol entgegen. Drei Wochen lang arbeiteten sie sich unter den furchtbarsten Schwierigkeiten vorwärts, bis am 6. April 1895 die höchste nördliche Breite erreicht war, die bis dahin ein menschlick-er Fuß betreten hatte. Die Schilderung Nansens über jenen denk- ivürdigcn Augenblick, da man bei 86° 14 Min. nördlicher Breite das Zelt aufschlug, um dem furchtbaren Schnecsturm jenes Tages zu trotzen, ist berühmt geworden: „Hier liegen mir, fern draußen im Norden, zwei düstere schwarze schmutzbedeckte Barbaren, und rühren Suppe in einem Kessel, von allen Seiten von Eis umringt; von Eis und nichts anderen! von leuchtendem weißen Eis, das all jene Reinlichkeit besitzt, die wir entbehren. Ach, cs ist viel zu rein. Unsere Augen schweifen zum Horizont, nm irgend einen dunklen Punkt zu finden, auf dem der Blick ausruhen könnte, doch umsonst. Alle Bügel scheinen heute vcrschivunden zu sein, nicht einmal ein fröhlicher kleiner Alk ist geblieben." Auf bei Rückreise haben die beiden Forscher dem Tod mehr als einmal ins Auge gesehen, haben den ganzen Sommer über auf dem Eise gelebt, und erst iin Herbst erreichte man wieder Land: Franz Josefs-Land. Johannsen hat noch an manchen anderen Expeditionen in die Welt des ewigen Eises teilgenommen, aber seine stolzeste Erinnerung blieb doch stets jene Fahrt mit Nansen und jener 17. Juni, da sic auf der Heimkehr Kapitän Jackson, den Leiter der Harmswortl)-Expedition trafen und sich als gerettet ansehen durften.
— Frankfurter Thcatersorgcn. Aus Frankfurt a. M., 8. Januar, wird uns geschrieben: Zu den zerfahrenen Verhältnissen an den hiesigen Theatern, Opern und Schauspielhaus, hat uunmehr nach monatelanger Arbeit ein von der Stadtverordnetenversammlung bestellter Ausschuß Stellung genommen und das Ergebnis seiner Tätigkeit dem Plenum zur Beschlußfassung vorgelegt. Außer der bereits bewilligten Unterstützung von 272 500 Mk. erhalten die Institute eine weitere Sub- ventiou von 110 000 Mk. mit der Maßgabe, daß, soseni die Einnahmen int Jahre den Betrag von 1 800 000 Mk. nicht erreichen, die Subvention von 382 500 Mk. sich um dcu Betrag dieser Mindereinnahme jedoch höchstens mit 120 000 Mß erhöht. Dem Personal wurde eine Gehaltserhöhung zugestanden, icdoch fallen fortan alle Sondervergütungen und Gratifikationen weg.
Z'^Leaui'.d.LchM.i.' cck^L^rkaußmii Ei wtt einigen Rille M
Donnerstag, 9. Januar 1915
BezuaSvret): monatlich75Ps., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Bhf Abhole- tu Zweigstellen ▼ monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeileupreis: lokallüPs^ auswärts 20 Mennig. Chefredakteur: A Goetz. Berantivortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und „Gerichtssaal": K. Neu-
Bezüglich des von. englischen Banken der türkischen Negierung zugehenden Vorschusses wird dem „Temps" ans London gemeldet, daß die Türkei unverzüglich eine Summe von 500 003 Pfund erhalten soll. In dem diesbezüglichen Vertrag verpslich-tet sich die türkische Regierung, diese Summe nicht zu militärischen Aus-, gaben, sondern vor allem zur Bezahlung von Beamtengehältern zu verwenden, um so etwaige Ruhestörungen, welche die Nichtbezahlung der Gehälter insbesondere in der asiatischen Türkei Hervorrufen könnte, hintanzuhalten. Nach der Unterzeichnung des Friedens werde die Türkei einen Vorschuß in derselben Höhe, und zu einer noch nicht festgesetzten Frist einen dritten Vorschuß erhalten.
Serbiens „guter Wille."
Das Reutersche Bureau erfährt, 'die Mächte wurden am 8. b. M. amtlich benachrichtigt, daß Serbien zum Beweise seines guten Willens im Interesse des allgemeinen Friedens Opfer zu bringen, sich entschloß, unmittelbar nach dem F r i e d en s s chl u ß die Truppen von der Küste des Adriatischen Meeres zu r ü ckz u z i e h e n. Die serbische Regierung hoffe, indem sie so handele, daß Europa von ihrer Mäßigung Kenntnis nehmen, und keine weiteren Opfer verlangen werde, die außerhalb der Grenzen ihrer Macht sein könnten.
Die Serben lieben solche großspurige Redereien. Die Hauptsache ist, daß sie bezüglich Albaniens sich mit der Entscheidung der Großmächte werden begnügen müssen. Die Bedingungen, nnter denen Saloniki übergeben wurde.
Erst jetzt wird, nach Mitteiltingcn aus Sofia, der authentische Text des Uebcrgabeprotokolls bekannt, mit welchem
Aus Hessen.
Aus dem Finanzausschuß.
bs. D a r m st a d t, 8. Jan. Die Beratungen int Finanzausschuß wurden bei dem Braunkohlenbergwerk Ludwig s h 0 f f n u n g und dem dortigen Elektrizitätswerk fortgesetzt. Gerade diese Neueinrichtung wurde einer längeren kritischen Betrachtung int Finanzausschuß unterzogen. Es wurde insbesondere bemängelt, daß eine kaufmännische Bilanz nicht so ausgestellt worden sei, daß die finanzielle Lage des Werkes sich leicht aus ihr ersehen lasse. Von manchen Seiten wurde darauf hingewiesen, daß durch das neue Elektrizitätswerk der seither unrentable Betrieb des Braunkohlenwerkes etwas rentabler sich gestalte, und daß sich diese Rentabilität durch die in Aussicht stehende, Ausdehnung der etektrischen Versorgung in der Provinz Obcrhessen noch steigern würde. Ferner wnrdc angeregt, unter den Betriebsausgaben auch die Zinsen des Schuldkapitals sowie die Tilgung einzustellen, eine Anschauung,. die auch nachher bei dem Bad-Nauheim wiederholt wurde. Die Betriebsaus-
General-Anzeiger für Oberhelsen
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Nedaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Land"-^E Heü^ür den vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.
die
•W^lcht haben,
verpflichtete sich der Höchstkommandierende der griechischen Arme'- — der griechische Kronprinz — einen strikten Befehl zu erlassen, die Tradition, die Gebräuche und die Religion der Bevölkerung zu schonen.
Aus alledem zeigt sich deutlich, wie beflissen die Griechen waren, die Türken zu einer möglichst schnellen Uebergabe zu veranlassen, um den Bulgaren zuvorzukommen.
Die Zukunft von Saloniki.
Konstantinopel, 8. Jan Die aus Saloniki stammenden hiev ansässigen sowie die hierher geflüchteten Muselmanen beraten seit einigen Tugen die Entsendung einer Abordnung nach London, die bei Grey und den Botschaftern wegen der Zukunft Salonikis Schritte unternehmen soll. Ta die Mehrheit der Bevölkerung Salonikis aus Muselmanen und Israeliten besteht, wirb die Deputation verlangen, daß Saloniki in einen Freihafen umgewandelt und als solcher entweder im Besitz der Türkei verbleibt oder internationalisiert wird.
scheint auch eine vollständige Uebereinstimmung zwischen dem Dreibund und der Tripleentente zu bestehen, über die Notwendigkeit, A d r i a n o p e l an Bulgarien abzutreten mit einigen Klauseln zugunsten der Moscheen, Kirchengüter und Gräber der Khalifen.
Eine neutrale Zone zwischen Bulgarien und der Türkei?
„Jkdam" erfährt, Grey machte bezüglich Adrianopels den Vorschlag, zwischen der Türkei und Bulgarien eine neutrale Zone zu schaffen, von welcher das Wilajet Adrianopel ein Teil sein soll. Die Verwaltung soll Beamten übertragen werden, die dem türkischen Dienst entnommen werden sollen. Ein ähnlicher Vorschlag wird für die Inseln des griechischen Archipels gemacht. Der Vorschlag wird gegenwärtig zwischen den Großmächten beraten. Man glaubt nicht an den Abbruch der Verhandlungen.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Auf Einladung des bulgarischen Oberkom-
kischen Waffen nicht von den einrückenden Siegern benutzt werden. Nur die Geschütze und Kriegsmaterialien von Kara-Burnu, das den entwaffneten türkischen Soldaten zur Unterkunft überwiesen wurde, mußten — nach Art. 7 — den Türken abgenommen und der griechischen Armee übergeben werden. Weiteres besonderes Entgegenkommen zeigen die folgenden Bestimmungen:
Art. 4. Alle höheren Beamten, Militärs und alle Offiziere werden autorisiert, ihre Säbel zu behalten und frei in der Stadt herumzugchen.
9(rt. 5. Alle höheren Beamten und Angestellten im Wilajet werden freigelassen.
Art. 6. Alle Gendarmerie- und Polizeiagenten können ihre Waffen behalten.
Art. 10. Tie türkischen Gendarmen und Polizisten werden bis auf weiteres ihren Dienst weiter versehen.
Andere Bestimmungen, die in einem Zusatzprotokoll enthalten , sind, betreffen den Schutz der entwaffneten türkischen Soldaten j in allen Törfern, wo sie ihr Eigentum haben, vor Bandenüberfällen sowohl wie vor den Truppen der Verbündeten. Ferner
chlörb
Zu dem Mißgeschick der deutschen Zpitzbergen- Lxpedition.
Die „B. Z." veröffentlicht ein Funkentelgramm, welches der tn der Advent-Bay (Spitzbergen) eingetroffene Kapitän Ritschel von der deutschen arktischen Vorexpedition von der Advent-Bay am 7. Januar absandte. Es lautet: Das Schiff der deutschen ^Arktischen Vorexpcdition ist in der Treurenburg-Bay eingefroren, wo für die am 15. August nördlich der Eroßbay-Jnsel int Packeis ausgesetzte Schlittcnexpedition ein Depot errichtet worden war. Tic Expedition bestand aus Leutnant Schröder-Stranz, Kapitänleutnant Sandleben und dem Geologen Mayr sowie dem Präparator Schmidt. Bisher fehlen über das Schicksal der Schlittenexpedition alle Nachrichten. Die Besatzung des Schiffes verließ am 9. September den „Herzog Ernst", um zu Fuß dte^Advent-Bay zu erreichen. Der Botaniker Möser und der Zoologe Detmers trennten sich freiwillig von mir uird marschierten nach dem Pol- heimgnartier, um schneller die Advent-Bay zu erreichen. Der Ozeanograph Dr. Rüdiger, ein Eislotsc und andere Matrosen erreichten die Wijde-Bay. Hier nrußte Rüdiger eines erfrorenen Fußes halber in der Schutzhütte zurückgelassen werden. Mit ihm blieb der Marinemaler Rave zurück. In der Hütte ist reichlich Proviant bis Januar vorhanden. Ich selbst, ein Flugtechniker, unser Eislotle und ein Matrose gingen weiter südwärts, um Hilfe für Rüdiger zu holen. Infolge der Dunkelheit der Polarnacht und des schlechten Wetters mußten wir bis Mitte Dezember in einer Schutzhütte am Kap Petermann unter großen Entbehrungen warten. Am 10. Dezember drang ich allein südwärts nach der Advent-Bay, wo ich mit teckweise erfrorene» Gliedern am 27. Dezember eintraf. Der Flugtechniker, der Eislotse und die Matrosen waren zum. Schiff zurückgekehrt. Es wird hier eine Hilssexpedition ausgerüstet. Ich selbst werde meiner erfrorenen Füße wegen zwei Monate hier liegen müssen. Unser Schiff sitzt in der Treurenburg-Bay sicher auf Strand, so daß es im nächsten Sommer unbeschädigt abgeholt werden kann.
Reichstagsulk.
„Ernst ist das Leben, heiter ist die Politik": mit dieser .Überraschenden Variation des bekannten Schillerwortes führt Hugo Freu z sein höchst unterhaltendes, soeben bet Hermann Barsdorf in Berlin erscheinendes Buch „Unter der goldenen itnvpei" cm, dessen Inhalt heitere Bilder aus dem Retäistage ausmachen. Gerade in diesen Tagen, wo die sckMrsen parlamentarischen Kampfe wieder anheben, tut cs wohl das Leben und Treiben m dem inschriftenlosen Hause am Berliner Königsplatze einmal m dem Scheinwerferlichtc des Humores zu sehen. .
Es gibt freiwilligen und es gibt uuiretwilligen Reichstags- ulk. Die geübten parlamentarischen Kämpfer wissen gar wohl,
Dar europäische Ronzert in London.
Es scheint, daß der englische Staatssekretär Sir Edward Grey gegenwärtig in London eine ähnliche maßgebende Rolle spielt wie Bismarck ans der Berliner Konferenz. Die Türken setzen ihre Hoffnungen auf ihn, und es soll sogar schon eine muselmänische Abordnung unterwegs sein, um wegen des Schicksals von Saloniki an sein großmütiges Herz zu appellieren. Mit größerer Bestimmtheit wird von zwei englischen Vorschlägen gesprochen. Der eine, den Sir Grey selbst gemacht haben soll, geht dahin, zwischen Bulgarien und der europäischen Türkei eine neutrale Zone einzufügcn, die von türkischen Beamten verwaltet werden soll. Wie unhaltbar aber solche Zustände auf die Dauer sind, zeigt die Entwickelung auf Kreta. Auch in der solidesten Verkleidung wird die neutrale Schöne sich bald auf Abenteuer begeben. Ein anderer Vorschlag Englands soll dahin gehen, Adrianopel der Türkei zu erhalten, unter der Voraussetzung, daß seine Festungsanlagen geschleift werden. Bemerkenswert ist, daß England in der Türkei auch damit Stimmung gemacht hat, daß es ihr 10 Millionen Mark Vorschuß für die Zahlung der Beamtengehälter gewährt hat.
Neber die Msichten des Dreibundes veröffentlichen römische Blätter Angaben. Darnach soll Adrianopel den Bulgaren preisgegeben werden, nicht aber die Inseln im ägäischen Meere. Man geht eben in Rom von der Erwägung aus, den Griechen, Serben, Bulgaren die hohen Kosten für neue Schiffsbauten zu ersparen; Oesterreich und Italien sollen sich allein in die Mittelmeermacht teilen. Der neue deutsche Staats sekrctär, Herr von Ja- gow, der ja an dem Fortbestehen des Dreibundes tätigen Anteil genommen hat, ist von einem Berichterstatter auch schon über fein Programm gefragt worden und er soll nicht übel geantwortet haben:
„Sie können doch keine programmatischen Acnßerungcn von mir erwarten Erstens hat der Staatssekretär des Aeußern bei uns überhaupt fein Programm aufzustellen, zweitens halte ich cs für einen Unsinn, ein Programm zu entwerfen, wo sich unabhängig von uns Konstellationen ergeben, die uns ganz neue Wege, vorschrcibeu können. Ich halte nichts von politischen Programmen, ich halte auch nichts von Acußerungen über das, was werden kann und werden soll. Ich glaube, in Rom mit dem Prinzip der stillen Arbeit nicht schlecht gefahren zu sein, und werde au diesem Prinzip auch in Berlin festhalten."
Tas ist's, was man von dem neuen Herrn in der Wil- helmstraße wünschen kann. Ein Programm würde sogar wohl auch der englische leitende Staatsmann ablehnen, der die Gelegenheiten so fein einzufädeln versteht.
Wir erhalten folgende Meldungen:
Dem Reuterbureau wird aus Konstantinopel gemeldet: Nach den letzten Mitteilungen hat England den Mächten einen Vorschlag gemacht, nach dem Adrianopel der Türkei erhalten bleiben soll unter der Voraussetzung, daß die Festungswerke geschleift und verschiedene weitere andere Beschränkungen wirtschaftlicher Art auferlegt werden. Der Vorschlag habe gute Aussicht auf Annahme.
Die römischen Zeitungen veröffentlichen folgende Te- pesche aus London: Die Meldungen einiger französischer und anderer Blätter über das Schicksal der Inseln und andere Fragen werden in politischen und diplomatischen Kreisen, die gut informiert sind, nicht für vollständig rich
tig gehalten. Der Dreibund scheint in der Tat darauf zu bestehen, daß außer vier, den Dardanellen benachbarten Inseln, nämlich Jmbros, Tenedos, LemnoS und Samothrake, auch Chios, Mytilene, Kos und Rhodos der Türkei mit wirksamen Garantien zugunsten der Bewohn er verbleiben. Es
a.'. i
daß ein guter und selbst ein scharfer Witz an der rechten Stelle eine gute Waffe ist. Bismarck war ein Meister auch in der Handhabung dieser Waffe. „Lassen Sie uns mal erst alle'sterben, dann sollen Sie sehen, wie Deutschland in Flor kommen wird," erwiderte er einmal den Reichsboten treuherzig. Ein andermal trumpfte er einen Gegner mit den Worten ab: „Ich wirke gewissermaßen wie das rote Tuch — ich will den Vergleich nicht fortsetzen!" Und von den Denkmälern, die die Verehrung ihm sckwil bei Lebzeiten zu setzen wünschte, sagte er einmal das lustige' Wort: „ES stört mich in Promenadenverhältnissen, wenn ich gewissermaßen fossil neben mir dastehc." Uebrigens war ihm sein großer Zentrumsgegner Windhorst auch auf dem Gebiete des Witzes ebenbürtig; von ihm stammt das muntere Wort: „Wenn der geehrte Herr das von mir gelernt hat, so ist es darum nicht an sich gut!" Danials war überhaupt eine goldene Zeit des Reichsulkes, dessen Klassikern Alexander Meyer^Halle war. Der hat einmal das Bekemitnis abgelegt: „Ich bin nun einmal so schwach organisiert, daß ich lieber zehn Schmeiclieleien als eine einzige Grobheit höre." Ein andermal: „Wir sind gegenwärtig in der dritten Lesung, entrinnt auch diese kraftlos unfern Hän den, wir haben keine vierte zu versenden." Tas hieß mit dem klassischen Worte hübsch spielen; anderen Rcichstagsrednern aber haben die Worte der Klassiker selber übel mitgespielt, z. B. jenem Abgeordneten, der sich die hübsche Entgleisung leistete: „Jetzt muß der Minister mit der Faust ausrufen: Hier stehe ich, ich kann nicht mehr weiter!" In wenigen Worten ein wahrer Rattenkönig von Fehlzitaten!"
Ucberhanpt die Entgleisungen, das ist ein geradezu unerschöpfliches Kapitel! Tief erschütternd klagte einmal der alte Lieb kneckt: „Ein fast tragisches Geschick, tragisch, wenn es nicht so traurig wäre!" Eine kleine Lese wenig bekannter Perlen aus dem Schätzlästlein des unfreiwilligen parlamentarischen Humors möge zum Schluß dem Leser nicht vorenthalteu sein. Tie Vermehrung der Bevölkerung auf dem flachen Lande vollzieht sich auf eine ganz natürliche Weise, ich werde Jhüen gleich zeigen, wie!" „Ich kann nicht länger schweigen, ohüe einige Worte zu sagen." „9ki den neuen Steuern hat die breite Schulter des Bieres naturgemäß eine erhebliche Last zu tragen." „Ter Vorredner legt seine Hand auf eine Wunde; die auf vielen Seiten besteht." „Der Juliusturm ist im Falle einer Mobilmachung nur ein Tropfen aus einen heißen Stein."
1i.itkarten
las uroBt Masktt' garderobcn' Perleib aeichasl von S.imllt
MMAW ■nrrtiwtb einige bestTtell - anä> Kinberklelbei , -dnvtl Anaeb. untet
Büglerin
nufieblt fid) in und aig
tZdiülerm- wuö ck ca.t'M°n°le 12$ ,
Pension
minageüen in tzkbild.
ASM
die Türken die Stadt Saloniki den Griechen übergeben haben. Tie Kapitulation Salonikis erfolgte bekanntlich nach heftigen KämplCN der türkischen Armee gegen die Bulgaren, während die griechische Armee noch gar nicht ins Feuer -getreten war. Aus den ungewöhnlich leichten Uebergabebebingungen geht hervor, warum sich die Türken den Griechen und nicht den Bulgaren ergeben haben.
So lautet der Artikel 1 des Protokolls: „Die Waffen der türkischen Soldaten werden gesammelt und von feiten der griechischen Armee in Depots verwahrt werden. Hierüber wird ein besonderes Protokoll verfaßt werden." Also durften die tür-


