Ausgabe 
6.3.1913 Erstes Blatt
 
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Besprechungen mit den Mächten fortbauern, direkte Ver­handlungen mit Bulgarien werden nicht gepflogen. Wir nahmen die Vermittlung der Mächte an und brachten ihnen unsere Vorschläge zur Kenntnis. Tie Mächte haben auch ohne Zweifel die Verbündeten ersucht, ihre Bedingungen bekannt zu geben Dir roarten die Entscheidung der Mächte ab. Die Entscheidung der Mächte und die Entscheidung Europas ist aber nicht bindend für die Türkei. Tie Mächte intervenieren nicht, sondern bieten nur ihre guten Dienste an. Es ist notwendig, die mehr oder weniger falschen (Gerüchte über die Verhandlungen mit Vorsicht aufzuuehmen. Die Türkei lehnt es ab, eine Kriegsentschä­digung zu bezahlen. Was soll aus den 20000 Be­amten Rumeliens werden? Werden sie uns nicht immer zur Last fallen und müssen wir sie nicht schon jetzt als zur Disposition gestellt behandeln? Wissen die Bulgaren nicht, daß die Türkei gezwungen ist, jedes Jahr Anleihen aufzunehmen und noch weitere Anleihen aufn hmeu muß? Die ottomanische Staatsschuld beträgt rund drei Milliarden. Tas ausländische Kapital, das in der Türkei angelegt ist, beträgt die gleiche Summe, während die bulgarischen Schulden unbedeutend sind Tie bul­garischen Eisenbahnen gehören dem Staate, bei uns ist das nicht der Fall Ich glaube, daß die (Gläubiger der Türkei eine ganz andere Auffassung ihrer Interessen haben.

Uns Statt unt Land.

Gießen, 6. März 1913. Bänke in Gießend Umgebung.

Die Zeit naht jetzt wieder, wo die meiften von uns mehr alS bisher in die freie Natur zu gehen pflegen, und da richten sich unsere Blicke auch wieder aus die in Gießens Umgebung aus- aestellten Ruhebänke. Wenn wir nun überlegen, in welchem Maße ihre Zahl gerade in den letzten Jahren gewachsen ist, so müssen wir der Tätigkeit des Verschönerungsvereins und der städtischen Behörden unbedingt Anerkennung zollen und uns dar­über freuen, selbst wenn wir, wie ich, vielleicht zu denen gehören, die beim Ruhen im Freien auch ganz gut ohne Bänke auskommen können und die sonst nicht dafür sind, das natürlich gewordene Landschaftsbild allzuviel zukultivieren". Es möge aber heute einmal daraus hingewiesen werden, daß es trotz der vielen Neu­aufstellungen in den letzten Jahren Plätze um Gießen gibt, die früher Bänke hatten, dagegen heute ohne s ol ch e sind, ohne daß für den Uneigeweihten ein Grund ersichtlich wäre. Vielleicht läßt sich der Schoden gelegentlich einmal wieder gut machen, oder es erfolgt Aufklärung über die Gründe. Ta ist zu­nächst bte Bauman läge in der Nähe der Liebigshöhe, früher Fuchsbau genannt, jetzt zum größten Teil durch den Schliesptatz abgesperrt. Aus dem nicht abgesperrten Teil Üand nod) »or 10 Jahren eine Bank, was durch den schönen Blick nach den Höhen im Westen, besonders nach unseren Burgen, sicher ge­rechtfertigt war. Nun hat ja allerdings eine Kompanie dort ihren Zielplatz, aber hierdurch würden wohl keine Unannehmlich­keiten entstehen. Man könnte ja die Bank etwa am einen Ende des Platzes aufstellen, und das Publikum würde wohl so taktvoll sein, die militärischen Uebungen nicht zu stören. Andererseits würden auch die auf der Bank Ruhe suchenden Leute sich nicht zu beklagen haben, da ja das Zielen im allgeineinen nicht allzulange dauert und sich mit größerer Ruhe abzuwickeln pflegt als manche anderen Uebungen. Im übrigen wäre aber gerade dieser Platz als besonders ruhig onzusprechen, da er etwas abseits vom .Haupt­wege liegt. Mein zweites Beispiel betrifft wieder einmal eine, wenn auch geringfügige, Zurücksetzung des Nordviertels, worüber ja so oft geklagt wird. Ich will jedoch gleich bemerken, daß mich feine persönlichen Interessen mit dem Norden verbinden. Wohl die wenigsten Gießener kennen den Fürste nbrunnen. Am besten erreicht man ihn vom Wiesecker Weg aus, indem man den vor der Moser'schen Gärtnerei nach rechts abzweigenden Feldweg ein paar Schritte hinausgebt. Man sieht dann in einiger Ent­fernung zur Rechten zwei Pappeln, unter denen sich ein aus- gemauertes Wasserloch befindet. Drei alte Steine, wohl die Grund­pfeiler einer ehemaligen Bank, geben uns KNnbe, daß sich hier frühere GescAechter ausruhten von des Tages Last und Hitze: Aber lange muß das schon her sein, denn als ich den Platz zum erstenmal sah - es mag vor etwa 20 Ialwen gewesen sein, da sah die ,L3ank" schon gerade so aus wie heute. Nur der Brunnen machte einen besseren Eindruck, dadas Wasser fein säuberlich einem Röhrchen entströmte. Man wird mir vielleicht entgegnen, die Landschaft rechtfertige hier nicht die Ausstellung einer? Bank. Nun gebe ich zwar gerne zu, daß sich die Aussicht mit der vom Fuck>s- bau nicht messen fanu, daß auch beispielsweise der Anblick des Gefängnisses nicht besonders wohltuend ist, aber ich meine doch, es läßt sich in dem ganzen Bild von dem Philosophenwald zur Linken bis zum Stadtkirchturm zur Rechten auch manches Schöne herausfinden. Und schließlich ist es ja auch zweierlei, ob es sich bei Ausstellung einer Bank darum handelt, einen neuen Platz auszusuchen, oder einen alten, der nun einmal da ist, vor dem nicht durch zwingende Gründe gerechtfertigten Verfall zu be­wahren. Möge besonders auch das Brünnchen bald wieder in einen Zustand kommen, der seinem stolzen Namen mehr Elwe macht! Zum Schluß möchte ich noch den Wunsch aussprechen, daß andere Mitbürger, vor allen solche, bereit Erinnerung noch weiter »urückreicht als die meinige, diese Anregungen fortsetzen möchten!

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* Tageskalender für Donnerstag, 6. März: Vortrag von CberHleutnnnt z. D. Richel m nun: .Wie ich Ostafrika zur Wikmann-Zeit und 20 Jahre später gesunden habe." Abends 8K Uhr in der Universttätsanla.

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* * In Audienz empfangen wurde toomi Groß- Herzog am Mittwoch u. a. Professor van Calker von Gießen.

* Ordensan gelegen hei t. Ter König von Preu­ßen hat dem Obersten Frciherrn Reitz von Fr e atz, Kommandeur des Inf. Leib-Regts. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117 die Erlaubnis zum Tragen des ihm vom Fürsten von Hohcnzollern verliehenen Ehrenkrettzes 2. Klasse des Hohenzollerschen Hausordeus erteilt.

** Ordensverleihung Der Großherzog hat dem Tirektor der Internationalen Schlaftvagen-Gesellschaft Mfred Clausius zu Berlin und d.'m Direktor der Rhei­nischen Automobil-Gesellsckwst £»dk Schölvinck zu Berlin das Ritterkreuz 1. 'Nasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen

* * Erledig t ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Lich.

Stabil h cater. Am Freitag gelangt, wobl zum erstenniale in Gießen. baS klassische Lustspiel der russischen Litteratur, Nikolai Gogols .Revisor", zur Aufführung. Die Zustände, die die Komödie in so amüsanter Weise schil­dert, sind auch für das heutige Rußland nicht veraltet, und so wird die Vorstellung eines gewißen aktuellen Reizes nicht entbehren. To§ gesamte Herrenpersonal ist m der Vor- stellung beschäftigt, die von Oberregisienr TworkowSk, ge­leitet wird.

* Gelände erwerb Tie Stadt kaufte die Wiese hinter dem Schlactzthof von Ehr Hanbach den Quadratmeter' für 3.2.'» ??'f. Tas CftKäude wird zur Ver­größerung des Selstachlhofes gebraucht vumach hatte vor einem Jahr nochMk verlangt. Ti Nachrick!. da Ober« postassistent Rupp sein Hau. - >cr ' aijeiIU c verkauft habe, i[t den Ereignissen voransgeeiir.

* S chu hmachermeist er-Versammlung in G i^ß c il Am Sonntag nachmittag fanden sich im Gare Ebel 60 Schuh­machermeister von Gießen und Ugegcnb, aud) Kassel unb Mar­burg waren vertreten, zm'ammen, um sich zu beraten über bic er­höhten Leberpreise, sowie aller zu bem Gewerbe nötigen Rohmaterialien. Ter Redner, Obermeister Joh. Gruber von Mannheim legte in 1> rstündiger Rede dar, wie er auf feinen Reifen in verichiedeneu deutschen Städten überall dieselben Klagen über bic große Not und Sorgen gehört, die gerade unsere Ge- werbsgerwssen drücken, hervorgerusen durch die enorme Preis­steigerung aller Leder-Rohstoffe, sowie durch das Unterbieten der Preise durch die Kollegen, und daS Borgsystem. Wenn unter diesen Umständen nicht eine ganze Anzahl steuerzahlender Bürger untergeben sollen, so ist unter allen Umständen eine Erhöhung der Preise für alle Schuhmacherarbeiten zu erstreben und gegen das leidige Borgsvstem anzulämpsen. In allgemeiner Anerkennung dieser unglückseligen Zustände wurde einstimmig folgende Ent­schließung gefaßt:

Tie am 2. März 1913 im Cafö Ebel zu Gießen verfam- melken Schuhmachermeister von Gießen unb Umgegend erblicken in der fori gefetzt en Steigerung der Leder unb Rohmaterialien- preisc in Höhe von 3050 Prozent bic solöw Grundlage unseres Gewerbes gefährdet. Um nun aber diese Grundlage zu erhalten und damit dem Publikum eine gute Qualität Schuhwerk üefern zu können, ist es unumgänglich notwendig, die Preise für Schuh­waren, sowie für Ausbesserungen unt 1015 Pro^nt zu erhöben. Die heutige öffentlidje Versammlung der Schuhmachermeister erklärt sich mit einer solchem Preiserhöhung einverstanden und fordert alle Kollegen auf, in ieber Art und Weise dafür ein­zutreten.

** Druckfehler-Berichtigung. der Rede des Prof. Tr. Schwall!) muß e<* in der letzttm Zeile heißenteuer und unver ge ßl i ch", nicht teuer und unvergleichlich.

Landkreis Gießen.

= Langsdorf, 5. März. Schweren Herzens sehen ein großer Teil der hiesigen Bürger und noch etwa 50 Leute aus der Umgebung der in diesen Tagen statt findenden .Hauptversammlung der Spar- und Darlehnskasse entgegen. Die Kasse wurde vor etwa 12 Jahren durch den Abgeordneten Köhler als G. m. u. H. gegründet, um den hier schon seit nahezu 50 Jahren bestellenden Borschuß- und Kreditverein zu verderben. Durch Unkenntnis des Rech­ners, sowie durch mangelhafte Aufsicht der Aufsichtsräte ist es soweit gekommen, daß heute eine Unterbilanz von über 6 00 000 Mark da ist, für die die Mitglieder jetzt aufkommen müssen, wodurch, falls keine Hilfe kommt, viele arme Leute aus Haus und Hof müssen, um die auf ilyr Teil entfallenden 78000 Mark aufzubringen, und Fann nicht genug davor gewarnt werden, Mitglied einer G. m. u. H. zu werden, wie sich aus dem vorstehendem ergibt.

Kreis Büdingen. e

X Nidda, 4. März. Tie Höhere Bürgerschul, soll im neuen Schuljahre eine Erweiterung dadurch erfahren baß eine Vorschule eingerichtet werben soll. LchramtS- assessor Becker von der Höheren Bürgerschule hat zum Dr. phil. an der LandeSuniversität über bas Thema:Die Flurnamen NibbaS in alter unb neuer Zeit* pro­moviert. Eine Verschönerung bcS Bergweges von hier uach Bad Salzhausen wird eben dadurch bewirkt, baß er an beiden Seiten mit Bäumen unb Ziersträuchern bepflanzt wirb.

Kreis Alsfeld.

Elpenrod, 5. März. Ein Diplom-Ingenieur aus Oberschlesien hatte das hiesige Schlosser'sche Gut für den Kaufpreis von 5 5 00 0 Mark erstanden. Der Besitzer verkauft jetzt das Gut in einzelnen Gelegen. Bei dem gegenwärtig hohen Preis der Liegenschaften unb bei deren Qualität dürfte der Ankaufspreis wieder erzielt werden.

x Ober-Ohmen, 5. März. Bei der letzten Holz- verstei gerung der Riedefel'schen Försterei in den Wal­dungen der Gemarkung Ruppertenrod waren die Preise für das Brennholz hoch. Es wurden bezahlt für 4 Rm. Buchenfcheiter 3032 Mk., 4 Rm. Buchenprügel 2024 Mk., 6 Rm. Tannenstücke 3 Mk., 8 Rm. Hieiser 4.304.50 Mk.

Kreis Friedberg.

B. Friedberg, 5. März. Tie Stadtverwaltung hat 'auf der Pfingstweide 386Mirabellenbäurne angebaut

Starkenburg und Rheinhessen.

(m) Offenbach a. M., 6. März. Keine Er­höhung der Gemeinde st euer u. Der neue Etat für das Jahr 1913, der diesmal recht spät herauskommen wird, wird zwar unter den Ausgaben bedeutende Mehrforde* rungen vorsehen, trotzdem aber braucht $ur Ausbalan­cierung dieser Mehrbelastungen keine Erhöhung der Ge­meindeumlagen zu erfolgen. Diese Mehrforderungen wer­den neben solchen für Schulzwecke und soziale Fürsorge­bestrebungen namentlich durch die Neuregulierung der städtischen Beamten- und Lehrergehälter hervorgerufen, die zurzeit mit den Ausschüssen durchberaten und in einer der nächsten Stadtverordnetensitzungeil noch vor dem 1. April verabschiedet werden soll. Für diese Zivecke werden allein 246 000 Mk. gefordert. Diese Mehrbelastungen des kom­menden Etats sollen einmal durch gemachte Ersparnisse aus dem Ausgleichsfonds, zum andern durch die infolge der ständigen Zunahme der Stelkerkapitalien im neuen Etatsjahre zu erwartenden Steuermehreinnahmen aus­geglichen werden, so daß der bisherige Steuer koeffizienl von 189 Prozent auch für das kommende Steuerjahr bei- behalten werden kann. Trotzdem aber steht Offenbach, w-ie dies ja der Charakter einer ausgesprochnen Industrie­stadt mit sich bringt, in Bezug auf die Höhe der Gemeinde­umlagen an der spitze sämtlicher hessischer Städte. An zweiter Stelle steht Darmstadt mit 128,4 Prozent, es folgen dann Gießen mit 120 Prozent, Mainz mit 106,5 Pro.zcut und Worms mit 102 Prozent. Während in den Städten Mainz und Gießen die Gemeindesteuern in den letzten fünf Jahren nicht erhöht zu werden brauchten in Darmstadt und Worms betrug die Steigerung wäh­rend dieser Zeit nur 5 Prozent, schnellten die Gemeinde­steuern in Offenbach von int Jahre 1908 mit 154,8 Prozent auf nunmehr 189 also um 35 Prozent in die Höhei Ein schwerer Unglückssall ereignete sich auf der BrauukohlcnzecheGustav" bet Seligenstadt. Der erst seit kurzem verheiratete Monteur Karl Schneider aus Aschaffen­burg Ivar mit dem Aufziehen einer eisernen Welle nach dem oberen Stockwerk eines Neubaues beschäftigt, als plötzlich infolge eines Gliedbruches der Flaschenzug sich löste. Die aus.etwa drei Meter Höhe herabftürzeube Masse begrub den Monteur, der neben inneren Verletzungen einen schweren Schädelbruch davontrug An seinem 'auftommen wird gezweifelt. In dem Dietesheim er oteinbnid) wurde der Arbeiter KMirad Kopf von tierabstürzenden Erb­massen verschüttet. Kopf zog sich dabei schwere innere Verletzungen zu und mutzte ins .Hanauer Binzenzhospilal gebracht werden.

_ d Mainz, 5 März. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten haben die Kinematogravbenbei'itzer gegen btc Billett Neuer Einspruch erhoben. Tic Eingabe mürbe an Den Finanzausschuß verwiesen. Bern. Günvcrr wies ein eine Zeitungsnachricht, wonach ein höherer Polizeibeamter bic

Bücher des verhafteten Alrhänblers II r n ft e i n geführt bat Da­fei unrichtig. Ter betreffende Polizeibeamte habe dem verftorbenen Vater des Inhaftierten als Teilhaber an einer Geländefpekulation 19061909 in Ordnung gebracht. Dafür habe der Beamte etwa 1000 Mark erhalten. Nach dem Tode des Um ft ein habe der Beamte die Geschäftsverbindung gelöst. Mit den Handelsgeschäften Des Um freut habe der Beamte nichts zu tun gehabt Tie Bürger mrifterei hat ungeordnet, daß jeder Beamte bei Uebemabntc von Prioatarbetten die Einwilligung der Bürgermeisterei cmholen muß. Zum Anden km an das 25jährige Regierungsj ubiläum des Kaisers soll unter dem NamenKaiser Wilhelm- I u b i l ä u m i ft i f t u n c\" alljährlich der Betrag von 25 000 Mk. zur Verwendung für wohltätige Zwecke in die (ytatsabrtdnumg ein gestellt werden, ferner wurden als Beitrag der Stabt zu den Kosten der gemeinsamen Huldigungsabresse ber bemühen Städte 500 Mk. bewilligt. Tie Sozialdemokraten enthielten sich ber Ab­stimmung. Zur Regelung des Krankenkassenwesens in der Stabt würbe beschlossen, von ber Errichtung einer Land- krankenkasse unb einer neuen allgemeinen Ortskrankenkasse für ben Stadtbezirk Mainz abzufehen, sich für die Ausgestaltung ber Ortskrankenkasse Main.; zur allgemeinen Ortskrankenkasse für ben gesamten Bezirk bes Versicherunysamtes der Stabt auf Grund des Artikels 15 des Einführungsgeietzes zur Reichsversiche- rungsorbnung auszuspreckien. Ter jährliche Zuschuß an ben Mainzer Gewcrbeverein wurde von 27 400 Mk aut 34 000 Mk. erhöht. Ter Schützengesellschaft wurden für ihr Verbands- schießen 1913 aus dem Ueberschusse der elektrischen Ausstellung 6000 Mk. bewilligt. Ter Betrag ist an die Stabt zurückzugeben, wenn ein Uebcrschuß erzielt wird.

Derein$nad)ri(Meit

b Wieseck, 5. März. Ter GesangvereinEin­tracht" beschloß in seiner letzten Hauptversammlung, bas im Jahre 1914 ftattfinbenbe 2 0jährige Jubiläums fest im größeren Maßstabe zu feiern, unb einen Gesaneswettfrreit bamit 8ii verbinden. Mit den Vorarbeiten sott sobald als möglich begonnen werden. Ferner wurde bcfchtoffen, daß sich der Verein wieder an einen Gesangswettftreit beteiligt.

r. Boden Hausen II, 5 März Gesdern abend feierte der Gesangverein, gemischter Chor, seinen Familienabend im Saale des Gastwirts Baer. Zahlreiche Gäste, auch von aus- wärts, hatten sich eingefunden, um einen Vortrag des Schrift- ftellers Naumann anzuhören. Naumann sprach überHeimat- liebe". <

Nieder-Ranfftadt, 5. März. Dem Gesangver einHarmonie sind zu. seinem 50jährigen Jubiläum, das er mit einem Gesangswettftreit verbindet, große ttzddsvenden gemacht worden.

Kirche und Schuld

-7- Nidda, 5. März. Heute hielt die Ev a ngeli sche Konferenz für Hessen (Friedberger Konferenz) hier eine Versammlung ab. in der Professor Lampas aus Friedberg, ein geborener dliddaer, eisten Vortrag hielt über den christlichen (Glauben an den persönlichen Gott Er führte aus: Ter christliche Glaube an den persönlichen Gott (Persönlichkeit im Sinne des charakterlichen, geistigen Ideals^ war zu allen Zeiten das, wovon die Christenheit religiös gelebt hat. Tic pantlieistischen Seitenlinien des religiösen Tenkens, immer vorhanden und als Seiten­linien notwendig, bedeuten einen Denk- und Gefühlsschutz gegen die Gefahr der Vermenschlichung Gottes und die Entgeistigung der Welt Rein verständnismäßig ist das Wesen Gottes so wenig eindeutig und einwandfrei zu er­messen, wie sein Dasein Nur dem sittlichen Bewußtsein und vor allem der religiösen Erfal^rung erschließt sich das Wesen Gottes. Dieses aber muß dem ,^Jch" des Glaubens und Vertrauens entsprechend dasTu" des be)mifiten Hörens, Helfens, Vergebens, Erlösens sein, also Persönlick)- keil und zwar einheitliche, einzigartige, unvergleichbare geistige Persönlichkeit. Religiös ivertvoller als die ab­strakte B<^eichnung Gottes als "Persönlichkeit ist der Name, bei bem ihr Jesus nennt. Vater im Himmel. Es kommt nicht so sehr darauf an, daß wir uns Gott richtig vorstellen, als vielmehr darauf, daß wir das red)te Lebensverhältnis §u ihm gewinnen. (Wer da will des Willen tun, der muß tnne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede.") Die Konferenz war von t^feistlichen und ßcfyrem besucht, die mit Interesse den Anssührungen des Vortragenden folgten.

Cuftfctiiffdbrt.

Der Zeppelinbund.

Wir erhalten solgeitde Erklärung mit ber Bitte um Veröffentlichung:

Friedr ichsha fen, 3. Mürz.

Es ist m Leipzig die Gründung eines ,,-^eppclin- bundcs" mit ricTcii Ortsgruppen erfolgt, dessen Schrift­führer und Schatzmeister ein Herr Mfred Baß, Verlags- buchhändler in Leipzig, und dessen Bundesleiter ein Herr Otto Rietbrixk in Barmen sind.

Der Zweck des Bundes soll sein, eine Gcld'ainmlunq imtcr dem deutschen Volk zu veranstalten und deren Er- aednis Sr. Majestät dem deutschen stxiifcr anläßlich Aller- höchst dessen 2s>jährigen Regierungsjubiläums in Gestalt einer Nationalsp^mde zur Verfüguug zu stellen. Zur Uebenrahme des Protektorats über diesenZeppelindund»" bin ich durch den Schriftführer Mfred Baß auf gefordert worden.

Ich erkläre nun hiermit, daß ich nicht nur ine Heber- nähme des Protektorats ab lehnte, sondern auch dem Bund nrit Schreiben vom 22. Februar d Js. verboten l^adc. meinen Namen, den er sich ohne vorigerigc Einholung meiner Zustimmung beilegte, zu führen. Mit dem Bund habe ich fvnack) keinerlei b>emeinschaft oder Verbindung.

Graf Zeppelin

Uiiiverfitäfs«21acbricbten«

Eine Fachorganisation nach dem Musher bei reichsdeutschen Klinikcrverbände gründen bic Hörer ber medizinischen Fakultät ber deutschen Universität in Prag. Nach derSilin -lherap. Wvchei'jchrift" hat die Statthalters bereits die Satzungen des neuen Verbandes, der alle beut« schon Mediziner umfassen soll, genehmigt.

Sport.

** Preisgekrönter Hundczüchtcr. Derr Ana. Schwa n errang am Sonntag aus ber in E be m ni tz abiicbaHenn. Internationalen Hundeausstellung mit seiner HoUeftwu sckbstgezück^eter raubbaariger Pinscher eine große Anzahl Preise. Tie Kollektion erhall 1 erfu, 5 zweite, 2 dritte unb 3 Ehren­preise, unb wurde ganz besonders in der Gruppen klasse, sowi- ZuckNgruppenklasse hcrvorgchoben und erhielt in ersterer den 1. Preis, in letzterer von oen 13 großen Preisen für Wach- unb Sckukhunben den 2. Ehrenpreis.

Kleine Lagerchronik.

In dem Rummelsburg-Lichtenberaer Hospi­tal ist der 70 Jahre alte Pollak von dem 54 Jahre alten Graf nach einem voran gegangenen Streit erstochen worden, der Täter wurde verhaftet.

Aus Anlaß des äenntngdborfcr Raubmord« a n f d)la g S gegen oas Automobil des Juweliers Plu n z hat