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6.3.1913 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

165. Zahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

, überhaupt noch nicht auSsprechcn Vi el l ei cht wird darüber nie Klarheit werden, denn nach den vorlau,rgen Nachrichten

II l L at L U L. 4/ V v L lUUkvn, 7 ' _____ 3, c

sind die führenden Offiziere alle den ehrenvolle,: Seemannstoü

Die tlrrkischen Nöte.

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haus,' die Matrosen und .Heizer Hektor, W'cbecke Wirth. Bawolskfrr Buttacreit, Kraus, Bruns, Batecky. Schilling. Tersertin, Obo- trowschek, Thomas, Becker, Zir. Lein, Geil, Falk, Kern, Wie­nand, Sens, Hille. Stevver, Osse, Schwarz, Hackmann, Fischer. Bilchkötter, Endres, Weber Becker. (Der Oberleutnant z. S. Sckede, der nach andern Meldungen ertrunken sein soll, ist nt dieser vorläufigen Verlustliste nicht genannt. )

Nr. 55 "

Der Slehener Anzeiger erscheint täglich, allster Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SiestenerZamilienbläller, zweimal wöchentl.Ureis- blatt für ben Kreis (yiefeen (Dienstag und Freitag); zweimal inonotl. Land­wirtschaftliche Zeitsragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

gestorben. _ , , ~ .

Aus .Helgoland wird noch gemeldet: Das geiunkene^orpedo- boot liegt nur in geringer Tiefe, etwa loMein, m der Nähe der Düne, lieber den .Hergang des Unglücks fehlen noch immer sichere Nachrichten. Den aus Hegoland umlaufenden Erzählungen ist wenig zu trauet. Einmal herkt es, das Torpedoboot sei von dem Dampfer York gerammt worden, als dieser, ebenso wie das Torpedoboot, nach abgeschloftener Hebung hinterher Düne habe vor Anker gehen wollen, und zwar sollen die beiden Fahrzeuge noch abgeblendcte Lichter geführt Haven. Eme andere Darstellung lautet, das Unglück ser am Schluß der Rächt-, Übung bei einem Durchbruchsversuch geschehe::. Es sei aber wiederholt,' dast an amtlicher Stelle noch keine authentlschm Mit­teilungen eingegangen sind. Taucher find dabei, die Unfallstelle

überhaupt nicht bearbeitet. Der ausgetrockenete Ton hat zwar tiefe Risse erhalten, aber die Gestalt der Tiere und alle Einzel­heiten sind trefflich betonlyrt da die Statuen gegen den Felsen gelehnt waren. An der glatten Oberfläche der Körper erkennt inan noch deutlich die Spuren der Glättung, die der Künstler vor nahm. Das i?luge ist bei den: Weibchen durch eine Art Kugel aus Erde mit einer Vertiefung in der Mitte dargestellt und wirkt außerordentlich realistisch; der dadurch hervorgebrachte Blick gibt dem Gesicht Leben, während das Männchen durch die nicht aus- gefüllte runde Augenhöhlung eine leere Phpsiognomie erhält. Ter Bart, der bis zum Bauch reicht, ist durch Riefelungen ange­deutet, die mit einen: kleinen hölzernen oder knöchernen Spatel gemacht sind, »nährend der Künstler sich bei der Darstellung der »völligeren Mähne damit begnügte, mit seinem Daumen einige noch deutlich wahrnehmbare Eindrücke in den Ton zu machen.

Auf dem Boden des Raumes bemerkt man noch zwei Entwürfe und eine mehr ausgeführte Skizze von Bisons, die in de»: Toi: hineingezeichnet sind; bei der Skizze ist mit der Modellierung des Kopses begonnen. Wir erhaltet: hier einen Hiniveis auf die Arbeitsweise dieses prähistorischen Bildhauers.Diese Skizze erlaubt anzunchinen, das: die Künstler, nachdem sie die Silhouette des Tieres auf bei: Boden gezeichnet hatten, um die angegebenen Linien ringsum Tot: auf häufte»: unb so einen Plasti­schen Kern herstcllten, an bem bann die Tetailarbeit mit rund eit Tonstäben ausgeführt wurde, wie sie auf dem Boden desMlteliers noch herum lieget:. Tie unbearbeitet gelassene Seite der Statuen, die vot: beträchtlicher Dicke ist, sieht ganz so aus, wie eine von: Boden aufgehobene Tvnmasfe, so dast sie diese Methode der plastischen Bildnerei bestätiget: würde. Außerdem? haben wir noch mehrere runde Höhlungen in: Ton ben: er ft, deren Ränder Finger­abdrücke zeigen und die auf diese Weise entstandet: sei»: können." Diese Tonino del le, die ein einzigartiges Dokument dar- stellen, finb noch nicht von Ort und Stelle entfernt worden, und man trägt Bedenken, überhaupt einen Transport zu wagen.

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Ein Dorf ar:s der jüngeren Steinzeit. Auf dem Gelände der Hilf scheu Ringofenziegelei in: Steinbachtal der P r e u n h e i i: c r Gemarkung ist letzthin durch Professor Wolff und Tivektorialassistent Weicker aus Frankfurt ein l edeutsamer Fund aus der vorgeschichtliche:: Bergangeitheit Frank­furts gemacht worden. Schon in den Jahren 19091912 wurden auf der etwa 60 000 Geviertnreler grosten Fläche zahlreiche W o h n g r t: b cn aus der jüngeren Steilheit, sowie Brand- I griäbcr mit Knochen-, Scherben- unb Tonschieferrestei: ftei-

abzusuchen. ..

D:e vorläufige Verlustliste. .

Nach der noch unvollständigen Verlustliste sind ertnmten: Der Oberleutnant Pies, der Steuermann Gudenschwager, bte Obermaate Bierning, Hegermann, Binder, Bauersfeld, Swettz- furt, Bester, Muller Arnold». Lübbers, der Oberbootsmanns­maat Barton, der Bootsmannsmaat Heinte, der Maschinenmaat Stosser. Schulz. Möller, Ein-

Donnerstag, 6. März M3

UeruqSprei i:

monatlich 75Pf^ viertel-

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W Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für bett

durch Mehraufwand von Material, also durch Mehrbelastung hergestellt zu werden braucht, sondern durch eine sinnreiche Konstruktion. Mit anderen Worten: Die statthafte Schotten­entfernung sollte nicht nur nach den bis jetzt bestehende,',: Vorschriften, sondern auch mit Rücksicht auf die durch das Leck eintretende Reduktion des Breitenträgheitsmoments der Schwimmebene, also mit Riicksicht auf die Stabilität einkonstruiert werden. Es ist wohl anzunehmen, daß, auf diesem Gebiete der Schotteinteilung durch die neueste ver- 'cinerte Technik wesentliche Fortschritte gemacht werden und daß die maßgebenden staatliche»: Behörden sich durch die furchtbare Häufung der schweren Torpedobootskatastrophen veranlaßt sehen, auf die Ausführung derartiger, gesetzlich zu erteilender Vorschriften zu dringen.

Ueber den Hergang des Unglücks werden fol­gende Einzelheiten gemeldet: Die 11. Torpedoboots - Halb­flottille wollte abends kurz vor 12 Uhr na ch beendigter Uebung mit noch abgeb lendete»: Lichtern hinter der Düne von Helgoland vor Anker gehen. In demselbe,: Augenblick kehrte auch der große Kreuzer York, der seit mehreren 4,agcn Hebungen bei Helgoland abhält, voi: einer Hebung zurück und wollte ebenfalls hinter der Düne vor Anker gehen. Infolge des hohe»: Seeganges rannte der Kreuzer mit dem Torpedoboot S 178 zusammen, das hinter dem letzte»: Schornstein getroffen wurde, sich sofort auf die Seite legte unb nach kurzer Zett »ank. Die Rettungsarbeiten würben burch bic infolge des herr- schenben Weststurmes sehr hoch gehenbe See sehr erschwert. Es sind burch ben Kreuzer York vierMann unb durch dre: Torpedo­boote weitere elf Mann gerettet worden.

Die Geretteten.

Gerettet worde»: sind voi: dem Torpedoboot S 178: Ma­rineingenieur K ühn, Assistenzarzt M a »: k e, die Obermaschi­nistenmaate B st 11 l i ck, R ö d c n g e r unb Schönbeck bet Bootsmannsmaat M estcr, bic Obermatrose»: r a n s, L o - bi»: th und G r o st k o p f, die Oberheizer Koch, G l e:»: u»:b Vego, der Matrose Mullin, die Maschinisten-Amvärtcr Speckie,: und Cortes Mer leck. Der Matrose Heid er soll schwer verletzt sein. Ter eigentliche Konrmandant Kapttänlentnant v. S n ft r o iv war in der letzten Nacht nicht a»: Bord an­wesend und entging somit dem Tode. Das Boot wurde ge­führt von Oberleutnant z. S. Pies. Auster diesem :st auch Oberleutnant z. S. Schede ertrunken.

Das Torpedoboot S 178 gehörte zu denen, die im Juli v. I. den Rhett: besucht hatten. Das Torpedoboot S 178 zählt zi: den modernste»: Schiffen dieser Art in der deutschen Flotte. Es. »war in dem Jahre 1909 10 gebaut und bildete mit den Booten S 176, 177 und 179, bei: Booten V 180 bis V 185, G 174 unb G 175 eine aus 12 Schiffen bestehende Gruppe. Die lateinischen Buchstabe»: vor den Nummern deuten die Herkunft der Boote an; so sind bic 8-Boote auf der Schichauwerft, bic V-Boote auf der Vulkanwerst, die 0-Boote auf der Germaniawerft gebaut.

Die Entdeckung

einer vorgeschichtlichen VilLchauerwerkstötte.

Durch die reichen Funde der letzten Jahrzehnte ist uns die prä- historrsck.e Kunst als die erste uno idion bedeutsame Schönhettsschöp- fung der Mei:fchheit besonders nahegebracht »vorbei:; aber das Werden unb Entstehen biefer Kunsttverke war uns b:shcr ein Ge- heinrnis, und so bedeutet denn die Entdeckung einer Bildhauer- »uertftätte der Vorzeit eine einzigartige Vertiefung unserer Kennt­nisse, führt uns gleichsam zu ben Quellen b:eser frühesten Kunst-

Einer der bebeute»:bstei: französischen Archäologen, der Graf Begouen, hat nun in einer Grotte in Ton geformtcKilb- werke gefunden, die erfreu ihrer Art, die in bem Atelier e:ncs urgeschichtlichen Plastikers unausgeführt liegen geblieben smd. ,T:c beiben Bisons aus Ton, bic von den: Grafen unb »einen Söhne:: in einer Höhle bes Tue b'Audoubert in der Gemeinde von Montesguieu Avantös lAriögc) entdeckt wurden, befinden sich in einem vortreffliche:: Erhaltungszustand. Ueber seine:: hoch­interessanten Fund berichtet Begouen ausführl:ch m der franzö­sischen Zeitschrift L'Anthropologie. Im hinterste:: Wmkel eines der oberste»: Gange der Höhle, wenigstens 700 Meter vom Emgang entfernt, haben die' Statuen bisher ben Schlaf der ^ahrtau,enbc geschlimrmert. Ter Eingang selbst ist burch einen Wassergang versperrt, ben ein unterirdischer, hier wlcdererscheinenber Flust bildet Man must mit einem Boot etwa 60 Meter weit unter der Erde fahren, bevor man zu der Stelle gelangt. Tic Grotte besteht aus drei Stockwerken, von denen das cr»tc mit bem Waner auf demselben Niveau liegt. Heber eine steile Klippe von 2 Metern Höhe klettert man in das zweite Stochoerk, und von, biqein ge langt man burch einen engen Kami»: in bic dritte Etage. Hier geht es ai: mit einigen Zeichnungen geschmückten Wanden noruber in einen niedrigen Saal, dessen Hintergrund durch ^talattiten versperrt nrirb. Nacksdem drei Säulen dle»er Tropfsteingebilde niedergelegt worben waren, komtten bic Entdecker.durch eine enge Deftinnig in einen kleine»: Gang eindringcn, bcijeu, Boden nut Toi: bedeckt ist und 'Abdrücke vo»: menschlichen Fusttapfen, von Bärentatze»: und -Haaren bewahrt hat. Von hier aus kommt man in bei: Saal der Bisons.Tie beiden etatuen sind gegen einen Felsblock gelehnt unb trefflich ausgeführte Kunstwerke. Tas Tier, das; an erster Stelle liegt, ist weiblich unb mißt 61 Zenti­meter in der Länge unb 29 vom Bauch bis zur Spitze dcs'Hökcrs; bas männliche Tier mißt 63 unb 31 Zentimeter. Nur bic rechte Seite der Tiere ist vollendet; die gegen den Fels gelegte Seite ist

gelegt. Außerdem' sand man im vorige:: Juli einen Halsschmu^ aus 24 Ztznori enanhängem verschieben er Größe. Diesen Fundei schloß sich nun in: leisten Herbst bic Aufdeckung von 20 umsang, reichen Wohngruben an, von bene»: 12 systematisch ausgeräumt wurden. Wie Gruben zeigten, wie Pros. Wolfs nntteitt, un­regelmäßige Grundrisse und auch verschicde»:c Tiefen. Die größte Grube hatte eine £önge von 16 Metern und zeigte an ihrem! Rande 35 Psostenlöcker, die eine nach dem Innern zu geneigte Richtung hatten. Eine andere »veit kleinere Grube war von 15 Pfostcittöck ern umsetzt; eine dritte wies nur noch Reste von Löchern auf. Tie größte Grube enthielt verscknedene 2Sobn» räume, die tief in das Erdinnere reichten, unb drei Brandgräber. Auch im Ostlmfengebiet wurden bereits gleiche 'JSofrngrubenrefte entdeckt. Man hat es also hier mit einem vollständigen Dorfe aus der neolithischen Periode zu tun. Die aufgefundenen Töp­fereien zeigen die in der ganze:: Wetterau üblichen linearen Ornamente.

Max Reinhardt K i n o r c g i s s c u r. Professor Ma; Reinhardt hat sich der ProjcktionS-6>esellschaftUnion" als Re­gisseur für kinematographische Aufnahmen verpflichtet. Wie man erfährt, ist der geschlossene Vertrag vorläufig auf 3 Jahre fest­gesetzt worden. Professor Rnnhardt hat sich verpflichtet, m«in- destens ii: jeden: Jahre 4 Filrnbramen zu inszenieren. Er wird seine Tätigkeit bereite am 15. Mai aufnehmen und in der neuen Fabrik der Gesellschaft ii: Tempel Hof bei Berlin nach seinen Ideen einige Neuheiten inszenieren. Er ist verpflichtet, die ihm von der Gesellschaft vorgcschlagenen Dramen in Szene zu setzen, oder aber kinematographische Stücke, die er selber in Gemeinschaft Mit anderen Äutorn: verfaßt hat, der ProiektionsgeseUschaft zu­gänglich zu machen. MS Honorar erh flt R iuh rdt für jeden Film eine Mindesteinnahme von uo () Mark garantiert, die sich je­doch bei einigermaßen gutem Filmabsatz auf 80 000 Mark steigern kann, da ihm eine erhebliche prozentuale Beteiligung zugesicherk ist. Bei 12 Filmdramcn in den drei Jahren stellt sich also das Minii»:aleinkoinmen des Küirstlers auf 600000 Mark! Von den bereits vorliegenden Stticken si»:d zwei Dramen von Hofmannsthal und eines voi: Leo Grci»:er dazu bestimmt worden, die Grundlage für die erste»: Arbeiten Reinhardts auf kinenmtographischem biete zu bilden.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. In Wien ist der Terniathologe Prof. Dr. Schiff iw Alter von 61 Jahren gestorben.

Soweit uns bekannt ist, war das Boot etwa 75 Meter lang. Die Besatzung bestand, einschließlich Offlziere, aus 82 Mann. Das Boot verdrängte 650 Tonnen Wasser, entwickelte die lehr bedeutende Geschwindigkeit voi: 32,5 Seemeilen und konnte 180 T. Kohlen in sich aufnehmen. Die Maschinen lSchichautiirbincn) ent- ------- .

wickelte»: nicht weniger als 16 000 Pferdekräfte, machten also das Maß, die Obermaschinenmaate Boot reckt leistungsfähig. Die Hauptwaffc der Torpedoboote ' - 3 - ----k p

ist bekanntlick das Torpedoausstoßrohr, und zwar hatte das Boot drei dieser Rohre. Die übrige Bewaffnung bestand aus zwei 8,8-Zentimctcr-Schnellsei:erkanonen fron 35 Kaliber Länge unb zwei Maschinengewehren.

Kurz vor der Abfahrt aus Wflhclmshavcn nach Bremen empfing der Kaiser den Stationschcf Admiral Grafen v. B a u - dissin unb nahm b:e Mclbung über bic Katastrophe entgegen. Der Kaiser sprach ber Station sein inniges Beileib aus unb ordnete an, daß alle in: Hafen liegenden Schiffe auf Halb -

finden. Die Lichter waren nicht a b g e b l e n d e t, es war nicht bei einer militärische»: Uebung, sondern bei dqf ckkehr von einer solchen, -es waren auf beide»: Seiten im Kr^izer- und Torpedo­bootsdienst erfahrene Offiziere beteiligt. Der Kommandant von S. M. S. York ist Kapitän zur See Koethner, selbst so- »vohl ein erfahrener Torpedobootsfahrer als auch erfahrener Kreuzerkonin:andant, der vor der York einen kleinen Kreuzer be­fehligt hat. Das Boot S 178 war auch mit alter Besatzung bemannt, die schon im Vorjahre an Bord war. Die Mehrzahl der Offiziere war auch lange an Bord. Allerdings »vor der eigentliche Kommandant des Bootes, Kapitänleutnant v. Zastrow, nach einem Privattelegramm nicht an Bord, vermutlich also front Oberleutnant zur See Pies, der das Boot geführt haben soll, war auch schon im Vorjahre auf dem Boot kommandiert, und die Führung des Bootes wäre, wenn auch der Kommandant an,Bord gewesen wäre, wahrscheinlich bei dem einfachen Rückmarfch in den Händen eines Wachofsiziers geivesen. Für den Verlust sast^ der ganzen Besatzung »nuß man,die Erklärung dann suchen, daß ber Untergang ungeheuer schnell vor sich gegangen ist, dasz nahezu bic ganze Besatzung nach ber Hebung schon unter Teck war, und daß schwerer Norbwestfrurm herrschte, ber nördluq voi: Helgoland seine ganze Kraft ungehindert entfesseln konnte und das Ncttungswerk selbst an ben Leuten auf Deck, bte schwimmen konnten, kaum zuließ. Tic Rettung zedes ein­zelnen muß unter solchen Umständen sehr lange Zett bcan»pruchen, und für die ander»: ist es ii: der Kälte und ii: der brechenden See nicht möglich, sich lange über Wasser zu halten, unb fror allen Tinge»: können von dem rettenden Schiff nur eine b e} ch r a n k t e 3 ahl Boote bei schlechtem Wetter zu Wasser gebracht toerben. Ob nun bic Wetteiverhältnisse bei den: Unfall e:ne Rolle ge­spielt habe»: ii: der Gestalt z. B., daß auf dem Torpedoboot eine Störung an den Steuereinrichtungen oder an eiiicm anbern Mechanismus eingetreten ist, ob em sonstiges Versehen oder Veisck'ulden vorliegt, darüber läßt sich eine begründete Meinung

Aeußerungcn des Großwesrrs.

Koustantinopcl, 5. März. In einem Interview qab ber Großwesir folgende Erklärung ab: Die Unter­zeichnung des Friedens ist nicht, wie versichert wird, un­mittelbar bevorstehend. A d r i a»: o P c l i st nicht abge­treten worden, wie man sagt. Wahr ist, daß die

politische»» Teil: August

General-Anzeiger für Gberheffen ssss

fri^b^^agesnmnmer ^^at1on§druck und Verlag derVruhl'schsn Univ.-Vnch- und Steindruckerei R. Lange. Reöattion, Lrpedition und Druckerei: Schulstrahe Land": E.Heß; für den vis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Sahnhosstrahe 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

mast flaggen.

Die Ursache des Unglücks.

Von einem rnarinctechnischen Mitarbeiter toirb bem B. L.-A. geschriebeii: Eine Erklärung für das folgenschwere Unglück, das S 178 mit so vielen Menschenleben in ber vergangenen Nacht auf bem Meeresgrunbc gebettet hat, läßt sich noch nicht

Der Untergang des Torpedobootes S (78.

Wieder einmal beklagt uirsere Marine eine überaus, traurige Schiffsckatastzrophe, die nicht weniger als 67 braven Seeleute:: das Leben gekostet hat. Wir tonnten gestern nur die kurz«e Melduug mitteilen, die noch einen Irrtum enthielt; es war der deutsche PanzerkreuzerYork", nicht ein englisches Schiff, der das Torpedoboot entzwei ge­schnitten hat. Noch in der Nachmittagsstunde, nach 2 Uyck, war die Ursache, die zu dem Zusanuneustoß geführt hat, in Dunkel gehüllt; der Staatssekretär v. Tirpitz konnte dem Reichstag nur die Trauerkunde iiberbringen. Bei einer Menge von Feststellungen kann auch heute noch nicht gesagt werden, ob eine eigentliche Schul d vorliegt, ob einen ber führenden Seeoffiziere die schwere Berantirortttng trifft. Sämtliche Berichte über die Katastrophe des Torpedoboots S 178, auch die amtliche Meldung, teilte:: aber überein­stimmend mit, daß; das Boot, das von dem Kreuzer hinter dem letzten Schornstein getroffen wurde, und sich auf die Bäckbordseite legte, in wenigen Minuten gesun­ken ist. Auch das Torpedoboot G 171 im Herbst vorigen Jahres sank in sehr kurzer Zeit nach dem Zusammenstoß. Ebenso sind die Boote S 32 (August 1910), S 12 (März, 1908), S 126 (Nov. 1905), S 42 (Juni 1902), S 26 (September 1897), S 48 (April 1896), S 41 (August 1895) Usw. alle so unheim­lich rasch gesunken. Trotzderu bestehen, wie wir der Mit­teilung eines Berliner Sachverständigen entnehme:: können, für die Torpedoboote Schutzko::strukt:ons-Bor- schriften und Schotteneinteilung. Schon in den acht­ziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der da­malige Eheflonstrukteur der deutsche:: Marine, Wirkl. Geh. Admiralitätsrat Prof. Dietrich, bei den unter seiner Leitung angefertigten Konstruktionen stets die Bedingung gestellt, daß ein Schiff schwimmfüßig bleiben müsse, wenn die Kolissiou gerade eine Schottwand treffe, wenn also zwei benachbarte Räume voHaufen.

Wenn «auch bei Kriegsfahrz!eugen nicht derselbe Mäßstäb der persönlichen Sicherheit angelegt werden darf, wie bei Han­delsschiffen und PassagieÄompfem, so muß doch ander­seits bedacht werden, daß mifrer dem Unterseeboot kein Fahrzeug der Kriegsflotter gefährdeter ist, als das Torpedo­boot. Die außerordentliche Gefahr liegt vor allem darin, daß zwei so »begleiche Kampf kcut er-cd en, wie der Koloß eines Linienschiffes oder Kreuzers u n d d i e k l e i n e s ch w a ch e N:: ß s ch a l e d e s T o r P e d o- boots zusammen aus -und einfahren müssen. Die großen Kriegsschiffe sind immer riesenhafter geworden, der Zwischenraum zwische»: ihuei: immer enger. Das Tor­pedoboot aber ist verhältnismäßig tTcii: geb.ieben. Die Ge­schwindigkeit und die leben-dige Kraft der R.esen, an denen es vorbeihuschen muß, ist ins Ungeheuerliche gewachsen. Es ist also oft nur uvcl) eine Frage der raffiniertesten Geschick­lichkeit, ja manchmal überhaupt nur doch des G.ückes, »venu das Torpedoboot an der furchtbaren Guillotine des Linien­schiffsbugs ohne Fährnis vorbeikommt. Das Torpedoboot mutz klein fei»: und darf nur wenig über den Wasserspiegel hervorragep, um nicht von den zahlreick)ei: Geschossen eines von ihm angegriffenen Schiffes sofort zerschossen zu werden. Ferner muß das Torpedoboot einen Anstrich haben, der es möglichst wenig sichtbar macht. In diesen beiden Forde­rungen, der KVeinheit und dein unaufsäl.igei: Aeußer»: liegt aber wiederum die große Gefahr, von den Riesenschisfe»: der eigenen Seentacht leicht überrannt und getroffen zu werden.

Um so dringender erscheint für das Torpedoboot ein möglichst guter Schottenschutz, der ja nicht etwa