Allein nördlich von GüinÄdjina töurden 18Dörfer ein - aeä schert. Bischöfe und Geiseln wurden allenthawen sortgeführt. In Dedecrgatsch wurden 800 Notnbeln Kur Zahlung von Lösegeld gezwungen und 187 von ihnen, die sich nicht loskaufen konnten, fortgeführt. Frauen und Kinder, unter ihnen zwei Mädchen im Alter von sieben Jahren, wurden mißhandelt und mißbraucht und die Einwohnerschaft ganzer Dörfer niedergemetzelt.
Der Kaiser in Swinemunöc.
Swinemünde, 7. Aug. Der Kaiser besichtigte "heute morgen um 8 Uhr das zweite Schulschiff der Deutschen ^5chulschiff-Schülerverei7rigung./Das Schulschiff, welches ine Ueberwas serielle eines Linienschiffes darstellt, bietet eine Belegmöglichkeit für 200 Mann und ist auf einem von der Behörde überlassenen Platze im.Hafengrund in der Nähe des Liegeplatzes der „Hohenzollern" errichtet. Die anwesenden Schüler in Matrosenuniform standen in Parade. Der Kaiser ließ sich an Land Jnfanterieexerzieren vorführen, sodann in der Batterie Geschützexerzieren an kleinen Kanonen, welche zum Feuern mit Salutlartuschen eingerichtet waren. In der Batterie richtete der Kaisereinige Worte andie S ch ü l e r , in welchen er den Nutzen hervorhob, den die Betätigung für sie selbst und für das Vaterland hätte und betonte, daß die Bestrebungen der Vereinigung besonders geeignet seien, die Knaben zur Disziplin und Ordnung zu erziehen. Zum Schluß der Besichtigung richtete der Kaiser an den Leiter der Bereinigung, Kunstmaler G. Schmitt- Wilmersdorf, anerkennende Worte und sprach mit Oberlehrer Mülles, welchem das Swinemünder Schulschiff besonders untersteht, sowie mit einem Lehrer aus Hildburghausen, der sich hier wegen der Errichtung eines Schulschiffes in Hildburghausen informierte. Beim Verlassen des Uebungsplatzes spielte die Schülermusik den Holländischen Ehrenmarsch und die Nationalhymne. Der Kaiser hatte große Freude an den Hebungen und deren exakter Ausführung.
Der Kaiser wohnte von 10 Uhr ab dem Schießen des Fußartillerie-Regimentes v. Hindersin Nr. 2 bei und begab sich auf dem Wasserwege zum Leuchtturm, wo er sich westlich der Strandbatterie aufstellte. Hierauf erfolgte ein ein» stündiges Schießen in See auf schwimmende Scheiben. Ter Kommandeur des 'Fußartillerie-Regimentes Nr. 2, Oberst Wolff, erhielt den Kronenorden zweiter Klasse.
Ei» schweres Bootsunglück.
Die Kaisertage in Swinemünde wurden jäh unterbrochen durch ein furchrbares Unglück, das 16- Personen das Leben kostete. Mit dem Aufenthalt des Kaisers steht der.Vorfall n i ch t in ursächlichem Zusammenhang:
Swinemünde, 7. Aug. Heute nachmittag kenterte vor dem Swinemünder Strand infolge einer Sturmböe das Motorsegelboot „Friedrich Karl". Von den 22 Insassen konnten nur fünf gerettet werden. 16PersonenundderBootsführersindertrun- ke n. Das Konzert der Kapelle der Kaiserjacht „Hohenzollern" auf der Seeplatte wurde sofort abgebrochen. Unter dem Badepublikum, das zu tausenden den Strand umlagert, herrscht eine furchtbare Panik. Kurz vor dem Unfall war der Kaiser in seinem Automobil den Strand entlang nach Ahlbeck gefahren. •
Dias gekenterte Boot gehörte dem BootsbesitzerBau er, der ebenfalls ertrunken ist, während sein Sohn gerettet wurde. Das Unglück geschah zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags, einige Mlometer von der Seebrücke entfernt. Die Angaben über die Zahl der Toten schwanken noch. Als erster Ertrunkener wurde Landgerichtsrat Frank-Berlin ans Land gespült. Trotz li/^'tünbiger Wiederbelebungsversuche, die die Matrosen der hohenzollern" und Badeärzte anstellten, gelang es nicht, den Ertrunkenen ins Leben zurückzurufen. — Vermißt wird weiter sein zwölfjähriger Sohn, während seine 15jährige Tochter gerettet wurde. Ferner werden vermißt Kaufmann Goldemann -Berlin und sein Sohn, der Referendar ist, Kaufmann Brann- Berlin und sein Sohn, der ebenfalls Referendar ist. Drei Ungarn wurden gerettet, ein vierter befindet sich im Krankenhaus. Der Bürgermeister von Swinemünde, Badeärzte und sonstiges Sanitätspersonal sind am Strande. Regierungsdampfer sowie Motorboote sind in See gegangen, da man annimmt, daß einige Bootsinsassen von Fischerbooten gerettet wurden, bisher sind aber nur die fünf bezeichneten Personen ein» getroffen.
In einer späteren Meldung heißt es: Die Namen der Geretteten sind: Kaufmann Albert Leucht, Wilmersdorf, Bootsführer Fischer Bauer sen., Werner Goldemann-Berlin, 19 Jahre alt, zwei etwa 19jährige Schüler aus Berlin, die ihren Namen nicht nennen wollen und Herr W e r n i - Halberstadt. Ertrunkenbezw. vermißt werden : Kaufmann Georg B r a h n - Berlin, Inhaber der Firma Wessel, Schulte u. Eo.-Berlin und dessen 20jähriger Sohn, ein Student, Kaufmann Julius Goldemann, der Vater des Geretteten, dessen Sohn Erwin, stud. jur., Kaufmann Willi H a a k - Berlin, Student Blank- Krakau, Land- ;erichtsrat F'r a n ck e - Berlin, dessen 12jähriger Sohn Hans, »er Fischer Bauer jun., der Sohn des Bootsführers, Gold- chmied Albert Porree-Spandau, und Frau Hedwig Kamprat -Altenburg (Sachsen-Altenburg). Es sind also fechs Personen gerettet, 11 siuo ertrunken, bezw. werden vermißt. Das Boot soll mit etwa 20 bis 22 Personen besetzt gewesen sein. Das Unglück geschah dadurch, daß es 600 Merer von Swinemünde in der Richtung auf Ahlbeck beim Wenden von einer heftigen Böe umgeschlagen wurde. Es war kein eigentliches Motorboot, sondern ein Segelboot, das mit einem Hilfsmotor ausge- r ü st e t war.
Deutsches Reich.
Der Reichskanzler ist am Donnerstag vormittag .aus Hohenfinow in Berlin eingetroffen und nahm nachmittags eine Reihe von Vorträgen entgegen und hielt sodann Besprechungen ab. Am Freitag vormittag halt der Reichskanzler beim Kaiser in Swinemünde Vortrag.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 8. August 1913.
Die Beerdigung des Professors Laspeyres.
Unter starker Beteiligung des Lehrkörpers unserer Universität sowie der Studentenschaft und vieler Freunde wurde gestern nachmittag der langjährige, frühere Nativ- nalökonom der Ludovieiana, Geh. Hofrat Pros Dr. Laspeyres, zu Grabe getragen. In der Friedhofskapelle hatten wie üblich die Chargierten der studentischen Korporationen mit ihren umflorten Fahnen Aufstellung genommen und eine zahlreiche Trauerversammlung füllte den stimmungsvoll geschmückten Raum bis auf den letzten Platz. Die
Leichenrede hielt Kirchenrat D. Schlosser, der seinen tiefempfundenen Worten den Text des 90. Psalmes zugrunde gelegt hatte und die Worte: „Schlag an die Sichel, ine Zeit der Ernte ist gekommen" und schilderte den Entschlafenen als einen geraden, aufrechten Charakter, der mit seiner einen empfindsamen Seele immer der Wahrheit nachgespürt )abe und von tiefer, innerlicher Religiosität erfüllt gewesen ei. Der Rektor Professor v. Eck. wtt>mete am Grabe dem entschlafenen Kollegen einen kurzen, herzlichen Nachruf und versicherte die Verwandten des innigsten Beileides des Lehrkörpers. Im Namen der philosophischen Fakultät sprach Prof. Dr. Sch Wally. Er schilderte die erfolgreiche Laufbahn des Verschiedenen, der schon mit 30 Jahren Ordinarius gewesen ei und sich namentlich als ausgezeichneter Statistiker einen Namen gemacht habe. Sehr herzlich und bewegt sprach Prof. Dr. Leist int Namen der juristischen Fakultät, indem er auf die engen Beziehungen zwischen Nationalökonomie und Jurisprudenz hinwies. Die juristische Fakultät sei dem Ent- chlafenen zu tiefem Dank verpflichtet, als dessen sichtbares
Zeichen er einen Kranz an der Bahre niederlege. Im Namen der Studentenschaft sprach der Vorsitzende des Anschusses stud. Bode (Germaniae). Von Korporationen waren erschienen: Die Burschenschaften Alemannia, German i a, F r a n ko n i a , die studentische Reformverbindung A d e l p h i a, die christliche Verbindung Wingolf, die Landsmannschaft Darmstadtia, der Verein deut- ‘ cf) e r Studenten und die Verbindung K a t t i a. Die Korps hatten einen Kranz gespendet. — Prof. Laspeyres ist übrigens nicht im Jahre 1863, sondern 1873 als Nachfolger des am 19. März 1873 verstorbenen Prof. Will) Stahl nach Gießen gekommen. *
" Ordensangelegenheiten. Der Großhcrzog hctt dem Kreisrat Freiherrn o. Starck in Erbach die Er- aubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom Prinzregenten Ludwig von Bayern verliehenen Verdienstordens vorn Heiligen Michael dritter Klasse erteilt und dein Rentner Sartorius, Hauptmann der Landwehr a. D., zu Lauterbach desgleichen für den ihm von dem König von Preußen verliehenen Noten Adlerorden vierter Klasse.
• • In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Hofheim Balthasar Bern ins auf ein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen
Dienste.
* * Eisenbahnpersonalien. Am 31. Mai d. Js. wurde den Lokomotivführern Karl W i t t i ch und Ludwig H c nß in Gießen: dem Zugführer Johannes Kaiser zu Gedern: dem Eisen- bahnuntcrassistentenJustus Keißner zu Schlitz: sowie den Bahnhofaufsehern Jakob Maurer zu Dietzenbach, Ludwig Brie gel zu Hattmannshain und Heinrich Kraft zu Niederoslcidcn, sämtlich in der Hessisck>-Preußischen Eisenbahngemeinschast, die unkündbare Anstellung verliehen. — Am 11. Juni d. Js. wurde dem Oberbahnassistenten Oswald Schäfer zu Vilbel die unkündbare Anstellung verliehen.
* * D e r Verband deutscher Rechtsanwalts - und Notariatsbureaubeamten, der seinen Sitz in Wiesbaden hat, hält in den Tagen vom 9.—11. August d. I. seine Hauptversammlung in Kassel ab. Dem Verbände, der sich über das ganze Deutsche Reich erstreckt, gehören nahezu 3500 Mitglieder an. Ms Vertteter der hessischen Bezirksvereinigung wohnen den Verhandlungen in Kassel die Bureauvorsteher Gaubatz-Darmstadt, Fehler-Mainz und Pieper-Gießen bei.
* * Aus dem Militär-Wochenblatt. Koettschau, Major und Lehrer an d. Kr.-Schule in Glogau, zum Stabe des Jnf.-Leibregts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 versetzt.
• • Eine Bekanntmachung über die weitere Amtsdauer von Vertretern der Arbeitgeber und der Versicherten beiden Versicherungsan st alten erläßt der Reichskanzler: Aus Grund des Artikels 4 des Einführungsgesetzes zur Neichs- versicherungsordnung hat der Bundesrat bestimmt: Die Frist, die in der Bekanntmachung vom 25. November 1911 (Zentralblatt für das Deutsche Reich 1911 S. 725) für die Amtsdauer der gegenwärtigen Mitglieder der Ausschüsse der Versicherungsanstalten, sowie der gegenwärtigen Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten in den Vorständen der Versicherungsanstalten (§ 76, § 74 Abs. 2 des Invaliden- Versicherungsgesetzes) vorgesehen ist, wird bis zum 31. Dezember 1914 verlängert. Berlin, den 12. Juli 1913. Der Reichskanzler.
• • Zum 12. Lucius 'sehen Familientag am 6. August hatte das Echzeller Forsthaus, der alte Stammsitz des weitverzweigten Geschlechtes, wieder einmal seine gastlichen Pforten geöffnet. Am Vormittag trat unter Leitung des Seniors, Präzeptors Julius Lucius, der Familienrat zusammen, um sich mit den die Gesamtfamilie angehenden Fragen (Lucius'scheS Stipendium, Verbandsvermögen, Familienblatt) zu befassen. Die große Zahl der Teilnehmer — 54 — legte Zeugnis ab von dem erfreulichen Familienbewußtsein, das gerade auch das junge Geschlecht erfüllt. Gerne nahm man die Einladung des Präzeptors an, auch den nächsten Familientag im Sommer 1915 auf dem Forsthause abzuhalten.
* * Jungdeutschland. Der Hessrsche Landesverband Jungdeutschland hat in seinem abgelaufenen (ersten) Geschäftsjahr aus dem ihm vom Ministerium aus dem Staatsfonds für Jugendpflege, sowie aus den von verschiedenen Verbänden und Gönnern zur Verfügung gestellten Mitteln 80 Vereinen Unterstützungen gewährt. Bedacht wurden in erster Linie Turnvereine, ferner Wander- und Sportvereine, sowie Jugendabteilungen von Stenographen- und Handlungsgehilfen-Vereinen. Außerdem haben auch einzelne Bezirksorganisationen des Hessischen Landesverbandes Jungdeutschland aus Mitteln ihrer Mitglieder- beiträge ober, den ihnen von den Kreisen gewährten Zuschüssen ihren angeschlossenen Vereinen Beihilfen bewilligt. Die beiden Landesverbände der konfessionellen Jugendvereine, welche ebenfalls dem Landesverband Jungdeutschland angeschlossen sind, hatten vom Ministettum je einen besonderen Fonds zur Unterstützung ihrer Vereine erhalten.
* * Gemeindesteuer. Es wir darauf aufmerksam gemacht, daß im Monat Juli d. I. das 2. Ziel Gemeindesteuer und Kanalgebühren zu bezahlen war. Die Mahnung der Rückstände erfolgt nicht mehr wie früher durch Mahnzettel, sondern durch die hiesigen Zeitungen. Wie wir hören, kann das 2. Ziel im Laufe dieses Monats noch ohne Kosten bezahlt werden. Um einem größeren Andrange an den letzten Zahl- tagen vorzubeugen, würde es sich daher empfehlen, schon jetzt die Steuer zu bezahlen. Die Stadtkaffe ist an jedem Wochentage von 8—12 Uhr vormittags geöffnet. Am 26. und letzten jeden Monats ist sie geschloffen.
* * Sonderzüge Nidda — Schotten. Aus Anlaß deS Schottener Sommermarktes am 11., 12. und 13. Aug. d. I. verkehren auf der Strecke Nidda—Schotten folgende Sonderzüge: Am 10. August Viehzug Nidda—Schotten- Nidda ab 1140, Schotten an 1232. Am 11. August: Personen - Sonderzug: Nidda ab 535, Kohden 541, Unter-Schmitten 54*, Ober-Schmitten 555, Eichelsdorf 602,
Rainrod 611, Schotten an 625. — Vieh züge: Schotten ab: 810, 940, 1140, ]55, 440; Nidda an: 855, 1026, 1224, 243,530. Auf der Strecke Nidda—Gießen und Nidda—Gelnhausen verkehrt am 11. August je ein Viehzug: Nidda ab 310, Gelnhausen an 453; Nidda ab 320, Gießen an 443.
’* Belohnung. Die Eisenbahndirektion Frankfurt a. Nb hat die ausgesetzte Belohnung für Ermittelung des oder der Täter, welche am 12. Juli ds. Js. zwischen der Bahnstrecke Laubach und Laubacher Wald zwei schwere Steine auf das Schienengleis legten, von 300 Mk. auf 5 0 0 Mark erhöht
** Diebstahl im Eisenbahnzug. Der Zuschneider Sievers von Gießen stieg in der Nacht von Sonntag zum Montag in Kassel in den die Station um 2.50 Uhr in der Richtung Frankfurt verlassenden v-Zug in ein Abteil 3. Klasse ein. Er saß allein im Abteil und schlief. Da der Zug erst wieder in Marburg hält, erwachte der Reisende erst bei der Einfahrt in den dortigen Bahnhof. Er griff in die Tasche, um sich eine Zigarre anzuzünden und entdeckte, daß er unterwegs um seine Barschaft von 180 Mark bestohlen war. Sofort bei der Ankunft in Marburg meldete S. den Diebstahl und machte darauf aufmerksam, daß der Dieb noch im Zuge sein müsse. Bei der Unsicherheit in den Zügen ist den Reisenden die größte Vorsicht anzuempfehlen, besonders wenn sie sich in den Nachtzügen allein int Abteil befinden, was tunlichst zu vermeiden ist.
Kreis Alsfeld.
Alsfelder Eisenbahnfragen.
— Alsfeld, 7. Aug. Von einem unserer Mitarbeiter erhalten wir die folgende Zuschrift, die an den neuen Bahnanlagen in Alsfeld scharfe Kritik übt. Da uns eine ausführliche Besprechung der Angelegenheit im Interesse der Stadt Alsfeld erforderlich scheint, stellen wir sie hiermit zur Erörterung., Ein mustergültiges Bauwerk bildet die im Bau befindliche Eisenbahnbrücke an der Grünberger Sttaße. Nicht besonders schön dürfte sich dagegen die ungeheure Krümmung gestalten, die die Straße fast in einem Viertelkreis von der Wirtschaft zum Anker bis in die Nähe der Wallachschen Brauerei erfahren soll. Man ist allgemein der Ansicht, daß nach so langwierigen Verhandlungen doch eine schönere Führung der Straße hätte erdacht werden können. Im übrigen nehmen die Bahnbauarbeiten einen sehr langsamen Fortgang. Während man in jenseitiger Richtung der Bahnlinie schon von der Vollendung spricht, ist man gerade in der Nähe und der Gemarkung Alsfeld doch sehr weit zurück. Wem ist nun diese Verschleppung zuzuschreiben? Die Eisenbahnverwaltung wird jeden Vorwurf entschieden zurückweisen, und in der Tat mit Recht. Wäre die Stadtverwaltung früher zu einem Entschlüsse gekommen, so wäre man auch mit dem Ban bedeutend weiter. Monate- ja jahrelang hat es gewähtt, bis man sich entschließen konnte, und das Ende vom Liede war, daß man ein Projekt genehmigte, das den früher vorgelegten an Zweckmäßigkeit, Schönheit und in bezug auf Kostenersparnis nicht nahe kommt. Allerdings sind die Schwierigkeiten, die sich dem Geländeerwerb, insbesondere dem von der Firma Gebr. Wallach entgegenstellten, für die Stadtverwaltung entschuldigend hervorzuheben, andererseits aber betrachte man sich auch einmal die Ausgabe von 50 000 Mark für ein altes, zu sonstigem Zwecke völlig wertloses Gebäude unter Hinzurechnung des von der Stadt zugegebenen wertvollen Geländes. Alle diese Ausgaben für die notwendig gewordene Zufuhrstraße, Erwerb des Beckertfchen Geländes, der allen Brauerei, der Austausch von Gelände mit der Alsfelder Möbelfabrik, die ihr Gelände mit dem dreifachen Werte als das der Stadt berechnet, der Brückenbau an der Grünberger Straße, der Aerger über die unschöne Sttaßenführung wäre den Bürgern erspart geblieben, wenn man den Bahnhof, wie von verschiedenen Seiten angeregt wurde, vor die Stadt hinausgelegt hätte, wo er auch für alle ferneren Zeiten erwetterungsfähig war. Vielleicht ist mancher schon jetzt anderer Ueberzeugung, wenn nicht, so doch nach 25 Jahren.
Kreis Schotten.
ft. Schotten, 6. Aug. (Gemeinderatssitzung.) AnwTscnb: Bürgermeister Kromm, Beigeordneter Zinser, die Gemeinderatsmitglieder Hofmann, Meiski, Pröscher, Schlitt, Weitz, Schlörb VIII., Zeunges und Schlörb V. — Als Beifitzer für die Gemeinderatswahl wurden Karl Schlörb V. und Karl Weitz, als Stellvertreter Louis Zeunges und Heinrich Eberheim: als Protokollführer Heinrich Steul und als Stellvertreter Sari Glock gewählt. — Die Kanalisation der Lohgasse und des Hohen- wiesewvegs von Schacht 1—4 und 3—13 wird nach dem von der Kulturinspektton Gießen aufgestellten Voranschlag über 6200 Mk. Trennsystem) genehmigt. Die Arbeiten sollen alsbald ausgeschrieben werden. — Die von der Bürgermeisterei entworfene Ottssatzung über die Verwaltung der Spamer-Borck-Stis- tung wird genehmigt. — Die von Karl Rühl und Hrch. Srb. Pröscher gegen die Stadt erhobenen Ansprüche wegen angeblich von der städtischen Wasserleitung stammenden, auf ihren Aeckern im Lug austretenden Waffers werden nach dem von der Kulturinspektton Gießen abgegebenen Gutachten abgewiesen. — Tie Arbeiten zur Umänderung eines Schachtes derWasser- Icitung am Lappenstem und sonstige kleinere Wasserleitungs- arbeiteu werden auf Grund 'des Unterbietwigsverfahrens dem Wenigstsordernden, Emil Zeschky in Schotten für 838,50 Mk. übertragen. — Die Wirtschaftsrechnung über das tm vorigen Jahre am Schießhorst erbaute Mietshaus imrd vorgelegt und mit 15 863 Mk. genehmigt. — Auf vorgebrachte Klagen soll den Anwohnern desLudwigsPlatzes strengstens untersagt werden, den Platz vor dem Spritzenhaus nut Wagen ober fonfhgen Geräten zu versperren, weil sonst bte Ausfuhr der Feuerlöschgerätk sehr erschwert wirb.
Kreis Friedberg.
h. Dorheim, 7. Aug. Beim Ernteeinfahren wurde hier ein Kind überfahren und bedenklich verletzt. — Auch im nahen Nieder-Florstadt gerieten zwei Kinder unter Fuhrwerke. Eins trug dabei Quetschungen am Bein, das andere einen Beinbruch davon.
Starkenburg und Nheinheffen.
t. Kelsterbach, 8. Aug. Dem Diebe, der neulich durch'Mn- bruch in einem hiesigen Uhrengeschäft für 500 Mk. Uhren fW, scheint man auf der Spur zu sein. Denn in Griesheim a. M. entdeckte man bei einem Arbeiter mehrere Uhren, die dem hiesigen Einbruch entstammen.
Hessen-Nassau.
t" Frankfurt a. M., 7. Aug. Der Magistrat beschloß, zur Ehrung des heimischen Freibeitsdichters 'Heribett Ra u an dessen Sterbehause, Gärtnerweg 57, eine Gedenktafe I anzubringen. — Die Strafkammer hat nunmehr gegen den Gpafen E. Hertzberg erneut Termin auf den 9. September angesetzt. Hoffentlich wiro der Herr Graf bis dahin Nicht wieder krank. Bei der neulichen Zwangsversteigerung etlicher Sachen des Grafen Tarnen auch etliche Manöverkisten, fest vernagelt, mit unter den Hammer. Als man die Kisten öffnete, lagen in ihnen verweste Hundeleicheu, die einen fürchterlichen Geruch verbreiteten. Ev waren die Lieblingshunde des Grafen.
Luftschiftahrt.
Der dritte deutsche Flugzeugstutzpunkt.
Ko b u r g , 7. Aug. Aus Anlaß der Einweihung des F l u erzeug stü tz p u n k t es sandte der Herzog folgendes Telegram man den Kais er: . .
Soeben habe ich den dtttten deutschen Fln^eugstutzpunkt ,einer Bestimmung übergeben können. Alle an der Schaffung des Werkes Beteiligten, sowie zehn Flugzeugführer mit den Beobachtungs- ofsizieren senden Ew. Majestät mit mir treue deutsche Huldigungs- grüste. Karl Eduard.
Der Kaiser antwortete: Ich danke .Mr und den versammelten Fliegern herzlich für die treuen Huldigungsgrüße und wünsche dem nationalen Werk fortschreitendes Gelingen.


