Erstes Blatt
165. Jahrgang
Zreitag, 8. August 191
GietzenerAnzeiger
®oet); iür .(xeuille- ton*, .fiemuldjtrt* und JBevid}t«{aai*: K, Neu- ' rntb: für unb * Land": (5.pes; für den
Anzeigenteil: H. Deck.
Nr. 184
Ter Sk^rer Anzelc; er e«ck>kint täglich, miver EonntaqS. - Kei'.aqeu: v e i innl ivöckenilich Oieh -erLmntliev^läNer, iii’rnnnl i-öcüeiill.Xreir. bkit f Hr öeo Kreis Siesten (Tiriistogiinb Trreifa«-» >: 'N eiinal monflil. tand- winjch»fUiche Seitfraqen , rrnu>ied}-v?brid3(üfie:
Vezu qavre» »: monatlich75D^ viertel- inhrtirt) Mk. 2.30 , durch Adhole- iu Zweigstellen nionallict) 65 Pf.: durch die Dost Dlk.2.— uiertel- jäbvL Deileltg.
Zeilenoreis: letal ait»mätTs 20 Mennig. Chefredakteur: A Goetz. Uerautivorlllch für den politlfcheu Teil: Auqusl
für die Redaktion 112,
SS General-Anzeiger für Gberheffen
ttr bu lafleJuunmc" Rotationz-ruck und Verlag öcr vrühl'schen Univ, vnch- und Zteindruckerei R. Lange. Reöaftion, Lrpedition Ab Druckerei: Zchulftrahe 7.
brö vornnt.ags 8 Uhr. Geschüfttstelle Büdingen, Bahnhofstraße \6a.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Dageskalcnder aus dem Jahre 1813.
8. August Metternich stellt Napoleon daS Ultimatum: Auflösung des Großher^gturnS Warschau, Rückgabe Illy rtens an £eficrteitf), Aufgabe des Protektorats über den Rheinbund, Wiederherstellung Preußens bis zur Elbe. Na polvrn lehnt ab.
Der Zriede von Bukarest.
Mit erleichtertem Aufatmen hat das geplagte Europa deri Friedensschluß von Bukarest begrüßt, der einer zehn- monatigen, ungewöhnlich blutigen und greuelvollen Kriegs- Periode ein Ende gemacht hat. Am 8. Oktober v. I. hatte der Balkankrieg mir dem Vorstoß Viontenegros gegen die Türkei begonnen, dem sich iw der Woche darauf Bulgarien, Ser- bien und (Griechenland anschlossen. Aber dem siegreichen Zkrieg .. r Balkanbündlcr, der durch den langen Waffenstill stano von Tschataldscha unterbrochen worden war, folgte dann als Satyrspiel der .dampf Aller gegen Alle, die Abrechnung innerhalb des Balkanbundes, die in der Rächt zum 1. Juli begann und am 31. Juli mit dem Waffenstillstand endete, der setzt zum Friedensschluß geführt hat. Zu einem Friedcnsschluß nicht auf Grund des Ausgleichs der tief gehenden Gegensätze, sondern auf Grund der allgemeinen Erschöpfung und infolge der Diktatur des einigen noch schlagfertigen Balkanstaates, Rumäniens
Indessen, tvvdurch auch der Frieden zustande kam, die .Hauptsache bleibt doch, daß er abgeschlossen ist, daß diesem ungewöhnlich blutigen Kwieqe, der das Wirtschastsleben von ganz Europa so schwer beeinträchtigt und geschädigt hat, ein (Sitbc bereitet worden ist. Mag auch die von dem Korrespondenten eines Mailänder Blattes aufgemacht? Statistik, wo nach in diesem Balkanschlachten— * ein Schlachten war s, nicht eine Schlacht zu nennen! — 400 000 Tote auf dem Felde geblieben wären, übertrieben sein, so muß, doch di? Zahl der Opfer ganz ungeheuer sein, menn man zu den auf dem ^chlachtfelde Gefallenen noch die aus Rationalitäten haß. relig. Fanatismus und anderen Beweggi-ünden Gemordeten hinzurechnet. Und was die Rechnung 'betrifft, daß die CKldvpser dieses Krieges sich auf 5 Milliarden Mk. belaufen sollen, so mag das gut und gern nur für die direkten Krtegskostcn gelten. Wer aber vermag die indirekten Kosten, die Wunden, die dieser Krieg dem Wirtschaftsleben geschlagen hat, ?^u berechnen! Die Balkaustaaten, auch die siegreichen, werden lange, lange Zeit brauchen, um sich autf) nur'einiger maßen von den geivaltigen Opfern, die ihnen dieser Krieg auferlegt hat, zu erholen. Am besten haben dabei noch die Griechen abgeschnitten, die sich in dem Bukarester Friedensschluß auf Kosten Bulgariens außerordernlich bereichert haben. Die gricdftsche Grenze geht nach den in Bukarest vereinbarten Friedensbedingungen von Belass in östlicher Richtung bis zur Mesta und verläuft dann an diesem Fluß, südlich, so dag Griechenland auch die heißumstrittene und strategisch wie wirtsckwstlich hock)bedeutsame Stadt Mana la erhält, während den Bulgaren immerhin ein Teil des Hinterlandes von Kava la sowie Makri und Lagos zufallen Ebenso wie Griechenland hat auch Serbien fast alle seine Forderungen durchgesetzt. Seine Grenze läuft von der alten bulgarischen Grenzlinie südwärts westlich von der Struma bis Belast und zwar so, daß ^donnschte, Istip, Mvtfdiana und der Berg Malesch serbis.ch werden, während Strumitza den Bulgaren bleibt.
Es fragt sich jetzt, tvas diese noch von der Türkei retten werden. Denn die Frage von Adrianopel ist durch
den Frieden von Bukarest nicht gelöst worden, und noch weiß man nicht, welches das Schicksal der heißumstrittenen, am 22. Juli von den türkischen Truppen wieder besetzten Festung sein wirb.
Wir erhalten heute folgende Meldungen:
Bukarest, 7. Aug. (Agence Roumaine.) Die Friedenskonferenz trat heute früh unter dem Borsitz Ma j or esc u s zusammen. Benizelos erklärte, daß sich Bulgarien und Griechenland vollkommen über die Grcnz- srage geeinigt hätten. Tokttschew gab die gleiche Erklärung ab. Majoreseu sagte, daß die Konferenz einen zeitlich un- beschränkien Waffenstillstand beschließen sollte, nachdem man sich -grundsätzlich über den Frieden geeinigt habe. Der Vorschlag wurde angenommen. Die Führer der Missionen übernahmen es, diese Tatsachen den Armeen zur Kenntnis zu bringen. Der Präsident erklärte, daß man keine Frie- denSZIräliminarien, sondern den endgültigen Frieden unterzeichnen müßte. Er schlug vor, jedes Vanb möchte Delegierte bezeichnen, die das Protokoll zu redigieren und den Friedensvertrag vorzubereiten hätten. Es wurden dazu bestimmt: Radeff, Spalail'owitsch, Politis, Matanovitsch, Pissosli und Fililti. Die Konferenz beschloß, in der Rachmittagssitzung alle Fragen über die gegenseitige Be Handlung der Schulen und Kirchen und die durch den Krieg, aber nicht direkt durch Waffengewalt erwachsenen Schäden zu erörtern. Auf Vorschlag von Benizelos wurde General Eoanda zum militärischen Sachverständigen für alle Fragen ernannt, die sich bei der Redi- gicrung des Friedensvertrages erheben könnten. Man hofft, daß der Vertrag am Samstag unterzeichnet wird.
Bukarest, 7. Aug. Es verlautet, daß über den bulgarischen Vorbehalt folgende Vereinbarungen getroffen wurden: In der Sitzung der Konferenz wird Majo resen eine Rote Oesterreich-Ungarns unb Rußlands verlesen, in welcher beide Länder sich die Revision der Frie- denSprotololle Vorbehalten, hierauf wird der bulgarische Delegierte Tontschew mitteilen, daß Bulgarien unter dem Zwange der Verhältnisse das Friedensprotokoll unterzeichne, aber hoffe, daß die Mächte in der Revision den berechtigten Wünschen Rechnung tragen. Gleichzeitig werden alle auf der Friedenskonferenz vertretenen Staaten erklären, das; sie die Zurückdrängung der Türkei auf die von der Londoner Konferenz festgelegte (Grenze Enos- M i d ia wünschten. Diese Erklärungen sowie die Vorbehaltserklärung werden in einem Annex zum Friedensprotokoll niedergelegt.
Die im Friedensprotokoll festgesetzte Grenze zwischen Bulgarien undGriechcnland beginnt westlich des Belaschitzagebirges, zwischen Strumniya und Toi- ran, verläuft dessen Kamm entlang nad) Jürükleri bis zum Torfe Topolnitza, geht bann über den Strumaflnß nach Kodscha Tschiflik, Tschengane, Kalesi zur Kuppe 1800 und zum Dorfe Lowtscha, von dort südwärts zu den Kuppen 060, 1150, weiter zum Torfe Pentza, nordöstlich zum Gipfel Karakowa, von dort südlich bis Tsd>adirtaja, nördlich nad; Awlikadak, südlich zum Gipfel Kajindschal, zu bcu K.ippen 1587 ui ? 985, rach Karo wo unb den Kuppen 1177 und 1845, dann füblid) zum Gipfel Techigla, weiter über bas Rnjen- Plateau zur Eisenbahnstation Ottschiler unb ben Karasu entlang bis zum Meer.
Die serbisch-bulgarische Grenze beginnt in der Westecke des Belaschitzagebirges, geht im Bogen zwischen der Strumnitza und Radowischte auf der Dassersd)eide zwischen Struma und Wardar bis zur heutigen Südgrenze Bulgariens.
Die Politik des Grasen Vcrchtold.
Die „Wiener Allgemeine Zeitung" fdireibt: Fetzt, ivo auf dem Balkan die Waffen ruhen werden, setzt eine Periode eifriger Arbeit für die europäische Diplomatie ein Ter Bukarester Vorfriede steht, dies läßt sich schon heute konstatieren, mit den beiden von Oester- reid)*Ungarn schon vor Beginn der Verhandlungen aufge- steUten Prinzipien im Widerspruch, daß Bulgarien nicht gebemüti gt und nicht aus Zen trat maze- donie n verdrängt werde. Es trtrb die Ausgabe Oesterreichs-Ungarns, und soweit andere Mächte aus dem gleichen Standpunkt stehen, auch dieser .Mächte sein, den erwähnten Prinzipien Geltung zu verschaffen.
Tas „Berliner Tageblatt meldet aus Wien: An unterridjteter Stelle wird erklärt, Eefterreid) betrachte dir Vardarlinie als die richtige Grenze, auf bereu Fest- ft-tzung bei den kommenden Verhandlungen der Großmächte hingearbeitet werden soll. Deutschland scheint her Revisionsidee nicht geneigt zu fein, dürfte sich aber von den Verhandlungen nicht aussd)ließen.
DaS italienische Urteil über den Frieden.
Rom, 7. Aug. In Besprechung des Bukarester Friedens hebt bi( „Tribüna" hervor, daß der Frieden in der ganzen Welt allgemeine Freude beroorrufe. Einige Fragen, schreibt bis Blatt, bleiben iiod) zu lösen, wie z. B die Feststellung der Südgrenze Albaniens, die Bestimmung der serbisch bulgarischen Grenze und die Lage in Mrianopel, aber man muß hoffen, daß auch sie irrrbeit gelöst werden. Italien beglückwünscht sich, daß. es zu den erlangten Erfolgen beitrug. Es hält sich stets gegenüber den Kriegführenden in derselben billigen Gesinnung, ist günstig jedermann und von dem Wunsche für Jedermann erfüllt, die Rationalitäten zu entwickeln und für sie politische und tvirtschaflliche Unabhängigkeit zu erlangen, freute, während Europa sich anschickl zu prüfen, ob in den Abmachungen be5 Bukarester Vertrages etivad enthalten ist, was seine Interessen verleben könnte- setzt Italien seine Be mühungen in der Richtung fort, jede isolierte Aktion zu verhindern, die dem Friedensgedanlen tut allgemeinen schädlich sein nnd dem von Italien geübten Brauche insbesondere widersprechen würde.
Die Großmächte und die Türkei.
Konstantinopel, 7. Aug. (Reuter.) Tie Botschafter' der sechs Mächte besuchten heute mittag einzeln den Groß- wesir und überreichten Verbalnoten wegen der Frage von 'JlbriaHOpcI, worin die Türkei aufgeforbert wird, ben Be r- t rag von Londo n*z u respektieren.
Gofia, 8. Aug 9ln zuständiger Stelle will man Anzeichen dafür.haben, daß die Türkei über Adrianopel hinaus einen Vorstoß plane, offenbar, um dadurch ein Pfand zu gewinnen, damit sie auf den dauernden Besitz Thraziens Anspruch erheben könne.
K o n st a n t i n o p e l, 7. Aug. Tie identische Rote der Großmächte über die Adrianopeler Frage wurde heute dem Großwcsir übermittelt.
Ein Schutz- und Trutzbuiidnis der Baltanstaaten?
Die „Berliner Morgenpost" veröffentlicht aus Belgrad folgende, nickst sehr glaubhafte Meldung: Der Friedensvertrag soll angeblich eine Abmachung enthalten, nach der die Balkanstaaten mit Einschluß Rumäniens ein Schutz- und Trutzbündnis ab- schließen, alle gemeinsam gegen jeden vorzugehen, der einen von ihnen angreift.
Bulgarische Grausamkeiten.
Saloniki, 7. Aug. (Agence d Athenes. Die mit der Untersuchung der hu lga rischen Grausamkeiten betraute parlamentarische Kommission faßte einen Bericht ab, aus dem hervorgeht, daß die Bulgaren vornehrnlid) in der Gegend von Gümüldjina und von Dedeagatfd) Griechen und Mohammedaner fystematisdi aus dem Lande vertrieben und die von ihnen bewohnten Törser einäschertcit.
Sorlifks Doppelgänger.
Garfnlc bat viel unter einem Doppelgänger ;n leiden gehabt. Nickt etwa, daß ihm dieser äußerlich geglichen I:ättt; aber er trug zunäckist den gleickten Namen wie er, Thomas, und hotte außerdem tue gleiche franbf(f)rift, so daß die Schriftzüge der beiden kaum voneinander zu unterscheiden waren Tie vielen Verwechs lungen haben Carlyle sehr erbittert. Zn seinen „Erinnerungen ' äußert er sick» einst darüber:
„Mein Doppelgänger, Thomas Carlyle, Advokat, ist soeben gestorben, froftentlich sind jetzt die zahlreichen gewollten und im gewollten Verwechslungen mit dieser dummen und eil len Pcrsön licksteit — die mich übrigens allen Ernstes ..Annchrist" getauft hat — wie z. B der Verkauf seiner Broschüren unter meinem Rainen, der Empfang meiner Briefe durch ihn und umgekehrt, ganz besonders die Diners in der Englischen Gesandtschaft ,n Berlin zu Ende." And» in, einem Bries an seine Gattin hat karlvle zu seinem Doppelgänger unb namentlich zu dem im Tagebuch angeführten Diner in Berlin, Stellung genommen: „Ilt os nicht fdhinblid) von diesem Individuum, diesem frohl kovs, die Gleichlwit der Namen zu benützen und sich an meiner Stelle ftnem zu Iaffen?" Ist dieses fdxirfe Urteil Corlvles über seinen Doppelgänger gereckufertigt? frenrn D'Avray bestreu?: es im ^Journal des T4bats", und will dem heftig bescholtenm Doppelgänger Genugtuung nerfd>rffen. Ter Namensvetter war der Erbe der Baronie von Tonborwald und wurde im Jahre 1803, also acht Jahre nach dem Geschichtsschreiber geboren. Er starb 1855,.also 26 ^ahre vor diesem. Beide waren Schotten aus der Graft'chaft Demtriessbire, beide mach:.'N ihre ersten Drudien in der Akademie m ?lnnan^wo der zukünftige Advokat mit Eduard Irving, der spater Die Sekte der Jrvtnatten gegründet hat, zu fammentam. Als die JrvinM'ch' Sekte ihre Lehre zu oerbrc::nt beschloß, wurde der Advokat Carlyle zur Evangelisation von Nord deutscktand ausgewählt. Er war zu dieser Ausgabe durch seine gute Kenntnis des Deutschen befähigt. Er lebte häufig in Berlin, wo er eine bedeutende gesellsäxtftlichc ALolle spielte. Er witrd? sogar Friedrich Wilhelm IV., der sich für die Irvingsche Lehre interessierte, vorgestellt: es ist also durchaus nicht zu verwundern, daß er bei dem englischen Gesandten am preußischen frof ein adaben wurde. Frau Bunsen, bei der er bäuftg verkehrte, be schreibt ihn in ihrem Tagebuch folgendermaßen: „Man war auf einen Betrüger oder auf einen Narren gefaßt, aber er war weder das eine noch das andere: sondern ein überaus liebenswürdiger rcnd intelligenter, und, wie ick glaube, durchaus frommer Mann." Carlyle, der sich übrigens selbst den „Apostel der Deutschem"!
nannte, hat über Deutschland ein Buch geschrieben: „Die mora ralischen Ersckreinungen in TeutsckstanD".
liefes Buch hat damals großes Aufsehen gemacht. Ter Aposteladvokat war ein fruchtbarer Schriftneller, was die Per- roed.flungcn mit dem anderen Cattyle vermehrte, frenrt) T'Abray faßt sein Urteil folgendermaßen zusammen: „Er war rin vornehmer Weltmann, ein vollettdeter Spradxmfenner, rin bedeutender Schriftsteller, ein Evangelist, dem Irving die seltensten Gaben und bedeutendsten Talente zuschrieb. Es fällt einem schwer, zu glauben, daß dieser Ehrenmann irgendwelckrer beabsichtigter Ber- nxdiilungcn fähig gcivefcn wäre. Er durfte dies in feiner Dtcllung als Apoitel fowiefo nicht riskieren, da er als Betrüger hätte entlarvt werden können."
— Die Erforschung der Nordsee. Zur Ausführung der von dem imernattonalen Rate für Meeresforschung aufge« »teilten Pläne hat am Montag das englische Echiff „frtawalha" die Ausreise in die Nordsee a Tigert et en, um hier während des Monats August umfangreiche hydrographische Beobachtungen vvr- zunehmen, die darauf abzielen, eine größere Kenntnis von der Bewegung der Dafsermassen in der 9t?rDice zu erlangen. Ter „frimnatba" ist als Beobachtungsplak, eine Meeresstelle zuge^ nriefen, die etwa 150 englisch Meilen nordöstlich von Lhi-elds liegt, während zugleich acht andere Beobachtungsschiffe verschiedener Rauonalitöten an beftinnmtn anderen Punkten des Meeres zu gleicher Zeit ihre bndrograpbifchen Wack wosten beziehen. Neben der. hohen wi'ftn,'chafrlick-?n Bedeutung, die eine methodische Er- fendung der Rordsceirtomungen besitzt, verfolgt der große internationale Forfckungsvlan in erster Linie praktische' Interessen. Tte an der Fischerei in ben nordeuropäischen Gemässem beteiligten Nanonen haben btc Kosten und Mühen der gemeinsamen ^For- ichungen Darum übernommen, roeil eine vervollkommnete Kenntni- der Nceeresttrömungen und der Wasserveränderungen Die Möglich- Feit erborwn la wn Richtung und Größe der Fisc^üge, von Denen der nl'.w?retoetrtcb abhangt, zu erkennen und zu erklären. Als ein klant'ckvs Betipiel mag auf die frerings'ischerri am Kattegat itnö am ^kagerak yingewiesen werden. Man tat beobachten fonnen, bap die Zunahme und Abnahme der frerntge in diesen Gewanern tm ^inarnmenbang stehen im: Dem Umfang der Döner- maucn, b,c von der Nordsee in die Ostsee rinfließen. Und dirie Beobackwngen gelten nicht nur für die freringsfischerei, die jüngsten Feststellungen haben ergeben, daß auch die anderen Fischereioetriebe ^udichwedens in ihrer Ergiebigkeit von den größeren ober kleineren Ai engen kalten salzwassers abhängen, die die Nordsee in die Ls^ee'
entsendet. Ter internattonale Rat für Meeresforschungen hofft mit der Zeit aus Grund der gemeinsamen Forsckzun^en der Fischerrinattonen das Material zusammenmbringen, aus Grund" dessen es in fünfngen Zeiten möglich würde, tue voraussichtlick»- Richtung und den Umsang der groß n Fischwanderungen voraus zu sagen, so daß die Fisckandusrtie die Möglichtrit gewänne, ihre Ernte zu vergrößern und auf der anderen Seite sich auf Jahve geringeren Fischreichtums bei Zeiten vorzubiwciten.
ff. Scrbid(iterarif(herunbmufifa(if(5er9ta<5* l a ß. Zur Iahrhundertfrier von Verdis Geburtstag soll der gesamte Briefwechsel des großen Komponisten herausgegeben werden. Seine Nichte, Frau Carrara, hat dem Komitee, das sich zu diesem Zweck gebildet Hatz alle ToTumeitle, die sich in dem Nachlasse ihres Onkels in Santa Agala gefunden haben, zur Veriügung gestellt. Es sind dies zunächst, in 5 großen Bänden zusammengebunden, die Enttvürke aller wichtigen Briefe, die Verdi zwischen 1840 und 1900 geschrieben hat und die sich hauptsächlich auf geschäftliche Angelegenheiten beziehen. Tann Tausenbe von Telegrammen, Billetts und Postkarten, die der Komponist erholten har Mehrere dieser Schriften stammen von Cavour und haben pohtudien Inhalt. Verdi war tm Jahre 1859 in Die Nationalversammlung von Parma gewählt worben: er halte für die Einverleibung dieses frerzogstums in das Königreich Vr^or Emanuels genimmt. Seine Wähler offerierten ihm deshalb btc Vertretung Larmes im ersten italienischen Parlamente von 1861. Verbi zögerte: vielleicht hätte er das Anerbieten zurückgewirien, wenn ihn Cavour nicht brieflich und bm* eine persönliche Unterredung in Turin zur Annahme bestimmt hätte. Außer der Korrespono-n', hak das Komitee noch andere interessante Schriften im Nachlaße Verdis gefunden So z. B. die Originalpartitur der „Aida"- Luvertüre unö rin Libretto zum „König Lear". Es ist oft, wie der „Menestrel" ausführt, behauptet worden, Verdi befasse sich mit einer Lear-Lper. Doch ist davon nur das Libretto vorhanden, das der Komponist selbst entworfen hat und das eine seltsame Mischung von Prosa unb Versen aufroeift. Tie interenantefte Arbeit aus bem Nachlasse Verdis, die man am wenigsten erwartet hätte, ist ein vollständiges Manuskript einer „Geschichte der Päpste". Wer hätte gehörig, daß der Komponist zwischen seinen Opern sich einem ausführlichen Geschichtswerk, dazu noch über diesen Swfft widmen würde.' Das Lebenswerk Verdis ist durch diese umfangreiche Arbeit um ein wichtiges Tofumeni vermehrt worden.


