Ausgabe 
7.6.1913 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. M

den

"ä 6c« 16. SA

««gs-Wettstm

ilt

Dom Jabot nnd seiner Geschichte.

Bom Gabentisch der neuen Mode.

bürgerliches Recht ist leider nicht in dem Maße All unseres Volles geworden, wie cs nötig und nützlich so tat sich die Notwendigkeit herausgestellt, daß die

zu geben.

Unser gern eingut wäre, und Gesetze in

Der heutigen Ziehung

m ^.?s Zentrum will die Bestimmungen über Feststellung des Vcrmogenswcrtes land- oder forstwirtschaftlicher Grundstücke folgen- dermapeu fassen: Bei Grundstücken, die dauernd land- oder forst«

Verkaufswert oder Ertragswert

bei landwirtschaftlichen Grundstücken?

f WWOftjä

Als ihre Hauptaufgabe sieht es unsere Frauen- rech t s schu tz stelle an, zwischen streitenden Parteien zu ver­mitteln und die vielen unnötigen kleinen Prozesse zu vermeiden.

Sie versucht es stets, ans beiden Seiten Entgegenkommen zu erreichenJund so gelingt es oft, geschehenes Unrecht wieder gut zu machen, Trennungen zu verhüten, Schroffheiten und Härten, der Gesetze -u mildern.

Tic Tätigkeit der Rechtsschutzstelle erstrecktz sich auf alle xG- biete des bürgerlichen Rechts. Natürlich ».wiederholen sich Fälle vvn Derselben Art häufiger, imd so besaßt sie sich hauptsächlich mit Sachen- und Familicnrecht, Streitig leiten aus Miet-, Dienst - und Werkverträgen, Ehescheidungen, Alimentationen d. h. Ver- vflichtung des Vaters, für ein uneheliches Kind mitzusorgen), Erbrecht ,Testamente), Strafrecht 'Beleidigungen), Auskunft über Versicherungen, Steuer, Aufsuchen Verschwundener, Wohlfahrts- etnrimtungen itflv.

In Gießen batte die Frauenrechtsschutzstelle im letzten Jahre 3 0 0 Besucher und 180 neue Fälle aufzuweisen, ein Beweis, daß die ins Leben.gerufene Einrichtung eine Notwendig 'eit _ und vielen in Unklarheit und Bedrängnis lebenden un- bemittelten Frauen und Mädchen eine Rettung in der Not bedeutet.

In nächster Zeit >vird der Allgemeine Deutsche Frauenvereiit noch über die Ausküifftsstelle für Frauenberufe, über die Brocken- '»mmltlng und über die Entwicklung der Iugendgruppe näheres berichten.

Tic Regierungsvorlage legt bei Grundstücken, die muernd land- oder forstwirtschaftlichen Zivccken zu dienen bestimmt ind, den Ertragswert zugrunde. Als Ertragswert b.a " nfundzw a nzigfache des Reinertrags, um Die Grundstücke nach ihrer bisherigen wirtschaftlichen Bestimmung bei ordnungsmäßiger Bewirtschaftung nachhaltig gewähren können.

''FABRIMI iellersweg &. c».

Erscheint tLgkkch n-.it Ausnahme des Sonntags.

DieSiehener Samilienblätier" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das «Kreislilflft für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen seit- fragea" erscheinen monatlirf) zweimal.

Franen-Rriirdfcbari.

Zur 27. Tagung

des Allgemeinen Deutschen Frauen Vereins in Gießen.

Gießen, im Juni.

In dem Artikel vom 5. April dieses Jahres, den die hiesige Ortsgruppe des Allgemeinen Tentsckx'n Frauenvereins veröffent­lichte, wurde auf die bereits von diesem Bereiil in unserer Stadt gegründeten wertvollen Einrichtungen auf sozialem Gebiet hin- gewiesen, und es ist Wohl für diejenigen, die den guten Be­strebungen Interesse entgegenbringen, erwünscht, näheres über die Art der 5inrid>tungcn zu erfahren. Es folgt daher heute eine Besprechung der

F r a u en r e ch t s s ch u tz st e l l e.

Die gemeinnützige Fraitenrechtsschutzstelle ist aus dem Be­dürfnis entstanden, dem Volke kostenlose Rechtsbelehrung und Hilfe

Te,ePhon 348

2e$

Redaktion, Expedition und Druckerei' Schul» straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: ^^112. Tel.-Adr..2lnzeigerGieven.

Der tvehrdeitrag int vudgetaurschuß.

: Berlin, 6. Juni.

Samstag, 7. Juni 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unürcrsuäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

,erben regiert, ü. nettflWflcn intB uttb billifl. ,

unb gleichzeitige Unterscheidung zwischen den verschiedenen Ein- kominensarten.

Ein Zentrumsre'dner beantragte in der von dem Be richterstattcr vorgeschlagenen Staffelung Einkommen über 200000 Mark mit dem zwölffachen Betrag in Ansatz zu bringen.

. Ein konservativer Redner versprach sich von diesem Znwtz ipcnig praktnchen Nutzen.

. A Der Ze n t r u msredner lehnte den fortschrittlichen 9{n-- rrag. Der die hohen Vermögen ganz -besonders behandelt habe, ebenso die sozialdemokratischen Anträge ab.

Nach einer Erwiderung des fortschrittlichen Redners erfolgte d c Abstimmung:

Der Moire-Stoss ist eines der hübschesten Geschenke, welche f^ßt bie Dame Mode ihrer getreuen Gefolgschaft auf den Gabentisch heurigen Sommersaison gelegt hat. Mit einem Schlage ist

stauen gestntetentzchL- toDorträne der (£ trißung und £an;.' '

fJctSDcrteilun^ z- mEelbeit Pyramiden j- uerwerh ausgeW c-

üatz Karussell, rr ßeavlatz ist mit £ Licht beleuchtet

Ter ttaWnSiM

. ... Einzelfällen erklärt und augemeudet werden. Es ge­schieht dies im allgemeinen in .vorzüglichw Weise durch unsere Herren Rechksanmältc Für die Unbemittelten versuchen bie Necktsfckiitzstellen Rechtsbelehrung zu vermitteln und auf die vielen sozialen Wohlfahrtseinrichtnngen hinzuweisen, die in den letzten Jahrzehnten entftanben sind.

den 16. Juni.

Frühschoppen an, ta r: Festzug durch den v atz Hieraus grohes? irträge und ?mu. w des Radsahrer^üiew

KZ V.

3n dieser Gesamtfassung wird bann der Antrag Westarp an­genommen.

an Ausschuß berät sodann die iveitercn Paragraphen des Wehrbe,träges. Nach § 14 wird das Vermögen der Ehe­gatten für die Veranlagung des Wehrbeitrages zusammen- rechn et, sofern sie nicht dauernd voneinander getrennt leben.

~lc Ehegatten und, falls ihr Bermögeii zusammenzurechnen ist der Staatskasse gegenüber als Gesamtschuldner der Abgabe verpslichtet.

Hierzu, liegen verschiedene Anträge vor. Ein Antrag Seih QC2t^^ons.1 will für Junggesellen, vom fünfunddreißigsten Lebensiahr an gcredmet, und für Männer, die n i ch t i nt H c e r e gebr ent haben, eine zeh n prozentige Erhöhung der Steuer nnfubren. Dieser Antrag wird gegen Die Stimmen der Konservativen abgelehnt. Angenommen wird ein Antrag dss Zentrums a n f B e r ü ck s i ch t i g u n g des Heeres- di en st es einer großen Zahl von Söhnen. Danach c r m a r i g t sich der Wehrbeiirag für den dritten und jeben m.'itcren ^-ohn, der feine gesetzliche Dienstpflicht abgeleistet hat

,lc Se hn Br os ent des Betrages, auch bann, wenn bic Ableistung der Dienstpflicht noch in den nächsten drei Jahren erfolgt.

Daraus tritt die Mittagspause ein.

.^mcn 111,0 als Schöpferinnen nnd Trägerinnen der modernen Mode stolz darauf, daß sie in diesem Reich al* un­bedingte Königinnen herrschen und dem ftärteren Geschlecht nichts 3ii verdanken haben. Würden sie sich jeooch in die geschichtlich« Entwicklung vertieren, so könnten sie feststellen, daß auch von dem, was sie heute als ihren eigensten Besitz belrach.ken, so manches von den Herren der Sck-öpfung erfunden worden isst. Zu Den k CLfcnbinflen' mtt denen sich heute die Frau allein schmückt und die doch früher nur vom Manne getragen wurden, g-bört das setzt wieder so beliebte Jabot, gehört all jenes verführerische ^pitzcnwerk der Halstragen und Halsirausen, das in den Meoici- Pierrot-, Robcspierrc- und andern Formen wicoer so reich auf> lebt. Htne Freude an rieselnden, gefältelten Volants und Rüschen Die uincrc Mode besonders erfüllt, ist zuerst im 17. Jadrhungert entstanden, dem goldenen Zeitalter der Spitze. Die Taille des Wamses markierten die Herren damals durch einen Kranz von schienen und Spitzen, brachten schließlich diesen seinen Schmuck, der aus bem offenen Wams herrorauoll, am Hemde an und nannten den so entstandenen Busenstreif Jabot, ein Wort, das zunäck-st den Kropf bei Vögeln bedeutet und bann auf dies aus ber rinnt heraustrerende Spitzengelröse übertragen wurde. Dieser ?-,na& .vanc^pitzonstoff stieg nun von ber Magengrube immer roher 1 inain bis zum Hälfe und dehnte sich, schließlich über den M ragen aus, der nun ebenfalls eine reiche Spitzenverzier.'ing er- me.t: es entstand die Halsbinoe, die den Namen Krawatte von den Kroaten trägt, bei denen man zuerst diese Binde bemerkt haben' sott. ebenfalls war ber Luxus oes Jabots und her strowotte ^nächst im Heere verbreitet' schon unter Ludwig XII! legten btc eolbatcn um sich gegen die Witterung zu schütze«, ein Stück gefälteltes Zeug um den Hals; aber große Mode wurde tx*r ^pitz.msckmuck erst unter Ludwig XIV., als die eleganten Steen« Ferien" aufkamen, deren Spitzen und Sch.'eisenprachf prächtig auf Die riruit^berniebcrflutetc; ihre Namen hatten sie von der be­rühmten schlacht, bei der die französischen Offizier', die fi* in ber größten Hast zum Kampf anlleiden muhen, keine strit nchr landen, die Binoe luavv und regelrecht nm den Hals "zu fegen lonbcrn sie unordentlich berumflartern ließen und so die Mode in Schwung brachten. Das Jabot hat bann als Teil her Herren- toilcttc, entweder zusammen mit dem Spißentalsnich "der ge­trennt von ihm, eine wichtige Rolle gespielt, dem Zeitstil sich anpassend, wogte es bald in majestätischen Massen über die Brust bald rieselte es tletn und zierlich her nieder, so in ber Epoche des ytoloTo. Aic Frauen eroberten sich biefe-t Schmu l in eine' -feit in ber hc ben Mannern möglichst ähnlich gekleidet gehen wollten,' s,v hnm tojbitam. ^eben Westen und Jacken führten

lic damals auch dw Krawatte und das Jabot in die Fraueittvacht

J-n£lra$r - <yabot nun bei den Herren immer winziger unb biskreter aurtrat, prangten die Tarnen in immer r ief' ren - xsn berJöerrentTacbt des Empires tritt über ber eichtgefaltelten Hemdbrust nur noch eine sehr schma! d raust hervor, ber beirfjcibene Busenstreif des Diederm i. ckostüms ist der letzte verhallende Nachklang ber pompösen Spir nherrlichtni, mit Der die Herren sich einst geziert. Tic Frauen hatten das Jabot ganz für stch erobert.

Budgetausschuß des Reichstages griff zu Beginn seiner Sitzung aut die gestrige Abstimmung über die Heran bcö Bernwgcns zuruck, speziell auf den gestern an­genommenen 1 ozialdem okr al i scheu Antrag, wonach ^"son-nmtt »ermögett bis, zu 50 000 Ml., deren Jahrcseinkoui- men 3000 Mk. nicht übersteigt, vom Wehrbeitrag befreit find, c r i d) t e r ft a 11 c r betonte, diese Forderung könne zu Harten suhren, da auch ganz geringe Vermögen zu dem Wehr- yeurag herangezogen würden, und doch würde nicht viel dabei herauskommen. Nach kurzer Aussprache, in der Einmütigkeir darüber zu Lage trat, daß bei der Vermögcnsbesteuerung eine untere Grenze zu ziehen sei, beschloß der Ausschuß, sofort die Beratiing ucv Paragraphen 31 in Angriff zu nehmen, ber bic Elnkommenbcsteueruiig für bic Zwecke des Wehrbeitrages betriffst, und dabei auch Die Frage der unteren Grenzfestfetzung zu regeln' Jin F 0 r,t I di r 1111 c r begründete seinen Antrag betreffend H e r a n z i e h n n g ber Einkommen von 5000 M a r t in einer einem Vermögen im zehnfachen Betrage des Ein vom nie i is entsprechenden Weise, erklärte sich aber bereit, nach bem Vorbilde eines nationalliberalen Antrags die untere Grenze des Einkommens '5000 Mark auf 7500 Ma rk he r ausz u s ctzen unb statt des zehnsachen Betrages den achtfachen Betrag einzusetzen. Dem General st en e r d i r e k t o r erschien ber fortschrittliche Antrag nicht an­nehmbar besonders mit Rücksicht auf bic einzelsstaatliche Veran- Tagung. Auch ein Z e n t r u in s r e d u e r stimmte dein fort 1rt)r.|ttiirneii Anträge nicht zu und erklärte es für unbedingt notig, ein gerechtes Verhältnis zwischen Vermögen und Ein- rommen zu finden Der Redner pflichtete einem konserva­tiven Antrag bei, der den f e ch s f a ch e n Betrag bet d"N unteren Eiiikommcn, den achtfachen bei den höheren Einkommcn der Berechnung zu Grunde legen will, unb beantragte bann im Interesse ber Privatbeamten: Auf Antrag des Beitragspflichtigen ist für die Erhebung des zweiten ober letzten Drittels die neueste Einkoinmeiistcuerveranlagnng zu Grunde zu legen, sofern diese gegenüber der ursprünglichen Veranlagung ein Wmiger von 40 und mehr vom Hundert ergibt. Ter fort - schr111liche Redner hielt inbeffen an seinem Antrag fest, der zwar keine ideale Lösung darftelle, aber manche gesetzgeberische Schwierigkeit aiis dem Wege räumen würde, indem die Steuer­behörde im Einzelfalle entfcheibe. Der Redner sprach sich gegen eine Staffelung des Einkommens aus, weil beim Vermögen ge­nügend stark gestaffelt werde. Ein n a t i o n a l l i b e r a l e r Red­ner gab seiner Befürckstung Ausdruck, der sortschrittliche Antrag werde zu unzälstigen Prozessen führen. Ganz falfd) sei es, ber Praxis die Lösung von Schwierigkeiten zu überlassen. Der Gedanke, das Gintonnnen bei der Bereckinnng durch Vervielfachen zum Vermögen umzuwandeln, erregte seine größten Bedenken weil das Einkommen so sehr verschieden in seiner Art sei

Die BermogenSfestkellung beim Handel nnd der Landwirtschaft. ... ~cr d.st d.9 ctaus s ch u ß verhandelte in der Nachmittags- litzung zunächst über den Stichtag für bic Ermittelung des Bermogenswertes. Die Vorlage bestimmt den Stand vom s ozembe r 1 9 15. Das Betriebsvermögen soll auch nach pent Stande am Schlüsse des vorangegangenen letzten Betriebs« s cranittelt werden, sofern für den Betrieb regelmäßige jähr­liche .nechnuiigsabfchlüssc gemacht werden Hierzu beantragt das Zentrum, daß für die Beitragspflicht und die Crmittclnng des riermögenswertes der ctand vont 31. De;ember 1913 maßgebend - \-I -lt?cnn bfr Beitragspflichtige auf Grund der handels- gefetzlichcn Bestimmung zur Führung von Handelsbüchem unb Aufstellung von Bilanzen verpflichtet ist, die nach den Vor

<1 c 11 0 s Handelsgesetzbuches ausgestellte

ri l l a n z D om 31. Dezember 1912 der Vermögcnssestftel- lung zugrunde zu legen ist. " der eine g r o "

?er Antragsteller will diesen Antrag, . . . .. .. - c r g ü n ft i g u ii g für bic Handels-

treue bedeute, nur bann aufrecht erhalten, wenn auch für b i e Landwirtschaft bic Vergünstigungen bes Ent' Wurfes aufrecht erhalten bleiben. Die Begründung des Eintrages liege darin, daß die Feststellung gewisser kausmän- Nlfcher Werte auf, anderem Wege sehr schwer möglich wäre.

, ~cr. S chgtzsekretä r verweist darauf, daß, auch nach denk irntmim bic Möglwlffeit bestehe, anstelle des Vermögensstandes am Stichtage den Stand am Schlüsse des letzten Betriebsjahres zu nehinen. Tic Volkspartei beantragt die Aenderung: Es kann bic Bilanz des letzte n I a h r e s anstelle der Fest- stellung des Vermögms am 31. Dezember 1913 gesetzt werden. kSö soll dadurch der Steuerbehörde doch noch eine Handhabe gegen offenbare unrichtige Bilanzen gewährt und im allgemeinen eine Erleichterung der Vermögensseststellung erreicht werden.

Ein. N a t i o n a 11 i b e r a 1 c r hält die Bedenken gegen das Zugriindelegen der Bilanz für nicht sffchhaltig. Tie starkeii Ab- idnetbungeii an Materialien, Maschinell nsw. seien durchaus be- rechtigt, denn in, Falle schlechten Gcschästsganges haben sie bei- lia^Cm ^nia^fr*a^cnlncr^ dRan sollte den Steuerpflichtigen noch die Möglichkeit gewähren, im Falle einer wesentlichen Verschlech­terung feit der letzten Bilanz den Nachweis eines geringeren Ver- nwgcn4 5u führen Auf Anfrage stellt der Schatz sekr c r fest, daß der Wehrbeitrag im Falle eines ft o n f urfed zu den bevorrechtigten Forderungen gehören würde. Ter An­tragsteller des Zentrums erklärt, sein Antrag baue sich int wesentlichen auf den Vorschlägen des Hansabundes auf Nach seinem Antrag könne die Regierung prüfen, ob die Bilanz handelsgesetzlich richtig aufgcftcUt sei, aber weiter soll das Prü- ungsrecht nicht gehen. Der Steuerpflichtige aber sollt' noch das Recht haben, im Falle einer Verschlechterung die entsprechenden Bewene beizubringen. Der Schatzsekretär wendet sich dagegen, daß nur einseitig der Steuerzahler das Recht haben solle, die Bilanz zugruiide Hi legen ober nicht.

Es wird a b g e st i m m t. Einstimmig wird als maßgebend für die Britragspflicht und bic Ermittelung des Vermögenswerte der Stand vom 3 1. Dezember 19 13 festgesetzt. Ein volkspartei11ch er Antrag, der bestimmt, daß bei Lanb- wirtschafts- und Gewerbebetrieben, bei denen regelmäßige jähr­liche Ülbschlüsse ftattfinben, der Vermögensfeftstcllung der Ver­mögens,tand am Schlüsse des letzten Wirtschafts- " ober Rech- nuligsiahrcs zu Grunde gelegt werden kann, nnrd durch eine Mehrheit der gesamten Linken angenommen.

ilnjtej . bequemes 1i» l#/ l. Qual., itilellri' " /

E-

,n7.JIus^

- _«* ^ensf***

nta9Ä^'?:

Das hiernach festgestellte Einkommen wird, wenn es nicht mehr als fünfzigtausend Mark beträgt, mit feinem sechsfachen, wenn es mehr als fünfzigtausend, aber nicht mehr als hunderttausend be­trägt, mit seinem achlsachen, wenn es mehr als hunderttausend Mark beträgt mit seinem zehnfachen und wie durch Annahme eines Antrages Erzberger hinzugefügt wurde bei mehr als zweihunderttausend Mark mit dem zwölffachen Betrage in Ansatz gebracht.

Beträgt das veranlagte Einlommen weniger als fünftausend Mark, so wird das Einkommen nur dann berücksichtigt, wenn cs einem beitragspflichtigen Vermögen hinzuzurechnen ist.

Zweites Blatt 165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Staatssekretär Kühn erwiderte: Der Regierungsvorlage am nächsten itefjc ber nationalliberale Antrag, der bei Einkommen non 7500 Mk. bis 15 000 Mk. minbestens eins vom Hundert als Wchrbeitrag fordert, von mehr als 15 000 bis 30 000 Mk mindeftms eins vom Hundert auf 15 000 Mk., zwei vom Hun­dert auf den Uebcrschuß und mehr als 30 000 mindestens eins jjn» Hundert auf 15 000, zwei bom Hundert auf fernere 15 000 Mark, drei vom Hundert auf den Uebcrschuß von 30 000 Mk Würde dieser Antrag abgelehnt, bann neige er dem, gestern mitgetcilten Anträge des Berichterstatters zu, warnte aber vor ju großer Differenzierung und bptontc, der Multiplikator möge möglichst niedrig gehalten werden.

Ein sozialdemokratischer Redner wandte sich gegen btc vorgeschlagene Gehaltsgrenze von 7500 Mk., weil dadurch das Gros der akademisch gebildeten Beamten, wohl 90 Prozent t»on der Steuer frei bliebe. Ter sozialdemokratische Redner be­gründete eingehend einen Antrag betr. höhere Durchstaffelung

Ter in der ersten Ausschuß-Lesung des Wehrbeitrages aus Einlommen gefaßte Beschluß Hal danach folgenden Inhalt: Tie Grundlage der Heranziehung des Einkommens ist die r.nnn1^ r tC£UIlr9 - 2'ie Fintommen sind bis zu Än abnabefren Vermögen, die den "Betrag von 30 000 Mk., und sofern der Pflichtige ein Einkommen von weniger als zweitaufend Mari hat, den Betrag von h'inhig tau fern) Mari nicct übersteigen, find beitragsfrei. Als Einkommen gilt das niedrig ste Einkommen der Steuerstufe, in nn?lcher okr steuerpflichtige unter Berücksickligung der persönlichen Vw haltnlffe zu r t n 1 o m m c n ft c u e r d e r a n( a g t ist Aus An­trag des Beitragfpffickffgen ist für die Erhebung des zweiten oder letzten Drittels bic neueste Einkommen­steuer v e r a n l a g u ii g zugrunbe zu legen, sofern diese gegenuber der Ursprunglickxni Veranlagung ein weniger von Ö \c <rr? 1 b c b r h 0 m hundert ergibt. Von den sest- gc,teilten Emlommeti wird ein Betrag abgezogen, der einer Vcr- zmiiing von fünf Prozent des abgabepflichtigen Vermögen--, ent- fprtcht.

Moire äußerst populär, aber nicht dos. was wirgewöhnlich"! zu nennen ^Pflegen, geworden, und es ist für dieGrande Tarne" in diesem Sommer schlechthin unerläßlich, in ihrem Garderoben I kranke eine Moirötoilette zu haben. Daß Moire so unter alten Stoffen den Vogel abschießt, ist wohl nicht erst in letzter Jtnic^ den bestehenden Eigenschaften zuzuschreiben, welche ihm die trabrifanicn gegeben haben. Die stetig wechselnden Farben- miatttcrungcn, bic einen der Hauptreize des Tafts bilden, hat, man kann wohl sagen, das Erfindergcnic der Fabrikanten auch dem Moire verliehen. Und außerbem ist auch sonst noch alles da, was einem ätonc Beliebtheit zu sichern imstande ist: Sckimieg- lamkeit, Weichheit, Zartheit und auch Haltbarkeit. Unentbehrlich für dieie ^ommertoiletten aber sind leichte Uebenvürfc; die Bezeichnung ^Mantel" ist nämlich auf diese Neuschöpfungen nicht anwendoar. Ter lose fti mono schnitt, meist stark geschlitzt, ist für biei' Gewand sehr beliebt. Und Ehannllnspitzen, besonders in Echwarz, geben das Material, das sich sehr gut-mit jeder dusligen Lommerrobe verträgt. Diese lommcrttchen Uebergcwänder trägt man aber auch in Moireatlas oder Tast. Meist sind sic dann ungefüttert, ober sie find mit Seidenmusselin unterlegt, das dann ui leuchtenden Farben glänzt. Selbst handgemalte Ver­zierungen weift dies^<oeiden-Musselin-Futier bisweilen aut: bc- soiwers modern sind Tiergcmälde. Strohhüte, regelrechte Stroh- hute fcheint bic Mode diesmal ganz links liegen lassen zu wollen. Anfangs trug man sie ja. Aber je mehr wir uns dem Zeitpunkt nähern, an dem die Sommerntobe ans ihrem Gipfel steht, desto mehr verschwinden die Strohhüte, desto mehr müssen ne Tüllhüten und Hüten aus Samtatlas, die mit Tüll durch­setzt find, den Rang einräumen. Bei der letzten großen Mode- schan auf dem Rennplätze zu Longchamps war der Strohhut ver- ichwinbcnd wenig zu sehen. Svitzcn und Stickereistoffe i'ind, ie mehr die Sonne die sengenden Strahlen aus.die Erbe bernieber- sendet unb der Mensch unter der Llual der sommerlichen Hitze seuszt, bic allergrößte Mode. Lingcriekleidcr werden in diesem Sommer mehr denn je getragen. Und welcher riesigen Beliebtheit ftch Spitzen erfreuen, kann man daraus ersehen, daß Taschen Mutten, ja sogar Stiefel aus Spitzen auf den Markt gebracht werden, ^an zur Lingerietoilette ein Spitzensonnenschirm ge­hört, versteht sich von selbst. Ein geradezu unerhörter Lupus mirb diesmal in Handschuhen und Strümpfen getrieben. Hier mag eingeschaltet werden, daß es nichts Häßlicheres gibt, als wenn der Handschuh so prall sitzt, daß cs den Anschein erweckt, als bilde er eine Art Oberhaut Der Handschuh muß bequem sitzen, schon damit den Fingern ein gewisser Spielraum gelassen wird. Zum <ochneiderkleide trägt man gewöhnlich den Handschuh aus ;3i egen leben der neuerdings mit Sticfcrci ringen geschmückt ist. Ter Handschuh aus schwedischem Leder hingegen ist für die Toilette Vorbehalten. Was das Strumpfdepartcment anbetrifft To werden hier sozusagen täglich Neuheiten auf ben Markt ge­bracht. Bii den^extravagantesten dieser ftinher einer tollen Mode iaunc gehören Strümpfe, die an einer Seite mit gestickten ftnops- löchern versehen sind, durch die sich ein Scibcnbanb hindurch- schffmgelt, deren zartes Gelb gegen bas Weiß der Haut ab-