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4.12.1913 Drittes Blatt
 
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kraüsenbe Zustimmung im 3 en fr. nn5 TinTS.y Ich ^ntte Nicht erwartet, so sprechen zu müssen. Es stimmt gar nicht mit der Disposition überein, die ich mir gemacht hatte. Gegenüber diesen Ausführungen vom Rcgierungstische aus war es aber Pflicht und Schuldigkeit des er st en Redners aus dem Hause, der hier auf die Tribüne tritt, in entsprechender Weise die Mei­nung zu sagen. (Erneuter stürm. Beifall im Zentr. und links.) Die Abgeordneten drängen nach vorn und klatschen immer wieder zustimmend in die Hände.)

Nach diesen grundsätzlichen Darlegungen zu dem Ausgangs­punkt, zu dem Grundübel, der Leutnant behauptete, er habe mit dem Ausdruck Wackes nur gewisse Streitsüchtige gemeint. Ich kann diesen Behauptungen keinen Glauben bei messen. Er hat die Leute mit Wackes angeredet, sie mutzten sich mit dieser Bezeichnung bei ihm melden. Diese jungen Rekruten sind doch keine streitsüchtigen Elemente. Es steht auch fest, dah ein früherer Regimentskommandeur den Ausdruck Wackes verboten bat. Die­sen Befehl kannte auch der Leutnant v. Forstner. Alle Welt weitz auch was Wackes bedeutet. An sich ist das Wort nichts so Er­schreckliches. Rechts deL Rheines sagen wir zu den Linksrheinischen Wackes, und die Linksrheinischen sagen zu uns Schwob. Die Ge­schichte ist also ziemlich gleich. Der Ausdruck bekommt aber gleich einen gar,« anderen Charakter in dem Munde dieses Leut­nants mit der Stechprämie. Ich erinnere mich aus meiner Re­serveoffizierzeit in den achtziger Jahren an einen Premierleutnant, der zu einigen Leutenaltes Kamel" sagte. Er wurde von dem Obersten verwarnt und es wurde ihm erklärt, toeftn er von diesen Schimpfworten nicht ablasse, dann würde er die Folgen zu tragen haben. Die Elsässer haben auch das Recht sich zu verbitten, daß sie beschimpft werden. (Beifall.)

Sie haben das Recht, eine st r e n g c Bestrafung des Sünders zu verlangen. Wenn ihnen diese Gerechtigkeit^nicht zuteil wird, dann versagt der Gerechtigkeitssinn unserer Behörden. Man soll die Sache nickt zu leichi nehmen. In Freiburg be­zeichnete einmal ein berühmter Schriftsteller die Freiburger mit einem Spitznamen. Dafür wurde ihm eine Katzenmusik gebracht, die sich gewaschen hat. Die Polizei war so vernünftig, die Ohren zu schließen. Das wäre auch klug, wenn manche junge Leutnants das tun würden. Wir Freiburger haben einen Spitznamen ebenso wie die Karlsruher. Glauben Sie, datz das ruhige militär- fromme Freiburg es sich gefallen lassen würde, toenn, dort ein Leutnant so austreten würde, wie Herr von Forstner. Glauben Sie, datz es in Freiburg oder in Karlsruhe dann nicht ebenso zugehen würde wie in Zobern? (Beifall.) Wer das nicht versteht, wer diese Einsicht nicht hat, der hat keinen Blick in die Seele des Volkes getan, der hat kein Gefühl für das Gefühl des Volkes. (Stürmische Zustimmung im Ztr. und links.)

Man kann verlangen, daß sich niemand eine derartige Hand­lungsweise, auch von einem höheren Militär, als von einem jun­gen Leutnant gefallen läßt. (Lebhafter Beifall.) Im Manöver sagte einmal ein preußischer Militär: Die badischen Schweine haben uns alles weggesressen. Das ist sofort korrigiert worden, und der Mann ist sofort weggekommen. Glauben Sie, die Badi­schen hätten sich das sonst gefallen lassen? Aber die Elsaß- Lothringer sollen sich alles gefallen lassen. (Lebhafter Beifall bei den Els.) Tas ist unverantwortlich. Die wohlmeinenden Ele­mente im Deutschen Reichstag haben sich Mühe gegeben, durch Ge- tvährung o-er Verfassung die elsaß-lothringischen Verhältnisse zu bessern. Es ist schmerzhaft, wenn man dann von solchen Dingen hort. Die scharfmacherische Presse bringt Aeutzerungen, die ge­radezu unverständlich sind. Die Reichspartei sollte doch be­denken, daß gerade Zabern der erste Kreis war, der einen Ver­treter der Reichspartei in den Reichstag schickte, der sich mit bei­den Füßen auf oen deutschen Standpunkt gestellt hat. Wenn dieser frühere Abg. Höffel hier wäre, der würde die Reichspartei anders belehren. (Sehr gut!)

Run wird geschlossen, daß General v. Deimling dem Obersten den Rücken gestärkt hat. Es ist nicht notwendig, an ein ungerecht­fertigtes Eingreifen Deimlings zu denken. Wir sind alte Schul­kameraden, Konabiturienten und bis auf den heutigen Tag gute Freunde. Sie werden daher verstehen, wenn ich für ihn ein warmes Wort einlege. Ich weiß, er ist ein sehr schneidiger Herr. Es ist ja möglich, daß er sich im Ausdruck vielleicht einmal ver­greift. Er hat damals in der bekannten Reichstagssitzung m i t seiner Schneidigkeit und Forschheit keine gute Figur gemacht. (Große Heiterkeit.)

Ich dachte mir damals, wenn du nur deinen Säbel von der Seite gelassen hättest. (Heiterkeit.) Im übrigen habe ich Herrn von Deimling als ebenso einsichtigen, hochintelligenten wie bür­gerlich gesinnten Mann kennen gelernt, und wenn ich von den Geschichten höre, die man ihm bisher in Straßburg angekreidet hat, so sehe ich darin keinen Grund, gegen ihn zu sprechen. Es ist richtig, daß die neun Rekruten wegen Bruchs des Geheimhaltungs­gebots zur Verantwortung gezogen werden müssen, aber man sollte doch weiß Gott nicht dem dem gebildeten Leutnant alle möglichen Milderungsgründe zusprechen und sie den Rekruten verweigern. (Lebhafte Zustimmung im Zen­trum und links.) Nun sagt man, sie hätten ja den Beschwerde­weg. Lassen Sie mich doch mit dem Beschwerdeweg in Frieden. (Stürmische Zustimmung im Zentrum und links.) Ich selbst habe einem Vater, der mich wegen seines Sohnes um Rat fragte, der, sich im vollen Recht durch feine Unteroffiziere wegen Verunglimp­fung seiner sehr achtbaren Schwester beleidigt fühlte, den Rat gegeben: Warten Sie, bis Ihr Sohn vom Militär weg ist. (Stür­misches Hört! härt! und minutenlange Beifallskundgebungen.)

Daß weiß doch jeder, der militärische Erfahrungen hat, wie der Mann, wenn er sich beschweren würde, in Zukunft von dem betreffenden Unteroffizier kujoniert werden würde. (Stürmische Zustimmung im Zentrum und links.) Wenn der Leutnant von Forstner etwas über die Fremdenlegion gesagt hat und nicht über die französische Fahne, so kann man das schon immerhin begreiflich finden. Aber es muß doch merkwürdig berühren, wenn derselbe Herr, der des Abends im ©or:;i den feinen Mann herausbeißt, in der Kaserne einen Ton an fdjlägt, der eines gebildeten Menschen unwürdig ist. (Stürm Zustimmung im Zentrum und links.) Gewiß durfte die Bevölke­rung nicht den Offizieren Schimpfworte zurufen. Aber was das Militär darauf tat, steht in keinem Verhält- n i s zu der erlittenen Kränkung und verstötzt unter allen U m st ä n d e n gegen dasGeseh. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) Ein Leutnant hat nicht mehr Recht wie ein anderer Bürger, und man darf sich nicht selbst sein Recht verschaffen. (Stürmische Beifallskundgebungen.)

Der Reichskanzler hat sich ausschließlich auf die Berichte des Generalkommandos gestützt, von dem Bericht der Zivilbehörden haben wir nichts gehört. (Sehr wahr! im Zentrum.) Es ist doch klar, daß sich dieser Bericht des Generalkommandos nur auf die Aussagen der einen beteiligten Seite aufbaut. Schon der Inhalt ergibt die Färbung der Berichte. Ueber den An­fang der Ereignisse äußert sich das Generalkommando sehr genau, aber von dem Momente an, wo die Sache bedenklich wurde, und wo die Inhaftierung im Kellerloch begann, da fehlen alle Einzel­heiten. (Stürmische Zustimmung im Zentrum und links.) Und schließlich wurde ein hinkender S ch u st c r von einem Leut­nant mit dem Säbel verletzt. Das ist das einzige Blut, das ge­flossen ist. (Abg. Emrnel (Soz.): Das ist die Tapferkeit dieses Helden.) Ich nehme an, daß der Leutnant, wenn er sich nachträg­lich den Fall überlegt, erkannt hat, datz das keine Ruhmes- t a t war, falls der Fall nicht aus d e m G e i st entsprungen ist, der da zu herrschen scheint. (Stürmische Zustimmung im Zen­trum und links.) Der andere Aktschluß ist der, daß der Leut­nant mit bewaffneter Patrouille seine Zigarren und seinen Kakao einkaufen geht. Das ist die reine Don-Quichoteri e. (Minutenlanger stürmischer Beifall im Zentrum und links.)

Wie kommt nun die Regierung aus dieser Situation heraus, aus der sie mit dem Aufwand ganz geringer Mittel und geringer Weisheit hätte früher hcraus- kommen können? Der Grundfehler lag darin, oatz der Oberst von Reutter nicht die Einsicht hatte, daß dem verletzten Ehrgefühl des ganzen elsässischen Stammes nur dadurch Sühne zuteil werden kann, datz der Leutnant von Forstner sofort aus Zabern ver­schwindet. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) Ter Oberst hätte ihn nur vierzehn Tage auf Urlaub schicken sollen und in der Zwischenzeit wäre die ganze Sache zu regeln gewesen. Wer das heute noch nicht einsieht. Dem spreche i ch über- Haupt die Einsicht ab. (Minutenlange stürmische Zustim­mungskundgebungen des Zentrums und der Linken.) Ein solcher Keil darf in die deutsche Bevölkerung nicht hincingetrieben wer­den (Begeisterte Zustimmungsrufe), und wer das tut, weiß nicht, welche Verantwortung ihn trifft. (Minutenlange Bravo-Rufe links und im Zentrum.) Die Zivilverwaltung scheint man gar- nicht in die Lage verseht zu haben, irgend etwas zu tun. Doch darüber mag sick der Herr Reichskanzler mit Dem elsässischen Unterstaatssekretär auseinandersetzen I (Sehr richtig! links.)

Der Versuch IPgt nahe, bei diesem Anlaß auf die all­gemeinen Verhältnisse in Elsaß einzugehen, besonders jetzt, wo man die Diktatur in Elsaß-Lothringen wieder her­aufbeschwört und das mühsam errungene Verfassungswerk dis­kreditiert. (Hört! Hört!) Ich will aber diesem Versuche nicht folgen. Es handelt sich bier nicht nur um einen rein elsässischen Fall, sondern um einen solchen, der sich in ganz Deutschland an irgendeinem Orte unter ähnlichen Verhältnissen wiederholen würde. (Lebhaftes Sehr richtig! links). Die Entrüstung ist nicht be­schränkt auf daS linke Ufer des Rheins; sie macht sich geltend in dem ganzen Deutschen Reich. (Lebhafte Zustimmung.) Halten Sie sich nicht zu stark, um dieser Entrüstung leicht Herr zu werden, die Sie selbst verschuldet haben! Wir tvollen hoffen, daß noch in letzter Stunde die verbündeten Regierungen ans diesen Vorgängen und aus der Besprechung dieser Vorgänge hier im Hause die richtigen Lehren ziehen mögen. Nur bann kann für Elsaß-Lothringen und für unser ganzes deutsches Vaterland etwas Ersprießliches hcrauskommen! (Lebhafte stürmische und an­haltende Zustimmung im ganzen Hause.)

Preußischer Kriegsminister v. Falkenhahn

(mit lebhaften Zurufen empfangen): Der Ofsizier ist nach den einschlägigen Bestimmungen bestraft worden. (Zurufe: Wie denn? Lebhafte Unruhe.) Ich kann sagen, er ist sehr schwer bestraft worden. (Wiederholte Zurufe: Wie? Wie?) Ich kann darüber hier nicht sprechen. (Zurufe: Unerhört! und große Unruhe.) Im übrigen haben die Gerichte zu entscheiden. Es handelt sich um einen Fall, der auf disziplinarischem Wege nicht erledigt werden darf. Ich hoffe, daß das Gericht Anlaß nehmen wird, die Sache nach allen Seiten eingehend zu beurteilen. (Lachen linkst Der Abgeordnete Fehrenbach hat einen Ausdruck, den ich gebraucht habe, besonders angegriffen, als ich von beleidig­ten Offizieren auf der Straße sprach. Darin hätte eine Aufforde­rung oder eine Rechtfertigung für den Waffen- gebrauch eines Offiziers bei schweren Beleidigungen gelegen. Meine Herren, das ist nicht der Fall. (Zuruf: Man mutz das aber annchmcni) Wenn ein Offizier schließlich bei solchen Zu­ständen, wie sie tatsächlich waren, immer wieder beleidigt wird und bann zur Selbsthilfe schreitet, gezwungen wird, seine Waffe zu gebrauchen, um sich zu wehren, so ist das zu begreifen! (Leb­hafte Entrüstungsrufe andauernder Lärm und große Unruhe im ganzen Hause.)

Abg. Dr. bau Calker (Natl.):

Es war mir von vornherein schwer, hier zu sprechen, und der Reichskanzler hat es mir nicht erleichtert. Ich kann aber sagen: In ganz Elsaß-Lothringen, bei Einheimischen und Altdeutschen, herrscht E n t r ü ft u n g. Die Bedeutung dieser Vorfälle geht weit hinaus-über militärische Gesichtspunkte; sie ist eine Frage von höchster politischer Bedeutung. Bis­her haben nur Elsässer gesprochen und auf der anderen Seite ein Altdeutscher, dieser aber in ausgezeichneter Weise. Ich danke ihm für feine letzten Worte, die ein gewisses Symbol für seine Nachredner sind. Ich werde ihm folgen. (Beifall.) Der Kaiser hat mich an die Universität Straßburg geschickt, nicht bloß, um über Strafrecht zu lesen, sondern auch, um zu suchen, in diesem Lande zu arbeiten für deutsche Entwicklung und deut­sch e K u l t u r. Ich habe meine Aufgabe in diesem Sinne auf- gefaßt, habe 16 Jahre lang und im Sinne einer Versöhnung der Gegensätze gearbeitet, die ja immer noch nicht über­wunden sind. Das Recht der Elsässer ist selbstverständlich voll anzuerkennen, wie auch das Recht der Altdeutschen.

Die Beziehungen zwischen Elsässern und Altdeutschen sind heute aufs tiefste gestört durch diese Ereignisse. Ich kann mit Fehrenbach sagen: Auch mir ist meine Disposition über den Haufen geworfen! (Hört! Hört!) Ich lebte in diesem Land und für dieses Land, habe den Wunsch und die Hoffnung gehabt, dort zu bleiben und dafür zu wirken, daß auch meine Kinder in dem Lande arbeiten und für die Versöhnung sorgen. Jetzt steht man nach sechzehn Jahren wieder vor dem Punkt: Alles wieder kapr-t. (Hört! Hört!) Es ist mir beinahe zum Heulen gewesen in diesen Tagen, zu sehen, wie die Entwicklung wieder gestört ist. Auch Altdeutsche sind entrüstet über die Vor­

gang«. Ich muß ba"5 au'ssprechen, Senn ich nicht ein Unrecht alt meinem Vaterland tun will. Wir wollen nichts übertreiben, aber doch die Sache beim rechten Namen nennen. Man muß unterscheiden zwischen den Handlungen des Leutnants von Forstner, die der Reichskanzler mit Recht als nicht weltbewegend bezeichnet hat, und den anderen, die allerdings etwas Welt­bewegendes haben, daß das Militär an die Stelle der Zivilbehörden trat. (Lebhafte Zustimmung.) lieber den Gebrauch des Wortes Wackes" habe ich in sechzehn Jahren merkwürdige Erfahrungen gemacht. Einmal erklärte mir ein Student, er könne in seiner Verbindung nicht bleiben, weil man ihn fortgesetzt gemein be­schimpfe, ihnWackes" nenne. Ich mußte das charakteristisch finden und habe es auch dem Reichskanzler erzählt. (Heiterkeit.)

Dann erzählte mir ein Kollege, vor einigen 25 Jahren hätten sich die Studenten beschwert, daß man sie beim Militär immerWackes" schimpfe. Auch der Professor war erstaunt, aber er sagte sich, wer in einem fremden Land lebt, muß mit dem Lande fühlen. (Sehr richtig!) Er sagte es dem kommandierenden Ge­neral und dieser verbot das Wort durch Korpsbefehl. Allerdings wird das Wort auch in einem durchaus freundlichen Sinne gebraucht. Der Vater sagt zu seinen Kindern wohl: Ihr Wackesse! Aber das ist etwas anderes. Der Leutnant, der ja nur erst kurze Zeit im Lande war, brauchte nicht zu wissen, daß daS Wort als schwere Beleidigung empfunden wird. Auch von der Prämie vom Niedersiechen u :>. braucht man nicht viel Aufhebens zu machen. Aber beides ist instruktionswidrig, ebenso die Redens- art von der Fremdenlegion. Gewiß werden beim Militär Aus­drücke von der Landwirtschaft her gebraucht, aber die Form, in der hier von der Fremdenlegion gesprochen sein soll, ist doch im Munde eines Offiziers durchaus ungehörig. Die Rekruteninstruktion ist gewiß keine höhere Töchterschule, aber der Rekruten- ofsizier muß die Ansichten und Empfindungen richtig beurteilen können, sonst eignet er sich nicht für das hohe Amt, das ihm an- vertraut ist. Ich bin auch empfindsam in bezug auf des Königs Nock und will nicht, daß er sich die kleinste Beleidigung gefallen läßt. Aber wenn man ihn trägt, soll man nichts tun, was an« dere verletzt. Seien Sie ehrlich! Die Elsässer sind nicht immer ganz wählerisch in ihren Ausdrücken, wenn es sich z. B. um den AusdruckSchwob" und seine Zusammensetzung handelt.

Wenn die Militärverwaltung gleich erklärt hätte: Wir wissen noch nicht, wie die Ausdrücke des Leutnants gelautet haben, ge­gebenenfalls aber wird entsprechende Strafe eintreten, dann wäre die Geschichte ganz anders gekommen. Warum hat die Militär­verwaltung das nicht getan? Warum wieder diese falsche Prestige-Politik, die meint, daß sic die Autorität gesähr- bet, wenn sie ein begangenes Unrecht eingesteht. (Sehr gut!) ES ist umgekehrt: Man gefährdet die Autorität dann, wenn man ein Unrecht zu beschönigen sucht. (Zustimmung.) Darin liegt der schlimme Fehler der Militärverwaltung. Ich hatte erwartet, der Kriegsminister würde heute erklären: Ja, wir haben einen Fehler gemacht. Dann wäre volle Befriedigung gewesen, und dem Reichs­kanzler wäre seine schwere Arbeit erleichtert worden. Nach den Ausführungen des Kriegsministers hat das Militär sich selbst schützen müssen, weil die Zivilverwaltung versagte. Ich kann mit nicht denken, daß die Zivilverwaltung sich damit abfinden kann. Da muß etwas in Unordnung sein. Wenn die Zustände so wären, dann muß die Zivilverwaltung weg. (Sehr richtig!) Ich kenne den Statthalter Graf Wedel und verehre ihn in hohem Maße. Ich habe die Ueberzeugung, daß ihm wirklich Unrecht ge­schehen ist, wenn man sagt: Du mit deinen Zivilmännern vermagst die öffentliche Ordnung nicht zu schützen! Wir Soldaten müssen uns selber schützen; wir können ja nicht einmal über die Straße gehen und ruhig unsere Schokolade kaufen. (Große Heiterkeit.)

Es freut mich, daß der Kriegsminister im zweiten Fall selber erklärt hat: Wir haben nicht recht gehabt und haben das Gesetz überschritten. Was würde in einem solchen Falle im englischen Parlament geschehen? Ich habe die feste Hoffnung daß in Zukunft nichts geschieht, was die Freiheit des Staats­bürgers im ganzen bedroht. Aber es ist unbegreiflich, daß Leute in den Pandurenkeller gesperrt werden. Es handelt sich doch um eine gute deutsche Stadt, wo kaum ein Zehntel der Bevölkerung französisch spricht. Die Militärverwaltung steht auf einem anderen Standpunkt, die muß aber erst beweisen, daß sie recht hat.

Was wird nun geschehen? Wie denkt sich der Kriegsminister und der Reichskanzler die Zukunft des Landes Elsaß-Lothringen? Manche halten eine Militärdiktatur für das Richtige, eine Glatteispolitik, wonach Elsaß-Lothringer« nur ein einziges Festungsgelände toäre. Damit hat man noch niemals Erfolge errungen. Wir brauchen nur an ähnliche Fälle zu denken. Haben wir aber alle die Energie, eine solche Regie- ryngsmethode jahrelang Durchzuführen? Wir würden bald wie­der auf die alte Methode zurückkommen. Ich bitte den Reichs­kanzler dringend, hier zu erklären, wie die P l».ik weitergehen soll. (Zuruf links: Denn der das wüßte! Heiterkeit.) Gewiß kann sich keine Militärverwaltung gefallen lassen, daß sie be» schimpft wird. Soll aber immer ein Gendarm dabei stehen? Welche Maßregeln sollen also getroffen werden, um Elsaß- Lothringen nicht vom Deutschen Reiche abzustoßen, sondern um es näher heranzuziehen an unser ganzes deutsches Vaterland. Herr Reickskanzler, ergreifen Sie Maßregeln und nennen Sie sie, die uns eine glückliche Zukunft des Reichslande- verbürgey! (Lebhafter Beifall.)

Preußischer Kriegsminister von Falkenhahn:

Der Vorredner hat mich gefragt, wie ich mir die Zukunft Elsaß-Lothringens denke. (Großes Gelächter links und im Zentrum und Zurufe: Den Reichskanzler hat er gefragt!) Er hat auch mich angeredet (Widerspruch.) Ich kann nur über die militä­rische Zukunft sprechen. Wir werden in der Armee schon Ordnung kalten. (Beifall rechts, großes Gelächter links und im Zentrum.) Sorgen Sie dafür, daß der Geist, der sich jetzt i« der Bevölkerung bemerkbar gemacht hat, herauszieht. (Gelächter links.) Mehr kann ich nicht sagen. (Erneutes Gelächter links.)

Präsident Dr. Kacmps:

Eingegangen ist folgender Antrag: Albrecht (Soz.), Fischbeck (Vp.): Der Reichstag wolle beschließen festzustellen, daß die Be­handlung der den Gegenstand der Interpellationen bildenden An­gelegenheiten durch den Herrn Reichskanzler den Anschauungen de- Reichstags nicht entspricht. (Beifall links und im Zentrums

Das Haus vertagt sich.

Donnerstaa, 1 Uhr; Weiterberatung.

Schluß 6 Uhr,

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