Wirtschaft. Sie boten den deutschen Wehrpflichtigen 350 Frantz, wenn sie sich verpflichteten, mit ihnen nach Frankreich zu fahren und sich dem nächsten Werbcbureau zu stellen.
Wenn es To nicht geht, greifen die Werber zur Lift oder Gewalt, wie mir an dem oben erwähnten Fall gesehen haben, der durchaus nicht vereinzelt dasteht. In der Fremdenlegion finden unsere unglücklichen Landsleute harte Arbeit, schlechte Löhnung und strenge Strafen bei den kleinsten Versehen. Und wenn ein Legionär die Strapazen übersteht, so wird er mit ganz geringen Barmitteln aus Frankreich abgeschoben. Also sogar der Ehrenpflicht, für seine alten Fremdenlegionäre zu sorgen, entzieht sich das reiche Frankreich, das nach seiner eigenen Meinung an der Spitze der Zivilisation marschiert. Es ist unbebreiflich, daß es den europäischen Großmächten noch nicht gelungen ist, Frankreich zur Beseitigung dieses kultureUen Schandfleckes zu bewegen. 1 •<-— —— - j
Vom national iberalen Verein in Darmstadt.
bs. Darmstadt, 6. Jan. Ter nationalliberale Verein in Darmstadt hielt heute seinen zweiten Vortragsabend über politische Gegenstände ab. Ingenieur Schäfer sprach über die bayerische Politik. Ter Redner begann mit der Zeit der Auflösung des bayerischen Landtages und charakterisiert die Ag tatiou des Zentrums in dein Wahlkampfe, die in jeder Beziehung skrupellos gewesen sei. Er belegt dies durch Acußerungen der Zentrumspresse. Der Redner behandelte dann das Groß- blockabkommen. Er bezweifelt die Möglichkeit eines Großblocks, da das Zentrum eine Vormachtstellung in Bayern besitze, die ihm nicht streitig genracht werden könne, zümal bei ber' bestehenden Wahlkreiseinteilung, lieber den Frhrn. v. Hertling sagt der Vortragende, daß ein so gefestigter Charakter seine Ansicht nicht ändern könne; das falt er auch in seiner Tätigkeit bewiesen. Tie Jesuitenfrage sollte die erste Tat des neuen Ministeriums sein. Es wnr^e-ohne Frage hierbei der Versuch gemacht, die Reichsgesetze zu umgehen. Das Bestreben, alles in Bayarn zu konfessioualisieren wird von dem Redner besonders betont. Die Frage der Regent- scha't ist aufgegrisfen worden von den „Münchener Neuesten Nachrichten. Tas Vorgehen der Presse in dieser Frage wird von dem Redner scharf verurteilt. Die Bloßstellung der Krone durch den Brief an den Minister-Präsidenten sei auch eine Schuld des Mi- 'listervräsidenten. Auch die Frage der „Bayerischen Staatszeitung" schneidet der Vortragende an. Tie Tatsache, daß der Staat hier ein Privatunternehmen unterstützt, sei verurteilenswnrdig. Der Staat mißbrauche hier seine Macht. Der- Redner schloß, daß es die Ausgabe der Liberalen sein müsse, das Ministerium Hertling scharf zu bekämpfen. — Ter Vorsitzende der Versammlung, Tr. Osann, zog einen Vergleich zwischen Bayern und H esse n und kommt zu dem Ergebnis, daß in .Hessen doch mehr praktische Politik getrieben werde. Die Regentschaftsfrage und die Einrichtung einer Staatszeitung sei vom Redner doch wohl zu einseitig behandelt worden. Es sei doch zu begrüßen, wenn ein Ministerpräsident sich von der Parteipresse unabhängig mache. Tie Frage der Staatszeitung im Sinne des Tr. Osann behandelt auch der Rewrendar Tingeldey. Tie Bündnispolitik mit der Sozialdemokratie verurteilt Prof. Dr. Nestling.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 7. Januar 1913.
** Tageskalender für Dienstag, 7. Januar: Stadt- t h e a t e r : »Magdalena.* Anfang 8 Uhr.
Italienische Preffestimmcn.
Rom, 6. Jan. Die Ernennung des deutschen Botschafters v. I a g o w zum Staatssekretär des Auswärtigen 'wirb von sämtlichen Blättern aufs wärmste begrüßt.
„P o p o l o Roman o" schreibt:
Wenn uns ein wenig Egoismus erlaubt wäre, hätten wir keinen Grund, uns über die Beförderung Jagows zu freuen, da sie uns nicht nur eines sympathischen und illuftren Vertreters einer befreundeten Nation, sondern eines der aufrichtigsten Freunde Italiens beraubt. Das Blatt betont dann, mit tvelchem diplomatischem Geschick und welcher Liebenswürdigkeit Jagow während des Trienniums die Botschaft geleitet und sich in allen hiesigen Kreisen Sympathien erworben habe. Das Blatt schließt mit dem Wunsche, daß Jagow in Berlin dieselbe persönliche Genugtuung wie in Rom finde.
„M e s s a g e r o" hebt die großen Verdienste Jagows um die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und Italien und die vorzeitige Erneuerung des Dreibundes hervor, an der er energisch mitarbeitete. Das Blatt wünscht Jagow, daß er seinen Namen mit dem Friedenswerk verknüpfe und wahrend seiner Tätigkeit in der Wichelmstraße die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien immer herzlich bleiben mögen.
„Vita" schreibt:
Jagow trug zur Unterhaltung der lebhaftesten Freundschaft zwischen Deutschland, Italien und Oesterreich-Ungarn bei. Die Italiener seien Jagow dankbar für das vollbrachte Werk und wünschten daß er sein Freundschaftsgefühl für Italien auch als Minister bewahre.
Die „Trifruna" bemerkt:
Wenn auch die Ernennung Jagows uns eines ausgezeichneten Freundes und lieben Gastes geraubt, so kann sie in Italien doch nur mit warmer, allgemeiner Sympathie begrüßt werden. Ter Botschafter Jagow hinterläßt bei uns ein Andenken an seine Person und sein Werk, das bei den Italienern nicht so leicht verwischt werden kann. Und das ist es, was uns allein für ben Verlust unseres Gastes entschädigen kann, daß die Person des neuen deutschen Staatssekretärs des Auswärtigen uns eine Garantie ist, daß die auswärtige Politik des verbündeten Staates immer mehr von dem Geiste warmer Freundschaft durchdrungen sein wird, auf der der Dreibund beruht.
„G i r o n a l e d ' I t a li a" meint, es sei Jagows Verdienst gewesen, daß die deutsche Regierung den Botschafter Marschall stiner Zeit abberief, dem türkenfreundlichen Freiherrn von der Goltz den Maulkorb anlegte und so die italienfeind'iche Presse Deutschlands während des Tripoliskrieges zum Schweigen brachte.
Als Nachfolger Jagows in Rom wird mit Bestimmtheit der Generalmajor Oskar v. Sche- lins, diensttuender General a la suite des Kaisers, genannt, der früher in Rom Militärattache war.
Aus Hessen.
Aus der amtlichen Statistik.
Im Großherzogtum Hessen bestanden im Jahre 1912 nach der amtlichen Statistik 978 eingetragene Genossenschaften mit 154 351 Mitgliedern, davon sind 814 Genossenschaften mit 104042 Mitgliedern solche mit unbeschränkter und nur 164 Genossenschaften mit 50 309 Mitgliedern solche mit beschränkter Haftpflicht. Deren Haftsumme beträgt über 20 Mill. Mark. Seit 1907 hat sich die Zahl der Kassen um 73, die Zahl ber Mitglieder um etwa 50 000 Mk., die Gesamthailsumme um nahezu 9 Millionen Mark vermehrt. Seit einem Jahre sind nur bei den Rohstoffgenossenschaften und bei den landw. Produklioge- noßenschaften, Milch usw. kleine Vermehrungen zu verzeichnen, die übrigen blieben sich beinahe gleich. Auch zwei Zeitungs- Genossenschaften mit 107 Mitgliedern und einer Gesamt- Haftsumme von 9450 Mk. sind vorhanden. Die Zahl der Ge- nossenschaften verteilt sich auf die 3 Provinzen ziemlich gleichmäßig. Die erste Stelle nehmen die Kreditgenossenschaften mit überwiegend städt. Cha rat ter ein, die eine Haftpflicht von über 16 Millionen Mark repräsentieren.
Tie Zahl der Recht st reitigkeiten ber den Gewerbe- und Kaufmanns gerichten in Hessen betrug nach der amtl. Statistik i. I. 1911 bei den Gewerbegerichten 2191, bei den Kaufmannsgerichten 296, davon ivurden durch Vergleich erledigt bei den Gewerbegerichten 1032, bei den Kaufmannsgerichten 130 Fälle, durch Verzicht 26, durch Anerkenntnis 135, 15, durch andere Endurteile 250, 48, unerledigt blieben 738, 101. Tie Tätigkeit der Gewcrbegerichte als Einigungs- ä m t e r wurde nur seitens der Arbeitnehmer in 5 Fällen in -rarmswdt 4, Offenbach 1 angerufen. In Darmstadt kam in allen Fällen weder eine Vereinbarung noch ein Schiedsspruch zustande. In Offenbach blieb der Fall unerledigt. Als Einigungs- ämtcr traten die, Kaufmannsgerichte nicht in Tätigkeit. Gutachten sind bei den Gewerbe- und Kausmannsgerichten nicht abgegeben worden.
Die gewerbsmäßige Stellenvermittelung im Großherzogtum Hessen ergibt nach der amtlichen Statistik, daß wm, 1. März 1912 von .den Geschäftsinhabern 31 dem weiblichcü Geschlechte angehören: es wurden nur 1 männlicher und 10 weibliche Gehilfen beschäftigt. Tie weitaus überwiegende Zahl der Geschäftsinhaber ist verheiratet oder verwitwet. Bei den männ
lichen Inhabern wird das Geschäft mehr als Nebenberuf betrieben. Die Zahl der besetzten Stellen und die Zahl der Aufträge von Arbeitnehmern ist in dem Jahre 1911, also in dem ersten Jahre nach dem Erlaß des Stcllenvermittlergesetzes bedeutend in die Höhe gegangen. Man vermutet nicht ohne .Grund, daß sich das Publikum mehr an eine bureaumäßige Art der Vermittelung gewöhnt har, mitbeftimmenb können auch die niedrigen Tari^ffestsetzungen fein.
Trotz der Fortschritte der Arbeitsnachweise auf 'dem Gebiet der landwirtschaftlichen Stellenvermittelung beherrscht die gewerbsmäßig Vermittelung hier noch durchaus das Feld, ja jie ist auf diesem .Gebiete in steigendem Masse tätig.
Im Steuerjahre 1912 wurden in Hessen 11 938 besondere Aufforderungen zur A b g a b e n e u e r Steuererklärungen erlassen. Im ganzen wurden 14 873 Steuererklärungen mit einem deklarierten Einkommen von nahezu 128 Mill. A a r k abgegeben. Von den abgegebenen Erklärungen wurden 5.-)62_ beanstandet. Deklariert wurden an Einkommen, soweit sie beanstandet waren, 37 615 702 Mk. versteuert, dagegen resp. veranlagt 43 953 262 Mk. res. 6 337 560 Mk. oder nahezu 17 Proz. mehr als deklariert.
Ans dem Wahlkreis Friedberg-Büdingen.
§ Bad-Nauheim, 6. Jan. In einer von Sanitätsrat Tr. Baur, dem Vorsitzenden des hiesigen Nationalliberalen Vereins, eröffneten und gut besuchten öffentlichen Versammlung sprach unser Neichstagsabgeordneter, Landgerichtsrat Strack-Gießen, gestern abend in der Turnhalle über die politische Lage. Eingehend erörterte der Redner die Tätigkeit des abgelaufenen Reichstags, sowie die Aufgaben, die dem jetzigen gestellt sind und kennzeichnete seine Stellungnahme zu den einzelnen Hauptfragen, zur Heeres- und Teckungävorlage zur Frage der Futtermittelzölle, zur Fleischteuerung, zum Petro- leummonopol und zur kleinen Novelle des Strasgefetzbuches, welch letztere er, da sie verschiedene Milderungen im Prozeßverfahren bringen wird, mit Freuden begrüßt. In der Aussprache beantwortete Landgerickstsrat Strack verschiedene, aus der Versammlung an ihn gerichtete Fragen.
Der „Straßenbahnerverein" Gießen hatte am Sonntag sein Weihnachtsfest im Kath. Vereinshaus. Der besuch zeigte welch großer Sympathie sich unsere Wagenführer erfreuen; last alle Stände waren vertreten Tie reichhaltigen Darbietungen erzielten großen Beifall. Der Prolog, der von dem achtiahrigsn Töchterchen eines Führers gesprochen wurde, gefiel sehr. Die lebenden Bilder und die Theaterstücke zeigten das; die Dilettanten überall zu Hause. Ein Tanz hielt die Teilnehmer bis zum frühen Morgen zusammen.
Ern Ausfr ild ungs kursu s für Dekora- tionsmaler wird frei ausreichender Beteil gung von der Zentralstelle für Gewerbe in Darmstadt unter Leitung des Malermeisters H. I. Nover vom 3. bis 22 Februar Oeran£aIte?- SJS* Unterricht erstreckt sich auf Bemalung boit Wanden, Decken und Möbeln in den verschiedenen Techniken. Gelehrt wird die Faß- und Freskomalerei, sowie Patinieren einschließlich der einschlägigen Preisbere.' - nnngen und Materialienlehre. Das Unterrichtsgeld beträgt •(5t.aat^anfle^ri9e 25 Mk., für Nichthessen o0 Mk. Detoratronsmaler und Weißbinder mit ausreichen der Vorbildung, welche an diesem Unterricht teilzunehmen wünschen, wollen sich bei genannter Behörde, die zu näherer Auskunft gerne bereit ist, baldigst melden.
Der II äd tische Sees, sch markt, dessen Abhaltung m der Weihnachtsmoche und zwischen den Jahren eingestellt worden war, wird vom nächsten Donnerstag ab wieder allwöchentlich in der bekannten Weise stattfinden.
Landkreis Gießen.
13. Treib a. L, 5. Jan. Heute nachmittag hielt auf Veranlassung der Landwirischastskammer in der Bennerschen
** Die Handelskammer wählte gestern ihren seitherigen Vorstand wieder, also Geh. Kommerzienrat Heichel- heim zum Vorsitzenden, Kommerzienrat Schirmer-Gießen zum 1. und Kommerzienrat Grünewald-Alsfeld zum 2. stellv. Vorsitzenden, soivie Kaufmann Röhr zum Rechner.
” Die Mitglieder der Handelskammer besich- ligten gestern nachmittag unter Führung deS Oberbürgermeisters Mecum und des Direktors Stolte das Städtische Elek- t r i z l t ä t s w e r k.
•• Stadttheater. Wegen Absage von Fräulein Riza Bajor muß für die Abonnements-Vorstelllingen om Mittwoch und Freitag, „Herodes und Mariamiie" und „Hedda Gabler", eine Aendernng deS Spielplanes eintreten. Es gelangt am Mittwoch zur Aufführung der erfolgreiche Schwank .„So 'n Windhund", am Freitag die neue GesangSpossc ..Parkettsitz Rr. 10." — Aufführungen von „Herodes und Manamne" und „Hedda Gabler" finden noch in diesem Monat statt.
** B. H. C. Einen teilweisen Rundgang um Gießen veranstaltete am Sonntag der V. H. E. Gießen anläßlich seiner 10. Vereinswanderung 1912/13. Nahezu 70 Teilnehmer hatten sich am Treispnnil am Lutfarberg eingefunden, um gemeinsam die gelbe Punktmarklerung (das jüngste Erzeugnis der Gruppe III vom W. B. A.) abzugehen. Diese Wanberstrecke, die namentlich an heißen Tagen sehr zu einpfehlen ist, führt die alte Anneröder Straße, den Butterweg entlang, in dem bie Stadtverwaltung in dankenswerter Weise einen neuen Waldweg anlegen ließ, zum Hohe Wartturm, dessen Besteigung sich, erübrigte, da der herrschende Nebel keine Fernsicht zuließ. Von hier überschreitet der Weg die Licker Straße, stets durch unseren herrlichen Stadtwald führend, um nach etwa IV2 Stunden (vom Ausgangspunkte gerechnet) den Schiffeiiberg zu erreichen, der sich gerade von dieser Seite besonders malerisch dem Auge des Wanderers darbietet. Eine längere Rast
$cin durchwärmten Saale schien unseren Teilnehmern am Platze, und nach genügeiiber Stärkung wurde die Wanderfahrt fortgesetzt. Wiederum den gelben Punkten folgend, ging es hieraus durch den Bergwerkswald zur Theodorsruhe, von der man einen prächtigen Blick zum Schissenberg genießt. Um die Wanderung
etwas ausziidehnen, beschlossen die Führer die Markierung, die über Klein-Linden führt, zu verlassen. Nach manchem Umher- Itreifeu in den schönen Waldungen der Lindener Mark wurde bei der Waldschenke die Landstraße erreicht, von wo die Teil- nehiner m verschißenen Abteilungen der Heimatstadt wieder zuwanderten.
Warnung vor der zremdenlegion.
Gießen, 7. Januar.
Das U nwesen der französischen Fremdenlegion fordert nach wie vor weitere Opfer und leider sind es zumeist Deutsche, die dieser mittelalterlichen Einrichtung zum Opfer fallen Tie Leute werdeii durch gewissenlose Werber betrunken gemacht und dann über die Grenze geschleppt. So besuchte uns dieser Dage efn Mann aus Ober-Widdersheim, ber ebenfalls (juT diese Art in die Fremdenlegion geraten war unb vor einigen Monaten m die Hnmat zurückgekehrt ist, nachdem er 12 Jahre 'emes Lebens dem französischen Barbarismus geopfert lwt. Wie es dort hergeht, geht aus der Tatsache hervor, daß der Mann Meimal Fluchtversuche gemacht hat. Einmal glaubte er schon an Bord eines Schiffes m Sicherheit zu .sein, er hatte Aber 'ba" sonderbare Pech, auf ein franizömches Kriegsschiff zu geraten und mürbe zu ferner Truppe zurückgebracht.
... Wce weit verbreitet das französische Werbesystem bet uns ist, zeigt folgende Meldung aus:
r n s efVft6’ xan‘ . "®ie Polizei nahm gestern fünfFran - zosen fest, darunter eine Frauensperson, die Werber für
* c md en leg i 0 n luaren. Tic Werber durchzogen als len- und Parfumeriehändler hausierend Elsaß-Lothringen und hatten m letzter Zeit ihr MM^equartier in einer Metzer
u.icht an Nachahmungen: so gab es eine „deutsche Banise", eine, „engeländische Banise Prinzessin von Sussex" Gottsched empfahl das Buch als einen trefflichen Stoff für Dramen, und nach der verunglückten Tragödie des Arztes Ludwig machte Grimm ein dramatisch wirksames und lebendiges Stück daraus, ^luch als Opernaestalten nach einem Tert von I. Beeeeau rührt-m der Wutench Chanrnigren, der edle Prinz Balanein und die un beschreiblich schöne Banise mit ihren Trillern und Ruladen die Herzen ber Hörer. Ziegler knüpft in dem Buch an das Interesse uU'..oiis man damals durch die Reisebeschreibnngen für die oft- • rnbiidicit Lander bekommen hatte. Er wählt einen historischen Vorgang im Reiche Brama und läßt seine Phantasie in ungeheuerlich burlesken Vorstellungen schwelgen.
Unter den vielbändigen Romanen der Zeit zeichnet sich die Erzählung durch verhältnismäßige Kürze, durch Lebendigkeit und ein unleugbares Erzählertalent aus. Neben dem edlen Helden steht der derb realistische Diener Scanbor, wie Sancho Pausa nehm Don Oiurole. Ungewöhnlich lange erhielt sich die Banise ntCn Eigenschaften und trotz des unerträglichen Schwulstes m der Gunst des Lesepubllknms. Gottsched empfahl sie m den Vernünftigen Dadlerinnen" als musterhafte Prosa Tbc .'Vtes Muster eines gesunden ü- Ä li?1 •h^nnnc0 gepriesen. Dem jungen Goethe ist
"ich C ha nm igren, der eine populäre Figur des Puppen ÄulÄ ■nar' wohlbekannt: in der Kindheitsgeschichte bc. TJlhelm ..(elfter muß der König Saul auch diesen .Haupttyrannen ,m schwarzen Samtkleide darstellen. Aber in den deutschen Ltteraturbriefen belegt Abbt einen in Aegypteii spiclen- den schlechten Roman nut bem Schimpfnamen einer „ägyptischen 5anuc und ber „bunte ^Äellenklang" des einstigen Modebuchs wirb eine sehr altvaterische Schönfant der ehrwürdigen bar- baru.chen Jahrhunderte" genannt. Als die wirkliche Klassik der ^'^süLueratiir zu erbl.ihen begann, hatte der „Klassiker des , Schwulstes" seine Rolle ausgespielt.
** Ordensangelegenheit. Der Großherz-og hat dem Chefredakteur der Illustrierten Zeitung Olto sonne zu Leipzig die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Großhcrzog von Oldenburg verliehenen Chren-Ritterkreuzes 1. Klasse des Haus- und Verdienstor dens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig erteilt.
** Erl edigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weinolsheim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
** Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versaminlung am Donnerstag, 9. Januar, nachmittags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung voraeseheu: 1. Auslosung von Schuldverschreibunaen. 2. Mitteilungen. 3. Baugesuch des Professor Dr. von Eicken für die Friedrichstraße. 4. Baugesuch Georg Martini für die Schillerstraße. 5. Genehmigung zum Aubringeii von Zeitungskästen am Hause Bahnhofstraße 23. 6. Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Marburger Straße, Ost-Anlage und Moltke- straße. 7. Anschaffung von Anhängewagen für die Straßenbahw 8. Einrichtung der alten Klinik für Zwecke der städtischen Verwaltung und des Polizeiamts. 9. Genehmigung von Rechnungen. 10. Rechnung der Arntentasse für 1911. 11. Teilung von Klassen der Stadtknabenschule.
** Der Bauassessor Bauinspektor Schön ist icruf fein Nachsuchen mit Wirkung üom 1. Januar 1913 aus dem Staatsdienst entlassen worden. Wie wir erfahren, wird Herr Schön seine Tätigkeit als Privat-Archi- t e k t, die er während seiner einjährigen Beurlaubung begonnen hat, weiterfiihren und seinen Wohnsitz in Gießen beibehalten. Das Ministerium hat ihm gestattet, seinen früheren Titel „Regierungsbaumeister" mit dem Zusatz „a. T." weiterzuführen.
— -Anter nationale Geologische Vereint g n n g beschäftigte sich am Sonntag in den Räumen des Senckew bergimlums zu Frankfurt a. M. mit der Stellung der G e 0 l 0 g i e i m 11 n ter rlchtswe,en und nahm dazu mehrere Vortrage entgegen. Gegen den Verband Preußischer Oberreal- fchuldirektoren, der den natunmnenschaftlicheii Unterricht be= tranken will, nahm die Versammlung scharf Stellung. Geheimst Steinmann/Bonn) regte die Schaffung einer geologischen 85crI-LrilJtmbl-rcf)?tc Bereinigung an. Mit der Tagung war zugleich die Vorftandswahl öerbunben. Es wurden gewählt Ge- heiwrat s u ß (Wien) als Vorsitzender, Geheimrat Kayser lMar- bttrg), Aos Holzapfel (Straßburg), Prof. Molengraaff (Holland) Prof Teiner (Pans) und Direktor Tscherni- tschow (Petersburg).
!Am 2. D^emfrcr 1907 wurde er ak? außerordentlicher Gesandter in Luremfrurg und am 9. Mai 1909 als Botschafter in Ronr beglaubigt. Herr von Jagow ist unverheiratet.
Seinem Aeußern nach ist Herr von Jagow eine ganz andere Erscheinung als Herr von Kiderlen-Wächter, nur mittelgroß, sehr schlank, ausfallend jugendlich von Gestalt und Aiitlitz und in der Unterhaltung der liebenswürdige, vornehme und gewandte Weltmann. Fürst Bülow hat ihn eines Tages als den fähigsten von seinen jüngeren Diplomaten bezeichnet, unb er hat diesen Ruf unter teilweise sehr schwierigen Verhältnissen unb Zeitläuften in Rom burchaus gerechffertigt. Auch mit der deutschen Kolonie in ber italienischen Hauptstadt stand er auf bestem Fuße, trotzdem sein nicht sehr kräftiger Gesundheitszustand ihm in der Ausübung seiner Repräsentationspflichten manchmal Besckfränkung auferlegte.
Der Nachfolger Herrn v. Kiderlen-Wächters hat zwei Brüder Günther unb Hermann unb zwei Schwestern Hedwig und Elisabeth. Während der Rittmeister a. D. Günther v. Jagow eine Gräfin von Perponcher-Seblnitzky geheiratet hat und zu seinen Verwandten die Wartensleben und die Schulenburg zählen darf, hat Hermann v. Jagow, Landrat des Kreises Osterburg und Mitglied des Abgeordnetenhauses, ein Fräulein Ellionor Löbbecke geheiratet. Die beiden Schwestern Gottlieb v. Jagows sind verwitwet. Im Jahre 1876 haben die v. Jagows einen Familien- gegründet, der alljährlich seine Sitzungen abhält, und dessen Vorsitzender der Oberpräsident von Weftpreußen Ernst v. Jagow aus bem Hause Aulosen ist.
Einen erkennbaren Druck von Initiation hat v. Jagow während des tripolitanischen Krieges gezeigt. Die deutschen Offiziösen haben sich damals wieoerholt um eine Italien freundliche Beeinflussung der Presse bemüht. Da .n den Gang der türkischen Angelegenheiten von Deutschland nicht tatkräftig eingegriffen worden ist, war es wohl auch zu billigen.
Der Berliner „Lokalanzeiger" meldet aus Rom: Botschafter von Jagow verläßt am 8. Januar Rom, um in Berlin das Staatssekretariat zu übernahmen unb k-'hrt 'pcfter noch ei'ima" nach Rem z rück, um dem Kön'g sein Abberufungsschreiben zu überreichen.


