Ausgabe 
6.1.1913 Zweites Blatt
 
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General der Infanterie v. Eichhorn,

Ueber die

die

Bursche.

ziers, wird folgender hübscher Scherz erzählt: Mein Mann

ie

zu die

des III.

Goethe. Straße ß

Wiede

von Kirche nrklt Dr.

übttil'v"

Provinz Sachsen. Eine Neide von Arbeiten über Waldwegbau, jmö Vogelschutz Privatwaldivirlichait, Waldiverlrechnnng lind Holzmeßkunde Devöffentlidite er in Fachzeitschriften

In Basel ist der ordentliche Professor der Mathematik an der dortigen Universität Tr. Hermann K i n k e l i n im Alter von 80 Jahren gestorben. Er war Mitglied des Großen Rats und des Nationalrats.

gestiegenen Arbeitslöhne.

Kreis Alsfeld.

ok. Alsfeld, 4. Ian. Im Jahre 1912 betrug hier

ist also im vorigen Jahre eine vollständig normale gewesen.. Der Rückgang der Geburten im Vergleich zum Vorjahr ist seit Jahren ztl vermerken.

ok. Leusel, 4. Jan. Hier traten in letzter Zeit die Masern so stark ans, daß bis atif weiteres der Unterricht in der Unterklasse geschlossen werden mußte.

Starkenburg und Rheinhessen.

Heppenheim, 4. Jan. Das Komitee für Errichtung eines Dr. Ludwig-Gedenksteins hat die Ausführung dem Bildhauer Herrn. Schöll-Darmstadt auf Grund seines trefflich ausgeführten Reliefs übertragen. Der Denkstein soll vor dem Hauptgebäude der hiesigen LandeS-Jrrenanttalt, dessen Schöpfer Dr. Ludwig war, zur Aufstellung kommen.

Kreis Wetzlar.

X Hörnsheim, 5. Jan. Die Gemeinde Hörnsheim wird als erste in der Bürgermeisterei Groß-Rechtenbach elektrisches Licht einführen. Nachdem die Verhand­lungen mit den Bnderusschen Eisenwerken abgebrochen wor­den sind, wird der Anschluß an die Zentrale Gießen oder Wölfersheim erfolgen. Erstere hat bereits ihr Netz bis zum Nachbardorfe Allendorf an der Lahn und letztere bis Großen-Linden ausgebaut.

Hessen-Nassau.

X. Bad-Orb, 5. Jan. Die Stadt beabsichtigt, zur Erinnerung'an das Regierungsjubiläum des Kai­sers eine Stiftung zu errichten, die zur Unterstützung armer, verwaister Kinder dienen soll. Nach einer Vorlage des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung soll die Stiftung 25 000 Mk, betragen und aus dem Erlöse des Waldverkaufs an. die Militärverwaltung für den Truppen­übungsplatz entnommen werden.

Regiments (2. Hess.) Nr. 24, die Rsaktehrer' Straub und Grimm von Gießen, Professor Weimar von Gießen und Prof. Dr. König van Gieße::.

** Jungdeutschland. Der Grvßh erzog hat den Generall.utnant z. D. Bernhard zum Stellver­treter des Vertrauensmanns für den Jungdeutschl-and- vund in Hessen ernannt.

** Reichsgründungsfeier. Die hiesige Orts­gruppe des Allde utschen Berbandes wird ancf) dieses Jahr wieder eine allgemeine, öffentliche Reichsgründungs­feier veranstalten, zu der alle Nationalgesinnten eingeladen sind. Die Feier wird am 18. Januar, dem Geburtslag des Reichs, in Steins Garten stattfinden, und wie bisher durch musikalische Darbietungen verschiedener Art verschönert werden.

fort die Mark jt ihnen J ncn tot den inu gangsze gebende

Universitäts-Nachrichten.

Aus Holle a. 3. wird uns gemeldet: Zum Lektor für Forstwissenscha t an der Universität Holle o. S. in der Ober- iörftev Dr phil. Eduard Zentgraf ernannt worden. Tr. Zent­graf Geb. 1882 zu Reichenbach, kreis Ben-denn in Hessen), studierte in Gießen bei den Professoren Heß und Witn>nenat>er und in Wm di en unter den Professoren Endres, Weber und Brentano, be­stand in Gießen die Boi- nnd Fachprüfuna und 19(H in Tarmnodt die Staatsprüfung. Dann ivor er bis 1912 Forstassessor und Re° vierverwalter auf Gut Lorenzbv' bei Wolfach in Baden. Im Herds! 1912 vromovierte er in Gießen mit einer Dissertation:?ie Privatwaldmiaen des Wol'tales im badischen Schwarzwald^. Zur­zeit ilt Zentgraf Oberförüer bet der Landwirts ba'tskammer für die

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Warenfabrikanten von Klingental und Umgebung hat eine Er­höhung der Preise von 5 Proz. eintreten lassen. Veranlassung dem Aufschlag geben die Erhöhung der Materialpreise nnb

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Zahl der Geburten 104 (1911 109) Sterbe- fälle gab es 69 (1911 67). Die Bevölkerungsbewegung

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vermischter.

* I n der Verzweiflung. In der Nacht zum Sonntag versuchte im Osten von Berlin die Frau des Glasermeisters Weinberg, sich und ihre vier Kinder durch Leuchtgas zu ver­giften. Straßenpassanten, die. laute Hilferufe eines der zttnder hörten, riefen einen Schutzmann herbei, der in die Wohnung eindrang. Einem Arzt gelang es, die bereits Betäubten wieder ins Leben zurückzurusen. Frau Weinberg war infolge von Miß­handlungen durch ihren Mann zu der Tat getrieben worden.

* Eine Prinzregentenanekdote. Nach einer größe­ren Tafel ließ einmal der äußerst kinderfreundliche Regent Seiden­papier hereinbringen, damit jeder der Herren für jedes der Kleinen daheim ein Stück von einer besonders gelobten mächtigen Torte ein- nickeln könne. Ein Regierungsrat, der nidyt weniger als sieben Sprößlinge hatte, getraute sich nicht mehr als fünf Stücke und diese bloß zögernd zu nehmen. Aber der in der Nähe sitzende Graf Lerchenfeld, der den Sachverhalt kannte, schob ihm noch zwei weitere Stücke zu.Nicht wahr, mein lieber Regierungsrat," sagte in diesem Augenblick von den Kindern spreckpmd, der,Regent, Sie haben sieben Stück?"Jawohl, Königliche Hoheit," er­widerte verlegen und an seine Kuchenftücke denkend, der Gefragte, aber zwei sind vom Grasen Lerchenfeld".

* Unser neuer legentlichen Mitarbeiterin,

Geueral-JuspekteUr der 7. Armee-Inspektion, ä la suite Leibgrenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm (1. Brandenburgisches Nr. 8), wurde unter Belassung in diesen Stellungen zum Generalobersten beför­dert.

wüt.schte, daß Johann, unser neuer Bursche, schon wenige Tage nach seinem Eintritt bei einem Diner, das wir zu geben hatten, mit servierte. Ich muhte also Johann zunächst die nötigeMee- dasche", wie ers nannte, und last not least zwei weihe Handschuhe kaufen; dann schärfte ich ihm die goldenen Regeln der Servierkunst ein: Von links herantreten; die Platte mit der Linken haltend, die Rechte auf dem Rücken! Und anfangen am oberen Ende der Tafel bei der alten Dame, die erst vor­gestern bei uns zu Besuch gewesen nmr, einer alten Generalin. Er tat so, als hätte er verstanden und ich hatte wichtigeres vor dem Begiim des Tiners zu tun, als mich um die Servierkünstc des Burschen zu bekümmern. Tie, Sache kam also richtig zum Klappen: Tie Herrschaften hatten Plctt' genommen: ich trat leise mit dem Fuß auf die unter meinem Platz befindliche Küchen- llingel und Johann erschien, die Platte mit den Hors d'oeuvres balanzicrend. Im abgemessenen Schritt ein wenig an den Kasernenhos erinnernd marschierte er auf die Generalin los, trat von links heran, reichte die Platte mit der Linken und hatte nach Vorschrift die Rechte auf dem Rücken der verdutzten Generalin! Tableau! Mein Mann Ijat einen Wutanfall be­kommen . . .

Edouard Detailleund der Rekrut. Eine hübsche Anekdote aus dem Leben des in diesen Tagen dahingegangenen bekannten französischen Malers Detaille erzählt Jules Claretie im Temps. ~2-cr Künstler war durch seine Soldatenbildcr und durch seine Schlachtengemälde bereits berühmt geworden. Eines Tages erscheint in seinem Melier ein junger Rekrut. Tetaille fragt den ungewöhnlichen Besucher nach seinem Begehr und er­fährt als Antwort, daß der junge Krieger geiommeu sei, um sich zu erkundigen,ob der Herr Detaille vielleicht nicht so gut sein wolle, sein Bildabzuziehen", er brauche ein Porträt von sich". Wer hat Sie zu mir geschickt?"Ach, Regimentskameraden haben mir gesagt, daß Sie so jjutc Bilder machten und daß sie auch ähnlich seien. Und sehen Sie, ich möchte so gern mein Bild den Eltern zu Weihnachten schickem Wieviel würden Sie mir dafür wohl berechnen?" Ter Künstler lächelte und fragte bann: Nun, wieviel l-aben Sie denn in Ihrer Tasche?"26 Franks.." lautete etwas zögernd die Antwort: dabei zog der wackere Rekrut sein bunt gewürfeltes Taschentuch hervor, knüpfte die Knoten auf und zählte dem Meister vier Silberstücke und einen Haufen von Sous vor. Detaille sah vergnügt zu und sagte kein 29ojt.Ist das vielleicht nidrt genug?" fragte verschüchtert,der junge Kriegs­mann, aber der Künstler beruhigte ihn: JDb freilich, vollkommen genug. Kommen Sic her, mein Lieber, hier, setzen Sie sich einmal hin!" Ter Rekrut wurde auf eihen Stuhl gesetzt, der Maler na Inn Pinsel und Palette und mit ein paar raschen Strichen skizzierte er ein lebensvolles Porträt des jungen Sol­daten.Ta haben Sie Ihr Bild," sagte er, als die Arbeit getan war.Sie müssen mir dann aber auch mitt eilen, ob Ihre Eltern

auch seine Stammlokale, und wann er des Nachts heimkehrte; sie -wußte schließlich auch, daß er zu der SckWuspieleriu Angelina Bareyter in zarten Beziehungen gestanden, diese aber damals berccks abgebrochen hätte. In dem zweiten, von Ehuguet mit geteilten Stücke fommi bann Stendhal selbst zu Worte. Es ist dies ein Bericht über die merkwürdigen Schicksale, die der Papst Leo XII. zu "der Zeit, als er noch ein simpler SCMiate war und della Genga hieß, unter der Negierung des Papstes Pius VI. erlebte. Stendhal macht in verschiedene seiner Werke über Italien Andeutlmgeu, die sich auf diesen Bericht beziehen; doch war er bisher nur dem Namen nach belannt. Aus der nunmehr nach chentz Original-Manuskripte mitgeteckten Darstellung, die Stendhal übrigen» an den Pariser Polizeidirektor Beugnot gerichtet hat, geht erneut die große Bewunderung hervor, die er für den Kardinal Staatssekretär Cnrnlvi empfand, sowie das künsllerische Behagen, mit dem er das diplomatische Intrigenspiel unter den genmndtku Hosleuten des ripstlichen Hofes beobachtete.

Meeresforschungen der a u st r a l t s ch e n S ü d - p o l a r ex vedition. Tie Zeit der Ueberwutterung der austra­lischen Südpolardtzpedition hat der Leiter des Expeditionsschiffes Aurora", Kapt. I. K. Davis, verwertet zu ozeanographischen . Untersuchungen in den australischen Gewässern. NachPeterm.

Mitt." nahm er zunächst die Nachforschungen über die Eristenz der Noval Eompam) Islands wieder aut; er gelangte- zu dem­selben Ergebnis, daß diese Inseln in der ihnen angewiesenen Lage jedenfalls nicht vorhanden sind. Längerer Aufenthalt wurde auf tvr MatguarieiNsel genommen, wo sich die von Tr. Mawson er richtete Station für drahtlose Telegraphie gut bewährte: es hatte sich jebvd) bis dahin die Verständigung mit der Ueberwinterungs- station ans Adölieland nicht herstellen lassen. Ter Abschluß der Wintersahrt erfolgte auf den Aucklandinseln.

Die lustigen Prinzen von Bal moral. Man erinnert sich vielleickü noch, daß im Juli dieses Jahres, als die königliche Familie auf Sckstoß Balmoral in Schottland weilte und Premiernnnister Asquith dortHofd enst" leistete, nächtlicherweile Suffragetten in den Bereich des Schlosses drangen und allerlei Unfug verübten: die Fähnchen auf dem Golfspielplave wurden gegen die Trikolore der Suffragetten vertauscht, auf einem Ge­ben kbrnnnen nn Parke eine Suffragctten-Jnschrift angebracht usw. Seither 'batte Schloß Balm oral lange vor nächtlichen Visiten zum 8nredc solcher /politischer Demonstrationen" keine Ruhe jeden Augenblick traf man auf Spuren d«" 'Station Aus den an- schc nend be .g.hüteten Türen des Schlosses fav.b man immer w eder Aufschriften:VoteS for Bornen", nno als Marineminister Chur­

chill 'Hofdienst hatte, war seine Tür eines Morgens über und über mit Rufen nach dem Frauenstimmrecht und mit Drohungen be­deckt usw. nsw. Churchill verließ in Eile das Schloß, und dem Schlvßpersonal war die Sache um so ärgerlicher, weil man weiß, daß Königin Mary gegen die Frauenstimmrechtler und ihre KampfeSlve.se sehr eingenommen ist. Und eines Morgens fand man gar das Tor der Autogarage mit Inschriften geziert, und obendrein war auf sämtlichen Autos in der Garage der be­kannte Kriegsruf mit frischer Farbe aufgemalt! Tas war doch des Guten z>u viel, und die gründlichste Untersuchung wurde angeordnet. Wer nun der Sherlock Holmes war, der die Nach­forschungen geführt und welche Methode von Privatdetektivarbeit zur Anwendung gebracht mürbe davon schweigt die Geschichte Nur eines weiß man: DieAttentate der Suffragetten" in Schloß Balmoral hörten plötzlich auf, wie sic begonnen hatten, nnd den Prinzen Albert uub Henri wurde bedeutet, daß sie nun genugSuffragette gespielt".

Man muß sich zu helfen Ibissen. TieDeutsche Wochenzeitung für die Niederlande und Belgien" erzählt: Ein bekannter Schauspieler wohnte kürzlich in Amsterdam einer sozialdemokratischen Versammlung bei, die so stark besucht war daß wirklich kein Apfel zur Erde hätte fallen können. Tazu eine Hitze nicht zum Aushalten. Alle Bemühungen des Schau- splelers, durch die kompakte Menschenmasse hindurch das Freie zu gewinnen, waren vergebens. Ta kam ihm ein rettender Ge­danke. Troelstra, der Abgott der sozialisttschen Masse, hielt gerade eine donnernde Rede und machte eine der gebräuchlichen Kunstpausen, um den Zuhörern Gelegenheit zu "bieten, ihre Anerkennung auszuspreckten. Diese Pause benützte der Schau- ,vieler, um mit Stentorstimme zu rufen:Darum hat der Redner es mcht gewagt, die gleiche Behauptung, in der Versammlung am lenstag aufzustellen?" . . . Allgemeines Zischen und Rufe: Raus mit dem Kerl!" Die Menschenmauer öffnete sich und von kräftigen Männerfäusten geschoben, stand der Sohii Thalias alsbald in der frisckren Lust. Einer seiner unfreundlichen Geleiter fragte ihn eben noch: ,Hn welcher Versammlung am Dienstag hat troelstra denn eigentlich gesprochen?" ',Hn gar feiner," erwiderte der Schauspieler. ,^J ch wollte nur 'raus Xante s chö n!" Und er entschwand. Ter Spaß ist hübsch und es hit seiner Wirkung keinen Abbruch, daß der bekannte «chou spielet menbar auch bekannte Witze macht und deshalb die alten Jahrgänge derFliegenden Blätter" sehr fleißig studiert.

Bon einer ge­bet: Gattin eines Berliner Ofst-

Aus Stadr nnd Land.

Gießen, v. Januar 1913.

Ein Tamenheim in Gießen.

Arn Samstag mirfmiittag sprach Frau Oberst v. Bar be­lebe n-Kassel auf Veranlassung des VereinsOberhefsifchcs Damenheim" überDamenHeime, Ersahrungen und Aussichten". Tie Rednerin teilte in einstündigem, sehr beifällig aufgenommenem Vortrag den zahlreich erschienenen Zuhörern ihre Erfahrungen mit. Sie ist schon seit 20 Jahren 2. Vorsitzende des Kasseler Damenheims. Als man vor Jahren das Heim in Kassel ein richten wollte, fehlten, wie auch hier, die nötigen Mittel. Es gründete sich ein Verein, und durch einen Mitgliederbeitrag von jährlich 5 Mk., der allerdings um ein Drittel erniedrigt werden mußte, erhielt man einen Reingewinn von rund 5500 Mk. Durch musikalische Abende, theatralische Aufführungen und Ver­anstaltung zweier Lotterien gab es einen anständigen Grundstock zum Anfang. Natürlich genügten die Mittel nicht vollständig, und es mußte noch eine verhältnismäßig kleine Anleihe auf der Landeskreditkasse gemocht werden. In Anbetracht des guten Zwecks erniedrigte die Kasse den Zinsfuß auf 3>., Proz. Man fing be­scheiden an und mietete sich ein Stockwerk von 11 Räumen. Es meldeten sich sofort 4, später 8 Damen. Auf ein Aus­schreiben liefen 108 Meldungen für die Oberinstelle ein. Die Rednerin gibt dm Rat, vor allen Dingen bei der Wahl der Oberin sehr vorsichtig zu sein und niemand ohne vorherige Probe anzimehmen, einen festen Vertrag zu schließen und darauf zu sehen, daß die Oberin wirtschaftlich und wissmschaftlich gebildet ist. Ihr Gehalt betragt jährlich 600 Mk., außerdem hat iie 2 Zimmer zu ihrer Verfügung, freie Verköstigung und 56 Wochen Urlaub, wobei sie aber für Vertretung sorgen muß. Natürlich hatte man bald größere Räumlichkeiten nötig. Man kaufte ein Grundstück für 18000 Ml. außerhalb der Stadt, am Wege nach Wilhelmshöhe. Tas Heim hat zurzeit 20 Insassen, bereit Be­dienung 4 Dienstmädchen und 1 Köchin obliegt. Die Wüsche des Heims wird im Hanse besorgt, die der Bewohnerinnen außer­halb. Für 1 Zimmer haben die Damen monatlich 60 Mk., für 2 Zimmer 80 Mk., für 1 Mansardenzimmer 50 Mk. zu zahlen. Die Einrichtungen für das Wohn- und Eßzimmer sind geschenkt. Bon 89 Uly^wird das Frühstück eingenommen, um 1 Uhr zu Mittag gegrsseii. Nach inner kleinen Mittagsruhe gibt es um 3/o Uhr Kaffee. Das Abendessen besteht aus kräftigen, leichtverdoulichen Mehlspeisen. Die Bewohnertunen der einzetnen Räume müssen ihr Mobiliar stellen und ihre Schlaszimmer in Ordming halten. Fenster, Boden und Teppiche werden von den Dienstboten besorgt. Die Rednerin spricht sich dahin aus, daß es die Domen sicher befriedigte, wenn sie sich an der Hauswirtschaft etwas beteiligten und einige kleine Arbeiten im Garten besorgten, da ihre Zeit durch Lesen und Handarbeiten nicht ausgefüllt fei.

In gesundheitlicher Hinsicht und inbezug auf Beguemlichkeit ist allen berechtigten Ansprüchen Genüge geleistet. Im Flur hat jede Dame ihren eigenen Briefkasten. Tiefe Einrichtung erleichtert der Oberin Arbeit und Beschwerden. Zentralheizung, Veranda, ein schöner Garten und ein behagliches Bad müssen die Annehm­lichkeit des Aufenthalts noch vervollständigen. Tie Passanten- zimmer, im Sommer meistens besetzt, sind sehr einträglich Sie werden für 3,50 Mark täglich vermietet. Die Bewohnerinnen fühlen sich wie zu Hanse. Sie besuchen Vorträge,,Theater und Konzerte nach Wunsch, müssen es aber des Essens halber vorher airzeigen. An Weihnack ten ist eine Bescherung Je nach den Mitteln der Damen wetzden 510 Mart für Geschenke und die Tieitftboten an die Oberin bezahlt. Es muß selbstverständlich iv Heime große Ruche herrschen, 'und jeder hat sich der Hausordnung zr? fügen. Jeden ersten Freitag im Monat hat der Vorstand Versammlung, anschließend daran manchmal ein Kosfeeplauder- stundcken. an dem auch die Damen des Heims teilnehmen und woräns sie sich immer sehr freuen. Pfarrer Bechtolsheim er dankte Frau Oberst von Vardeleben, und es schloß sich eine Ausspiacke an. Verschiedene Fragen wurden noch von der Red­nerin beantworte^ Auch machte sie auf einige Einnahmequellen aufmerksam, die fick in Kassel als sehr zugkräftig erwiesen haben. Aus den Vorttag folgte eine Mitgliederversammlung, in der der Schatzmeister Pfarrer B e cht o ls he im e r über den Vermögens­stand des Vereins berichtete, worauf ihm Entlastung erteilt wurde.

*

** I n Audienz e in p f a n g e n wurden vom G r o s; - Herzog am Samdtag u. a. Oberleutnant Stiebe fei Frhr. zu Eisenback) von der Reserve des Leib-Trag.-

war, kam, nachdem er iuxm die Ernennung zum Generalquartier- meifter erhalten hatte, nicht mehr überraschend. Gras Schliessen stand zuletzt ä Ja suite des Generalstabes und des 1. Garde- Ulanen-Regiments. 1911 wurde er noch zum Generalfeldmarschall ernannt. Er war Tomherr von Brandenburg und wurde schon 1904 aus Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. Tie Universität Berlin ernannte ihn bei Gelegenheit ihres 100jährigen Jubiläums zmn Ehrendoktor. Seinen Lebensabend, den er mit schriftstelle­rischen Arbeiten, u. a. über den Krieg von 1806/07, verbrachte, ver­lebte er in Berlin.

Züns Milliarden am Totalisator!

lAenau fünf Milliarden und 204 Millionen Franken haben die Franzosen in den letztvergangenen zwei Jahrzehnten zum Totalisator getragen. Tie Kenntnis dieser (wie ein Pariser Boulevardblatt sagtungeheuerlichen Tatsache" verdanken wir der Enquete einer kürzlich eingesetzten Regierungskommission, die- sich zurzeit mit der Frage eineroffiziellen Spiel- und Wettsteuer" befassen und im besonderen untersuchen soll, ob nicht der Staat dasSpielmonopol" übernehmen tonne. Ties Moiropol muß dem französischen Finanzminister um fo verlockender erscheinen, als schon dieinoffizielle" Spiel- und Wettsteuer seit Erlaß des bezüglichen Gesetzes vom Jahre 1891 eine über Erwarten reiche Einnahme gebracht hat. Der Staat erhebt seitdem vom Ertrag des Totalisatorbctriebes ein Prozent für die Zwecke der Pferde­zucht, zwei Prozent für die Werke der öffentlichen Wohltätigkeit und ein viertes Prozent für die Wasserversorgung der Rennplätze. Die entsprechenden Zahlen waren für das Jahr 1911: 3 800 000 bezw. 7 600 000 bezw. 3 800 000 Franken, zusammen also 15 200 000 Franken, was einem versteuerten Betrag von 380 Mil­lionen entspricht. Die Verwendung der zwei Prozent für Wohl tätigkeitSzwecke dürste hier" speziell interessieren. Ein Drittel dieser -Summe wird nach bent Gesetz vom 15. Juli 1893 den Hospitälern für unentgeltliche ärztliche Behandlung zugewiesen: über die Verwendung im einzelnen entscheidet eine Kommission, die dem Ministerium des Innern angehört. Tie Verwaltung der übrigen zwei Drittel untersteht dem Ackerbau »iitcrium; der entfallende Betrag wird für zahlreiche Z der Armen-, Kranken- und Altersunterstützung verwendet sowie als Beihilfe in Form von Zuerteilung außerordentlicher Arbeiten (Wegebau, Flußregulierung usw.), die der Staat über das gewöhnliche Budget hinaus vergibt.

Was die gleichzeitig projektierteSpielfteuer" anbetrifft, fo will man das Gesetz vorn Jahre 1907, das eine allgemeine Besteuerung der Kasinoeinnahmen in der Hohe von 15 Pro­zent vorsieht, weiter ausgeftalten. In der Tat haben diese, vornehmlich in den Babe und Kurorten installierten Kasinos von Jahr zu Jahr bessere Geschäfte' gemacht, und der Staat mochte seinerseits einenAnteil am Geschäftsgewinn" haben. Betrug der ^Spielumsatz im Jahre 1907 nur 13 ^Millionen Franken, so stieg .er im folgenden Jahre trotz der Steuer aus 28 Millionen, erreichte 1909 37 Millionen, 1910 43, 1911 48 und wird für das laufende Jahr auf 55 Millionen Franken geschätzt. Von den 133 Kasinos, die gegenwärtig in Frank­reich konzessioniert sind, werden 115 von der jetzt projektierten Reform nicht betroffen, da ihr Jalwesumsatz eine halbe Million Franken nicht übersteigt; sie sollen nach wie vor 15 Pro­zent zahlen. 15 weitere Kasinos, deren Budget sich zwischen einer halben und drei Millionen bewegt, werden mit 25 Prozent, die drei verbleibenden, die es aus 3 bis 5 Millionen und darüber bringen, mit 35 bezw. 45 (!) Prozent zur Steuer herangez-ogen. Vvrläusig. allerdings erst auf dem Papier; denn in keinem Lande der Welt sind Steuern so unbeliebt, wie imLande der Freiheit", mögen sie auch noch soindirekt" sein. Gegen ein eventuelles Spielmonopol des Staates hageln aber schon jetzt im Borstadium des Gesetzentwurfes die Angriffe von rechts und links. Die schone Marianne als Spielh KlentÄckTterin allerdings ein pittoreskes und einstweilen allzu miKrernes Bild!

Naumann in Gießen, der beute seine goldene Hochzeit feiert, sei daran erinnert, daß er von 1880 bis 1906 hier als Pfarrer tätig und eine der bekanntesten und markantesten Persönlich­keiten der Stadt war. Er bat sich große Verdienste um das kirchliche Leben Gießens ermorden; u. a. ist ihm der Bau der Johanneskirche und die Einteilung der Stadt in die vier Gemeinden zu verdanken. Mit unermüdlichem Fleiß war ei tätig, bis seine durch rastlose Arbeit geschwächte Gesundheit ibn zwang, sich in den Nubestand versetzen zu lassen. 1910 siedelte das Ehepaar Naumann nach, Dieburg über, wo es seinen Lebensabend zu verbringen aedenkt.

** Preiserhöhung für M'u s i ki n st r u m e n t e. Die meisten deutschen Pianosortefabttkanten haben ihre Verkaufspreise 510 Proz. erhöhen müssen. Auch».die Bereinigung der Musik­