Ausgabe 
5.5.1913 Zweites Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 5. Mai 1913.

** Lehrerpersonalien. Dem Lehrer Nik. Bleß zu Unter-Hambach wurde eine Lehrerstcllc zu Lorsch übertragen. Erledigt ist eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu H e l- Pers Hain. Mit ihr ist Organisten- und Vorlesedienlt ver­bunden. Dem Inhaber kann eine Ortszulage gewährt werden.

** Kreisgesundheitswesen. Der Großherzog hat den praktischen Art Dr. Otto Martin in Sien zum .Kreis­assistenzarzt bei den KreiSgesundheftSämtern Bensheim und Heppen­heim mit dem Wohnsitz in Heppenheim ernannt.

** Der Hessische Richterverein hält seine Haupt­versammlung am Samstag, 31. Mai, im Saalbau in D a r m- stadt ab. Auf der Tagesordnung steht außer dem Geichäfts- 'bericht und anderen geschäftlichen Angelegenheiten ein Vortrag des Professors Dr. M i t t c r m a i e r - Gießen über:Tie Fort­bildung i>e r Iuristen, Erfahrungen und Vorschläge" mit anschließender Aussprache.

** Ter Landesverband derHausvesrtze.r ver­eine in Hessen hielt eine Vorstandssitzung in DarMitadt ab. Die neuen Eingänge brachte Direktor Volk »Mainz) zur Verlesung. Zunächst den Bescheid, den das Ministerium des Innern auf die gemeinsame Eingabe des Hess. Landesverbandes und der Vereine Mainz-Altstadt und Mainz-Neustadt, betreffend Maßnahmen zur Hebung der H h p o t h e k e n n o t erteilt und zugesichert Hal, die Eingabe, dem Rcichisjustizamt zur Berückfuh- tigung zu empfehlen. Das bedeutet die Anerkennung der Be­rechtigung der Forderung. In bem' Bescheid auf die Beschwerde des Vereins Mainz gegen den Landeswohnungsinspeltor Gretz- schel in Darmstadt findet das Ministerium alles in Ordnung und keinen Grund zu einer Beschwerde, danach hat man das Gefühl, daß die. Eingabe zum Teil ihren Zweck erreicht l>abe. Trotzdem hat der Vorstand des Mainzer Vereins beschlossen, in einer zweiten Eingabe vorstellig zu werden. Der dritte Bescheid des Ministeriums betrifft die Eingabe des Landesverbandes wegen der Reform des Schornsteinfegergewerbes. Man könnte dem Be­scheide nach doch glauben, man befände sich hinsichtlich dieser Frage in der besten der Welten: vorsorglich ist indessen beigefügt, daß die Einzelvereine da, wo Aenderungen, die durch die Streik Ämter gelöst 'werden können, verlangt iverden, sich an diese wenden sollen. Der Verband Mainz hat eine längere Eingabe an das Kreisamt Mainz gerichtet, um eine endgültige Lösung der Frage für Mainz anzustreben. Tie Eingabe soll vervielfältigt werden und allen Ortsvereinen zugehen, um als Unrerlage zu dienen, falls sie das Bedürfnis haben, deshalb vorstellig zu werden. Es folgten allgemeine Besprechungen über die Errichtung von Haus- besitzertammern, Beitritt des Landesverbandes zum Zentralver- bande der deutschen HauS- ünb Grundbesitzer-Vereine, Herstellung eines einh Etlichen Mietverirrgsformulars für Hessen. Brandver- sicherungstammer-Verhältnisse, Verhalten mehrerer die Notlage des Hausbesitzerstandes ausbcutender Banken und Erwirkung eines RechtsgutaMens, ob darin nicht die Kriterien des Wuchers zu finden seien, eines Feueroersich-rungsantrages mit Rabatt, der nach Vortrag des Fackoerständigen, Astheimer «Mainz), abge- lehnt wurde, und schließli-l> die Frage der Kanaleinlaufgebühren. Da diese Frage rein örtlich ist, wird die Lösung den Ortsoercinen, gegebenenfalls unter beratender Hinzuziehung des Vorstandes des Landesverbandes, überlassen. Besonders interessiert in der Frage war der Verein Friedberg, wo gegenwärtig ein neues Kanalsystem eingeführt wird und den Hausbesitzern große Lasten drohen. Ter Vorstand des Landesverbandes bat die einstimmige Ansicht, daß diese Gebühren von der Allgemeinheit zu erheben seien, der ja auch die Vorteile solcher neuen Einrichtungen zu gut Tarnen. Indessen soll daS nicht durch einen Zuschlag auf die Gemeinde­steuern geschehen, da die notwendige Erhöhung aus verschiedenen Ursachen zu vermeiden sei. Dagegen soll sie, wo solche eingejiibrt wird, durch besondere Erhebungszettel mit mäßiger progressiver Stngerung nach Verhältnis der Mietpreise von jebem Steuer­zahler erhoben werden, wobei in kleineren Städten die Zahler bis zu 200 Mk., in größeren bis zu 300 Mk. Jahresmiete von der Abgabe befreit bleiben sollen.

* Oefi entliehe Lesehalle. Jin April wurden 2228 Bände a u § a e (i e 6 e n. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1134, Zeitschriften 305, Jugendschriften 212, Literatur, beschichte 14, Gedichte und Dramen 40, Länder- und Völker­kunde 50, Kulturgeschichte 27, Geschichte undBiographien 121, Kunst- aeschiebte 26, Natunvissenschaft und Technoloaie 150, Heer- und Seewesen 20, Haus- und Landwirtschaft 11, Gesmidbeitslehre 18, Religioii und Philosovlne 23, Staatswissenschaft 18, Sprachivissen- fchaft V, Fremdsprachliches 47 Bände. Nach auswärts kamen 81 Bände.

** Vogelschutz. Alle Freunde der Natur sind ent­zückt von deut reichen Vogelleben, das seit der Rückkunft unserer gefiederten Sänger in allen Teilen unserer Heimat sich entfaltet hat. Insbesondere werden auch unsere Obst­baumzüchter. Gärtner. Forstleute und Landwirte die Hilfe dieser freiwilligenFeldpolizei" sich gern gefallen lassen und es dankbar begrüßen, wenn die Böget den Kampf gegen die Schädlinge in Wald und Feld mit emsigem Fleiß auf- n eh men. Daß man aber auch nicht vergäße, die treuen Bundesgenossen zu hegen und zu schützen, soweit es irgend möglich ist! Der furchtbarste Feind unserer Vogelwelt ist die wildernde .Hauskatze. Sie hat nach dem Stand der heutigen Gesetzgebung noch das Recht, auch auf frem­des Gebiet sich zu begeben und dort nach Belieben zu jagen und zu wildern, ein Recht, das jedem anderen Haus­tier b-etanutlich versagt ist. Um so mehr sollten alle ein­sichtigen Katzenbesitzer es sich zur Pflicht machen, wenigstens während der Brutzeit der Vögel, das ist von April bis Ende Juli, ihre Katzen doch zum min­desten nachts c i n z u s p e r r e n. Die sogenanntenaus- häusigeu" Kal. en, die lieber dem Vogelfang außer dem .Hause nachgehen als dem Mäusefang in dem Hause, habeu ja doch ihren Beruf verfehlt. Es ist aber auch eine Pflicht gegen die Allgemeinheit, die am Vogelschutz ein ganz hervorragendes ästhetisches und wirtschaftliches Inter­esse hat, die Hauskatze vom Vogelfang wenigstens während der kritischen Zeit der Brut zurückzuhalten.

Kreis Schotten.

d. Herchenhcim, 3. Mai. T-er Krieger verein hielt eine Versammlung ab, um zur Unterstützung des am 4. August 1912 bei dem Scheibenschießen zu Unter-Seibertenrod verun glückten Martin V o l p zu fteuern. Ihm war bei dem Scheiben­schießen von einem siebzehnjährigen Jungen aus Verseilen in den Oberschenkel des liuleu Beines geschossen worden. Die Be- Imndluug in der Klinik zu Gießen hat 3000 Mk. überstiegen, uirb er ist trotzdem lahm und vollständig erwerbsunfältzg geworden. Der sehr beklagenswerte Manu, der au bat mittleren Besteuerten des Ortes zähl! und zu bem1 Ausbringen einer foldxm Summe -nicht gut in der Lage ist, auch noch zur Bewirtschaftung seines Gütchens fremde Arbeitskräfte in Anspruch nehmen muß, befinbet sich deshalb in einer Notlage. Daher werden alle Krieger- und Soldatenvereiue des Landes gebeten, eine Beisteuer von je 5Mk. zu bewilligen, die schon den ganzen Kostenbestand decken würde. - Unsere Gemeinde steht vor einer Beigeordnetenwahl,

da der seitherige Beigeordnete sein Amt niedergelegt [yat. Der 31. Mat ist a!S Wahltermin festgesetzt. Bis jetzt hat sich nur einer darum beworben, jedenfalls wird es aber nicht dabei bleiben.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 2. Mai. Stadtverordnetensitzu ng vom 2. Mai. Unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Stahl sanden folgende Punkte ihre Erledigung: Neben einigen kleinen Bange suchm wird der Firma Lvth Boep ein Neubau für die Taunus straße genehmigt. Für Besclyaffiingeu von Regalen für das stad tische Archiv werden 2500 Mk. und für tiierne Schränke für das Museum 6000 Mk. bewilligt Die Vergebung von Liefe rangen für die Feuerwehr soll dieser überlassen bleiben. Der Errichtung einer öffentlichen Wage am neuen Gickerbahnhof feitene der Stadt irirb näher getreten werden. Die Ortssatzung wegen Er­

hebung einer Billettsteuer wird vorerst zurückgestellt. Das Au I sinnen der Stadt Bad-Nauheim wegen Zahlung von 42 000 Mk. zu den Geländecrwerbstosten der Wettertalbahn wird abg.'lchnt. Am 16. Juni, dem Tage des Regierungsjubiläums des Kaisers, sowie am 18. Oktober, dem Tage ber, Schlacht bei Leipzig, sollen seitens der Stadt Festseiern veranstaltet iverden. Für die Sanitätskolonne werden 100 Mk. bewilligt. Der Aus schlag der Einkommensteuer 1913 erfolgt in der Weise, daß 102 Proz. an Einkommensteuer er hob m und auf 100 Mk. Vermögenssteuer 15,6 Pfennig zur Kommunalsteuer vorgeschlagen werden. Durch Ortssatzlmg wird bestimmt, daß Einkommen^unter 500 Mk. steuer- l'rei bleiben. Die Polizeiverordnung, den Schutz gegen die Uebw- tragung von Krankheicen durch die gewerbliche Haar- und Barl- pslege Herr., wird genehmigt. Im Jahre 1912 nmrben in Fried- berg geschla-chtet: 869 Stück Großvieh, 4661 Stück .Neinvieh, 29 Ziegenlämmer und 13 Spanferkel. - Die Friedberger Ge­schick, tsblätter sollen als Beilage den hiesigen Zeitungen beigelegt werden und es werden hierzu 300 Mk. bewilligt.^ - Zum Vor­sitzenden des OKwerbegerick/ts wird Bürgermeister Stahl und zum Stellvertreter Stadtv. Valentin gewählt.

r. B a d ° R a u h e i m , 4. Mai. Mit einem sehr gut be­suchten Sinfonie-Konzert lüiirbcit gestern im Konzerthaus die Saalkonzerte unserer Kurkapelle eröffnet. Im Mittelpunkt des Interesses stand die K l c i ft " O u v e rt u r e von Rich. Wetz, die einen beachtenswerten Erfolg errang. Eine zweite Neu­heit Sieges- Onvertnre von Karl Bleyle entpuppte sich als eine Gelegenheits-Komposition, die zur Jahrhundert­feier der Schlacht bei Leipzig geschrieben wurde. Rach Schluß der diesjährigen Tagung werden unsere Land stände am 23. d. M. Bad-Nouheiin einen gemeinsamen Besuch ab» statten. Neben der Besichtigung des Bades ist ein Essen im Kurhaus vorgesehen.

h. Münzenderg, 4. Mai. Der älteste männliche Einwohner Oberhessens ist hier in der Person des Schäfers Knllmer gestorben. Der noch bis zu seinem Ende lebensfreudige Greis stand im 10 0. Lebensjahre.

Kreis Wetzlar.

x Krofdorf, 2. Mai. Heute stellte sich hier der Kandidat der rechtsstehenden Parteien für die L a n d t a gs - wähl, Herr v. Bodelschwingh, den Wählern vor. Der Vorsitzende, Landwirt Wilhelm Leib, wteS darauf hin, daß Herr v. Bodelschwingh ein Krofdorfer Kind sei, da er als Sohn des damaligen Oberförsters hier das Licht der Welt erblickt habe. Herr v. Bodelschwingh erörterte dann Fragen unserer inneren Politik, die zurzeit im Vorder­grund des Interesses stehen. Er wies darauf hin, daß eilt genügender Schutz des landwirtschaftlichen Gewerbes, wie er durch den Bund der Landwirte erkämpft worden sei, auch ferner erhalten werden müsse. Den Gegensatz be­rührend zwischen Konservativen und Natäonalliberalen, be­merkte Herr v. Bodelschwingh, dieser Gegensatz hätte nie dazu führen dürfen, daß die Nationalliberalen trotz des gefahrdrohenden Anwachsens der Sozialdemokratie die Pa­role ausgaben:Der Feind steht rechts", und daß sic daraufhin Wahlabmachungen mit der Sozialdemokratie ein» gingen. In der Aussprache erörterte Forstmeister Lieber die Differenzen zwischen Konservativen und Na- tionalliberuleu vom Standpunkte der nativnakliberalen Par­tei. Es kam zu einer interessanten Aussprache, an welcher ich auch Gutspächter Bitzer, Mitglied des Bundes der Landwirte, beteiligte.

4- Krofdorf, 4. Mai. Unsere Gemeindeverwaltung wird einen neuen Schulbau errichten. Architekt Meyer- Gießen hat den Plan dazu entworfen. Die Schule bekommt vier geräumige Schulsäle, ein Schulbad, sowie Brause- und Wannenbäder zur Benutzung fiir die erwachsene Bevölke­rung unserer Gemeinde. Als Bauplatz ist cm Grundstück am Fuße des Gleibergs an der Hauptstraße (in der Nähe der Bürgermeisterei) gewählt worden. Das Gebäude ist so geplant, daß es später durch einen Anbau für Schub­zwecke erweiterungssähig ist. Eine Lehrerwohnung ist zu­nächst nicht vorgesehen, doch fall sic im Anschluß au das Gebäude später erbaut werden.

Hessen-Nassau.

X Niedershausen, 4. Mai. Ter 82jährige Müller Christian Heberling wurde am Wehr unterhalb der Mühle im Kahlenbach tot anfgefunden. Schwermut über zerrüttete VermögenSverhältnissc scheint der Beweggrund der Tat gewesen zu sein.

d. K i r ch b r a ch t, 3. Mai. Die vorn' Blitz getötete Tochter war nicht die siebzehnjährige, sondern die zwölfjährige des Bürger­meisters Junker. Gestern nachmittag ist sie beerdigt worden. Das ganze Torf und die Jlmgegenb trauern mit bet Familie.

f] Marburg, 2. Mai. Die neue Orgel in der luth. Pfarrkirche, die an Stelle der alten aus dem Jahre 1727 stammenden Orgel getreten ist, wird am nächsten Sonntag zum erstenmal beim Gottesdienst gespielt. Sic enthält 47 Register, die sich auf 3 Manuale und ein Pedal verteilen, außerdem einen Roll- und Jalousieschwcller, ein automatisches Pianopedal, fünf feste und zwei freie Kom­binationen. Der Windbedarf wird durch elektrische Kraft erzeugt, zur Vorsorge ist jedoch eine Einrichtung für Hand- gevläse vorgesehen. Das Werk stammt aus der Crnelban» an statt Walckcr & Co. in Ludwigsburg. Tic Metzger^ inuung macht bekannt, daß Schweinefleisch von jetzt ab 8 0 P f g., Bratenstücke 90 Pfg. und Cotelettes 1 Mk. das Pfund kosten.

X Hanau, 2. Mai. Auf Einspruch des Haus- und Grundbesitzervereins ist inr Verwaltungsstreitverfahren vom Bezirksausschuß und später auch vom Oberverwaltungs- gcricht, die von den städtisck>en Körperschaften beschlossene O rd nn n g zu r Aufbringung der Ko st c n der Entwässerungsanlage der Stadt Hanau für un­gültig erklärt worden. Infolgedessen ist heute von den Stadtverordneten beschlossen worden, die nach dieser Ord­nung erhobenen Beiträge imi> Gebühr eit mit Ausschluß, der "Benutzungsgebühr au die Haus- und Grundbesitzer zurückzuzahlen. Es kommt hierbei die Summe von 560000 Mark in Betracht. Wie der Berichterstatter mitteilte, wird dadurch eine Erhöhung der E i n k o m m c n st c n c r von 1510,0 auf 165o/o, der Gewerbesteuer von 171 »o auf 180o.o, der Grund- und Gebäude steuer von 171 o,o auf 297oo erforderlich werden. Ein Beschluß über die Steuererhöhung wurde ausgesetzt.

Sport.

** TaS vorn Gießener R a b f a b r e r n e r c i n 18 85 am vergangenen SarnStag in ber Turnhalle abgehaltene Früh - i a h r S - S por t fe st verlief aufs schönste unb war reich an interessanten sportlichen Vorsührungen. Tie Rabreigen so­wie baS Zweier-Kunstfahren ber M i tglieber Schön hals unb Wagner wurden exakt nnb sicher gefahren unb ernteten stürmischen Beifall. Mit großer Spannung wurden die Rad ball spiele verfolgt. Unter den 5 Mannschaften zeichnete sich vor allem die des Siegener VereinsUebcr Berg und Tal" bureb sicheres Spiel aus. Im Vorspiel siegte die 1. Mannschaft des G. R. V. 1885 über die Mannschaft des Marburger Vereins, die Siegener Mannschaft über die Mannschaft des Vereins Herborn 1 und bic 2. Mannschaft ber 85 er. Tic Begeisterung war unbe­

schreiblich, als im Entscheidungsspiel die erste Mannschaft ber 85 er über Siegen mit 5: 4 Toren nach heißem Kampfe siegte. Dem sportlichen Programm folgte ein schon verlaufener Ball, dem am Sonntag ein gut besuchter Ausflug nach dem Philosophen­wald folgte.

i'l. T. A. - (5. W a g c n f a fj r t durch Süddeuts ch l a n d. Tie breitägige ZuverlässigkeitSfobrt des Allgemeinen Deutschen Autoiuobil-Elub, Sitz München, für Drei- unb Vierrav-Wagen bis 12 Steuer-PZ ist auf den 17., 18. und 19. Juli verschoben morden. Tas Endziel der Fahrt wird nicht Heilbronn, sondern Müneben fein. Der Meldeschluß ist auf beit 1. Juli 1913, der Nachmelde­schluß auf den 10. Juli 1913 festgesetzt. Für bic ftalnt macht sich in der Deutschen Automobil-Industrie großes Interesse bemerkbar. Es liegt bereits eine Reihe Meldungen der bekanntesten denlschen Automobilmarken vor.

S o m m e r - S k i k u r s c werden vom 6. Juli bis 12. Sep­tember d. Js. in den Octztaler Alpen abgebalten. Es werben ins­gesamt neun Kurse ftattfiitbcn. Fünf Kurse, bereit Stützpunkt das 3200 Meter hoch gelegene Brandenburger Haus ist, sind für bereits geübte Skiläufer bestimmt. Der neunte Kurs ist ein alpiner Lebr- unb Wanderkurs, bei bem u. a. zehn Gipfel und Pässe überschritten unb jeden zweiten Tag in einer anderen Hütte genächtigt wirb. Leiter ist K. Slreg, München.

Nniversitäts-Nackrrchterr.

Der o. Professor für vergleickienbe Sprachwissenschaft an ber Universität BreSlau Dr. pbil. August Fick begeht am 5. Mai seinen 80. Geburtstag. Ter Gelehrte ist von seiner akabemischen Tätigkeit entbunben und wohnt in Hildesheim.

Tr. Moritz v. Rohr, wissenschaftlicher Mitarbeiter ber Zcißschen Werkstätte, ist zum außerorbentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Jena mit dem Lehr­auftrag fürOptik in der Medizin" ernannt worden.

Der Botaniker, Geheimrat Proi. Dr. phil. Christian Luer s- sen an der Königsberger Universität, begeht am 6. d. Mts. seinen 70. Geburtstag.

In München ist ber Honorarprofessor für Physik an her bärtigen Technischen Hochschule Dr. phil. Max Thomas Ebel- m an n int 68. Lebensjahre geftorb en. Er stammte aus In­golstadt.

Der Naturforscher, Gymnasiallehrer a. D. Prof. _Dr. phil. Theodor Bail in Danzig begebt am 5. d. Mts. seinen 80. Geburtstag. Er ist zu Hainau in Schlesien geboren.

Die korrigierte Glücksgöttin.

2$. Frankfurt a. M., 5. Mai.

Die betrügerischen Machenschaften deS Bankiers und Lot- terielollekteurS Ferdinand Schäfer au* Düsseldorf, der sich bei der Ziehung der Frankfurter Luftschiffahrts-Lotterie um nind 60 000 Mark bereichern wollte, beschäftigen von heute ab die hiesige Strafkammer. Die Lotterie wurde seinerzeit von privater Seite, aber mit staatlicher Genehmigung zu Gunsten des Zu verlässigkeitsflugeS am Oberrhein veranstaltet, die Ausführung sellist wurde Schäfer übertragen, der schon verschiedene andere private Lotterien auf eigenes Risiko übernommen hatte. Während der ganzen Ziehung sollen verschiedene Unregelmäßigkeiten vor­gekommen sei. Die beiden Hauptgewinne in Höbe von 50 000 und 100 000 Mark hatte sich Schäfer selbst unter einer Deck adresse auSzahlen lassen. Er behauptete zwar, daß sowohl er wie feine Frau kein Vermögen besäßen, cs wurde ihm aber bald nachgewicken, daß er bei einer ausländischen Bank ein Depot von ca. 100 000 Mark hatte. Das Ergebnis der Untersuchung war für Schäfer äußerst belastend, so daß die Anklage auf "Betrug erhoben wurde. Zu dem Prozeß ist eine ganze Reihe von Zeugen und Sachverständigen geladen.

<5erid)tsiaaL

Eine Bestrafung für Kirchenaustritts- Propaganda.

Berlin, 2. Mai. Vor bem1 Schöffengericht des Amts­gerichts Berlin-Mitte stand unter bem Vorsitz dos AintSgerichcks- ratö Alsberg Termin an gegen den Rohrleger Robert Brauer- aus Neukölln wegen unbefugten Verteilens eines Flugblattes Der geiftige Befreiungskrieg 1913", in welckmn daS Komitee Konfessionslos" tunt Austritt aus der Landes!irche aufforderte. Zwei der freinnlligen Verteiler erhielten Strafen wegen unbi- fugten Verteilens des Flugblattes, der eine von zwei, Brauer von dreißig Mark. B. legte Berufung ein. Auf dem Flugblatt befand fich eine Holzschnittzeichmmg, auf der Ernst Haeckel unb Wil­helm Ostwald, als Maurer verlleidet, an einer Nrchentür herumhantieren und auf die Frage eines Gendarmm, was sie beiyt da machten, erwidern: Wir inad-en bloß den Ausgang ein bißclien weiter! Der AmtSänwalt führte aus, daß es etwas anderes wäre, wenn es sich um ein harmloses Flugblatt handele, aber bei einem derartigen häßlichen und aufreizenden Flugblatt müsse die Strafe voll aufrecht erhalten bleiben. Ter Gerichtshof ermäßigte jedoch die Strafe auf 15 Mark. Auch gegen dieses Urteil soll Berumng eingelegt werden.

(Eharlottcnburg, 3. Mai. Das Amtsgericht C ha r l o 11 enb u r g hot in der Privatllagesache des Reichs- tagsabgeorducten Held gegen den verantwortlichen Re­dakteur derB. Z. a. M." wegen Beleidigung den Antrag des Privatllägers auf Eröffnung des Harlptoerfahrens kosten­pflichtig zurückgewiesen. Ter Antrag stützt sich auf einen am 22. Januar erschienenen ArtilelDie btinx Lotterie".

Erster Deutscher Regie-lkongreh.

Berlin, 2. Mai.

Unter Beteiligung von etwa 400 Regisseuren aus ganz Deutsch­land trat heute im MotivhauS zu Elmrlottenburg der von der Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände einberufene 1. Deutsche Regiekongrcß zusammen. Den Vorsitz führt der durch seine Ibsen' Aufführungen bekannte Dr. C. Heine (Frankfurt a. M.). Der Vorsitzende sührtc in seiner einleitenden Ansprache aus, das; di- Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände zwar erst seit zwei Jahren bestell, jedoch bereits ein Arbeitspensum erledigt habe, das einiges Aufsehen errege. Die Arbeit deS Vereins soll sich darauf richten, das geiftige Eigentum der Regisseure zu schützen. Ter Regisseur schafft aus einem Werke der Dichtkunst ein neues Werk, nämlich ein Werk der Schauspielkunst: die AusfülTrung will das Erlebnis des Dichters zu einem Erlebnis deS Publikums machen.

AIS erster Redner sprach der künstlerische Leiter des Sb Mit­bürger Deutschen Schauspielhauses. Tr. Karl Hagem a n n, über daS ThemaDer grundlegende Regie-Einfall". Er wies daraut hin, daß ein einzelnes Stück an verschiedenen Theatern mit ver­schiedenen Regisseuren niemals in gleicher Weise zur Ausführung kommen kann. Denn bei der Regie spricht immer die persön­liche Auffassung des Regisseurs mit und von einer ganz bestimmten Grundlage au5, die der Redner denRegie-'Einsall" nennen möchte, betrachtet der Regisseur das Stüä. Von diesem bestimmten Standpunkt auS baut er die ganze Regie auf.

Dr. £ e r t Leipzig) sprach hieraus über daS Urheberrecht an der Regiekunst, ein soziales Problem. Die Regie eines Stückes ist nach dem Redner eine Kunst für sich. Der Regisseur ist der Schöpfer einer Ensembleleistung. Für bic Arbeit des Regisseurs ist eS ganz gleichgültig, ob ber Dichter eine Amveisung zur Inszenierung gab ober nicht. Nicht solche Angaben, svnbern der dramatische Text gibt dem Regisseur den Regieeinsall. Die ganz.: Regie ist ein rein persönliches Werk des Regisseurs, deshalb mug ihm auch daS Recht zur Rollenbesetzung gesichert werden, sonst kann er die Verantwortung für den Erfolg des Stückes nicht übernehmen.

Leopold Ießner i.s?<nrtburg) sprach über die künstlerische Ver untwortung deS Regisseurs, seine Rechte und Pflichten. Tie Rc- giifeurc sollten, darin gipfelten seine Ausführungen, alle Eitcl- feit beiseitesetzen und darauf verzichten, baß ihre Namen am dem Tbeatcrzettel genannt werben. Tasselbe sollten aber auch alle Schauspieler tun. Dann würde vielleicht das Wort des Dich' terc, daß die Nachwelt dem Mimen keine Kränze flicht, bahnt ergänzt werden können, daß das auch in der Gegenwart nicht