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9.9.1913 Erstes Blatt
 
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Deutsch-- Ueich.

Besuch des Kaisers bei Kaiser Franz Joseph?

In SEienet Hofkreisen verlautet, wie das Neue Wiener Ta^> blatt meldet, dar, Der Kaiser im L'aufe des Oktober, wahricheinl in der-zweiten Woche des Monats, dem (Erzherzog Fran; Ferd nand einen Jagdbesuch auf schloß Konovisckt abnanen wir5 Von ftonopifd)t, wo er zwei Tage verweilen dürfte, begibt sich der deutsche Kaiser zum Besuche Mutier Franz Josephs nach Wien, wo er im Schönbrunner Schloß wohnen wird. Ter AufeMhalt des Kaisers in Wien wird einen Tag dauern.

Fürst Bülow in Bremen.

Aus Br em en wird gemeldeti Aus der Rückkehr von der Jahrhundertfeier der Schlacht bei Dennewitz weilte das Fürstenvaar v. Bülow am Sonntag in Bremen. Pormii tags besichtigte das Fürstenpaar die Sehenswürdigkeiten und fuhr durch den Bürgcrpark. Im Anschluß hieran folgte das Fürstenvaar einer Einladung des Ehefredakteurs derWeserzeitung", Fitger, zum Frühstück, an welchem vom Senat die Bürgermeister Barckhauscn und Stadtländer, Senator Biermann, vom Norddeutschen Lloyd Präsident AcheliS und Direktor Heineken und außerdem einige andere .Herren teilnahmen. Nach 2 Uhr reiste das Fürstenpaar über Oldenburg nach Wilhelmshaven.

DieReichstagsfreikarten.

Wie wir aus Reichstagskreisen hören, wird der Bun­desrat zu der Frage, ob den Mitgliedern des Reichstags eine Eisenbahnkarte für die ganze Legislaturperiode gewährt werden soll, noch im Oktober, wahrscheinlich in zustimmendem Sinne, Stellung nehmen.

ZurKrupp-Affaire.

Einer der höheren Be a m t e n von Krupp, der in die Untersuchung verwicklt ist, hat, wie derVorwärts" mit­teilt, den Abgeordneten Liebknecht um (Genugtuung mit der Waffe gebeten, was Liebknecht abgelchnt habe.

Ausland.

Revolution in San Domingo

Nach Depeschen von dem amerikanischen Bizekonsul zu Puerto Plata in San Domingo, wo die Revolution zu­nimmt, wurde die Stadt von den Kanonenbooten der Re­gierung San Tomingos beschossen. Es besteht Ge­fahr für Lebe n und Eigentum amerikanischer Bürger. Der Aufstand, der bisher nicht für ernsthaft gehalten wird, wird, wie es beifit, von Hektor Delasauez, dem früheren interimistischen Präsidenten der Republik, geleitet, welcher die Herr­schaft über die ganze Provinz an sich gerissen hat.

Der Zolltarif der Vereinigten Staaten.

Wie ans Washington gemeldet wird, nahm der Senat an der Tarisvorlage. wie sie vom Repräsentantenhause angenommen worden war, etwa 7 0 0 Aenderungen vor. Diese beziehen sich hanvtsächlich auf die Abschnitte Metall, Ackerbau, Baumwolle und Wolle Es wird angenommen, daß das Konferenzkomitee beider Häuser die Tarisvorlage in zwei Wochen durchberatet. Der Senat strich z. B. wieder den Einfuhrzoll auf ausländische Bücher.

Ein Zusammenstoß an der mexikanischen Grenze.

Alls El Paso wird gemeldet: Leutnant Acosta von den mexikanischen Bundestruvveil ist Sonnabend nacht bei Juarez von zwei amerikanischen Zolleinwandernngsin- svektoren getötet worden, nachdem er die Brücke über den Grenzfluß überschritten und auf die Beamten geschossen hatte. Tausend Mexikaner versuchten über die Brückczu gelangen, um Aeostas Tod zu rächen, wur- ben aber durch amerikanische Kavallerie an dein Vorhaben gehindert. Es fanden keine weiteren Angriffe statt.

Ans StaM und Land.

Gießen, 9. September 1913.

** Die Hnpothekenvcrhältnisse in unserer Stadt werden immer schwieriger. Ganz zahlungsfähige Hy pothekenschuldner, die die Kapitalien zur ersten Stelle seit­her mit 1 nn verzinsten, erhalten von den Hypothekenbanken das Kapital gekündigt, mit der Erklärung, daß man die Hypothek gern belasten wolle, wenn der Schuldner sich be­reit erklärte, Vt°o für das Jahr mehr zu bezahlen. Unsere 'Sparkasse und auch amtliche Stellen, die Kapital aus I. Hypo- theken anlegen, berechnen nur -U/«"-» Zinsen, wenn sie Geld ausleihen, können sich aber, selbst wenn ihnen der Schuldner persönlich und das zu beleihende Objekt auch sonst genehm ist, nicht binden zur Hergabe von so großen Sum men, die zur Ablösung an bestimmten Terminen gebraucht werden. Auch die Landeshypolhekenbank berechnet für ihre auszuleihenden Kapitalien 41/2«,o und für

Tilgung des Kapitals im Jahr, außerdem aber noch 3 °/o

bewohnt hatte, und die zwei, die damals Liebesbriefe unter so criclnverenden Umständen getauscht hatten, Haden sich nie wieder gesehen. Friedrich Steifte hat damals seine gefangene Schwester folgenden Strophen besungen:

Im Turme lunterm got'schen Erker, So stark vergittert ganz und gar, San eine Taube in dem Kerker, Weil sie gedacht hat wie ein Aar. Gefangen hinter Eisenstäben Stand eine Rose manchen Tag, Weil in dem lieben Blumenleben Das Raustlwn einer Eiche lag.

DaS-Schicksal der Schwester, die aus diesen Erregungen ein langes Siechtum davontrug und jung .am 17. November 1840) starb, hatte auf den jünnereit Bruder einen starken Einfluß: cs 6 die ireibc.tliihcu GJinium i eu, die er im Eltern dauie eingc fugen, befestigt und ihn erst recht eigentlich zum Volksrichter ge­macht.

Mumienfunde im Garten des Khedive. Aus Kairo wird berichtet' Eine niigewodiilich interessante Entdeckung ist in diesen Tagen in den ("arten be - Bizekönig» von Aegypten gemacht worden Dor: arbeitete eine Anzahl Strafgefangener, die bei den mit großen Erdarbeiten verknüviteu Bodennwellierung- gen in einer liefe von etwa 14 Mtr. au' ein sehr großes, eigen­artiges Bauwerk stießen, baü eine Reihe von Kammern und Zimmern aufwies, die burd) Tunnels miteinander mrbunben sind Man verständigte sofort daS Hosamt. Sachm-rständige wur­den gerufen, die sich mit Hilfe von Seilen hinabließen Tie Unter­suchung ergab, daß die unterirdischen Gewölbe eine Reihe von Steinsärgen aufwiesen, die wundervoll erhaltene Mumien bergen Die erste flüchtige Untersuchung bei Fackeliäunn ergab, daß die Inschriften an den Särgen noch deutlich erkennbar sind und leucht ,ui entziffern fein werden Die Beschaffenheit der Mumien ist ein neues Beispiel für die Kunst der Aegvvter. ihre Toten ;u er halten Der Kdedive bringt dem Funde sehr großes Interesse ent gegen und bat bereit# bestimmt, daß ein Teil der entdeckten Sdxäi.cc dem Aegvvtischen Museum in Kairo u>rtviefen nxTben solle Die Untersuchungen sollen ieftt systematisch fongeieftt tverben. da alle An reichen darauf Hinweisen, das; eine regdrd'te Au.-gre. bung an dieser Stätte noch weitere toertoode Entdeckungen ;u- tagc fördern bürste

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- schäft. Dem Direktor des Hanauer Sta>ttbeai.r«5 .Valbert 6 te fiter ist auch die Direktion des Fürst! icben ^chausmelb' ife* in PutduS, sowie des Neuen üurbauätbeatcr? und der FreUio bühne im Seebad Binz auf Rüaen weiter bis zum Jahre 19_*n übertragen worden Ü'eb Baurat Schmieden. Mitglied der Akademie der Künste, ist gestern abend gestorben.

Geldbeschaffungskosten. Zweite Hypotheken sind zur­zeit fast überhaupt nicht und wenn schon bei Prima-Ob lekten nur zu 5 »o und höher zu haben. Es ist in Gießen lüngst vorgekommen, daß ein sonst zahlungsfähiger Haus etgentumer sein Anwesen zur Zwangsversteigerung gehen las sen mußte, weil er die ihm gekündigte II. Hypothek nicht an derwcit beschaffen konnte. In solchen Situationen des Geld und Hypothekenmarktes wird auch dem blödesten Spötter ein mal klar, wie gut es heute wäre, wenn in unserer Stadt eine Geldquelle vorhanden wäre, die, wenn auch nur in be fchränkter Weise, die Hyvothekennot herabmindern könnte. Leider find in einer günstigen Konjunktur des Geldmarktes, als sich die Sache ohne Opfer der Steuerzahler in Gießen hätte machen lassen, dahingehende Anträge des Leiters der städtischen Geschäfte von den Stadtverordneten wiederholt ab gelehnt worden. In der heutigen geldteuern Zeit diese Ein­richtung in Gießen zu schaffen, wäre unmöglich. Was man aber tun könnte, wäre ein größeres Entgegenkommen der Bezirkssparkasse, was sich auch ohne Frage machen ließe. Es ist doch beschämend, wenn gute zahlungsfähige Gießener Hausbesitzer am Platze nicht zu angemessenen Zinsen eine Hypothek an I. Stelle bekommen können, die ihnen von einer auswärtigen Hypothekenbank nur gekündigt ist, um * 2 °/<> mehr Zinsen heraus zu schlagen. Es beträgt dieses 12 °o, eine wesentliche Verteuerung der Miete. An erträglichen Mieten aber hat die Allgemeinheit das größte Interesse und eine Steigerung wird zweifellos kommen, wenn die Hypo­theken- und Gcldverhältnisse nicht anders werden. Diese Ausführungen werden durch die folgende Mitteilung unse­res ^-Mitarbeiters noch ergänzt. Mit welchen Schwierigkei­ten es verknüpft ist, gegenwärtig Geld zu bekommen, zeigt der Geldbedarf der Stadt Freiburg i. B. Die dort für die nächste Zeit geplanten Ausgaben der Stadtverwaltung er­fordern einen Aufwand von 14,8 Millionen Mark. Wegen der ungünstigen Lage des Geldmarktes hat aber die Stadt­verwaltung davon abgesehen, das Geld durch Ausgabe von Obligationen zu beschaffen, und im vorigen Jahr einen grö­ßeren Betrag zu 41/2 °/oigcr Verzinsung bei der Karlsruher Lebensversicherung geliehen. Die auf 1. April ds. Js. vorge­sehene Rückzahlung der Schuld wurde gegen Erhöhung der Verzinsung auf 4^.i °/o um ein Jahr verschoben. Neuerdings hat sich nun die Stadtverwaltung an das Direktorium der Neichsversicherung für die Angestellten in Berlin gewendet, das zugesagt hat, einen Betrag von 2.16 Millionen Mark zum Kurse von 95,7 bei 4^ proz. Verzinsung der Stadt­gemeinde Freiburg zu leihen.

* Rettungsmedaillen. Der Gürtler Friedrich Karl Jacoby zu Mainz hat am 8. Juni ds. Js. einen Knaben und der Kaufmannslehrling Josef S ch m a h l I. zu Worms hat am 2. August ds. Js. einen Menschen vom Tode des Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihnen vom Großherzog die Rettungsmedaille verliehen worden.

Der Gcwerbeverein führte am Sonntag seinen diesjährigen Meist er prüf ungS kur fuS zu Ende. Er be­gann im April mit 73 Teilnehmern, die in zwei Abteilungen an 22 Sonntagen und 11 Nachmittagen in der Woche unter­richtet wurden. Die Leitung hatte Reallehrer Haggen- müller, der von Architekt Garnon und Reallehrer Appel unterstützt wurde. Im Auftrage dcS verhinderten VereinS- vorsitzenden schloß der Leiter den Kursus mit Worten des Dankes und der Anerkennung an die Teilnehmer für ihre fleißige Arbeit.

Der Provinzial-AuSschuß hält am Mittwoch, den 17. September, vormittags Uhr, eine Sitzung nut folgender Tagesordnung ab: 1. Klage des OrtSarmen- verbandeS Frankfurt a. M. gegen den Landarmenverband Gießen wegen Unterstützung des Friedrich Lcidecker aus Breitenbach. 2. Klage des OrtSarmcnoerbandeS Frank­furt a. M. gegen den OrtSarrnenverband Asienheim wegen Unterstützung der Marie Drnfchel. 3. Klage des Artisten Friedrich Vetter zu Gietzen wegen Versagung des Wander- gewerbcscheins für 1913. 4. Bürgermeisterwahl Burkhards.

** Postscheckverkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende August 1913 auf 82545 gestiegen (Zugang im Monat August 823). Auf diesen Postscheckkonten wurden im August gebucht 1395 Millionen Mark Gutschriften und 1394 Millionen Mark Lastschriften. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber be­trug im August durchschnittlich 168,2 Millionen Mark. Im Verkehr der Reichspostscheckämter mit dem Postsparkassenamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, der luxemburgischen und belgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Post­scheckbureaus wurden 6,7 Millionen Mark umgesetzt und zwar auf 2960 Uebertragungen in der Richtung nach und auf 13820 Uebertragungen in der Richtung aus dem Auslande.

" Sparsystem. An der Fahrkarten - Ausgabe der Eisenbahn, wo hier bisher ausschließlich männliche Beamte tätig waren, ist seit etwa 6 Wochen auch eine Dame beschäf­tigt, die im Monat nur 60 Mk. Gehalt beziehen soll, dafür ober nur leichten Tagesdienst hat. Man hört, daß in dieser Weise noch eine weitere Dame beschäftigt werden soll, um die männlichen Beamten zu entlasten, die aber vor wie nach den Nachtdienst tun müfien.

Von den Wandernden. Im August kehrten in der Herberge zur Heimat 969 Gäste (gegen 1006 im gleichen Monat dcS Vorjahres) ein. Von diesen nahmen 280 Wanderer (268) Herberge gegen Arbeitsleistung an, 689 (743) waren Selbstzahler. Der Arbeitsnachweis der Herberge verfügte im abgelaufenen Mouat über 178 offene Stellen, von denen 172 und zwar mit 54 Handwerkern und 118 mit Arbeitern besetzt werden konnten. Von den vermittelten Stellm ent­fallen 52 nach außerhalb.

* Fund. Eine Partie sog. RindSwürstchen ist gestern auf der Polizei als gefunden abgegeben worden. Der Eigen- 1 ümer kann sie in Empfang nehmen; jedenfalls wurden sie verloren.

r Dom t u Mailand, d. h eine künülerische Nach- mwum. ui. tvic aut demJlnmqrnthl ersichtlich, für einige Tage n.fufn Welt zu bciimtigen. Der ^mertiger des Werkes 1 4.rflbLe?ar«i gearbeitet, im ganzen 3000 Saubfdgenbr etter ,ur -larf Material verarbeitet Von der Groß- ? Kunnwer' kann man fick' einen Begriff madrn. iJL ' Sttratbt zieht. Der Bau ist 4.19

U« , -'W breit, bat 126 lunnt.

Ubbunti .renfter. 43b Figuren unb 1734 BernerungSfviften namenll'ick^be^L'^^ a? geführt So bietet bieie* jiunüroert namentlich abrntw?. roenn »ein 3nnrr i crlm+trt«c,

artigen «nbiicf rer Verfertiger rra- a!< V?.fiter cuf Snte- bo'mung outte" in Cbetbouien beschäftigt unb hat bnrt Ilmalle erlmen io daß er innen Beruf mefc auXÄ£ Au5!teUun3 b,e,C5 «toirb! er itd) nun feinen

* Freie Urlaub-fahrt Mit den jüngsten Aband*. rungen unb Ergün;ungen des Reichsmilitärgeiefteö in auch die i^eraäbrung von alljährlich einer freien Hin- unb Rückfahrt in die Heimat für jede aktive Militärverson vom ivelbroebel ein­schließlich abwärts in Kraft getreten. Den Einjädr'.g -Freiwilligen steht, well sie Löhnung nicht beziehen, bic Begünstigung nickt iu. Die Beförderung erfolgt au» Militäriahrkarte. Die Konen 1 P - pro Kilometer) trägt der Mllllärstskus. Diese Maßnahme, die na. den Manövem zuerst im größeren Umfange geübt werden wird, soll Sazu beitragen, das Heimatsgefühl der unter den Wauen fh-benoen jungen Leute ;u erhalten und wird hoffenllich auch der immer liierter um sich greifenden Landflucht entgegenwirken. Tie mil-. länftben Jnteresien find durch die Bestimmung gewahrt, daß ein Anfonick auf Urlaub auch in Zukunft nickt besteht. Nack wie vor teilt der Urlaub beim Militär eine Begünstigung dar. die durch uitc Führung und Tienstleismngen rerbicnt werden muß. Cb Irlaub zu gewähren oder zu versagen ist, darüber entscheid« nadi pslichttnäßigem Ermessen lediglich die für die Ausbildung, Erziehung und Disziplin verantwortlichen Vorgesetzten. Ta- fu» für die Unteroffiziere und Mannschaften in erster Linie die rio» pagnic-, Eskadrons- und Batteriechefs.

Landkreis Gießen.

k Leihgestern, 8. Sept. Sein 50 jähriges Juki, äum beging gestern unser Gesangverein ^Liederkranz^ unter 'tarker Beteiligung. Der Festzug umfaßte 20 Nummern. Lehrer Lotz hielt die Festrede, die Festjungsrauen stifteten einen Fahnentraggurt, der GesangvereinEintracht^ und der TurnvereinFrisch aus" je eine Fahrtem'chleise, der Krieger, verein einen Fahttennagel. Lebhaften Beifall erntete der Masicnchor dieBrautsahrf, denLiederkranz- Lcihgesterv und Gesangverein Wetzlar-Nieder-GirmeS vortrpgcn.

Kreis Alsfeld.

^Ober-Breidenbach, 8. Sept. In großen Schrecken verseht wurde die hiesige Familie Zulauf in der Nacht vom 6.7. September. Herr Zulauf hatte sich kaum in das Schlafgemach begeben, als er durch Klopfen an ein Fenster gerufen wurde. Eine Stimme sagte ihm, er solle die HauS- ture öffnen. Herr Zulauf öffnete die HauStüre in der Meinung, eS wolle jemand von feinem Gesinde in daS HauS. Plötzlich kam eine fremde Gestalt vor die Türe gelaufen, fleckte eine Stange zwischen die Türflügel und versuchte mit Gewalt in den Hausflur zu kommen. Zulauf, der jedoch kräftiger war, schlug die Türe zu und verriegelte sie. In diesem Moment krachte ein Schuß. Die Kugel ging glücklicherweise in das Holz der Türe. Wäre Zulauf nicht so flink gewesen, dann hätte ihn die Kugel in die Brust getroffen. Don dem Gauner fehlt jegliche Spur. Herr Zulaus hatte am Tage vorher zwei Ochsen verkauft und hierfür Geld in Empfang genommen. Dies hatte jedenfalls der Dieb benierkt und wollte einen Raubmord begehen. Der Staatsanwalt weilte vor­gestern hier, um die Angelegenheit zu untersuchen.

Kreis Friedberg.

1^. Friedberg, 8. Sept. Der hiesige Bahnarbeiter Schmidt, der im Juni ds. IS. auf der Strecke von einem Zuge überfahren und eine Strecke weit fvrgeschleift wurde, ist jetzt seinen Verletzungen erlegen. Der Ertrag der Kollekten für den Gustav Adolf-Derein betrug beim gestrigen Jahressest P50 Mark.

h. Butzbach, 8. Sept. Mit dem Pferde stürzte im Manöver bei Flieden der Bataillonsadjutant Leutnant Rup» pert vom hiesigen Bataillon 168er. Die Berletzungen inb bedeutend.

k. Ans der Wetterau, 8. Sept. Die Hamster, und WühlmanSplage ist in diesem Herbste wieder sehr groß. Sachkundige erklären, daß jedes dieser Tiere einen ährlichen Schaden von 1520 Mark anrichtet. Da sich riefe Nager sehr rasch vermehren, oft viermal 1012 Junge werfen, so kann man den riesigen Schaden leicht au-denkeu. Jetzt geht man vielfach mit Räucherapparaten gegen die Höhlenbewohner vor. Die Bekämpfung durch Ausräucherung jat sich als die beste erwiesen.

Starkenburg und Rhkinheffcn.

Eine schwere Eisenbahn-Katastrophe in Offenbach.

m. Offenbach a. M., 9. Sept. Ein fckwereS Eurnbabn- Unglück, dem 2 Menschenleben zum Opfer gefallen find, ereignete sich gestern.nachmittag am Bahnübergang der SprcnMmger Straw Dort fuhr der 2.02 11 br vom Frankfurter Haupt bahn hoi ablob- renbe Eilzug E 34 der Strecke Frankfurt -Nürnberg, der am dem hiesigen Hauptbahn Hof fabrplanmäfiig 2 17 Ubr eintrifft, «. ein Mllchsuhrwerk hinein, daS eben den Bahnübergang passiere, wollte. Der Zug, der kurz vor dem Einfahren in die Statu* mit fast verminderter Geschwindigkeit dahergebraust kam, i- faßte das tHefäbrt, das etwa 20 Meter weit gefdilruhcrt wurde-' Der Wagen wurde völlig zertrümmert, das Pferd war sofort tnt. die Insassen des Wagens würben nach verschiedenen h ubtimgee bcnmiergcfchleuberl. Die 76 jädrige Susanne Sckä s'e r ai# Sprendlingen wurde von der Maschine ersaßt unb etwa 18 Meter geschleift. Sie trug dabei so schwere Verlepungen davon, daß ste'- atzKxlld verschieb Ter bdnbUt

Hermann Neubecker aus Sprendlingen, der von den Rädern de« iuges schwer verletzt wurde, starb zwei Stunben nach inner Ueberfübrung ins Krankenhaus N S Ehefrau, die fick an iruttT Seite auf deut fV ibrt befunden Lar so schwere BertetM»» gen davon, daß sie in befini J dranken^W

gebracht iCTcrbcn mußte, ikkIi idmnen ihre Wunden, soviel man bW» ber vernimmt, nicht lebenSges ährt ick zu fein.

An der llnfallstette, die gleich von einer zahlreichen MensckeO' menge umlagert wurde, lagen in wirrem Durcheinander br Trümmer Wagen-Z, der von der Ma>'- ' >

:i-orben war, umher Auf der nach der Station zu gelraeD reckt rverS iah man das verendete

dem die Eingeweid-.' aus dem anfgesckliftlen Leibe hetivrqu.'fl» Auf der i " ? ite lag die Leicke der auf

getöteten alten Frau, deren Gefickt^ausdrnck vom Schrecken flti" setzlich verzerrt erschien

Es ist zur Stunde noch nicht genau zu erkennen, wie fi#

1!!? IW sicher, daß die B<ihii>ckrai? ober d ' W

'ix-rrt waren t abiuroarten, o- die Schuld den

Bedienung der Schranken betrauten Hittsbalmwärter öer»?! trifft. Er wurde io>ort nach der Matafirpohe abgelöst. AW nner bisherigen Aussage will er das ordnungsmäßig zu gcbe*F weite Signal nickt gehört haben, wobei c-5 babingefteUt ble» ob rin Ucbcrbören seinerseits vorliegt, oder ein Versagen M ^autrwerkeH Die alickald bahntecknifche llnt n'uckM

wird darüber Äunckluß geben. Auf jeden Fall aber ist, wir 6 m letzten Jahren deH öfteren, io auch hier wieder, xxxi* ichulr ohne jede Frage den mißlichen Offenbacher Bahniufi wbt» rtriwchreiben, deren Opfer ja schon oft genug zu beflogen wart»

Heffcn-Naffau.

h. Hanau, 8. Sept. König Konstantin v®1 Griechenland wird vom 15.17. September den Schloß manövern des 18. Armeekorps beiwohnen.

0 Marburg, 8. Sept. Tic Philosophische ^/ kultät der hiesigen Universität erneuerte dem Proftff^ i)r. Brenning in Weener (OstfrieSland) aus Anlaß heutigen 50jährigen Doktorjubiläums sein Diplom.