Ausgabe 
2.6.1913 Erstes Blatt
 
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Eine ZahrlMdertseier in Siehrn.

Gießen, 2. Juni.

Dis Jxchrhundertfeier der Befreiungskriege, die gestern von der Bürgerschaft und der Universität festlich begangen wurde und trotz des nicht gerade günstigen Wetters aufs würdigste verlief, begann nachmittags mit einer

akademischen Feier

im lDtadttheater, zu der sich außer den Spitzen der einzelnen staatlichen und städtischen Behörden fast der gesamte Lehr­körper der Universität, die Chargierten der Verbindungen, zahlreiche Stadtverordnete und viele_ Bürger mit ihren Damen eingefunden hatten. An den gesanglichen Vorträgen, die sehr gut ausgewählt waren, nahmen teil die Gesang­vereine: Bauerscher Gesangverein, Bürgergesellschaft, Ge­mütlichkeit, Harmonie, Heiterkeit, 'Kronbauerscher Quartett­verein, Liederkranz, Maschinenbauer-Gesangverein, Sänger­kranz. Eröffnet wurde die Feier mit Tschaikowskys grandiosem Tongemälde der Brand von Moskau, das von unserer Regimentskapelle unter der Leitung des Ober- musikmeisters W. Löb er sehr wirlungsvoll wicdergegeben wurde und einen starken Eindruck machte. Unter Herrn Prof. Traut man ns Leitung fangen die vereinigtes Sänger, die einen prächtigen Tonkörper darstellten, zunächst Karl Maria von Webers ä oapella-ChorHör' uns, All­mächtiger" mit feiner, eindringlicher Verinnerlichung und auch in der Aussprache ganz- vorzüglich. Von gleicher Kraft war das Altniederländische Dankgcbet, das in seiner schlich­ten Größe von erschütternder Wirkung ist. Darnach hielt der Rektor, Herr Prof. Dr. Eck,

die Festrede,-

in der er mit meisterlicher Rhetorik ein Bild vvn der ge­waltigen Zeit vor hundert Jahren entwarf, indem er das Jahr 1813 nach seiner inneren Entwickelung und der Zu­sammensetzung seiner weiten vielfältigen Geistesgebiete zu ergründen suchte. Er ging von dem erhabenen Gedanken aus, daß die stolze Herrscherkraft des Todes an der Ge­schichte zu schänden würde, weshalb wir auch heute die Schatten der Vergangenheit grüßen könnten, als seien es Lebende. Eine Ration sei nur, was sie wurde, und sie wurde nur, was sie sei, durch die Tat ihrer Helden. Aber wenn das Jahr 1813 auch ein Jahr der Schlachten gewesen sei, so sei es doch nur das Ergebnis einer langen Entwicke-- lungsreihe. Man zerlege es zwar häufig in eine Zeit der Gedanken und eine Zeit der Tat, aber das sei unhaltbar, denn beide gingen beständig und immer ineinander über, ohne daß sich eine Grenze ermitteln lasse. Schon Lessing habe die große Zeit angebahnt und Goethe, Schiller und Kant seien es gewesen, die Deutschland wieder im Fühlen und Denken vereint haben. Eine große Zeit sei undenkbar ohne große Denker, und die habe Deutschland gerade in seiner traurigsten Zeit in reichem Maße besessen. Er ging dann näher ein auf die Gelehrten und Staatsmänner, die durch ihre Wirksamkeit die großen Tage der Befreiung vor­bereitet und begonnen haben, vor allem aber auf den Reichsfreiherrn v. Stein, und schloß dann mit dem Hin­weis, daß die deutsche Ideologie, deutsches Pflichtbewußt­sein und deutscher Glaube die unsichtbaren Kräfte gewesen seien, die 1813 geschaffen hätten und wie damals so auch heute in dem sichtbar herrlichen Vaterlande wirkten. (Wir werden die bedeutungsvolle Rede im Wortlaut veröffent­lichen. Die Red.)

Der Fackelzug

ging pünktlich um 9 Uhr von Oswaldsgarten, wo er sich ausgestellt hatte, ab und bewegte sich über die West-Anlage, Seltersweg, Plockstraße, Gvethestraße und Löberstraße nach der Wohnung des Rektors, wo die ersten Chargierten ihre Aufwartung machten. Rach etwa halbstündigem Aufent-i halt setzte sich der Fackelzug wieder in Bewegung und ging über Bleichstraße und Ludwigstraße zum Trieb, wo in althergebrachter Weise unter Wsingen des Gaudeamus! die Fackeln zusammengeworfen wurden. Tie Teilnehmer be­gaben sich dann nach der hübsch geschmückten Festhalle, wo um 11 Uhr

der Festkommers

eröffnet wurde, zui dem sich wieder die Spitzen der Be­hörden, Vertreter des Regiments usw. eingefunden hatten. Der Präside des Abends, stud. Eich hoff, Teutonia, wies in seiner Eröffnungsrede auf die Bedeutung des Tages hin, indem er betonte, daß vor hundert Jahren sich Bürger und Studenten zum gemeinsamen Kampf gegen den Unter­drücker zusammengcfunden hätten, wie sie sich- heute zur gemeinsamen Erinnerung versammelt hätten. Er begrüßte alsdann die Vertreter der Behörden, die Stadtverordneten und Gäste, und ließ zu Ehren der Gäste einen Salamander

der erste Akt vorüber, da brach ein Beifallssturm los, das zerstreute Publikum war besiegt, gefesselt ein neuer glänzender Stern am Dirigentenhimmel war aufgegangen.

Die Lausbahn Weingartners seit diesem ersten großen Ber­liner Erfolge ist allgemein bekannt. Sie hat ihn von Berlin nach Wien und dann nach Hamburg geführt, sie hat ihn zu einem der gefeiertsten Dirigenten der Gegenwart gemacht, aber ihm auch Reibungen nicht gespart, an denen der temperamentvolle Künstler nicht immer ganz sckuüdlos gewesen sein dürfte. Ter Erfolg seiner Tätigkeit als Komponist hat wohl nicht ganz gehalten, was jener erste Erfolg am Weirnarisä-en Theater zu versprechen schien, aber die reiche Begabung Weingartners auf diesem Gebiete l>aben auch die anerkannt, die an Werken wie O-Knesius" kein reines Gefallen finden konnten. Der reickbc- gabte .Künstler ist aber nicht nur Komponist, sondern auch Dichter. Erst unlängst hat er eine dramatische DichtungAbel und Kam", vollendet, die er in Töne zu setzen gedenkt. Er i>t bei der Ab­fassung einer Andeutimg Goethes gefolgt und läßt Adam zweimal verheiratet sein, das erste Mal mit Lilith, der Mutter Mels und Adas, das zweite Mal mit Eva, der Mutter >t'ains. Tas dramatisclw Motiv der Dichitung ist dies, daß sowohl Kain wie Mel in Liebe zu Ada entbrennen, wobei Abel dann als Opefr der Eifersucht Kains das Leben verliert. Schließlich bient zur Vervollständigung des Bildes der künstlerischen Physiognomie dieses vielseitigen und lebensvollen Künstlers, daß er auch eine ganze Reihe von seinen und anregenden Essais über Fragen der Kunst veröffentlicht hat. Ms ein schönes Beispiel seiner ivarmen Begeisterung sei hier schließlich die folgende Stelle aus einem Aufsätze Weingartners über Beethoven mitgeteilt:Je ferner uns Beetlwvcns zeitliche Erscheinung rückt, desto rätselvoller wird uns die Gottähnlichkeit seiner Größe. Schon die Nennung seines Namens genügt, nur jene weihevolle Spannung zu erzeugen, die das Nahen des Mßerordentlichen begleitet. ...... An­dacht und Hingebung malt sich aus den Zügen der Zuhörer, und die weiten Räume glänzender Konzertsäle drirchzittert die Er­regung des Schwelgens, wenn der Augenblick gekommen ist, da ein Werk Beethovens erklingen soll. Könnte das einmal anders ivcrben? Ich habe behaupten hören, daß möglicherweise kommende Jahrtausende zu Beetlwvens Musik ebensowenig Beziehung haben könnten, als nur sie heute zur Musik der Grieä-en haben. Ich glaube nicht daran. Zwar auch das Wertvolle kann untergehen, insofern wenigstens, als eine unmittelbar wirkende Lebenskraft versiegt und nur das gefährliche lfistorische Interesse übrig bleibt, das sich zum Wesen der Kunst verhält, wie die Mumie »um Menschen Vieles von Haydy, Wpzart und Schubert, das. Meiste

reiben. Rach dem zweiten Lied sprach Oberbürgermeister Mecum auf Kaiser und Grvßherzog.

Die Rede des Oberbürgermeisters.

Sehr geehrte Damen und Herren.

An dieser Stelle, auf dem städtischen Trieb, stehmr nur out historischem Boden. In früheren Jahren, als dre Erinnerung an die Freiheitskämpfe gegen den ersten Napoleon bcl unseren Vorfahren noch frisch und lebendig war und biete Mükampser aus jener Zeit noch unter ihnen weilten, zog ledes ^ahr zum 18. Oktober die Bürgerschaft unserer Stadt hinaus, um.hier mit begeisterten Reden und beim Schein der Freudenfeuer von den umliegenden Höhen das Gedächtnis an die einmütige Erhebung des deutschen Volkes aufzufrischen und sich zu stärken zum Kamps um das unschätzbare Gut der Freiheit und der Einheit der deutschen Stämme, die vor 100 Jahren wohl v e Pr o chen war en, aber von der bald einsetzenden Reaktion dem Volk noch viele Jahrzehnte borenthalten wurden. Diesen Platz stellte vor bl) Jahren in schwerer Zeit die Stadt den Turnern zur Verfügung, damit sie hier eine Stätte fänden, an der sie Körper und Geist stählen konnten zum Kampf um die endliche Einlösung des lange gegebenen Versprechens. Hier wurde vor 50 Jahren unter dem sudelnden Beifall der Gießener Bürger der Wunsch ausgesprochen: Möge zum Heil der Fürsten lüie der Völker und des ganzen Vaterländes recht bald der Tag anbrechen, der der Natron die Früchte ihrer Kämpfe bringt." Und dieser Tag kam schneller, als man damals zu hoffen wagte, und es mutet uns heute an, als ob der damalige Redner eine Sehergabe besessen habe, denn nach den Oktobertagen von 1863 begannen in unmittelbarer Folge die großen Ereignisse, die im Ringen der (Staatsmänner, in mächtigen Kriegen und Schlachten das deutsche Volk zur staatlich geordneten Einheit führten und ihm einen Kaiser Wiedergaben.

Dann kam die schwere Aufgabe, das Errungene zu sichern und zu festigen, pach außen den Frieden zu erhalten und im Innern den Frieden zu schaffen durch den Ausgleich der sozialen Gegensätze. Und gerade hier ist Deutschland unter der r-suhrung seines ersten Kaisers und seines großen Kanzlers vorbildlich ge- wordeii für die ganze Welt, und es ist eifrig bei der Arbeit, durch weiteren Ausbau der sozialen Gesetzgebung dem erstrebten Ziele immer näher zu kommen. Wohl schüren die geheimen, tm Ver­borgenen wühlenden revolutionären Mächte den Krieg gegen den Staat, den sie in richtiger Erkenntnis für das festeste Bollwerk staatlicher und sozialer Ordnung halten, um nach ferner Nieder­werfung alles zu überfluten. Der Republikanismus erhebt seine Waffen gegen die deutschen Monarchien: der Jesuitismus arbeitet gegen das protestantische Kaisertum; Feinde des inneren Friedens, die sich vorläufig gegen uns verbinden, um dann zu sehen, wer des anderen Herr wird. Freilich wächst mit der Zahl der Femde auch die Erkenntnis, was das deutsche. Staatswesen mcht nur für uns, nein, für die ganze Welt bedeutet: ein mächtiges streich, das keinen schöneren Ehrgeiz kennt als den, der Welt die Seg­nungen des Friedens zu erhalten; ein starker Staat, der in verfassungsmäßiger Freiheit Gewähr bietet, daß nicht unsere Zivi­lisation von der Anarchie vernichtet wird; eine tief im Volke wurzelnde Monarchie, die der beste Schutz der wirtschaftlich Schwa­chen ist. Mit dieser Erkenntnis mehrt sich auch die Zahl derer, die unseren Bestand als eigene Lebensfrage auffassen und sich daher wohl bedenken werden, ehe sie die Hand erheben, um dieses Staatswesen in Trümmer legen helfen, in Trümmer, unter denen auch wohl sie begraben würden. Vor allem aber müßen wir selbst entschlossen sein, fest zu stehen und zu erhalten, was wir errungen haben und was wir geworden find; und dieser Entschluß heißt: Treu zu Kaiser und Reich, treu zu unserem Hessenland! ,

Diesen Entschluß und dieses Gelöbnis sprechen wir aus mit dem Ruf: , .

Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II. und Seine Königliche Hoheit, Großherzog Ernst Ludwig, sie leben hoch!

Rach dem nächsten Lied sprach nochmals der Rektor, indem er, anknüpfend an Arndts Schrift, der Rhein Deutsch­lands Strom, nicht Deutschlands Grenze, den Rhein als den deutschesten der Ströme, als die eigentliche Blutader des Reiches feierte und in herzlichen Morten der Heimat, des Vaterlandes gedachte. Auf diese mit ganz außerordent­lichem Beifall aufgenommene, in ihrer Kürze ganz meister­hafte Rede sang die Festversammlung stehend die drei Strophen des Hoffmannschen LiedesDeutschland, Deutsch­land über alles". Die Rede auf Gießen hielt stud. Tamm, Frankoniae, indem er in knapp umrissener Form die alte Musenstadt und ihre Bürger feierte, worauf mit lebhafter Begeisterung das Lied vom freien Burschen gesungen wurde.

Um 1 Uhr wurde der Kommers -geschlossen.

Ans Stadt und Land«

Gießen, 2. Juni 1913.

** Prinz Hermann zu Stollberg-Wernige- rode f. Seine Durchlaucht Prinz Hermann zu Stolberg- Wernigerode, Gemahl Ihrer Durchlaucht Prinzessin Dorothea, geb. Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich, ist am 1. Juni in Radenz, Prov. Posen, plötzlich verschieden.Prinz Hermann ist am 8. Juli 1867 als ältester Bruder des

von Weber führt nur noch im Lichte der unvergänglichen Werke dieser Meister ein künstlerisches Dasein, gehört aber an sich der Vergangenheit an; von Beethoven nichts, einige Jugendwerke und Gelegenheitskompositionen vielleicht ausgenommen. Er hat sich, vvn Umarbeitung einiger Werke abgesehen, fast nie wieder­holt, in jedem Satz ist er sich selber unähnlich und doch trncoer ganz er selbst; bei ihm gibt es kein Schema, keine Manier, kein Schaffen bloß um des Könnens willen. Versagt ihm zu Zeiten seine Erfindungskraft, daß er das Höchste nicht leisten kann, so schafft er überhaupt nicht; daher der Reichtum und die überzeugende Macht seiner Musik. Bach hat kunswoller, Mozart harmonischer, Schubert melodiöser, Weber farbenreicher geschrieben, doch keiner reißt uns so auf die von aller Konfes­sion und Konvention freie Sonnenhöhe des wahren Menschentums hinauf, wie Beetlwven. Und darin, nicht in Einzelwerten, liegt seine Unsterblichkeit."

*

Ein Festspiel Gerhart Hauptmanns. 9lüs Breslau, 31. Mai, wird gemeldet: In Anwesenheit der Spitzen der städtischen, staatlichen inib militärischen Behörden sowie zahl­reicher Pressevertreter des In- und Auslandes, fand beute die feierliche Uraufführung des von GerhartHauprmann für die Jahr­hundertfeier der Freiheitskriege für die Stadt Breslau gedichteten und von Professor Reinhardt inszenierten Festspieles statt. Die Jahrhunderthalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Festspiel bringt in Einzelbildern und Massenszenen, in denen 2000 Personen mitwirken, die fianzösische Revolution, den zwölf­jährigen Napoleon (Lia Stofen), den Ruhm und Sturz Napoleons (Ludwig Hartau), das schlafende .Deutschland und die Erhebung Preußens und schließt mit einer großartigen Friedensprozessi>ni. Besonders traten hervor Jahn (Diegelmann», Freiherr von Stein (Joseph Klein), Kleist (Nemetz), Fichte (Werner Kraus) und Blücher (Maning), sowie Athene-Deutschland (Marv Dietrich). Gerhart Hauptmann, sowie die Darsteller und Professor Reinhardt wurden immer von neuem gerufen und wurden mit jubelndem Applaus überschüttet.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Geh. Baurat Ludwig Hoffmann- Berlin wurde zum ordentlichen Professor an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin, Geh. Oberregierungsrat Diels zum stimmberechtigten Ritter des Ordens pour le meritc für Wissenschaften und Künste und der Historien- und Bildnisinaler Seou Bonnet in Paris r"m auswärtigen Ritter des Ordens pour Ic merite für Wissen­schaften und Künste ernannt.

Fürsten Christian Ernst zu Ilsenburg geboren. Am 24. Mai 1910 erfolgte zu Lich seine Vermählung mit Prinzessin Dorothea.

"Ordensangelegenheit. Der Großherzog bah dem Oberhofiueister Dr. Hugo Freiherrn von Leon har di die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adlerordens 2. Klasse erteilt.

* * Erledigt ist die mit einem kath. Lehrer zu be­setzende Schulstelle zu Unter-Hambach.

Bahn Personalien. Der Groß Herzog hat beui Vorstand des Eisenbahnbetriebsamtes 2 zu WormS, Eisen­bahn-Bau- und Betriebsinspektor Jak. Jordan, den Charakter als Negierungs- und Baurat verliehen.

* * <5* e u e r. Von einem Augenzeugen wird uns über den Brand am Samstag berichtet: Ich kam mit dem NachtsclMellzuge am Samstag abend aus Frankfurt hier an und hörte an der Ecke der Liebig- und Bahnhofstraße den Feueralarm. Von jenseits der Lahn sah man eine mächtige Feuersäule und mit Hunderten von Menschen eilte ich den Weg am Felsenkeller durch die.Hammstraße zur Brandstätte. Aus der Lahnbrücke war kaum dnrchzukommen. Es brannte das alte Holzfachwerkhäuschen des Drechslers Walter, dessen Bewohner häufig bei Hochwasser in Not waren und befreit werden mußten. Als ich etwa 10 Minuten vor 1 Uhr an der Brandstelle ankam, waren beide freiwillige Wehren an der Arbeit. Das Häuschen mit dem Hausrat war vollständig dem Feuer preisgegeben und schon zusammengestürzt, ein lodernder Trümmer­haufen. Walter, dessen Frau und sechs Kinder, die beim Ausbruch des Brandes im Schlafe lagen, sollen mit knapper Not das nackte Leben gerettet haben. Das nach Tausenden zählende Publikum drängte sich bis unmittelbar an das brennende Haus und zertrat dabei die bestellten Gärten und Aecker; der Andrang war so groß, daß die Feuerwehr für ihre Schlauchleitungen Befürchtungen haben mußte. Alles gütliche Zureden der Feuerwehrleute und Schutzleute war vergeblich. Regierungsrat Gebhardt befahl tont ben Schutzleuten, energisch vorzugehen, um die Feuerwehr vor Belästigungen zu schützen. Der Erfolg blieb nicht aus. Es ist bedauerlich, daß ein Teil unserer Bevölkerung immer wieder bet Bränden die Wehrleute verhöhnt und ihnen und der Polizei ihren beschwerlichen Dienst unnötig erschwert. Die Art, wie unsere Feuerwehren beim Ausbruch eines Feuers alarmiert werden, ist veraltet und paßt nicht mehr für eine Stadt wie Gießen. Dies ist schon so oft von der Stadtverordnetenversammlung zugestanden

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worden, ohne daß bisher eine Aenderung eingetreten ist.

** Selbstmord. Am Samstag nachmittag 6 Uhr ließ sich ein Insasse der Provinzialsiechenanstalt namens Iahmel in der Nähe des Bahnüberganges am Schiffen- berger Weg üb erfahren. Der Lebensmüde ist Veteran von 1870/71.

** Ein seltenerRiesenschwammin Gießens Wäldern. Ein Riesenbovist (Bovista gigantea) wurde von einer hiesigen Dame in der Nähe des Schiffenbergs gefunden. Der Schwamm ist nahezu drei Pfund schwer und ist damit noch nicht das größte Stück seiner Gattung, denn der Riesenbovist wird bis zu 6 Pfd. schwer. Der Riesenbovift ist im allgemeinen selten; wo ein solcher ge­standen hat, ist für die nächsten 5 bis 6 Fahre keiner zu erwarten. Der Schwamm kommt im feuchten Waldbodcu vor, er ist in seiner Jugend eßbar, wird aber später giftig. Wer nicht genau stber seine jEntwicklung Bescheid weiß, lasse ihn lieber.ungegessen.

Landkreis Gießen.

Wieseck, 1. Juni. Im Saale des Gastwirts t Adam Ziegler hielt der Konsum verein seine ordentliche I Hauptversammlung ab, deren Verlauf von der durchauszl gesunden Entwicklung und gewissenhaften Leitung bc$n| Vereins Zeugnis gab. Der von Direktor Hilde braut 1 vorgetragenen Jahresrechnung und Bilanz entnehmen wir Den 127 596,34 Mk. Einnahmen stehen 124519,13 Mk Ausgaben gegenüber. Der Jahresumsatz beträgt 116140,55 Mk. Obwohl auf das neuerbaute Haus (Verkaufsstelle I) außer der gesetzlichen Abschreibung noch weitere 2000 Mk. ab­geschrieben wurden,sind 11083,96 Dtk. Rciugewinnvorhanden. Nach der Entlastung des Vorstands genehmigte die Ver­sammlung eine nach dem Warenbezug zu verteilende ' Dividende von 8%, die bis zum 15. Juli bei den Verkauf. stellen eingelöst werden muß.

b. Wieseck, 1. Juni. Am Montag, 2. Juni abends 9 Uhr findet eine Gemeinderatssitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Anschaffung von Kanalreinigunge- geräten; 2. Errichtung eines Fußstegs in der Gießener Straße; 3. Angelegenheiten wegen des Jugendfestes; 4. Ei- nennung eines Wohnungsinspektors; 5. Beitritt zum Oben hessischen Obstbauverein; 6. Beiträge zur Genossenschaft^ kaffe für Kommunal-Forstwarte: hier Anteil der Besitzer voH Privatwaldungen. Die weiteren Punkte sind nicht öffentlip.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 31. Mai. Sitzung der Stadt­verordneten. Den Vorsitz führt Bürgermeister Stahl. Tct i (Sehr. Ullrich wird an ihrem Neubau eine Faßaden-Aenderurz I genehmigt. An dem früher eingereichten Bauplan des Kaspcr Bietrich ist eine Aenderung vorgenommen worden, so daß dr an Stelle des alten Stalles geplante Neubau um ein Stockwel herabgesetzt worden ist. Der nunmehr noch erforderliche DisperS von den Bestimmungen der Ortsbausatzung wird at| Antrag des Bürgermeisters einstimmig befürwortet und dem ®e|ud» steiler gestattet, daß die Schornsteine des Diittelbaues, die erholt I werden müssen, an dem Rathausdach verankert werden bürte. Dies kann nur gegen Revers und Auerkeunuugsgebühr von 1 MH I jährlich geschehen. Ter Bürgermeister legt einen Plan vor, der be I Anlage elektrischer Beleuchtung für die Seewiese r>o- sieht. Es ist vorgesehen, daß der Eisbahn und bei Festen bn I Vereinen elektrisches Licht von der Stadt geliefert werden fair. I Ter Voranschlag beträgt 2900 Mark. Es sollen 12 l'arnyi! am östlichen und westlichen Rand der Seewiese aufgefteLt werden und die Jnnenbeleuchtung der Festplätze durch Lampli I an herausnehmbaren Masten vorgenommen werdcm Beigeor'. I Falk beantragt, die Leitung der Stadt nur bis zum I Haus zu führen und es jedem Verein zu überlassen, sich die B-- leuchtungsaulage zu machen. Die Stadtv. Damm, Leuchtgei , Fuller, Tietz, Philippi und Busold treten dafür ein, die Anlase durch die Stadt ausführen zu lassen, wenn jeder sesigebende Deren sich eine Beleuchtungsanlage schaffen müsse, werde die Sacke zu teuer. Der Amrag des Bürgermeisters wird gegen die Stimme des Beig. Falk angenommen. Für das Gaswerk wird dem To - I werk Biebrich die Ausmauerung eines Neuueroseus übertragen. Ein Antrag des Hoehbauamts, den elektrischen Strom für dcs Hochbauamt unentgeltlich abzugeben, wird einstimmig abgclebnt. I

r. Bad-Nauheim, 1. Juni. Die gestern abend ah' I gehaltene 50jährige Jubelfeier des Spar- ui'd» Vorschußvereins nahm einen glänzenden Verlauf. Als I Vertreter der Regierung und des Reiches überbrachte tiTci' R rat Schliephake die besten Wünsck)e und überreichte dein I 1. Vorstandsmitglied Hartmann Stoll das ihm von den B Groß Herzog verliehene Ritterkreuz 2. Klasse vom Ordn Philipp des Großmütigen. Anwesend waren ferner Bürgci' I meister Dr. Kayser, Badedirektor Geheimrat Dr. Efe:, I Prof. Tr. Crüger, der Anwalt der Dcutschm Genoffel-' I scl-aften. Unterverbandsdirektor Justizrat Tr. Harnicr-W Kassel, sämtliche Vertreter der Ortshehöpden, zahlrerc^ U

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Es erhielt: l.Pi 2. MH. Volk, Är.-L 3. Franz Sauer, A b. Albert Rinn, he 7. Julius Schuster, Witteubecher, Gieß> , Böger, Wetzlar, Nestler, ©iejjen ('31.« Rramer, Muttersau I ^anbler^ob^i) | ^Snebrid) 3ruM i -W" (9LM.) 57 1 '-warf Genug, tzj

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