Elftes Blatt
165. Jahrgang
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
jeher Postbote die Absicht, sich zu verheiraten, rechtzeitig! dem vorgesetzten Postamte zu melden hat. Dieses hat jedes-!
Nr. 126
Lcr Siebener Anzeiger erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SirhenerZamilienblätter: zweimal wöchenil.Breis- blattsürdenllre^sGießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Annahme von Anzeigen für die TageSnninnler bis vormittags 9 Uhr.
mit her am Samstag die Session der beiden Kammern geschlossen wurde, heißt es:
Indem Rumänien Neutralität beobachtete, trug es zur Lokali- stcrung des Krieges bei, die es ihm ermöglichte, die Wohltaten, des friedens zu genießen. Hierdurch haben wir nicht nur die wohlverstandenen Interessen unseres Landes wahrgenommen, sondern auch die Bemühungen der Mächte gefördert. Unsere Beziehungen zu Bulgarien, die infolge der radikalen Aende- rung des Berliner Vertrages eine neue Basis erhalten mußten die rmr durch eine unmittelbare Verständigung herzustellen gewünscht hätten, haben uns zur Annahme der Vermittlung geführt deren Ergebnis das Petersburger Protokoll gewesen ist.' Das Parlament hat, indem es die Regierung ermächtigte, das Protokoll in Anwendung zu bringen, die politische Reife des Landes ücivieien. xsd) stelle dies mit umso größerem Stolze fest, als die Genehmigung nahe einstinrmig erfolgte. Die oom Parlament bewilligten außcrordentlicheii Kredite fehlen die Armee in Stand bcTit unerschütterlichen Vertrauen des Landes in die Armee noch »-»-r zu cntfpred)en, und lieferten gleidMitig einen Beweis für
Geburtenrückgang und Beamtenschaft
Man schreibt uns:
geben. Man sehe, tote sich die Düsseldorfer Öberpostdirek-! besser z
lion zur Ehe stellt: „ES ist angeordnet morden, daß künftig! die giiusttg^'K^nzlag^des Lautes.
Zum ßriedensschluß schreibt das bulgarische Blatt „Mir":
Es war für niemanden ein Geheimnis, daß die Türkei unb Bulgarien ben Frieden wünschten. Die beiben benachbarten Länder haben kemen Grund mehr, miteinander zu hadern, im Gegenteil, ihre wohlverstandenen Interessen gebieten ihnen ein gegenseitiges 'iniDernchmen und die besten ireundschaftlicten Beziehungen. Bulgarien zählt innerhalb seiner neuen Grenze unter der Bevöl- ferung zahlreiche Muselmanen, die sich voller religiöser, poli- tischer und persönlicher Freil-cit erfreuen werden, wie sie bisher die Muselmanen im alten Bulgarien genossen haben, was ans ihnen die ergebensten bulgarischen Bürger gemacht hat. Von nun an haben wir keine nationalen Bestrebungen mehr in der Türkei n nd bah er au d) gar keine Er - o b c r u u g ö a b i i d> t e n. Unsere wirtschaftlichen Interessen find die einzigen, bic wir nunmehr in ber Türkei ftaben. Wir erlegen uns auf, in Zukunft bic eifrigsten und aufrichtigsten Schützer der Integrität des türkischen Reiches zu sein. Alles deutet Darauf hin, daß die Türken dies vollkommen begreifen. Eine Jern der besten türkisch-bulgarischen Beziehungen kündigt fid) an.
Türkische Nriegsmüdigkeit.
(K o N st a N ti li o p e l, 1. Juni. Nach Informationen aus militärischen Kreisen ist! -noch keine Entscheidung über die Beurlaubung der Ts cha t a l d scha-T r u p p e n getroffen worden. In Kreisen der Pforte wird erklärt, daß darüber ein U e b e r e i n k o m m e n mit Bulgarien abgeschlossen werden solle. Die Entlassung könne demnächst beginnen. Auf jedenFall, so heißt es offiziell, teilt die Regierung nicht die von gewisseii Prcßorgancn unterstützte Idee, daß die Pforte ihre Armee aus dem Kriegsstande erhalten solle, um aus einem Kriege zwischen den Per-, bundeten Nutzen zu ziehen; die Türkei habe vor allem Ruhe nötig, um sich der inneren Sammlung zu widmen.
In der rumänischen Thronrede
Deutsches Reich.
Die diesjährige T e l e g i c r t c n v e r s a m m l u n g des Reichs Verbandes der deutschen Presse, die am gestrigen Sonntag vormittag in der Stadt. Tonhalle zu D ü s s e l d o r f eröffnet wurde, hat nach Vorträgen 'u'o.ii Ministerialdirektor Tr. Hermes - Berlin über bic Aufgaben der Presse in Kriegszeiten, Chefredakteur Ripp- ler-Berlin und Dr. Grau to ff-Leipzig über „Behandlung von militärischen Nachrichten durch die Presse" und nach lebhafter Aussprache folgende Entschkießiung gegen eine Stimme, die die Fassung schärser wünschte, angenommen.
„Der Reichsverbanb der deutschen Presse erkennt an, baß bic Presse auf bic Interessen ber Landesverteidigung iveitestgehenbc Rücksicht zu nehmen unb bei Disnahme von militärischen Nach- ridften unb Artikeln größte Wachsamkeit zu betätigen hat. Der Reichsverbanb lehnt aber bic zu weit gehenben Forberungen, bic eine Ausschaltung der militärischen Nachrichten unb Artikel aus ber beutschen Presse bezweden, als unburchführbar unb als für bas Heer ebenso schädlich wie für bic Presse ab. Ebenso erhebt er scharfen Wiberfpruch gegen bic Bestimmungen, bes neuen Spio - nagegesetzes, bic bic Sicherheit bes Heeres burd) eine ewige Rechts Unsicherheit ber Presse erkaufen wollen. Der Reichsverbanb erwartet bic Erfüllung ber meisten Wünsche ber Heeresleitung von einem engeren, vertrauensvollen Zusammenarbeiten zwischen Heer unb Presse unter Mitwirkung ber zuständigen Berufsorganisation bes Reichsverbaudes, Presse unb bes Verlegervereins, er bittet um Errichtung einer großen, nach modernen Gesichtspunkten geleiteten Zentralstelle für bic Auskunftserteilung an bic Presse bei bcm Kriegsministerium ober beim Gencralstab und um Erreichtting von Auskunftstellen bei allen selbständigen Truppenteilen.
lieber den Plan der Schaffung eines Reichs-Zei- t u n g s - Musenms und über die verheißungsvollen Vorarbeiten auf diesem Gebiete erstattete Universitätsprofessov Spahn-Straßburg einen Vortrag. In der Aussprache, an der sich insbesondere Stadtbibliothekar Nörrenberg- Düsseldorf, Mohr-München, Hermes-Berlin und Gimchel- Posen beteiligten, wurde eine Entschließung angenommen, in der die Delegierten des Reichsverbandes sich für leb-, hafte Unterstützung dieses Gedankens aussprachen. Abends fand auf Einladung des Oberbürgermeisters Oehler und der Stadt Düsseldorf ein Bankett zu etwa 500 Gedecken im Kaisersaale der Städtischen Tonhalle statt. -
Der .Oberpräsident der Nheinprovinz, Frhr. v. Rhein - ba den hat auf dem Verbandstag der deutschen Beamten- berente in Koblenz die Beamten eindringlich ermahnt, sich vom Tanz um das goldene Kalb nicht einfangen zu lassen, im übrigen aber moderne Beamte zu werden. Nun, mit dem Tanz um das goldene .Kalb hat die Beamtenschaft ganz sicher noch nicht begonnen, ganz einfach, weil sie bei ihren wirtschaftlichen Verhältnissen gar nicht daran denken kann Dagegen ist sie in einem Punkte und zwar leider sehr ^modern" geworden dadurch, daß sie nach französischem Muster zum Zweikindersystem, ja zum Einkindersystem und zur gewollten Kinderlosigkeit übergegangen ist. In einer Auszählimg von 10 000 Berliner Geburten nach dem Beruf des Vaters bin ich zu dem Ergebnis gekommen, daß die Beamten, wie kein anderer Stand und Beruf in den letzten Jahren die Geburtenziffer in geradezu unheimlicher Weife beschrankt haben. Sollte der deutsche mittlere und niedere Beamtenstand un Gegensatz zur Arbeiterschaft moralisch tiefer stehen, sollte er aus sog. „Ueberkultur", nur aus „Genußsucht", aus mangelnder „Kinderliebe" und aus ähnlichen Motiven heraus zu der Rationalisierung seiner Ehen n l'cin? Ist z. B. der Lehrer, der nach meinen
Untersuchungen an der Spitze der „Unterfrüchtigkeit" marschiert, ein vaterlandloser, sozialdemokratisch angehauchter Geselle? Nein, sondern die Beamtenfamilien werden tatsächlich und nachweisbar durch die moderne ökonomische Lage am schwersten getroffen. Bei den Arbeitern kann sich) die Frau zeitweise einen Nebenverdienst suchen und finden^ trotz der vielen Gesetze und Verbote finden auch zahlreiche Kinder vorzeitig eine Beschäftigung, welche die Kosten ihres Unterhaltes deckt. Außerdem werden weite Kreise der ungelernten Arbeiterschaft weniger alteriert, wenn sie, für iftre große Familie der Unterstützung bedürftig, vonseiten privater Wohltäter, mildtätiger Vereine oder der Armenkasse der Stadt unterstützt werden. Sie empfinden es vielfach nicht so schmerzlich, wenn ihre Kinder als Ortsarme in Schulen gespeist und gekleidet, in Krankenhäusern in einem Freibett ausgenommen toerbert. Den Beamten dagegen berührt es überaus unangenehm, wenn er für seine J-cmiilte von der Wohltätigkeit anderer Gebrauch machen wü. Ihm ist sie auch gar nicht so leicht zugänglich, da fern Einkommen allgemein bekannt ist. Trotzdem steht er oft wirtschaftlich ungünstiger da, weil der Staat einen Erwerb der Beamtenfrauen verbietet. Tie kleinen Kinder kann er noch weniger arbeiten lassen Diese ungesunden wirtschaftlichen Verhältnisse beginnen sich tzu rächen. Der Staat selbst erklärt ja, daß die Grundlage für die Ehe geordnete wirtschaftliche Verhältnisse ausmachen: er verlangt z. B. von seinen Beamten im Militärdienst, bei der Post und bei der Eisenbahn, daß sie nur dann heiraten, wenn genügend Geld da ist, sei es aus dem i^ehalt oder aus Familienbesitz. Er geht also von der Voraussetzung aus, daß das Eheleven starke Anforderungen cm das Portemonnaie stellt, die er seinen jüngeren Angestellten gegenüber nicht erfüllen mag. Der Staat ist fein Freund der frühen Ehe. Er darf sich aber nicht wun- bern, wenn Private seinem Beispiel folgen. Viele Stellungen werden heutzutage nur un Unverheiratete abge-
LohnerHöhungen bei den sächsischen Staatseisenbahnen.
Aus Dresden wird berichtet: Zur Milderung der auf fast allen Gebieten der Lebenshaltung herrschenden Teuerung hat b-ie sächsische Staatseisenbahnverwaltung, deren Löhne erst im Herbst 1011 «erhöht 'wurden, wiederum wesentliche Lohnverbesserungen bewilligt, die mit rückwirkender Kraft vom 1. April d s. ab zur Einführung gelangen. Die erwähnten Maßnahmen verursachen jährliche Mehraufwendungen von nahezu 2 Millionen. Ferner ift (eine weitere Verbesserung der Dienst- und Ruhezeiten des Betriebspersonals in Aussicht genommen.
Ausland.
Die dreijährige Dienstzeit und die französische Kammer.
Für die am heutigen Montag beginnende Kammern Verhandlung über das Gesetz betreffend die dreijährige, Dienstzeit find bereits 51 Redner eingetragen und 7 Gegenentwürfe sowie 180 Zusatzanträge angemeldet. Einem vom „Amtsblatt" veröffentlichten Bericht zufolge werden während der Aussprache dem Kriegsminister auch der Gene, ralftäbschef Josfre und General Pau als Regierungs^ tommissare zur Seite stehen.
mal eine eingehende Prüfung der wirtschaftlicten und der perjonlichen Verhältnisse unter Einbeziehung der persön- lichen^und wirtschaftlichen Lage der Verlobten vorzunehmen. Am Schlüsse der Verhandlungsschrift ist er darauf hinzu- toei)en, daß die Entscheidung darüber, ob er nach ber Verheiratung noch im P o st d i e n st belassen werden könne, der Oberpvstdirektion Vorbehalten sei." Tas deutsche Volk, das begonnen hat, die soziale Fürsorge systematisch auszubauen, wird auf diesem Wege weiterschreiten und eine soziale G o b u r t e n p o l i t i k (Mutterschafts- Versicherung, Kinderversicherung usw.) anbahnen müssen.
Montag, 2. Juni 1913
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” Chefredakteur: A Goetz.
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vudingcn: z-rnsprechcr Nr. 269 Seichästsstclle vahnhosjtratze 16a. A>^ig°E: H B-ck.
Sin Märchenfest.
bs. Darmstadt, 1. Juni.
Das Bessunger Viertel von Darmstadt gilt allgemein I lucht als vornehm. Elegante Gespanne und Lu^usauto-- ! mobile finden nur selten den Weg in diese reizlose Gegend I mit ihren niedrigen alten Häusern. Doch gestern war ein fe besonderer Tag für die Bewohner dieses Stadtteils: Wagen auf Wagen rollten nachmittags unaufhörlich nach dem [ Orangeriegarten; die Straßenbahnen waren überfüllt. Ele- I Zante Damen in hellen Sommerkleidern, schneidige Leutnants (mit dem Monokel) entstiegen den Wagen, den Autos, den Krümpern. Und was sind das für sonderbare kleine Menschlein, die durch das schmale Gittertor in den Garten einziehen? Sie scheinen alle aus den entferntesten Mär- dimländern zu kommen. Tausendundeine Nacht hat ganz «icine Inder entsandt, aus Thule kamen reichgezierte Edel- ♦ stäulein und schmucke iKnappen, aus Aegypten Beduinen, aus Afrika kohlpechrabenfchwarze Mohren. Auch ein König >var unter ihnen — ein richtiger großer König mit langem (^ißem Bart und -einer güldenen Krone.
Wir sind neugierig und folgen dieser kleinen Schar, "in Tor müssen wir einige Mark in deutscher Reichswäh- wng hinterlegen, das letzte, was uns an die rauhe Wirk- nchteit mahnt. Nun sind wir inmitten all der Pracht. Auf den weiten Rasenflächen des großen Gartens tummeln >ich alle die bekannten Märchenprinzen und -Prinzessinnen. Dort ist auch Rübezahl, der aber seinem Alter und seiner . e Wlirde wenig entsprechend sich in lustigen Sprüngen mit ^.ttAcm Rotkäppchen vergnügt. Hier tollt sich ein ganz kleiner 1 o'itber mit tiefbraunem Gesicht und Händen. Zwei ebenso vünzige Burgfräulein in Samt und Seide laufen ihm nach. Am der Kü.chenbude stehen Edelknaben und Edelfräulein. A»f dem Karussell halten sich Hänsel und Gretel innig um- 'Hlungen, der kleine Däumling aber sitzt stolz auf einem hölzernen Pferd.
So geht es lustig zu in diesem Märchenland, das sich hi>er für zwei Tage aufgetan hat. Eigentlich ist es aber kein richtiges Märchenland, sondern ein Wohltätig- le-itsfeü zum Besten des Alice-Frauen Vereins, " unter dem Protektorat des Großherzogspaares von der ^«rmstädter Gesellschaft hier veranstaltet worden ist. Und
das sollen wir auch bald merken: rings herum stehen Wurselbuden, Bier-, Wein- und Sektzelte, Schießbuden; überhaupt alles, was zu einem Rummelplatz gehört, ist vorhanden. „Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt." Ein Darmstädter Geheimratsfräulein will uns Blumen verkaufen, die hübsche Tochter eines reichen Bankdirektors bietet Ansichtspostkarten mit den Bildern der Großherzog-. lichen Familie an, als hätte sie ihr Lebtag nichts anderes getan. Setzen wir uns in ein Bie-rzelt, bringt uns die reizende blonde Tochter eines Justizrates das Wurstbrötchen nud die Pastete, ein Regierungsassessor spielt den Ober und verabreicht uns ein Glas Helles, eine Fran Kammer- Lienrat schneidet uns für zwanzig Pfennig den Kuchen, und eine wirkliche Freifrau gießt uns für 50 Pfg. den Kaffee ein. Es ist wahrhaftig ein Märchenland! —
Jetzt kommt auch das Großherzogspaar in großer Begleitung. Wenn alle Begriffe von Standesunter- fchieden und Standesvorurteilen fo in ihr Gegenteil verkehrt sind, verstehen wir es auch, daß sich einige ganz Kühne an das Fürstenpaar heranwagen und um eine Unterschrift auf eine Ansichtspostkarte bitten. Ob sie ihr Ziel erreichten, konnte ich leider nicht feststellen.
Um 7 Uhr nimmt das Spiel auf dem Naturtheater feinen Anfang. Mozarts kleine Oper „Bastien und B a st i e n n e" wird von den Damen Iüttner und Jacobs sowie von Herrn Sck)ützendorf ausgeführt. Herr Heinz sprach den Prolog.
Allmählich dunkelt es, und wohl an tausend Papierlampen versuchen schüchtern den weiten Garten zu erleuchten. Aber kaum brennen sie, da löscht ein Regen- schauer all die Lichter und verscheucht sogar die Märchengestalten in das große Gewächshaus, in dem nun eine drangvoll fürchterliche Enge herrscht. Nach und nach verschwinden die kleinen Prinzen, die Prinzessinnen, die Inder und was sonst noch da ist. Die schöne Märchenpracht verschwindet unter modernen Regenmänteln. Wir sind bescheiden und benutzen die überfüllte Straßenbal)n An dem Drängen und Stocken merken wir erst, daß wir uns wieder in der Wirklichkeit befinten.
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8e!ix Weingartner.
Zu seinem 50. Geburtstage, 2. Juni.
Es war im Anfänge der achtziger Jahre, als in dem berühmten Gartenhailsc Liszts zu Weimar unter ber zahlreichen Schar ber dort stch cinfmbcnben .Stunftjünger beiderlei Geschlechtes auch ein schmäcte tigcr junger Mann mit schwärmerischen blauen Augen aus- tauchte. Ter Ankömmling blieb eine Zeit lang in ber Masse unbeachtet, aber bies änbertc sich, als man in Erfahrung braclfte bap. Meiner Liszt an den Kompositionen des jungen Oesterreiclxws großen Anteil nahm und ihn für em vielversprechendes Kompo- silionstalent erklärte. Ein solches Urteil Liszts genügte, um den lungen Menschen zum Gegenstände des allgemeinen Interesses zu machen, vbsdwn freihd) selbst auch die begeisterte Schülerschar Liszts Nch barüber Har geworden war, daß. der Meister in seiner Güte feine Schiller ganz besonbers nachsia'stig und fvohlwollenb zu beurteilen pflegte. , Der schüchterne Jüngling war Felix Wein- gartner, und Liszt nahm sich seiner so warm an, daß auf lerne Veranlasiung bereits nach wenigen Monaten eine Oper Weingartners „Sakuntala" am Weimarer Hoftheater aufgeführt wurde Daß der Beifall, den die Over fand, groß war, das kann bei dem Eifer der Gefolgschaft Liszts schließlich nickt Wunder nehmen, aber eine Dame, die damals gleichfalls in Weimar Kubierte, hat aus ihrer Erinnerung heraus bezeugt, daß der Eindruck des Werkes damals allerdings stark war. Später bat Weingartner, wie besannt, die Tirigentenlauföahii eingeschlagen, und hier hat^Profen'or Felix Fischer das Verdienst, Weingariners -Latent als Dirigent frühzeitig erkannt zu haben. Fischer hatte unter dem -Lheaternamen Werther aus reiner Hingabe an die ttunit die Leitung des Königsberger Theaters übernommen und oeriammdtc eine schar mfcher junger Talente, hauptsächlich junge L eiterrcidjer um lieft, zu denen auch Weingartner gehörte Das rege kumtlensche Leben, das unter Fischers Leitung fidi m der Philosophenstadt am Pregel entwickelt^ währte zwei Spic'- zeiten, dann zog sich Fischer von der Direktion zurück, Wcin- gartner aber ging nach Mannheim, an dessen Theater ja schon manches bedeutende Talent lerne letzte Schulung gesunden tet Es war an einem, Maitage des Jahres 1891, als er von ter £ tomme^ sum erneu Male eine Over im Berliner Königlich:n dirigierte. Der Name Weingarrner war dazumal in weiteren Kreuen noch recht wenig bekannt, und sein TcbÜt m -berltn vollzog sich injorern unter ungültigen Umständen, als infolge eines furchtbaren Gewitters die Straßen übersduvemmt waren unb bic Vorstellung daher nur mit erheblicher Verspätung dagonnen werden konnte. Das Publikum war umso zerstreuter, als iclvft tiach Beginn ber Vorstellung noch schwere Donnerschläge in die Töne der Lohengrin-Mufik hineinschallten. Aber kaum wgr


