vom italienisch-türkischen Kriegsschauplatz.
Eine türkische Darstellung des Kampfes um Margheb.
Konstantinopel, 3. März. Das Kriegsminifte- t tu m veröffentlicht einen Bericht über dieKämpfeumMarg- heb, in dem der Rückzug der Türken auf eingetretenen Munitionsmangel und das wirksame Feuer der italienischen Schiffs- geschütze zurückgeführt wird. Die Verluste der Italiener sind'sehr hoch, auf ungefähr 1000 Tote, angegeben. Xie Türken hätten 30 Tote und 50 Verwundete verloren.
Gestern abend wurde bei dem Großwesir ein Mini st errat abgehalten, in dem, wie es heißt, auch die auswärtige Lage beraten wurde.
Sicherlich ist in dieser türkischen Meldung der Zahl der italienischen Verluste wieder zu hoch angegeben. Heute wird von Rom folgende Notiz über die biherigen Verluste Italiens verbreitet :
Rom, 2. März. Um den phantastischen Gerüchten über die italienischen V e r l u st e in dem gegenwärtigen Kriege entgegenzutreten, die im Ausland verbreitet sind, veröffentlicht das Kriegsministerium eine amtliche Liste der Tote wund Vermißten. Daraus ergibt sich, daß bis zum 2. Marz 3 t Offiziere und 499 Soldaten im Felde gestorben sind und ein Offizier und 323 Soldaten vermißt werden. Die Mehrzahl der Vermißten gehört dem 11. Bersaglleri-Regiment an. Die Vermißten sind sicherlich tot, doch ist ihr Ableben bisher nicht amtlich festgestellt.
Dom englischen Ausstand,
Lo ndon, 3. März. Der Ausstand dauert bei vollkommener Ruhe an. Seine Wirkungen werden von Tag zu Tag größer. Viele tausend Arbeiter der Industrie, der Dampfssicheret und den Häsen müssen Tetern. Die Nahrungsmittelpreise st e i - gen. Tie Ausständigen verschiedener Distrikte nahmen Entschließungen an, in denen den Behörden gedankt wird, daß sie nicht besondere Polizeikräfte abgcschickt hätten und versichert wird, daß die Arbeiter die Ordnung nicht stören werden. Nach einem Telegramm aus New Castle regten die Mitglieder des Vereinigten Eisenbahnangestelltenverbandes, daß der Verband sie anweisen möge, den Truppentransport während des Streiks zu verweigern.
Deutsches Reich.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Im Londoner „Strand Magazine" ist unter dem Titel „Der Kaiser, wie er ist" eine feuilletonistische Schilderung der Persönlichkeit Kasier Wilhelms veröffentlicht worden, aus der auch in viele deutsche Blätter Auszüge übergegangen sind. Der Aufsatz gibt ein Gesamtbild des Kaisers in willkürlicher Verzeichnung und enthält im einzelnen so viele unrichtige Angaben, daß der Titel richtiger lauten müßte: „Der Kaiser, wie er nicht ist". Gegen die am Kopfe des Artikels zu lesende Bemerkung, nach welcher er von Kaiser Wilhelm selbst besonders gebilligt worden sei, mußte unter diesen Umständen von vornherein Mißtrauen entstehen. Wie wir erfahren, ist diese Angabe völlig aus der Luft gegriffen.
vom Siebener Amtrgerichtsneuvau.
Der Zweiten Kammer ist nunmehr die Regierungsvorlage über den Amtsgerichtsneubau in Gießen zugegangen, der wir folgendes entnehmen.
Nachdenr die Stadt Gießen einer Verschiebung und Ueberbrückung der Straße (der Fortsetzung der Lcmdgrasen- straße) zugesttmmt, sich ferner verpflichtet, das.uv,prunglich rn der Ringstraße erworbene Gelände zu dem Ankaufspreis wieder zu übernehmen, und nachdem die Fuldaschen Erben und der daran anstoßende Geländeeigentümer ihre Forderungen erheblich herabgesetzt, wurden zwei verschiedene Projekte bearbeitet; einmal das Anbauprojekt und dann das Projekt auf dem Fuldaschen Besitz mit der Ueberbrückung nach dem bestehenden Gebäude. Das Anbauprojett hat, wenn es auch etwas billiger als das ursprüngliche und Fuldasche Projekt wird, gegen das letztere doch erhebliche Nachteile. Tie Sitzungssäle und Diensträume liegen zum weitaus größten Teil direkt an der Straße, wodurch der Betrieb durch den Straßenlärm Not leidet; auch erhalten diese Räume ihre Beleuchtung nur von der Nordseite, wodurch sie kalt und unfreundlich werden. Ferner läßt sich die Raumeinteilung infolge der langgestreckten Grundrißanlage nicht so günstig und in so zufriedenstellender Weise lösen wie bei dem ursprünglichen Fuldaschen Projekt. Außerdem sind die Korridore direkt dem Provinzialarresthaus zugewendet, wodurch der Verkehr des Publikums mit den Insassen begünstigt wird und auch die Sicherheit gegen Ausbruch Not leidet. Die Justizbehörden in Gießen haben sich gegendiesesAnbauprojektausgesprochen und dem Projekt auf dem Fuldaschen Gelände zugestimmt, da dasselbe die genannten Mängel nicht besitzt und auch in architektonischer Beziehung eine bessere Lösung ermöglicht.
Das ursprünglich durchgearbeitete und genehmigte Projekt (I) an der Ringstraße, das seinerzeit die Zustimmung aller Beteiligten fand, kann nämlich in Grundriß und Aufbau vollständig auf dem Fuldaschen Gelände Verwendung finden, nur ist es gegen das erste um 90° gedreht und zeigt eine Ueberbrückung nach dem bestehenden Gebäude.
Dieses neue Projekt (dem desselbe Bauprogramm wie dem ursprünglichen Projekt zugrunde liegt) kann mit den im Hauptvoranschlag vorgesehenen Betrag zur Ausführung gebracht werden, wenn das mit dem Gelände milzuerwerbende Wohngebäude, das zurzeit 3800 Mk. Miete einbringt, mit dem Kapitalwert von 70 000 Mk. bei der Berechnung ausgeschieden und in Höhe dieses Betrags anderweitig verwertet wird. Die Kosten des von den Fuldaschen Erben und von Löber zu erwerbenden ca. 5600 qm großen reinen Bauplatzes stellen sich dann auf 100 000 — <0000 (Gebäude) -f- 27 600 (Löber) + 1960 (Stadt) --- 59 650 Mk.
Erwähnt werden soll noch, daß die späteren Straßen- beitragskosten bei dem Projekt auf dem Fulda—Löberschen Besitz zirka 17 000 Mk. geringer aus fallen werden, als bei dem ursprünglichen Entwurf an der Ringstraße.
Nachdem der Finanzausschuß der Zweiten Kammer am 12. d. Mts. sich davon überzeugt hat, daß ein Neubau nötig ist und mit kleinen Andauien nicht geholfen werden kann, vielmehr an Ort und Stelle mit den Gerichtsbehörden das gewählte Projekt für das richtige erkannt hat, empfehlen wir die Annahme der zweiten Baurate. Die gesamten Baukosten (ohne Bauplatz) betragen 416 915 Mk.
Aus Statt unt taut.
Gießen, 4. März 1912.
'• In Audienz empfangen wurden vom Groß- Herzog am SamStag u. a. Professor Krämer, Kammerdirektor Dr. Weimer und Bürgermeister Fendt von Büdingen.
Erledigt sind: Eine mit einem eoang. Lehrer zu ocsctzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rhein- Dürkheim; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Sprendlingen (Kr. Alzey.) " Veterinär wesen. Ter seither mit Versetzung der Stelle des vetermärärztlichen Hilfsarbeiters bei der Abteilung des Ministeriums des Innern für öffentliche Gesundheitspflege beauftragte Assistenzoeterinärarzt Dr. Heinrich Monnard
2.05,
Gießen — Wieseck— Alten- Buseck: Gießen Bahnhof ab 5.40, 7.10, 8.20, 10.—, 1.05, 4.50, 6.05, , Walllor an 5.45, 6.45, 7.17, 8.27, 10.07, 12.05, LIO,
4.57, 6.1U, 6.85, 7.85.
Wieseck an 5.50, 6.50, 7.25, 8.35, 10.15, 12J0, U6, 2.13, 5.05, 6.20, 6.40, 7.40.
AUen-Buseck an 6.10, 8.45, 1.30, 7.00.
(Ohne Gewähr. Aenderungen vorbehalten.)
Der Omuibusoerichr Ivar heule so start, daß fast sämtliche Wagen überfüllt waren und viele Leute ihrem Reisedrang nicht genügen konnten. Die Fahrpläne werden von Montag ab in den öffentlichen Lokalen angeschlagen. — In der heute abend ab gehaltenen Hauptversammlung des Turnvereins teilte der 1. Vorsitzende der Versammlung mit, daß auf dem Bundesturnlag des Lahn- Dünsberg-Turnerbundes beschlossen worden sei, das diesjährige Bundesfest gemeinschaftlich mit dem 50jährigen Jubiläumsfeste des Turnvereins Wieseck vom 20.—22. Juli in Wieseck zu begehen. Es wurde hierauf das Festkomitee verlesen und in die einzelnen Ausschüsse eingeteilt.
-m. Garbenteich, 2. März. Kaum hatte heute eine Zigeunerbande in unserem Orte Einkehr gehatten, so wurde auch schon die Gendarmerie von Gießen benachrichtigt. Alsbald erschienen auch auf Fahrrädern zwei Gendarmen und verhafteten einen von der Staatsanwaltschaft ausgeschriebenen ZigeunerBosse. Er steht im Verdacht, an dem Verbrechen des Ebender, begangen an dem Förster Romanus in Riesig, beteiligt zu sein, da er mit diesem gereift ist. Da der Zigeuner bei ) einer Verhaftung betrunken war, wurde er auf einem Wagen nach Gießen ins Untersuchungsgefängnis gebracht.
— Grünberg, 3. März. Der mündliche Teil der erstmaligen Abschlußprüfung an der höheren Bürgerschule fand am Freitag nachmittag und gestern vormittag unter dem Vor uv des Geh. Lverschuirats Block aus Tarmstaür statt. Alle 8 Umerselundancr tonnten durch den Vorsitzenden^, der Prüfungskommission für bestanden erklärt werden und haben sich bamü den Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erworben. Von den Abiturienten widmen sich 2 einem praktischen Beruf, während 3 in die Obersekunda eines Realgymnasiums und
wurde mit Versetzung des KreisoeterinäramteS Offenbach an Stelle des wegen Krankheit beurlaubten Veterinärrats Dr. Schneider beauftragt.
'• Kathol. Lehrerverein fürHessen. Die Hauptversammlung des Vereins finbet am Pflngst-DienStag in Bensheim statt.
** Po st personalnachrichten. Verliehen aus Anlaß des Scheidens aus dem Dienste das Preußische Allge- meine Ehrenzeichen dem Ober-Postschaffner Paesel in Offenbach. Ferner wurde dem Ober-Postassistenten Jertz in Mainz der Titel ,Ober-Telearaphenassistent" verliehen. Versetzt: Poftinspektor Bindewald von Nordhausen nach Alzey unter Übertragung ber Postdirektorstelle da- selbst; Ober-Postassistent Schneider von Offenbach nach Worms. Angenommen: Theresia Bretzel in Worms als Telegraphengehilfin. In d en Ruh e st an d tritt die Telegraphengehilfin Magdalene Kiefer in Gießen.
** Iohn Gabriel Borkman-Aufführung im Akademischen Dürerbund. Auf vielseitigen Wunsch findet am Donnerstag, 7. März 1912, eine Wiederholung der John Gabriel Borkman-Aufführung statt. Prof. Dr. Collin hat sich bereit erklärt, nochmals über das Problem in Ibsens Borkman zu sprechen. Um die außerordentlich hohen Unkosten zu decken, werden nummerierte Plätze zu 1 Mk. in beschränkter Anzahl abgegeben.
** Kunst verein. Die gegenwärtige Ausstel.uug ist nur noch morgen zu besehen. Bon Mittwoch an bleib, die Ausstellung wegen vollständigen Wechsels der Gemälde drei Tage geschlossen.
Vortrag im Automobilklub. Wie unS der O b er- hessiscbeAutomobilklnb, Sektion des Franksurter Automobilklubs, Gießen, mit der Bitte um Vuinahine schreibt, hielt Oberleutnant Graetz am 24. Februar m Berlin vor einem geladenen Publikum an der Hand von Lichtbildern einen längeren Vortrag über das Thema: ,Jm Motorboot qnev durch Attika". Ter Vortragende berichtete über die an tragischen Ereignissen so reiche erste Häl'te (einer Reise; der zweite Teil der durch ein böses Abenteuer mit Büffeln jäh unterbrochenen Reise wird nach den neuerivorbenen delitscheu jiongogrbieten führen. Tie .Tägliche Rundschau- berichtet über den Vortrag u. a. wlgendes; ,Ter Vortragende schilderte in packender und oft dramatischer Weise Die imflehcnreu Schwierigkeiten und die mainiigsachen (Gefahren bei dieser Fahrt. Vom Ehindefluß in Porlugiestsch-Ostairila, den Zambesi und Shire hinaus ging die Fahrt zum Ryassa-See über die Wal erscheide zum Karungu und Ehambesi, bis man den Bangiielo-See erreichte. Ten Höhepunkt des Vortrages bildete die Erzählung von dem Tode des einzigen iveißen Gefährten und FreuildeS des Redners, des Parisers Octave Fiöre. Auf den Hörnern eines verwundeten Büffels fand dieser seinen Tod. Graetz erlitt bei dieser Gelegenheit eine schwere Verletzung durch einen Stoß in Die rechte Backe. Trotz alledem gelang es ihm, die Fahrt fort- zusetzen und Kalonga zu erreichen, wo das Boot verankert wurde. Von oen zahlreichen Bildern, die den Vortrag veranschaulichten, lpnnen wir nur die hauptsächlichsten und mleressauteiten aiiffüijren. Prachtvoll sind die Aufnahmen, die zeigen, welche ungeheuren Schwierigkeiten zu überwinden waren, um das Motorboot über Die zentralafrikanische Hochebene und die Wasserscheide zu schaffen. Ebenso gelungen waren die Jagdaumahmen: eine Krokodil-, eine Zebra-, eine Veoparöen- und eine Antiloven-Fagd. Unterhaltend und oft recht spaßig ivirlten die Ausnahmen, die das Leben und Treiben der Negervölker schilderten/
** Ocull da kommen Sie! Die von dem Jäger so sehnlichst erwarteten Schn epfe n sind in diesem Jahre, wohl durch daS milde Welter veranlaßt, sehr früh zu ihrer Wanderschaft gen Norden hin aufgebrochen und bilden in unserer Gegend jetzt eine sehr begehrte Jagdbeiite. Es Hal für den passionierten Nimrod einen eigenen Neiz, den Vogel abenbS kurz vor der Dämmeriing zu beobachten und zum Schuß zii bringen. Quarrend und eigenartig pfeifend kommt die Schnepfe geisterhaft angeschwirrt. Allem Anscheine nach scheint der Schnepfenstrich Heuer recht gut zu werden.
LanOtreis Gießen.
b. Wieseck, 3. März. Gestern fand die Probefahrt des Auto-OmnibusseS statt, der von der Firma Büssing in Braunschweig geliefert wurde. Der Gemeinderat mit dem Bürgermeister und den Beigeordneten, Kreisbürgermeister Braun-Krofdorf und einige Herren der Firma Büssing nahmen daran teil. Die Einrichtung und Ausstattung des Wagens ist sehr gut. Die Sitze sind gepolstert und so angebracht, daß möglichst viele Leute sitzen können. Die Leistungen sind erstaunlich und dabei ist der Gang sehr ruhig. Der Gemeinderat bestimmte, daß der Omnibus ^onnings ohne Fahrplan, also nach Bedarf, fahren wird, und Werktags, also von Montag ab, nach beifolgendem Fahrplan:
Alten- Buseck — Wieseck — Gießen: Alten-Buseck ab 6.15, 8.50, 1.35, 7.05.
Wieseck ab 5.20, 6.ö0, 7.40, 9.15, 11.30, 12.15, 1.55, 4.30, 5.30, 6.25, 7.23.
Gießen Walltor an 5.27, 6.40, 6.58, 7.48, 9.20, 12.05, 12.20, 2.00, 4.38, 5.37, 6.32, 7.80,
Bahnhof an 5.35, 7.08, 8,05, 9.25, 12.80, 4.45, 5.45.
3 in eine Oberrealschule cintrcten; dir feierlich: Entlassung jinbe in einer öffentlichen Schulfeier am Schlüsse des Schuljahres Hat.
Am Abend vereinigten sich die Väter der Abtturiemen, i- deren Namen Tr. med. Fritz sprach, die Lehrer und Abiturienten einigen gemütlichen Stunden im Hotel Hinck. Zuvor aber f.Lcv raschle die, wenn auch kleine Schar der Unier-Sekundaner, ihr-. Schulleiter und Klassenführer, Rektor Angelberger, durch ein.". Fackelzug, wobei der Abiturient Rudolf Kumps Worte des Tank.. sprach, die der Rektor freudig bewegt erwiderte. Ter Zug naq dem Hotel zum Hirsch, unter Vorantritt des Musikvereins, fan begeisterte Zustimmung ber Bürgerschaft. — Waren es beim erste- Male nur Grünberger, denen die letzte Cltern neu geichanene Uni sekunda zugute kam, so werden nächstes Jahr die austvörr • Schuler in Mehrheit sein.
Kreis Büdingen.
? Büdingen, 4. März. Das Ersatzgeschäft ir. Kreise beginnt in Nidda am 22. d. M. Hier findet cs vom 27. März bis 1. April statt. — Die Ausbesserunqs. arbeiten am Tunnel bei Mittel-Gründau gehen mit Beginnt des Frühjahres ihrer Vollendung entgegen. Nahezu 3 Jahre nahmen sie in Anspruch.
Kreis Alsfeld.
± Aus dem Kreis Alsfeld, 3. März. Gegen die Zigeuner, die sich in unserer Gegend eingenistet haben, sind jetzt umfassende Maßregeln getroffen, liebe. - all halten die mit Gewehren bewaffneten Einwohner, meistens ehemalige Soldaten und KriegeroereinSmitgliedev, Wache. In Willingshausen, V o ck e n r o d e und an- deren Orten sind Gendarmen stationiert. Meldungen über Einbruchsdiebstähle und Belästigungen durch die umher- streifenden Nomaden laufen fortwährettd ein. Bei R ü i > fenrod wurde ein Mann aus Elbershain auf offener Straße ausgeraubt. Allem Anschein nach schlagen die flucl>- tenden Zigeuner die Richtung nach dem Burgwald oder den Wittgensteiner Forsten ein, denn in der vorletzten Nacht wurden in Lischeid in der Nähe von Gemünden an der Wohra dem Lehrer zwei Geigen gestohlen. Es ist möglich, daß sich die einzelnen Banden, um ihre Verfolger irre zu führen, in viele kleine Trupps zerstreut haben, denn auch im Ober- walde bei Höingen will man solche gesehen haben.
r. Maulbach, 2. März. Heute nacht wurde auch hier von Zigeunern ein Einbruch versucht Ter Nachtwächter sah drei Gestalten aus dem Wald nach dein Dorf zu kommen. Er alarmierte einige Männer, darunter auch den Bürgermeister. Während diese an einem Platz, wo man zwar die Zigeuner gesehen hatte, auf ber Sacke waren,^.versuchte einer von der Gartenseite aus in ein niedrig gelegenes Fenster des Bürgermeisterhauses, das am Ende des Dorfes steht, einzusteigen. Ter Kerl wurde aber durch Nachbarn und die herbeieilenden Männer verschencki. Es gelang den Zigeunern in der Dunkelheit zu enttommen. Diese hatten sich in den weitausgedeynten Waldungen der hiesigen Gegend verborgen. Man kann es verstehen, wenn sich allgemach ber Bevölkerung eine große Aufregung bc- mächtigt, wenn Waffen zurecht gestellt unb Wacyen cuv gerichtet werden. Es wäre sehr zu wünschen, wenn mit aller Energie dem Zigeunerunwesen ein Ende gemacht würde.
-c. Homberg a. d. O., 2. März. Gestern wurde der von hier gebürtige Arbeiter Kraus im Steinbruch von G. Druster schwer verletzt. Zwei beladene Wagen der Feld« bahn, die sich losgelöst hatten, gingen ihm über beide Beine. Er wurde hierher gebracht.
Kreis Schotten.
a. Schotten, 2. März. Bei Der heutigen öffentlichen Gemeinderatssitzung, in der je ein Vertreter bei Eisenbahndirektion, der. Staatsregierung, der hiesigen Forsl- behörden, Kreisrat Dr. Kranzbühler und Landtagsabgcorc- neter Dr. Weber anwesend waren, wurde der vorliegende Entwurf des Bahnhof-Umbaues erörtert. Da er nicki den Verhältnissen entsprechen dürfte, was verschiedentlich anerkannt wurde, wurde vom Stadtvorstand gewünscht, ein neues Projekt für den Umbau anzufertigen, das mehr den Jitteressen der Stadt bezw. des Verkehrs entspricht. Tiefem Wunsche wurde sowohl vom Vertreter der EisenbahnTirek- tion als auch ber Regierung insofern entsprochen, als eine umgehende Prüfung der Frage zugesichert wurde. Nack dem ersten Projekt ist ein Kostenbetrag von 99 500 Mk. vorgesehen, der neue Vorschlag wird aber einen bedeutend Höheren Betrag erfordern. Man trägt sich mit dem Gedanken, den Umbau nicht auf einmal vorzunehmen, sondern die Mehrkosten auf zwei Bauperioden zu verteilen.
Starkenburg und Rheinhessen.
d. Mainz, 3. März. Am Samstag meldeten sich fori gesetzt Leute von dem in der Elsiabethka,erne vor dem Gau- tor liegenden 1. Bataillon der 88er krank, so daß gegen 11 Uhr abends 36 Mann, die über heftige Leibschmerzen und Erbrechen klagten, ins Garnisonlaza- rett überführt wurden. Am Sonntag morgen meldeten sich noch weitere 15 Mann unter denselben Erscheinunaen krank und kamen ebenfalls ins Garnisonlazarett. Die Ursache der Erkrankung soll in den am Freitag genossenen Fisch speisen liegen. Es gab Kabeljau. Eine Untersuchung wurde sofort angeorbnei. Das Befinden ber Erkrankten ist befriedigend.
Hessen-Nassau.
0 Rodheim a. d. Bieber, 3. März. Das Mustc- rungsgeschäft für den Kreis Biedenkopf nimmt diesmal in Rodheim seinen Anfang und ist aus den 21. und 22. März festgesetzt. Während am ersten Tag die Militärpflichtigen aus Bieber, Crumbach, Fellingshausen, Frankenbach, Hcr- mannftein, Königsberg, Naunheim und Rodheim erscheinen, ist der zwette Tag für Waldgirmes und die Losung des Aue- Hebungsbezirks bestimmt.
= Fellingshausen, 3. März. Schon ^etzt setzt hier eine rege Bautätigkeit ein. Um dem Bedürfnis zu entsprechen, mußten neue Straßenzüge aufgeschlossen werden; bisher wurde mit Vorliebe an die Rodheimer Slratzc gebaut. Die Herbeischaffung der Baumaterialien ist mci|t mit großen Umständen und Kosten verknüpft, da die Vollbahn nach den Gemeinden am Dünsberg und bis Gladenbach leider immer noch fehlt.
Wiesbaden, 2. März. Die organisierten Schreiner unb Holzarbeiter haben beschlossen, heute Abend die Arbeit niederzulegen. Die Forderungen der Arbeiter sind eine Erhöhung des Stundenlohnes von 55 beziv. 48 Plg- für Arbeiter unter 20 Jahren. Die Verhandlungen nut den Arbeitgebern haben bisher zu keinem Resultat geführt
Deutscher $raucnfongre& in Berlin.
Der Andrang zu der heutigen letzten Versammlung d.» Deutschen Frauen-Kongresses war überaus stark. Zu oem 0-^- aus der Tagesordnung stehenden Thema: „Tie Frau im ol'<n lichen Leben" erstattete Frl. Dr. Salomon den einüueii. - Vortrag „Von der Charüas zur Sozialpolitik". .....
lieber „Tie sozialen Aufgaben der Frau in der sprach sodann Frau Jenny A p o l a n t, die mit den schließt, daß die volle Entfaltung der Frauenkrast, welche o


