Ausgabe 
27.3.1912 Erstes Blatt
 
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auch gegen ore tuclischen Inseln zu unterstützen. So tauchen von den Gestaden der L^echischen Inseln j)er Balkan-Ge­spenster auf, und es ist heute nocl) sehr die Frage, ob die Großmächte, wenn auch Rußland noch von ihnen abschwenken sollte, die Kraft haben, das Balkanfeurr in seinen ersten Funken zu ersticken.__________________________________________

Das Mindestlohngesetz im englischen Unterhaus.

Tas englische Mindestlohngesetz ist dadurch gefährdet, baß die Regierung sich weigert, entsprechend der Forderung der Arbeiterführer einen zahlenmäßig festgesetzten Mindeftlohn im Gesetz niederzulegen. Im llnterhause hat Asquith am gestrigen Tienstag über seine VermiUlungs- versuche sich sehr bedrückt und pessimistisch ausgesprochen. Wir erhalten folgende Berichte:

London, 26. März. Im Unterhaus ergriff, nach­dem die Beratung der Bill wieder ausgenommen worden war, LonL, einer der Führer der Unionisten, das Wort und beantragte Vertagung der Aussprache, indem er auf die Schwierigkeit hinwiech über die Bill zu diskutieren, während die Konferenz außerhalb des Hauses fortgesetzt werde. In diesen: Augenblick kehrte Premier nri nister Asquith von der Konferenz zu rück und erklärte, die Regierung bleibe bei dem Beschluß, keine Zahlen in die Bill einzufügen. (Beifall.)

Er glaube nicht, daß. wenn man das Land im ganzen nehme, ein Minimallohn von fünf Schilling unvernünftig sei Es sei jedoch besser, wenn der Lohn in jedem Distrikt gesondert fest­gesetzt werde. Er habe beiden Parteien den Vorschlag gemacht, daß diese Frage gesondert behandelt werde, doch sei der Vorschlag von keinem der beiden Teile angenommen worden. Die Re­gierung habe die BUl in der Hoffnung verschoben, daß, da man sich int wesentlichen so nahe gekommen sei, ein Uebereinkommen zwischen beiden Parteien erreicht werden könne. Die Regierung habe mit Nachdruck und Ausdauer gearbeitet, bekenne aber mit schwerer Enttäuschung, daß ihre Arbeiten bisher erfolg­los gewesen seien. Er sage jetzt beiden Parteien, daß sie, wenn sic jetzt im allerletzten Augenblick nicht zu einem vernünftigen Uebereinkommen über einen Punkt mit verhältnismäßig geringer Bedeutung gelangten, sie eine schwere Verantwortung vor dem Lande auf sich nehmen würden. Wenn die Bill angenommen werde uno dann den Arbeitern unter Tage ein angemessener Mindestlohn garantiert werde, der von einer unparteiischen Stelle bestimmt werde, dann werde eine Fortsetzung des Streikes dem dafür Verantwortlichen eine Verantwortung aufbürden, der sie sich nur schwer entledigen könnten.

Der V o r s ch l a g d e r A r b e i t e r p a r t e i, in die Bill einen Mindestlohnsatz von fünf Schilling einzufügen, wurde mit 326 gegen 83 Stimmen abgeleynt. Die Arbeiterpartei Hut beschlossen, zum Protest dagegen, daß die Regierung die Einführung der Mindestlohnsütze von fünf und zwei Schilling nicht angenommen hat, aegendiedritteLe- sung der Mindestlohnbill zu stimmen.

Die Regierung wird, so verlautet, die Bill unter dem Widerstand der Arbeiterpartei durchzubringcn suchen und hofft dann auf einen Zusammenbruch des Ausstandes gegen den Willen der Arbeiterführer.

Ausland.

Aus Wien wird gemeldet: Nach einer in der Volkshalle des Rathauses abgehaltenen chri st lich -sozialen Wählerver- versammlung versuchten, wie dieKorrespondenz Wilhelm" , meldet, etwa sechs- bis achthundert Personen nach dem Stadt­bezirk Wieden zu ziehen, ivo eine Versammlung freiheitlicher Wähler abgehalten wurde. Die Sicherheitswache stellte sich ihnen entgegen und wurde mitStockhiebenempfangen. Die Menge wuchs schließlich auf 1000 Personen an und wollte den Wachtkordon stürmen. Die Polizei, die inzwischen Verstärkung erhalten hatte, zog vom Leder und zerstreute die Menge ohne Wasfengcbrauch, wobei drei Ver­haftungen vorgenommen wurden. Ein Teil der Ruhestörer zog vor die Redaktion derNeuen Freien Presse", wurde aber durch den Wachtkordon auch hier abgewehrt. 2lls gegen die Fen­ster Steine geschleudert wurden, zog die Wache blank und zerstreute die Menge, ohne die Waffe zu gebrauchen. Hierbei erfolgten weitere vier Verhaftungen.

Autooerbindung wieseckSiehe».

Von der Bürgermeisterei Wieseck geht uns auf den vorgestrigen Artikel folgende Erwiderung zu:

Was den Verkehr eines Auw-Omnibus innerhalb der Stadt den Straßen und deren Bewohnern für Nachteile bringt, wollen wir nickst beurteilen, sondern denen überlassen, die schon vor Inkrafttreten dieses Verkehrs mit anderen Autos ebenso belästigt worden sind, unb auch jetzt noch werden. Der Schreiber des Artikels erwähnt, daß die Einnahmen der grünen Linie durch den Tluto-Vcrkehr nicht beeiMrächligt worden sind. Daß aber eine Abnahme der Fahrer in der Richtung nach Wieseck zu während des Auto-Verkehrs eingetretcn ist, wird auch der Verfasser des Artikels zugeben müssen. Es mögen in diesen 14 Tagen besondere Verhältnisse mitgespielt haben, die die Frequenz hock-gehalten haben.

Nun zur Sache: Am 7. Januar 1911 fand eine Bürger- versatzumlung über Einführung von elektrischer Energie sowie über die elektrische Bahn statt. In chc erklärte Herr Dorsvld, daß er mit Oberbürgermeister Mecum gcsprvck-en und dieser erklärt habe, die Gemeinde solle 60 000 Mark bieten. Herr Dorfeld hltbe erwidert, daß das nickst möglich sei, wohl aber mit 50 000 Mark eine Einigung erzielt werden könnte. Oberbürgermeister Mecum lehMe jedoch diese Forderung ab. Am Nachmittag sprach ein anderer Derr, der auch Interesse daran hatte, eine Einigung herbeiznführen, bei Oberbürgermeister Mecum vor. Zu seinem Erstaunen mußte er hören, daß dieser seine Forderung um 5000 Mark, also auf 65 000 Mark erhöht hatte. Der Herr sollte . der Versammlung dieses mitteilen, was auch geschehen ist.

Daß die Gemeinde keine 50000 Plack geboten hat, ist richttg, aber wie stehl es mit den 40 000 Mart, die in dem Artikel über­haupt nicht erwähnt sind ? Am 3. Mai 1911 fand zwischen Ober* ttlrgcrmeister Mecum und der lfter erwählten Kommisswn eine Besprechung über die Einführung von elektrischer Energie auf der Migernielsterer zu Wieseck statt. Als wir mit der Beratung zu Ende waren, wurde an den Herrn Oberbürgermeister die Frage gestellt, ob die Stadt bereit fei, die Bahn für 40 000 Mark zu bauen. Er erwiderte, das sei ausgeschlossen, die Gemeinde müsse mindestens 60 000 Mark bieten, dann könnte eine Einigung er- öiett weiden. Nach dieser Forderung fanden wir uns nicht mehr veranlatzt, in weitere Verhandlungen zu treten, da sie ja doch ausiicküslos waren. Es wird gewissermaßen dem Gemeinde-Bor- stand der Vorwurf gemacht, warum das Angebot von 40 000 ML ben Stadtverordneten nickst unterbreitet worden sei. Davon haben wir, bezw. der Gemetnbcvorstand, Abstand genommen, da es doch vorerlt der Verkehrskommission borgelcgt wird, und auch von ihr nwhl abgclehnt worden märe. Weiter haben wir die Frage be- zugttch einer Eingemeindung gestellt, worauf die Antwort tarn bat lic nur baiui erfolgen könne, wenn die Gemeinde Wieseck 1520 Prvzeiu Steuern mehr zahlen würde als bie Stadt Gießen Nun, sehr eilig haben wir es damit ja nicht.

Da die Wiesecker nun einmal im Zeichen des Verkehrs stehen und gerne einen solchen wünschen, bedeutet ein jeher Stillstand einen Rückschritt. Wir wollen audi anerkennen, daß ein eiserner ^Schienenweg weit vorteilhafter erscheint, als ein Auto Betrieb Was nun ben ^llttv-Bettieb anbelangt, so können wir nur feil» 'teilen, daß er sich innerhalb der dreiwöchigen Probezeit sehr gut bewahrt und rentabel gezeigt bat. Wir geben gerne zu, daß bei einem jeden neuen Verkehrsmittel der Reiz der Neuheit müspricht, aber man soll doch auui bannt rechnen, oaß nur Der vierte Leü i>er Passanten fahren kann. Sollte ber Betrieb regelrecht er» (folgen, um der Allgemeinheit Rechnung tragen zu tonnen wie es m Aussicht steht, fo wird, der Verkehr dadurch nur noch ßo

mit der Stadt gepflogen worden, indem sie sich bereu erklärte, für 40 000 Mark bie Bapn GietzenWwsecr zu bauen. Wir bemerten hierbei besonders, daß von ber Stadt bezüglich des Fahrpreises günstige Bedingungen gestellt wurden, die allgemein anerkannt wurden, und cs war auch Stimmung für die Einführung der Bahn am Platze vorhanden. Auf nochmaliges Anfragen bei der Firma, erklärte sie sich bereit, znni Autos und zwei Anhängewagen ohne jegliche Garantie und ohne jede Verantwortung der Gemeinde verkehren zu lassen. Bevor wir dec Firma nun bie Zusage er­teilten, Haven wir nicht versäumt, nochmals bei ber Stabt an­zufragen, ob sie nicht gewillt sei, für ein einmaliges Angebot von 20 000 Mark, nicht wie kürzlich in der Zeitung staub, unentgeltlich, was wir Wiesecker überhaupt nicht verlangen, die Stredc zu bauen. Dieses Angebot ist am 19. b. M. von der Verkehrs-z'commission abgelehnt worden. Die Stadt behauptet, sie müsse bei Den jähr­lich 22 000 Mark entstehenden Betriebskosten noch 4500 Mark brauflegen. Dieser Berechnung können wir uns nicht anschließen, denn nach Feststellung des Probebetriebes sind täglich 70 Alk. eingenommen, so daß eine Einnahme von 25 200 Mark jährlich erwartet werden kann. Die elektrische Bahn könnte bei einem günstigen, bie Verhältnisse berücksichtigenben Fahrplan, mit einer täglichen Einnahme von 80 Mark dis 100 Maik rechnen. Die Rentabilität ist durch die Probefahrten festgestellt, dennoch be­harrt die Stadt auf ihren 40 000 Mark. Wir wollen alle an eine Prüfung dieser für unsere Gemeinde so bedeutsamen Sache mit recht viel gutem Witten herantreten, in bem aufrichtigen Be­stellen, das für unser Gemeinwesen Beste zu finden. Es kommt meines Erachtens in dieser Frage gar nicht darauf an, was andere von uns denken, sondern einzig und allein darauf, was unseren Gemeinde heilsam ist. Es handelt sich hier um Gemeindegelder, und da gilt als alleiniger Maßstab das Gemeindewohl. Nun zum Schluß: die Gemeinde steht hier vor einer Frage von so ein­schneidender Bedeutung, auf der einen Seite bietet die Firma Biessing an, einen Verkehr ohne jegliche Verbindlichkeit der Gemeinde herzustellen, auf der anderen Seite soll die Gemeinde 40 000 Mark zahlen. Der Redner wird in einer Versammlung stets Beifall finben, der zu seinen Hörern sagt:Wozu wollt ihr denn bezahlen? Laßt das doch andere tun!" Das ist ein sehr einfaches Rezept, aber es ist nicht immer,richtig. Im vorliegenden Falle sagt man, die Ge­meinde Wieseck hätte allein einen Vorteil von dem Bahnbau. Dabei sieht man aber nur das, was unmittelbar vor den Augen steht. Vor einer ruhigen weitausschauenden 'leberlegung kann abe.v diese Behauptung nicht standhalten. Gewiß werden die Wiesecker durch den Bahnbau auf der einen Seite Vorteile, auf ber anderen Seite aber auch Nachteile haben. Es ist Unrecht, daß die Stadt von ber Gemeinde eine so große Summe für eine Strecke verlangt, da die Rentabilität gesichert ist und der Stadt im Falle der Erbauung eine gute Einnahmequelle sicher sein würde. Wenn die Stadt ihre Forderung ermäßigt, ist es nicht ausge­schlossen, daß eine Einigung herbeigeführt wird,

(Wir behalten uns vor, auf die Angelegenheit näher zurück­zukommen, nachdem jetzt der Gießener und der Wiesecker Stand­punkt zu Wort gekommen sind. Red.)

Aus Statt und Land.

Gießen, 27. März 1912.

** Tageskalender für Mittwoch, 27. März. Stadt­theater: ,S ic fünf Frankfurter". Anfang 7 Uhr.

** Buß- und Bettag in Hessen. Für den all­gemeinen Buß- und Bettag, der wiederum am Sonntag Palmarum zu begehen ist, hat der G r o ß h e r z o g die nach­folgenden Bibelstellen als Predigttexte bestimmt und zwar: L Für den Vormittag: 1. Petri 5, 56:Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß br euch erhöhe zu seiner Zeit". 2. Für den Nachmittag: Josua 24, 15:Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen". Auch in diesem Jahre soll der Ertrag der am Sonntag Palmarum in den evang. Kirchen zu erhebenden Kollekte zur Unterstützung von hilfsbedürf­tigen evangelischen Gemeinden des Großherzogtums, die an Orten mit überwiegend katholischer Bevölkerung be­stehen, verwendet werden.

** Ordensverleihungen. Der König von Preußen hat dem ersten Legationskanzlisten bei der Bot­schaft in London, Hofrat Meinck, die Erlaubnis zur An­legung des Ritterkreuzes erster Klasse des Großh. Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Attache im Auslvärtigen Amt, Regierungsassessor Riedesel Frei­herrn zu Eisenb ach, früher der Botschaft in London zugeteilt gewesen, die Erlaubnis zur Anlegung des Ritter­kreuzes zweiter Klasse desselben Ordens erteilt.

** Stadtverordnetenversammlung. Die auf Donnerstag, 28. d. M., angesetzte Sitzung der Stadtverord­neten ist auf Dienstag, 2. April, verlegt worden.

" Stadttheater. Es ist vielfach der Wunsch aus­gesprochen worden, es möge Karl SchönherrS interessantes Schauspiel H@r be' noch einmal wiederholt werden. Die Direktion hat dem Rechnung getragen und für den kommenden Sonntag nochmals »Erde' statt »Hochzeit von Valeni' an- gesetzt. Auch in dieser Vorstellung wird Frau Baumeister als Mena gastieren und es gelten Gutscheine und kleine Preise wie bei dem erstangesetzten Stücke.

** Selbstmord. Auf dem Bahndamm zwischen der Badenburg und hier wurde in vergangener Nacht die verstümmelte Leiche eines Unbekannten aufgefunden. Allem Anschein nach hat sich derselbe in selbstmörderischer Absicht vor den Zug gelegt. Der anscheinend dem Kellner­stand angehörige Unbekannte hat gepflegten blonden Schnurrbart, etwas Kotelettbart, ist gut getleidet und trug weder schriftliche .Aufzeichnungen noch Wertgegenstände bei sich.

** Preisgekrönte H u ndckz ü cht e r. Auf der Aus- stellung in tfranffurt erhielten weiter Herr Fritz Rumps auf starkhaarige Bernharbinerhündin einen ersten und zweiten Preis und Herr Heinr. Henkel auf langhaarigen Bernharbinerrüden einen zweiten Preis.

Landkreis Gießen.

==U t b $ c, 26. März. Der hiesige Ziegenzucht-Ver­ein ist im Jahre 1904 gegründet worden und sofort bem Kreis- ziegenzuckstvcrein beigetreten, so daß er heute einer ber alleren und leistungsfähigeren Vereine auf biesem Gebiet ist.

Kreis Büdingen.

--- Tauernheim, 26. März. Von einem schweren zweifachen Branbunfall wurde, wie schon berichtet, der aus Bermuthshain im Vogelsberg stammende strebsame Land­wirt Karl P s a u n st i e l heimgesucht. Ein wüstes Bild der Zerstörung bietet sich dem Auge dar. Die Scheuer, eine der größten unseres Torfes, sowie der Viehstall waren noch ziemlich neu. Erstere wurde vor etwa 50 Jahren aus starkem Eichenholz erbaut. Am Samstag hatte Pfannstiel, der eine große MUchwirtschaft mit Versand betreibt, von befreundeter Seite zwei Wagen Stroh erhalten, die schon am nächsten Morgen mit den Stellungen in Flammen auf- amaen. Bei Ausbruch des zweiten Brandes wäre Pfann- ftiel samt seinem Schweizer beinahe verunglückt. Beide stiegen auf den Heuboden, um zu retten und waren plötzlich ,o in Rauch und Qualm eingehülll, daß sie den Slu-taana nM staden konnten und nur durch Zufall wieder ins Freie kamen. Gestern weilte ein Untersuchungsrichter qua Gießen Üier und nahm eine umfangreiche Vernehmung vor.

Krcis Lauterbach

-r. Angenrod, 2j. März. Der hiesige Kriegerverein hiell gestern eine außerordentlick-e Hauptversammlung ab, in der u. a. Dom Bor staube eine neue Vercuissatzung vorgelegt und ge­nehmigt und eine neue Präsibenicnwahl Dorgcnommen wurde, da Der seitherige Präsident und Veteran von 1870,71, x)eiimdj Schmidt, ber seinem Amt 34 Jahre vorgestanden, dieses meber- gelcgt hatte. Zu seinem Nachfolger wurde Christian Wahl ge­wählt. Ter Verein ehrte seinen langjährigen, verdient en Vor­sitzenden durch Ernennung zmn Ehrenpra, identen. Gleichzeuig wurde ihm ein schöner Sessel als Ehreng esck-enk überreif.

Kreis Schotten.

= Echotten, 26. März. Ter Jahresbericht der Höheren Bürgerschule (Realschule mit Vorschulklasse) zu Scholten für das Schuljahr 191112 weist für den 15. Fe­bruar 1912 einen Schülerbefland von 108 nach. Davon waren 78 Knaben und 30 Mädchen. Von den 106 Schülern, die am 15. Mai vorhanden waren, waren 85 evangelisch, 7 katholisch und 14 israelitisch; auS Schotten waren 90, aui anderen hessischen Orten 15 und auS nichthessischen Orlen einer. Die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig frei- ivitiigen Dienst erwarben 17 Schüler und 4 bestanden außer» dem die Abschlußprüfung. An dec Anstalt unterrichteten ein­schließlich des Rektors Ludwig Hertsch 10 Lehrkräfte, da­runter befindet sich eine Handarbeitslehrerin. Der Jahres« bericht enthält einen warmherzigen Nachruf für den ver­storbenen Rektor Tr. Rausch.

0 Laubach, 26. März. Der hiesige Zweigverein des V. H. C. führte am Sonntag nachmittag seine letzte Wan­derung in bem zu Ende gehenbcn Vereinsjahre aus, die als End­ziel Gonterskirchen hatte. Im Anschluß daran fand bord im Saale des Gastwirts Graf die feierliche Ueberreichung der Wanderauszeichmingcn statt, an bie Damen und Herren, die im Vereinsiahr sich an 11 Wanderungen beteiligt hatten. Der Vor­sitzende Oberlehrer Weißbart wies auf die Ziele des Vereins hin und gab einen humorvollen Rückblick über bie Wanderungen, des vergangenen Jahres. Durch Frl. M. Kratz erfvlate fobaiue bie Ueberreichung ber Wanderauszeichnungen. Einen Wanderstock! erhielten je 3 Herren für Wanderlcistungen im dritten Jahre, bie goldene Nabel eine Dame unb 4 Herren im zweiten Jahre, bie silberne Nadel 2 Damen und 1 Herr im ersten Jahre ber abgelaufenen Wanderzeit. Mit einem Vortrag über das Hessen- land, veranschaulicht durch eine große Anzahl vortrefflicher Licht­bilder, verschaffte Lehrer Jacob den Anwesenden einen schönen Genuß. Mit einigen Ehören trug die Gesangsabteilung zur Ber- schönerung der Feier bei. Herzliche Dankesworte sprach Lehr­amtsassessor Vetter im Namen der mit Auszeichnungen Be­dachten dem Vorstand aus.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 26. März. Seit Samstag wird ein junger Lehrer der hiesigen Musterschule namens Weber vermißt. Man befürchtet, daß er sich ein Leid angetan habe.

Hessen-Nassau.

= Frankenbach, 26. März. Der im Jahre 1911 neu- gegründete Dünsberg-Sängerbund, bem die sechs Ge­sangvereine Krofdorf, Bieber, Königsberg, Frankenbach, Erumbap unb Wilsbach beigetreten finb, unternimmt dieses Jahr am 16. Mai (Himmelfahrtstag) feine Sängerfahrt nach Franken- bad). Bei dieser Gelegenheit wird bie neue Fahne des Gesang VereinsTeutonia"-Frankenbach eingeweiht. Das Fest soll als Volksfest mit Tanzbelustigung usw. gefeiert werden und man rechnet auf zahlreichen Besuch aus der Umgegend.

vermischtes.

* Ein Raubanfall von beispielloser Rohheit spielte sich gestern abend auf ber Sübring strecke vorn Pots- bamer Bahnhof nach Bahnhof Schöneberg ab. Eine 18 jährige Dame saß mit einem bem Arbeiterstunde angehörenden Manne allein in einem Abteil. Nebenan befanb sich kein Passagier. Plötzlich sprang der Mann auf unb suchte ber Dame die Hand­tasche zu entreißen. Sie wehrte sich standhaft, war aber ben Körperkräften des Mannes nicht gewachsen und flüchtete in das Nebenabteil in der Hoffnung, dort Hilfe zu sindim. Der Mann eilte ihr nach unb versuchte, das Mädchen aus bem Zuge zu werfen. Es entstand ein kurzer Verzweiflungskampf. Krampf­haft hiell sich das Mädchen an der rfoupeetür an Schließlich gelang es bem Unholb, bie Tür zu öffnen unb die junge Tome auf die Geleise z u werfen. Als sie aufgefunben wurde, war sie glücklicherweise unverletzt, aber so erschöpft, daß cs ihr kaum möglich war, eine Darstellung bes UeberfallS zu geben. Tie sofort eingeleitete polizeiliche Ermittlung hatte noch keine» Erfolg.

Kleine Tageschronik.

Der Kaufmann Voll sack hctt der Stabt Dresden drei Millionen Mark für wohltätige Zwecke hinterlassen.

Aus Bad Gastein wirb gemeldet: Gelegenttich ber Neu- reguHerung des Wassereinlaufs in einen Betriebswasseickanal für bie Elektrischen Kraftwerke ist im Mühlbachgraben eine neue Thermalquelle entdeckt worden. Die Wassertemperaturan ben Austrittsstellen beträgt über 28 Grab, bie Ergiebigkeit -Ur­zeit etwa zwei Sekunbenliter.

Bei bem Kanalbau auf den Hungariaring in Ofenpest stürzten infolge mangelhafter Steifung etwa 50 Kubikmeter Erde auf 10 Arbeiter. Sieben Arbeiter wurden gerettet, drei konnten nur als Leichen geborgen werden. Der Polier wurde verhaftet. .Gegen den Unternehmer ist ein Verfahren eingeleitet worden.

Im Dorfe Daraljak in der Nähe von Saudschbulak wurden von Kurden bie Nestorianische unb bie Lutherische Kirche zerstört unb bie Kicchenbiener getötet

Aus Bluesield in Westvirginia wirb gemeldet, daß 85 bis 100 Bergleute in einem deutschen Bergwerk der Weg zum Förberschacht ab geschnitten sei. Es wirb ein schwere- Unglück befürchtet.

In Neutzork wurde ein Logier Haus durch Feuer fast vollständig zerstört Unter den Gästen entstand eine ungeheure Panik. Zwei von ihnen sind verbrannt, fünf schwer verletzt

Tie amerikanischen Geistlichen Sheldon, Hoffmann und Hicks von der Universität Tschangtu würben 100 Meilen von Itschang von Räubern angefallen. Mr. Hicks wurde getötet, bie anberen erlitten erhebliche Verletzungen, wurden aber unter Bedeckung nach Jtschang zurückgebracht

Amtlicher wcllerverichl.

Wetteraursichten in Hessen für Donnerstag, den 28. März 19U: Morgennebel, später aufhenernd, trocken, tags milb, nachts kühl.

Letzte Nachrichten-

Aus der Hessischen Zweiten Kammer.

bs. Darmstadt, 27. März. Tie Erste Kammer beriet heute morgen kurz über den Etat unb ging dann zur Einzel­beratung über. Tie Zweite Kammer verhanbelle über bie Besoldung der Kreisärzte und ber Lehrer an Semmarien unb nahm bie Vorlage ohne Aussprache an.

Wafserembrnch in der Berliner Untergrundbahn.

Berlin, 27. März. Auf ber Strecke Sbrittclmarft-' Alexanberplatz ber Berliner Untergrundbahn er* folgte Deute früh ein Wasserdurchbruch. Tie Feuerwehr ist eifrig an der Arbeit, um ben Tunnel auszupumpen.

Zum Lawinenungluck bei Wien.

Wien, 26. März. Die Leichen ber verschütteten Schiläufer sind nach schwierigen Arbeiten geborgen worden. Zu dem Lawmew Unglück wird noch aus Puchberg gemeldet: Der Tod ist durch Ersticken ohne Todeskampf eingetretcn, wie aus» den iri^licheu Gesichtszügen »u erkennen ist. An ber Bergung der LeuhM waren etwa 25Q Personen beteiligt, LÄstige ^elftt j&dKB iUUW*