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27.3.1912 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

162. Jahrgang

Mittwoch, 27. Mär; 19(2

Ter Siebener Anzeiger 3 25 -----"1»

erscheint täglich, außer JK^iSF V A vezurvret5:

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Fernsvrech-Anschlüsse: M ^B Chesredakteur:A Goetz,

für die Redaktion 112, V^r WB Verantwortlich für den

Verlag u. Expedition 51 ZT - _ w vi e *« zB< < »* politischen Teil: August

5ää,: ®eneral=2lmeiger für Oberhessen äää

Annahme von Anzeigen j» , . . - .. U 1 4 !! .Genchlüsaal": 51. Reu-

für die Tagesnummer rioranonsoruck uno Verlag bet vruhl schen Univ.-Vuch und Stcinbruderei R. Lange. Reöaftion, Lrpedition und Druckerei: Zchulfttatze 7. b*.c a(bJ ""d big vormittags 9 Uhr. ______________________vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnstofstrahe 16a. Anzei^entett^'o Beck

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. ---

Beim Dierteljahrswechsel

bitten wir diejenigen Leser, die durch unsere Zweigstellen unser Blatt beziehen, sowie unsere Postabonnenten, recht­zeitig ihr Abonnement zu erneuern. Der Gießener Anzeiger wird auch in Zukunft ein zuverlässiges Spiegel­bild aller Vorgänge von nah und fern bieten und beson. öers die hessischen Angelegenheiten eingehend behandeln. Durch eine über das ganze Land verbreitete, gut organisierte Berichterstattung, durch vorzügliche Verbindungen in der Residenz, hat der Gießener Anzeiger einen steigenden Ein­fluß gewonnen. Keinerlei Abhängigkeiten hindern ihn an freimütiger, sachlicher Kritik, die von keinem eng begrenzten Parteistandpunkte diktiert wird. 3n den kommenden Ittonaten soll auf den Ausbau des unter­haltenden Teiles ein besonderer Nachdruck gelegt werden. 5ür die viermal wöchentlich erscheinendenGießener Familienblätter" sind bereits hochinteressante Beiträge erworben worden - neben gediegenen, spannenden Romanen fesselnde neue Arbeiten aus wichtigen Abschnitten der Ge­schichte Gberhessens. Die Interessen unserer ländlichen Leser werden auch weiterhin aufmerksam verfolgt werden, und die monatlich zweimal erscheinende BeilageLand­wirtschaftliche Zeitfragen" bringt gediegene fach­männische Belehrungen. Da das kommende Vierteljahr für den Zeitungsleser in weitestem Umfange neue Fragen und Erscheinungen nationaler und internationaler Art aufrollen wird, ist ein zuverlässiges Blatt wie derGießener Anzeiger" unentbehrlich.

wir wenden uns besonders an unsere ländlichen Leser, deren Zeit während der Sommermonate sehr knapp bemessen ist. (Einen Augenblick zum Lesen seiner Zeitung muß aber jeder, wenn er auch noch so stark beschäftigt ist, finden, wie will er sonst in einer so bewegten Zeit wie heute auf dem Laufenden bleiben? Für den Landwirt ist es besonders erforderlich. Er erhält sonst von vielen für ihn wichtigen Dingen keine Kenntnis und wird durch die Ereignisse vor unvorhergesehene Tatsachen gestellt. Der Arbeiter, der eingesehen hat, daß er sich auf dem Laufenden halten muß, scheut die kleinen Mehrausgaben für seine Zeitung während der Sommermonate nicht, warum macht nur der Landwirt hiervon immer noch eine Ausnahme?

wer also seine Zeitung abbestellt hat, bestelle sie sofort bei unseren Zweigstellen wieder. Unregelmäßigkeiten in der Zustellung bitten wir uns sofort zu melden, wir werden dann sofort Abhilfe schaffen.

Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers.

Salkangespenfter.

Dio Zeit bcr Schnceschniclzc pflegt für die unruhigen Heinen Balkanstaatcn, wie-Bulgarien, Serbien, Montenegro und Griechenland, fast stets bas Signal zu blutigen Aus­einandersetzungen zu geben Nicht in dem Sinne, daß sie nun offiziell aufeinander ober zusammen auf die Türkei losschlügen, sondern nur insoweit, daß, wenn die Gebirgs­pfade wieder gangbar werden, die in denvier König reichen" wollenden unruhgien Elemente in das türkische

Gebiet Oinabfteigen oder übertreten, nm durch Entfesselung der sogenannten Bandenbewegung unter ihren dort wohnenden Landsleuten der Türkei zu Gemütc zu führen, daß sie nach Ansicht bcr Balkanslawen ihre europäischen Provinzen nicht zu Recht besitzt, fonbern baß diese unter Bul garen, Serben, Montenegriner unb öriedjen verteilt wer den müßten. Dieser Kleinkrieg findet größtenteils die still- sd)weigenbe Billigung der in Betracht kommenden Regie- rungen, und bas englische Balkankomitee sorgt schon bafür, daß die braven Komitatschis zu rechter Zett ausreichenb mit Flinten, Munitionen unb Geldmitteln versehen sind. Mau will eben in diesen türkenfeindlichen Kreisen die Mächte burd) Anzettelung von Balkammruhen zwingen, eine Aufteilung bcr europäifd^en Türkei vorzunehmen, unb da 9tuf}Ianb immer noch als Beschüß er der Baltanslaven gilt, und auch Italien gewisse Aspirationen auf Albanien hegt, sind es bei dem engen Zusammcnstehen Rujchrnds mit Frank­reich und England nur Deutschland und CefterreidpUngarn, die diesem Plane nnberftreben, weil sie von ihrem Stand­punkt aus eine starte Türkei brauchen und eine Austeilung des türkischen Balkangebietes den Krieg aller gegen alle bedeuten würde.

Tie Aussichten Bulgariens, Serbiens, Montenegros und ®rtcd)enfanbei, der Türkei Herr zu werden, sind, selbst wenn sie sich, >vas immerhin einigermaßen zweifelhaft ist, ver­einigen wollten, honte, nachdem das ottomanijd)e Reich eine Wiedergeburt gefeiert hat, an sich geringer denn je. Und auch die Tatsache, daß die Türkei jetzt mit Italien im Kriege liegt, verbessert sie nur wenig, da die Mächte bisher darin einig waren, gegen eine Aktion Italiens auf dem europäischen Festlandc ganz energifdjen Widerspruch zu er­heben. Dagegen würde schon der Borstoß einer italienischen Flotte gegen bie Dardanellen Einfluß auf die Ruhe des Balkans gewinnen, und das um so mehr, wenn es sich be­stätigt, daß Iiußland seiner Friedensvermitllungsaktion durch Truppenzusammenziehungen an der Kaukasusgrenze einen größeren Nachdruck verleiht, um die Türkei zu zwingen, die Souveränität Italiens in Tripolis und der Eyronaika auzuerkennen. Ob Rußland diese Pläne wirklich verfolgt, muß vorerst dahingestellt bleiben.

Dagegen droht dem Balkanfrieden von anderer Seite eine viel akutere Gefahr, nämlich von feiten der zu der Türkei gehörigen, in der Hauptsache aber von' Griechen be­wohnten Inseln, die schon lange ihre Wiedervereinigung mit Griechenland herbeisehnen. Konnte man schon daran denken, daß, wenn die italienische Flotte auf Leinnos, Les- pos, Ehios, Rhobus Mannschaften lanbete, biefe Inseln von der Türkei abfallen würben, so ist eine solche Gefahr für bas ottomainscho Reich bei Samos unb Kreta, die zu der Pforte nur im Suzeränitätsverhältnis stehen, um so eher zu gewärtigen. Aber Italien hat fid) bisher von einer wirklichen Aktion in den türkischen bezw. griechischen Gewässern femgehalten, um es bei Samos nicht mit den Schutzmäckten England, Frankreich und Rußland zu ver­derben unb sich bei tota, wo es als vierte Schutzmacht zu ben eben genannten drei Großmächten hinzutritt, nicht selbst zu desavouieren. Italien konnte auch die Dinge auf Samos und Kreta ruhig reifen lassen. Denn auf beiden Inseln revoltiert man eigentlich ständig gegen die Oberherrschaft der Türkei, und der italienisch-türkische Krieg war ganz dazu angetan, die Aspirationen des Groß-Griechentums zur Siedehitze zu entflammen. Da darf es nidjt Wunder neh­men, wenn aus Samos die Nachricht kommt, daß dort bcr Fürst Andreas Kopassis durch Revolver- f d) ü f f e getötet wurde unb in Kreta 69 Deputierte ge­wählt würben, um in die ebenfalls am 24. d. M. neugewählte griechische Kammer einzutreten.

Tie Verhältnisse au f Samos liegen friedlicher als diejenigen auf Kreta. Wenigstens haben sich die Schul, mädjte England, Frankreich und Rußland nie roefenihd) um Samos zu kümmern braudjen, da die Samiotcn ihre Fürsten, die vom Sultan ernannt, der griechischen Natio­nalität angeboren müssen, immer auf friedlichem Wege durch Vorstellungen in Konstantinopel beseitigten, wenn sie ihnen und das war recht oft der Fall mißliebig mürben. Wie viele seiner Vorgänger, war and) bcr ermordete Fürst Kopassis p-en Samioten wegen seiner türkenfreund l i d) c n Gesinnung verhaßt. Aber er stand, was immer hin einen Ausnahmefall bedeutet, bereits seit fast 1Fah­ren anbcr Spitze bes christlichen Fürstentums Samo- und wenn ihn die Samioten nicht früher davvnjaglen, fo lag das daran,Idaß er beim Sultan in lstichster Gunst stand unb auch mit den samivttsd>en Politikern bis zu einem gewissen Grade zu leben wußte, indem er die Zenvürfnisse zwischen den einzelnen Parteien benutzte, um sie gegeneinander aus- zuspieleu. Es verdient alle Beachtung, daß sein Mörder kein Samiote, sondern ein Athener und zwar ein Mitglied der n.ationaliftifd>cn Partei ist, die die Einverleibung brr griechischen Inseln apf ihr Panier geschrieben hat unb durch bie Ausfenbung des Mörbers wohl nid)ts mehr unb nichts weniger bezweckte, als in einer Zeit, wo die Türkei mit äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen hat, und bie Mrctafragc kritisch geworden ist, Unruhen auf Samos anzustiften und so seinen Abfall vorzubereiten. Ter Fürstenmord auf Samos steht jedenfalls mit den großgriechifchen Bestrebungen auf Kreta im engsten politischen Zusammenhang.

Aus bcr Insel bes Minos ist bie Lage für bie Türkei und bie Schutzmächte augenblicklich äußerst ernst. Einen Fürsten ober Oberkommissar, ben sie da von ja gen oder er morden könnten, haben die >1 reter augenblicklich nidjt, seit­dem Zaimis es vorgezogen hat, die ihm angetragene Würde eines Oberkommissars gar nicht einmal zu übernehmen. So liegt die Exekuttve auf Kreta in ben Händen eines natio­nalen unb gleichzeitig revolutionären Ausschusses von 50 Mitgliedern, von denen ja 5 während eines Monats amtieren. Die Legislative dagegen repräsentiert, nad)bcm das reguläre Parlament seine Funktionen nicbcrgclegt hatte, ein nationales Oicgenparlament, fo baß es, ba bie Ireti schini Nationalisten bie Insel auf jebeu Fall Griecl)enlanb angliebern wollen, nur selbstverständlich ist, das; bie Mit- glieber bcr kretischen Nattvnalregiemng unb bes Parla­ments nicht auf ben Namen bes Sultans, sondern bereits auf ben 9^imen bes Königs ber Hellenen öcrcibigt sind. Die Pforte hat seit bem Juli vorigen Jahres luiebcrholt bie kretischen Schupmächte auf biefe Zuspitzung bcr Verhält­nisse aufmerksam gemacht, und insbesondere erklärt, daß, wenn Kreta zur griechischen Kammer Abgeordnete wählte und entsendete, für sie ber Kriegsfall mit Griechenland gegeben fei. Aber die Schutzmächte konnten sich zu einet Besetzung der Insel nicht entschließen, unb bas einzige war, baß sie im Dezember vorigen Jahres bic Abreise von 25 kre­tischen Abgeorbneten nach Athen verhinberten.

Nun sinb am 24. v. M. wieber 69 Abgeorbnete für die griechische Kammer gewählt worden, unb wenn auch bie Schutzmächte auf bie letzte Note ber Pforte erklärt haben, baß sie durch Besetzung bcr Insel bie Abreise der Depu­tierten nach Athen verhindern würden, so weigert fid) doch Italien, diese Besetzung mit^umachen. Die sehr gewun­denen ErNärunaen derTrrbuna" (affen erkennen, daß Italien heute alles daran liegt, einen Krieg zwischen der Türkei und Griechenland und damit auch mit den übrigen kleinen Balkanstaaten im Iuteresse des Ausgangs feines tripolitanifdjen Feldzuges zu entfesseln und bie Feind, der Türkei durch eine Mion gegen die Dardanellen, ja vielleicht

Lin Protest gegen die heffennnmmer der Zllnstrietten Zeitung.

Wir lesen als Eingesandt im Darmstädter Tagblatt

Unter den hessischen Künstlern erregt die jetzt erschienene Nummer der Leipziger Illustrierten Zeitung über das Groß- Herzogtum Hessen peinlichstes Aussehen, und zwar dadurch, daß fast die ganze hessische Kunst und ansässigenJlrdnteften, Maler und Bildhauer, darunter solche mit weithin bekannten Namen, überhauptnichterwähntwerden. Andere, von besonderer Bedeutung, wie z. B. Professor Friedrich Putzer, der Erbauer des neuen Bahnhoses, eines Werkes von emiiTenteftcr bau künstlerischer Bedeutung, kommen durch eine kümmerlidie kleine Zeichnung nur ganz ungenügend zur Geltung, der neue Babnhot wurde vergessen! Es fehlen (im Tert oder Abbildungen ge­rade die Besten, bic Professoren Karl Hofmann, Wölbe, Wickov, Betterlein, Wienkoop, Hoelscher, dauer, Beper, Phil Otto ^diaeter, Bader, Kempin, Greiner, Lippmann, die beiden Attherm, Hartmann, bic beiden Metzenborf gänzlich, unb bas sind doch gerade die im Lande ansässigen Künstler Ganz vergc'ien wurden auch,die großen auswätts tätigen hessischen Maler, die hier doch 'kets tätig und mitarbeitenö find, die Herren Ludwig von Hotmann, Bracht, Bantzer, Halm, Engel, E. Prcetonus u. a. -ta bicic Hessennummer aber bedeutende Mitarbeiter unb fAjr ^oBc -ber breitung hat (man spricht von eincw Auflage von 80 000 Irrem riaren!), so haben die hessischen Künttlcr alle Urlache, gegen die Unvollständigkeit energisch zu protePieren.

Tic Ignorierung bedeutet eine Kränkung und große iät digung der hessischen Künstler, denen es schon orers durch Be­richterstatter, welche die Verhältnisse gar nickt genügend kann.en, so ergangen ist. Diese Ignorierung stellt aber auch die oNizielle Kunstpflege in Hessen einseitig und falsch bar.

Mehrere hessische Künstler.

Es ist wohl kaum anzunehmen, baß es fick bei, diesem Protest, den wir nur mit unlvejentlichen Ausladungen lieben, tatsächlich itm mehrere hessische Künstler han­delt, sondern wohl nur um einen einzigen vielleicht nickt ein­mal bedentenden. Denn wir meinen, baß bie bestochen Wnstler allen Grund haben, sich über die Ignorierung zu iicuen, ba es sich doch lebiglid) um ein Retlamcheft banbclt, das man gar nicht ernsthaft nehmen ^oll, ^irachbem es jrch

gezeigt hat, baß fast alle Teile in ber unzulänglichsten unb oberflächlichsten Weife bearbeitet worben sinb.

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5elix v. Weingartner gegen Öen König von preuhen.

Berlin, 26. März. Tie Klage des früheren Tirigenten der Königlichen Kapelle in Berlin und ehemaligen Dircttors der Wiener Hofoper Felix v. Weingartner gegen den König von Preußen bcfdxifiigtc heute ben Geheimen Iustizrat zweiter Instanz, vor bem alle Zivilprozesse gegen den König von Preußen zum Äustrag kommen. Der Geheime Iustizrat erster Inüanz batte im vorigen Herbst die Klage Weingartners auf Ungültig­keitserklärung des im Jahre 1908 geschlossenen Vergleichs ar- gewiesen; in diesem Vergleich verpflichtete lich Weingartner, nach Beendigung des Wiener Vertrages in Berlin und befim weiterer Umgebung nicht zu dirigieren, widrigenfalls er eine Konventional­strafe von 9000 Mark an die Witwen- und Waisenkafse des König­lichen Lrdiesters zu zahlen habe. Gegen dieses Urteil legte Weiii- gartner Berufung ein, die heute zur Verhandlung stand. Ter Kläger Felix von Weingattner, der persönlich erschienen ist, wird von Rechtsanwalt Tr. Neumond Frankfutt a. M.) vertreten, der Beklagte, bcr König von Preußen, diirch Redssamvalt Atthur Wolfs Berlin). Ter Vertteter des Klägers legte in längeren Ausführungen die Vorgeschichte des Prozesses dar und kommt zu dem Ergebnis, daß Weingartner in gerechtfertigter Weise den Vertrag mit der '.'Kneral-Intendantur als ^gelöst betrachtet habe. Trotzdem habe die General-Imcndantur ein Sinfonie Konzert unter Weingartner als Dirigenten angetiinbigt und habe dadurch das Publikum getäuscht. Als sich das Publikum zu dem Zdonzett in Waffen cingcfunben hatte, habe man Weingartner durch Plakate für kontraktbrüchig erklärt. Tem Kläger sei es nicht darum zu tun, daß ihm die Konventionalstrafe von 9000 Mark'zurückbezahlt werde, vielmehr wolle er nur festgestellt wissen, baß er an seinen früheren Vertrag mit der General-Zntendantur darnals^nicht mehr gelmnben war unb baß der Vergleich wider die guten Sitten ver­stoße. Der Vorsitzende regte sodann einen Vergleich an, der aber an der Erklärung des Vettreters des Beklagten, Rechtsanwalt Wolff sck.'iterte. Nack längerer Beratung oertünbete ber Gerichts hos das Urteil, das aus Verwerfung ber Berufung lautete. Gegen diese Entscheibung ist nur noch eine Revision ans Reichsgericht zulässig.

Eine neue amerikanische P o la r cx pedit i o n. Tas biologische Departement von Eanada beabsichtigt, im Sommer

eine Expedition in das Polargebiet zu senden. Die Expedition soll unter Führung der Herren Borub und Mac Milian stehen, die Peary auf seinen Nordpolsahrten begleitet haben. Aus­gabe der Expedition ist bic Erforschung des von Peary entberften Crooks-Landes, und falls dies nicht gelingt, wissenschaftliche Be­obachtungen in Ellismereland und Grantland.

kf. Ein versunkener Wald auf gesund en.' An der Küste von Pembrokeshire ist bei Froshudter West während des Sturmes der letzten Tage auf dem Grunde des Meeres ein vorgeschichtlicher Wald zum Vorschein gekommen. Bei der scltweren See sind gewaltige Sandmassen in ber Nähe des Ufer: weg- gespült worden, und darunter ist nun ein felsiger Grund, mit * Wald bestanden, zum Vorschein gekommen. Bei mancheii der Bäume bat das Holz kaum seine ursprüngliche Farbe verändert: andere sehen aus wie Kohle Die meisten Stämme sind mit einer sandsteinartigen Schicht überzogen. Die Geologen nehmen einst­weilen an, an dieser Stelle habe früher einmal ein Uierrutsch stattgefunden, bei dem ein bewaldetes Stück Land ins Meer ge­raten sei: dann sei der Wald unter Wasser mit Sand bedeckt und so schließlich vor der gänzlichen Vernichtung bewahrt worden.

Gegen bie Uebcrfaftung des Gedächtnisses. In einem Aussatze imTag" über die Nervosität der Schulkinder tadelt ein^Nervenarzt, Tr. Engelen-Tüsscldors, als einen Fehler der heutigen Schulbildung neben ber vorzeitigen Belastung des unn-üen Gehirns mit nur mühsam einigermaßen zu sassenden abftraften Begrii'sen audj die Ueberiaftung des kindlichen Gedächtnisses. Er sagt:Die ganze Schulet hindurch muß auswendig gc! werden: Gedickte, Namen, Taten, Zahlen, Vokabeln, Lehr',-c. Regeln usw. Es gehört eben zum heutigen Bildung-ideal, daß der gebilbete Mensch währenb feiner Schulzeit über einen großen Vorrat an Gedächtniskram verfügt hat. Im praktischen Leben kann man mit diesem schweren Inhalt des deutschen Schutran'-cns keinen Hund hinter dem Lien hervorlocken. Selbst Menschen, die durch ihre umfassend allgemeine Bildung Bewunderung er­regen, verfügen außerhalb des Rahmens ihres Berusswissens wohl niemals über einen solchen Gedächtnisvorrat an Zahlen unb Taten, wie ihn ein mittelmäßiger Primaner beherrschen muß. Da nun fast jeder Lehrer geneigt ist, gründliche und umfassende Kenntnisse von dem ihm vertretenen Spezialfache für unum­gänglich notwendig zu einem ausreichenden Grad von allgemeiner Bildung zu erachten, so muß der Schüler viel Arbeitsftaft be­tätigen zur Erwerbung eines Gedächtnisinhaltes, den er im spä­teren Leben unbeschadet seiner Bildungskrast über Bord werfen faraL".