Ausgabe 
29.4.1912 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger für Gberhesjen

Punkt 1 Bildung der Antrag wird Kammer für

Punkt 2 Gesetzentwurf

Der italienisch-türkische Krieg, feine Lessaung der Tardanellen. Konstantinopel, 28. April. Nach einer längeren Be- prechun^ faßte der Mini st errat über die O effnung der

DieGießener ^ttnlllenbiarter* werden dem Anzeiger* dermal wöchentlich betgelegt. bat Kreliblafi f8r bei Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dierandwlrtschastllchen Lett- fragen" erschemen monatlich zweimal.

die Beschluß mit Ja 88.

Kolonialetat,

Montag, 29. April 1912

Relation»druek and Verlag der vrüblichen UnOHTfität» vuch- und 6tetnbrudcctL R. Lange, Gießen.

Redaktion. Expedition und Truderei: Schul« fffraße 7. Expedition und Verlag: a-TN dl. Rehafrwrce^lia. T«l.-Adr^AnzeigerGieben,

Der Hammelsprung ergibt Unfähigkeit des Hause».

Mit Nein stimmten 48 Abgeordnete, Montag 1 Uhr: Weiterbcratung, bann Schluß 4 Uhr.__

Samit schließt die allgemeine Aussprache. TS wird abgestimmt «m»;------------ k:. --Haldem akratische Re-

auch für die Bureau zweifelhaft.

hessische Liste Kammer.

bs. Darmstadt, 27. April.

Der Fürst zu Solms-Lich eröffnet 101/* Uhr die Sitzung. Das Haus ist gut besucht. Am Regierungstiscke die drei Minister, Geheimer Medtzinalral Lorenz uno andere Ministerialräte.

Bei der Abstimmung über die soz solution. die die Lohnzahlung Wochenfeiertage fordert, bleibt baß

der Tagesordnung: Antrag des Abg. Leun, die Landtagswahlkrcife der Provinz Oberhessen. Der ohne Aussprache nach dem Beschlüsse der Zweiten erledigt erklärt.

der Tagesordnung: Regierungsvorlage, betreffend die Ausführung deS Reichsviehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909.

Graf Solms-Laubach (Berichterstatter des Ausschusses): Das Reichsgesetz läßt frei, darüber Bestimmungen zu treffen, von wem die Entschädigung zu zahlen ist. Bisher wurden sämtlich« Entschädigungen von der Staatskasse getragen. Jetzt beschränkt sich der 'Staat nur auf das reichsgesetzlich fejtgestellte Mindestmaß. Die Tragweite beider Gesetze, des Reichsviehseuchengesetzes, sowie des Gesetzes über Entscl;adigungen für an Maul- und Klauenseuche gefallenes Rindvieh ist m Dunkel gehüllt. Nachdem die Zweite Kammer eine Gültigkeitsdauer von fünf Jahren zugebilligt Hal, wird es leicht sein, über die prinzipiellen Bedenken hinweg zukommen. Ter Ausschuß schlägt deshalb vor, den Entwurf in der Fassung der Zweiten Kammer unverändert anzunehmen. Es ist der Mög­lichkeit zu rechnen, daß, falls Veränderungen vorgenommcn werden, eine nochmalige Beratung in der Zwesten Kammer stattfindet und dann beide Gesetze scheitern können. Dann würden wir die un­liebsame Tatsache haben, am 1. Mai vor einem Vichsatchengeseye ohne Ausführungsbestimmungen zu stehen.

Gewerberat Falk: ifain soll der Tuberkulose energischer als bisher zu Leibe rüden und mehr Tötungen erkrankten Viehs vor­nehmen.

Geheimer Medizinalrat Lorenz: Die Kämpfe gegen die Tuberkulose sind nach einem bestimmten System ins Werk gesetzt. Eine solche Bekämpfung läßt sich aber nicht in wenigen Zähren durchfuhren. Man mußte sich darauf beschränken, nur die an offener Tuberkulose leidenden Tiere zu töten. Zn den westlichen Testen Deutschlands läßt sich die Tuberkulose nicht so schnell be­kämpfen, weil wir es hier mit einer Menge von Kleinbesitz zu tun haben. Es soll deshalb mir da mit der Bekämpfung vorgegangen werden, wo es sich um Krankheiten der Nachzucht handelt. Be­sonders mst der Tötung der mst.Eutermberkulose behafteten Kühe muß man vorsichtig sein.

Gewerberat <y a 1 f: Es war nicht meine Absicht zu behaupten, daß mst der Tötung planlos vorgegangen werden müsse, wenn aber die Sache so wie bisher westet, behandell wird, kommen roir nicht vorwärts. Gerade bei den Eutererkrankungen müßten größere Ausmerzungen vorgenommen werden.

Graf Stolbcrg-Roßla: Wenn man nicht in der Lage

Mb. Deutscher Reichstag.

*48. Sitzung, Sonnabend, den 27. April.

km Tische de» Bundeörat»: v. Breitenbach.

Da»-Hau» ist fast leer.

Präsident Tr. «aempf eröffnet die Sitzung um 11 IThr 20

Der Efaf der Refdiseifenbahnen.

Dbg. Koßmann (Zentr.):

Da» günstige Bild diese» Etat» ist zu danken der Tüchtigkeit Und dem Fleiß der Eifenbahnbeamten und »arbeiter. Zwei Wunsche: Ausdehnung de» Eisenbahnnetze» auch auf die rein land- wirtschaftlichen Gegenden und Vorsorge gegen die Ueberlastung der Arbeiterzüge, Heizung derselben usw. Ter Redner empfiehlt bann eine Reihe der zahlreichen Petitionen der verschiedenen Beamten- und Arbeitergruvpen. Keine Arbeitcrgruppe in irgendeinem float- l'chen Betriebe steht so treu zu ihrer Verwaltung und ihrem Chef wie die Eisenbahnarbeiter. Al» auf einer Ber­liner Eifenbnhnerversammlung der Name de» früheren Eisenbahn- Minister» Budde erwähnt wurde, ging ein Jubel durch die Masse. Auch zu dem jetzigen Chef hat man da» gleiche Vertrauen, und ich bitte deshalb, auch die Wünsche der Eisenbahn­arbeiter zu berücksichtigen.

Eisenbahnminister v. Brcitenbnch:

Die beiden Vorredner vom gestrigen Tage haben sich mit den Ueberschüssen dtr Reichseisenbahnen beschäftigt. Herr Liesching gab der Meinung Ausdruck, daß damit ein AuSgleichöfondS zu bilden sei, während Dr. Weill sie mehr i m Int eresse de» Landes verwendet haben will. In erster Linie hat diese Frage die RcichSschatzverwaltung zu be­antworten. Ich habe in der Kommission bereit» darauf hin- oewiesen, daß nach den Erträgen der Reichseisenbahnen feine er- heb!ich großen Aussichten vorhanden sind, daß au» den lieber- schlissen ein AuSgleichSfondS gebildet werden kann, sie reichen kaum au», um die Verzinsung des Anlagekapital» zu decken. <Sehr richtig! recht».) Al» ich da» hier vor acht Tagen auSführte, rief man mir zu, ich solle einen zehnjährigen Durchschnitt nehmen, ^bkr auch danach ergibt sich nur eine Durchschnittsrente von 8,76 Prozent, und auch, wenn man vorn Anlagekapital da» abzieht, wa» da» Reich für Landesverteidigungszwecke hergegeben hat, blc'bt e» noch unter 4 Prozent. Die Rente der Reichseifenbahn toirb immer nur eine mäßige fein, weit da» Anlagekapital recht hoch ist, ein großer Teil der Strecken unter sehr schwierigen, kost­spieligen Verhältnissen gebaut ist.

Nun meinte Tr. Weill, heute würden die Ueberschüsse der elfatz.lothringischen Bevölkerung entzogen und deshalb sei eine grundlegende Aenderung der fetzigen Verhältnisie erforderlich. Er will die Verwaltung der Reichseisenbahnen dem Lande übertragen und der NeichSreglerung die Ueberschüsse in einer Summe zu- Weifen, daS Land solle aber für die Etalaufstellung verantwortlich lein. DaS wäre eine Societas leonina ; dem Reiche bliebe dar nackte Eigentum und daS ganze finanzielle Risiko. Die An- regung deö De. Weill steht auch im größten Widerspruch mit dem Prinzip einer Reichseisenbahngemeinschaft, das er vertritt; denn e» würde ja eine partikulare Verwaltung entstehen, mit allen Mängeln der kleinen Verwaltung. Aber e» kommt ihm wohl weniger auf Vorteile an, es ist wohl lediglich der P r e u ß e n ba ß.

Was die Verwendung de» Personal» anlangt, so glaube sch, stehen wir jetzt auf der Höhe in bezug auf den Ausgleich der Betrieb»- und der Derkehrsinteresien. Auch ich habe da» Bestreben, da» Personal so auszunutzen, daß beiden Teilen nach Möglichkeit gedient ist. Ter Minister wiederholt seine Erklärung au» der Kommission, daß eine Erhöhung der Arbeiterlöhne ihre Grenze finde an der Rücksicht auf die Arbeiterverhältnisse in der Industrie. Sozialdcrnokiatffche Vereine werden nicht geduldet, aber keinem Verein, der die Voraussetzungen erfüllt, die im Inter- e||c de» Betriebe» gestellt werden minjen, wird irgendein Hinder- ni» in den Weg gelegt. Tcr Minister erwidert sodann auf die neulichen Ausführungen des Abg. Schwabach über die Be- triebSgemeinsck'aft. Wa» bei der Gründung de» Reiche» vorausgesetzt werden konnte, ist in dieser Beziehung erreicht; wir besitzen tatsächlich auch eine materielle Einheit in allen wesentlichen Fragen, und die Verwaltung der Reichseisenbahnen in Personal- Union mit den Preußisch-Hessischen wird diesen Gedanken auch weiter verfolgen.

Auch die Tarlfeinheit besteht nicht nur formell, sondern tn großem Umfange auch tatsächlich. T i e Fahrkarten- steuer, wie ft? jetzt ist, bedeutet eine VerkehrSbelastung, weil sie zu ungleich sich über den Betrieb verteilt. Wenn man eine Re­vision für notwendig erachtet, wird man die vierte Klasse, wie bisher, freilafsen müssen und den Ausgleich innerhalb der drei andern Klaffen treffen. Geht man baöop au», daß wir in Deutsch- lanb die erste Klasse nicht abschaffen können und wollen, muffen wir sie bei der Fahrkarteusteuer entlasten und den Ausgleich in rer zweiten und dritten Klasse treffen, besonders bei der dritten Älaffc wurde die Verteuerung ganz unerheblich sein. Herr Schwa- dach fragte weiter nach den Wirkungen der Pensionskasse der Reichseisenbahnen. Seine Frage, ob wir bestrebt fletoefen sind, den großen Fortschritten Preußen» nachzufolgen, veiahe ich. Ich stelle erneut fest, daß wir gerade auf diesem Ge- met bestrebt fein werden, die Interessen unserer Arbeiterschaft weiter zu fördern.

Abg. Dr. Will (Els., Zentr.):

'k» r$-e ^HbHinie durch Oberelsaß von Colmar nach Mülhausen rst so überlastet, daß sie im Falle eine» Krieges versagen müßte; «wei steigt der Verkehr bureb bie neue Kaliinduftrie fortgesetzt, «ine neue Hauptlinie im Rbeintal ist notwendig und eine Reihe Kebenbabncn. Die Vergünstigungen, die der Salonwagen de» Statthalters genießt, sind unnötig. (Zuruf des Abg. Peirotc» 1«oz.): Er kriegt noch 100 000 Mk. Reisespesen dazu!) Die Postunterbeamten sind besser gestellt als die Eisenbahner; daS hebt die Dienstfreudigkeit der letzteren nicht. Die Anstellungen lassen zu lange auf sich warten die Löhne sind teilweise voll­ständig unzureichend, die Arbeitszeit ganz ungleichmäßig.

. . Abg. Jcklcr (Nat.)

erörtert die Verhältnisse einiger Beamten- und Arbeiterkategorien und empfiehlt insbesondere die Wünsche der Werkführer und Magazmaufscber. Die AufrückungSfristen sollten um mindesten»

. Jahre herabgesetzt werden. Anstelle des AklordchstemS bat eine eigen» dazu eingesetzte Komminion ein neues System aus- «earbeitct, das sich hoffentlich besser bewähren wird. Alle Arbeiter lallten Erholungsurlaub erhalten. Die Herabsetzung deS wahl­fähigen Alters bei den Wahlen in die ArbeilerauSschüffe wäre »ehr vorteilhaft.

Abg. Dr. Werner-Gießen (Wirtsch. Vgg.):

: . Verwaltung soll den sozialen Sinn, den ich ihr gern an- «renne, weiter betätigen. Tie Eisenbahnkonsumvereine sollen

^'"elstande keine Konkurrenz machen. Ter Redner vertritt ton VeamtenwÜnschen, verlangt vor allem reich», veietzliche Regelung der Ruhezeit und fordert ein Eingreifen in «jug au- das Plakat- und Reklamewesen auf den Bahnhöfen.

Abg. Peirotes (Els., Soz.):

Man wird ja nicht sagen können, daß die Debatte, die wir

ist, große Mittel vom Staate zur Verfügung zu stellen, muß man sich zu dem Standpunkt der Regierung bekennen.

Geheimer Medizinalrat Lorenz: ES kann nicht von einem einzelnen Bundesstaate verlangt werden, in so scharfer Weise vor Mgehen. Man hat noch keine Ersabrungen, wie weit man in dieser Sache überhaupt geben kann. Zunächst soll tn denjenigen Zuchten, die sich durch Nachzucht ergänzen, eine schärfere Bekümv fung vorgenommen werden.

Gewerberat Falk: Gerade bei Eutertuberkulose muß man intenimer in der Bekämpfung borgeben.

Damit wird die Debatte über Punkt 2 der Tagesordnung gr schlossen. Die einzelnen Kapitel werden ohne Aussprache ange rtommen.

Punkt 3 der Tagesordnung: Regierungsvorlage, betreffend den Gesetzentwurf, die Entschädigung für an Maul- und Klauen seuche gefallenes Rindvieh.

Graf Solms-Laubach (als Berichterstatter de» Ans schusseStt Ter Ausschuß bittet auch hier dem Beschlüsse der Zweiten Kammer beizutreten.

Für st zu Isenburg-WächterSbach: DaS Einsperren der Hühner und Hunde ist zwecklos, dann müßte man audi die Spatzen und Mäuse einsperren. Auf Grund eigener Erfahrungen rate ich -um JnftktionSverfahren.

Graf SolmS-Laubach: Die Schädigttngen, die durch das Sperrshstem hervorgerufen werden, müssen möglichst gemildert werden.

Geheimer Medizinalrat Lorenz: Nur daS Mittel deS Ge­heimrat Löffler ist ein sicheres. ES ist aber bis heute noch zu teuer. Die Maul- und Klauenseuche ist leicht Übertragbar, und ob es sich empfiehlt, mit Milde vorzugehen, nptjj man dahingestellt sein lassen.

Es folgen dann noch kurze fachmännische Bemerkungen des Gewerberats Falk und Geheimrats Lorenz.

Minister v. Homberak: Die behandelten Fragen waren zumeist technischer Natur. Ich möchte nur hinzufügen, daß wir dankbar sind für alle Anregungen, die uns gegeben werden, und die Negierung wird sie alle ernstlich prüfen. Den Hauptwort beS Gesetzes erblicke ich darin, daß wir in Zukunft durch die Anmeld, pflicht in die Lage konnnen, rechtzeitiger etngreifen zu können Ick bin dem Hohen Hause dankbar, daß es die Möglichkeit gegeben haft das Gesetz noch vor dem 1. Mai zur Verabschiedung zu bringen.

Während der Spezialberatung nimmt Gewerberat Falk noch daS Wort zu einigen technischen Bemerkungen.

Punkt 4 der Tagesordnung: Antrag der Abg. Leun, Korell (Angenrod) und Gen. Beteranenbeihilfe betreffend, sowie Punkt 5, Regierungsvorlage, betreffend die Veräußerung fiskalischer Grund- stücke, werden nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer erledigt

Auf den Nachtrag zur Tagesordnung: Anfrage bej G Heimen Kommerzienrat Dr. Bamberger, betreffend die Erbauung einer Eisenbahnbrücke über den Rhein im Rheingau, teilt

Finanzminister Dr. Braun mit, daß die Regierung stets die hessischen Verkehrsinteressen wahre. Die Verl-andlungen sind aber noch nicht abgeschlossen, auch die Höhe der Beteiligung steht noch nicht fest. Die Regierung wird demnächst eine Vorlage ein bringen.

Geheimer Kommerzienrat Dr. Bamberger: Augenblicklich wird der Handel der Stadt Mainz durch den Verlust der direkten Verbindung mit dem Rheingau schtver geschädigt. Man kann sich der Befürchtung nicht verschließen, daß der Mainzer Handel und Verkehr durch die neue Brücke weiter leihet. Auch hinsichtlich des Güterverkehrs bestehen schwere Bedenken, die in einer Denk Idjrtft niedergelegt sind. Wenn die Brücke gebaut wird, müssen Garantien dafür geleistet werden, daß die Interessen der Stadt nicht lewen. Das ist man der größten Stadt des Landes unbe­dingt schuldig. Vielleicht könne ein Ausgleich geschaffen werden, indem man die Strecke AlzeyKaiserslautern zweigleisig ausbaue. Dadurch wird der Stadt eine bessere Verbindung mit dem Hinter- lande geschaffen.

Oberbürgermeister ©öttelmann (Mainz) dankt der Regie- rung für hie Zusicherung, die Interessen der Stadt zu wahren. Das schwere Unrecht, das der Stadt durch die Entziehung der Rherngaustrecke zugefugt wird, muß wieder gutgemacht werden. Ich Werbe demnächst die Größe des Schadens durch die Umleitung über Wiesbaden Nachweisen können. Tie Wiederherstellung der alten Verhältnisse ist nicht nur der Wunsch der Stadt Mainz, sondern auch der Rhetngauer selbst. In dieser Beziehung hoffe ich aui die Unterstützung der Regierung.

Freiherr v. Hehl: Bei der Umleitung des Verkehrs sind weniger eisenbahntechnlsche als militärische Gründe maßgebend gewesen. Dem Finanzminister gebührt Dank, daß er es ver- Itanben hat, ut der Elsenbahnfrage gute Beziehungen zwischen Preutzcn und Dessen zu pflegen. Er bat sich nicht von jenen Be- ItTebungcn beemflüften laften, die geeignet warm, diese guten Beziehungen zu beeinträchtigen.

Landgerichlspräsident Hangen: Es besteht kein Grund, von Hessen letzt noch einen besonderen Beitrag zu erheben. Hessm hat so Diel Opfer durch bie Festung Mainz für bas Reich go bracht, hast keine Veranlassung vorliegt, ein Mehr zu tun. Tie ütltung ist toi eher erheblich erweitert worden. Wenn auch Ent­schädigungen geleistet mürben, so besteht doch kein Zweifel, daß die Entwicklung der Stadt erheblich darunter leidet. Ich weiß keinen Grund, der das Reich veranlassm könnte, ein Mehr zu Iordern.

Oberbürgermeister Göttelmann: Ich bin nicht der An­sicht, daß das Reich bie Bahn bauen sollte, ohne einen Beitrag Dessens- Wenn wir uns auf hen Stanbpunkt stellen, bas Reich solle die Bahn selbst bauen, bann wird das Reich aber auch m$t nach unseren Wünschen fragen. Diesen Zustand möchte ich nicht herbeiführen. Wir wollm uns nicht zuerst an das Reich roenben, sondern zunächst an bie Großh. Regierung Wenn ich getagt habe, der Stadt sei durch bie Ablenkung nach Wiesbaden ein Unrecht geschehen, so möchte ich nicht so verstanden sein daß dieses Unrecht beabsichtigt fei. Ich habe aber festgestellt, daß bie -stabt Main; einen großen Schaden erlitten hat. Es ist deshalb Gelegenheit, dieses Unrecht letzt wieder gutzumachen.

Freiherr o. Heyl: Tie Beteiligung würde nicht Hessen allein, sondern die Gemeinschaft treffen. Ich kann ferne großen Bedenken für die Gemeinschaftsführung erkennen. Tie sachlichen Bedenken von Mainz gehen nach einer anderen Richtung hin ES sind Gerüchte vorhanden, daß diese Brücken ähnlichen Schaden anrichten können, wie die Drücke in Wiesbaden. Diese Befürch­tungen sind unbegründet. Ter Vertreter der Stabt Mainz im Reichstage trägt nicht dazu bei, die Beziehungen der Stadt zum Reick zu Derbqiem.

Oberbürgermeister Göttelmann: 3d) glaube, baß ber Ser­bt et er her -stabt Mainz im Reichstage nicht imstande ist, die guten Beziehungni zum Reick zu stören. Man kann doch unmöglich ine Stadt für den Vertreter im Reichstage verantwortlich mad n _ vreil^rr v. Hey 1: Ich habe auch nicht behaupten wollen, batz das Reich sich durch den Vertreter der Stadt im fReicfetan ti - nIm Wohlwollen für die Stabt beeinflussen lassen wird. Was ich gesagt habe, ist nur meine rein persönliche Meinung

xamit schließt die Sitzung gegen 12Vz Uhr

heute pflegen, gestern gepflogen haben, am Sonnabend gepflogen haben, auf ber Höhe steht; aber ich muß sie in sehr ausführlicher Weise fortsetzen. Sie können e» un» nicht übel nehmen, denn für u n » Elsässer ist r» von außerordentlicher Dichtigkeit. Wir würden unsere Wünsche und Forderungen lieber in Straßburg vortragen, dort würden wir ein willigere» Qhr finden al» hier; aber der Reichstag hat bei der Beratung der Verfassung uns bie Eisenbahnhoheit unter allen Umständen ver- weigert. Hätten wir doch wenigsten» ein MitbestimmungSrecht bei ber Ausführung! Wir haben nicht wie Herr Will auf den jefeigcn Eisenbahnchef besondere Erivarlungen gesetzt; unsere Be­fürchtungen haben süh sehr bald voll bestätigt. Zur Beseitigung der H u n g e r l ö h n e hat ber Minister nicht» getan. Mindestens müßten unsere Eisenbahnarbeiter sich wie bi; Marinesoldaten nähren. Die jetzigen Zustände schreien geradezu zum Himmel, wenn ich mir einen unparlamentarischen Ausdruck erlauben darf. Die Feiertage an den Wochentagen werden in Privatbetrieben vielfach bezahlt. Ta» Sparsystem scheint recht nette Blüten zu treiben.

Der Beamtenmangel ist so groß, daß wegen verfaulen» von Aepfeln auf dem Transport eine Schadenersatzklage in Höhe von mepr al» 200 000 Mk. gegen die ReichSeisenbahnverwaltung an­hängig gemacht ist; sogar die religiösen Bedürfnisse de» Personal» leiden darunter Schaden. Wenn ganz hohe Personen durch EI- [a? bann ift ^eilich Personal genug da. Ein Eisenbahner hat Selbstmord begangen, um einer Maßregelung zu entgehen. Da» billigt der Minister! Mit solchen Grundsätzen wird er keine moralifixn Eroberungen machen. Sein Vorgehen ist unerhört. Mit einer vornehmen Handbewegung hat rr e» zurückgcwiesen, daß er eine Erpressung begangen hat, al» er die Arbeiter zwang, aus dem Verbände auszutreten. Arbeiter, die sich des gleichen verbrechens schuldig machten, sind bestraft worden. (Vize­präsident Dove rügt den Ausdruck.)

Abg. Schiffer Borken (Zentr.):

Auf dir Simplizisstmu».Kultur verzichten wir. Die Verw.iltung muß beachten, daß die Sozialdemokraten sich jetzt eifrig um bie Werkstättenarbeiter bemühen. (Abg. Emmel: Das ist unser gute» Recht!) Selbstverständlich wünschen wir keine Scharf.nacherei. (Lachen der Soz.) Ter Redner fordert einen Zentralarb-iterauSschuß in Straßburg.

Minister v. Brettenbnch:

Die Veüvattung ist stets bestrebt gewesen, ihre sozialen Pffichten zu erfüllen. Tie Löhne sind gestiegen. Ter Minister verweist aus seine früheren Ausführungen. Eine Parallellinie zur Linie Straßburg-Basel wird sehr kostspielig sein. Ein so schwieriges Projekt, wie den Vogesendurchstich, kann man nur in die Wege leiten, wenn man auch auf Der anderen Seite Gegenliebe findet. Da» ist von Frankreich aus noch nicht ge­faxten. Be, den Beamteneinstellungen werden Militäranwärter nicht besonder» bevorzugt. Die Vorwürfe gegen die Dahnärzte weise ,ch zurück. Die Anerkennung be» Abg. Jckler, ber ben Verhältnissen bet Arbeiter nahesteht, hat mich gefreut. Do» v ^r>ch ander», al» wenn bie Sozialdemokraten immer von Dem Mißtrauen der Arbeiter zur Verir>altung sprechen. ES toirb ständig geprüft werden, ob bie Löhne ben jeweiligen Verhältnissen angepaßt sind. Tie Akkordlöhne der Güterbodenarbeiter sollen revidiert werden. Tie Finanzlage darf eine Regelung der Löhne nicht aufhalten. E» wird augenblicklich versucht, den Arbeitern eine Vertretung dadurch zu gewähren, daß man sie veranlaßt, Vertrauensmänner zu bezeichnen. Zusammenkünfte sind unmöglich, da bie Arbeiter auf ber Strecke verteilt ftnb.

Abg. Windeck (Lothringer)!

Das Lothringische Erzgebiet sollte ein bessere» Eisenbahnnetz erholten und durch Wasserstraßen an den Weltverkehr an- geschlossen werden.

ßr. 100 Zweiter Blatt 162. Jahrgang

®iej|ener Anzeiger

ISSEUM

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* die Herren Studierenden 14 Freitag, abend» 8 Uhr. i nehme jederzeit entgegen, richt nach Wunsch, ichts: Dienstag. 30. April.

Hochachtungsvoll Wh. w sitäts-Turn u. Tanstehrv

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