Ausgabe 
23.3.1912 Erstes Blatt
 
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ig ersetzt werden. Dadurch wird die Kriegsbereitschaft der Schlachtflotte für längere Zeit er­heblich herabgesetzt. Der -weite Mißstand besteht darin, daß zurzeit bei einer Etatstärke von 58 großen Schiffen »nur 21 große Schiffe zur Verfügung stehen, wenn die "Neserveflotte nicht rechtzeitig bereitgestellt werden kann. Letzteres ist seit der Aufstellung des Flottengesetzes immer wahrscheinlicher geworden, weil der Zeitpunkt, zu dem die Neserveflotte kriegsbereit sein kann, sich mehr und mehr i'hinausschiebt. Dies ist eine Folge der immer komplizierter ^werdenden modernen Schiffe und der stetig wachsenden 'Schwierigkeiten in der Ausbildung großer geschlossener Ver­bände. Die Reserveflotte hat eine große Bedeutung bei Inuferem starken Beurlaubtenstande heute erst als zweite

rariione angefordert werden, als für die normale Stärke der Armeekorps und für einige besondere Zwecke notwendig sind. Es handelt sich um 14 Bataillone. Außerdem soll Sachsen ein Infanterie-Regiment auch stellen, und es wird so bei jedem seiner Armeekorps die Zahl von acht erreicht. Für die neuen Divisionen sind die er­forderlichen Feldartillerieformationen bei jeder Division eine Brigade und für die beiden Korps je ein Pionierbataillon vorgesehen. Darüber hinaus rechnet der Entwurf mit einem weiteren Pionierbataillon, mit Ergänzungen unserer Verkehrstruppen, mit Aufstellung einer Fliegertruppe lind mit einer Erhöhung des Etats bei einer großen An­zahl von Jnfanteriebataillonen und Feldartillerieabtei­lungen. An Kavallerie soll in Preußen als Folge der Bil­dung zweier neuer Armeekorps ein Kavallerieregi­ment zu fünf Schwadronen ausgestellt werden.

Auch in Bayern ist eine Verstärkung der Kavallerie in Aussicht genommen. Bei jedem Infanterieregiment soll eine Maschinengewehrkompagnie eingerichtet wer­den. Nachdem wird das Reich gegenüber dem Friedens­präsenzgesetz von 1911 die Friedensstärke des Hee­res um rund 29 000 Mann -ausschließlich bet Unteroffiziere vornehmen. Neben dieser Zahl der Vermehrung der Zahl der Ausgebildeten ist gleichzeitig die Verbesserung der Offizier st eilendes etzung im Kriege in Aussicht genommen, durch weitere Schaf­fung von Stellen, die im Frieden den Truppenoffizieren von allzuhäusiger Verwendung außerhalb seiner Dienststelle entlasten und int Kriege für Besetzung der neuen Forma­tionen verfügbar sind. Endlich besteht die Absicht, gleich­zeitig mit der Heeresvorlage eine Erhöhungder Mann­schaftslöhnung vorzuschlagen.

Die Vorschläge der Marineverwaltung

Vie haurhalisberatung der 2. Hammer.

rb. Darmstadt, 22. März.

/ Schluß der diesmaligen Dudgctbcratung konstatierte der 'neue Kainmerirüsident und O.ec.ürge.m > st.r Röhler von Worms Mil einem Aufvlick der Erleichterung, dav tue vaushausberauing nunmehr glüctlich beendet sei und diesmal 22 Sitzungen, im Bonahre dagegen nur 16 Sitzungen in Anspruch genommen hab«. Der vorsiäUige ttEMtrpräsidenl enthielt sich zivar im übrigen jeglicher Rntif über den Verlauf der ganzen Budgelberatnng. aber mir meinen, oud^ schon die bloße Feststellung dieser Tai lache sagt genug. 22 i-itzungen für die allhibrlich imedertehrenb- HausbaltsberaNliig! Das ist der höchste Rekord, den die ihcsjische Volksvertretung seit ihrem bald Imnbcrtjalmgeii Bestand serrcichr Hal. In den ersten 30 Jahren seit der Wiedererrichtung des Deutschen Kaiserreiches, in denen unser Hesseiuand bekannt- lich dreijährige Budgetperioden hatte, pflegte die Beratung des jeweiligen >staatsvoranschlags 1216 Sitzungen in An,pruch zu Lehmen, so daß also auf das Jahr berechnet 4j Sitzungen d.e.er vor­

bezwecken die Schaffung eines dritten aktiven Geschwaders durch Verwendung des vorhandenen Re­serve-Flottenflaggschifss und der Materialreserve owie durch allmählichen Neubau von drei Linienschif en. zwei kleinen Kreuzern und M e h r i n d i e n st t e l - lung bon tret Linienschiffen, drei Großen und Drei Kleinen Kreuzern. Die jährliche Per­sonalvermehrung des Flottengesetzes wird bis 1920 um durchschnittlich 75 Offiziere und 1600 Mann verstärkt.

Die Vorschläge der Marineverwaltung neben zwei schweren Mißständen in der Organi- , ation der Flotte abzu helfen. Der eine Mißstand besteht darin, daß im Herbste jeden Jahres auf allen Schiffen )cr Schlachtflotte die Reservisten, das heißt fast ein Drittel der Besatzung, entlassen und im wesentlichen durch Rekruten aus der Landbevölkerung ersetzt werden. Dadurch wird die

stKampslinie. Beide Mißstände sollen durch allmähliche Bil­dung eines dritten aktiven Geschwaders beseitigt oder er­heblich eingeschränkt werden. Die für dieses dritte aktive I.Geschwadcr erforderlichen Schiffe sollen gewonnen werden !a) durch Verzicht auf das Reserveflottenflaggschiff; b) durch Verzicht auf die zurzeit vorhandene Materialreserve (4 Li­nienschiffe, 4 Große und 4 Kleine Kreuzer; c) durch all­mählichen Neubau von drei Linienschiffen und zwei Kleinen Kreuzern. Da die Jndiensthaltungen bei der Reserveflotte infolge der Vermehrung der aktiven Verbände um die Hälfte reduziert werden können, macht die Bildung eines dritten aktiven Geschwaders gegenüber den bereits int Flotten- nesctz vorgesehenen Jndicnsthalmngen nur die Mehrindienst- haltung von drei Linienschiffen, drei Großen und drei Kleinen Kreuzern erforderlich. Dies bedingt eine ent­sprechende Vermehrung des Personals.

Eine weitere Personalvermehrung ist erforderlich, weil in den letzten Jahren die Besatzungen aller Schiffsklassen einschließlich der Torpedoboote verstärkt werden mußten. /Ferner ist die Vermehrung der Unterseeboote >uitzd die Beschaffung einiger Luftschiffe in Aus- lsicht genommen.

Die Marinevorlage hat die F o r m d e r N o v e l l e z u m Flottengesetz, bic in drei Artikeln die Bestimmung trifft über den Schiffsbestand, die Jndiensthaltungen und den Personalbestand der Flotte. Der Novelle ist

der Schiffbauplau für die nächste» sechs Jahre

teigefügt. Danach sollen von den erforderlichen Neubauten ie 1 Linienschiff 1913 und 1916 in Angriff genommen wer­den. Der Mehrbedarf an Personal macht eine Verstärkung der jährlichen Personalvermehrung des Flottengesetzes bis 1920 um durchschnittlich 75 Sceosstziere, Marinetngenieure, Netzte und Zahlmeister und 1600 Mann notwendig.

Ter Gesamlbrdarf

ter diese Verstärkung des Heeres und der Flotte stellt sich für 1912 auf rund 97 Millionen, für 1913, in web .chem Jahre bet höchste Kostenbetrag erreicht wirb, auf rund 127 Millionen. Der Anteil der Flotte beträgt ür 1912 rund 15 Millionen, für 1913 rund 28 Millionen, üt 1914 rund 38 Millionen und erreicht 1916 die Höch st­umme mit 43 Millionen. Zur Tc düng der neuen Aus­gaben soll unter Wahrung der Grundsätze für die Schulden- tilguna nach den Vorschlägen des'Reichsschatzamts ein TeilderUeberschüssedesJahtes 1911 verwendet werden. Der Rest wird auf die laufenden Einnahmen und auf die Mehreinnahme aus der beabsichtigten Aenderung der B r a n n t w c i n st e u e r g esetzgebung verwiesen.

nehmsten Aufgabe der Zweiten Kammer gewidmet waren. Als dann um die Wende des Jahrhunderts das einjährige Budget in Hessen eingeführt wurde, dem rftan die Zauberkraft beim, daß es nicht nur geeignet sein werde, unsere ganzen finanziellen Verhältnisse richtiger zu beurteilen und die vorhandenen Staats­mittel gerechter zu verteilen, sondern vor allem mehr Raum und Zeit für eine anderweitig notwendige und geordnete gesetzgeberische Tätigkeit zu gewinnenJa, da war man allgemein höchlich erstaunt darüber, daß auch die Beratung der ersten einjährigen Budgets gerade ebensoviel Zeit- und Redcaufwand in Anspruch nahm. Und was war die Ursache dieser eigentümlichen Erscheinung? War die finanzielle Lage des Landes plötzlich so difiziel geworden, daß sie einer verdoppelten Durchsiebung, einer verdoppelten Kritik der Volksvertreter bedurfte? Keineswegs! Tie R edel u st war stärker geworden, die Freude an der Kritik und die Lust zum Fabulieren! Es hat sich auch in der Zweiten hessischen Kammer die Wahrheit des alten Wortes bestätigt, daß eben der Appetit mit dem Essen kommt. Und bei diesem stärkeren Appetit ist es dann auch im Laufe der weiteren Jahre geblieben. Es ist aber immerhin anzuerkennen, daß sich die Redelust bis zum vorigen Jahre stets in denselben Grenzen bis zu 16 Sitz­ungen für die Budgetberatung bewegt hat. Und nun kommt jetzt Präsident Köhler und konstatiert mit sonst bei ihm seltener lakonischer Kürze 22 Sitzungen! ES war ein Gefühl der Er­leichterung, das wohl icben der clufmertsamen Zuhörer auf den Tribünen überkam, als der Präsident am Donnersiug nachmittag endlich in den Tumult des allgemeinen 2lusoruck-s per Abgeord­neten die frohe Botschaft hinemriej: Die Sitzung ist gescylossen! Und es war auch wirklich hohe Zeit, daß die bedrohliche Zünd- stosfatmosphäre politischen Haders und persönlicher Gegneriä>ast Gelegenheit zur Reinigung und Verpflüchtigung erhielt: so mancher Heißiporn der Kammer wird nun Muße zur Selbstkrüik finden, naä)öem er im Bewußtsein seiner hohen Würde als Volksver­treter die Schale seines Zorns über Regierung oder Parteiwider- sacher, oder selbst über augerl-alb des Hauses stehende Persönlich­keiten nur allzureicl)lich ausgegossen hat.

Die Vergröberung des Redens und der Umgangs- formen in den Parlamenten ist ja nicht neu, und man hat in den letzten Jahren auch in anderen Volksvertretungen darüber recht wenig erfreuliche Erfahrungen machen müssen. Der hessische Landtag hatte sich aoer bisher von diesem 5lulrur fort schritt mög­lichst sernzuhalten bestrebt und mit wenig Ausnahmen bessere Traditionen sestzuhalten tier'itanben. Um so bedauerlicher muß es empfunden werden, daß es gerade dem ersten Landtag unter der Herrschaft des neuen Wahlgesetzes, bei einer zum erstenmal durch birette Wahl berufenen überwiegenden Meh^eit beschieden worden ist, mit dieser Tradition zu brechen. Der wohltemperierte, behagliche Sitzungssaal, der nur ernstester sachlicher Arbeit ün Interesse der Allgemeinheit gewidmet sein sollte, hat sich in den verflossenen Tagen leider >ehr häufig zum Tummelplatz ganz unleidlicher persönlicher Angriffe und oder Zänkereien entwietelt, und verwundert glaubte man seinen Ohren nicht trauen zu dürfen, wenn man dasHohe Haus" besuchte unb Zeuge jener Ergüße bet Erregung wurde.

Das eine wird beim Rückblick auf die jetzt erlebten 22 Kam­mersitzungen jedem Einsichtigen klar sein, daß cs so unter keinen Umständen im Rat unserer Volksvertreter »veitergehen kann. Das darf auch nicht zugegeben werden, selbst wenn uns für die bc- trefjenben Abgeordneten der ungewohnte Boden, die neue Situation als ein gewisser Milderungsgrund für ihr Verhalten ins Feld geführt wird. Wer in die Stünde lamm er als Erwählter des Volkes einzieht, darf nie vergessen, daß er an einer bevorzugten, aber auch sehr sichtbaren Steile steht unb hieraus erwachiende Verpflichtungen zu erfüllen hat. Man tagt und debattiert eben nicht im internen Kreis unter Ausschluß der Öffentlichkeit, son­dern unter der kritischen Sonde des ganzen Landes. Kommt es soweit, daß ganze Satzungen nur dem Gezänk bienen und daß die Regierungsvertreter vor den Anpöbelungen eines sozialdemo­kratischen Rechtsanwalts ihre Würde unb bas Ansehen der Re­gierung nur durch ein Verlassen des Saales wahren können, so muß an die Volksvertretung aus dem Volk heraus der bringende Mahnruf ertönen: Bis hierher unb nicht weiter! Die Allge­meinheit unb jeder einzelne Steuerzahler hat bas Recht, von dem gewählten Volksvertreter, dem er bas höchste Ehrenamt verliehen oat, eine ernste, würdige unb tatkräftige Ausübung bieses Mandats zum Segen des Landes zu verlangen!

Deutsches Ueich.

Im preußischen A b g e o r ü n e c e n hau se brachte die Nationalliberale Fraktion folgenden Wahlrechts­antrag ein:

Die Staatsregierung wird ersucht, einen Gesetzentwurf vor­zulegen, -welcher für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus unter Beibehaltung des Systems des abgestuften, plutokratisä-e Aus­wüchse vermeidenden Wahlrechts unb unter Beseitigung der Be­stimmungen des Gesetzes vom 29. Ium 1893, die den Grundsatz der Bemessung des Wahlrechts nach der Steuerleistung im Ge­meindebezirk verletzen, die geheime Stimmabgabe unb die direkte Wahl einsührt.

Der Steuerausschuß des preußischen Abgeord­netenhauses lehnte heute den nationalliberalen An­trag auf Einführung einer Junggesellensteuer, bic mit einem Einkommen von 3U00 Mark beginnen soll, unb zu den bisherigen Steuersätzen einen Zuschlag von zehn Prozent ein- führen will, ab. Ebenso wurde die Steuerfreiheit der verheirateten Personen unter 1050 Mark Einkommen abgelehnt.

Eine Reihe von hervorragenden Vertretern der Wissenschaft, Kunst usw. veröffentlichten eine Erklärung gegen die rituale Mord 1 ügc. Zu den Unterzeichnern gehören der Präsident unb bic Vizeprasibenten bes Reichstages, Admiral v. Hollmann, Graf v. Posadowsky unb Prinz v. Schönaich- Carolath.

Aus Stadt Mud Land.

dienen, 23. März 1912.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gestrige Sitzung unserer Stabtverorbi.eten-Bersamm- lung verlies durchaus ruhig und friedlich, zumal eigentlich nur Berwaltungögegenstände zur Beratung standen. Zu Be­ginn dec Sitzung erfolgte die Einführung des neugeivahlken unbesoldeten Beigeordneten Justizrat Grünewald, dec in seiner Tankrede wanne Worte der Anerkennung für seine beiden Amlsvorgänger Dr. Schäfer und Georg,, sowie für den ausgeschiedenen Stadto. Haubach fand. Bon den ver­handelten Gegenständen mtcreffiert am meisten wohl der An­trag des Stadto. Tr. Sommer wegen der besseren Herstellung der Frankfurter Straße nach der Klein-Lmdeuer Ge­markung zu. Tie Berivirklichung deS weiteren Vorschlages, t&ngfl des Weges zwischen Viadukt und Bergivc^kswald eine doppelreihige 'Allee anzulegcn, würde, wie Beig. Grünewald zutreffend auSführte, uns einen hübichen Spaziergang durch den BergwerkSwald nach der Leihgesterner Strafe geben, der gewiß viel benutzt werden würde. Ter Verschönerung der Stadt neben einer Ehrung deS Turnvaters soll die Anlage eines JahngedenkiteinS m der Süd-Anlage zunächst dec Blockstraße dienen, die von den hiesigen Turnern anläßlich deS im Juli hier ltatlftndenden goldenen Jubelfestes des TurngaueZ Hessen beabsichtigt wtrd. Em kleiner Kon- flirt nnt der Aufsichtsbehörde ist bei der Fest- setzung deS Verzeichnisses der den Militäranwärtern oorvehaltcnen Stellen ent landen. Ter Oberbürgermeister mußte im Auftrage dec Aufsichtsbehörde den früheren Beschluß Ser Versammlung beanstanden. Tie Versammlung beharrte auf dem Beschluß, will aber sonst den Wünschen auf die Ver­mehrung der den Militäranwärtern oorbehaltenen Stellen in

der Cache entgegenkommen, so daß das gute Verhältnis zwischen Staat und Stadt ouS diesem Anlaß nicht getrübt werden wird.

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** Tageskalendcr Stadttoeater: Sonntag nach- mittag 3'/, Uhr: .Tas Glück im Winkel'; abends 7,, Uhr: BeneNz für Cierreqifleiir Bakof: .Erd e*.

R o l o 11 e u in : Täglich Vorstellung.

Rine matograph: Täglich Vorstellung

Biograph: Täglich VorsteUuna.

Militärkonzert am Sonntag nachmittag 4'. Uhr auf der £?iebigihöhe.

GemäldeausstellungdesKunstvereinsim Turm­haus am Biand. Geotinel tag.in, (um 'Ausnahme von Smnsiag), von 111 Uhr, Sonntags von 11 3 Uhr.

Museum des oberhessischen Geschichtsverein-. Geöffnet Sonntag vormittag 111 Uhr unentgeltlich, zu anderen Zeiten gegen 50 Pfg. Eintrittsgeld.

Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen von Ui Uhr und 4b Uhr.

Anlagemufik am Sonntag mittag- 12 Uhr (nur bei gutem Wetter) in der Süd-Anlage, eprelplan: 1. Ea.afera 'o.iniagtiieö, von R. Rrentzer. 2. Pilqerchor und Lied a. d. Abend- Hern aus Der Cper .Tannhäuser" (Ter Sängerkrieg auf der rvart- bürg), d. Ouvertüre zur Oper ,'!HarU)ae, von Fr. o. Flotoiv. 4. Armeemarjch Ar. Ibd, von E. Faust.

* Der König in Thule betitelt sich der neue Roman in den Gießener Familienblaltern, mit dessen Abdruck wir heute beginnen. Paul Grabein, der diicch feine Studenten- romane, besonders durch ,0 du mein Jena* rasch bekannt geworden ist, führt den Leser darin auf einem der großen Seedampfec nach der iveit im Norden gelegenen Insel Island mit ihren warmen Quellen und ihrer Abgeschiedenheit, durch einen Seesturm nach Norwegen und dann durch die Fjorde mit ihren Wundern. Und mitten in dieser großartigen Land­schaft spielt sich die Geschichte einer jungen Frau ab, der das Schicksal das beste im Leben genommen hat, und die nun hoch im Norden ein neues LebenSglück zu finben hofft. Nick spannender Rumt erzählt Grabern diese Geschehnisse, die er mit einem fernen Hmnor durchwirkt hat, und wir sind der Ueberzeiigung, daß wir unseren Lesern mit diesem Roman eine willkommene, spannende Unterhaltung bieten, die von der ersten btS zur letzten Fortsetzung intereffant und seffelnd t|'L

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' De standesamtlichen Nachrichten werden in unserem Rontagblatt veröffentlicht werden.

** Postkartenwoche der Großherzogin. In diesem Jahr wird ein Blumentag, wie er im vorigen Jahr am 6. Mai stattfand, nicht wiederholt werden. Dagegen beabsich­tigen der Großherzog und die Großherzogin während einer Woche im Mai einen allgemeinen Verkauf von Aohlsahrts- po st karten in den Läden anzuregen, wobei im ganzen Land zum Besten der Mutter- und Säuglingsfürsorge eigene Aus­nahmen der Herrschaften verkauft werden sollen. Es werden zu diesem Zweck besondere Lriginalausnahmen hergestelll, die nur in dieser Woche zum Verkauf gelangen.

** I n der nichtöffentlichen Sitzung der Stadt­verordneten wurde den Vereinbarungen zugestimmt, die Ober­bürgermeister Mecum wegen des Lupusheimes und deS Un­fallkrankenhauses getroffen hat. Wegen der Hinter- landbahn soll von der Bürgermeisterei mit aller Entschiedenheit bei den in Frage kommenden Behörden dahin gewirkt werden, daß eine Bahn von Gießen durch das Biebertal nach Gladenbach gebaut wird und zwar mindestens gleichzeitig mit der von Wetzlar angestrebten Bahiwerbindung mit dem Hinterland. Der Vorsitzende teilte dann mit, daß er mit den Landräten von Wetzlar wegen der Erbauung von elektrischen Bahnen Gießen Heu­chelheimAtzbachDorlarNaunheimNiedergirmesW etzlar und Gießen Krofdorf Rodheim verhandelt habe. Beide Landräte hätten großes Interesse für diese Projekte gezeigt und deren Förderung zugesagt. Die Pläne für eine elektrische Bahn nach Krofdorf seien inzwischen sowett gefördert wor­den. daß den Stadtverordneten vielleicht schon recht bald des­halb eine Vorlage zugehen kann.

Kunst verein. Tie seit 14 Tagen auSgestelltt Kollektivausstellung deS Münchener MalerS George v. Hoeßlin interessiert sehr unb hat sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen. Da diese Bilder nur noch 8 Tage einschließlich zweier Sonntage ausgestellt bleiben, ist ein baldiger Besuch für die zu empfehlen, die die Ausstellung noch nicht gesehen haben.

Stadttheater. In der morgigen Benefiz-Vor­stellung für Regisseur Bakos in SchönherrS .Erde* wird die iveibliche Hauptrolle von Frau Gertrud Baumeister ge­spielt. Da die Mittwochs-Abonnenten Wert daraus legten, daS neue Lustspiel von Rößler .Tie fünf Frankfurter* in der letzten MittwochS-Abonnement-Vorstellung zu erhalten, so hat die Direktion diesem Wunsche entsprochen und von der ursprünglich beabsichtigten Aufführung von .Glück im Winkel* an diesem Tage abgesehen. Tie morgige Sonntagnachmittag- Vorstellung bringt also .Glück im Winkel* zum letzten Akale.

** Vom Kolosseum wird uns ^ci'cpricben: Nachdem Pranas Kölner Bühne ihr erfolgreiches Gastspiel beendet hat, ist eine Truppe eingczogen. die Prang in ihrer Art gleichgestelll werden kann, es sind dies dieOriginal-Buchwalds", Direttor Paul Buchwald. Es werden stets nur lustige Einakter gcjpidi z. B.Er soll dein Herr sein" undPapaS Junge", die an drolligen Einfällen nicht überboten werden können. Gestern abend wurde zum erstenmal die BurleskeDer Säugling" gegeben, dazu der tolle SchwankKam rad Schruvpke", cm militärstcher ÄusitatrungSakl, der alles bisher gesehene übertrifft. Außerdem sei den drei Mirr- figues (2 Damen und 1 Herr) lobende Anerkennung gewidmet; die Vorführung ist vollständig neu für Gießen und wer noch keine echten Pariser Straßensänger gesehen hat, dem sei dringend ein Besuch des Kolosseums empfohlen) .

* * Der Turnverein veranstaltet morgen einen Aus« flug nach dem Wind Hof.

* D i e 25jährige D i en stj u b i l ä u m - se i er des Eisenbahn-Unterasstitenten W. Tcänkner fand am DonnerStos im Solmser Hof unter zahlreicher Beteiligung seiner Vorgcictz- ten, Kollegen und Freunde statt und verlies m schönster Weste. Oberbahnaifistent Wenzel schilderte das Wirken des Jubllar- mit zu Herzen gehenden WoNen.

Wegen Duldung verbotenen Glücksspiels ist gegen zwei Wirte ein Verfahren irn Gange. ES handelt sich in der Hauptsache um daS Spiel .Wutz*, bei dem aller­dings die Teilnehmer größere Stimmen verlieren können unb auch gewaltig .gemogelt* werden kann. Eine größere An­zahl von Spielern haben so unangenehm ihnen auch die Geschichte ist zu ihrer Vernehmung den Gang in die Wetdcngoffe machen müffen.

Adgestürzt. Dec Anstreicher Otto Schmidt stürzte beim Rialen eines Firmenschildes in der Ludwig- straße von der Leiter und brach den rechten Fußknöchel. 'Nach ölnlegung eines Verbandes wurde der Verunglückte ut seine Wohnung gebracht.