Ausgabe 
25.1.1912 Zweites Blatt
 
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W« gefragt, später aber das Angebot zurückgezogen und den Auftrag an französische Gruben gegeben. Aehnlich hat eine große Schiffahrtsgesellschaft 100 000 Ton­nen Kohle für Neapel in den Vereinigten Staaten be­stellt, und nach einem Telegramm von Cardiff sind andere Aufträge von Bristol zurückgezogen worden. Sollte der Ausstand wider Erwarten ausbrechen, so wären auch die englischen Industriellen gezwungen, ausländische Kohle zu importieren. Wenn die Transportarbeiter durch einen Sympathiestreik die Ausschiffung verweigern, so würden die ''Aubenleitungen wohl nachgeben müssen; sie müssen dann versuchen, sich an den Konsumenten schadlos zu halten. Aber selbst dann ist die Gefahr ausländischer Importe vorhanden, Denn amerikanische und deutsche Kohle kann in diesem Falle billiger geliefert werden, als die einheimische.

London, 24. Jan. Tie Maschinisten und Heizer Der Kohlenzechen von Süd-Wales haben mit einer Mehrheit von fast 12 zu 1 den Ausstand beschlossen, um eine Lohnerhöhung Durchzusetzen, die die Grubenbesitzer abgelehnt haben. Die Kün­digung soll am 1. Februar auf den 1. März erfolgen. Das würde ein Still st andallerKohlengrubenvon Süd- Wal es bedeuten, auch wenn der Ausstand der Bergarbeiter vermieden wird. Der Ernst der Lage wächst dadurch, daß, wenn die Maschinen nicht in Gang bleiben, ein Teil der Gruben unter Wasser gesetzt wird.____________________________________

Ans Statt und Cante

Gießen, 25. Januar 1912.

** Personalnachrichten. Der Ministerialdirektor und Oberbaudirektor im preußischen Ministerium der öfsent- lichen Arbeiten Wiesner ist am 1. Januar in den Ruhe­stand getreten, seine Stelle ist dem Eisenbahndirektions- cäsidenten Dörner übertragen worden, dem Organisator oer Chilenischen Bahnen. Der Präsident des Eisenbahn- -entralamtes in Berlin, Wirkt. Geh. Ober-Regierungsrat Hofs, ist als Ministerialdirektor in das Ministerium der ösfentl. Arbeiten berufen worden; an seiner Stelle über­nimmt das Präsidium des Zentralamtes der Eisenbahn- . ireitionspräsident Sarre von Kattowitz. Der Regie­rungsrat Dr. Rundnagel von der Direktion in Kassel ist als vortragender Rat in das Eisenbahnministerium Ber­lin versetzt worden. Verliehen wurde der Kwonenorden 4. Klasse dem Materialverwalter Böhlert in Gießen, dem Bahnmeister^ Hillesheim und dem Oberassistenten Rühle in Herborn, das Allgemeine Ehrenzeichen dem Rangiermeister G. Walthe r in Friedberg, dem Rangier- sührer I. Volk in Allendorf (Hessen) und dem Güterboden­arbeiter W. Heil mann in Elm. Ernannt wurden Stell- iverksschlosser H al l win g in Gelnhausen zum Stellwerks­oberschlosser und Rangierführer Dern in Gießen zum Rangiermeister. Versetzt wurde Bahnwärter Stern von Ostheim nach Obermorlen. Belohnung hat erhalten: Loko­motivheizer Thomas in Rennerod, weil er durch um­sichtiges Handeln das Uebersahren eines Fuhrwerks ver­hütet hat.

*-* Evang. Bund. Der letzte Familien-Abend war gut besucht. Das behandelte Thema: Die inneren Streitigkeiten im deutschen Katholizismus der Gegenwart bewährte die erhoffte Anziehungskraft. Prof. D. Dr. Scbian führte einleitend aus, daß nicht unberufene Neu­gierde, noch viel weniger Schadenfreude auf evangelischer Seite bet der Behandlung eines solchen innerkatholischen Gegenstandes herrschen. Wohl aber liege ein gutes Recht vor, sich auch mit diesen Dingen ernsthaft zu beschäftigen, da die deutschen Katho­liken einen beträchtlichen Teil des Volksganzen ausmachen. Im wesentlichen behandelte er vier Punkte, den Modernismus im engeren Sinne, die Index-Bewegung, den Literaturstreit und die Streitigkeiten zwischen der sog. Kölner und der Berliner Richtung im deutschen Katholizismus. Als die eigentlichen Väter des Moder­nismus in Deutschland wurden Franz Xaver Kraus und Herm. Schell gewürdigt, beide tot, aber doch weiterwirkend in ihren Gedanken. Im Verlag der Krausgesellschaft erscheint das Organ der Mo­dernisten, dasNeue Jahrhundert". Wegen modernistischer An­schauung ihres Amtes entsetzte Priester fanden Erwähnung und kurze Charakteristik. Eigentümlich ist den sog. Modernisten bei aller Kritik gegenüber der Kirche und deren Dogma die rührende Liebe und Anhänglichkeit an eben die Kirche, welche sie exkommuni­ziert und ihres .Amtes entsetzt. In solcher Lage hat der Mo­dernismus kaum große Aussicht, zumal in unserer Zeit, weite Kreise der Kirche für sich gewinnen. Interessant als eine Laien-Bewegung auf katholischem Boden ist die von Münster aus­gegangene Bewegung gegen den Index, d. i. das Verzeichnis der verbotenen Bücher. Eine zeitgemäßere Umgestaltung der Regeln über den Index wurde hier von juristischer Seite an­gestrebt, bis jetzt und wohl auch für die Zukunft ohne nennens­werten Erfolg. Von katholischer Seite ausgebracht ist das Schlagwort von derInferiorität" des Katholizismus auf dem Gebiete der Literatur. Das Niveau der spezifisch katholischen Literatur zu heben ist die ZeitschriftHochland" unter Leitung von Karl Muth eifrig bemüht, wird aber von demGral" des

Wiener Dichters Richard von Kralick heftig befehdet. _ Während derGral" eine katholisch-religiöse Dichtung gewissermaßen provo­zieren will, das katholische Interesse also vorwiegt, stellt man in den Kreisen desHochland" die Kunst voran, bic aber natür­lich auch katholisches Gepräge tragen soll. ImHochland" fanden sich die Werke einesFoggazzaro, einer Nandel-Mazzetti ab­gedruckt, Kunstwerke ersten Ranges, aber als modernistisch ver­dächtigt. Ter Streit zwischen den beiden literarischen Rich­tungen wogt noch immer hin und her. Verhältnismäßig am meisten bekannt ist der Kampf zwischen der Kölner und Berliner Richtung, ausgehend von der sog. Osterdienstags-Konferenz des Jahres 1909, weiter geführt von derKölnischen Volkszeitung" auf der einen, der BerlinerGermania" auf der anderen Seite. Letztere wünscht den konfessionellen Gedanken schärfer betont zu sehen. Die Gegnerschaft zeigt sich besonders auf drei Gebieten: bei dem Volksverein für das kath. Deutschland, den christlichen Ge­werkschaften und bei der Beurteilung und Haltung der Zentrums- Partei. Im ganzen ist wohl die strengere konfessionelle Berliner Rich­tung im Vorteil, doch stehen beide dem Protestantismus, der keine Partei zu ergreifen hat, als Gegner gegenüber. So gärt es in mancher Beziehung im deutschen Katholizismus der Gegenwart, und nur die Zukunft kann lehren, wie weit diese inneren Streitig­keiten auf den Bestand des Ganzen wirken werden. Tas in kurzen Strichen der Inhalt des feinsinnigen Vortrages, der die Hörer außerordentlich feiselte und reichen, wohlverdienten Beifall fand, da er bei aller Wissenschaftlichkeit anschaulich und ver­ständlich angelegt war. Ter Tradition entsprechend wurden den Erschienenen auch musikalische Genüsse geboten. Forstassessor Blum enau (Klavier) und ftud. phil. Mack (Cello) erfreuten die Versammlung durch ihr künstlerisch feines und technisch voll- endetes Spiel und. ernteten ebenfalls herzlichen Beifall und Dank.

Landkreis Gießen.

= Steinberg, 24. Jan. Der Gesangverein Jugendfreund feiert nächsten Sonntag im Gasthauszur Krone' sein 24jähriges Stiftungsfest. Es bietet ein sehr reichhaltiges Programm. Gesangsvorträge, Theaterstücke, humoristische Vorträge und Musik werden unter Leitung des Gesangs- und Musillehrers Harnisch vorgetragen.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 22. Jan. (Schökfengerichtsfitzung.) Ter Taglöhner I. D. von Vonhaujen wurde wegen Hausfrtedeus- bruchS zu einer Geldstrafe von 8 M k. oder 2 Tagen Gefängnis, wegen Körperverletzung zu 5 M k. oder 1 Tag Gefängnis ver­urteilt und wegeit Sachbeschädigung und Bedrohung ireigesprochen. Ter Steindrucker F. B. aus Kassel, z. Zt. ohne festen Wohnsitz und Auseiilhaltsort, hier in Untersuchungshaft, wird wegen Bettelns in eine Haststrafe von 3 Wochen unter Abzug von einer Woche Untersuchungshaft verurteilt. Außerdem erfolgte Ueberweisung an die Landespolizeibehörde. Ter Metzger und Viehhändler S. F. in Büdingen wird von der Anklage des Viehseuchen-Vergeheus freigesprochen. Ter Spengler 5t. G. aus Oberroda, ohne festen Wohnsitz und Aufenthaltsort, z. Zt. hier in Untersuchungshaft, roiro wegen Bettelns zu 2 Wochen Hast, wegen Verunreinigen des Fuß­steiges zu einem Tag Halt und wegen unerlaubter Rückkehr nach Hessen zu einer Woche Hait uevuiteilt. Außerdem erfolgt lieber- Weisung an die Landespolizeibehörde. Ter Treschmaschineu- besitzer K. V. von Birslem hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch erhoben. Er halte in Hitztirchen gedroschen, ohne daß die Lolo- mobile mit einem Funkeniänger versehen war, und wurde heute wegen dieser Uebertretung in eine Geldstrafe von 5 Mk. oder einen Tag Hast verurteilt. Ter Taglöhuer H. H. von Vouhausen wird wegen Beleidigung eines Jorstwarls zu einer Geldstrafe von 2 u 'Dl f. oder b Tage GAängnis verurteilt. Ter Megger M R. von Wenings tvird von der Anklage des Viehseuchenvergehens irei- gesprochen. Der Viehhändler S. O. von Rohrbach wird wegen Beleidigung eines Gendarmerie-Wachtmeisters in Büdingen zu einer Gesänginsstrase von 2 0 'Dl k, oder 3 Tagen GeiängniS vernrteill und von der Anklage der Rlihestörung sreigesprochen. - Ter Fuhr- menm I. Sp. aus illieder-Weisel, ohne fegen Wohnsitz und Aufent­haltsort, wir) wegen Betletns zn einer Haftstrase von 10 Tagen verurteilt, die burio die erlittene Untersuchungshaft verbüßt ist. Ter Schreiner I. O. von Rohrbach wird von der Anklage der Nöliguug freigesprochen und wegen Entfernung eines Pfand­zeichens zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Ter Taglöhuer I. K. ans Höchst a. d. 91., ohne festen Wohnsitz und Aufenthaltsort, z. Zt. hier ui Untersuchungshaft, wird wegen Bettelns zu einer Woche Haft verurteilt uuler Anrechnung der erlittenen Unter- fuchungshast. Ter Taglöhner Gg. Sch. von Düdelsheim wird wegen Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche verurteilt. Die Privatklage des Trejchmafchinenbesitzers O. Kr. von Bleichenbach gegen den Heizer Gg. B. von Hitzkirchen wegen Beleidigung wurde durch Vergleich erledigt, Tie Privatklage des Schmiedemeisters H. St. II. m Wolf gegen den Handelsmann S. O. von Rohrbach wegen Beleidigung wird ebenfalls durch Ver­gleich erledigt.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 24. 3(in. Unsere Stadt, die sich in früheren Jahren nur langsam ausdehnte, hat sich m letzter Zeit einer regeren Bautätigkeit zu erfreuen. Außer den von dein hiesigen Bauvcrein errichteten Arbeiter- und sonstigen Wohnhäusern sind im verflossenen Jahre mehrere villenartige Gebäude am Altenberg, in der Bahnhofs- und BUtzenroder

uns, die Kaiserin in ihrer Jugend persönlich gekannt haben, da sie als Prinzessin bei ihren Ausfahrten öfters in dem Geyäste feines Vaters sich ein Glas Milch hatte reichen taffen, und wegen dieser Jugendbekanntschaft soll er sich goldene Berge und hohe Ehren in Rußland versprochen haben. Sei dem, wie ihm wolle, der Lehnschulz beschloß zu wandern, und dem bewährten Führer schloß sich das ganze Dorf an. lieberaU wurde in der Stille gepackt und das Bündel geschnürt; die eben erst eingenommene neue Heimat sollte wieder verlassen werden.

Da kam plötzlich, wenige Tage vor dem zum Aufbruch fest­gesetzten Termine, ein Kommando Husaren ins Dorf gesprengt, umstellte den Schulzenhof, hob meinen Ururgvoßvater auf und schleppte ihn nach der Festung Spandau. Die Behörden hatten nämlich von den möglichst geheini betriebenen Wanderzurüstungen doch Wind bekommen und beschlossen, ohne viel Lärm zu machen, nur den als Führer bekannten Bruchmüller ausheben zu lassen. Der Zweck war erreicht, die Neurüdnitzer sahen sich führerlos und packten wieder aus, froh, ohne weitere Strafe davonzukommen. Nur in das Haus des Lehnschulzen war die Trauer eingekehrt. Der Vater war der Familie entführt worden, und Tage um Tage vergingen und wurden zu Wochen, ohne daß von seiner Freilassung irgend etwas verlautet wäre; ja, die junge, verlassene Frau hörte, daß der gefangene Bruchmüller einer strengen Bestrafung ent- gegensehe, die ihm eine lange Reihe von Jahren hinter den Spandauer Fcstungswällen cuibtingen würde.

Endlich nach einigen Wochen des Hangens und Bangens faßte die Frau sich ein Herz und machte >ich mit ihrem vierjährigen Jungen, meinem Urgroßvater, nach Potsdam auf, um denAlten Fritz | e l b ft u nt Gnad ean zu flehen. Es gelang ihr auch wirklich, König Friedrich auf einem seiner einsamen Spaziergänge allein anzutrest'eii. Der König machte, als er sah, daß die Frau mit dem Jungen an der Hano ihn anreben wollte, ein ermutigendes Zeichen, daß sie reden solle.Hoher Herr König, ick bin de Brockmöllersche, un wull Sei schön bidden " Weiter kam sie nicht. Friedrich, der mit feinem um­fassenden Geiste große und Heine Regierungsangelegenheiten mit gleicher Teilnahme umspannte, war der Name Bruchmüller nur ,u gut bekannt. Und dieser Name hatte jetzt in seinem Öhr .einen allzu guten Klang, denn so gern er es sah, daß Fremde .n sein Land kamen, so sehr erregte es seinen Zorn, wenn preußische Untertanen auswandern wollten. Unwirsch stampfte er deshalb mit bem Fuße und erhob drohend den berühmten u n_b berüchtigten Krü ckstock. Dio arme, heilig erschrockene Frau stand wie versteinert vor dem zürnenben Könige. Tic Sache meines llrurgroßvaters schien verloren. Da griff ber kleine Brnchmütter als reuender Engel ein. Aerfgsllich

seine Mutter am Rocke zupfend, rief der Bursche:Modder, tum weg, d e Kerl will bi s l a hn!" 'Der Zorn des Königs mar augenblicklich erstickt in einem lauten Lachen über den kornischen Ausrus des Kleinen, und die Frau wurde mit freundlichen und ermutigenden Worten entlassen. Schon nach wenigen Tagen kehrte der gefangene Bruchmüller ohne jede Strafe zu seiner Frau zurück. Er hatte nur Urfehde schwören müssen, nie wieder auswandern zu wollen. Und er hat.Wort gehalten, die Wanderlust war ihm gänzlich vergangen. Sein Sohn und Enkel folgten ihm auf dem Lehnschulzenhofe, und noch jetzt baut der größte Teil ihrer zahl­reichen Nachkommenschaft in Neurüdnitz und den anliegenden Dör­fern als kernhaste Bauern ihre Scholle. Und noch jetzt danken alle Bruchmüllers es dem Alten Fritz, daß fein Eingreifen uns in dem Vaterlande zurückaehalten hat, während wir fonft jetzt vielleicht im fernen Rußland um unser Deutschtum ringen müßren, oder gar schon russifiziert wären.

Der Nachtrag zumDeutschen Theater- Adreßbuch", herausgegeben vom Deutschen Bühnen-Verein, ist soeben im Verlage Oesterheld & Co., Berlin, erschienen. Er enthält noch über 150 Theaterunternehmungen mit vollstän­digen Personalverzeichnissen und führt im Register gegen 5000 Bühnenmitglieber mit gegenwärtigem Cngagementsort auf. Ter Nachtrag wird allen Beziehern des tzauptteils kostenlos nach­geliefert und bildet mit ihm das einzig vollständige Theater- icchrbuch, da selbst die Ansang Januar ihre Spielzeit eröffnenden Theater noch ausgenommen wurden. Hauptteil uni> Nachtrag des Teutscl-en Theater-Adreßbuches" weifen nunmehr insgesamt über <00 Theaterunternehmungen mit vollständigen Personalverzeich­nissen auf. Tas Register zählt über 25 000 Namen.

Wettbewerb deutscher Architekten. Tie Stadt Magdeburg veranstaltet einen Wettbewerb unter den deutschen Architekten zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau einer höheren Mädchenschule (Viktoriaschule). Cs sind folgende Preise ausgesetzt worben: 7000, 4500 und 3500 Mark. Letzter Termin zur Einreichung von Entwürfen ist der 1. Juni 1912.

kk.StrindbergalsMalerundalsSchauspieler. Zum 63. Geburtstage August Strindbergs, der in Stockholm mit außerordentlichen Festlichkeiten begangen wird, um den kaum genesenen Dichter durch eine große nationale Huldigung zu er­freuen, gibt der Stockholmer Strinbberg-Festausschuß eine reich illustrierte Lebensbeschreibung Strindbergs heraus, worin sich viel Neues über den Dichter sinder. So wirb es ben Wenigsten be­kannt sein, baß Strinbberg auch ein bemerkenswerter Maler ist. Man kennt mehr als hundert Bilder, die mit feinem Namen

Straße erstanden oder noch im Bau begriffen. 'Auch m diesem Jahre stehen wieder einige Neubauten in Aussicht, und zwar sollen hinter der Riedesel'schen Brauerei etwa acht Wohnhäuser errichtet werden.

Kreis Schotten.

r. Ulrichstein, 24. Jan. Die großen alten Fichten, bäume, die längs der Ohmstraße stehen, werden nach und nach verschwinden. Eine Anzahl wird demnächst gefällt werden. Ta bei dem hier so häufig herrschenden Sturm- weiter viele Fichten umgerisien werden, bilden sie wirklich eine Gefahr, und man muß sich wundern, daß noch kein größeres Unglück vorgekommen ist.

- 1 Ober-Seemen, 24. Jan. Der im hiesigen Otte zurzeit abgehaltene sechswöchige Kursus der Wander« Haushaltungsschule des Kreises Schotten wird am 31. ds. MtS. durch eine öffentliche Prüfung geschloffen. Er steht unter Leitung von Fräulein Römheld und wurde von 28 Jungfrauen, die von hier, Volkartshain, Hartmannshain, Mittel-Seemen und Nieder-Seemen sind, besucht. Die Schule wird von Ober-Seemen nach Ruppertsburg verlegt.

- I Gedern, 24. Jan. Hier hat sich ein Konsum­verein gebildet, der über 100 Mitglieder zählt. Als Waren- Niederlage wurde die Behausung des Herrn Freünann bestimmt.

Kreis Friedberg.

- --- Kirch-GönS, 23. Jan. Der Gesangverein ,Ger- mania' feiert am 8., 9. und 10. Juni sein bOjährigeS Jubiläum, verbunden mit GesangS-Wettstreit. Tu Vorbereitungen hierzu sind in vollem Gange.

Starkenburg unö Rheinhessen.

R .-B. Darmstadt, 24. Jan. Die Tochter des Staats. Ministers Ewald und seiner Gemahlin, geb. Falckenberg, hat sich mit dem Leutnant Gerhardt v. Gustedt im 23. Leib- Garde-Dragoner-Regiment hier, verlobt.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 23. Januar 1912. Vilbeler Wasser".

Der Mineralwasserhändler P. G. H. von Vilbel ist angeklagt, sich gegen das Nahrungsmittelgesetz vergangen zu haben. Sen langen Jahren betreibt er in Vilbel ein Mineralwassergescbäst Er hat einen Brunnen gegraben, dessen Wasser er Kohlensäure zusetzt, und dann unter der BezeichnungVilbeler Mineralwasser" in den Verkehr bringt. Hierin sieht die Anklage eine Täuschung des Publikums, das annehme, unter dieser Bezeichnung das natür- liche Wasser einer Mineralquelle zu lausen. Nach eingehender Beweisaufnahme fällte das Gericht folgende allgemein interessie­rende Entscheidung. Ter Zusatz von Kohlensäure ist erlaubt und bildet keine Täuschung. Denn die meisten Mineralwasser sind eisenhaltig und bedürfen zu ihrer Konseroierrmg, um nicht trüb zu werden, eines mehr oder rniirder großen JufatzeS von natürlicher ober künstlicher Kohlensäure, Natron, Kochsalz ober ähnliche Stoffe sind nicht zugesetzt: solches Wasser dürste nur als künstliches Masse r" verkauft werben. Wesentlich für den Begriff eines Minerolwasfers ist sein natürlicher Gehalt an Mi­neralsalzen. Der Brunnen des Angeklagten enthält auch Mineral­salze, aber in so geringer Menge, daß sich sein Wasser nichi er­heblich von gewöhnlichem Brunnenwasser unterscheidet. Jeden­falls bleibt es beträchtlich hinter dem Mindestmaß an Mineral­salzen zurück, das ein Wasser enthalten muß, um nach der Fest­stellung eines im Jahre 1910 in Bad-Nattheim stattgehabten balneologildjen Kongresses noch als Mineralwasser bezeichne: wer den zu können. Es darf deshalb auch nicht mehr alsVilbeler Mineralwasser" verkauft werden. Ten Angeklagten schützt zwar biesesmal der gute Glaube vor Strafe, denn auf Grund eine? früheren Urteils konnte er sich für berechtigt halten, sein Wasser unter der erwähnten Bezeichnung zu öerfaufen. Dies hört aber nun auf.

Eine erfolglose Berufung.

Der Wirt H. A. H. von Hungen ist vom Schöffengericht wegen Hausfriedensbruchs zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Obwohl er Ehemann und Vater ist, hat er versucht, nachts in ein fremdes Haus einzudringen und die Kammer eines Dienstmädchens gewaltsam zu erbrechen. Das Dienstmädchen flüchtete aber in bn» unteren Stock und der Dienstherr stellte Strafantrag. Ter 91 it geklagte suchte feine Schuld dadurch abzuschwächen, daß er angaft das Dienstmädchen habe ihn bestellt; er fand aber keinen Glauben mit diesen offensichtlich unwahren Angaben. Das Verurteilend Erkenntnis wurde bestätigt.

Eine erfolgreiche Berufung.

Ter Restaurateur M. L. R. betreibt in Bad-Nauheim eine Fremdenpension. Er ist vom Schöffengericht zu drei Wochen Gefängnis wegen Unterschlagung verurteilt ivorden, weil er die von einem Dienstmädchen vereinnahmten, aber auf den Lohn zu verrechnenden Trinkgelder für sich verbraucht habe. In der heutigen Berufungsverhandlung ergab sich, daß der Lohn noch nicht gezahlt, die vereinnahmten Trinkgelder aber durch erhaltene Vorschüsse ausgeglichen waren, so daß Freisprechung erging.

gezeichnet sind. Charakteristisch daran ist, daß Strinbberg nie einen Pinsel beim Malen gebraucht, sondern die Farben stets nut dem Messer aufgetragen hat. Kenner haben seine Bilder ge­rühmt; Strinbberg aber hat die Malerei ausgeübt, wenn er dringend Geld brauchte. Noch in den 90 er Jahren hat er in Paris eifrig gemalt, um seine großen Landschaften Kauflustigm für 50 Franks das Stück abznlafsen. Noch weniger bekannt ist eine andere Seite aus Strindbergs Leben: daß er sich nämlid) auch als Schauspieler versucht hat. Sein Traum war, den Karl Moor zu spielen, aber als er im Alter von 21 Jahren auf dem Dramatischen Theater spielte, da mimte er einen Edelmann in Björnsons Maria Stuart, und der einzige Satz, den er zu sagen hatte, war dieser:Die Mörder haben einen Unterhändler mit einer Herausforderung an Graf Bothwell abgesandt." Später machte er einen weiteren, ganz mißglückten Versuch und hierauf ging er nach Hause und nahm Gift. Er wurde aber ausgepumpt, schrieb den Tag hernach ein fünfaktiges Drama, und bevor nodi ein Monat ms Land gegangen war, hatte er ferner einen Drei­akter und einen Fünfakter in Versen vollendet und ein großes Christusdrama begonnen.

Eine Durchquerung von Grönland. In diesem Frühjahr wird der Schweizer Geologe Dr. A. de Quer­vain eine Durchquerung Grönlands in westöstlicher Richtung zu verwirklichen suchen. Wahrend Nansen auf Grund bet von A. E. N o r d e n s k i ö l d gemachten Erfahrungen seine Durch­querung' von der Ostküste aus in Angriff genommen hatte, null de Quervain den allmählichen aber längeren Anstieg von Westen her und den schroffen Wstieg von Osten aussührcn: er will auch eine nördlichere Route zurücklegen als Nansen. Sie wird, wiePetermanns Mitteilungen" berichten, ungefdbi zuscrmmenf'allen mit Pearys Schlittenreisen und entspricht dem Wege, den Naxsen in Aussicht genommen hatte, aber nicht an­treten konnte, da er mit den Eismassen längs der Ostkuitc zu weit nach Süden abgetrieben wurde. Tie Expedition will am 1. April Europa verlassen Mitte Juni soll von Torsu- k a t a k c i s f j o r d an der Tiskobucht von vier Telluehmern au' vier Schlitten der Vorstoß begonnen werden, der die Richtung nach A n g m a s a 11 k, der einzigen europäischen 9ttederlaffung an der Ostküste nehmen wird. Tie etwa 7000 Kilometer west-' Strecke hofft man in 4 Wochen jurütflcgen zu können. der Ostküste sind bereits 1911 durch die Kolonialverwaltung Leben--' mittel und vier Kajaks niedergelegt worden, auf denen die Aef senden die Station erreichen können; auch sollen von V-'iiüt Juli bis Mitte August die Küsten nach den erwarteten Forschern a b g e s u ch t werden.