(fin bulgarisches Dementi.
Sofia, 22. Nov. Die Agence Bulgare tritt den Meldungen entgegen, wonach die bulgarischen Truppen iin dem oder jenem Kampfe enorme Verluste erlitten «hätten, die Cholera Verheerungen in der bulgarischen Armee anrichte und bulgarische Soldaten gegen türkische Ver mundete Grausamkeiten verübten. Diese und ähnliche.Erzählungen seien von gewissen ausländischen Berichterstattern, die infolge der strengen Bestimmungen des Reglements über den Informationsdienst oder.wegen der Verletzung militärischer Vorschriften von Mustafa Pascha zurückgeschickt und enttäuscht waren, keinen Informationsdienst in großem Stile machen zu können, erfunden worden Die Agence Bulgare verwahrt sich dagegen, daß gewisse Korrespondenten, obwohl in Sofia tätig, ihre Depeschen aus dem Hauptquartier datieren, um ihnen den Anschein einer kompetenten Quelle zu geben.
Ein Telegramm des türkischen Flottentommaiidantcn.
Konstantinopel, 22. Nov. Ein Telegramm des Flottenkommandanten vom 21. November besagt: Am 19. November, 9 Uhr abends, fand in der Umgebung von Kglikratia ein Kampf zwischen bulgarischen Jägern und türkischer Infanterie statt. Um 103i Uhr war der Feind, der für die Jäger Laufgräben aufzu- werfen versuchte, zurückgeschlagen. Der Rest der Nach! verlief ruhig. Am 20. November um 1 Uhr nachmittags feuerte der Panzerkreuzer „Hair Eddin Barbarossa" gegen Arnautkoej einige Granaten auf feindliche Infanterie ab, die sich gegen Papas Burgas zurückzog. Jedes Geschoß traf.
Der Kreuzer „Hamidie" ist hierher gebracht worden. Seine Beschädigungen sollen nicht beträchtlich sein Der Kampf zwischen dem Kreuzer und den bulgarischen Tor pedobooten fand 25 Meilen von Mara Burnu, südöstlich von Derkos, statt.
Zwei bulgarischen Torpedoboote beschädigt.
Sofia, 22. Nov. (Agence Bulgare.) Die aus Konstantinopel stammenden Meldungen, nach denen zwei bulgarische Torpedoboote durch ben Kreuzer „Hamidie" in den Grund gebohrt worden seien, entbehren jeder Begründung. Von den vier Torpedobooten erlitten zwei leichte Havarien, die jedoch ohne jede Bedeutung sind.
Verstärkung der türkischen Truppen
Konstantinopel, 22. Nov. Ku r d i s ch e K a v a l - kerie und diejenige aus Hamidie, welche gestern in Jsmid eingetroffen sind, sollen bereits per Schiff an bic gegenüberliegende Küste des Marmarameeres übergeführl und gelandet sein. Andere a n a t o l i s ch e und s p r i - sche Truppen sind in Jsmid eingetrofsen. Sie sollen nach der europäischen Küste überge,etzt werden, um die Tschataldschatruppen zu verstärken.
Ein Ucberblick über die Kampftage seit Sonntag.
Konstantinopel, 22 .Nov. Türkische Offiziere, die gestern mit dienstlichen Aufträgen vorübergehend hierher zurückkehrtcn, schildern übereinjlimmcnd d i t sj a g c an der Ts ch a t a l d s ch a li n i e als sehr hoffnungsvoll. Der Adjutant I z z e t P a j ch a s, des Chefs des großen Generalstabs, gab dem Vertreter des Wolff- Bureaus folgenden Ueberblick über die Kampftage seit Sonntag:
Am Sonntag rückten die Bulgaren über Lazarköij, um durch Wersen des rechten türkischen Flügels die türkisä)e Gesamtstellung nuszurollen: sie murden zurückgeworfen. Es gelang sogar einer türkischen Abie,lung in der Nacht zum Dienstag bis Lazarkö, oorzustoßen und dem Feinde zwei Maschinengewehre wegzunehinen. Bei diesem Nachtgefechte allein verloren die Bulgaren 800 Tote, darunter 20 Offiziere. Sonst haben Montags nur unbedeutende Kämpfe auf der ganzen Linie stattgefunden.
Am Dienstag versuchten die Bulgaren, nachdem ne anscheinend vom Iinteil Flügel starke Verstärkungen l>erangezogen hatten, das türkische Zentrum zu durchbrechen. Der Versuch scheiterte, obgleich die Bulgaren bis aus 600 Meter an die Jnsanteriestcllungen vor den Forts Hamidie und Mah- mudie herankainen. Gleich nach dem Einbruch der Nacht wurden die Bulgaren wieder aus den 600 Meter-Stellungen durch einen Bajonettangriff herausgetvorfen und verfolgt. Sic verloren 250 Gewehre und anderes Kriegsmaterial.
Anr Mittwoch fanden unbedeutende Artilleriekämpfe statt. An diesem und am ivlgendim Tage gelang es einem selbständigen Detachement, mit einem Regiment unter dem deutschen Kommandeur von Lossow, 10 Kilometer vor Derkos i n d i c Flanke der Bulgaren vorzudringen und diese z u w c rl e n.
Die Bulgaren stehen jetzt anscheinend auf der Linie Tschistik- köj—Kalsakjoj — Subaschi— Jndschagiz—Tschataldscha und den Höhen nach Kadiköj. Die bulgarischen Gefangenen cr-
wandte und nicht an alle Zeiten. Das große Genie, das Spanien der Welt aeschenkl, ist Cervantes: das größere unb wundersamere, das cs eifersüchtig für sich behielt, ist Lope de Vega.
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— Eine Professur für Roald Amundsen. AuS Christiania wird gemeldet' Dem Storthing ist ein Antrag der Negierung zugeganaen, in das Budget einen dauernden Ausgabe- Posten von 6000 Kronen einzusetzen, um sür den Polarforscher Amundsen eine außerordentliche Professur an der mathematisch- wissenschaftlichen Fakultät von Christiania zu schaffen. Tas akademische Kollegium empfiehlt den Vorschlag
fr. Darwins ältester Mitarbeiter t. Aus London wird berichtet: Im patriarchalischen Alter von 97 Jahren ist W. B. Tegetmcicr, der älteste Mitarbeiter Darwins, gestorben. Tegetnteier, der ursprünglich hatte Arzt werden wollen, dann aber Privatgetelwter geworden war, und sich hauptsächlich mit naturwissenschaftl. Untersuchungen beschäftigt hatte, wurde durch einen Freund mit Darwin bekannt mib konnte dem Begründer der Abstammungslehre eine Menge Material zu dessen „Entstehung der Arten" liefern. Die Angaben, die Darwin dort z. B. über die Bienen und ihre Waben macht, gründen sich im wesentlichen auf Tegetweiers llntcrhidnnigen, ebenso eine ganze Reihe anderer Angaben, die Darwin in anderen Arbeiten verwendet bat. Tegetmeicr hat sich übrigens noch auf zahlreichen anderen Gebieten betätigt. Er war nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Journalist und ein Gesellschastsmann, der viele Jahrzehnte hindurch im Klubleben Londons eine hervorragende Rolle gespielt bat. Die britische Enzhklopädie enthält von ihm eine ganze Reche natunvisscnsckmftlicher Beiträge. Ein itatur wissenschaftliches Sondergclnet, die Untersuchungen über zahme Tauben, hat er besonders gepflegt. — Tegetmeier erfreute sich übrigens im hoben Alter noch einer erstaunlichen Lebensfrische Noch im zehnten Jahrzehnt pflegte er lange Fußmärsche ober Tagesausflüge auf dem Fahrradc auszuführen.
— Kurze Nachrichten ans Kunst und Wissenschaft In einer sehr gut besuchten Versammlung von'Ksmstlern aller Richtungen nmrbe in München der Zusammenschluß der bildenden Künstler, namentlich auch aus wirtschaftlichem Gebiet beschlossen Man will u. a. eine Kranlmunterstützungskasfe bilden. Bei der am gestrigen Freitag abgclxiltcncn Stiftungsfeier der Universität Heidelberg hielt der Geh. Hofrat Pros, v. L i 1 i c n t h a t seine Rektoratsrede über den Streit um d>c Strajreck-tSrejorut.
zählen von schweren Verlusten auf bulgarischer Sette. Dort herrsche die Ruhr, die Cholera und Mangel an Lebensmitteln.
Bet den Türken sei die Cholera in den lebten Tagen zurückgegangcn. Die Verpflegung und der Mum- tioitsersatz seien flut. Tie Moral sei durch das E tu tr essen vorzüglicher Truppen und Korps aus Erstngian sehr gehoben. Izzet Paschas Einfluß dominiert
Ein Augenzeuge in der Tschataldschalinic.
Eine Ergänzung zu der vorstehenden Darstellung finden wir in der „Franks. Ztg.", wo ein „alter preußischer Cffi^ier", dem es gelungen war, in die vorderste^Linie der türlischeu Tschataldscha-Linie zu kommen, die Tage vor dem letzten Sonntag schildert. Wir entnehmen der Darstellung die interessantesten Stellen:
B oj u k-T s ch e km ed j e ist malerisch an einer etwa zehn Kilometer ins Land hineinreickenden Bucht ober Lagune gelegen. Eine lediglich ans großen Sleinbogcn ohne flachen Oberbau bestehende Brücke verbindet es mit dem jenseitigen, in den Händen der Bulgaren befindlichen Ufer. Die Küste neigt auf der bulgarischen Seite der Bucht steil auf, ivährcnd sie auf der türkischen Seite eine glacisartige Erhebung bildet, die in den türkiscmn /Feldbefestigungen ihren krönenden Abschluß findet. Ter Lrt jelbit liegt sozusagen vor dem linken türkischen Flügel. Bei innerem Eintreffen lagen auf dem freien Platze im Torfe Cholcrakranke, teils apathisch, teils stöhnend und winselnd, während dietGezunden im Bogen um sie hcrumgingen, um im daneben gelegenen tür-l kischen .Kaffeehaufe eine „Dm'iko" zu trinken, d. h. einen Schnaps der aus dem Harze eines Baumes gemadrt wird und wie Absinth schmeckt Tic türkischen Offiziere waren entgegenkommend
In der Bucht lagen neun türkische Kriegsschiffe — vier gepanzerte oder gedeckte SÄffc, darunter die beiden von Deutschland getauften, und fünf Torpedoboote. Plötzlich ließen die Tänzer ihr tiefes Geheul erschallen. Hinter dem Bergrücken marschierten Bulgaren auf dem Wege nach der Stadl Tschataldscha, uni) die Marschkolonne zeigte sich an einer Stelle des Weges dem feindlichen Auge. An dieser Stelle schlugen zunächst einzelne Granaten, dann Breitseiten, in schneller Aufeinanderfolge, ein. Aus der Treffsicherheit der türkischeen Geschütze ging ltz'r- oor, daß diese Stelle schon vorher als Zielpunst ins Auge gefaßt worden war. Wir hatten beabsichägt, in Bojuk-Tschekmedje zu bleiben, dies war jedoch unmöglich, weil der Ort, bis auf die Soldaten und die Krankeii, ausgestorben war. Wir wählten K a l l i o s als unser Standauartier, d. h. einen in einer Schlucht liegenden griechischen Ort, von dem uns Bergwege in etwa halb- tündigem Marsche in die Gesecktslinie bringen konnten.
Der 14. November brachte eine kurze, aber lehrreiche B e - schießung zweier bulgarischer Artilleriestellungen durch den Panzer „B a r b a r o s s a". Die Bulgaren hatten an diesen Stellungen, die nicht weit von dem Höhenkamme lagen, offenbar über Nacht gearbeitet. Schon nach dem zweiten Schüsse hatte das Kricgsscküfs die richtige Entfernung gesunden und es war eine Pracht, d i e Granaten der Breitseiten wie mit einem Lineal ausaerichtet ein- schlagen ; u sehen. Die b u l g a r i s che n G e s ch ü tz e machten einen nur schüchternen Versuch, das Feuer zu beantworten, und schwiegen sodann für den Rest des Tages. Der 15. November brachte etwas mehr kriegrisches Leben. ■ Tic türkischen Kriegsschiffe waren, mit Ausnahme des „Barbarossa" und der Torpedoboote, verschwunden und, nach dem Geschützs.mer zu schlichen, vor dem Küstenortc Silivri tätig; wahrsckwinlich um von Süden her die Täler zu bestreichen, die von bulgarischen Truppen auf dem Marsche nach Tschataldscha passiert werden mußten. Ich hörte später von einem türksichen Kavallerieosfizier, daß es den Schiffen gelungen sei, die Hauptfouragedepots der Bulgaren vollständig zu zerstören. Dies würde bei der im Bulgarenlager herrschenden Not allerdings ein lvertvvller Erfolg sein.
Die Ablocsenheit des größten Teiles der Flotte ermutigte die bulgarische Artillerie am 16. November, mit dem „B a r barossa" anzubinden. Ich vermute, daß man die Türken zur Räumung der Bückst zwingen wollte, damit die Schiffe bei einem geplanten Nachtangriff nicht eingreifen könnten. Wenn dies die' Absicht war, so scheiterte sic vollständig. Nicht nur die bulgarischen Fcldbattericn, sondern mich verdeckt hinter dem Berghange stehende bulgarisck-e Positionsgeschütze, deren Baß das hcll- tlingende Feldgeschütz begleitete, schossen, wie man zu sagen pflegt, „unter aller Kamme": nicht ein einzig er Schuß schlug näher als hundert Meter von dem Panzer entfcmtJ'ein, und dieser beantwortete das Feuer mit der größten Ruhe. Schließlich zogen sich alle Kriegsschiffe bis an den Eingang der Bucht, von wo iyr Panzer über eine Landzunge hinweg bessere Schußgclegenheit auf die bulgarischen Positionsgeschütze hatte, die denn auch bald ihr Feuer einstellten. Wenn nun bulgarischerseits tatsächlich ein Nachtangriff beabsichtigt gewesen war, so wurde dieser am nächsten Morgen um 3 Uhr früh sehr halbherzig unternommen und mußte deshalb fehlschlagen. Ihm sollte freilich am 17. No vernber ein allgemeiner Artilleriekampf folgen, der auf dem linken Flügel beginnend sich schnell nordwärts die ganze Linie entlang fortfetzte. Jän Zentrum und aus dem redeten Flügel gewannen bic türkischen Batterien bald die Oberhand. Ferner und ferner tönte dort das Bellen der zurückgcl>enden bul- garifdien Batterien, uxihrend auf dem linken Flügel die Beschießung des Angreifers durch die Schiffsgeschütze noch lange wrtgesetzt wurde, wobei piele Dörfer in Flammen aufgingen. Die artilleristisckrc Vorbereitung eines allgemeinen Angriffes Ivar somit den Bulgaren ebenfalls miUhingen, und die französischen Korrespondenten, die bei Lulc Burgas von einem Siege Crensots über Krupp faselten, müßten jetzt über einen Sieg Krupps über Creusot berichten. Der 18. November verlief ruhig und bestätigte damit den Fehlschlag der bulgarischen Pläne.
Ein Ausfall aus Adriauopel.
So f i a, 22. Nvv. Das Blatt „Mir" meldet: Die Tür- k e n unternahmen in Adrianopelvorgesterneinen Ausfall, um das von den Bulgaren besetzte Fort Kar- taltepe wieder zu erobern. Sie sind jedoch genötigt worden, sich unter Zurücklassung von 3 50 Toten in die Festung zurückzuziehen.
Der widerstand von Sfutari.
Rjeka, 22. Nov. Die montenegrinische Artillerie setzt das Bombardement von Skutari fort, wenn auch weniger heftig als sonst. Das Feuer wurde heute einige Stunden ausgesetzt. Es wird das baldige Eintreffen des Befehls der Einstellung der Feindseligkeiten erwartet. In den Kreisen der fremden Staatsangehörigen verlautet, daß unter den Bedingungen für den Waffenstillstand vor Skutari von montenegrinisa^er Seite auch verlangt wird, daß die Stadt sich ergebe und die türkische Garnison die Waffen strecke, dagegen würde freier Abzug nach Stambul bewährt werden. Weiter soll verlangt sein, daß General Martinowitsch an der Spitze der Truppen in Skutari einmarschiere.
Tie Besetzung von Mytilenc.
Athen, 22. Nov. Das Ma rin emin ift erium teilt mit: Ein griechisches Geschwader erschien gestern nachmittag vor Mytilene. Admiral Countouriotis forderte die Stadt zur sofortigen Uebergäbe auf. Die fremden Konsuln rieten, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, zur Räumung der Stadt durch die 700 Mann ft arte türkische Garnison. Der Admiral ließ 1500 Mann landen, von denen 400 die Stadt besetzten und 1100 die Verfolgung des Feindes aufnahmen. Die Landung fand unter dem Schutze des griechischen Geschwaders statt, das hierauf nach Lemnos weiterfuhr.
Aus Stafct und (and.
Gießen, 23. November 1912.
Totensonntag.
Am Totensonntage füllt sich das Zimmer des nachdenklichen Menschen mit schweigenden Gestalten. Seine Toten loinmen zu ihm, er sieht sie in Augenblicksbildern, so wie sie seine Erinnerung in bestimmten Momenten ihres Lebens festgehalten hat. Wieder tritt der Vater am Abend müde und abgearbeitet über die Schwelle des Hauses, und die Mutter sitzt in später Stunde mit dem Kinde Mammen, liebevoll seine Zukunft besprechend. Die Witwe beult daran, daß sie einst in der Liebe und Fürsorge des Ehe- mannes wohl geborgen war, der verlassene Eliemann erinnert sich der Stunde, da seine junge Gattin gläubig und voller Hingabe ihre Hand in seine Hand legte und chm gelobte: Wo du hingehst, da will ich auch bingehen. Der Mutter ist es, als sähe sie wieder ihr Kind in der mm leeren Wiege friedlich schlafen, indem es die geballten Händchen nach dem Kopfe streckt, und der Vater fährt von feiner Arbeit auf, weil er einen leichten Finder an seine Tür pochen und eine liebe Stimme fragen hone Darf ich zu dir hinein?
Es gibt keinen Schmerz, der dem Schmerz um einen lieben Toten gleichkommt, und sehnsüchtig schaut das Angc des Trauernden aus nach Trost. Wo ist dieser Trost finden? David Friedrich Strauß hat die Leidtragenden auf die Kunst verwiesen. Fast hat es den Anschein, als ob uns die Kunst gerade angeffchts des Todes ettvas zu sagen hätte; denn sie hat das Sterben immer wieder in den Bereich ihrer Darstellung gezogen. Glanzvolle, erschut tembe Bilder vom Sterben haben die Maler aller Zeiten gemalt, und die Bildhauer haben den Tod in edler Linien- führung festgehalten. Das ist geschehen von den Griechen an, die ben Tob als einen Jüngling mit umgestürzter Fackel gcbilbet haben, bis zu Wilhelm von Kaulback und Alfred Rethel, boten er recht eigentlich ber Freudeoringer ober, wie Franz von Assisi sagt, ber „Bruber Tob" gewesen ist Unb bie Dichter haben bas Sterben mit grünem Ranken- werk umfieibet, unb bie Philosophen Haven manch tiefsinniges Wort barifber gerebet unb haarscharf bewiesen, baß ber Tob im Weltgeschehen ein unentbehrlicher Faktor ist. Mer wenn sie selbst an bie Gräber ber Ihren geführt worben finb, so hab eit biefe Erzieher des Menschengeschlecht tes empfunben, baß bas, »vas ihre Phantasie gestaltet hatt^ nicht imftanbe war, ben bitteren Schmerz zu besiegen. '
Es gibt nur eins, bas bei bem Verluste eines lieben Menschen Trost unb Frieben bringt, bas ist ber Glaubt an ben Vater im Himmel, bessen Liebe am beutlichsten in Jesu ivnnberbarcm Leben, Leiben unb Auferstehen in bu Erscheinung getreten ist Der Liebe Gottes verbanken wir ben Segen, daß wir mit einem Kreise von Menschen in inniger Gemeinschaft stehen. Diese Liebe macht auch nicht Halt an ben Gräbern Hat Gott uns hienieben in ben un-5 Nahestehenben so viel geschenkt, so haben wir Grunb zur Hoffnung, baß biefe Beziehungen in einer Welt weiterbestehen, die wir einstweilen nur mit bem Auge bes Glaubens erfassen.
Zwar bas ist klar: Der Gebanke, baß wir sterben müssen, hat für manchen Menschen heilsame Folgen Fried r,ch Paulsen hat bas schöne Wort geprägt: „Der Tod, seine tägliche Möglichkeit, scheint als Regulator des menschlichen Lebens und Lebensgefühls unentbehrlich ,yi fein." Den Sorgenvollen unb Gebeugten sagt ber Gedanke an den Tod: „Erhebt eure Hälivter, darum daß sich eure Erlösung nahet. Die Streitsüchtigen ermahnt er mit ben Worten Josephs an feine Brüder: Zanket nicht auf bem Wege! Die Bilbungsstolzen erinnert er an bas Wort, baß sich kein Weiser seiner Weisheit rühmen soll. Den Reichen, Hochfahrenden, Mächtigen zeigt ihren Ausgang das alte Lieo: die Armen unb bie Reichen müssen ein- anher gleichen in ber Ewigkeit. Wo aber so ber Hin blick auf bas Sterben ber Menfchenfeele Gewinn bringt, ba verliert sie auch bas Grauen vor ihm. Sie fühlt sich geborgen im Schutze Gottes unb spricht mit Paulus, der über Leben unb Tob, über Werben unb Vergehen, über Himmel unb Hölle so manches tiefsinnige Wort gerebc hat: Ich bin gewiß, baß iveöer Leben noch Tob mag uns scheiben von ber Siebe Gottes, bic in Christo Jesu ist, unserem Herrn. . H. B.
**Tageskalcnder: Stadttbcater: Sonntaa abend 71/, Ulit: ,D,e Braut von Messina." Montag nachmittag 3'/, Uhr: Kinder-VorÜellunfl: /Rotkäppchen."
Namr-Theater Wichen: Bunter Abend in der Neuen Aula. Samstag abend 8 Uhr.
Sängerkranz Gießen, üonzert: DaSLied von der Glocke. Sonntag nachinittag 6 Uhr in der Neuen Aula.
Hess. Gau verband aeaen den A l k o b o l i S m u Die Ausstellung im Nel,en Schloß ist Sonntag, 24. Nov., von 9 Li§ 6 Uhr geöffnet. Samstag abend 87, Unr im Hotel Schütz: Vortrag von Lehrer Schöpp-Mainz: Alkohol und Arbeiter.
Kau im. Verein: Vortrag von Herrn Otto Setpp- Darmstadt über die Börse. Samstag abend 9 Uhr im Hciufm. Vereinshaus.
Kinematogravh: Täglich Vorstellung.
B i o g r a v H-L i ch t s p i e l e : Täglich Vorstellung.
B a k o s s K a m m e r - L i ch t s o i e l e: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.
Museum des oberhesfischen Geschichtsvereins. Geöffnet Sonntag vormittags 11 — 1 Uhr unentgeltlich.
Mufcum für Völkerkunde.- Geöffnet an Sonntage» vormittags von 11—1 Uhr unentgeltlich.
GemäldeausstellungdesKunstvereinsim Turmhaus um Brand. Geöffnet täglich >mit Ansnahme von Samstag» von 11—1 Uhr, Sonntags von 11—3 Uhr, außerdem Mittwoch nachmittag von 3—5 Uhr.
** CrbenSangctcgenbeiten. Der Großherzog bat dem Rechuungsrat Georg Bickel in Windhuk, Deutfck" Südwestafrika, die Erlaubnis zur Annahme und zum Trogen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Kronen- Ordens 4. Klasse erteilt, dem Landrat des Kreises Kreuzuad' v. Nasse das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstorden? Philipps des Großanutigett oerliehcnr und dem Architekten Franz Gebhard in München die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Württemberg verliehenen Ritteekreuzes 2. Klasse des Friedrich-Ordens erteilt. Der König von Prcußett hat bie Er laubnis zur Anlegung des (^voßkreuzes des Hessischen Lndc loigs-Ordens dem Gen. ber Ins. v. Eichhorn, Gen.-Inspekteur ber 7. Armee-Jnsp. unb bes Großkrcuzes mit her >leone des Beebienst-Orbens Philipps bes Großmutigen bem Gen. der Kav. z. D. Grafen v. Schliessen, bisherigem Gouverneur von Mainz, erteilt.
•• Bon berLandeSvcrsichernngSanstalt. Durch Entschlteßung bes Ministeriums ist bem in ben Dienst der LandeSoersicherungSanstalt zuruckgekehrten SchtcbsgcrichtS- fcfrelär Phil. Scherf in Darmstadt die Genehmigung erttill worden, bic amtliche Benennung .Revisor* * zu führen.


