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21/03/1912 Erstes Blatt
 
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zu lSschen, finb freiwillige Arbeiter zu diesem Zwecke angestellt worden. Es werden bereits, besonders un süd- lichen Yorkshire, Vorbereitungen getroffen, um die Ar­beit am Montag, wenn die Mindestlohn-Bill angenommen ist, wieder aufzunehmen.

Die Bergleute möchten gerne zur Arbeit zuruckkehren, da die Not sie drückt: sic wollen aber nicht eher anfangen, als bis das Gesetz im Unterhause angenommen ist, das die Mindestlöhne der Bergarbeiter regelt, lieber einen entsprechenden Regierungsentwurf ist im Unterhause be­reits verhandelt worden.

London, 20. Mär;. Ter B er garbeit erverb and unterzog heute früh den G e s c g c n t iv u r s betreffend den Mindest- lohn der Bergarbeiter einer Prüfung. Es heißt allgemnn, daß für die Wiederaufnahme d.r Arbeit kein unüberwindliches Hindernis mehr besteht, wenn der Entwurf Gesetz imro. Die deputierten der schottischen Bcrgwcrksbesitzer wurden telegraphisch davon verständigt, daß die Serglcutc unter gewissen Bedingungen am Montag wieder cinfahren wollen.

Tie Führer der Unionisten des Unter Hauses geben bekannt, daß sie die Ablehnung der Mindestlohnbill beantragen werden. Tie Ministeriellen sind sehr besorgt über das Schicksal der Bill int Hinblick auf den Beschluß des Berg- arbeiterverbalides. Tie Opposition der Unionisten gegen die zweite Lesung wird indessen mehr als eine Demonstration aufgesaßt, nämlich als Anzeichen der Absicht, das Gesetz zu Fall zu bringen. Man glaubt immer noch, daß die Bill durchgehen werde.

Riga, 20 März. Die Kohlenhändler veröffentlichen eine Erklärung, in der sie die Verantwortung für die Er­füllung der Lieferungsaufträge wegen des Streiks in Eng­land ablehnen. Die Kohlenpreise sind beträchtlich ge­stiegen.

Deutsche Untertanen in England als Spione verhaftet.

Wiederum hat man in England einige der Spionage verdächtige festgenommen, darunter zwei, von denen be­hauptet wird, daß sie deutsche Untertanen seien. Ob das wahr ist, wird sich ja bald Herausstellen:

London, 20. März. Bernhard Salb ach alias Lelwin, 45 Fahre alt, deutscher Untertan, der sich selbst als Geschäftsreisender in Stahlfeilen bezeichnet, wurde vor die Behörden in New Port (Insel Wight) gebracht unter der Beschuldigung, er sei ein Spion und versuchte gestern, von der Batterie bei Freshwater photo- grapbische Aufnahmen zu machen. Der Gefangene, der die Tat leugnet, wird am Sonnabend wieder vernommen.

Salbach war seit 15 Jahren nicht mehr in Deutfch- "land. Auch die drei Personen, die heute verhaftet und den Behörden vorgeführt worden sind, werden am Sonnabend einem neuen Verhör unterzogen werden. Es sind dies Samuel Serry, Karl Denig, Amster- D am, und Karl Crassell-Magdeburg. Die Ver­hafteten bewohnten zwei Tage lang ein kleines Zelt in der Nähe des Forts bei St. Helens. Sie erklärten, daß sie, nachdem sie an einem Schneidertursus in London tei£ genommen, sich jetzt auf Ferien befänden.

vom itaüeniich-titttischen Kriegsschauplatz.

Bomben aus Luft- und Flugf.h.ffen.

Tripolis, 20. Mürz. Die i t a l i e n i s che n Luft­schiffe kreuzten gestern über den feindlichen Lagern bei Suani und Benadcn und warfen gegen 30 Bomben herab, die mit sichtbarem Erfolg explooierten, trotzdem die lAraber beider Annäherung derLuftschiffenach a l l e n R i ch t u n g c n flüchteten. In der Stadt finden fia) immer mehr fluchtige Araber ein, teilweise mit Waffen cuiio Munition und vielfach mit Vieh.

Rom, 20. März. Wie vom 18. März aus Derna ge­meldet wird, näherten sich feindliche Abteilungen den ital­ienischen Linien, wurden aber durch Artillerrefeuer unter 'Verlusten zuluctgewieseii. Die Italiener hatten keine Ver­luste.

Wie aus Benghasi gemeldet wird, gelang es gestern einem Flieger, über einem feindlichen Lager mit Er­folg einige Bomben herabzuwerfen. Er befand sich m iOO Meter Hohe und bildete das Ziel des feindlichen '.Gewehr- und Schrapnellfeuers, ohne getroffen zu lverden.

Aus Hessen.

Der Voranschlag der Zweiten Stammtet.

Nach dem Bericht des Vorstandes der Zlveiten Kammer über den Voranschlag der Zweiten Kammer für das Rechnungsjahr 1912 lieben ausschließlich der Gehalte und Wohnungsgeldzuschüise der feiiangeskellicn Beamten im Hauptvoranschlag für 1012 zur Verfügung 80 000 Mark.

Ter Vorstand beantragt: innerhalb dieses Kredits die Aus- 'gaben wie folgt festzusetzen. 1. Tagegelder und Reisekosten der Abgeordneten 35000 'Hit., 2. Gehalte und Remunerationen 2500 Marl, 3. Stenographisckx's Bureau 12000 Mk., 4. Drucktasten 21500 Ml., 5. Bureaubedarf, Inventar, Bibliothek, Mobiliar- ergänzung, Porto, Depeschen, Fracht usw. 6000 Mk., 6. Ver- schiedenes 3000 Mk.

Tie Kredite unter 16 sind gegenseitig übertragbar. Aus Position 6 steht dem Präsidenten für die Zwecke der Repräsentation, soweit solche erforderlich wird, ein Aversionalbetrag bis zu 2000 Mark zur Verfügung.

Deutsches Reich.

Wie derBerliner Lokalanzeiger" mitteilt, wird der Kaiser vor seiner Abreise nach dem Süden das gesamte P r ä | i d i u m deS Reichstages in Audienz empfangen. Die Audienz ist auf Donnerstag mittag s/*l Uhr im Berliner Königlichen Schloß anberaumt worden.

Taö Oberhofmeisteramt in Wien erhielt am Mittwoch nach, mittag die amt lichetele graphisch eMeldungausBer- lin, daß Kaiser Wilhelm am 23. März, vormittags 11 Uhr, aus Berlin in Wien eintrifft, um den Kaiser Franz Josef^äus der Durchreise nach dem Süden zu besuchen.

TieTügl. Rundschau" meldet: An maßgebender Stelle wird mis das bestimmteste in Abrede gestellt, daß irgendeine M.in>sterverabschiedung bevorftcht. Auch die Meldung, da» die Verhandlungen mit England abgebrochen wor­den seien, ist unrichtig Tie Verhandlungen dauern vielmehr an, alS ob Churchill gar nicht gesprochen hatte. Allerdings sind 'sie seit etwa 10 Tagen aus dem toten Punkt angelangt.

DieNordd. '2111g. Ztg." schreibt: DieNationalzeitung" hat m ihrer ^icndtagnummcr ein« Andeutung gemacht, als ob der eine zwischen dem Reichskanzler und dem Zentuum abgefartetc Sache gewesen f«. Wermut b habe vor acht Tagen noch nicht gewmß:, daß .alles langst abgemacht gewesen sei. In der Redaktion der , Ger- >mama" sei mait über sein nahes Schicksal besser informiert gc- Joefcn, als er lelbst. TaS Blatt ibridit in diesem Zusammen, bang von einer ungeheuerlichen Provokation, in der sich die Politik deS Reichskanzlers gefalle. Alles, waS hier gefagt worden ist, ,st eine dreiste Erfindung.

In der sächsischen 2. Kammer erklärte der Finanz- .Minister aus eme An'rage: Die Zeitungsnachricht, nach der sich wachsen i in Bundes rat gegen Die Erbschaftssteuer ausgesprochen habe, fei unrichtig. Tie Regierung sei jetzt wie rm Jabre 1909, für eine Erbschaftssteuer eingetreten und zwar in der Form, wie sie damals vorgelegt worden ist nur nm einigen Verbesserungen. Er habe sich aber dagegen gewandt

daß jetzt eine andere Ätt der Steuererhebung vorgei'chlagen rotro, die aus staatsrechtlichen Gründen ungangbar erschien. Es sei also keine Wandlung in der Auffassung der sächsischen Staats­regierung eingetreten.

TerReichsanzeiger" meldet die Ernennung des Vortragenden Rates des Reichsschatzamts, Geh. Oberregierungsrat Jahn zum Unter st aatssekrelär des Reichsschatzamtes._____

Ausland.

Das englische Unterhaus hat den MannschaftSbeftand der Flotte, wie er im Voranschlag vorgesehen ist, rinjhmnrig angenommen.

Aus Teheran meldet das Reutersche Bureau: Z w e i E n g- länder namens Moir und Brooks, die der Firma Zieg- l e r angehören, sind auf dem Wege nach Sultanabad, etwa 30 Meilen südwestlich von Teheran beraubt worden. Mr. Moir ist zugleich britischer Vizekonsul in Sultanabad.

Arbeiterbewegung.

Eine Ausstarrdstragödie.

Dortmund, 20. März. In der vergangenen Nacht wurde der Vorsitzende des Christlichen Gewer ks cha sts- Kartells in Lünen von drei Streikenden überfallen, zu Boden geworfen und mit Stöcken mißhandelt. Der An­gegriffene rief um Hilfe und gab zwei Schüsse ab, woraus die Angreifer entflohen. Einer stürzte, von einem Schuß getroffen, tot nieder. Ter Angegriffene wurde nach der poli­zeilichen Vernehmung freigelafsen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 21. März 1912.

* * Vorläufig keine Straßenbahn nach Wieseck. Die Stadtvertretung hat das Ansinnen der Gemeinde Wieseck, eine elektrische Straßenbahn nach Wiefeck ohne Zuschußleistung der Gemeinde Wieseck zu bauen, abgelehnt. Der Beschluß wurde von den zuständigen Aus­schüssen einstimmig gefaßt.

" Landes-Universität. Zum Projektor am städti- fchen Krankenhaus in Kiel wurde Or. msck. John Miller, Assistent am hiesigen pathologischen UniversttätS-Jnstltut, berufen.

Stadttheater. Es sei auf die Benefiz-Vorstellung für Oberregisseur Hermann Bakof am kommenden Sonntag ganz besonders hingewiejen. Herr Bakof hat als DariieUer wie als Regisseur dem Publikum so viele Stunden künst­lerischen Genusses geboten, daß sicher sein Ehrenabend em volles Haus zeigen ivird. Auch das gewählte Stück dürfte starke Anziehungskraft auSüben, denn der Autor von ,(Sldube und Heimat* bietet mErde* ein gleichfesselndes Charakter­bild aus dem ihm so vertrauten ÜUtilieii des Tycolec Bauern» lebens, und Herr Bakof darf kernige Bauerngellalten wie er jüngst wieder inBildschnitzer* beroiejen hat zu seinen besten Schöpfungen zählen.

* Ein oberhessifcheS Kulturwerk. In dem gestrigen Bericht über das Wasserwerk Inheiden muß die 'Wenge des täglich nach Frankfurt gehenden WasierS auf 20 000 Kubikmeter und die Menge deS zurzeit täglich geför­derten WasierS aus 22 000 Kubikmeter angegeben werden.

©ubmiifion bei den Kliniken nicht ge­nehmigt. Wegen zu hoher Forderungen sind die von den Metzgern gemachten Slngeboie für die Fleischlieferungen 1912/13 von den Kliinkveiwultungen nicht genehmigt morden. Heber die Höhe der Offerten kann man zuverlässig nichls er­fahren. Tie Kliniken, die seither Angebote nach Prozenten auf die ortsüblichen Ladenpreise für Fleisch und Fleijchwaren verlangten, sind bei der letzten Submifsion dazu übergegangen, Angebote zu Nettopreisen zu verlangen. Die Pleister, die auch auf Klinikslieferungen angewiesen sind, sind mit dem Modus nicht einverstanden und haben wohl deshalb hohe Preise verlangt, die der Staat eben nicht zahlen will!

** Die öffentlichen Schluß feiern der land­wirtschaftlichen Winterschulen in Lich und Fried­berg fanden^am 19. und 20. März statt. Die Schule in Lich war von 46 Schülern in beiden Klanen besucht, die in Friedberg von 64 Schülern. Die Winterschule in Lich besteht erst seit sieben Jahren und hat sich sehr gut entwickelt. Unsere Landwirte gewinnen glücklicherweise immer mehr Vertrauen zu den Lehrern der Anstalt und schicken ihre Söhne in immer wachsender Zahl der Schule zu. Der Kreis Gießen war in Lich vertreten durch Regierungsrat Dr. Merck. Der Vertteter des Ministeriums der Geh. Landesökoiwmieral Müller telegraphierte im letzten Augen­blick, daß er durch die Landtagsverhandlungen vom Besuch der Prüfung zurückgehalten werde. Der Fürst zu Solms-Hohen- solms-Lich wohnte der Prüfung und Entlassung der Schüler bei. 3n Friedberg fand die öffentliche Schlußfeier tote gesagt heute am 20. statt. Auch hier fehlte der Regierungsvertteter aus dem gleichen Grunde roie in Lich. Die wohlhabende Wetterau liegt vor der Tür der hessischen Obstbau- und landwirtschaftlichen Winterschule. Vortreffliche Bahnverbindungen erleichtern den Be- luch der Winterschule. Sie besteht bereits seit 17 Jahren. Die landwirtschaftlichen Winterschulen in der Provinz sind Gründungen des landwirtschaftlichen Vereins der Provinz, der mit seinen Ge­ringen Mitteln es wagte, die Anstalten ins Leben zu rufen. Später als die Forderung die Söhne unserer Bauern auch theoretisch besier für ihren Beruf vorzubereiten immer dringlicher hervortrat, gingen die An|lallen aus den Händen des Provmzialverems in die des Staates über, und entwickelten sich durch den größeren Aufwand und durch Heranziehung tüchtiger Lehrkräfte zu ihrer jetzigen Bedeutung. Heute Connten nur Die Anstalten gar nicht mehr entbehren. Unsere Landwirte müßten dergleichen Institute heute fordern, roeiut sie nicht durch die Fürsorge des Provinzial- vereins schon feit vielen Jahren ins Leben gerufen worden wären Unter den Schülern beider Anstalten scheint ein Wetteiser zu be- stehcn das Beite zu leisten. Die Väter oder Vormünder der lungen Leute wohnten den Prüfungen an und man mußte an­erkennen, daß Lehrer und Schüler während der wenigen Winter­monate tüchtiges gelciitet hatten. Die Prüfungen verliefen aut bie ftreube darüber und ein berechtigter Stolz malle sich auf den Gelichtern der Vater der jungen Leute.

Landkreis Gießen.

b. Wieseck, 21. März. Am Freitag, den 22. l. MtS., abends 8 Uhr, findet Gemeinderatssitzung mit folgen-' öcc Tagesordnung statt: 1. Tie Anstellung eines Schul- Dieners vom 1. April 1912 ab. 2. Re,chSoerficherungSord- nung (hier Errichtung von Krankenkasien). 3. Anschaffung von Schulsubsellien. 4. Wahl einefl weiteren Schulvorstands- Mitgliedes. 5. Anfrage des KreiSamteS wegen Abhaltung eines HauShaltungSkurfuS. 6. Festsetzung eines Preises über Entnahme von EcmD am Badenburger Weg. 7. Gesuch der Leichenfrau (hier Besoldung). 8. Die Errichtung eines Neu- baucS von Möser L Ziegler, sowie von Karl Dorfeld in der Gießener Straß« (hier Genehmigung derselben).

-m. Hungen, 20. Marz. Em schwere» Unglück wurde heute nachmittag 1 Uhr durch die Achtsamkeit emeS Lokomotivführers verhütet, der mit einer Maschine und Triebwagen von Friedberg nach Hungen fuhr. Kurz vor dem ohne Schranken befindlichen Uebergang zwischen Bellersheim

iind TraiS-Horloff bcmetUc er cm mit einem Pferd bespanntes Gefährt, auf dem der Besitzer faß und das gerade den Uebergang passieren wollte, als die Lokomotive heranbranste. Ter Führer gab sofort Gegendampf, konnte eS aber nicht ver­hindern, daß der Hintere Teil des Wagens noch erfaßt imö der Lenker, sowie sein Pferd durch den Anprall auf die Seite geschleudert wurden. Sie kamen mit dem Schrecken und ohne bedeutende Verletzungen davon.

--- Weickartshain, 20. März. Am Sonntag hielt Lehrer Veite von hrer bei einer Versammlung des Krie- gervereins einen Vortrag über Marokko. Tie Ver­sammelten schenkten den Ausführungen lebhaftes Interesse und Präsident Schmidt sprach dem Redner Dank aus.

Kreis Büdingen.

(?) Aus dem Kreise Büoingen, 20. März Tie am 1. April in Kraft tretende neue Landgemeindeordnung bietet den Bürgermeistern Gelegenheit, ihre Dienstbezüge neu zu regeln. Deshalb hat bereits eine Besprechung ei­niger Bürgermeister unseres Kreises ftattgefunoeii, die fol­gende Forderungen aufgestellt haben: Für Zeitaufwand ein Grün dgehalt von 1 Mk. auf den Kopf Dec Einwohner- zahl, jedoch nicht unter 500 Mk., auch in der kleinsten Ge­meinde des Kreises. Hierzu kommt eine Vergüiung für Bureau, Heizung und Licht, die allgemein aus 100 Mt. festgesetzt wird. Da künftig alle Gebühren in die Gerne inoe- kasse fließen, werden fie ourch ein Averjum dem Bürger­meister ersetzt, das nach dem seitherigen Einkommen unter Mitberechnung auch der uncnigeitlia) geleisteten Ar denen für Private zu bestimmen ist.

+ Nidda, 2U. März. Nachdem hier vor etwa fünf Wochen ein Falt sehr schwerer Blinddarm entzün- d ung vorgetommen war, tritt seit einer Woche diese rnank- heil hier fast epioemisch aus. In wenigen Tagen sind wie­der sechs Personen aus Siidda, meistens Schulkinder, in Gießen wegen Blinddarmentzündung operiert woroen. Da­zu tommen noch einige leichtere Falle, die ohne ärztlicljen Eingriff zur Genesung sühnen. Aussallend ist, dag in den Nachbarorten seit langer Zeit nicht eine einzige Ertränkung an Blinddarmentzüni-ung begannt geworden ist, abgesehen von der Epidemie vor Drei Jahren in Oder-Schminen, bei Der innerhalb acht Tagen 1> Mädchen, eine ganze Spinn- stubengesellfchaft, sich tu der Klinik zu Gikfzen einer Bllnd- Darmoperation unterziehen mußten.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 20. März. Nächsten Mittwoch, 27. März, findet bei der Feier des 75jährigen Bestehens des Pre- Digerserninars Die Cnlia|,ung oer zu Wirern aogelxiiöcn Kandidaten theol. statt. Der dermalige Bcstand ist 19 ilanöi- daten. Bon diesen werden 9 entlasien. Zu ilpum kommen die eben noch im Examen stehenden Herren von der Universität. Die Feier der Enimnuiig tmoet in oer ^staottirche statt.

x Bad-Nauheim, 20. Marz. Als Dug der An­kunft der Kaiserin wird seit heute bereits Der 9. April genannt. Gefolge unD Dienerschaft sollen schon einige Tage früher eintreffen. Im Sanatorium Grövel, Das jetzt Den Namen Villa Grödel tragt, trifft man schon eifrig Vorbereitungen. Man hat beretts mii einigen Durch heu Besuch der Kaiserin notwendig gewordenen vaulicyen Ver> äiiderungen begonnen. Das Tenniscafß in den Äolonnaoen ist heute wieder geöffnet woroen. Unter Leitung von Dr. Hirsch veranstaltete der Alice- Fraueu verein einen S a rn a r i t e r tu r s us, der jetzt beendet wurde. Die theoretisch ausgebiLDetcn Damen wer­den sich nun noch praktisch im Krankenhaus zu Hilfs- schwestem für den Kriegsfall ausbllden. Der unserer Stadt verliehene amtliche NameBad-Naul-eim" wird immer noch nicht genügend beachtet, vielfach auch nicht von Behörden. Durch Die BezeichnungNauheim" sind Durch Verwechslung mit Nauheim bei Grotz-Gerau schon vielfach Mißverständnisse und Irrtümer enrstanden. In Der gestrigen Sitzung der StadtverorDneten brachte Stadtv. Kissel Diesen Gegenstand zur Sprache und richtete unter dem Beifall der Versammlung vor allem an die Behörden die Bitte, in dem richtigen Gebrauch des Namens unserer Stadt mit gutem Beispiel voranzugehen.

Starkenburg und Rheinhessen.

bs. Darmstadt, 20. März. Heute nachmittag wurde auf dem Hofe des Realgymnasiums ein Denkmal in Gegenwart des Großherzogs und des Prinzen Adalbert von Preußen cn> hüllt, das dem Kapitänleutnant Ludwig Fischer gesetzt wurde, der am 17. Januar 1911 beim Untergang des Unterseebootes 11. 3", dessen Kommandant er war, bei Heikendorf im Kieler Hasen den Tod fand. Mit ihm starben Leutnant zur S«e Kalbe und Rudermann Rieper. Kapliänleutnant Fischer war geborener Tarmstädter und ein Schüler des Realgymnasiums. Das Denkmal, das aus Sperrden von Freunden und Kameraden sowie von Schülern der Anstalt errichtet wurde, zeigt eine Bronzcme- b a i 11 e des Verstorbenen. Im Sockel ist eine Plakette eingo- lassen, auf der ein Unterfeeboot dargeftellt ist.

=» Darmstadt, 20. März. Die Staatsanwaltschaft beim hiesigen Landgericht hat beantragt, das seit mehr als Jahresfrist gegen Geheimrat v. Soxhlet in München wegen Beleidigung des Geh. Hasrat Prof. Dr. Wagner in Darmstadt schwebende Verfahren ein ru stelle« und Soxhlet außer Verfolgung zu setzen. Die Einstelluna wird beantragt, weil Soxhlet der 8 1$$, Wahrung berechtigter Interessen, zustatten kommt.

Kreis Wetzlar.

= Hohensolms, 20. März Die Zusammen- legund der Ländereien ist in keiner Bürgermeisterei des Kreises Wetzlar soweit voraeschritten als im Hohen- solmser Land. LÜs letzte der 10 Gemeinden hat Bermoll mit einem Flächengehalt von 407 Hektar die Zusammenlegung beantragt. Die Gesamtgröße der Bürgermeisterei Hohen­solms beträgt 6163 Hektar mit 3400 Einwohnern, die fast ausschließlich auf die Erträge des Ackerbaues angewiese« find.

(BericbttfaaL

Ter Cpielerprozeh gegen den Grasen Wolff-Mettervich.

Berlin, 19. März. In der heutigen Verhandlung in da* großen Spielerprozeß gegen den Grasen Wolff-Metternich den Rumänen Bujes wurden die Plädoyers fortgesetzt. Der Ver­teidiger des Grafen Wolsf-Mettemich, Rechtsanwalt Dr. Alsberg, führte auS, daß der Staatsanwalt selber das Gefühl gehabt habe, baß er mit feinem Bortrage nur fe^r wenig für die Schuld der Angeklagten bewiesen habe. Der Staatsanwalt kann nich: eine einzige Erscheinung anführen, wonach er sagen könnte, so handele nur ein Falschspieler. Wenn man auf Grund haltloser Indizien den Grafen Metternich verdächttge, so muß man schon fragen, wer ist berat eigentlich ber Graf Metternich, baß man so mit ihm umspringt. Der Graf hat einen Kreditbettug begangen, bas ist richtig. Älber wenn alle Leute, die das getan haben, bestraft würden, so wäre der Sfrebitbetrug bas honorigste Vergehen bes ganzen Strafgesetzbuchs. Der Berteibiger schließt feine Ausfüh­rungen mit Dem Anträge, feinen Klienten freizul'prechen. Der Staatsanwall verwahrt sich gegen verfchiedene Vorwürfe des Ler- teibigerS Alsberg, baß er neue Momente in die Verhandlung hinnngeöracht hätte. Die beiden Verteidiger Metternichs gehen noch kurz auf die Andeutungen des Staatsanwalts wegen deS internationalen Rechts ein, woraus der Ängellagte Bujes das Wort erhält. Er beftreuct, daß er falsch geuncU hohc, äkmaib vcp»