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Goethes Tod und Begräbnis.
ächng ausgestattetes Bad unL für wisfcnsDurstige Bibliothek. Besonders ein Wagen erregte bte Be
raum, ein Pracht^
Reisende eine
‘erger
1882
41 756 273 972 190 925
91 615
Werde Rinder Sa, weine Ziegen
20—50 ar 22 157
50-100 ar 17 321
waren:
1907
47 304 = 13.2 7o mehr
Der Aussta..d in England.
London, 20. März. Infolge des Kohlenaus- Landes wurden die Postsendungen für die Vereinigten Staaten und Kanada, welche von Dampfern der Hamburg-Amerikalinie in Southampton übernommen werden ollten, heute mit dem Dampfer „Kaiser Wilhelm der Große" befördert, der auch mit Passagieren überfüllt war.
Die Not steigt täglich. In Southampton ind Tausende von Seeleuten beschäftigungs- os. Da sich die Hafenarbeiter in Middlesborough weigerten, die Kohlenladung für die städtischen Gaswerke
tigt, nämlich 32 581. So wurde zahlreichen Fabrik- und Heimarbeitern Gelegenheit geboten, sich in freier Luft betätigen zu können und zugleich mit intensiver Spatenkultur eine ganze Menge von Kleinprodukten für den Haushalt zu gewinnen. Wie ausgebreilet im Hessischen, nament-
Einen ähnlichen Meyrertrag zeigt die Viehwirt- ch a f t. In den 25 Jahren 1882/190? hat sich der Viehstand trotz gleichbleibender Bodensläche ganz unverhältnismäßig vermehrt. Die Stückzahlen
lich im Weinbau treibenden Rheinhessen, die Nebenberuf liche Parzellenwirtschaft ist, mögen folgende Zahlen anschaulichen: Es gab in der Größe von
5—20 ar 17 914 Betriebe mit zus. 2 456 ha
1—2 ha 11 698 , , „ 17 432 ha
Von den gesamten 147 078 landwirtschaftlichen Betrieben Hessens sind über die Hälfte, 86 824, Nebenbetriebe. Dabei sind diese zusammen noch nicht 70000 Hektar groß,
1862 : 386 360 --- 41,55 o »
1907: 341899 --- 27,57 o/0
In der hessischen Landwirtschaft findet also nur noch
sich versammelt, die vom Plane an bis auf den Gottesacker die Straßen, die Fenster, selbst Mauern und Bäume besetzt hielt. Er wurde auf demselben Wagen wie der Großherzog begraben. Bon den verschiedenen Anstalten und Kollegien waren Abordnungen, und gegen vierzig Trauerwagen folgten dem Zuge. Er ward in der großherzoglichen Kapelle beigeietzt, wo eine Rede gehalten wurde und ein Lied von ihm, das sein Freund Zelter in Berlin komponiert, gesungen." e O. K.
— Ausgrabungen in Mesopotamien. Tie „Köln. Zeitung" veröffentlicht neue Mitteilungen über die Ausgrabungen des Freiherrn Max von Oppenheim auf dem Tell Halaf in Mesopotamien. Danach sind bedeutende Schwierigkeiten ;u überwipden gewesen, die von den benachbarten Tschenkessen und dem mit ihnen verbündeten Landrat des Bezirks hervorgeruien waren. Durch Eingreifen der deutschen Botschaft wurde der Landrat abgesetzt. Die jetzt vollständig organmerte Grabung hat den Hoffnungen entsprochen, welche die gelehrte Welt nach der ersten Ausgrabung des Freiherrn von Oppenheim der Arbeit am dem Tell Halat entgegenbrachte. Die 1899 entdeckte Bildsäule Der Verschleierten Götnn ist wieder aufgefunden worden. Außerdem fand sich als ihr unterer Teck ein gewaltiger Tierkörper mit Löwentaven. Mehrere Räume eines großen Palastes und aus- gedeckt. Ten wichtigsten Kleinfund stellt ein Wagen aus Bronze dar. Eine große Reihe von Steinplatten enthält Darstellungen der verschiedensten Art, u. a. zwei Musikkapellen von Tieren. Der Trümmerhaufen enthält in seinen Schichten Reste verschiedener Zeiten bis m die hellenistische. Ein Grad brachte sehr wichtige SettinidK Schmuckgegenstände, die der Leiche eines vornehmen Mannes beigelegt waren. Freiherr von Oppenheim wird bei den Arbeiten jetzt von sechs deutschen Fachleuten unterstützt. 250 Beduinen sind bei den Grabungen beschäftigt.
kf. Die U e b e r e i s e n b a h n. Die schnellsten und kostbarsten Züge der Welt sind zwei Züge, welche zwischen Neuyork und Chicago verkehren. Die Entfernung zwischen diesen beiden Städten in Höhe von 907 Meilen durchlaufen sie in 18 Stunden. Selbst Amerikaner halten diese Schnetligteit für gefährlich und verwerflich. An Zugunglüaeu hat es denn auch seit ihrer Einrichtung vor nunmehr 18 Monaten nicht gefehlt. Jeder Der beiden Züge ist dreimal öerungiudt. In ailer Erinnerung ist noch das letzte Unglück des sogenannten „Müliaroarzuges", bei dem 23 Reisende icywer verletzt wurden. Die Preise jinD selbstverständlich entsprechend höher als gewöhnlich. 20 Shilling muß
während von den 60000 Hauptbetrieben rund 360 000 Hektar bewirtschaftet werden. Demnach sind die Nebenbetri^bc durchweg Zwergwirtschaften.
Die landwirtschaftlich genutzte Gesamtfläche hat sich tu dem letzten Bierteljahrhundert trotz des Personenverlustes fast gar nicht geändert; sie ist nur um noch nicht 3000 Hektar, auf 42, 298 Hektar zurückgegangen. Als Ersatz für dte verlorenen Arbeitskräfte, und um entsprechend der allgemeinen Vottsvermehrung höhere Bodey- und Stallerträge herauszuwirtschaften, muyte die M a s ch i n e in früher ungekanntem Maße herangezogeu werden, ganz abgesehen von neuen Wirtschaftsmethoden und konzentrierten Dünger- arten. Besonders auch die Kleinbetriebe sahen sich zur ausgiebigsten Maschinenbenutzung gezwungen. So zeigte die letzte Betriebszählung im eigenen Besitz der Landwirte neben 1601 Drillmaschinen 2762 breitwürfige Säemaschinen, 8674 Mäh- und 142 Hackmaschinen. In 30101 Betrieben arbeitete die Dampfdreschmaschine, und in den Milchwirt schäften 4391 Separatoren. Diese Ziffern bedeuten eine nicht abzuschätzende Ersparnis an manuellen Kräften, und nur so ist es zu erklären, daß die landwirtschaftliche Pro- duktionsstatistik die hohen Ergebnisse aufzuweifen hat, die nachfolgend zusammengestellt sind. Ter hessische Bauer hat cs verstanden, dem Boden Ivie dem Stall große Mehr- ertrüge abzugewinnen.
Vorn Hektar wurden im Durchschnitt der Jahre 1878/87 13,1 Doppelzentner Roggen geerntet, dagegen 1900 bis 1909 mehr als 20 Doppelzentner. Für die anderen Feldsrüchte sind die Ernteunter,chiede ebenso beträchtlich, z. B. für Weizen 14,4 : 21,4 Doppelzentner, für Gerste 15,4 : 22,6 Toppelz., für Hafer 13,6 : 21.1 Toppelz., für Kartoffeln 101,5 ; 139,5 Toppeizentner. Zwischen den beiden Normaljahren 1888 und 1910 finoen wir folgende Steigerung der Ernlemengen: Roggen 94 967—148 730 Tonnen, Hafer 73 381 bis 120197 Tonnen, Kartoffeln 640618 bis 798013 Tonnen, und selbst beim Wiesenheu infolge der rationelleren Wiesenkultur, die es an Bearbeitung, Düngung und Saatgutveredelung nicht fehlen läßt, von 337 035 auf rund 500 000 Tonnen.
Wanderung aller, als er in Dienst gestellt wurde: es ist der „Klubwagen für Männer", der nach dem Vorbild einer der extravagantesten Klubräume Networks eingerichtet worden ist. Ein anderes Prunkstück des Zuges ist der Aussichtswagen, der eher einem Observatorium als einem Eisenbahnwagen gleicht. Hier stehen den Reisenden scharfe Fernläser zur Verfügung. Llebrigens haben die Züge auch eine eigene Telephonnummer und sie können aus jeder Haltestelle augenblicklich an die Telephonleitung angcschlossen werden.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Während der erste internationale Heimatschutzkongreß 1909 in Pans tagte, wird der zweite vom 12. bis 15. Juni in Stuttgart tagen. Außer Den deutschen Teilnehmern erscheinen Vertreter fast aller nahmhasten ausländischen Heimctt- schutzoereitie, auch die Teilnahme mehrerer außerdeutscher Staatsregierungen ist mit Sicherheit xu erwarten. — Der Münchener Akademieprofessor Frank Kirch back ist nach einer Besteigung der Roten Wand infolge eines Schlaganfalls in Schliersee gestorben. — Ter Herzog von Meimngen hat Professor Max Reger mitgetcilt, daß er, die ursprünglich längere Probezeit abkürzend, ihn mit dem 18. März endgültig zum Hofkapcll- meiner bestalle und sich eine höhere Auszeichnung für ihn Vorbehalte. — Dem Lberregisseur und bekannten Dramaturgen Tr. phil. Eugen Kilian in München, wurde vom Prmz- regenun von Bayern die Ludwigsmedaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. — Ter Geheime Bergrat Tr. Phil Adols von K o e n e n, o. Prosessor für Geologie und Paläontologie an der Göttinger Universität begeht am 21. März seinen 75. Geburtstag. — Die diesjährige Tagung der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft findet vom 4.—6. April im Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten zu Hamburg statt. — Dem I'.lgill .prvf.nor .Vait» tiuetmann wurde von der philosophrsa-.n Fakulrut der Universität Berlin die Würde eineZ Ehrendoktors verliehen.
Die Verbilligung der Reichöbauten.
Eine Denkschrift betr. die Verbilligung der Reichs- b aut en ist dem Reichstage zugegangen. Im Vorjahre hatte ber Reichstag die verbündeten Regierungen ersucht, in eine Prüfung Darüber emjutreten, aus welchen Gründen die Beamten der Mu-idtf- betriebe regelmäßig erheblich teurer seien als Privatbanken und durch roddje Maßnahmen eine angemessene Ermäßigung Der Preise ju erreichen sei. Tie Rcidjsrcgicruna war in eine Prüfung dieser Fragen eingetreten und hatte sich von Privatarchiicklcn und von städtischen Behörden Mitteilungen über Bauausführungen p.nvater und kommunaler Art madjen lassen. Aus diesen Angaben ist ersichtlich, daß die Preise der städtisch« Aussührungcn häufig 'wher Und als diejenigen der Privatbautcn, daß dagegen die Prciie der Reichsbauten l'tdi im allgemeinen in den Grenzen der Pnvatbauten hallen. Berüdsichtigt wurde hierbei, daß die Bauten der Reichsverwaltungen in der Regel solider als Privatbauten hergeitcllt werden. Ilm aber in Zukunft auf eine tunlichste Per- bilhgung Der Bauausführungen hinzuwirken, hat man weitere Erwägungen angestellt. Die sich aus eine Herabminderung der Ent- wurisbcarbeitungslostcn hauptsächlich beziehen.
Man ist zu dem Ergebnis gekommen, daß aus eine Ver- bllllgung d c r R e i ch s ba u t c n i o l g e n d e Umstande von Einfluß sein können: die versuchsweise Ginridjtung von Bureaus für die Entwurssbearbeüung in Den Mittelinstanzen, in Bezirken, in Denen eine regelmäßige Neubautätigkeit auszuubcu ist, sofern solche nidjt bereits bestehen; Die Heranziehung von Pri- vatarchilekten zur Bearbeitung der ausführlichen Entwürfe und Kostenanichläge; die Verwendung von tedjnifdjcn Hilfskräften, die bei den einzelnen Bauausführungen besonders zuständig sind; die Vermeidung von Vorschriften bei der Verdingung der Arbeitsleistungen und Materialien, die den Gebräuchen des BaumarkteS nicht entsprechen, sowie unnötig lange Haftpflichten und solcher Vertragsbestimmungen, die die Bauausführung verteuern können, ohne unbedingt nötig zu fein; Die VerwenDnng bcfonDcrcr Sorgfalt auf Die Durcharbeitung Der VerDingungsuntcrlagen, um den Unternehmern ein genaues Kalkulieren zu ermöglidjen; die gemeinsame Verdingung der Maurermaterialicn und Arbeitsleistungen an die Unternehmer für Maurerarbeiten, die Beschleunigung der Bauausführungen, soweit dies ohne Nachteil für die Solidität des Baues tunlich ist und schließlich die Vorbereitung der Abrechnung schon während des Bauens Hiermit sind nach der Denkschrift die Mittel, durd) die sich im Verwaltungswege auf eine Verbilligung der Bauausführungen hinwirken läßt, erschöpft. Nicht unerwähnt Dürfen aber Die wirtschaftlichen Nachteile bleiben, Die Dadurch entstehen. Daß der Voranschlag in der Regel nicht wesentlich vor dem 1. April jedes Jahres verabschiedet wird und daß die Bauten erst nach der Bewilligung der Mittel in Angriff genommen werden dürfen. Dies hat zur Folge, daß bei 'Neubauten im ersten Baujahr die beste Zeit durch die die Bauausführung vorbereitenden Arbeiten, Durd) die Bearbeitung Der Verdingungsunterlagen, Einholung der baupolizeilichen Genehmigung, Herrichtung des Bauplatzes verloren geht und daß gewöhnlich erst Anfang Juli mit dem eigentlichen Bauen begonnen werden kann. In dieser Zeit sind aber die Materialien teurer, und es müssen auch zum Teil höhere Lohne gezahlt werden. Infolge des sputen Baubeginns kann der Rohbau häufig vor Eintritt des Winters nicht mehr fertiggestellt werden, wodurch bisweilen kostspielige Provisorien erforderlich werden. Diefe Nachteile würden sid) vermeiden lassen, wenn es möglich wäre, die Voranschlagsberatungen künftig so zu gestalten, daß wenigstens die Neubaumittel schon im Januar bewilligt und die Verwaltungen in die Lage versetzt werden, die Bauvorbereitungen noch während der Wintermonate zu treffen. Eine derartige Maßnahme dürste von allen zur Verbilligung der bauten möglichen Mitteln wohl die wirksamste sein.
(Zu seinem 80. Todestag.)
Fast jedermann kennt die feierlidje Schilderung^ die Eckermann in seinen Gesprächen von Goethes Tod gibt. Sehr wenig, ja so gut wie gar nicht bekannt, ist aber eine Beschreibung^ die cm IenaMStudent in sein Tagebuch eingeschrieben hat. Das Tagebuch des Mudenten, Der wahrscheinlich ein Herr v. Ziegesar war, lourbc in den Jahren 1830—35 geführt und im 'chrszuq vor einigen Jahren von Dem bekannten Schillerforscher Karl Sbi~: mitgeteilt. Es gibt den erschütternden Eindruck wieder, den Der junge Studiosus an Goethes Totenlager empfand.
„Arn Donnerstag, den 22. März, mittags halb zwölf Uhr, starb Goethe" — heißt cs da. — „Ich ging am Sonnabend nach Weimar, um seinem Begräbnis beizuwohnen, das aber erit am Montag, 26. März, erfolgte. J'tdes hatte ich dabei den Vorteil, schon diesen Abend den großen Lebenden nun tot zu leben. Lern Schreiber John, der 18 Jahre bei ihm war, ist sehr oft im Löwen, wodurch ich mit ihm bekannt geworden bm. Abends 11 Uhr ging ich mit dem Wirt, Herrn Schäferhund Wimmer nach Goethes Wohnung. Herr Schäfer pochte ans tfeniter, worauf Herr John uns öffnete und uns eine Treppe hock» in cm kleines Zimmer, wo der Verstorbene auf einem Gurtbette lag, führte; rings herum standen Wannen mit Eis. Es war trotz des hohen Alters von 83 Jahren ein noch vollkommener Körper, durchaus teilt Teil abgezehrt, das Fleisch ganz fest; das Geiicht unverändert wie im Leben. Nur den Kops und einen ^eil des -eioes hatte man mit einem Tuch umromrben. — Am Montag wurde er zur Schau gestellt. Der Hausraum war ganz schwarz ausgeichlagen und in zwei Teile geteilt, die durch eine Pforte verbunden ivarcn, über der eine Inschrift stand. Diese habe ich jedoch wegen Mangel an Zeit nicht gelesen. Der vordere Raum^lvurbc durch eine einzige Ampel erleudjtct und war mit einigen Schilden geidjmuat. Im hinteren lag der Tote auf einem Paradebett m einem roeißen Gewände, das Haupt mit einem Lorbeerkranz geidjmuat;_ noch zwei verschiedene lagen zu seinen Füßen. Hinter 1 einem Haupte stand ein Altar, aus dem eine Lyra und ein Körbchen mit Jtolien befindlich. Zu seinen Füßen lagen auf drei rotsamtenen Koien feine Orden. Der Raum wurde durch zwei Reihen WachSierzen auf zweiarmigen silbernen Leuchtern erhellt; hinter Dic|lH stände:! zwei Reihen von Personen in DrauerfleiDung."
lieber Goethes Beisetzung berichtet bann ferner bas Tagebuch. „Um 5. Uhr würbe er begraben. Eine große Mettschemuasie Hütte
25 Jahre Helfische Landwirtschaft.
Dte unfuliiöierten Völker olkupieren die Gaben der Natur: Fruchtebrechen, Jagd, Fischerei. Bei den Hirten- Völkern beginnt bereits eine bewußte Beeinflussung der Naturprobukte, die bei den Merbauern mit der Seßhaftigkeit auf der bebauten Scholle die Grundlage für Staaten- bildung und Volkswirtschaft herstellt. Damit ist die Bedeutung der Landwirtschaft für das Kulturleben gekennzeichnet. Wenn im deutschen Reiche die zur Landwirtschaft gehörende Bevölkerung in einem Vierteljahrhundert um li/3 Millionen, und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung von 42,5 Prozent auf -28,7 Prozent zurückgegangen ist, ein Prozeß, der sich noch weiter beschleunigt, so kann das nicht mit zwei Worten abgetan werden. So ausgebreitet auch unsere Handelsbeziehungen zu den Getreioe- nnd Viehproduzenten des gesegneteren Auslandes sind — von der einheimischen Landwirtschaft kann sich ein gesunder Kulturstaat nicht emanzipieren, und schon der Umstand, daß sich auf der ländlichen Scholle der gesunde Kern für Volk und Heer bildet, gibt der übrigen Bevölkerung Anlaß aenug, die Entwicklung der Landwirtschaft zu verfolgen. Ihre quantitative und qualitative Leistung in Gegenwart und Zukunft ist jedenfalls eine der wichtigsten volkswirtschaftlichen Fragen.
Die von der Landwirtschaft lebende Bevölkerung des Großherzogtums Hessen geht wie überall immer zurück:
der Reisende für die Fahrkarte Neuyork-Chicago mehr erlegen. Hält jedoch die Eisenbahngcscllschaft nicht genau die Fahrzeit inne, so hat sie jedem der Reisenden für jede Stunde Verspätung 4 Shilling zurückzuzahlen. Tic Wagen lind auf das luxuriöseste' eingerichtet. Ta findet man einen Barbiersalon, einen Salon für Hand- und Fußpflege, einen Stenographen- und Maschinenschreibe-
807 312 --- 12.2 % mehr 322 968 — 70.0 e/0 mehr 137 190 = 50.0 % mehr
Dagegen hat die Schafzucht einen Rückgang ohne gleichen erlitten, von 123 475 auf 54127, das ist um 57,8 Prozent. Umso intensiver wurden die übrigen Zuchtzweige )etrie6en. Leider: je größer die Wirtschaft, desto kleiner )ie Viehhaltung.! Die Erscheinung bestätigt sich auch für Hessen vollkommen. Das Hauptgewicht liegt bei den mittel- bäuerlichen Betrieben von 5 bis 50 Hektar. Das kennzeichnet wieder die Wichtigkeit der bäuerlichen Betriebs- orm für die Volkswirtschaft, die vielfach den Großbetrieb, wie er uns im Großgrundbesitz gegenübertritt, weit hinter sich läßt.
Fassen mir die Ergebnisse für das Vierteljahrhundert zusammen, so hat die einheimische Landwirtschaft trotz der unseligen Personalverhältnisse Großes geleistet. Ihre Erträge wären noch ganz andere, wenn es gelänge, bte immer djlimmer werbende Landflucht zu mindern. Vielleicht zeigen die erfolgreichen ostpreußischen Kleinsiedlungsversuche auch für Hessen einen gangbaren Weg in dieser Richtung, denn der Fundamentalsatz, daß die Hauptkraft der Landwirtschaft in den kleinbäuerlichen Betrieben wurzelt, wird mit jeder neuen Zählung auch in Hessen aufs neue
ein Fünftel der Gefamtbevblkerung Unterkunft und Nahrung. Besonders bedenklich ist der Rückgang bei den männlichen Landwirten, die sich in den 25 Jahren um 10 000 verminderten. In ihre Stelle ruckten weibliche, also nicht vollwertige Arbeitskräfte ein, aber nur 6000, so daß der Verlust an Haupterwerbstätigen immer noch mehr als 4000 betrug. Wie es in der hessischen Landwirtschaft in Wirklichkeit auch inbezug auf Die weiblichen Erwerbstätigen aussieht, lehrt am deutlichsten der Niedergang der landwirtschaftlichen Dienstmädchen, die 1882 noch 6500, 1907 nur noch 1191 zählten.
Angesichts dieses chronischen Personenmangels erscheint es merkwürdig, daß in den letzten 25 Jahren die l a u d w i r t s ch a f t l i ch e jt Betriebe sich noch st a r k vermehrten. Dies betraf vornehmlich die Pacht betriebe, die von 68 000 auf 76 000 zunahmen, während die Landwirte, welche nur aus der eigenen Scholle lebten, sich um noch nicht 2000 mehrten. Bei den Pacht-, wie bei den Eigenbetrieben lag aber das Hauptgewicht im Ne- benbetrteb. Für diesen kommen natürlich nur kleine und kleinste Parzellen in Betracht. Eine große Anzahl dieser Kleuiagrarier ist im Hauptberuf industriell bescyäf-
Ter Eichener Anzeiger ^Erstes Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 21. März 1912
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General-Anzeiger für Gberhefien Sä


