Ausgabe 
26.6.1912 Erstes Blatt
 
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ct5 Bezirks richt er überwiesen. Infolge Erkrankung war er ge­zwungen, bereits nach kurzer Zeit in die Heimat zurückzukehren, um sich einer Operation zu unterziehen. Nach seiner Wieder­herstellung war er bis Ende 1899 bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts I Berlin beschäftigt und bann wieder in ine Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts einberufen worden. An- fana August 1901 erfolgte seine Entsendung als kommissarischer Referent und Hefirksrichter nach Samoa. Am 1. April 1903 wurde er etatsmäßig angestellt und am 17. Juli 1904 zum Ober­richter mit Wirkung vom 1. April 1910 zugleich zum ersten Referenten des Gouvernements Samoa ernannt. Unter dem 16. Dezember 1911 wurde ihm der Charakter als Geheimer Regie­rungsrat verliehen. ________________________

Deutsches Reich.

Auf den 8. Juli ist vom Staatsanwalt Termin gegen die sozialdemokratischen Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses Borchardt und Lein er t anberaumt und der nationalliderale Abge­ordnete Schifferer als Zeuge geladen worden.

Die gemeldete Verhaftung eines russischen Kaufmanns in Berlin steht mit der Spionageangelegen­heit des Hauptmanns Kostewitsch in keinerlei Zusammen­hang. Sie erfolgte wegen Unterschlagung.

Ausland.

Das österreichische Abgeordnetenhaus nahm die ersten 40 Paragraphen der Wehr Vorlage in namentlicl-er Abstimmung mit 322 gegen 113 Stimmen an. Damit ist also verfassungsgemäß für die nächsten 10 Jahre das erhöhte Rekrutentontingent festgesetzt. Das Haus nahm ferner in namentlicher Abstimmung mit 305 gegen 135 Stimmen die Bestimmung an, durch welckw die zweijährige D i e n st z e i t für die Infanterie, die dreijährige für die berittenen Truppen und die vierjährige für die Kriegsmarine festgesetzt wird. Die Minderheitsanträge der Sozialdemokraten bezw. küstenländischen Mgeordneten, durchweg die zweijährige Dienstzeit einzuführen, bezw. in der Kriegsmarine die drei­jährige festzusetzen, wurden abgelehnt. Die Bestimmung der Wehrvorlage, daß ein Teil der Mannschaften bei der Infanterie zur Ergänzung des Unterofsizierstandes ein drittes Jahr zu dienen habe, wurde gleichfalls angenommen.

Im französischen Senat fand eine Aussprache über den Gesetzentwurf statt, der die zeitweilige zoll­freie Zulassung von Weizen regelt und schon in der Kammer angenommen wurde. Der Handelsminister gab folgende Erklärung ab: Die pessimistischen Informa­tionen der Zeitungen sind vollständig ungenau. Bis zur Ernte, die sehr befriedigend wird, fehlt Frankreich weder Brot noch Weizen oder Mehl. Wir besitzen Weizen für alle Bedürfnisse der Bevölkerung. Nichts rechtfertigt die Panik. Die Regierung beschäftigte sich schon vorher damit, zur Vervollständigung der "Bestände ausländisches Getreide nach den Hauptpunkten des Konsums 511 schaffen. Der Mi­nister bekämpfte infolgedessen die .Beseitigung des Zolls von sieben Franken. Der Senat spendete dem Minister Beifall und nalym den Gesetzentwurf an.

Ans Statt und Land.

Gießen, 26. Juni 1912,

* Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Pfarrer Rich. Sittel zu Stadecken die evang. Pfarrstelle zu Udenheim übertragen.

Ans dem Militär-Wochenblatt. De Brunn, Leutnant d. Res. im Großh. Hess. Art.-KorpS, 1. Hess. Feld- Art.-Regt. Rr. 25, zum Oberleutnant, Oberleutnant d. Landw.- Jnf. 1. Aufgebots Hippenstiel (Wetzlar) zum Hauptmann, Vizefeldwebel Brockmann (I Darmstadt) des Juß-Art.- RegtS. Gencralfeldzeugmeister (Brandenburg.) Rr. 3, zum Leutnant d. Res. befördert.

* Für die Sitzung der Stabtverordneten- Versammlung am Donnerstag, 27. Juni, uachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt worden: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen von 1890er und 1892er Anleihen. 2. Mitteilungen. 3. Baugesuch Friedrich Wörner für Krofdorfer Straße 12. 4. Einfriedigung der Grundstücke von Philipp Nicolaus am Seltersweg nach der Süd-Anlage hin. 5. Befestigung des Verbindungswegs von der Süd-Anlage nach der Plockstraße. 6. Beschaffung von Dieuströckeii für die freiwillige Feuerwehr. 7. Bc-

maligeu Rheintalgletschers hin, der hierher kristallinisches, alpines Gestein verfrachtet hat, durch das sich die blaue Donau, hier noch ein bescheidenes Wasser, genagt hat.

In Sigmaringen näherten wir uns wieder dem Jura und ließen uns von der Bahn durch die Korallenriffe des romantischen SchmiechatalS hinaus auf die Höhe des weißen Jura tragen. In Ebingen (710 Meter) wurde der 'weite Tag beschlossen. Auch hier war die Aufnahme recht gafthV); ängstliche Gemüter konnten aber nicht recht zur Ruhe kommen, siiuemaleu wir uns am Ort des Erdbebenherdes vom 17. November 1911 befanden. DerGasthof zum Sternen" trug noch deutliche Spuren der Stimmen aus der Tiefe. Das Mahl war reichlich, der Gersten­saft gut! Wo war der frohe Zauber vom ersten Abend? Tie müden Wanderer suchten bald ihr Lager auf. Einen hörte ich seufzen:Wenn sie nur heute Nacht noch hält!" Und sie hielt! Noch befanden wir uns nicht auf dem höchsten Gipfel, nm nord­wärts abzusteigen. Am dritten Tage wurde der Zollernfteighof (955 Meter! genommen, von hier noch einmal der Blick in die formenreiche Landsck>aft ringsum und hinab ins Tal getaucht, dann Jjiug eS in schroffem Abstieg den Nordabhang hinab durch alle stufen des weißen, braunen und schwarzen Jura. Lustig klopften die Bergmännlein am klingenden Gestein, um die schlafen­den Gesellen der Fauna des Jurameeres anS Licht zu fördern. Dann erfolgte noch ein Gewaltmarsch. Der Jnselberg Hohen zollern, der das imposante Schloß unseres Herrschergeschlechts trägt und weithin die Hohenzoller-Sigmaringischen Lande be­herrscht, wurde im Sturm genommen und von hier aus das Panorama der Stufenlandschaft aus der Vogelschau wahr- genommen! Zweimal hatte man an verschiedenen Stellen das zu erforschende Gebiet mit Hammer und Karte, Rontenbuch, Komvas; und Höhenmesser durchquert und eine deutliche An­schauung von dieser interessanten Landschaft gewonnen. Von der Station Zollern aus trug uns der Zug über Tübingen durch daS Vorland hinab ins Unterland, wie es der Schwabe in jenem altbekannten Liede nennt, nach Stuttgart zurück. Hier harrte unser noch ein besonderer Genuß. Unter der kundigen Führung deS bekannten Geologen Prof. Tr. Fraas durchwairderten mir das weltberühmte Naturhistorische Museum, beschränkten uns dabei lediglich auf die Fossllien der Jurazeit, die hier in überaus reichen, seltenen Exemplaren ausgestellt worden sind. Der an­schauliche Vortrag unseres verehrten Führers ließ uns rasch einen Ueberblick über die formenreiche Fauna und Flora jener unter­gegangenen Welten gewinnen und uns jene Zeit lebendig vor die Seele treten. Damit fand die ©tubienrene einen großen bleibenden Abschluß. Tie Heimfahrt ging über die Keuper- landschaft Württembergs und Schwabens an Bruchsal vorbei in den Rheintalgraben über Darmstadt und ftranffurt nach Gießen. Hier löste sich die Exkursion boebbrfriebigt und reich belehrt, mit dem herzlichsten Tanke gegen den verehrten Veranstalter und Leiter, Herrn Prost Dr. Sievers, auf.

schaffung von Bänken für die Anlagen. 8. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen und Genehmigung von Rech­nungen. 9. Beitrag zum Gauturnsest des Turnaaues Hessen. 10. Die Abhaltung der Rindviehmärkte. 11. An- und Ver­kauf von Grundstücken. 12. Ferien der Stadtverordneten- Bersammlung.

** Gießener Stadttheater: Ter Graf von Luxemburg. Tas Kurtheater in Bad-Nauheim setzte gestern sein Lperettengastspiel in unserem Stadttheater mit Lehars Gras von Luxemburg fort. Tie Hauptrollen waren in denselben Händen wie bei der vorjährigen Aufführung, und die Stimmung im Hause war dank der flotten Darstellung die denkbar beste. Nach den bekannten Schlagern schwoll der Beifall besonders stark an, aber erfreulicherweise wurden keine Wiederholungen gegeben. Tas Orchester, bas von der stapelte unseres Regiments gebildet wurde, brachte unter der sorgfältigen Leitung des Herrn ftarl Röhren die munteren Weisen fein abgestimmt heraus und er­freute durch die genaue und saubere Ausführung. In den ein­zelnen Rollen waren ebenfalls durchaus erfreuliche Leistungen zu verzeichnen. Herr Otto Beer fang und spielte von einer kleinen Unpäßlichkeit in den höheren Lagen anscheinend etwas beeinträchtigt den Grafen von Luxemburg mit Schneid und Feuer. Herr Norden (Fürst Basil), der auch die Regie führte, und Fräulein Scholz "Gräfin Stasa) waren ein über­wältigend komisches Paar. Fräulein Alice T h a 11 e r gab der sclwnen Angele Jnmgkcit und Temperament, und als ausgelassenes Malerpaar zeigten sich Herr Harden (Brissard) und Fräulein W a l l 6 (Juliettes wieder von ihrer angenehmsten Seite, indem beide um die Wette sangen und mimten. Auch der Chor erfüllte die ihm zugewiesenen Aufgaben mit redlichem Gelingen.

" Fa britdefichtigung. Die Mitglieoer dec hiesigen Handelskammer besichtigten gestern die Fittingsfabrik Bänninger. Die Besucher waren sehr befriedigt von dem Einblick in die interessante Arbeit der praktisch eingerichteten Fabrik, die zurzeit 200 Arbeiter beschäftigt und damit auch in wirtschaftlicher Beziehung für die Stadt Gießen erhebliche Bedeutung besitzt.

Gauturnfest 1912 Gießen. Das Schüler- turnen nimmt schon am SamStag, 29. Juni, seinen An­fang, und zwar findet an diesem Tage nachmittags 3 Uhr in der Bade- und Schwimmanstalt des Männer-Badcvereins ein Schülerschwimmen statt, zu dem etwa 55 Meldungen eingelaufen sind. Das Schwimmen besteht aus drei Schwimm­arten zu je 50 Meter, 3 Sprüngen vom Drei-Metcr-Brctt und 3 Sprüngen vom Ein-Meter-Brett. Damit wird der Anfang gemacht, auch in Gießen dem Wafserturnen eine Pflegestätte Zu schaffen. Das Schwimmen und Wafferturnen sind vorzügliche Leibesübungen und sollten die allgemeinsten fein, denn nirgends läßt sich der Genuß von Luft und Sonne leichter verschaffen, als beim Baden und Schwimmen.

Der Turnverein Gießen von 1846 veranstaltete gestern abend in seiner Turnhalle ein Schauturnen, bei dem die allgemeinen Freiübungen für das Jubiläums-Gauturnfest, das BereinSturnen mit 45 Mann an drei Barren nnd die Schauübungen der Fechtriege im Säbel- und im Gewehr­fechten gezeigt wurden. Die zahlreich erschienenen Zuschauer waren von dem Gesehenen hochbefriedigt.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 25. Juni. Der Antrag des Landtags­abgeordneten Reh 'um Versetzung der Stadt Alsfeld von der 3. in die 2. Wohnungs-Seroisklasse hat auch unter der Beamtenschaft in Lauterbach gleichberechtigte Wünsche hervorgerufen, da sich die WohnnngSverhältniffe in Lauterbach von denen m Alsfeld bezüglich der Preise in keiner Hinsicht unterscheiden und selbst zu den höchsten sPreisen zurzeit überhaupt keine Wohnung zu haben ist. Die Ein­reihung der Stadt Lauterbach in die 3. Wohnungsklasse ent­spricht nach Ansicht der Beamten in keiner Weise den jetzigen Mietpreisen und deS von der Negierung in dem Entwurf der Beamtenbesoldung in Aussicht gestellten Wohnungsgeld» zuschuffes in Höhe von 3/< deS wirklichen Mietaufwandes. Beim Verbleiben der Stadt Lauterbach in der 3. Klaffe würde der künftige Wohnungsgeldzuschuß kaum die Hälfe des Miet- aufwandes ersetzen imb die Beamten gegenüber den in Städten der 1. und 2. Klasse erheblich benachteiligt sein. Die hiesigen Beamten find deshalb bei dem Landtagsabgeordneten, Bürger­meister Stöpler hier, vorstellig geworden, einen Antrag um Versetzung der Stadt Lauterbach von der 3. in die 2. Klasse bei der Negierung zu stellen, wozu sich Herr Stöpler auch bereit erklärt hat.

+ Schlitz, 25. Juni. Die kstesige Spar- und Leihkasse für den Amtsgerichlsbezirk Schlitz hielt gestern ihre.Hauptversammlung unter dem Vorsitz von Geh. Justiz­rat Wahl ab. Der Rechenschaftsbericht legte dar, daß die Kasse auch im abgelaufeneu Geschäftsjahr vorzüglich ge­arbeitet hat. 7 Proz. Dividenden gelangten zur Vertei­lung, während 6000 Mk. dem Reservefonds überwiesen werden konnten, der damit die Höhe von 100 000 Mk. er­reicht. Außerdem wurden 600 Mk. für wohltätige Zwecke bestimmt, nwvvn 200 Mt. zwei hiesige arme Taglöhncr- samilien erl>alten, deren Gebäulichkeiten kürzlich durch einen Brand zerstört wurden.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 26. Juni. Die Arbeiten zum Neu- ball eines Eichamtes sind von der städt. Behörde aus­geschrieben worden, ebenso zum Umbau der seitherigen Ge­werbeschule. DaS jetzige Schulgebäude wird für ein Museum hergerichtet.

Bad-Nauheim, 25. Juni. Ein großes Rosen- fest findet am Donnerstag, 27. d. Mts., nachmittag, auf der KurhauSterraffe bei Doppelkonzert von der Kurkapelle und dem MusikkorpS der Leibdragoner statt. Zahlreiche junge Damen der Kurgesellschast werben hierbei als Der- Käuferinnen mitwirken. Die Terrasse wird an diesem Tage in reichem Blumen- und Bannerschmuck glänzen. Im Konzert der Kurkapelle gelangt zum erstenmale der vom Kapellmeister Steinmann komponierte .Kaiserin Augusta Viktoria-HuldigungSmarsch' für gemischten Chor (36 Herren und 50 Damen) zur Aufführung.

h. Vilbel, 25. Juni. Die diesjährige Wander- versammlung des Oberhessischen Bienen­züchtervereins findet am 19. August hier statt. Mit der Tagung sind Ausstellung imb Honigmarkt verbunden. Gleichzeitig feiert der Bilbeler Bicnenzüchterverein sein silbernes Jubiläum.

Starkenburg und Rheinheffen.

rm. Darmstadt, 25. Juni. Die Handwerkskammer für Hessen tagte heute hier unter dem Vorsitz des Gewerbe - ratS Falk-Marnz. Bon her Regierung war anwesend Mi- nüicrialrat Holzlager, Regierungsrat Gräf, Geh. Regierungsrat Noack und Baurat Wagner. Der Vorsitzende ging auf eine Reihe von Handwerkskamm erfragen mit Rücksicht auf die kürzlich zwifchen den Handelskammern und der Handwerkskammer abgehaltencn

Konferenz näher ein. lieber die Tätigkeit des Vorstandes berichtet dann Snndikus Engelbach, der zunächst seiner Freude über die Berufung des Vorsitzenden Gewerbcrat Falk in tue Erste Kammer Ausdruck gibt. Der Bericht enthält Müteilungen fhci die Einbeziehung der weiblichen Lehrlinge der Handwerker in die Gewerbeordnung, die Fürsorge für die gewerbliche Jugend unt die erhöhte Bedeutung Der Gesellenprüfung, deren Ergebnisse all gemein befriedigend gelten. Tie Turdbfübrung des Keinen Be sälfigimgsnacbweises vollziehe sich in Ordnung. Die Zahl der gewerblichen Vereinigungen beträgt zurzeit 258, davon 71 freie 20 Zwangsinnungen, 124 Orlsgewerbcvereine und 43 Fachver cinigungen, 9 Innungen wurden neu gebildet, lieber die Arbeits­losigkeit habe man verschiedentlich verhandelt und trete in erster Linie für Selbsthilfe ein. Hierzu gehöre in erster Linie Pfleg und Ausbau des Arbeitsnachweises, Bereitstellung von Mittest zu Notstandsarbeiten uftv. Staatliche Arbeiten sollten in bi geschäftsstille Zeit verlegt werden. Die Handwerksäimer haben nach den bisherigen Ermittlungen Erfolge kaum zu verzeichnen gehabt. Die allgemeine Lage im Handwerk habe sich gebessert Es folgt der Bericht über die Tätigkeit im Ausschuß des Deutschen Handwerks-- unb GewerbekaminertagS. Bei den Wahlen werden die bisherigen Mitglieder wiedergewöUt: neu gewählt in den Aussckiuß Färber Mainz, Schwarz-Darmstadt, Knipp-Bad-Nauheim, Rockel-Darmstadt, Jckstadt II.-Mainz, Schön tag III.-Mainz, G. Klingelfchmidt-Mainz, Distelhut-Mainz, Bfil! maier-Bingen und W. Schmuck-Worms. Tie Prüfung bar Rech­nung ergab in Einnahme 55 758 Mk., in Ausgabe 52 661 Mk unb wird genehmigt. Der Haushaltungsplan, der mit 34 350 Mark ab schließt und den Zuschuß und der Kreise mit 2200 Mk. festsetzt, wird gittgeheißen. Es folgen Berichte über die Gesellen- Prüfungen im ManrmcrbejirF. lieber die Errichtung einer Ein- ziehungsgcnofsenschaft für das Großherzogtum Hessen berichtet Syndikus Engelbach. Einen Vortrag über die Sicherung brr Bauforderungen und die Unterfagung des Gewerbebetriebes hält 2 a m e s - Darmstadt. Derselbe Redner machte Ausführungen über das Submissionswesen, in dem er die Bedingungen deS hessischen Staates anerkennt.

rm. Bensheim, 25. Juni. Der Hessische Schutz- Verein für entlassene Gefangene tagte heute im Rat haussaale zu Bensheim unter Vorsitz des GcneralstaatsanwalteZ Geh. Rat Dr. PreetoriuS. Ter Vorsitzende gab einen Hebet- blick über die Geschichte des Vereins, Der bet der Gründung 859 Mitglieder zählte und heute auf 3397 gestiegen ist. Aus dem Rechenschaftsbericht hebt der Redner hervor, daß bei bet letzten Tagung des Deutschen Verbandes in Breslau festgestellt werden konnte, daß der hefsisck>c Verein der einzige Verein fei, bei dem der Landesfürst den Vorstand bestimme. Nur 25 Proz. der Pflegebefohlenen zeige sich der Behandlung nickst loürbig Der Rckmer gibt die Art der Tätigkeit und det Unterstützungen bekannt, er weist darauf hin, daß durch die Trunksucht die meisten Verbrechen entstehen und daß es sehr schwierig sei, für Kov' arbeitet Stellungen zu beschaffen. Die Polizei verwende man in diskreter Weise nur, soweit dies notwendig sei. Mißstände hätten sich noch nicht gezeigt. Erfreulich fei es, daß in det letzten Zeit das Mißtrauen gegen die Beschäftigung Bestraftet stark im Zurückgehcii begriffen sei. Die Lehrer feien berufen, den Verein hierin zu unterstützen. Eine befonbere Aufgabe Ik trachte der Verein in der Bekämpfung des Alkohols, Da die Enthaltung während der Strafzeit allein die Trunksucht nickt heile. Im Jahre 1911 wurden 8232 Mk. an Untcrftübungcn gewährt, davon in Starkenburg 4127 Mk., Oberhessen 1291 Mk unb Rheinhessen 2427 Mk. In 152 Fällen wurden Geldunter- stützungeu gewährt, 23 Pfleglingen habe man Stellungen verschafft. 1 In zahlreichen Fällen wurden mehrmalige Unterstützungen be- willigt. Die Führung der Pfleglinge war 1908 von 235 in M 182 Fällen gut, also 80,9 Proz. Im Jahre 1909 81,6 Proz., I im Jahre 1910 81 Proz. An Stelle des Oberstaatsanwalts I von Hessert hat der Großherzog den Bürgermeister Müller von I Darmstadt zum stellvertretenden Vorsitzenden ernannt. In den I Ausschuß wurde an Stelle des Herrn Müller Obcrlandesgerichtstal I Lang- Gießen gewählt.

! Mainz, 25. Juni. Die Spargelernte hat mit J dem heutigen Tage ihr Ende gesunden: Güte und Menge W haben zu wünschen übrig gelassen. In einigen Gemein- den beträgt der Einnahmeüusfall gegen das Vorjahr bi-3 I zu 100000 Mk., trotzdem in diesem Jahre von den Hand- 1 lern höhere Preise gezahlt worden sind.

Kreis Wetzlar.

Wetzlar, 25. Juni. Am nächsten Sonntag finde! | hier das Gau-Sportfest des Nadfahrer-GaueS »Sieg« I Lahn* statt, mit dein die Feier des 25jährigen bt: U

hiesigen Radfahrer-VereinS verbunden ist.

Hessen-Nassau.

zv Marburg, 25. Juni. Der Profeffor der Medizin Koenig unternahm mit einem Freunde und mehreren be­kannten Dainen eine 81 utoni obil fahrt nach Kassel. In I der Gegend von ZimmecSrode fuhr der von dem Profesioi I selbst gesteuerte Kraftwagen gegen eine Telegraphenstange I Frau Profeffor Koenig tuurbc 1111 Gesicht und am Halse orr- | letzt, mährend die übrigen Jnsaffen mit leichteren Haut- I abschürfungen davonkamen.

sc. Herborn, 25. Juni. Die hiesige Walken I mühle, das letzte Zeichen aus der Zeit der einst hier ir I Blüte stehenden Tuchmacherzunft, wurde versteigert. Dic I Stadt Herborn erwarb sie für 1230 Mk.

Mit der Kamera beim Vulkanausbruch.

Erst spät bat die Welt von den furchtbaren Folgen des Vulkan > I ausbruches erfahren, der in den letzten Jamiartagen des ver I gangenen Jahres auf den Philippinen fast 1100 Menschen einen I grauenvollen unb rätsell-aften Tobe überliefert hat: zu den rorntger I mit dem Leben davongekommenen Augenzeugen jenes gewaltiger I Ausbruches des berüchtigten Berges Taal zählt auch der amen I konische Regierungsphotoaraph Charles Marlin, der mit fei tote: I Todesverackwing seinem Auftrage gemäß während der ttataftropb* I kaltblütig seine Ausnahmen machte unb erst den Rückzug airtrat, an I sein Vorrat an Platten unb Films vollkommen erschöpft war.

Im National Geographie Magazine wird jetzt eine Sen. dieser wissenschaftlich wertvollen Photographien veröfserulicht 8h I am 27. Januar die seismographische Station von Manila bi. ' ersten schweren Erschütterungen registrierte, empfing Marfin fofor 1 telegraphisch die Anweisung, sich zu dem gcfürdUetcn Vulkan »i begeben und Aufnahmen des großen NafirrphälwmenS zu machen | Der Photograph brach sofort auf, erreichte schon am nädfllrr I Mittag die Ufer des durch die unterirdischen Erfchüttcnmger I plötzlich zu einem wilden Sturme aufgcpeilschte» Bombon^öes I vermochte mit einem Boote noch glücklich daS Wasser zu kreuzen und begannn in wortloser Pflichterfüllung ohne Rücksicht auf sei: I Leben den Ausstieg zu dem tätigen Krater Schwefelgelb lcud> tenbe, mächtige, dichte Dampfwolkcn wurden bereit-? ruckweifi I in sekundendurzen Abständen emporgefchleudert, gewaltige Masse: I schwarzen Schlammes durchbrachen die Dämpfe, schossen bis 1$ I großen Höhen empor, um dann noch heißglühcnd zu Boden I sinken. Der ganze Berg war in einer steten Erschütterung, en I mächtiger Strom von Lavaschlamm hatte sich gebildei, aber Marti' I arbeitete sich bis zu einer kurzen Entfernung an den 5tratet Hera: I und machte hier ftunbenlang seine Aufnahmen, bis der Mangc. I an Films das weitere Verbleiben an dieser unheimlichen Statt! I zwecklos machte. Nur biefem Umstande verdankt die Wiffenscbas I die Ailfirahmen und Diartin fein Leben, denn kurz nach seinen I Rückzüge steigerte sich der Ausbruch zu einer furchtbaren explosicm^ I artigen Katastrophe. Mit unheimlickun: Gewalt wurde eine riesig? I glühende Schlammasse mit einem Ruck aus dem Krater empor- I geworfen, bildete auf einige Minuten am Horizont eine hoch jun 1 Himmel emporrag ende schwarze Säule, die von Kettenblitzen umzuck: » war: zehn Mimiken später begann über die nahen Ortschaften lij glühende Regen von Schlamm und Lava niederzugeden. Naa I einer Stunde war alles vorüber, unb klarer blauer Humnel lochte I

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