Ausgabe 
24.7.1912 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

normte Armenier, dürfte berufen sein, Tripolis an die Fremden auszuliefern.

Konstantinopel, 23. Juli, lieber die bereits angedeu­teten anarchistischen Zustände und Kämpfe in den letzten Tagen in Nordalbanien wird weiter gemeldet: Tie Kämpfe zwischen den Truppen und den Aufständischen im Haßgebiete ende­ten mit dem Rückzug der Truppen auf Djakova. Die Verluste der Truppen sollen 300 Zote und Verwundete betragen. Außerdem wurden zahlreiche Soldaten entwaffnet.

Die (Garnison von Djakova erkannte die Forderungen der Aufständischen an, worauf die Feindseligkeiten eingestellt wur­den. Der Kaimakan ist von Djakova geflüchtet und der Alba­nesenchef Biza Bey zog am 17. Juli in die Stadt ein. Alle Offiziere fraternisierten mit den Aufständischen: mehrere schlossen sich den Arnautenscharen an, die von allen Seiten nach der Ebene von Kossowo eilen, wo heute eine große Versammlung stattfinden soll. Die Straße nach Verissowitz wurde von den Albanesen besetzt. Am 20. Juli fand bei Cernoljeva ein heftiger Kampf statt. Tie ganze Garnison von Priz-Rend meuterte bis auf ein Bataillon. Ter Mutessarif mußte demissionieren. Die Alba­nesen von Liuma marschieren gegen Priz-Rend.

Am 19. Juli fand ein sechsstündiger Kampf zwischen Truppen und Aufständischen bei Bardovca am Trin statt. Ter Kampf endete mit der Entwaffnung von 250 Soldaten und 80 Gen­darmen. Die Gendarmen der Ortschaften Gora und Suhareka wurden entwaffnet und mißhandelt und mußten flüchten.

Aus Marokko.

Mogador, 23. Juli. Ein französischer Kreuzer bombardierte das Haus des Scheichs Abderachman K s i m o südlich von Mogador, wo der Deutsche Steinwachs ge­fangen gehalten worden war.

Ein Teil der europäischen Kolonie in Marrakesch ist gestern in Safj eingetroffen. Das marokkanische Fischer­bootMarrachj", das an der Küste den Polizeidienst versieht, soll vor Agadir beschossen worden sein. Der französische Kreuzer Cosrnac" ist dorthin abgegangen.

M a z a g a n, 23. Juli. Oberst Mangin ist von dem Residenten zum Militär- und Zivilkommandanten des Bezirkes D u k k a l a ernannt worden und hält morgen seinen offiziellen Einzug in die Stadt. Der KreuzerPriant" liegt auf der Reede. Die Lage im Bezirk hat sich gebessert.

Tanger, 23. Juli. In der Gegend von Uezzan und Elksar Hielten die E d s ch e b a l a - S t ä m m e eine Versammlung ab, um dem neuen Roghi Verstärkungen zu schicken. Nach einer Meldung desEcho de Paris" hat sich der Roghi hauptsächlich an die außerhalb der französischen Protektoratszone ansässigen Stämme um Beistand gewandt. Viel besprochen wird ein Besuch, den ein Sohn eines der eifrigsten Parteigänger des Roghi Uled Hamed El Far in Elksar dem spanischen Haupt­quartier abstattete.

Deutsches rleich.

Der Kaiser unternahm am Dienstag vormittageinen Spaziergang bei sehr warmem Wetter. Am Nachmittag hörte der Kaiser einen kriegsgeschichtlichen Vortrag des Generals Dickhuth. An Bord ist alles wohl.

In Hönheim (Elsaß) ist Pfarrer Dr. Will, Reichs­tagsabgeordneter für Schlettstadt und der Gruppe des elsaß- lothringischen Zentrums angehörig, nach längerem Leiden gestorben. Dr. Will hatte bereits 19071912 dem Reichs­tag als Vertreter des Wahlkreises Straßburg-Land an­gehört.

Ausland.

Präsident Falliöres gab dem Prinzen von Wales ein Frühstück und überreichte ihm das Großkreuz der Ehrenlegion.

Der französische Marinemiuister hat demTemps" zufolge, die Hafenbehörden benachrichtigt, daß im nächsten Monat das dritte Geschwader in der Nordsee und im Kanal manöverieren werde. Die Manöver­idee wird geheim gehalten. Die Panzer des Geschwaders werden am 8. August in Cherbourg eintreffen, schnell Munition nehmen und am 9. August nordwärts ab fahren.

Das Königspaarvon Schweden ist am Dienstag mittag auf der Standartreede in den Finnischen Schären eingetroffen. Der russische Kaiser begab sich mit seinen Töchtern Olga und Tatjana mit einem Dampfkutter unter der Kaiserstandarte an Bord des schwedischen Panzers, wo sie an Deck vom Königspaar begrüßt wurden. Kurz nach 12 Uhr kehrte der Kaiser mit den Töchtern auf die Standart" zurück. Bald erwiderte das Königspaar den Besuch auf derStandort". Im Anschluß hieran fand Familienfrühstück statt. Gegen 3 Uhr verließ das Königs­paar die Kaiser!. Jacht und kehrte auf denOstär II. zurück." Um 4 Uhr begaben sich der Kaiser, die Kaiserin, die Groß-

hprnne öffnen sich die Türen und im feierlich langen Zuge er­scheint der Mikado mit seinem ganzen Hof. Unter dem dichten Blütendach, mitten zwisck>en den Wundern der duftenden Beete hält der Herrscher Cercle, während an hunderten von kleinen Tisckren Erfttsämngcn eingenommen werden. 200 Hofgeishas führen den Kirschen- oder den Chrysanthemumtanz vor ihm auf. Dann nehmen der Kaiser und die Kaiserin allein in ihrenr Pavillon den Tee. Unter der Gesellschaft aber verbreitet sich nun jene anmutig gemessene Heiterkeit, die unter den Klängen der Musik die Schönheit der Natur bewundert, so wie sie stets bei den Blütcn- feften des alten Japan geherrsclst.

*

Das Riesengebirgsmuseum. Die Bestrebungen aut Heimatschuy und Heimatpflege gewinnen immer mehr an Boden. Allenthalben in deutschen Landen regt es sich, um die Schätze und Eigenart der einzelnen Landesteile und Stämme zu erhalten. Eine solch umfassende Pflegestätte für das Schlesierland, wenigstens seinen schönsten Teil, das Riesengebirge, entsteht gegen­wärtig in Hirschberg. Schöpfer des neuen Riesengebirgsmuseums ist der Riesengebirgsverein Er hat bereits seit längerer Zeit durch seine Mitglieder allerlei Merklvürdigkeiten des heimischen Gebirges sammeln lassen, und diese Sammlungen haben all­mählich einen ziemlichen Umfang erreicht. Ta dem Verein ein Heim für die Sammlungen noch fehlte, beschloß er, ein eigenes Gebäude dafür zu errichten. Die Stadt H i r s ch b e r g gab den Bauplatz und bewilligte noch einen Beitrag von 16 000 Mk. Weitere größere Beiträge kamen von der Provinz Schlesien, dem Kreise Hirschberg und verschiedenen Freunden des Vereins, so daß insgesamt eine Summe von 75 000 Mk. erreicht wurde. Ter ganze Bau ist auf 105 000 Mk. veranschlagt. Bereits sind die Umfassungsmauern bis zu einer gewissen Höhe gediehen. Man hofft, den Bau soweit fördern zu können, daß er noch in diesem Sommer seiner Bestimmung übergeben werden soll.

kf. Das Moskauer Museum zur Erinnerung an das Jahr 1 8 12. Die Erinnerung an den napoleonischen Feldzug des Jahres 1812 soll mit ganz außergewöhnlichem Pompe sowohl auf russischer als aber auch französischer Seite gefeiert werden, und ein franko-russisches Komitee hat sich eigens zu diesem Zwecke gebildet. Eine der ersten Aufgaben des Komitees wird, wie schon gemeldet, die bevorstehende Eröffnung desMu­seums zur Erinnerung an das Jahr 1812" in Moskau sein.

fürstinneu Olga, Tatjana, Maria und Anastasia in einer Barkasse zum schwedischen Königsschiff, wo sie bis nach 6 Uhr abends verblieben. Um 8 Uhr abends fand auf der JachtStandart" Paradetafel statt.

Meuterer der Sappeurregimenter im Taschken­ter Lager verübten große Grausamkeiten. Der Kapitän Poswichnef wuroe in die Luft geworfen und mit den Spitzen der Bajonette aufgefangen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 24. Juli 1912.

** Landesuniversität. Der Großherzog hat den ordentlichen Professor der Theologie Dr. Samuel Eck zum Rektor der Landesuniversität für die Zeit vom 1. Ott. 1912 bis 30. September 1913 ernannt.

* Ordensangelegenheiten. Der Großherzog hat dem Medizinalrat Prof. Dr. Groedel in Bad-Nau- heim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Kronew- Ordens 2. Klasse, dem Dr. Franz M. Groedel in Bad- Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adler- Ordens 4. Klasse und dem Dr. Theodor Groedel in Bad- Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adler-Ordens 4. Klasse erteilt.

Gießener Stadttheater. Die Fledermaus. Eine in allen Teilen wohlgelungene Ausführung der alten, lustigen Fledermaus, die stellenweise recht geschickt aufgefrischt war, bot das gestrige, sechste Gastspiel des KurtheatcrS von Bad-Nauheim unter Herrn Nordens flotter, poiutenreichcr Leitung. Herr Harden brachte den Eisenstein mit seinem unverwüstlichen Temperament zur hervorragenden Wiedergabe und verlieh der Gestalt deS eleganten Lebemannes ein paar neue, feine Züge. Seine Frau, die teure Nosalinde, fand in Fräulein Thaller eine anmutige, schalkhafte Vertreterin, die sich mit ihrer sympathischen Stimme wieder rasch die Gunst der Zuhörer gewann. Ein Gefängnisdirektor 1 von köstlicher Komik war Herr Norden, dessen Befähigung der dritte Akt in weitestem Maße entgegenkommt. Der Gesanglehrer des Herrn Beer, der darstellerisch recht gut mar, litt stimmlich anscheinend an Ueberanstrengung. In den höheren Lagen klang sein Organ mitunter recht gepreßt. Fräulein Walls als niedliche Kammerjuu ser offenbarte wieder alle Vorzüge ihrer glücklichen Veranlagung und erntete im dritten Akte mit ihrem Probespiel so stürmischen Beifall, wie er in unserem Theater nur selten zu hören ist. Als Prinz Orlowsky führte sich Fräulein Elfe Brand sehr gut ein. Ihre Stimme klang angenehm und geschmeidig und ihr Spiel war recht gefällig. Der Gefängnis­wärter Frosch wurde von Herrn Conradi äußerst humor­voll und ohne die üblichen krampfhaften Uebertreidungen dargestellt. In der kleinen Titelrolle zeigte sich Herr Grosser wieder als geschmackvoller Darsteller. Auch der Chor sowie das Orchester unter Herrn hrens Leitung war recht gut und die lieben, alten Weisen fanden bei dem gut besetzten HauS ein offenes, empfängliches Ohr.

Stadttheater. Als letzte Operette der diesmaligen Sommerfpielzeit wird Franz Lehars neuestes WerkEva" gegeben werden. Der Name des Komponisten der .Lustigen Witwe" und des .Grafen von Luxemburg* dürfte genügen, um dieser Abschiedsvorstellung des Bad-Nauheimer Kur­theaters ein volles HauS zu sichern. Da die hiesige Regi­mentskapelle dienstlich verhindert ist, wird die Musik zu dieser Vorstellung von der Marburger Militärkapelle gestellt. Diese letzte Operettenvorstellung kann nicht am Dienstag, sondern erst am Donnerstag, den 1. August stattfinden.

* * Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wird immer mehr in Anspruch genommen. Es vergeht fast kein Tag, daß man nicht eine Gruppe Sanitäter mit einem Verwundeten- oder Krankentransport durch unsere Stadt marschieren sieht. Tie Aerzte bedienen sich gerne der Mannschaften. Tas segensreiche Institut kann man nicht mehr missen. Hauptsächlich für die un­bemittelte Bevölkerung ist das Bestehen der Friedensfor­matton unentbehrlich. Die Polizeibehörde kann am besten beurteilen, wie ihr die Benutzung dieser Einrichtung zu statten kommt im .Allgemeininteresse. Beim Gauturnfest hatte die Sanitätswache 43 erste Hilfen zu leisten. Beim Jugendfcst werden eine Anzahl Sanitäter den Festzug be­gleiten sowie auch draußen Wache stellen, um bei Ohn­machtsanfällen, Unfällen usw. zur Hand zu sein. Gestern

Das Museum selber ist in den sogenannten Arsenalgebäuden im Kreml untergebracht, und eine ganze Flucht von Sälen wird alle möglichen Einzelheiten des Feldzuges zu erzählen wissen. Da sieht man Säbel, Sattelpistolen, Waffen aller Art, beschmutzt und zerhauen, Helme, Tfchakkos, Koppeln, Epauletten, Knöpfe, Orden, Kürasse, aber auch Ferngläser, Brieftaschen, Karten, Tassen, Teller, kurz alles, was aus dem großen Feldzuge in unsere Zeit hinübergerettet worden ist, in scheinbar kunterbuntem, aber doch sorgfältig geregeltem Durcheinander mit Flinten und Kanonen­kugeln. Auch eine kleine Druckerpresse ist in einem der Säle zu sehen; ehemals diente sie dazu, die Tagesbefehle Napoleons und die Siegesnachrickften, die leider recht spärlich waren, her­zustellen. Ferner ist dort die vollständige Feldküche des Kaisers aufgestellt. Sehr großes Interesse iverbeu auch die Bilder und Gemälde erwecken, denen ein nicht geringer Raum gewährt worden ist. Da sieht man Gemälde Kaiser Mexanders, der Kaiserin Elisabeth Alexandra, Napoleons im Krönungsornat und fran­zösischer sowohl wie russischer Marschälle und Generäle. Auch große Schlachtenbilder, die meist aus der Hand Weresttschagins hervorgegangen sind, enthält das Museum. Er war ein glühender Bewunderer Napoleons, unb so versteht es sich von selbst, daß seine Bilder von packender Lebensfrische sind.

Ff. Langsam fahren! Höchstgeschwindigkeit 100 Kilometer in der Stunde. Allen Automobilisten, welche eine kleine Stadt in der Nähe von Los Angelo» iKali­fornien) passieren, prangt dieses Plakat in Riesengroße entgegen. Die Bewohner des Städtchens hatten schon seit Jahren unter der wilden Fahrerei der Automobilisten zu leiden. Alle Mittel, sie zu einer langsameren Fahrt zu veranlassen, waren vergebens. Umsonst hatte man große Plakate errichtet mit der Bitte, durch das Städtchen mit einer Geschwindigkeit von nur höchstens 20 Kilo­metern in der Stunde zu sayrcn. Die &übner, Hunde und Menschen der friedlichen Stadt wurden trotz dieses Plakats wie früher dahingemordet. Da hatte der findige Bürgermeister den Einfall, das20 Kilometer-Schild" entfernen zu lassen und an seine Stelle ließ er das Plakat setzen, auf dem er um eine Höchst­geschwindigkeit von 100 Kilometern bat. Ter Erfolg war verblüffend: alle Automobilisten stoppten und fuhren langsam weiter. Seither haben die Todesfälle in dem Städtchen bei Hühnern, Hunden und Menschen erheblich nachgelassen.

abend hielt das Ehrenmitglied, der frühere Kolonnenführ^ Lberbahnassistent Brück, vor fast vollzählig erschienene» Mitgliedern Unterricht im Verbandanlegen ab.

Kreis Büdingen.

L. Ortenberg, 23. Juli. In der letzten .Hcutpi. Versammlung beschloß der Turnverein Ortenberg b ( Abhaltung der Feier seines fünfzigjährigen Be. testens 1913. Mit den Vorbereitungen wird in Kürze begonnen. Ingenieur Jeckel wurde einstimmig in den Vor. tand zugewästlt. Auf das Jahr 1912 darf der Verein bts jetzt mit Stolz blicken, brachte es ihm doch einen so großen - Zuwachs an Mitgliedern, daß die Zahl 103 überschritten. wurde. Das Turnen wird eifriger betrieben: auf dem Bezirksfest in Grebenhain und dem Jubel-Gaufest in Gießen wurden schöne Preise errungen. Nächsten Sonntag wird zwischen den Turnvereinen Gedern und Orten, berg ein Geländespiel ausgetragen. Jedermann in willkommen, Radfahrer sind sehr erwünscht. Forstassesi.u Schwieder hat die Kriegsaufgabe gestellt und die Oberlei­tung übernommen. Die Marschzett beträgt 21 > Stund'» Tas am 16. Mai (Himmelfastrttag) bei Etchelsdorf durch, geführte Kriegsspiel zwischen den Turnvereinen Nidda, Hu», gen, Langsdorf, Ulfa, Wallernhaufen, Mufchensteim usw einerseits und Schotten, Gedern und Ortenberg anderer, feit» hat lebhaften Anklang gefunden und gab die Anregung zu diesem neuen Kriegsspiel.

Kreis Alsfeld.

Homberg a. d. Ohm, 23. Juli. Unser Turnver­ein, der auf sein bOjähriges Bestehen zurückblicken kann, will eine Turnhalle erbauen ; es stehen ihm zu diese,» Zwecke bereits 9000 Mk. zur Verfügung.

Kreis Lauterdach.

Schlitz, 23. Juli. Die Kollekte für die äußere Mission beim Schlitzerländer Missionsfest in Alters. Hausen ergab den Betrag von 175 Mk., der an da8 coamj.- lutherische Missionshaus in Leipzig abgeliefert wurde.

Starkenburg und Rheinhessen.

R. B. Darm sladt, 23. Juli. 9tad) der vorläufige» Erledigung der Besoldungsfragen für die Staatsbeamten isi and) für die Stadt die Notwendigkeit erstanden, ihre Beamten auszubefsern. Zurzeit iDerben verschiedene Projekte geprüft, von denen eines die beste Aussicht aus Verwirklichung besitzt. Nach ihm soll den Beamten an Stellt einer Gehaltsaufbesserung ein WohnungSgeld gegeben werden, das vielleicht auch auf die älteren Arbeiter aus­gedehnt wird.

Kreis Wetzlar.

h. Wetzlar, 24. Juli. (Priv.-Tel.) In einer Eisen- b a h n k a n t i n e bei Hasselborn an der Neubaustrecke WetzlarUsingen brach 6in Brand aus. TaS Feuer Brei­tete sich so rasch aus, daß ein Arbeiter sich nicht mehr retten konnte und in den Flammen umkam.

Waldgirmes, 23. Juli. Nad)dem der Kreis- ausschriß am 19. Juli den Gemeinden Naunheim uni Waldgirmes die Aufnahme einer Anleihe von 35000 bezw. 30 000 Mk. zur Bestreitung der Anlagekosten der ckf« irischen Licht» und Kraftleitung genehmigt hat, kann zur Aus­führung deS Werkes geschritten werden.

__ ........... ..... l- "3B

<9erid)f»faaL

UM arbur g , 22. Juli. Der 40 Jahre alte Gärtner K.^ ein Mann mit 21 teils recht erheblichen Vorstrafen, war ti Mai kurze Zeit bei einem Landwirt in Homberg an der Cbm in Stellung. Als er seine Arbeit verließ, überbrüdrte er einem Landwirt in Schweinsberg einen mit der Unterschrift seines fttilxrcu Arbeitgebers versehenen Bttef, in dem um 10 Mark gebcie» wurde. D., der den Brief selbst geschrieben hatte, erhielt die 10 Mark. In Mainz stellte er sich dem Staatsanwalt. Er wurd von der Ferienkammer zu 16 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt.

sj M a r b u r g , 22. Juli. Die Ferienkammer oerurtcilte einen Schlosserlehrling aus Schlierbach, der in Hartenrod während btr Christenlehre Störung gemacht und den Pfarrer Walter beleidigt hatte zu 1 Woche Gefängnis.

Vie Amulette der Könige.

Gar viele Leute besitzen irgend einen Gegenstand, dem sic einen bestimmten Einfluß auf ihr Schicksal zuschreiben unb der ihnen daher vom höchsten Wert ist. Daß auch die gefrönten Häupter diesem Glauben an Talismane huldigen, verrät eine englische Wochenschrift, die von den Amuletten der Möiiigc er­zählt. König Georg von England glaubt sein Geschick mit einer kleinen Messingfigur der Britaunia verbunden, die eine Krone in ihren ausgestreckten Händen hält unb zu deren Füßen sich ein Löwe niederduckt. Die Figur, die nur 4 Zoll hoch ist, hat ihren Platz auf dem Radiator des Königlichen Automobils unb der Herrscher würde ohne sie feine Fahrt antreten. Königin Mart) ist nicht sehr abergläubisch, aber auch sie hat ein über zwei Talismane, denen sie die Bedeutung beilegt. Der eine ist ein kleiner Hund aus Elfenbein, der ihr vor vielen Jahren geschcnki wurde und den sie an einem Armband trägt.

Ter Zar besitzt einen Ring mit einem Stück Holz, bao von dem Kreuz stammen soll, an dem Christus den Tod fanb Niemals wurde der Beherrscher aller Reußen ohne diesen 9unfi ausgehen, denn es besteht der Glaube, daß er seinen Träg" vor Unheil aller Art behüte. Auch an eine wertvolle goldene Uhr knüpft der Herrscher abergläubische Vorstellungen. Tiese Uhr muß stets sorgfältiger aufgezogen unb behandelt werden als an bere Stundenweiser, denn die Sage verkündet, daß der russischen Kaiserfamilie ein großes Unhell drohe, wenn diese Uhr je inll stehe. Ein Amulett, das mit vielen Todesfällen in Verbindun.i gebracht wird, ist der berühmte Opalttng des spanifchen Kvingc- hauses. Tiefer Riny wurde König Alfons XII. von der Grain von Casttglionc geschenkt. Als der Herrscher in Verbannun- lebte, hatte er der Gräfin versprochen, sie zu heiraten, wenn r wieder auf den Thron feiner Väter komme Nachdem er abr wieder König von Spanien geworden war, hielt er seinen Sckßvu nicht, sondern heiratete die Pttnzefsin Mercedes. Die cnttäind« Gräfin gab sich scheinbar zuftteden, aber sie sandte dem Moni* den schönen Opalttng, auf dem ein Fluch gelegen haben soll der jeden Träger dem Tode überlieferte. Die Stönigin war sc entzückt von der Gcckc, daß sie sich den Ring von ihrem Galtcn zum Geschenk erbat. Wenige Monate später war sie eine Leichc Dann trugen des Königs Großmutter und Schwester das Un heil bringende Kleinod, und auch sie starben. Der Ring gin in den Besitz der jüngsten Tochter des Herzogs von Montpenfie: über, die ebenfalls rasch von ihrem Geschick ereilt wurde. Z>> letzt trug ihn der König selbst unb starb noch in demselben Jahr« in dem er den verhängnisvollen Scknnuck angelegt hatte. Nu' nahm die Königin Chttsttna den Unglücksring, befestigte ib': an einer goldenen Kette und hing ihn um den Hals der Statu her Jungfrau von Almadena, ttnes Heiligenbildes, das in Modri. in einer sehr besuchten Parkanlage steht. So wertvoll auch bc- Ring ist, so verführerisch er sich begehrlichen Augen barbictc:. so würde doch auch der schlimmste Ttteb Spaniens ibn nictt zu stehlcn wagen. Der Talisman der Könige von Italien i: ein verschlossener Raum. Es geht die Legende, daß das gröRt: Unheil den König und sein Haus befallen werde, wenn da: Lieblingszimmer seines Vorgängers irgend eine Aenderung fährt, bevor zwtt Generationen dahingegangen find. Aus diesen Grunde ist das Lieblingszimmer des verstorbenen Königs HumbeN im Cuirinal verschlossen. Auch das Gemach von Sümig HE