Sur Relchrelsendahnverwa'tung hat, wie schon kurz berichtet wurde, der Abgeordnete Dr. Werner- ließen am Samstag im R e i ch s t a g eine Rede gehalten, von der uns erst heute das Stenogramm zugeht. Wir entnehmen daraus das Wesentliche:
Meine Herren, auck wir begrüßen neben der entschiedenen Stellungnahme be« Herrn Chefs der Reichseisenbahnvmvattung gegenüber der Sozialdemokratie den tatkräftig sozialen Zug, der in der Verwaltung herrscht, von dem wir nur wünschen, dast er noch stärker und vertiefter werden möge. Beispiele für die soziale Fürsorge im Rahmen der Reichseisenüahnverwaltung sind der babnärztlnlc Tieni't, die Rrbeiterkranken- und Pensionskassen, die Ärbeiterausschüsse, die Unfallversicherung, die Tuberkulosefürsorge, die Einr icb tu na von Badeanstalten, die Abgabe alkoholfreier Ge- lränke ulw Was aber z. B. die Belohnungen an Arbeiter für längere Tienstzell anlangt, so meinen wir, daß eine Belohnung von 20 Mark für zwanzigjährige Dienstzeit reichlich gering erscheint.
Was die E i s e n b a h n v e r e i n e anbetriftt, so sind wir der Ansicht, daß sie sich in keiner Weise zu einer Konkurrenz für den selbständigen Mittelstand auswachsen dürfen, und daß die Verwaltung im Interesse des sozialen Friedens für Unter neb» mungen, die geeignet sind, den Interessen deS werktätigen Mlltel- standcs zu schaden, nicht Räume zur Verfügung stellen sollte.
Die UcbernachtungS- und Aufenthalts rä um c für das Eisenbahnpersonal lassen vielfach zu wünschen übrig. Wir meinen, daß die Uebernach ungs- und Schlafräume getrennt sein müßten, daß für eine entsprechende Heizung und Beleuchtung gesorgt werden muß, daß die Zahl der Betten nicht zu groß sein darf, daß jeder Beamte seine eigene Bettwäsche haben sollte, und daß Gelegenheit zum Trocknen der Kleider gegeben werden möchte.
lieber die Arbeiterfrage wird mein Parteifreund Rupp an Stelle des leider duvch Krankheit verhinderten Kollegen Behrens sprechen. •
Die Stellwerrsweichensteller verlangen die Ein- beziehung ihrer Gruppe aus der Klasse 9 in die Klasse 11 L der Besoldungsordnung, und die Zugführer streben vor allen Dingen danach, daß eine anderweile Regelung des Bezuges der Rebengebühren eintritt, und daß der pensionsfähige Betrag der Nebengebühren auf 540 Mark festgesetzt werde. Die Schirrmeister verlangen eine Gleichstellung mit den Zugführern oder eine entsprechende Nangierzulage. ...
Tie Wagenwärter wünschen eine Einreihung in die Klasse 6 mit einem Gehalt von l^uü bis IbOJ yjiart, und b;e in ihrer Wichtigkeit nicht zu unterschätzende Bcamtengruppe der Wagenmeister bedauert, daß die Beamten und die Arbeiter des Maschinenamts zurückgesetzt werden. Sie beklagen sich über die geringe Beachtung der Handwerkertüchligkeit und über dcn öfteren Mangel an ausreichenden Mittagspausen. Sie wünschen wie die Arbeiter eine 36stündige Sonntagsrul>e-eit und vor allem eine bessere Beförderung.
Tie Lademeister, eine Beamtengruppe, die fast ausschließlich dem Militäranwärterstanoe entstammt, erstreben Einreihung in die Klasse 10 b und Erhebung ihrer Beamtenqualität zu der der mittleren Beamten, weil sie durch ihren Tienst schon von alters- her mit den Pflichten der mittleren Beamten belastet sind.
Eine aussterbende Beamtengruppe sind die P a ck m e i st e r. Sie erstreben entsprechend ihrer Stellung als gehobene Unterbeamte die Gehaltsklasse 11a anstatt der Klafte 9.
Tie Aushelfer sind diejenigen Hilfsbeamten, die zu Eisenbahnunterassistenten formlos geprüft worden sind, und die ständig an Stelle von Eisenbahnunterassistenten als Fahrdienstleiter und Telegraphisten beschäftigt werden. Es gibt namentlich auf Bahnhöfen 1. Klasse eine große Anzahl solcher Aushelfer, die sich über den starken Gehaltsunterschied zwischen ihnen und den Eisenbahn- unterasjistenten beklagen, obgleich sie bei gleichem Tienst die gleiche Verantwortung tragen. Auch hier müßte Abhilfe geschehen.
Damit komme ich zu der Gruppe der Eisenbahnunterassistenten, die auch Herr Kollege Will erwähnt hat. Diese erstreben gemäß ihrer gehobenen Tiensteigenschaft für sich und die Bahnhofsausseher die Gewährung des Wohnungsgeldzuschusses der mittleren Beamten, Gewährung von Stellenzulagen und, entsprechend ihrem gehobenen Tienstrang, eine Verbesserung ihrer Dienstkleidung.
Was nun die Assistentenfrage anlangt, so ist da die Eigentümlichkeit festzustellen, daß die Eisenbahnassistenten der Reichslande besser gestellt sind als die Eilenbahnassistenten der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft. Ich kann natürlich im Rahmen der vorliegenden Tagesordnung ans diese bedenkliche Tatsache nicht näher eingehen. Ich meine aber, daß für die Assistenten überhaupt eine Unterstützung für Bedürftige nicht in Frage kommen kann, sondern daß nur gesetzlich geregelte Zuwendungen an alle Assistenten für die 5 untersten Gehaltsstufen in Betracht kommen dürften.
Tie Lage der Stationsdiätare kam schon zur Erwähnung. Auch wir sind der Ansicht, daß die Festsetzung eines zwei- lährigen Tiätariats und die Festlegung der ersten etatsmätzigen Anstellung für diese Gruppe zu erstreben sei, daß außerdem die über» sclMige Tiätariatsdienstzeit auf das Besoldungsdienstalter der Stationsdiätare angerechnet werden müßte, und daß ferner die Gehilfenzeit der Stationsdiätare als vensipnssähiae Dienstzeit gerechnet werden möchte, daß fernerhin eine Vermehrung der Assistentenstellen in Envägung gezogen werden sollte.
Wir glauben, daß in den Dienst- und Ruhezeiten des Elsenbahnpersonals Verbesserungen dringend notwendig sind.
Ortschaften sollte energisch vorgegangen werden.
Tie Frage der Schundliteratur ist schon genügend besprochen worden. Ich bin allerdings der Meinung, daß diese Literatur in demselben Augenblick verschwinden würde, wo bad
Publikum nicht mehr danach verlangte.
Es wird viel darüber genagt, daß die Speisewagen nur für die Passagiere der ersten und zweiten Klasse vorhanden sind. Das Geld der Passagiere dritter Klasse ist aber auch kein Blei, und man sollte auch ihnen gestatten, sich im Speise- wagen aufzuhalten.
Eine allzu große Rücksichtnahme scheint auch für die Nichtraucher vorhanden zu fein. Die Raucher werden dadurch allzu sehr benachteiligt.
Auch sind z. B. die Eil- und Personenzüge inbezug auf Waschvorrichtungen nicht mit der gleichen Sorgfalt ausgestattet wie die Ö-Züge.
Von t:n H oteldienern wird darüber geklagt, daß sie, wenn sie an die Bahn gehen und Reisende durch die B a hnsteig- sperre hindurchbringen, dafür jedesmal Geld zu entrichten haben. Vielleicht könnte die Anregung endlich befolgt werden, daß die Hoteldiener eine Pauschalsumme für ein ganzcs Jahr bezahlen, um dann weniger kostspielig durch die Bahnsteigsperre zu kommen.
Meine Herren, in der heißen Jahreszeit wird sehr häufig über die Ansteckungsmöglichkeit durch die Polster in der ersten und zweiten Wagenllasse geklagt. Dagegen ist eine Erfindung Gemacht worden, die, soviel ich weiß, auch schon dem Herrn Chef er Reichseisenbahnverwaltung Vorgelegen hat, und die- von einem Gießener, Herrn Carl N ö d i n g, stammt. Sie stellt sich als eine hygienische Vorrichtung »um Schutze der Reisenden der ersten und zweiten Klasse dar, die sich leicht an den Polstern anbringen läßt und Kopf, Nacken und Gesicht von der Berührung mit den Polstern fcrnhält und dadurch die Ansteckungsmöglichkeit beseitigt. Diese Erfindung verdient Beachtung.
Meine Herren, es handelt sich hier ja nur um dcn Etat der
"£tr B-ahlprvsanflkauSschlch kam heute zu einem Beschluß über die Wahl deS A b g. T r. Äaempf, des Reichstagspräsidenten. Von den neun Stimmen, die Tr. Kaempf mehr erhallen hat, als fein sozialdemokratischer Gegner Tüwell werden ihm drei stimmen abgezogen, eine zugezuhll, so daß noch eine Mehrhell von sieben gültigen Stimmen bleiben würde; daneben ist aber die Gültigkeit von neunzehn weiteren Stimmen zwe-ftihaft. Deshalb io.ro die Wahl beanstandet und Beweiserhebung beschlossen.
Sodann wandte sich der Ausschuß der Erledigung der Wahlprüfung Pauli (Hagenow, ton).) zu, kam aber noch nicht zur Entscheidung.
Der Branntweinlo itingentZ-Aussiinß führte heute die allgemeine Besprechung zu Ende und begann mit der Spezialberatung beim ersten Paragraphen der Vorlage. Tie Volkspartei hatte zu Beginn der Sitzung vorgeschlagen, zuerst über den Vergallungszwang und Turchschnittsbrand zu beraten, well die Fraktion davon eventuell ihre Haltung zu den übrigen Bestimmungen des Gesetzes abhängig machen müsse. Ter Ausschuß beschloß aber, die Reihenfolge der Beratung nach dem Entwurf festzuhalten. Infolgedessen erklärte die Volkspartei, daß ihre Abstimmung nur als vorläufige zu gelten hätte.
Ter Ausschuß beriet nunmehr zunächst über den grundsätzlichen Antrag der Sozialdemokraten. Bekanntlich soll die Beseit- gnug der Kontingentsspannung zwischen 105 und 125 Mk. für den Hektoliter Mittel für die Deckung der Heeresoorlage liefern. Tic S ozialdemokraten sind mit der Beseitigung des Kon- tingenls einverstanden und beantragen das auch ihrerseits, aber sie wollen den Steuersatz nickst bei 125 lassen, sondern an der unteren Grenze bei 105 Mk. Tie Vergünstigung für die süddeutschen Reservatstaaten soll aber so, wie der Regierungsentwurf sie vorschlägt, bleiben; demzufolge sollen die süddeutschen Brenno- reicn eine um 7»/, Mk. geringere «teuer zahlen als bisher innerhalb ihres Kontingents. Ta nun der durch die Einführung der einheitlichen unteren Steuergrenze und die weitere Liebesgabe an die Süddeutschen entstehende Einnahmeausfall für die Reichskasse vermutlich nicht aus den Erträgen der Militärvorlage gedeckt werden kann, sott nach dem Anträge der Sozialdemokraten die Erbschaftssteuer eingesührt werden.
Zugleich wird die Beratung ausgedehnt auf einen Antrag, den Mitgliedern der konservativen, polnischen, nationalliberalen und der ZentrumSsraktion eingebracht haben. Nach diesem Anträge soll der aus der Betriebsauslage angesammelte Geldbestand, der zur Propa- gierung und Verbilligung des technischen Spiritus bestimmt ist, verftärll werden durch einen jährlichen Betrag vonl6Millionen, der aus dem Ertrage der Verbrauchsabgabe zu entnehmen ist. Hierzu erklärten die Vertreter der Konservativen
Reichseisenbahnen; aber ich meine, der Herr Chef der Reichs- eisenbahnverwaltung wird als Minister der öffentlichen Arbeiten in der Lage fein, wenn auch innerhalb des Gebietes der preußisch- hessischen Eisenbahnen ähnliche Fehler und Mißstände wie die hier bemängelten vorhanden sein sollten, diese Uebdftönbc auch da zu beseitigen.
21115 den Heiä]$tagsausfd)u|fen.
:: Berlin, 1. Mai.
Die Wehrvorlage.
Der Dudgetausschuß setzte heute die allgemeine Besprechung über die M i l i t ä r v o r l a g e fort. Da sich die Besprechung auf das L a n d h e e r beschränkt, ist Staatssekretär v. Tirpitz heute nicht anwesend. Von konservativer Seite wurde der Grundsatz aufgestellt, daß alle wehrpflichtigen Leute möglichst auch ausgebildet werden sotten und zwar aus erzieherischen Gründen. Deshalb seiverstärkteAusbildungderErsatzreserve wünschenswert, was durch Erhöhung der Friedenspräsenz auch teilweise erreicht werde. Ein anderer Redner wünscht Kavalleriedivisionen schon im Frieden. Dies gibt dem Kriegsminister Anlaß zu vertraulichen Ausführungen über die Verwendung unserer Kavallerie nach der Mobilmachung. Ein Zentrumsmitglied wendet sich gegen den Grund- satz der Rüstungsbeschränkung, weil wir jetzt mit einem Krieg nach drei Fronten zu rechnen hätten. Die Neutralität von Belgien und Holland sei eben nicht mehr garantiert, sie bilden ein Einfallstor nach Deutschland. Der Staatssekretär des Auswärtigen gab hierzu vertrauliche Aufklärungen. Von sozialdemokratischer Seite wird
weil $. B. die Dienstzeit der 7 Nackte zu sehr viel Unzuträgllch- keiten Anlaß gibt. Deshalb erstreben namentlich die Pförtner und die Bahnsteigschaffner eine reichsgesetzliche Regelung der Dienst- und Ruhezeiten, besonders aber auch die Lokomotivführer und das gesamte Fahrpersonal. Ob sie cintreten wird, ist nach den ablehnenden Worten der Verwaltung leider »u bezweifeln. Jedenfalls sollte man aber danach trachten, daß wenigstens einige Wünsche der Beamten in dieser Beziehung berücksichtigt werden. Tie Beamten wünschen Feststellung der Bestimmungen üfcr die Tienst- und Ruhezeiten durch die gesetzgebenden Körpenckasten, die Gewährung eines wöchentlichen, von zwei «chlafnachten begrenzten Ruhetages, wovon zwei im Monat auf einen äonntag entfallen, ferner eine Höchstgrenze von 60 Stunden für hie Fahr- beamten, von 48 bezw. 54 Stunden für die Lokomotivbeamten.
Ich möchte nun noch einige Angelegenheiten vorbringen, die außerhalb der Interessen der Beamtenschaft hegen. Wir wünschen, baß der Chef der Reichseisenbahnverwaltung dafür sorgen möchte, daß die Wartesäle und Vorhallen der Bahnhöfe nicht bloß für das Plakat« und ReNamebedürsnis herhalten müssen, sondern daß man auch den künstlerisch-ästhetischen Bestrebungen unserer Zell Rechnung trägt mit einer besseren Ausgenaltung dieser Räume durch einen entsprechenden Wandschmuck, der ja zu sehr billigem Preise zu haben ist. ,
Tann möchte ich den Herrn Chef der Reichselsenbahnen bitten, im Zusammenwirken mit den übrigen Verwaltungsbehörden encr-' nisch Front zu machen gegen die Blech- und Bretter-! reklamepest, die sich längj der Bahnstrecken bemerk- im Mmunu um uic wtiuciu bar macht. Alle paar hundert Meter taucht so ein Brett auf, auf, f o-ja l d e m o k r a 111 ck e r dem eine Gestatt aus „Max und Moritz" ober aus dem „Nacht- wumcht, inwieweit Nck ---------------
asyl" hockt, und das irgendeine Zigaretten- ober Champagnerforte! Mitttarvmckage geändert hat, unb zwar um w e n l g er Ber. uns empfiehlt. Gegen biesc Derschanbelung bet Natur unb ber ;1 u£.lf$ J.c l£ 0*&^en. Cut a11op al l i b er al eS Mll- - - - - u . . glied halt bte Vorlage für ausreichend begründet schon durch die
1 Ereignisse im letzten Jahre. Eine Rüstungsbeschränkung könne 1 auch von England gar nicht ernstlich beabsichtigt werben, wie beinahe jede Rebe Churchill- bewies. Die fehlende Ausblldung ber Ersatzreserve bleibe ein Mangel der Vorlage.
Tann kam eS zur Abstimmung über den §3 ber Novelle zum Reichsmilitärgesetz. Er wurde mit allen stimmen gegen die der Sozialdemokraten angenommen. § 3 lautet: AuS 2 bis 3 Divisionen mit den erfordere listen Fußartitterie-, Pionier- und Trainformationen wird ein Armeekorps gebildet, derart, daß die gesamte Heeresmacht deS Deutschen Reiches im Frieden aus 25 Armeekorps besteht. Tret Armeekorps werden von Bayern, zwei von Sachsen, einS von Württemberg aufges.ellt, während Preußen gemeinschaftlich mll den übrigen Staaten 19 Armeekorps formiert.
Morgen Weiterberatung.
die Frage ber Neutralen überhaupt behandelt und eine Ver- ständigung mit England befürwortet. Deutschland müsse mit der Rüstungsbegrenzung vorangehen.
Ter Kriegsminister betonte demgegenüber entuticben, daß die Heeresverstärkung in erster Linie dazu dienen solle, den Frieden zu sickern. Teutsckland habe keine Angriffstenbenzcn. Eine Miliz biete entfernt nicht die Sicherheit wie ein schlagfertiges stehendes Heer. Eine Verkürzung der Dienstzeit sei bei ber Schwierigkeit ber jetzigen Kriegsausbildung nicht möglich.
Ein volksvarteiliches Mitglied bespricht das Ber hältnis zu Holland und begründet den Antrag seiner Partei auf Rüstungsbegrenzung, sofern von einer anderen Großmacht die Anregung dazu gegeben werbe. Beim Vergleich ber Heeres- zahlen versckiedener Länber müsse besonderes Gewicht gelegt werden aut die Zahl ber Offiziere und Unteroffiziere, worin Deutschland sehr günstig baftebe. Eine Vermehrung ber Znspektcure sei nicht nötig. Auch dieser Redner wünscht Auskunst über die Verhandlungen mit England. Ter StaatSsekre- t ä r des Auswärtig en erklärt, darüber könne jetz Auskunft nicht gegeben werben. Er stellt im übrigen verschiedene Aeuße- rungen ber Vorredner richtig. Generalmajor Wandel spricht über die Ersatzreserve. Tie Belastung ber Bevölkerung durch den Heeresbienst werde durch die Vorlage nicht größer, denn die Zahl ber Dienstpflichtigen unb Diensttauglichen wachse ständig. I Frankreick habe zwar weniger Unteroffiziere als wir, aber mehr vlc u „ u vn.ni.i- Kapitulanten. Tie Vermehrung der Armeeinspektionen sei gerade
S der Bahnstrecken bemerk- im Hinblick auf die Verwendung im Kriege wünschenswert. Von
* ischer Seite wird Aufklärung darüber ge« ch die politische Lage seit der letzten
Die Lrler paffionsfpide.
S. & H. Salzburg, 30. April.
Tie sogenannten Passionsspiele sind nicht, wie man vielleicht glauben könnte, in der Gegenwart auf bas weltberühmte Oberammergau beschränkt, sondern sie haben noch in manchem versteckten Erdenminkel, z. B. in verschiedenen Gemeinden Tirols unb Böh^ mens ihre Heimstätte durch all die Jahrhunderte seit ihrer Begründung bewahrt. Besondere Sorgfalt hat dieses Jahre die kleine Gemeinde Erl in Tirol, in der Nahe ber bayerischen Grenze, an eine würdig« Aufführung ihrer Passionsspiele geroenbet. Zum Unterschied von Oberammergau ist bas PassionSspiel von Erl ein reineS Bauernspiel geblieben, da» allein durch die Jnnigkell unb UeberzeugungStreue ber Tarsletter bic Zuhörer zu packen vermag. Während in Oberammergau bad erste Spiel für baS Jahr 1633 nachweislich ist, steht fest, daß Erl hier die Priorität besitzt, indem hier baS PassionSspiel schon 20 Jahre früher Eingang gesunden hatte.
Ter ursprüngliche Text hatte einen Nürnberger Meistersänaer eum Verfasser. Tie Fasfung wurde aber im Laufe ber Jahre völlig verstümmelt unb ging schließlich ganz verloren. Ein anderer Dichter trat an Stelle des MeistersängerS unb verfaßte einen Te^t, der bis in daS vorige Jahrhundert hinein in Gebrauch war. Im Interesse einer würdigen Darstellung der Spiele veranlaßte die kirchliche Behörde int Jahre 1659, daß an Stelle bes bisher gebräuchlichen, oft mll mittelalterlichen Späßen durch- fetzten Textes ein neuer geschrieben wurde, der den damaligen Geistlichen von Erl zum Verfasser hatte. Tie ursprüngliaien Bühneneinrichtungen waren natürlich sehr einfach. Man wirb in ber ersten Zeit auf bent Marktplätze gespielt unb sich mit ben einfachsten Requisiten ober Andeutungen von solchen begnügt haben. In der Neuzeit stellte sich bas Bebürsnis heraus, ben Zuschauern eine feste Sitzgelegenheit und Sckutz vor den Unbilden ber Witterung zu geben. Eine »unächst gebaute kleinere Halle reichte halb nicht mehr au-, so daß vor einiaen Jahren eine neue gebaut werden mußte, die _ettua 1500 Personen saßt In erfreu#- lickem Gegensätze zu den Oberammergauer Aufführungen, bte etwa 9 Stunden währen, steht es, daß die Spiele in Erl bedeutend kurzer gefaßt stitd.
Tie Lviclzeit dauert vom 12. Mai bi- Ende September und umfaßt alle Sonn- und Feiertage. Tic Bühnenausstattung und die Kostüme find von ben Bewohnern oon Erl selbst hergestellt norden. Als Regisseur haben sic sich ben Franztskanernwnck Patcr Expcbitns Schmibt genmbit. Tic Darsteller sind sämtlich
Bauern nebst deren Frauen und Äinbern. Interessant ist, baß auch die Musik, ber man manche Schönheiten nachrühmt, unb bie sich in ber Hauptsache auf die Chöre beschränkt, von einem über 70 Jahre alten einfachen Bauersmann komponiert worden ist.
Tiefer Tage fand vor geladenen Gästen unb vor zahlreichen Pressevertretern eine Aufführung des Passionsspiels statt, die lebhaften Beifall sand und eine sehr gute Meinung über daS Zi> sammenspiel und die Begeisterung der Mitwirkenben hervorrief.
Die neue und Sie alte Stücke.
L.T. Konstantinopel, Ende April.
Am 27. April, dem Tage der Thronbesteigung deS Sultan-, ist die neue Brücke über das Goldene Horn zwischen Karaköj und Emin-Oenu dem Verkehr übergeben worden. Diese Brücke verbindet da- Geschäftsviertel Stambul, die Türkenstadt, mit ben Wohnvierteln auf ber gegenüber!iegenben Seite deS Goldenen HoniS unb ist bie belebtste Verkehrsader ber Stabt. Unaufhörlich wälzt lick ein dichter Menschenstrom auf ihr, besonders früh und abends, unb in endloser Reihe rotten die Wagen darüber Inn.
Die neue Brücke — sie ist von den Vereinigten Nürnberg-AugsburgerMaschinenfabriken gebaut — macht der deutschen Technik alle Ehre. Fast um die Hätste breiter als die alte, ist sie mll ihrem Pslaster, ihrem doppelten Straßenbahn- gleis«, ihren breiten Gehlteigen und ihren Kandelabern der schönste Verkehrsweg Konstantinopels, es sehll ihr nicht- als 4 Rcihcn schattiger Baume. Aber trotz ihrer technischen Vollendung gefällt sie vielen Leuten nicht. Die wuchtige Eijenkonstruttion paßt nicht zu ber Iwchragcnben Walideh Tschamt-Moschee und dem allen Gemäuer auf beiden Ufern. Ta war die alte Brücke entschieden „stilvoller"; mit ihrem holprigen Belage, ihren ausgetretenen Gehsteigen, chren Bettlern und Hunden und ihrem not- büifiig durch Stricke und Traht zusammengchaltenen Geländer fügte sic sich altertümlich und wunderbar in das Stadtbild ein.
Mit der alten Brücke verschwindet ein Stück Konstanlinopelcr Leben und Geschichte. Sie war wirllich eine Berühmtheit und ^chensivürbigkeit. Unzählige Male ist sie von den R>.rsenden geschildert unb ebenso oft photographiert worden. Malerisch und tntercssant war sie sicherlich. Tas Menschen- und Wagenacwimmel aus ihr, bic mannigsachen Trachten uno Gesichter, die sich hier zu- lammenfanbtn, bie schöne Aussicht auf bic >vtabtteile zu beiden Zeilen bc-> Goldenen L>orns utu> mir d.i» Gewühl im Hafen. daS Ees gab cm Bild, wi. nun c» fcit.-n nicOerfmbel. Mll der alten Poesie hoben aber schon die 3unuerf-:t trilwene truigträumt, in
dem sie die Hunde und die Bettler beseitigten. In langer Reihe ^110 da: Krüppel, Lahme, Blinde, kleine Kinder, allen den ber Witterung ausgesetzt, int Sommer dem glühenden Sonnenbrand, int Winter dem eisigen Nordwind. Von dieser Ausstellung menschlichen Elends haben bie Türken bie Fremden enblich erlöst. Ganz besonbers malerisch war bic Brücke zur Zell der großen muhaminedanischelt Wallfahrt nach Mekka und Medina, wenn bic innerasiatischcn HabschiS in ihren langen, dicken Kaftanen, deren Aermel bis zum Boden reichen, ihren riesigen Pelzmützen und chren hier gekauften Regenschirmen darauf jerumlunaerten.
Tie alte Brücke war Zeuge manches Unglücks, manches Vev- brechens und vieler geschichtlicher Ereignisse. Die Zahl derer, die von der Brücke ins Wasser gefallen sind oder sich freiwillig bineingesturKt haben, ist groß. Einmal brachte eS ein blinder Bettler fertig, durch eine Unterbrechung im Geländer in- Wasser zu fallen. Ein anderes Mal stürzten einige 50 Kinder auf tüv mal hinein; sie hatten sich ans Geländer gelehnt, um Fischern zuzujehen, und diese- gab nach. Nur wenige hat man wieder hcrauSilschcn können. Somit größere Schisse in das innere Goldene Horn einfahren können, besitzen die Brücken eine auSsahrbare Ocffnung. Wenn die Brücke offen ist, ist natürlich der Verkehr unterbrochen. Wie oft ist e- oorgekommen, daß burdk fahrende Schiffe, von der Strömung auS ihrem Kur- getrieben, einen Teil der festen Brücke ntügenommen haben. Sann dauerte bie Unterbrechung beS Verkehr- immer einige Tage, unb alle Menschen mußten bann in Booten übersetzen, wobei eS mancherlei Unfälle gab.
Wie bie Brücke oerbnibet, so konnte sie auch trennen. Denn zu befürchten war, daß sich größere Bolksmassen von Stambul nach Galata und umgekehrt wälzen könnten, als der hoben Obrigkeit angenehm war, dann wurde einfach die Brücke geöffnet war z. B. der Fall, als zur Zell der Niedermetzelung der Inne* niet 1896 einige Tausend sanatischer Hoschas nack dem Judi» ziehen trollten. Schnell wurde die Brücke geöffnet unb ber Zug -um Sultan unterblieb. Auch am 13. April 1909, dem Tage ber Gegenrevolution, würbe bie Brücke geöffnet, um stambiu von Aalata-Pera zu trennen. Mll der Geschichte der „n«ie“ Türkei" ist die alte Brücke untrennbar verbunden. Sie sah die Freiheitskämpfer mit wehenden Fahnen, meuternde Soldaten obne Offiziere und bie rumelischen Truppen über sich wegzieheo, ^e dem hamibiscken Regiment vollenbs ben Garaus machten: dämm» baumcUen nm Stambuler Brückenkopf nenn Gehängte . . .
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'ft. D.e Maschm n o-em schlecht monner , o Tifieritei gelagert sind, segnet, daß in der neu bie Funbament« fui
piiegen.
-Semeinn. Baut m Hotel schütz tagende hiesigen Gemeinnutz/ i fi. mar zahlreich be,u üditte ben Geschästsben büß ber Verein zurzell 9; in Lachsen begriffen ist. Bfrein innerhalb der B ffbbafter Sympathie ersr gehe, baß verschiedene Ein unter Übernahme mehrer Seh. -ommerzienrat h e i Stiftung von 3000 Mar gjubt im Namen fämttid c Herrn Heichelheim tank ausspreche. Der 1. ^aftsführer Fourier, >m er einaehend die jän Slabt und Verein wegen ( t)n VedauungsMnen ufr dätz in aller Nrze die r-jntd durch bas Minist, ltck bald mit Erstellung terben könne, hierauf Lassenbericht. Der Ltai Uli mar; Aktiva. 1 Erlasse Gießen 4590.2 Hnf 3t.i27 Mk., wsammei » 't^mhaben der Mita
M., 3. vpezialreser konnte i priteiien, daß man mit llltstchtsrat allseilig eiiwe: jnitimmig Entlastung er te-VQmväItc Dr.
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