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Nr. 103
Erschetnt täglich mit Ausnahme bei Sonntags.
Die ..Gießener ZamlliendlSNer" werden dem „ilngeifler* viermal wöchentlich betgelegL das „Krtisblati für ben Kreta •leben** zweimal wöchentlich. Die „ranvwtrtlchaftllchen 6ett» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
162. ^rtljrgnng
Donnerstag, 2. Mai 1912
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesjen
Rotahonibrud anb vertag 6er 8r übllctfe*' Unwenitätfl * Buch- and SteinbvudcrcL 9L Lange. Dietzen.
Redaktion. DxoediNon und Druckerei: Schul strotze 7. Grpeöinon und Verlag: t>L
Redaktion: eay 112. Lel.-Adr^ AnzeigerDtetzen,
Mb Deutscher Reichstag.
52. Sitzung, Mittwoch, den 1. Mai.
Am Tische des BundcöratS: Dr. Solf.
Präsident Dr Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten und kündigt eine Adendsihung an. Der Kolonialetat soll biö spätestens Donnerstag abend erledigt werden.
Die Wahl des Abg. Kreth (Kons.) wird für gültig erklärt. Neber die Wahl des Abg. Haupt (Soz.) werden Bcweis- erhebungcn beschlossen.
Der Kolonlalefaf.
(Dritter Tag.)
Abg Dr. Paasche (9?afL):
Mit Ausnahme der Sozialdemokraten haben sämtliche Parteien des Hauses sich rückhaltSloS auf den Boden einer - digcn Kolonialpolitik gestellt. Diese Kolonialpolitik liegt auch im Interesse der Arbeiter. Darum sollten die Sozialdemokraten auch Mitarbeiten. (Abg. NoSke (Soz.): Tun wir ja auch!) Vorläufig stehen Sie noch zu sehr unter der Fuchtel der Radikalen.
Sie sollten doch auch anerkennen, waS in den Kolonien Gutes geschieht. Wir Nationalliberalen sind oft als Kolonialschwärmer hingestellt worden. Da freut eS und um so mehr, datz gestern auch Tr. Waldstem sich so kolonialfreundlich geäußert hat. Tie Freisinnigen haben jetzt dieselben Anschauungen über die Kolonien wie wir. Darüber freuen wir und ganz besonders. Wir werden mit den Freisinnigen Hand in Hand arbeiten für das neue Deutschland jenseits des OzeanS. (Beifall b.<b. gib.) Wir sind immer für Kolonialbahnen eingetreten. Eö ist erfreulich, daß gestern auch Herr Schwartze-Lippstadt für daS Zentrum sich in diesem Sinne geäußert hat. Vor einigen Lustren war es noch ein Ereignis, als Prinz Arenberg vom Zentrum denselben Wunsch äußerte. Mir wurde von sozialdemokratischer Seite vorgeworfen, ich hätte die Neger als Arbeitstiere hingcstellt. Diese Behaupturg ist illoyal. (Präsident Dr. Kaempf rügt diesen Ausdruck.) Ich bin immer für eine humane Behandlung der Neger eingetret.'n. Tie große deutsche Kulturnation ist verpflichtet, Kalonialpolitik zu treiben. Sie darf das nicht anderen Ländern überlassen. Die Masten der Arbeiter haben großen Vorteil von den Kolonien. Sie wisten ganz genau, daß wir ohne die Kolonien den amerikanischen Spekulanten in die Hände fallen würden.
Denken Sie an die Baumwollei Wir müssen noch viel mehr Geld hineinstccken. Wir brauchen die Rohstoffe für unsere In- buftric Wir dürfen nicht vom Auslande abhängig sein. Der Alkohol ist nirgends gefährlicher als in den tropischen Kolonien. Ta kann nicht streng genug eingeschritten werden. In Südwestafrika, der der,offen st en Kolonie, vertrinkt ein höherer Beamter bei bescheidenen Ansprüchen im Durchschnitt 8000 Mk. jährlich. Das ist nach amtlichem Material festgestellt. Diesen Leuten sollte man doch sagen: Hütet euch vor dem Alkohol. Also nicht nur den Negern sollte man den Alkoholgenuß erschweren, auch den Weißen. (Beifall.)
Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.):
Unsere neuen Kolonien am Kongo können sich nur rentieren, wenn wir auf Güterzufluß auS dem Kongogebiet rechnen können. Jetzt erhebt aber die belgische Regierung Zölle und Abgaben und nimmt die Hälfte des im Kongostaat erworbenen Elfen- beinS für sich. DaS sind grobe Verletzungen der Kongoakte. Was wird die deutsche Regierung dagegen tun? Auch Frankreich läßt sich in Französisch-Kongo Uebergriffe zu schulden kommen. Ich begrüße den Erlaß einer Jagdordnung für Ostafrika. Sie sollte für alle Kolonien gelten. Jetzt rottet man die schönsten Vögel grausam auS, z. B. den Edelreiher. Diesem Massen, mord muß Einhalt getan werden. Unsere kolonialen Rechtsver- hältnisse sind unhaltbar und verworren. Ein Kompetenzgesetz ist dringend erforderlich. Hauptsächlich die Anwendung teS Straf- rechts ist recht bedenklich. Jede Kolonie muß ein e i g e - n e 5 Verwaltungö- und Strafprozeßr.'cht erhalten, so schwierig das auch sein mag. Tie Regierung sollte einmal eine Statistik üb»r das Schulwesen in den Kolonien vorlegen. Nur 5 Proz. der Schüler besuchen die Regierungsschulen und 95 Proz. die Missionsschulen. (Hört! hört!) Welche Rechte der Aufsicht übt ter Staat auf die Missionsschulen auS? Nach welchen Grundsätzen bestimmt der Staat die Errichtung und Erweiterung der Regierungsschulen? Wie denkt der Staatssekretär die nötigen Lehrkräfte für die Schulen zu erhalten? Bedauerlich ist der starke Wechsel der Gouverneure.
Abg. Mumm (Wirtfch. Vgg.):
Welche Harmonie! Der Reichstag ist sich einig in der positiven Beurteilung unserer Kolonien. Nur die Sozialdemokraten stehen noch abseits. Sie werden auch so bald nicht mit» machen. Die Vorteile der Kolonien genießen sie aber schon jetzt. Vielleicht hat Herr Henke heute ein Täßchen Kakao zum Frühstück getrunken. Er stammt aus unseren Kolonien. Vielleicht hat Frau NoSke heute zum Fest des 1. Mai ein Küchlein bereitet, mit Pflanzenbutter aus unseren Südscckolonien. (Heiterkeit.) Durch die Vergebung großer Landkonzessionen hat man sich früher stark versündigt. Ter Redner fordert in einer Reso - I u t i o n, daß der A l k o h o l i m p o r t für den Konsum der einheimischen Bevölkerung stetig mehr eingeschränkt werde. D i e Brüsseler Konferenz zur Revision des afrikanischen Spirituosenhandels soll bald wieder zusammentreten. Die Regierung sollte sich mehr um bie Buschmänner kümmern, um die Aermsten der Armen. Einmütig erkennt der Reichstag den edlen Opfermut der Missionare an. Seiber kommt man b e n Moharnrnebanern z u weit entgegen.
Präsident Dr. Kaempf:
Gegen meinen Vorschlag, heute eine Abendsitzung abzuhalten, sind nachträglich Einwendungen erfolgt. Ich bin bereit, davon abzugehen, wenn Sie damit einverstanden sind, daß die heutige Sitzung bis etwa V28 Uhr ausgedehnt wird. (Zustimmung. Abg. Dr. Arendt ruft: Dis dahin redet Ledcbour?)
_ . Abg. Ledcbour (Soz.):
Nein, ich werde ganz kurz sein. (Lebh. Beifall.) erleben cS immer wieder, wenn neue Mitglieder ober neue Minister — bie finb viel häufiger neu als die Mitglieder — hier erscheinen; dann glauben sie uns Sozialdemokraten ^ute Lehren geben zu können. Der Staatssekretär, dem ich natürlich nicht größere Sachkenntnis beimesse als Herrn Wald- Itein, will uns nicht wie dieser 50, sondern nur 5 Jahre bis zu imferer Bekehrung zubilligen. Wenn er in SamoaS Fluren wan- Mte, Blumen im lockigen Haar (Heiterkeit; der Staatssekretär Ichüttelt verneinend seinen reichlichen Scheitel), dann hat er Wohl
die .Norddeutsche Allg. Zig.' gelesen (Der Staatssekretär schüttelt den Kopf) oder Blätter ähnlichen Kalibers und hat ta Bilder von uns Sozialdemokraten gefunden, scheußlicher, als die Kannibalen. Gewiß, wir bekämpfen die Kolonial, 'ttik, die Aneignung der Kolonien, die Unt.-rjochung fremder Volker die Ausrottung der Hereros — diese ganze kulturzerstörende Arbeit, die die deutsche ReichSverN'altung besonders in früheren Jahren geübt hat. Gleichzeitig aber arbeiten wir positiv mit, um daS Los der unterjochten Volker möglichst zu bessern.
Abg. Eolshorn (Welfe):
Gar zu optimistisch soll man die Baumwollkultur in unseren Kolonien doch nicht ansehen. Der Redner äußert sich hierüber.
Abg. Davidsohn (Soz.):
Neber die Antialkoholpropaganda haben die Herren Waldstein und Erzberger kein Urteil. Eine differentielle Behandlung der Eingeborenen von unseren kolonialen Beamten und Lffi- zieren usw. ift ganz unzulässig. In der Alkoholfrage kann man nur durch Vorbild wirken; fragen Sie nur die Missionare. Wir haben hunderte von Aerzten bereits, die als Absituenzler leben, nicht um ihrer selbst willen, sondern um auf die Umgebung in gleichem Sinne zu wirken. Noch weit mehr ist das dort draußen notwendig. Tropenkoller ist ja nur eine Abart deS Delirium tremens. Es beißt ja dort bei den Negern: er ist betrunken wie ein Weißer! Die Ansicht Erzbergers, daß der Weiße dort ohne Alkohol nicht auSkommen kann, ist längst widerlegt. Er möge mal bei dem Präsidenten Dr. P a a s ch e anfragen: Dessen Sohn h a t mit seiner jungen Gattin eine mehrmonatige Reise durch Afrika gemacht, ohne auch nur ein einziges Tröpfchen Alkohol auf dieser Reise mit sich zu führen. (Heiterkeit.) Darüber ist gar nicht zu lachen; er wollte gerade ad oculos demonstrieren, daß diejenigen Afrikareisenben Unrecht haben, bie behaupten, man könne nicht ben Einwirkungen bes tropischen Klimas monatelang wiberstehen, ohne für alle Fälle Alkohol mit sich zu führen. Lesen Sie ben zweiten Teil ber Resolution Mumm, ben auch Herr Ccrtcl unterschrieben hat (Heiterkeit), so verweise ich barauf, wenn ich auch gewiß dafür stimme, baß biese internationale Konferenzen wenig Erfolg haben. Jebenfalls soll nicht aus ber Rebe bes Herrn Mumm bie Doppelmoral, bie Anregung entnommen werden, etwa eine besondere Alkohollizenz für bie Weißen einzuführen. Unsere Beamten sollen Muster und Vordilber für bie Eingeborenen fein.
Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.) erklärt persönlich: Der Vorredner hat mich vollstänbig mißver- stauben, wenn er annimmt, ich wolle ben Weißen jeben Exzeß des Alkoholismus nachsehen; ich habe mich nur gegen eine Alles- ober Nichts-Politik gcroanbt.
Die Resolution Mumm lautet:
Den Reichskanzler zu ersuchen, 1. darauf hinzuwirken, daß der A I k 0 h 0 l i m p 0 r t für ben Konsum ber einheimischen Bevölkerung in ben deutschen Schutzgebieten stetig mehr eingeschränkt werde; 2. an seinem Teile darauf hinzuwirken, daß die am 5. Februar 1912 vertagte 23 r ü f feier Konferenz zur Revision beö afrikanischen Spirituosenhandels bald wieder zusammen- treie.
Die Resolution wird angenommen, aber in Nummer 1 das Dort einheimischen auf Antrag Davidsohn gestrichen.
Der Etat des Reichskolonialamtes wird erledigt.
Der Etat für Offafrika.
Eine Resolution ber Budgetkommission fordert die A b - s ch a f fsii u g der Haus s Haverei in Oslafrika vom 1. Ja- nuar 1920 ab.
Abg. Erzberger (Zentr.)r
Herr Henk« hat behauptet, Herr Rohrbach hätte in einem Buche geschrieben, die katholischen Neger beten das Marienbild an. Herr Rohrbach teilt mir mit, daß er das nicht geschrieben hat. In Herrn HenkeS Stenogramm steht nun auf einmal nur: „Tie Neger verehren das Marienbild." Ich habe mir das unlorrigierte Stenogramm geben lassen, und dort steht deutlich: „bete n". Nachdem ich Protest erhoben hatte, ändert also Herr Henke das Stenogramm. (Hort! Hort!),
Abg. Dr. Arendt (Rp.):
Hoffentlich zieht nun Frieden in Ostafrika ein. Wenn Ostafrika hochgelommen ist, so geschah das nicht durch, sondern trotz Herrn v. Rech enberg. Er hat die Entwicklung nicht geför- dert, sondern gehemmt. Ewiger Streit zwischen den Ansiedlern und dem Gouvernement war die Folge. Der Redner fordert die Aushebung ber Salzverbrauchsabgabe unb die Einführung einer neuen Währung für Ostafrika. Tie jetzige ist ganz verfehlt. Tie Zukunft ber Kolonie beruht daraus, baß bie Plan- tagenwirtschast gefördert wird, und daß Lstasrika mehr zur An- siedlungskolonie ausgestaltet wirb. Ter Reisbau muß gefördert werden. Für bie Neger sind bie Deutschen nicht bie Unterdrücker, sondern die Kultioateure. Sie haben bas Leben ber Neger erst auf eine menschenwürbige Stufe gebracht. Jede Kolonisation ist kapitalistisch. (Ab. Lebebour: China!) Wenn Sie China mit einem Negervolke vergleichen, bann haben Sie keine Ahnung von China unb von Afrika. (Vizepräsident Dove bittet, China aus ber Debatte zu lassen.) Mehr Bahnen! Wir müssen an den Victoria-Njansa heran. Notwenbig sinb Lehrfarmen. Tie wert- vollen Holzbestände müssen verwertet werden. (Ter Redner legt einen Bleistift aus deutsch-ostafrikanischem Zedernholz auf den Tisch des Hauses nieder.)
Abg. Henke (Soz.):
Herr Erzberger, wollten Sie mir eine Fälschung vorwerfen? (Abg. Erzberger: Nein! ncinl) Ich habe das Wort „anbeten'' in „verehren" umgeändert, nicht um Herrn Erzberger den Anlaß zu einer Polemik zu nehmen, sondern aus stilistischen Gründen. Mir ist es auch :m Traum nicht eingefallen, bie Missionare anzugreifen. Ich habe nur gesagt, sie pnb bie Pioniere des Kapitalismus. (Vizepräsident Dove ruft den Redner zur Sache.) Ich danke, Herr Präsident, daß Sie mich solange haben reden lagen; ich bin auch gerade fertig!
Abg. Erzberger (Zentr.):
Ich mache keinem Kollegen einen Vorwurf, wenn er im Stenogramm etwas ändert. Aber es ist etwas Ander:s, wenn sich gerade an diesen Punkt eine Polemik anknüpfte. Herr Tr. Arendt hat gegen den alten Gouverneur schwere Vorwürfe erhoben, ben neuen hat er im voraus mit Lobsprüchen bebacht. Er war da wohl sehr ungerecht. Ich wünsche bem neuen Gouverneur, baß er hier nicht so oft von Dr. Arendt angegriffen wird wie sein Vorgänger.
Abg. NoSke (Soz.):
Herr Arendt hat eine Phantasie entwickelt, die man beinahe orientalisch nennen könnte Äehnlich sein FraktionSkollege v. Lieben. Pardon, FraktionSkollege kann man ja nicht sagen, ba die Reichspartei ja keine Fraktion ist. «Heiterkeit links.) Die Weißen haben auch bie Seuchen nach Afrika gebracht: Typhus, Tuberkulose usw. Gegen bie Eingeborenen hat man eine mürbe- rische, barbarische Kriegführung angcwenbet. Dr. Arendt will eine Aenderung bet SiebelungSpolitik. Er hat den bisherigen Gouverneur hart angegriffen. (Abg. Ledebour: DaS nennt man einen Arendts- Fußtritt! — Heiterkeit.) Die große Mehrheit des Hauses würde energisch protestieren, wenn der neue Gouverneur sich in dieser Frage nach den Wünschen deS Dr. Arendt richten wurde. DaS Land soll ein Land der Negerkulturen bleiben Tie Regierung geht den richtigen Weg, wenn sie Baum- wollenl'aulehrer in die Kolonie schickt, damit die Neger Unterricht in diesen Kulturen erhalten.
Abg. Tr. Arendt (Rp.):
Eine Negerrepublik nach dem Wunsch des Abg. NoSke würde ber Kolonie nicht bienen; bie Weißen sinb al» Lehrmeister ber Schwarzen nicht zu entbehren. Tie Sozialdemokraten verurteilen unsere Kolonien, ohne sie zu kennen. ES ist doch etwas daraus geworden. WaS haben Sie über Südwest gesagt, wie haben Sie über ben Sanb unb bie Dattelkiste gelacht, unb nun sinb auf einmal Diamanten ba! (Heiterkeit.) Daß man von einem Lanbe, boppelt so groß wie Teulschlanb, sagt, baß eS nicht zu besiebeln ist, bas ist wiebec echt sozialdemokratische geographische Logik. Wenn Herr NoSke unS vorhält, daß wir keine Fraktion sind, so möge er sich bei seinen sechs Freunden im preußischen Abgeorbnetenhause erfunbigen, bie mit außerorbentlicher Eifer- sucht über ihre FraklionLrcckte wachen. Eine AuSbehming ber Urlaubszeit in Ostafrika ist durchaus möglich. Herr Noske will keine Bereicherungskolonie; ja, wir wollen ooch unseren nationaler Wohlstand heben. (Beifall.)
Abg. v. Böhiendorss'Eölpin (Qonf.)f
ES ist überaus wichtig für unsere Kolonien, daß man daS Kapital rosig stimmt. Verlieren will niemand; wir wollen eine recht lebhafte Beteiligung des Kapitals, desto mehr müssen wir ihm Vertrauen einflößen. Die ungünstigen Worte, die Herr Arendt über Herrn v. Reche 11 berg gesprochen hat, bedauere ich. Wir schließen uns voll dem an, was Herr v. Siebert in Würdigung ber wesentlichen Verdienste, die Herr v. Rechenberg für daS Gedeihen des Schutzgebiets hat, gesagt hat. Herr von Rechenberg ist stets geradeaus gegangen, bat nicht nach rechts noch nach links aeguckt. Daß ein so ernster Mann auch seine Feinde hat, gereicht ihm nur zur Ehre. Wir schließen unS jedenfalls seiner Anerkennung an. (Beifall.)
Die Resolution über die Aufhebung der HauS- f 11 a b e r e i wird angenommen.
Etat fflr Kamerun.
Abg. Noske (Soz.)
hält eine Rede über Kamerun. Die Selbstverwaltung ist auch nicht in bescheidenem Sinne gelost. Die Südfirmen wollen Herr im Lande bleiben. Da ist von Humanitätsbestrebungen sehr wenig die Rede. Ter Redner erkennt die Bestrebungen der Regierung zur Hebung der dortigen Landwirtschaft an, wendet sich aber dabei unter Bezugnahme auf die Handelskammer Südkamerun gegen die Bodenpolitik, die die Eingeborenen landlos mache. Der Kameruner Eisenbahngesellschaft seien so umfangreiche Landgebiete gegeben, daß von Verkehrsinteressen bei ihr nicht viel die Rede ist. Die Kautschukpreise und damit die Zahlungskraft und der Arbeitspreis der Eingeborenen wird von den Südfirmen künstlich niedergehalten. Die Pumpwirtschaft mit allen ihren schlimmen Folgen wird auch dort eingeführt. Tie Trägerordnung steht nur auf dem Papier. Der Redner spricht dann über die letzten Aufstände.
Abg. v. Liebert (Rp.) bedauert, daß der Staatssekretär ben Bahnbau für Südka rne« r u n abgelehnt hat. Dieses Land ist eines ber fruchtbarsten ber Erde. Tie Eingeborenen würden sich an eine Bahn heranziehen und Pflanzungen anlegen. Herr Noske hat gestern meinen Namen in Verbindung mit faulen Gründungen genannt. Ich gehörte früher zu den sogenannten Kolonialenthusiasten. Ich habe bann vier Jahre draußen gearbeitet. AIS ich mich in den Ruhestand zurückzog, habe ich mich mit ben wirtschaftlichen Fragen intensiv befaßt unb mich auch mit dem Gelbbeutel dafür interessiert und mich an einet Hanf-, einer Kautschuk- und einer Baumwollgesellschaft beteiligt. Ich habe nicht viel Freude daran gehabt und würde meine Aktien gern Herrn Noske überlassen. (Heiterkeit.) Aber das ist so die Art der Sozialdemokraten. Bringt eine Gesellschaft nichts, bann ist es eine faule Gründung! Bringt sie Divibende, bann ist es eine kapitalistische Grünbung! Ich verwahre mich gegen die sozialdemokratischen Vorwürfe.
Staatssekretär Dr. Solf:
Ick habe mich nicht grundsätzlich gegen eine Südbahn in Kamerun ausgesprochen. Ich bin nicht etwa gegen die Aufschließung ^deö Südens dieses reichen Gebiets. Ich will aber nicht nur eine Stichbahn, sondern eine große Zubringerbahn vom Jn- lande nach ber Küste. Wenn Herr v. Liebert es erreichen kann, baß bie Rentabilität ber Stichbahn garantiert wirb, würben wir bem Bau zustimmen. Aber biese Rentabilität erscheint nicht gegeben.
Tie Abgg. Dr. Arendt (Rp.) und v. Böhlendorfs (Kons.) verlangen bie Verlegung des Sitzes beS Gouvernements von Buca nach Tuala.
Staatssekretär Dr. Solf:
Buca bat große Vorzüge, auch gesundheitlicher Art. Tie Ar- beitsfreubigfcit der Beamten ist dort großer. Tie Gouverneure sind übrigens sehr beweglich unb reifen im Lande umher. Nach dem Ausbau ber Dahn wirb bie Frage weiter geprüft werden
Abg. Waldstein (Vp.) empfiehlt eine Kleinbahn von Duea und Tuala.
Staatssekretär Dr. Solf erklärt auf verschiedene Anfragen, daß eine Pferdezuchtstation ein« gerichtet werden soll. Unrichtig sei eS. daß ein Mohammedaner in einer Regierungsschule Religionsunterricht erteile. Er l.'hrt nur arabische Schrift.
Ginc Resolution, die auch für Kamerun eine Ein- ichränkung des Alkoholkonsums fordert, wird angenommen.
Tie Etats für Togo und Neu-Guinea werden bebattc- los erlebigt.
Tas Haus vertagt sich.
Donnerstag 1 Uhr pünktlich: Deiterbcrakuna, Aenberung der Geschäftsorbnuna.
Schluß 7 Uhr.


