LAMPE
OSRAM
Bestbewährte Glühlampe 70*» Stromersparnis Grand Prix Brüssel 1910 Durch die EektrUltXtswerke und Installation»- geschifte zu beziehen.
Aueriesellschaft, Berlin 0.17
**TageSkalender für TienStag, 19. März: Stadttheater: »Der Herr Senator.* Ansang 8 Uhr.
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Die Ausrollung der Kretafrage.
Konstantinopel, 18. März. DiePforte ist wegen der neuen Wendung der Kretafrage sehr besorgt. Sie protestierte bei den Schutzmächten gegen die Abschaffung des Exekutivkomitees, die eine Verletzung des gewährleisteten Statusquo bilde. Sie erklärte den Schutzmächten und Griechenland, das; die Entsendung der tretischcn Deputierten nach Athen die türkisch-griechischen Beziehungen e-r n st l i ch gefährden würde. Gerüchtweise verlautet, daß eine Schutzmacht den übrigen vorgeschlagen habe, die Verwaltung der Insel einer neutralen Regierung zu übergeben. .
** Dom Großh. Hof. Prinzessin Heinrich von Preußen ist n. d. Darmst. Ztg. gestern vormittag 8 Uhr 4 Min. mit dem Prinzen Sigismund in Begleitung der Hofdame Fräulein von Plänckner zum Besuch im Reuen Palais zu Darmstadt eingetroffen.
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Friedr. Speckhardt zu Wembach eine Lehrerstelle an der Gemeindcschule zu Seeheim, dem Lehrer Hch. Schwamb zu Höchst i. C. eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Nierstein. B e st ä t i g t wurde der von dem Fürsten zu Stolberg-Wernigerode-Gedern auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Votkartshain präsentierte Schulamtsaspirant Hch. Rabenau aus Kesselbach. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer Friedr. Frank zu Echzell auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Altenschlirf. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden.
" Aus dem Militär-Wochenblatt. Hupe, Oberlt. im 5. Großh. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 168, zur Kriegsschule in Hersfeld versetzt.
**DerVerband der hessischen ErziehungS- vereine wird seine diesjährige Hauptversammlung am 25. ds. in M ainz ab halten. Fräulein Dr. Kröhne, Wohnungsinspektorin in Worms, wird sprechen über: „Die Ursachen, welche zur Verhängung der Zwangserziehung führen".
*• Von der Jagd. DaS hessische Ministerium erläßt folgende Verordnung: Die Hegezeit für männliches Muffelwild beginnt mit dem 1. Februar und endigt mit dem 31. August. Die Hegezeit für weibliches Muffelwild beginnt mit dem 16. Dezember und endigt mit dem 15. September.
** Stadttheater. Die Novität der JreitagS-Abonne- mentS-Vorftellung, daSLusifpiel .Die fünf Frankfurter* von Karl Rößler, ist sicher das meistgegebene Stück des letzten Monats in deutschen Theatern gewesen. Von Bühnen, an denen die Novität in letzter Zeit gegeben wurde, seien erwähnt: Frankfurt a. M., Düsieldorf, Mainz, Bremen, Nürnberg, Prag und München. Wir entnehmen auswärtigen Besprechungen folgendes: .Die Plauderkomödie von den fünf Rothschilds ist wohl unstreitig daS Amüsanteste, was die Berliner Theatersaison biß jetzt hergegeben hat.* (B. Z. am Mittag.) — .Ein Lustspielgriff, wie ec glücklicher kaum gedacht werden kann.* (Nationalzeitung.) — .Nicht nur die Milieuzeichnung ist fein und intim geraten, auch die Charakteristik ist eindrucksvoll genug. Ueber dem ganzen Stück liegt ein Hauch kluger und verständnisvoller Menschlichkeit, dazu geschickte Handlungsführung und ein an guten Pointen reicher Dialog*. (Kl. Presse). — Am nächsten Sonntag abend wird als Benesiz für den verdienten Oberregisseur Bakof Karl SchönherrS Schauspiel .Erde* gegeben.
"Preisgekrönte Arbeit. Bei der von der Stadt Breslau zur Erlangung eines Plakates für die 1913 in Breslau stattfindende Ausstellung zur Jahrhundertfeier für die Freiheitskriege veranstalteten Konkurrenz wurden 671 Ent- würfe eingereicht und dabei Herrn Willy Woelke-Gießen ür seine Arbeit der 2. Preis zuerkannt.
- Sein 2bjährigeS Dienstjubiläum feiert am nächsten Donnerstag Eisenbahn-Unterassistent Tränkner (nicht Tränker, wie gestern mitgeteilt wurde) hier.
** HauSsammlung. Gegenwärtig wird hier die jähr- iche HauSsammlung für die Anstalt für Epileptische n Nieder-Ramstadt erhoben. Ueber 200 Epileptische auS Hessen von allen Gegenden, Ständen und allen Konfessionen unseres Landes finden in ihrem traurigen Leiden dort liebevolle Pflege und geregelte Arbeit, so daß sie zu frohen Menschen werden. Tie Anstalt reicht für die wachsenden Ansprüche nicht mehr au8 und bedarf dringend der Unter- stützung.
** Alkoholbekämpfung. An viel Elend nwrali* cher und sozialer Art ist dec M i ß b r a u ch d e s A l k o h o l s chuld. Von unserer evangelischen Gemeinde aus wird die Bekämpfung dieses Elends betrieben von einer kirchlichen Vereinigung unter dem Vorsitz von Pfarrer AuSfeld. Auch in Lberhessen verstreut finden sich ähnliche Vereinigungen. Um sie in^Fühlung miteinander zu bringen, war am eonntag eine Familienzusammenkunft veranstaltet, zu |)CT Wartburg-Verein seine Räume zur Verfügung gestellt h^/te. Nach einer Ansprache von Pfarrer Aus seid erfolgte Bewirtung mit Kaffee und Kuchen, darnach erzählle Bcll)nbeamler Muller Erlebnisse aus der Arbeit der -rrinkerrettung und Pfarrassistent Schorlemmer führte einige Wandtafeln zur.Alkoholfrage vor DaS Dankesworl inr die zahlreichen Gäste vom Land sprachen Pfarrer We- b e r - Langgöns und Pfarrer Schlosser- Rodheim a. d. H.
Berichtigung. In der gestrigen Konzenbesprechung smd mehrere sinnentstellende Truckfehler unterlaufen, die einer Berichtigung bebürien. In bet ersten Spalte muß e- Zette 18 von unten Begleitung anstatt Bebeutung, in der zweiten, Zeile 14 Dön unten,JB ergexftigung an flau Versteigerung und in der peile darüber weichliche und nicht reichliche heißen.
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Hauers belief sich 1909 auf 1556 Mk., 1910 auf 1589 Mk., 1911 auf 1666 Mk Aus diesen Zahlen geht hervor, daß im Ruhrkohlenbezirk eine Lohnsteigerung erfolgt ist, wobei bei den Zahlen zu berücksichtigen ist, daß sie die reinen Nettolöhne darstellen, da sämtliche Arbeitslosten, sowie die Beiträge für die Knapvic-^tskasse bereits in Abzug gebracht sind. In Oberschlcsien und im Saarbezirk sind dte röhrte wesentlich geringer gewesen. So betrug in Oberschlesien der Gesamtverdirnsl incs Arbeiters auf Die Gesrmt- belegschask gc-rechnet, für 1911^ nur 980 Mk. und *m Saar- bezirk für dasselbe Jahr die Summe von 1168 Mk.
Der Ausstand in England.
London, 18. März. Tie Angaben über die Zah! der beschäftigungslos gewordenen Arbeiter gehen weit auseinander. Die „Morningpost" schätzt sie einschließlich der Bergleute auf fast 1800000, die „Times" auf etwas über 1 340 000. Tie Gewerkschaften, deren Mitglieder gegen Arbeitslosigkeit versichert sind, werden bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach einer Berechnung der „Morningpost" hatten Die Gewerkschaften, abgesehen von den Organisationen der Bergleute, am letzten Samstag über zwei Millionen Mark an Unterstützungsgeldern zu zahlen.
Landkreis Gießen.
/\ Kl ein-Lind en, 18. März. Der KriegSveteran Anton Schäfer wurde gestern unter sehr starker Beteiligung beerdigt. Der Kriegerverein folgte in stattlicher Zahl dem Sarge, auf dem Friedhöfe wurde die übliche Ehrensalve abgegeben. Der Vorsitzende bc5 Kriegeroereins legte einen Kranz mit Widmung nieder. Auch der Kriegeroerein seines Geburtsortes Hörnsheim hat einen Kranz gewidmet.
s. Lollar, 18. März. Gemeinderatssitzung. Anwesend: Bürgermeister Schmidt, Beigeordneter Gerlach, die Gemeinderäte Ringleb, Forbach, Schupo, Schmitt, Römer und 5?et mann; als Vertreter der Äsenwerke Direktor Weber. — Tie Krank en lass en rech nun g für 1911 wird genehmigt. Den Einnahmen von 8311,69 Mk. stehen 6753,98 Ml Ausgaben gegenüber, so daß ein Ueberschuß von 1557,71 Mk. verbleibt Der Kassenvorrat beträgt jetzt 3500 Mk. — Tie Errichtung einer Bedürfnishalle an der Bürgermeisterei wird an den Bau- ausschuß verwiesen. — Tas Gesuch des Karl Meister um Wirtschaftskonzession wird genehmigt, da es sich um Uebernahme einer bestehenden Wirtschaft handelt. — TaS Gesuch des Ludw. Robr- bach VII. um Verlegung eines Feldweges wird an den Ausschuß verwiesen. — Tie Einpflanzung des Hochbehälters wird für nötig erachtet und genehmigt. — Zur Errichtung eines Lolchs für bu Freibank empfiehlt der Vorsitzende, das alte Spritzen Haus dazu Herrichten ’.u lassen. Gemeinderat Römer verliest die volizeilichen Bestimmunaen und erbietet sich, unentaeltlitb einen den Vorschriften entsprechenden Raum zur Verfügung zu stellen unter der Bedingung, daß er die ganze Verwaltung sowie die Einnahmen der zu zahlenden Gebühren übernehmen kann. Die Gemeinderäte Schupp und Schmitt sind gegen das Römersche Angebot und betonen, es wäre besser, wenn die Gemeinde freie Hand behalte und die Sache selbst übernehme. Schließlich wird die Sacke auf Antrag des Gemeinderats Ringleb vertagt. — Die Beschaffung eines Arrestlokals wird an den Bauausschuß verwiesen. — Das Baugesuch der Eisenwerke wird genehmigt. Es handelt sich um die Errichtung einer Bearbeitung.- w e r k st ä 11 e auf dem Werke.
X Treis a. d. L., 17. März. Die hiesige Pfennig- sparkaffe, deren Hauptversammlung dieser Tage m Benners Saal stattfand, hat im Laufe des JahrcS 1911 an Zulagen 1610,45 Mk., an Zinsen 184,76 Mk. vereinnahmt, zurückgenommen wurden 1528,27 Mk., so daß sich der Kapital- bestand Ende 1911 auf 4812,16 Mk. belief. Tie Zahl der Einleger betrug 174. Sie sind der Mehrzahl nach Schulkinder, die mit Hilfe ihrer Eltern wöchentlich einen Betrag zwischen 5—95 Pfg. einlegen, um baS angesammelte Kapital meist bei ihrer Konfirmation zur Anschaffung von Kleidungsstücken wieder zurückzunehmen.
-m. Hungen, 17. März. Unter einem großen Teil des hiesigen Rindviehs ist durch tierärztliche Untersuchung der Scheidekatarrh festgestellt worden.
Kreis Friedberg.
r. Reichelsheim i. d. W., 18. März. Sonntag, den 17. ds. Mts., sand die Gesellenprüfung im Orts, getoerbeberein unter dem Vorsitz von Metzgermeister Karl Sprengel II., hier, statt. Ihr unterzogen sich 17 junge Hand- werker. Gleichzeitig wurde den Prüflingen die praktischen Gesellenstücke aufgegeben. Sie sind bis zum 21. April abzuliefern. — Am 24. d. Mts. findet im Gasthofe zur Post eine Hauptversammlung der M o l k e r e l g e n o s s e n s ch a ft Reichelsheim statt. II. a. wird über die Errichtung einer Kühlanlage gesprochen. Aus der Jahresrechnung ist ersichtlich, daß im verflossenen Jahre von den 314 Mü- gliedern der Genossenschaft 1302135 Kg. Mllch an'geliefert worden sind.
Starkenburg unb Rheinhessen,
Darmstadt, 18. März. Generalmajor z. D. August v. Herff, der seit Jahren in Zurückgezogenheit auf seinem Besitztum in Seeheim lebt, langjähriger Flügeladjutant und Ordenskanzler des GroßherzogS, vollendet am 22. März w geistiger und körperlicher Frische sein 80. Lebensjahr.
rm. Darmstadt, 17. März. Zum Zusammenbruch des Nieder -Modauer Spar- und Dar- lehnvereins. Heute fand in Ober-Ramftadt eine Mitgliederversammlung statt, in der zunächst über die Tätigkeit des Sanierungsausschusses berichtet wurde. Danach könne bei gutem Willen der Fehlbetrag von e^er Million in folgender Weise ohne besondere Schwierigkeiten gedeckt werden. Durch die Erklärung der Sparern* leger, 20 Proz. nachlassen zu wollen, wenn eine gütliche Verständigung herbeigesührt wird, sind etwa 300OuO Mk. gerettet, weitere 330 000 Mk. wollen die Mitglieder des Vorstandes und Aussichtsrates zu Gunsten der Gläubiger decken, der Rest von 350000 Mt. könne durch Zeichnungen der Mitglieder der Kassen aufgebracht werden; cs seien schon 132000 Mk. freiwillig gezeichnet. Ein Darmstädter Bankhaus habe sich bereit erklärt, die ganze Aktion auszuführen. Glicht ausgeschlossen sei, daß trotzdem noch der Verband und die hessischen Kassen die Sache unterstützen. Einstimmig wurde eine Entschließung beschlossen, nach der bald in Tarm- stad t eine Versammlung stattsinden soll, in der unter Beteiligung aller in Betracht kommenden Kreise über die Vermeidung des Konkurses beraten werden soll. Zu dieser Beratung sollen außer den Mitgliedern, Gläubigern, Einlegern, auch die Regierung, Bürgermeister Müller-Darmstadt, Vertreter verschiedener Banken, der Verband, die Genossen- fchaftsbank, die Landtagsabgeordneten usw. geladen werden, in der sicheren Erwartung, daß unter Hintansetzung aller persönlichen Gegensätze bei ernstlichem Wollen das schwere Unglück auf ein Mindestmaß zurückgeführt werden kann.
rm. Darmstadt, 18. März. Tie Würde eines Docto r-Jugenieurs, ehrenhalber, wurde auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Chemie Regierungsrat Prof. Dr. Karl G r a e b e in Frankfurt a. M. in Anerkennung feiner ausgezeichneten Arbeiten auf dem Gebiete der organischen Chemie verliehen. — Die Eröffnung des neuen Hauptbahn h of es wird am 1. Mai erfolgen. Am Samstag, 27. .April, erfolgt die Schließung der seitherigen Bahnhöfe zunächst für den Güterverkehr. Ter Umzug der verschiedenen Abfertigungen nach dem neuen Hauptbahnhof erfolgt am Sonntag. Tie Eröffnung des Bahnhofes für den Güterverkehr einschließlich der Privat- anschlüsie und Lagerplätze wird am Montag, 29. Aprll, erfolgen. Am 1. Mai wird die Eröffnung des Hauptbahnhofes für den gesamten Verkehr, mit Ausnahme des Personenverkehrs der Strecken Tarmstadt—Wiebelsbach, Tarmstadt— Groß-Zimmern sowie des neuen Haltepunktes Darmstadt- Süd erfolgen. Ter Personenverkehr dieser Strecken verbleibt bis einschließlich 14. Mai in dem alten Hauptbahn
etwas tun. Don der Gunst des Bürgertums gewogen, soll es keine Armenbibliothek, sondern eine, jedem zugängliche gemeinnützige Einrichtung sein dazu helfend, daß unser ganzes Volk eine einzige geistige Gemeinschaft bilde. Dieses Programm sei nur zum kleinsten Teil erfüllt, aber man bestrebe sich, dem Ziel immer näher zu kommen. Die Ausstattung eines besonderen Kunstzimmers werde ein weiterer Stein m dem Ausbau sein. In der sich <nv= schließenden Aussprache teilt Oberbibliothekar Dr. Ebel mit, daß man beabsichtige, im Sinne des Rhein-Mainischen Verbandes Volksvorlesungen einzurichten, die auf breitester Grundlage stehend, die feste Organisation des Lesehallevereins hinter sich hatten. Privatdozent Dr. Vogt führt die Erfahrungen an, die er als Leiter der Arbeiterunterrichtskurse gemacht hat und die bis jetzt nicht gerade glanzend sind. Er ist aber mit den meisten andern Rednern der Ansicht, daß man nicht ruhen dürfe, bis man daS Vertrauen der unteren Volksklassen zurückgewonnen habe. Darauf schloß der Vorsitzende mit Worten des Dankes, die sehr anregend verlaufene Versammlung.
Deutsche» Reich.
Das Wiener „Fremdenblatt" erfährt, Kaiser Wilhelm werde am 26. Marz von Venedig in Brioni eintreffen, wo er eine Zusammenkunft mit dem Erzherzog Franz Ferdinand haben werde. Der Aufenthalt des deutschen Kaisers in Brioni werde einige Stunden dauern. Von Brioni begebe sich der Kaiser nach Korfu. — Nach einer Meldung des „Neuen Wiener Tageblatts" bat Kaiser Wilhelm Kaiser Franz Josef, ihn bei Ankunft ihn Wien nicht am Bahnhof zu erwarten und mit Rücksicht auf den streng privaten Charakter des Besuches ^on einem offiziellen Empfang und von der Zuteilung eines Ehrendienstes abzusehen.
Au» Statt und Cant.
Gießen, 19. März 1912.
Bürgertum und Volksbildung.
Die am heutigen Abeno von dem Bürgeroerein veranstaltete Bürgerversammlnng im Hotel Einhorn war schwach besucht, was wohl dem Umstand zugeschrieben werden darf, daß man nach den vielen Versammlungen und Festlichkeiten des vergangenen Winters allmählich anfängt, versammlungsmüde zu werden. Indessen verdienten die von den beiden Rednern vorgetragenen Gedanken und Anregungen der weitesten Verbreitung. Als erster Redner sprach der Geschäfisfülwer des Rhein-Maiiuschen Volksbildnngöverbands über das Tl)ema: Welck>es Interesse hat das Bürgertum an einer guten Vollsbiloun^.' Er legte dar, wie gerade das Bürgertum eü war, das zuerst Stadtschulen gründete, sogenannte Bürgerschulen. Aber auch die außerfchulmäßigen Volksbildungsbestrebungen, die in der Zeit des Rationalismus in der Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzten, sind von ihm gepflegt und gefördert! worden. Obwohl diese Bestrebungen durch Die politische und religiöse Reaktion des vorigen Jahrhunderts vielfach unterdrückt und wohl auch ganz beseitigt wurden, ließen es sich freie Mitglieder des Bürgertums nicht nehmen, Bürgcrbibliothelen zu gründen, und Vorlragsveranstaltungen in den Dörfern anjuregen, die aller- bingä mehr praktischer Natur und Landwirtsä/cht und Gewerbe zui unter,tüben bestimmt waren. Besonderes Verdienst erwarb sich in dieser Beziehung der sächsische Rentamtmann Preußler aus Grotzenhaiitick-en, der auch verschiedene Werke dieser Art ge- ichneben und darin feine Ansichten tnedergelegt hat. Die durch Raumer nach seiner Reise durch Amerika angeregte Gründung von vumboldtvereinen war ein weiteres Glied in der Kette. Der Vater des eigentlichen volkstümlichen Vortragswesens aber ist Roßmaßler, der durch seine in Frankfurt, Mainz und Wiesbaden gehaltenen popular-natunvissenschastlichen Borttäge der Begründer maniligsacher Volksbildungsvereine tourde. Die hohe patriotische Vegei,terung der 70 er Jahre vorigen Jahrhunderts führte zur Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung. Wahrend man aber dis dahin eine reine Wohlfahrtsarbeit geleillet und sich damit begnügt hatte, nur von oben an die tiefer stehenden Vollsklassen zu geben, beschritt man in letzterer Jbit euren anderen Weg. Man bot der reicher gewordenen Ar- b eit er, chast an, gemeinsam mit dem Bürgertum mitzuarbeiten und auch in der Verwaltung ein entscheidendes Wort mitzusprcchcn sr" l)au ,bamU anerkannt, auch die sozial ungünstig gesteltten >tta,ien haben cm Recht, Anteil zu nehmen an den ÜXilturgütern des. Volkes. In der Verfolgung dieser Besttebungen kommen dreierlei Heute m betracht: Vertreter des gelehrten Standes, die die laanvissenschattliche Arbeit zu leisten Haden, 'Vertreter der be- tttzenden Klasse und endlich Vertreter der organiiierten Arbeiterschaft rettens der Gelchtten hat man die Bedenken, die bei einer geinem,amen Mitarbeit am großen Werke der Volkserziehung anfangs gellend gemacht wurden, allmählich überwunden nicht so bei dem besitzenden Volk, bad sich Diel mehr beteiligen und be- fonberö auch durch Darbietung materieller Hilfe eingreifen müßte. Am meisten tut man m den Sheifen des bürgerlichen Mittelstandes, zunächst aus reinem beut|d)en Idealismus, sodann aus der mehr berechnenden Ueberjeugung heraus, daß der gebilbete Aideiter vermöge seiner größeren Intelligenz ein brauchbarerer leiltungegabigerer Mensch ist, als der stumpfsinnig dahinlebende.' £em Burgenum müssen die auf die Bildung der Massen gchenden Bestrebungen ficher zugute kommen und eS hat um so mehr Uriadjc, den Volksbildungsbestrebungen nach der eigentlichen Schul- Seit gesteigertes Interesse zuzuwenden, als es ja von Staats wegen gehalten ut, große -summen in den Volksiugendunterricht zu > n.,die imrzeit noch ungenützt bleiben. Ter breite Unterbau Der Volksbildung muß durch eine außerschulmäßige Bildung auS- vervollständigt werden, so daß jedem einzelnen die Möglichkeit geboten ist, ,einer Neigung und Begabung au sprechend den Berus auSzuüben, der seinen eigenen, sowie den allgemeinen Jnteresten am beiten entwricht.
$cr freite Redner, Dr. Fritzsche-Gießen lenkte die Ausmerk- tannen der Zuhörer aus em Unternehmen, das wie wohl kern zweites geeignet ist, bildend und veredelnd auf alle Schichten des HU wirken: auf die Lesehalle am Selterstor. Er zeichnete m klar durchdachter Welse die RickMinicn, von welchen em solches Unternebmcn getragen jein muß. Er legte unter Anlehnung an das Programm des Bürgervereins und Lesehallenocrelns dar wie man bei Gründung dieses Unternehmens davon ausarnq' die sozialen Gegentäpe mit Überdrucken zu Helsen, denn für ledert maim ohne Unlerichied des Standes und der Person will man


