Ausgabe 
21.6.1912 Erstes Blatt
 
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zu versorgen pat, für jedes weitere ftinb eine monatliche Unter­stützung von >echs Franks erhalten soll.

Nach einer in London eingegangenen Privatnachricht aus Petersburger Hofkreisen haben die Aerzte bei dem achtjährigen russischen Thron folger Alexis Knochen-Tuber­kulose am rechten Knie festgestellt. Er kann schon nicht mehr gehen. Auch besteht begründete Befürchtung, oaß das Uebel nie ganz beseitigt werden kann.

Die russische Duma hat die Flottenvorlage in der Fassung des Budgetausschusses, also mit Streichung von 71 Millionen für den Ausbau von'en, angenommen. Ferner wurde der Antrag des LktobristenführerS Gutschkow an­genommen, der die Regierung aujfordert, unverzüglich den Stand der Reichswehr zu Lande und die Bedürfnisse der Armee zu prüfen und die nötigen Kredite zu fordern, um auch diesen wichtigen Teil der Reichswehr auf die nötige Höhe zu bringen.

Vie Lage des Arbeitsmarties im Mai 1912.

Der Streik und die Aussperrung der Metallarbeiter in Frankfurt und Umgegend sind beigelegt worden. Tie Arbeits­zeit wurde auf wöchentlich 56 Stunden gegen 57 Stunden und mehr heruntergesetzt, außerdem wurde sämtlichen Arbeitern, die bis zu 45 Pfg. Stundcnlohn hatten, eine Zulage von 2 Pfg. ge­währt, für die handwerksmäßig ausgebildeten Lohnarbeiter wird diese von 2 Pfg. bis zu einem Lohnsätze von 50 Pfg. pro Stunde gewährt. Die Frankfurter Arbeitsvermittlungsstelle teilt mit, daß zum ersten Male ein Rückgang der offenen und besetzten Stellen gegenüber dem Vorjahre zu beobachten war. Auch das Arbeits­amt Mainz berichtet über ein geringes Nachlassen von Angebot und Nachfrage in der Metallbeacbeiiung und Masch nenindustrie. Der Ar­beitsnachweis in Offenbach teilt mit, daß die Kämpfe in der Metall­industrie mit die Vermittlungstätigkeit ungünstig eingewirkt haben, da die meisten Zirmen den städtischen Arbeilsnachiveis benutzen. Nach dem Bericht der Arbeitsvermittlungsstelle Worms ist die Geschäftslage seit etwa 3 Monaten unverändert geblieben. Bau­schlosser fanden meistens Beschäftigung, für Dreher und Maschinen­schlosser war wenig Arbeit vorhanden, dagegen waren Schmiede und Wagner sehr gesucht. Ein Bericht von Offenbach bezeichnet die Beschäftigung in der P o r t ef eu i l l e i n du st r i e als ziem­lich lebhaft. Für Sattler und Tapezierer auf Kundschaftarbeit war, wie Frankfurt meldet, reichlich Arbeitsgelegenheit vorhanden. Das gleiche wird aus Mainz und Worms berichtet. Der Arbeits­nachweis Worms macht noch darauf aufmerksam, daß ein großer Teil der Stellen nicht besetzt werden konnte, da die Leute ost nicht auf das Land wollten. Nach dem Bericht von Offenbach a. M. ist in einer Militäresfektensabrik wegen Tarifstreitigkeiten ein Streik ausgebrochen.

In der Industrie derHolz-undSchnitzstoffe war eben­falls der Besck)äftigungsgrad nach den vorliegenden Berichten über­all gut. Aus Frankfurt wird gemeldet, daß Möbelschreiner viel verlangt wurden. Der Holzarbeiterverband Darmstadt teilt mit, daß der Beschäftigungsgrad auf Möbel andauernd gut sei, daß für Bauschreiner durch die Fertigstellung des Bahnhofes ein kleiner Rückgang eingetreten sei. Da Ladenumbauten vollzo-.fen würden, sei Aussicht vorhanden, daß die Arbeitslosigkeit der Bauschreiner nur beschränkt fei. Unterstützung wurde nur an einen Bauschreiner bezahlt. Der Bildhauerverein Mainz berichtet von einem besseren Geschäftsgang. Nach Möbelschreinern war starke Nachfrage in Worms, die offenen Stellen konnten nur zum Teil besetzt werden. Auch an Holzküfern mangelte es.

Aus der Industrie der Nährungs-undGenußmittel wird von Kassel mitgeteilt, daß im Fleischergewerbe ein großer Ueberfluß an Arbeitskräften vorhanden gewesen sei, so daß viele von auswärts zugereiste Gesellen vergeblich um Arbeit zusvrachen. Der Tabakarbeiterverband in Gießen berichtet, daß die Kon­junktur sich etwas gehoben, aber den normalen Stand noch nicht erreicht habe, es sei aber eine weitere Besserung der Kon­junktur zu erwarten. Im Bekleidungs- und Reini- gungsgewerbe war der Besck>iftigungsgrad für Schnhmack)er und Sckmeider nach bni vorliegenden Berichten gut. Es herrsdste Mangel an Sdychrnachern. Nur die Arbeitsvermittlungsstelle in Frankfurt teilt mit, daß der Beschäftigungsgrad in der zweiten Hälfte nachgelassen habe. Die Nachfrage nach erstklassigen Ar­beitern blieb sehr lebhaft und konnte nur teilweise befriedigt werden. Aus Offenbach wird mitgeteilt, daß die Besckfästigung bei den Schuhfabriken mangelhaft gewesen und eine Verschlechterring eingetreten sei. Die Aufträge für die Frühjahrssaison seien fertig und Nackchestellungen liefen sehr wenig ein. Die Arbeitszeit nuißte in einzelnen Fabriken auf 7 Stunden verkürzt werden. Im Schneidergewerbe war der Geschäftsgang der gleiche wie im vorigen Monat; es fehlte wieder an jungen zugereisten Gehilfen. Tie Nachrichten über das Baugewerbe lauten wieder wie im Vormonat verschieden. Kassel berichtet, daß die Bautätigkeit immer noch sehr mäßig sei. Tic Baupolizei-Abteilung in Darmstadt teilt mit, daß die Bautätigkeit sehr rege sei. Die Bau summe aller im Mai genehmigten Bauten betrug rund 360 000 Mk Vom Baupolizei-Amt Ncainz wird mitgeteilt, daß die private Bautätigkeit noch sehr gering sei. Es seien nur drei größere Wohnhiuser angefangen, 5 seien nahezu fertig. Außerdem seien 7 Villen klei­neren Umfanges im inneren Ausbau begriffen und eine weitere Villa angefangen. Privatbauten dürften für dieses Jahr kaum mehr zu erwarten sein. Dagegen stehe die Ausfüllung umsang- r ei eher Militärbauten und Bauten des neuen ftäbtifdxn Kranken­hauses, sowie der Neubau des Realghmnasiums bevor. Franksurt teilt mit, daß für Bauschreiner und Zimmerer weniger Arbeits­gelegenheit vorhanden gewesen sei, da die Bauten noch nicht so weit gediehen seien, daß Zimmerer usw. Arbeit finden konnten. Sehr fdnoer hält eS, die zugereisten Arbeiter nach auswärts zu vermitteln, da die Leute mit Vorliebe in Großstädten arbeiten wollen, in denen die Arbeits und WohnungSverhältnifse besser geregelt seien. Auch der Kost- und Logiszwang auf dem Lande wache häufig Schwierigkeiten Die gleiche Beobachtung wird auch von dem Kreisarbeitsnachweis Wetzlar bestätigt, der mitt ei (t, daß die Leute nicht mehr gern in Kost und Logis bei dem Meister gingen. In einer Reihe von kleineren Städten war die Bau­tätigkeit ansdlinend gilt, wie z. B. in Bad Wildungen und Wetzlar. In Wildlingen befanden sich einige Privathäuser im Ban In Wetzlar ist namentlich infolge der Planierungen und durch das Grundansheben für die Nnteroffiziersdnile Arbeitsgelegenheit ge­boten. Bei der Talsperre in Hemfurth bei Wildungen arbeiten zurzeit über 1000 Mann. Zimmerleute ivnrbcn an kleinen Orten, wie in Wildlingen, vergeblich gesucht. Worms berichtet, daß nach Maurern und Tünchern sehr große Nachfrage geherrscht habe, die mir teilweise befriedigt werd « konnte. Bei den Zimmerleuten habe sich Angebot und Nachfrage »icmlid) ausgeglichen. Dam sd,reiner sanden meistens Besdwfligung Der Kreisarbeitsnachtveis Debra bezeichnet die Bautätigkeit als gering, ferner wird von dort von einem Streik der Maurer und Zimmerleute berichtet.

Im graphischen Gewerbe hat sich nach dem Bericht der Darifgcmeinfdxift der Budrdruckrr in Frankfurt a M die Arbeitsgelegenheit für Buchdrucker verschlechten, roäbrenb der gute Geschäftsgang in den Schriftgießereien anhielt.

Im Gast- und Schon kwirtschaftSgewerbe war dec Gesdraftsgang na di dem Bericht der Arbeitsvermittlungs- I teile zu Frankfurt günstig. 'MonberS stark war die Nachfrage nach Saalkellnern, jungen Hausdienern und Köchen, so daß nicht alle Aufträge erledigt werden konnten. Am Ende des MonatS machte fid) ein Mangel an besserem Personal aller Art be­merkbar, zugleid» aber auch ein Zuzug von .Wellnern. Aushilfs­arbeiten waren reichlich vorhanden, immerhin konnte ein Teil der Nachsuchenden nidü berücf)id>tigt werben Kassel meldet einen Mangel von 1518 jährigen Burschen für das Gastnnrtsgen'erbe und für häuslid»« Dienste. Für ungelernte Arbeiter bat sich der Geschäftsgang nach bem Bericht der Arbeitsvermittlungsstelle Frankfurt gehoben. AnSdüfSarb eiten von geringer Dauer werben fast gar Nicht mehr angeboten, da die Radlerinstitute diese fast ganz an sich gezogen haben. Das Arbeitsamt Mainz teilt mit, daß der Beschäftigungsgrad für ungelernte Leute verhältnismäßig günstig gewesen sei. Bon Worms wird das Gegenteil beriditet; ebenso war dort für Fabrikarbeiter wenig Besduiftigung vor Hauben. Eine interessante Mitteilung macht der KrciSarbeüs-1

nackweis Wetzlar, berjufolge der Berufswechsel außerordentlich stark ist. Der Ucbergang von gelernten zu ungelernten Berufen sei sehr häufig, besonders da zuweilen der ungelernte Arbeiter mehr Lohn erhalte als der gelernte Arbeiter.

In der Landwirtschaft war nach dem Bericht der Ar­beitsvermittlungsstelle Frankfurt der Beschäftigungsgrad nicht so günstig wie im gleichen Monat des Vorjahres. Es wird das zurückgeführt auf die Trockenheit, durch die die Feldfrüdrte in ihrer Entwicklung zum Teil zurückgeblieben seien. Arbeit'uchende waren 400 gci: *bct, während nur 182 offene Stellen vorhanden waren. Noch immer macht sich die geringe Nachfrage nackt Schwei zern geltend. Das wird darauf zurückgeführt, daß infolge der schlechten Futterverhältnissc der Viehstand verringert worden sei. Auch glaubt die Arbeitsvermittlungsstelle die Beobachtung gemacht zu haben, daß die Milchwirtschaft immer mehr von den Reuten Gütern auf die großen Güter übergehe, da diese anscheinend nur für die letzteren rentabel sei. Der Krcisarbeirsnachweis Dieburg berichtet von einem Mangel an jungen landwirtschaftlichen Knechten Auch das Arbeitsamt Mainz teilt mit, daß die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Landwirtsckmft sich verringert habe. Rach dem Bericht aus Worms fehlte es hauptsächlich an Knechten und jüngeren Arbeitern: rm übrigen sei das Vermittlungsergebnis im abgelaufenen Monat günstig gewesen. Bei der weiblichen Vermittlung wird wie immer über Dienstbotenmangel geklagt In der Abteilung für Lehrstellenvermittlung hat die Nachfrage nach Lehrstellen nach dem Bericht des Arbeitsamtes Mainz fast ganz nachgelassen.

Au» Statt Mitt Land.

,s ie' r n , 21. Juni 1912.

** Tageskalender für Freitag, 21. Juni: Vorstellung von Ben-Ali-Bey. Abends 8 Uhr in Steins Garten.

e

** Landesuniversität. Zu der am 1. Juli 1912 vormittags 111/4 Uhr in der neuen Aula statt findenden Feier des Jahresfestes der Universität ist folgende Festordnung aufgestellt: 1. Htfmne und Triumphmarsch aus der Over Aida" von G. Verbi. 2.Mit Jubelton erschall' der Lobgesang" aus der Kantate: Alexanders Fest von G. F. Händel. 3. Festrede des Rektors. 4.Vom Himmel kam Eäcilia" aus der Kantate: Alexanders Fest von G. F. Händel. 5. Sinfonischer Festmarsch von W. Löber.

Orücntzverlei düng. Der Großherzog hat bem Vortragenden Rat im Ministerium des Innern, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, Geh. Obermedizinalrat Pros. Tr. Lorenz zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen ver­liehenen Roten Adler-Ordens 3. Klasse erteilt.

"'Fachschulwesen. Der Großherzog hat den Bildhauer Alb. Bu r g h a r d t zum Hauptlehrer und Dirigenten der Fachschule für Elsenbemschnitzerei und verwandte Ge­werbe zu Erbach ernannt

** Kreisamtspersonalien. Ter Kreisamts- gehilse Nikolaus Fabian in Heppenheim wurde zum Lureauvorsteher beim Kreisamt Schotten ernannt, der Kreisamtsgchilfe Jakob Eisenhauer in Gießen wurde nach Heppenheim versetzt und der Bureaugehilse Mam Ge­trost in Friedberg wurde zum KreisLmtsgehilfen beim Kreisamt Gießen ernannt.

" Die Historische Kommission für Hessen wird ihre diesjährige Tagung am 29. Juni unter dem Vorsitz beS Ministers v. Hombergk in Alsfeld halten. Ter Stadt­vorstand hat ihr dazu den prächtigen Saal des neu her­gerichteten Rathauses zur Verfügung gestellt.

"" Die Flugpost ist bis Sonntag, 23. Juni, verlängert. Alle Luftpostkarten, die bis Samstag abend 12 Uhr in den Briefkasten kommen, werden in der nächsten Woche, voraus- sichtlich am Montag, durch die Luft befördert und als Luft- Postkarten gestempelt.

" Die Anlagemusik am Sonntag, 23. Juni, fällt au8.

** Ein Milchzug nach Frankfurt. Nach jahre­langem Muhen ist es gelungen, die Einlegung eines be­sonderen Milchzuges von Gießen nach Frankfurt zu erreichen. Der Zug, der früh 5.12 Uhr Gießen verläßt, hält auf jeder Station, erreicht Frankfurt vormittags 8.47 Uhr und beginnt seine Fahrten bereits am 1. Juli.

Landkreis Gießen.

8. Lolla r, 21. Juni. Der Radfa hrerverein Lollar 1895 feiert nächsten Sonntag fein 17jährigeS Bestehen durch ein Sommerfest. Festplatz ist die Schöne Aussicht. Morgens ist innerhalb des Vereins ein kleines Mannschaftsfahren ge­plant mit darauffolgendem Frühkonzert. Das Nachmittags- Programm bietet Abwechslung durch den Festzug, sowie Rad­fahrer» und Turnerreigen, GesangSvortrüge und Radfahrer- Pyramiden.

Kreis Alsfeld.

= Homberg a. d. Ohm, 20. Juni. In Schweins­berg auf dem Stanrmsitz der Freiherr v. Schencksck>cn Fa- mitte sind dieser Tage Pretiosen gestohlen worden, die einen großen Wert repräsentieren. Tas Hauptschmuck- stück ist ein Perlenhalsband, bestehend aus drei Reihen Perlenschnüren (etwa 165 Perlen), an dessen Enden sich je zwei Brillanten befinden, das allein einen Wert von mindestens 60 000 Mark hat. Weiter wurde ge­stohlen eine antike Schnupftabaksdose mit drei Teckeln. Jeder Deckel ist mit Perlen eingefaßt. Sind die drei Deckel geöffnet, befindet sich links eine kleine Uhr, rechts eine durch Uhrwerk getriebene kleine Schmiede. Der Wert dieses Objekts wird auf 10 000 M.rrk geschätzt Ein anderes Stück stellt einen goldenen Fisch dar. Die Angen bestehen aus Mhibinctt, der Kopf läßt sich öffnen. Im Innern des Fisches befanden sich ein goldener Zahnstocher und goldener Ohrlöffel. Ferner sind gestohlen: einTicktaler" vom Jahre 1540, auf der einen Seite das v. Schencksche Wappen (ge- streckter Löwe, darunter 4 Karos) imb das Fuldaer Kreuz, mehrere Orden, und zwar Johanniter-Ofden, Ludwigs- kreuz, Militär-Sanitätskreuz. die von einer Ordensschnalle abgerissen wurden, 18 silberne Fisckcheftecke ohne Zeichnung, ein goldener Ring mit blauem Stein, gez. 24. 2. 76, ein Trauring, gez. A. v. S., eine Heine chinesische Brosche aus Silber, chinesische Buchstaben darstellend, ein Kaiser Fried­rich-Zehnmarkstück, ein Fünf- und ein Zweimarkstück mit dem Bildnis Philipps des Großmütigen, ein Breslauer Jubiläums-Dreimarkstück und zwei KrönungZweimark­stücke, ein altes Kästckwn mit Glasplatte und geatztem Bilde, vermutlich den Turm von Pisa darstellend, zwei vergoldete Schlüssel, hessische Kammerherrn- und Wammer jun (er. Alussel, ein silberner Fingerhut und ein kleines schtrarzes Medaillon aus EmaiNe. Für die Herbeisckjaffung der ge­stohlenen Sachen ist eine Belohnung von 2000 Mk. ausgesetzt.

Kreis Lauterbach.

** Ein Stauwe iher im hohen Vogelsberg? Man schreibt uns aus dem Kreis Lauterbach Im Herzen des Oberwaldes sind in den letzten acht Tagen wiederum gemaltigc Wassermassen niedergegangen, die insonderheit das weite Auffallgebiet des Sc^varzbachö be­

rührten. Dieser ist mächtig angeschwollen und fährt rau. 'chend und brausend zu Tal. Ter rasche Ablauf der Wasser- mengen erklärt sich einesteils aus der tonigen, undurch­lässigen Beschaffenheit des Untergrundes (Bafaltverwitte- rung i, teils aus dem Umstande, daß bei der heutigen runst-Forstkultur überall Ablausgräben angelegt werden, die dem Verweilen des Wassers entgegenwirken: es ver- ufert nicht mehr auf den weiten Flächen, sondern schießt hindernisfrei in die Tiefe, dem Bache zu. Der Schreiber dieser Zeilen las kürzlich von schleusenartigen Abzugs­gräben, in denen ein Teil des Wassers verblieb, das damit Gelegenheit zur Versickerung fand. Dies ist m. A. be- wird er s dort wertvoll, wo Cu eilen zutage treten, ihr Lauf wird durch die Schleusengräben wesentlich verlangsamt, zum Nutzen einer weiten Umgebung, sofern diese nicht aus Sumpfland besteht. Kürzlich lhieß es, in Lauterbach wür­den behördlicherseits Berechnungen angestellt über die mög­liche Anlage eines Stauweihers im Hochtal des Schwarz­bachs. Es unterliegt keinem Zweisel, daß diese Anlaae reichen Segen bringen könnte. Zunächst würde der Grunv- ivasferstand im Talgebiet des Schwarzbachs, der spateren Altefell, bis nach Salzschlirf günstig beeinflußt, dazu träte eine Regulierung des Ablaufs, der den Mühlen talwärts zu allen Jahreszeiten das volle Betriebswasser sicherte, Ucberflutuligeu und ihren Schäden würde vorgebeugt Der Stauweiher selbst böte ausgezeichnete Erträge mittelst Fo- rellenzucht, die sich am besten bezahlt, auch Angel- und Rudersport bringen Einnahmen, und im Winter könnte der Eissport seine Keste feiern, in vielen Jahren wäre Eis- aewinnung mit Nutzen verknüpft. Zu alledem träte noch die Erhöhung laitdschaftlick^er Schönheit, ein Hochgebirgs- bild ließe sich schaffen, das Bewutrderung auslöste. Endlich wäre die Nutzung der gestauten Wasserkraft für die Er­zeugung elektrischer Kraft von Bedeutung auch in finait» zieller Beziehung!

Kreis Schotten.

N e u - U l r i ch st ei n, 20. Juni. Bericht des Ersten Aus- sdnisses-der Zweiten Kammer über den Verkauf des fiska­lischen Ho'fautes Neu-Ulrichstein an den Verein zur Beschäftigung Arbeitsloser für das Großherzogtum Hessen unb die Provinz Hessen Nassau, lautet in der Hauptsack>e: Der Verein hat auf bem fiskalischen Hosgut Neu-Ulrichstein als Päck/ter Ge- bäube-, llntcrfunfts- unb Verpflegungsräume im Werte von über 100 000 Mark auf eigene Kosten errichtet. Er hat ebenfalls auS eigenen Mitteln den größten Teil der Grundstücke drainiert unb das Gut auf einen vorzüglichen Kullurzustanb gcbrackü Ter Wunsch, dieses Gut käuflich zu erwerben, wird in erster Linie durch das Fehlen einer Wasserleitung zu einem berechtigten. Die hohe Lage der Wirtschaftsgebäude machte einen Anschluß an die Gemeinde- roafferlcihing in Dannenrod, die im Jahre 1911 gebaut wurde, unmöglich. Es mußte deshalb im vorigen Jahre mehrere Monate täglid) Wasser herbeigefahren werden. Auch zur Erlangung des jetzt fehlenden Feuerschutzes ist eine Wasserleitung dringend er- lorderlich, die nur durch Pumvanlage und infolgedessen mit einem größeren Kostenaufwande hergestellt werben kann. Trotzdem nun durch die Erbauung der Wasserleitung und Uebernahmc der Steuern und Abgaben sich der Verein als Eigentümer gegen den seitherigen Zustand finanziell verschlechtert, muß der Kaufpreis von 115 000 Mark als niedrig bezeichnet werben, der sich nur durch die soziale der ößentlichen Wohlfahrtspflege zugute Fonnneifbe Tätigkeit deS Vereins rechtfertigt. Bekanntlidr erhält et jäbrlidi zur Unter­stützung SOI 0 Mark aus Stiatsmittcln. Im Ausschüsse nmrbe von verschiedenen Seiten die Befürd)tting ausgesprochen, daß, wenn der Verein im Falle der Beräußening durch Parzellierung des Gutes einen höheren Kaufpreis erzielen könne, vielleicht dasselbe seiner jetzigen sozialen genieinnützigen Wirksamkeit entzogen werden würbe. Zur Verhütung einer eventuellen Weüerveräußerung würbe die Einfügung einer Beschränkung in ben Kaufvertrag etwa in ber Richtung empfohlen, daß der Staat als Erstkäufer zu gelten habe. Tic Mehrheit des Ausschusses teilte diese Bedenken nicht unb be­antragt Zustimmung zu bem Verkauf des Hofgutetz Neu- Ulrichstein.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 20. Juni. Ein Antrag deS Abg. Damm erstrebt die Einreihung der Stadt Friedberg in Klasse I deS WohnunqSgeldtarifL mit der Begründung, daß die in dem Entwurf der Regierung angegebenen Summen, die die Beamten Friedbergs für ihre Wohnungen aufzuwenden hätten, nicht den tatsächlichen Verhältniflen ent« sprechen.

h. Friedberg, 20. Juni. Unter dem Vorsitz deS Schlossermeisters K n i p p - Bud-Nauheim hielt der Ver­band der Gewerbevereine des Kreises Fried­berg hier eine gut beschickte Versammlung ab. Im Mittel­punkte der Beratungen stand ein Vortrag des DerbandS- revisors M a h r - Darmstadt überDas Verdin­gungswesen". Dem Vortrage schloß sich ein mehr­stündiger Meinungsaustausch an, an dem sich außer dem Vorsitzenden Knipp beteiligten: D o f f m an n-Bad-Nvu- heim, Füller-Friedberg. Becker-Rodheim, Grauer- Butzbach, Morsche l-Obcrmörlen, K u l l m a n n - Vilbel itnd Pauli-Heldenbergen. Man beschloß die Einsetzung besonderer Ausschüsse für jeden Gewerbe- verein, die das Verdi ngungs wesen über­wach eri sollen und jeden Verstoß der Zentralstelle anzu- zeiaen haben. Schließlich fand folgende Entschlie^rng Än- nahine:Der Bezirksverband Friedberg erachtet die vom 5>auptverbande aufgestellten Bedingungen für die Ver­gebung von Leistungen und Lieferungen als eine gute Grundlage für das Verdingungswesen und richtet an alte Staats- und Gemeindeverwaltungen und Privatunterneh­mungen das Ersuchen, diese Bestimmungen ihren Dcraebun- ßcn zugrunde zu legen, weil dieselben geeignet sind, den Klagen des Handwerker- und Osetverbestandes über MH- stände im Verdingungswesen Abhilfe zu schaffen."

L. Friedberg, 20. Juni. Die älteste Frau unserer ^tabt, die 91jahrige Frau Frick, ist g estorben.

x Bad-Nauheim, 20. Juni. Die erste italie­nische Nacht in dieser Saison sollte bereits vergangene Woche stattfinden, mußte aber der schlechten Witterung wegen noch abgesagt werden. Heule abend konnte sie nun bei prächtigem Wetter veranstaltet werden. Der ganze Park, Kurhaus, Terrasse und Sprudel uxnren in den ver­schiedensten Farben beleuchtet und machten einen bezaubern­den Eindruck. Eine tausendköpfige Menge hatte sich auf der Terrasse und im Park angesammelt.

= Nieder-Weisel, 20. Juni. Arn 29. Juni findet durch den Kreis-Ziegenzuchtverein Friedberg in unserem Orte eine Ziegenprümiterung statt, an die fid) ent Zicgenmarkt anschließt. Don dem Kreisamt ist bereits die Genehmigung erteilt und der Abhaltung des ersten Oberl/essischen Kreisziegenfestes steht am Sonntag,30. Juni, nichts mehr entgegen.

Hessen-Nassau.

h. Frankfurt a. M., 20. Juni. Die Staatsanwalt­schaft zu Darntstadt hat auf die Aburteilung des Tochtermörders Ä och aus Bergen nunmehr Verzicht ge­leistet und die Angelegenheit der .Hanauer Staatsanwalt- schäft, die für Beraen zuständig ist, üoerwiesen. Koch wird noch in dieser Woche nach Hanau überführt. Die gestern

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Leipzig, 20. £ kjt vormittag der ).ufr Anton Ni lüi 1911 versucht z v aut einen Teil bf lai&men, um sie ei !tmg des Rechtsanl der Verhandln rttag5 wurde das X. Btgai versuchten Ver > fahren Zucht! Beurteilt. Sechs «tchnet. Nicolas heran, um für ddschasten. Ein So mb verschaffte ihm 1 idi

(m) Osfenba |tium eines Kni jffenbacher Schöffe »ende Ehefrau Tb <m 15-jährigen T tot, hatte sortgese V grausamster We h-r .'ileine am ga iwtte und mi6erben Vartnrium b& Sir ck bei feinen Groß, -ölnger Bruder die Äatte. Das Heriä ikouaten Gefangni

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