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Brüsten mit Ser großen Stimmzettelzahl schon aufhören. Jede große, das Volk bewegende Frage stellt Sie vor die Alternative, entweder auf einen Teil Ihrer Wahlstimmen, oder einen Teil Ihres ausschweifenden Programms zu verzichten. (Sehr richtig! rechts. Lachen b. d. Soz.) Meine Herren, warum erregt das Ihre Heiterkeit so? Seien Sie doch einmal ganz offen: Auf Ihrem letzten Parteitage und während der letzten Wahlen sind Sie sehr vorsichtig gewesen, Ihre antinationalen Tcn- denzen nicht in den Vordergrund zu stellen. (Lärm bei den Soz.) Meine Herren, daß das deutsche Volk antinationalc Ten. denzen nicht verträgt — (großer Lärm ltnkS, Zurufe), dann will ich also sagen, Ihre internationalen Tendenzen, dann werden Sie mir zugeben, daß bei der Stimmung, in der das deutsche Volk sich befand. Sie damit nicht rechnen konnten. Und, meine Herren, der Glaube, daß Ihre 414 Millionen Wähler mit Ihnen Todfeinde diese» Staates und dieser Gesellschaft seien, das ist ein Zweifel an der gesunden Kraft unseres Volkes, der nicht gerechtfertigt wird durch die Fortschritte auf allen Gebieten, die unsere Nation gemacht hat, und der keinem beikommen kann, der unser Volk liebt und achtet. (Beifall, Zurufe links.) Meine Herren, ich kann aus den gegenwärtigen Zuständen nur die Konsequenz ziehen, daß die Regierung fest auf ihren eigenen Füßen stehen muß. (Lachen d. Soz.) Und das es da kein Schwanken gibt!
Sie, meine Herren Sozialdemokraten, und Ihre nächsten Nachbarn (Heiterkeit rechts) halten die unsichere politische all- gemeine Lage für den richtigen Zeitpunkt, um unser demokratisches Wahlrecht noch weiter zu demokratisieren und um durch eine Erweiterung der sogenannten konstitutionellen Garantien unsere Ncichsverfassung von Grund aus zu ändern. Zu einer weiteren Demokratisierung unseres Wahlrechts und zu einem Angriff auf die Grundlagen der Ncichsverfassung werde ich die Hand nicht bieten. (Lebhafter Beifall rechts.) Unser Wahlrecht leidet an vielen Mängeln. Daß wird von allen Seiten zugegeben. Die Riesenkreisc, die mit dem Durchschnitt nicht mehr im Verhältnis stehen, mögen ein solcher Mangel sein. Mer es gibt mich noch andere Mängel (Sehr richtig!); z. B. die Moral oder vielmehr die Unmoral der Stichwahl. '(Sehr richtig!) Wir haben es so oft erlebt, daß eine bürgerliche Partei bei Stichwahlen in den meisten Wahlkreisen vertragsmäßig mit den Sozialdemokraten gemeinsame Sache machte (Hört, hört! rechts) und daß dieselbe bürgerliche Partei in anderen Kreisen es als einen Verrat am Vaterlande und am Staate brandmarkte, für
worden auf den großen Komplex von Fragen, die mit den Macht, faktoren im Zusammenhang stehen, welche das KoalitionSrecht der industriellen Arbeiter in unserem wirtschaftlichen und sozialen Leben neu erstehen lassen. ES ist hingewiesen worden auf eine Verbesserung unseres Steuerwesens durch Monopole. Meine Herren, nicht olle diese Aufgaben gehören zur Kompetenz dieses Reiches; aber sie alle sind von gewaltiger Wichtigkeit für die Zu- fünft unseres Volkes, und wenn ein großer Teil von diesen Aufgaben auch noch nicht reif genug ist, um die Lösung sofort in die Hand zu nehmen, so wird einem arbeitSfrohen Reichstag doch nicht bange zu sein brauchen um Arbeitslosigkeit und um Stagnation; auch dann nicht, wenn diesem Reichstag gegenwärtig nur ein Pen. sum vorliegt, das in den zu gewärtigenden Heeresvorlagen und dem Staatsangchörigengesetz, in der Wirtschaftspolitik nicht wesentlich neues bringt.
Aber, meine Herren, das Eine muß ich wiederholen: Dir werden diese große Aufgabe nur lösen können, wenn d a S Bürgertum des alten Haders vergißt, wenn c3 bereit ist, an die Erreichung großer Aufgaben auch große Mittel zu wenden,, wenn es entschlossen ist zur V e r t e i. d i g u n g der hohen Güter, die wir in unserer bestehenden Staatsordnung besitzen, und wenn es sich bewußt bleibt, daß daß ganze Bürgertum zugleich die Interessen praktisch zu vertreten hat, mit denen die Millionen deutscher Arbeiter an das Vaterland gefesselt sind. (Beifall rechts.) Meine Herren, das Deutsche Reich kann weder reaktionär noch radikal regiert werden. (Große Bewegung.) Wer daS versuchen wollte, der würde den besten Teil des Volles von der Mitarbeit ausschließen. (Unruhe und Lachen der Soz.) Wenn von der einen oder anderen Seite die Gegensätze zwischen den bürgerlichen Parteien höher bewertet werden als die Gegensätze zwischen dem Bürgertum und der Sozialdemokratie, dann wird der Gegensatz konservativ und liberal vernichtet. Dieser Gegensatz ist notwendig und heilsam. Unheilvoll ater wäre eS, wenn wir unsere Politik nach den Polen: Sozialdemokrat oder Reaktionär orientieren wollten. Ich würde gegen diesen Gegensatz mich stets mit aller Entschiedenheit aussprechen, ob es den Ultras recht ist oder nicht. Unser wirtschaftliches und geistige- Leben erfordert die Anspannung aller Kräfte unserer Nation. In früheren Epochen unserer Geschichte wag Zeit gewesen sein für quell es allemands, heute nicht mebr. Ein Staat, der seine Tüchtigkeit durch U n. einigkeit lähmt, den wird die Weltgeschichte erbarmungslos zu Boden treten. (Lebhafter Beifall rechts.)
den Sozialdemokraten zu stimmen. (Lebhaftes Sehr richtig!)
Herr von Pahcr ist so sehr böse gewesen über die „Nord- deutsche Allgemeine Zeitung". Nun, die Wahlleitung in dem betreffenden Berliner Wahlkreise ist gar nicht bestrebt gewesen, ihre Wahlflugblätter geheim zu halten, ober hat sich gar der Ausdrücke darin geschämt. Ich war selbst Wähler in diesem Wahlkreise l Heiterkeit und Hört? Hört!), und jeden Tag bekam ich an meine ciflcne Person adressierte und verschlossene Kuverts mit Fünf. Pfennig-Marke beklebt, darin waren diele Wahlflugblätter (Heiterkeit), also ich sollte mir diese Wahlflugblätter zu Gemüte riehen (Heiterkeit). Man batte seine Zweifel an meiner Ge- I'iinungstuchtigkeit bei der Wahl zwischen dem Fortschrittsmann und einem Sozialdemokraten. (Große Heiterkeit.) Nach dieser kurzen Abschweifung —: Ich sagte, unser Wahlrecht hat seine Mangel; ich nannte die Stichwahlen; nenne die mangelnde Vertretung der Minoritäten an alle die Schäden, welche überhaupt aus einer Ucbertreibung des nackten Zahlenprinzips hervorgehen. lAhal links.) Ja, meine Herren, wenn Sie alle die Schäden mit- heilen wollen, dann läßt sich ja über die Sache reden. Mer ich glaube, m. H., wer an diesem Wahlrecht andere Mängel als die der zahlenmäßigen Ungleichheiten entdeckt und offen bekennt, der wird als ein Staatsverbrecher verfemt. Und nur wer dem Götzen der reinen Zahl huldigt, der ist ein Volksfreund.
Meine Herren! Sie wollen dann weiter die verfassungsmäßige bestehende politische Verantwortlichkeit des Reichskanzlers unter eine rechtlich wirksame Aufsicht des Reichstags stellen. Ich habe bisher nicht ßetoufet. daß in der Geschichte des Deutschen Reichstags je ein Fall vorgekommen wäre, wo das Fehlen der Befugnis des Reichstags als ein schwerer politischer Mangel empfunden worden wäre. (Sehr richtigl rechts.) M. H.l Der Antrag ist eine Geburt der Doktrin. (Sehr richtigl rechts.) Er Ut gewissermaßen die Bewilligung von Parlamentsrechten auf Vorrat. Von praktischem Wert könnte die Sache nur sein als r J t ° U f b< m Wcge zur P a r l am e n 18 h err- lchaft. M H., nur ein vom Kaiser und König von Preußen abhängiger Kanzler ist das notwendige Gegengewicht gegen daS freieste aller Wahlrechte, das seinerzeit vom Fürsten Bismarck nur unter der Voraussetzung gegeben wurde, daß Bundesrat und Reichskanzler ihre Selbständigkeit behaupten. (Sehr richtigl rechts.) Der Wahlsieg der Sozialdemokraten und die Un- k acheit der Orientierung der bürgerlichen Parteien untereinander stt kein Grund für, sondern nur ein Grund mehr (Lebhafter Bei- fall rechts), gegen alle Versuche, die Kompetenzen zwischen Kaiser und Reich, zwischen Bundesrat und Parlament zu verschieben. (Beifall rechts, Zuruf v. d. Soz.: Nun gerade nicht!) Nun gerade nicht — ,st ein Ausdruck, den ich auf diese Beweisführung nicht gerade anwenden wollte; aber ich will Ihnen einen anderen , rr“nl> fa06”'. toe8f)aId ich mich auch dagegen ausspreche. Mit solchen Experimenten, mit solchen theoretischen Demonstrationen ycilen Sie nicht die Schäden unseres politischen Leben«. (Zuruf v. d. Soz.: Die werden Sie heilen!).
Abg. Mumm (Wirtsch. Dgg):
tv- ^^'aldemokratie setzen tvir die Sozialrcform entgegen. 3™ "lel Mannhaftigkeit. 116 Millionen haben
bic christlichen Arbeiter aufgebracht. Das ist ein Hoffnungsstrahl, ^or dem Richterstuhl der Geschichte werden diejenigen Parteien, oie Dem Reiche die notwendigen Mittel verweigerten, dereinst da-
In allen Schichten unsere» Volke» und, wie ich glaube, in allen Parteien steckt tief die Sehnsucht danach, unser StaatSleben mit großen Aufgaben zu erfüllen (Zustimmung), Ziele zu zeigen, uni deren Erreichung sich der Kämpf lohnt (Sehr richtig!), die uns zwingen, unsere Blicke abzulenken von den widerwär. *,0C" Zänkereien der letzten Jahre (Sehr richtig! rechts), sie wieder nach vorwärts zu richten. (Die Sozial- de.nolraten nehmen daö Wort „vorwärts" auf und rufen e» . PcichSkanzler mit höhnischem Gelächter zu.) Diese Aufgaben, meine Herren, Hegen aber nicht in der Richtung einer weiteren Demokratisierung. (Beifall rechts, Gelächter auf der Linken.) Und "och eins mochte ich den Theoretikern zurufen: Deutschlands Loge in der Welt ist nicht unangefochten genug, als daß wir Organisation verzichten könnten (Sehr richtig! «h h ' bcrj^ncbc 'n Europa ist niemals mehr gefährdet gewesen, dann wenn Deutschland in Desorganisation verfiel (Sehr rua-igl rechts), und da» Vaterland war es, daö bann mit einer Gwbufee an Macht, «" Ansehen und an Kultur büßen mußte, (^ebr richtig! recht».) Wir brauchen eine Festigkeit und Stetigkeit in unserer Politik ohne Extravaganzen nach recht» und nach links (Unruhe links, Rufe recht»: Rübe!)
Wir haben noch keinen Mangel nn Aufgaben, gestern ist von verschiedenen Rednern den Sätzen der Thronrede über die Sozial- Politik eine weite Interpretation gegeben worden, mit vollem tft hmgewiesen worden auf die Notwendigkeit, die selbständigen wirtschaftlichen Existenzen des Mittelstandes zu er. halten unb zu vermehren (Beifall rechts und im Zentrum und auf ben Banken der Linken). Es ist berührt worden die WohnungS- frage, die Frage der inneren Kolonisation. Es ist hingewiesen
~ Der Redner fordert eine starke O st m a r k e n v o l i t i k. Das wichtigste Ereignis dieser Etatsberatung war die gestrige Erklärung des Reichkanzlers über England. Die V e r st ä n - drgung m rt England wird möglich sein, wenn man unS in ßao n 5- Großmacht respektiert und allmählich einsieht, daß ’ h Ü mP!5 fnr Ä? Raum bietet. (Zuruf von den Polen: Auch für
<E* Polen kommen für diese Frage nur insofern
1," Betracht, als sie vielleicht alles tun werden, um diese Ver- tandigung zu hintertreiben. (Widerspruch bei den Polen und
•^?n^1?1VfTc,nr,bic englischen Minister Reden vermeiden, v'euc'.cht nicht so schlimm gemeint werden, aber doch bei uns D verstimmt haben. Die Öffentlichkeit bat sich gerade in den h?fcten Zähren weit kriegerischer gezeigt, als die Kabinette. Die Engländer haben weniger Respekt vor ben deutschen Arbeiter- batcnllonen als vor ben Gardebataillonen. In der Steuer- ■;r®0c >°U,doch endlich einmal Ruhe eintreten, auf Jahre ,°or0£cn ptfer daß wir bei der Finanzreform gebracht haben. (Lachen links.) Sollte eine neue Steuer not- jenbifl werden, so käme in erster Linie eine Zuwachs st euer a u r a « m o B 11 e Kapital in Frage.
. rfjaftsfte u er hat im Wahlkampf nur deshalb
eine solche Rolle gespielt, weil dir Leute darüber angelogen worden b°? die Besteuerung des „reichen Onkels" besteht. (Beifall und Unruhe.) Meine engeren Parteifreunde haben ja I“? biec ?AA^jteuec gestimmt, wir sind also objektiv. Ich be- dauere lebhaft, daß bei bet Reichsfinanzreform keine Verständi- gimg mit den Nationalliberalen zustande gekommen ist; bann wäre * - 9 " " b B oj 3 ft e u e t vielleicht vermieden worden, eine der tot ich sten Steuer n, die es gibt, die bei weitem nicht so viel Ertrag bringt alö Verdruß und Aetger. (Sehr richtig!) Mit der Scheck steuer steht es nicht ganz so schlimm; vielleicht batte fonft perr Bassermann doch seine Divibendensteuer hervorgeholt, v Efe lvie sind nicht so schlimm, wie wir uns alle bei den Wahlen gegenseitig gemacht haben. (Heiterkeit.) Mit den Sozialdemokraten ist ja auch in Steuerfragen eine Verständigung nicht möglich; denn sie treten ja außer für die Erbschaftssteuer, die pe aber doch schließlich ablehnen würden (Widerspruch der Soz.), nut für eine Vermögens- und NeichSeinkommensteiier ein; daS widerspricht aber her Verfassung.
Der Liberalismus ist auS dem Wahlkampf geschwächt an ^ahl und Ansehen hervorgegangen; seine innere Zerklüftung bat sich recht deutlich bei der Präsidentenwahl gezeigt, und dabei b""lt ein Mitglied des Zentrums zum Präsidenten ge- wählt! DaS Zentrum in diesem Reichstag, stärker als im vorigen, unb daS durch die Schuld des Liberalismus, mit dem wir sonst gern zusammengeyangen wären. Bei der positiven Arbeit sind wir m^.r "IS früher auf das Zentrum angewiesen, auf eine solche bei der Sozialdemokratie ist sicher nicht zu rechnen. Wenn der Abg. Junck das Wort, die Entwickelung steht nicht still, auf die Sozialdemokratie anwendet, warum soll es dann nicht für bm Kanonalliberalen gelten? Wenn die Sozialdemokratie natio- nalliberal werden soll, ist baß nicht der rechte Augenblick Leiter. Jeit). Hn ber Biömarckschen Schutzpolitik halten wir imbebhmt fett. Eine unverzeihliche Schwäche ist eß, baß man einen Staat im Staate, wie die Sozialdemokratie, hat aufkommen lassen. Sie steht außerhalb ber Parteien, weil sie die Verfassung nicht ^erkennt. Ihr Anspruch auf einen Präsibentenposten ist abo bmranifl. Wir sind eine kleine Partei, eine Fortschrittspartei auf tonferoat’.ber Grundlage. Die Zukunft gehört uns. (Beifall b. b Reichspartei, Heiterkeit links.)
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Abg. Fürst Radziwill (Pole)?
e Unsere Fraktion muß selbständig Vorgehen, denn sie findet bei keiner Partei die notwendige Unterstützung, bei der Regierung fefton gar nicht. Wir vertreten die Interessen der polnischen Be- volkerung, die treu zur Kirche und zu der von Gott eingesetzten Obrigkeit steht. In der zivilisierten Welt muß ein Sckrei der Ent- rustung laut werden über die Art, wie man in Preußen der polniichen Bevölkerung das Wohnen auf der heimischen Scholle erschwert. Die Wehrvorlagen werden wir gewissenhaft prüfen und daS bewilligen, was von uns als notwendig anerkannt wird. Die soziale Fürsorge muß im Geiste der Gerechtigkeit fortgeführt werden.
Abg. Dr. Arendt (Rp.)r
Die bedeutende Rede des Reichskanzlers hat mit erfreulicher Deutlichkeit gezeigt, daß die verbündeten Regierungen gewillt sind, mit aller Kraft der weiteren Demokratisierung des Reiches ent- gegenzutreten. Das erfüllt uns mit lebhafter Genugtuung. Wir werden mit dem Kanzler für die Aufrechterhaltung der kaiserlichen Macht Eintreten. Seinem Aufruf zur Einigung der bürgerlichen Parteien schließen wir uns völlig an. (Hurrah-Rufe links.) Wir hoffen, daß diese Rede einen starken Eindruck im Lande'machen wird.
Gegenüber den Militärvorlagen gibt eß nur zwei Stand- ' punkte: Entweder man hat (Vertrauen zur Militärverwaltung, ' ""b dann muß man ja die Forderungen bewilligen. (Hört, hört!) Und ich glaube, unsere Militärverwaltung hat, wo sie in der Lage , ist, die Tüchtigkeit unserer Armee zu zeigen, sich da» Vertrauen verdient. Oder man hat kein Vertrauen, dann muß man logischer- njeifc die ganze Militärvorlage ablehnen; denn einer Verwaltung, 3U der man fein Vertrauen hat, kann man nicht Milliarden an» vertrauen. (Hört, hört; und Bewegung.) Das Rückgrat l1 ‘l * eidiguny ist schließlich doch die Landarmee,
daß Schicksal Deutschlands wird an den Grenzen im Osten und Westen entschieden. Aber man kann unmöglich alle a h> e i Jahre neue Steuern fordern. (Stürmische Zu- ö/^wung links und im Zentrum.) Wir besorgen damit nur die Geschäfte des Radikalismus. Die Lasten in den Staaten ver- teilen sich auf die verschiedensten Korporationen — Staat, Ge- meinbe, Wege-, Kirchenlasten usw. usw. Dem Steuerzahler ist eß ganz egal, an wen er zahlt, e» kommt nur darauf an, was er zahlt.
Unsere Steuerbelastung in Deutschland ist recht hoch und mahnt zur Vorsicht. (Lebhafter Beifall.) Die Ausgaben für die Landesverteidigung sind eine Versicherungsprämie. Die höchste Versicherungsprämie hat der zu zahlen, der daß meiste zu versichern hat. (Sehr richtig!) Und da» sind die besitzenden Klassen. (Stürmischer Beifall bei ben Soz.) Run ist cs fa eigentlich eine Chimäre, daß die besitzenben Klassen allein bie Reichslasten tragen können. (Sehr wahr!) Ohne indirekte Steuern wird eß also auch in Zukunft nicht gehen. Aber e» ist Pflicht der besitzenden Klassen, eine Vorbelastung zu iiber- uehmen. (Beifall.) Ter Engländer hat ein ausgezeichnetes Bild; er sagt von manchen Politikern, sie sitzen auf dem Zaune, dann kann man nämlich rechts ober links herunter. (Stürmische Heiterkeit. Zurufe von link»: Sie sitzen auf dem Zaune, Herr Graf!) 2orb Churchill hat unter dem donnernden Beifall de» Hause» erklärt: Wenn es sich handle um die Verteidigung des Vaterlandes, dann werden alle Klassen der englischen Gesellschaft treu die Hand bieten, um die Mittel hierzu zu beschaffen — s elbst die Reichsten. (Die Sozialdemokraten klopfen auf ben Tisch und in bie Hände.) Da» deutsche Volk, wenn es darauf an- kommt, Forderungen zu erfüllen, die die Ehre des Vaterlandes stellt, wird hinter dem Engländer nicht zurückstehen. (Stiirmischer Beifall. Tie Sozialdemokraten rufen: Selbst die Reichsten!) Ebenso wie wir verlangen, daß nur befähigte Generale an der Spitze des Heeres stehen, ebenso müssen wir fordern, daß a n ber Spitzr bet Diplomatie nur Männer sind, bie unzweifelhaft ber Höhe ihrer Au fgaben gewachsen finb. (Lebhafte Zustimmung links. Zuruf: Namen nennen!) Nomina sunt odiosal (®roße Heiterkeit.)
Im Grunbe hanbelt es sich bei allen biplomatifchen Konflikten um wirtschaftliche Fragen. Es berf baher niemanb einen diplomatischen Posten bekommen der nicht außer gründlichen staatsrechtlichen Kenntnissen auch die volkswirtschaftlichen Kenntnisse tat... (Beifall links.) Neben guter gesellschaftlicher Erziehung, persönlichem Können und reichem Wissen ist unbedingt bie Befähigung notwenbig. Die Repräsentation ist neben ben großen Fragen unserer Zeit vollkommen Nebensache. (Zustimmung links.) DaS ungeheure Wachstum bet Sozial- b e'm okratie ist nicht bas Werk ihrer Führer. Das wäre eine Ueberschätzung dieser Persönlichkeiten. (Heiterkeit.) Die Sozialdemokratie ist langsa munter der Oberfläche der bürgerlichen Ge- ellschaft emporgewachsen. Wenn sie diese Bedeutung in Deutschland erlangt hat, wie in keinem anderen Staate der Welt, so tragen Regierung und bürgerliche Gesellschaft cine'n erheblichen Teil der Schuld. (Hört! Hört!) Man hat lange eZit vergehen lassen, ehe man sich um daS LoS der ärmeren Volksklassen wirklich gekümmert hat. (Sehr richtig! links.)
stehen tote bie Fortschrittspartei d>r seliger Jahre. Tie Zinb- holzsteuer sollte durch eine andere ersetzt werden. Vielleicht legt uns Herr Bassermann seinen Dividendensteuerantrag vor. Wir wurden ihm ein kräftiges Bravo zurufcn. Eine wirksame Be- steuerur.g des spekulativen Großkapital» ift notwendig. Tie Sozialoemokratie sollte uns in dem Kampfe gegen den MammoniSmuS unterstützen. Aber vielleicht gehen rote und goldene Internationale wieder zusammen. Ter Redner fordert die Solidarität aller schäftenden Stände. Schuld a.i allem Unheil ist die undeutsche Masscnprcsse. (Heiterkeit links.) In aufdringlicher Weise wird da» .Berliner Tageblatt- auf ben Bahnhöfen fcilgeboten. Da sollte baS ReichSeisenbadii. amt einschreiten. (Unruhe links.) Dt. Frank wollte gestern C eben verteilen für Verdienste um bie Sozialdemokratie. Er mag nach der Jerusalemer- und der Kochstraße in i^rlin gehen, wo in gewissen Redaktionen Leute mit 3000jährigem Stammbaum sitzen, bie biesc Crben wohl verbient haben. (Lachen links.) Ter Redner spricht bann gegen den Schmutz in Wort und Dilo. Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünd: ist ber Leute Verderben.
Abg. Frhr. von Scheele (Welfe) fordert Sozialpolitik für den Mittelstand und befürwortet die Herabsetzung der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre in ber Reich», r.rsicherungsorbnung. Dieser Reichstag wirb ein Parlament bcs Kampfe» sein Jetzt herrscht nur ein fauler Frieden. Wir protestieren gegen bic Kriegervereine. bie uns im Wahl- kämpfe beschimpft und verleumdet haben. Besonders die .Parole' N ? ReichSkriegerverbandeS hat uns alö Hochverräter und Reichs, feinde in unerhörter Weise beleidigt. Wir lassen unS aber von 'einer Partei an treudeutscher Gesinnung übertreffen.
Abg. Graf v. Posadowsky (b. k. F.)k
Alle Wahlaufrufe und Wahlartikel sollten alsbald vollständig vernichtet werden, denn ein künftiger Taritu» der deutschen Geschichte, der die Personen und Verhälmissc unsere» Vaterlandes danach beurteilen sollte, würde den leitenden voli- tischen Männern etwa die Charakterrolle gewisser römischer Kaiser geben und unser deutsches Volk etwa wie bic Parther und Seist! en ebarattcriüercn (Sehr gut!) Tie Ansprüche an bic Kanbibciten finb ungeheuerlich. Ter Abgeordnete tvirb gcrabezu von jedem einzelnen Wähler massiert. (Heiterkeit.) E» ist geradezu ber. dcrolich, was alles den Wählern versprochen wird. Diese» fortgesetzte Umschmeicheln deö Volke» mit Vcr- sprcchungen, die wirtschaftlich und finanziell unrealisierbar finb, ist eine Gefahr für unser ganzes politische» Leben, lieber bic entschiedene und ausgezeichnete Rede des SckiatzsckretärS könnte man als Motto bie Worte setzen: „Ich schnitt cS gern in alle Rinben ein, ich grub* eS gern in jeben Kieselstein: Ich brauche Geld!" (Große Heiterkeit.)
Die Finanzreform hat, baS ist ihr größte» verbienst, toicbcr eine orbentlicke Tilgung ber ReichSschulo ermöglicht unb baburch unseren Krebit in ber Welt gehoben. Der Standpunkt de» Schatz, sekretars ist durchaus korrekt, daß die Tilgungsvorschriften streng eingchaltcn werden. Unsere StaatSanl. ihcn stehen sogar niedriger als die italienischen. Da» kommt daher, daß wir nicht rechtzeitig die nötigen Steuern gefordert und statt dessen den Markt mit Anleihcpavieren überschwemmt haben. Alle Be- mühungen, den Kurs ber Anleihen zu heben, indem man gewisse Korporationen verpflichtet, einen Teil ihre» Vermögen» in diesen Papieren anzulegen, werden nicht» nutzen, wenn wir in der alten Schuldenwirtschaft verharren. Wir brauchen neue Steuern für die neue Wchrvorlagc. Verzeihen Sic, wenn ich manchmal ein Lächeln habe über die parlamentarischen Verhandlungen über Militärvorlaaen. Wer in dieser ganzen Versamm- lung ist in der Lage, wirklich objektiv, sachverständig zu beut» teilen, ob in dem Verhältnis zu den anderen Armeen eine Verstärkung unseres Heeres notwendig ist und für welche Teile. (Beifall rechts, Lachen und Unruhe im Zentrum und auf der Linken.) Dazu muß man ein Maß von Sachkenntnis haben unb ein umfangreiches Material ftubiert haben, wozu ber Laie nicht imftanbe ist. (Beifwll unb Wiberspruch.)
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AtsttM »urdk i müfiei
... -roheS f nx aber, bic P1 ^elung beruht ßch auch in
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3n dem Nach! köstliche Sem g'chn Minis aufgepufft Ai bald wieder K m der Zeit i br. Könnet, d ct,gleichen, un faiumanncc le rh: sind vielfach U dem Etudiu N tigenliid) da st Und ich fllc k^bitjem Reichs
86<r ich Haiti ff dieses M icn nicht btt ' über bic n daraus nich ^eLeutsche,
Ter Redner men uns her^ "!e in foinmci n’;: dein un »finden ssber Mteincbmungk^ k ?et Lage ijf, piSlnl und sei Lenzen dco Val England bebet 'jMibwlt sein iwjfinem Unter Wdschaftlick-i-- 1


