Ausgabe 
18.7.1912 Erstes Blatt
 
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bte Lotterie nicht verpachte, sondern selbst bemalte. Abg. S p-eck erklärte namens des Zentrums, daß die Bedingun- gen Preußens und die finanziellen Garantien ungünstig seien und es aus finanziellen und politischen Gründen gegen den Lotterievertrag stimmen müsse. Er wies auf die finanziellen Erfolge einer eigenen bayrischen Lotterie hin, deren Errichtung seine Partei zustimmen werde. Abg. Kohl (Lib.) erklärte namens eines größeren Teils seiner Freunde, daß sie dem Staatsvertrag mit Preußen zustim­men würden. Die Abstimmung wurde auf Donnerstag vertagt.

Ausland.

Die schweizerische Bundesversammlung wählte für den verstorbenen Bundesrat Ruä-et den Regierungsrat Camille Dekoppet -Lausanne und für den verstorbenen Bundesrat Deucher den Rechtsanwalt Raimund Schult Heß-Brugg (Kan­ton Aargau). Beide Gewählte sind freisinnig. Schulthcß gehört seit 1905 dem eidgenössischen Ständcrat an.

In Lissabon plant man Kundgebungen gegen Spanien. Offiziös wird mitgeteilt, die spanische Regierung werde nachdrücklichst Vorstellungen erheben, damit die Kund­gebungen^ unterbleiben, die gegen das internationale Recht ver­stoßen würden. Im Bezirke Braga kam es zu einem Zu­sammenstoß zwischen Truppen und Monarchisten, wobei Schüsse gewechselt wurden. Zwei Monarchisten wurden getötet, mehrere sestgcnommen.

Das italienische Kriegsmini fterium veröffent­lichte die Liste der o t t o m anischen Kriegsgefangenen. Seit Beginn der Feindseligkeiten sind insgesamt 87 Offiziere, von denen 24 ausgeliefert wurden, 57 Unteroffiziere, 160 Korpo rale und 1436 Soldaten, davon zwei ausgelicfert, gefangen gc nommen worden. Drei Korporale und 19 Soldaten sind während der Gefangenschaft gestorben. Die Gesamtzahl der Gefangenen ausschließlich der Ausgelieferten und Gestorbenen beträgt 1741.

Im amerikanischen Repräsentantenhaus brachte Moore einen Gesetzentwurf ein, durch den der Staats­sekretärermächtigt wird, mit Großbritannien und anderen Mächten über die Neutralisierung des Panamakanals und die Teilung der Bau- und Erhaltungskosten des Kanals zwischen den Mächten zu verhandeln. Der Gesetzentwurf erklärt, die Neutralisierung würde die Erhaltungskosten bedeutend vermindern und dem Handel und dem Weltfrieden nützen.

Nach der Statistik des brasilianischen Ackerbau­ministeriums sind in der ersten Hälfte des Jahres 1912 in den verschiedenen brasilianischen Häfen 86 5 5 4 Auswan dererangekommen,29 162 mehr als in "der gleichen Periode des Vorjahres und um 45 262 mehr als in der ersten Hälfte des Jahres 1910. Die Auswanderer sind hauptsächlich Portugiesen, Spanier, Russen und Italiener.

Arbeiterbewegung.

Dünkirchen, 17. Juli. Hier versammelten sich gestern abend an 3000 aus ständige Dockarbeiter und See­leute vor der Arbeitsbörse, wo ein Vertreter des revolutionären allgemeinen Arbeiterverbändes eine heftige Rede gegen die Re­gierung und die Schiffahrtsgesellschaften hielt. Ein Polizei- ko m m i s s a r, der denr Redner Schweigen gebot, wurde m i t Steinen beworfen, worauf Gendarmerie und Dragoner mit blankem Säbel in der Hand aus die Menge einritten, die auf die Soldaten Flaschen und Pflastersteine schleuderte, jedoch nach kurzem Widerstand auseinanderstob. Acht Ausständige wur­den durch Säbelhiebe verletzt, darunter zwei sehr schwer. Auch mehrere Soldaten und Polizisten erlitten Verletzungen.

Nach Schluß der Versammlung in der Arbeitsbörse wollten die ausständigen Dockarbeiter und Seeleute gestern abend eine zweite Versammlung aus einem öffentlichen Platz in der Stadt abhalten, sie wurden aber von den Truppen daran ge­hindert. Es kam zu ernsten Ruhestörungen. Be­rittene Schutzmannschaft mußte schließlich mit der blanken Waffe vorgehen. Mehrere Ruhestörer gerieten unter die Hirse der Pferde andere wurden durch Säbelhiebe verletzt; auch einige Schutzleute trugen Verletzungen davon. Die Ruhe ist gegenwärtig wieder­hergestellt.

London, 17. Juli. Zwischen den Streiksührern und dem Vorsitzenden der Hasenbehörde von Devon Port haben weitere Besprechungen stattgesunden. Sic Ijaben bis­her zu keinem Resultat geführt, werden aber heute fortgesetzt werden.

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Aus Stadt uttb Land.

Gießen, 18. Juli 1912.

* * Tageskalender für Donnerstag, 18. Juli: Selbstes Abonnements-Konzert der Regimentsmusik in Steins Barten. Anfang 8 Uhr.

* * Di e Erhöhung der B eamt e n g eh ält e r. Die Beschlüsse der beiden Ständekammern über die Be­

spricht sich der französische Arzt Dr. Toulouse in der die Heureuse näher aus. Die jungen Mädchen werden vor allem in größeren Märschen geübt, sie lernen eine rasche Orientierung in einem un­bekannten Gelände, müssen Karten lesen unb gewöhnen sich an optische Signale mit Fahnen. Sic erhalten auch Ausbildung in der Pflege der Verwundeten und sind durch ihre militärischen Kenntnisse als Krankenpflegerinnen im Kriegsfälle gut zu ver­wenden. Ebenso könnten sie beim Aufklärungsdienste und z-u anderen Hilfsleistungen verwendet werden. Das Vorurteil, daß die Frau körperlich untüchtiger sein soll als der Mann, ist ja längst zerstreut worden. Besonders haben in Skandinavien Mäd- d)cn aus den besten Kreisen hervorragende Leistungen vollbracht und können sich mit den männlichen Kameraden wohl messen. Frauen haben sich in der Fechtkunst, im Boxen, im Schießen und in der Flugkunst bewährt. Die militärische Ausbildung nrirb für die jugendlichen Amazonen nicht nur von großem hygie­nischem Nutzen sein, sondern sie stärkt auch ihre moralischen Eigenschaften, verleiht ihnen Mut, Kaltblütigkeit und Geistes­gegenwart in schwierigen Augenblicken. Und da die Frau nun einmal heute im sozialen Leben vielfach auf sich angewiesen ist, so wird die Fertigkeit, mit Waffen umzugehcn und sich selbst zu verteidigen, ihr eine größere Sicherheit verleihen und verhüten, daß sie wehrlos jedem Angriff ausgesetzt ist.

Vom lustigen Onkel Sam. Der Erfolg der guten Tat.Wenn Sie gute Arbeit leisten, so wird Ihr Werk noch wachsen, wenn Sic schon längst dahingegangcn sind." Tas ist in der Tat richtig. Rubcns hat nur einige 2000 Bilder hinterlassen, und jetzt haben wir hier in Amerika allein schon 10 000 in unseren Sammlungen." Ein wirksames Mittel. Erster Kadett:Wie haft du das nur fertig ge­bracht, daß Miß Passay dich für den feinsten Kerl aus Erden hält?" Zweiter Kadett:Ganz einfach. Ich hab ihr 20 Rosen an ihrem 30. Geburtstag geschickt." Er ist zufri eben. Henley:Nun, wie sind Sie zufrieden mit Ihren Erfolgen bei den Zcitsclrriften? Sie schicken ihnen doch fleißig Manuskripte?" Na, cs geht. Ich verliere wenigstens nichts sic schicken mir immer ganz genau so viel zurück, wie ich ihnen eingesandt habe." Der M o r alphil o s oph.Wenn wir uns ent schließen, unseren Feinden zu vergeben, so beginnen wir in der Regel mit denen, die größer und stärker sind als wir..." Der Politiker und der Wähler. Der Polittker:Welches ist die nächste Frage, die wir vor das amerikanische Volk bringen müssen?" Der Wähler (cinsallend):Fragen haben nur jetzt genug gehabt. Was wir brauchen, das sind nun ein paar Ant­worten?" Der wahre Mut.Ich höre, daß Mr. Grabwcll seine Laufbahn damit begonnen hat, daß er sich 50 Dollar pumpte. Finden Sic nicht, daß man einen Mann bewundern muß, der soviel Mut batte?"Nein, das kann ich nicht finden," erwiderte Mr. Growck>er,der Mann, den ich bewundere, das ist der andere, der den Mut hatte, sie ihm zu geben/'

amtenbesoldungsvorlage wurden am Mittwoch dem Großherzog durch den Minister Tr. Braun vorgelegt und haben durch die landesherrliche Genehmigung ihre Gültigkeit erlangt. Da die Vorlage bis zum 1. April d. I. rückwirkend ist, wird den Beamten und Lebrern für die Sommerferien eine erfreuliche Zubuße zuteil, die voraus­sichtlich mit der nächsten Gehaltszahlung fällig wird.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Kriegs­gerichtsrat Wolf wurde von der 39. zur 25. (hessischen) Division versetzt.

** Die Prüfung im Hu fb eschlag haben be­standen: Ludwig Lenz aus Heuchelheim, Kreis Gießen, und Ludwig Schmidt aus Allendorf a. d. Lda.

** Tie freie Vereinigung der Kranken­kassen im Groß Herzogtum Hessen hält am Sonn­tag, 21. Juli, in Bad-Nauheim (Hauptstr. 102, Turn­halle) ihre 2 0. Jahresversammlung ab. Die 23er- handlungen beginnen vorm. 9 Uhr mit bem Bericht des geschäftsführenben Ausschusses. Es folgen die Berichte von Fourier-GießenWinle für die Kassenverwaltungen zum Invaliden- und Hinterbliebenen-Versicherungsgefetz" und vom LandeswokMlngsinspektor G r e s ch e l-Tarmstaot Tie Praxis der Wohuungsreform". Tann wird über Wünsche und Anträge aus der Versammlung verhandelt, der Ort der nächstjährigen Tagung bestimmt und die Vor- standswahl^ vorgenommen. An ein gemeinsames Mittag­essen schließt sich unter Führung der Badeverwaltung die Besichtigung der neuen Badehäuser, der Trinkkuranlage, sowie Sprudelkammer. Auf dem Johannisberg oder trn Teichbaus-Restaurant findet als Abschluß der Tagung dann noch ein gemütliches Zusammensein statt. Bei der großen Bedeutung, die diese Jahresversammlung wegen der nötig werdenden Umwandlung der Krankenkassen hat, wird er­wartet, daß sie allseitig beschickt wird.

Abonnementskonzert. Da der für das heutige letzte Abonnementskonzert als Solist vorgesehene Posaunen­virtuose Weschke aus Berlin wegen Erkrankrng absagen mußte, tritt statt seiner der Pistonvirtuose Dietzel vom Palmengartcu-Orchester in Frankfurt als Solist auf.

** Erfolgreicher Gießener Künstler. Bei einem in Saarbrücken abgehaltenen Wettbewerb für Grabdenkmäler im Preise von öl bis 150 Mk. erhielt der Kunstgewerbler Heinz Geilfus von Saarbrücken, ein geborener Gießener, den 1. Preis.

** Unfug. Von einer Zerstörungswut schienen in verflossener Nacht einige bessere Herren befallen gewesen zu sein. Die Schutzmannschaft betraf einen Herrn beim Zerstören des Wetterhäuschens in der Süd-Anlage, einen anderen beim Beschädigen des Reklamekastens am Tor haus am Neuenweger Tor und ein dritter leistete sich die Tat, an einem Laden in der S o n n e n st r a ß e eine Glasscheibe zu zertrümmern. Exenrplarische Bestrafungen wären hier am Platze.

Landkreis Gießen.

'S Heuchelheim, 17. Juli. Heute morgen stü r z t e vom Schneiderschen Neubau, gegenüber der Biebertalbahn, ein D a chdeck e r g e hilf e so unglücklich ab, daß er meh­rere Armbrüche und Kopfverletzungen davontrug.

-^Watzenborn-Steinberg, 17. Juli. Ter ver­gangene Sonntag stand für uns im Zeichen der Mission. Missionar Gsell aus Frankfurt predigte im Vormittags- gottesdienst und hielt im Anschluß daran einen Missions­kindergottesdienst. Wohl an 400 Kinder lauschten gespannt seinen Erzählungen aus der Heidenwelt. Der F e st g o 11 es di e n st wurde nachmittags i/23 Uhr im Freien unter den alten Linden vor der Kirche gehalten. Eine zahlreiche Festgemeinde hatte sich eingefunden, die mit großer Aufmerksamkeit und wahrer Andacht den Wor­ten des bekannten Redners zuhörten. In der Nachver­sammlung wurde eine Reihe von Gegenständen aus der Heidenwelt, wie Götzen, Amuletten usw. vorgezeigt und er­klärt. Das Schlußwort sprach der Ortsgeistliche Pfarrer Sommerlad. Die Gesänge wurden von dem hiesigen Frauenchor begleitet und unterstützt. Die ansehnliche Kol­lekte betrug 72.36 Mk.; überdies wurden für ca. 27 Mk. Missionsschriften verkauft.

O Bettenhausen, 17. Juli. Unsere Gemarkung gehört zu denen in Oberhessen, die sich größerer Kirschen- Kulturen erfreuen können, wenn diese auch nicht an die Rosbacher und Ockstädter heranreichen. Die Ernte, die nicht ganz den Ertrag früherer Jahre erreicht hat, ist soweit beendet. Mehrere auswärtige Händler waren hier anwesend. Auch mürben von einheimischen Bewohnern Kirschen nach Gießen, Hungen und Lich getragen und dort verkauft.

Kreis Alsfeld.

(w) Alsfeld, 16. Juli. Stabtverordnctcnsitz- un g. Anwesend Bürgermeister Dr. Völsing, Beigeordneter Weitz, sowie 1^ Stadtvorstandsmitglieder. Zn Beginn der Sitzung gab der Vorsitzende eine Einladung des Kreisamts zur Schlußfcier der Kreishau shalt ungs schule am Donnerstag, 18. Juli, im Hochzeitsbausc und eine Einladung des Turnvereins Alsfeld zu dem nächpen Sonntag, 21. l. Mts., stattfindenden 50 jähr. Stiftungsfeste bekannt. Ferner wurde eine Aeußerung des Krcis- veterinäramts Alsfeld mitgeteilt bezüglich der fakultativen ^.richin en schau im städtischen Schlachthause. Es wird be­dauert, daß die Alsfelder Metzger noch keinen Gebrauch davon gemacht haben. Bezüglich des von dem Spenglermeiftcr A. H. Schmidt der Stadt angcsonnenen Ankaufs seines Grundstücks in der Jahnstraße, auf dem er ursprünglich seine Milchkannenfabrik zu errichten beabsichtigte, bat eine Kommission mit dem Gesuch­steller verhandelt. Zur Feststellung des baufähigen Untergrundes war zunächst ein zwei Meter tiefes Probeloch auf dem Grund­stück gemacht worden. Der Gemeinderat konnte sich jedoch nicht zum fofortigen Ankauf entschließen. Ein lveiterer Anttag, der dahin ging, dem Gefuchsteller anheim zu geben, für bas Grund­stück einen passenben Käufer ausfindig zu machen, falls ein solcher nicht ermittelt werde, sollte die Stadt verpflichtet fein, nach Ablauf von drei Jahren bas Grunbstück zu erwerben ohne Ersatz für bic aufgeroenbeten Zinsen unb Kosten zum Selbstkostenpreis von 1,52 Mark für ben Cuabratmeter, wurde ebenfalls abgelehnt. Bezüg­lich der Verlegung der Straße durch den Junkern­aar ten wird entsprechend der Anregung des Kreisamts be- fchlossen, die Querstraße zwischen Volkmarsttaßc und Wallgasse an der Kreuzung mit der Straße durch den Junkerngarten recht­winklig anschließend zu verlegen und den Schlittscben Garten zum Preise von 4 Mark für den Quadratmeter anzukaufen Die Kosten der Erwerbung trägt die Stadt. Tas anzukaufende Grund- fttlck sott zum Austausch für den zum größten Teile in bic projek­tierte Straße fallenden Rickfchcn Garten Deiroenbct werden. Zu dem Gesuch des V o l k s k i n d e r g a r t c n S , der den Neu­bau der Kleinkindersckmle int Hofe der alten Volksschule errichten will und zu diesem Zwecke darum nachgesucht hat, ihm entweder das erforderliche Gelände abzutrtten, um das Gelände in sein Eigentum zu bekommen, damit er eine Hypothek zur Bestreitung der Baukosten aufnebmen könne, ober für eine Anleihe Bürgschaft ru. leisten, würbe cnliprechenb dem Vorschläge ber Baukommission beichlofsen, bem Volkskinbergarten für die Anleihe Bürgschaft zu leisten. Von ber Mtrctung des Bauplatzes zu Eigentum des Volkskindergariens würbe abgesehen. Einem schon lange be'- ,lebenden Bedürfnis entsprechend wurde in ttebereinstimmung mit bem Vorschläge der Baukommifsion beschlossen, das Museum

dcS Geschichts- unb Mtertumsvereins der Stadt Alsfeld aus Weinbaus in das Hochzeitshaus zu verlegen, woselbst die bei^ Stockwerke zur Verfügung gestellt werden. Die zurzeit im Hot. zeitshause befindliche landwirtschafttiche Winterschule sott in tu Räume des alten Realsckulgebäudcs verlegt werden. Ter |m Umgestaltung und Instandsetzung der Schulräume im alten Real- schulgcbäude erforderlickfc ftrebit wird bewilligt. Tic landw Win ter sch ule beabsichtigt, auf ihrem Versuchsfeld an 1 Rcibertenröder Straße eine Feld scheuer zu errichten u da das Gebäude außerhalb des Ortsbauplans zu stehen kom ist Tispenserteilung eriorderlich, die . vom Gemeinderat des roortet wird unter der Bedingung, daß das Gebäude mindeste 20 Meier von der Straße zurückgeftcllt wird. Tie Turm soll, von der Firma Ed. Kdrshagc u. Söhne zu Buer, ehcmal Lieferantin, gründlich nachgcseben werden, waS nach einem Z, raum von 22 Jahren gewiß angebracht ist. Ferner ttnq beschlossen, die neu bergcftelltc Verlängerung der Bolkmarstra zu walzen unb bas Fahren ber Walze öffentlich zu vergeben. Verschiebene Nieberschlagungen von Wassergelb werben genebmi, Der Gerneinberatsbeschlllß vom 2. Juli l. Js. bezüglich S t u. bung ber Trottoir- und Kanalbeiträge in der Her^ felderstraße wird dahin abgeändect, daß bic Verzinsung ber 3cfnilb aufgehoben wirb. Uebrigens sott vom 1. Januar 1913 ab dir Neuanlage von Trottoirs, Kanälen usw. nur ausnahmsweise und gegen eine vom Stabtporstand jeweils festznsetzcnbe Verzinsung genehmigt werben. Als bringlich würbe noch verbandelt dir Wasserversorgung in Alsfclb. In ben letzten heiße, Tagen war ber Wasscrv.'rbrauch ganz enorm geworben, so daß bic Bewohner bcs oberen Stabtteils ohne Wasser waren: die beiben Wasserleitungen konnten nicht genügcnb Wasser leisten. Es ist babei in Betracht zu ziehen, datz das Wasser namentlich in den Gärten verschwendet wird. Bei Wassermangel in der alten Leitung rourbc von Zeit zu Zeit die Hochdruckleitung mit ihr verbunden, was jedoch für die Dauer nicht angängig ist, durch den verstärkten Truck Rohrbrüche zu befürchten sind. Ge­mäß einem Vorschläge der Kulturinspcktion Gießen wurde bann beschlossen, eine Verbindung zwischen dem Endpunkt ber neu« verlegten Rohrleitung in dem Wallachschen Holzlagervlatz unb bem Niederdruckbebälter herzustellen, wodurch dem alten Reserven stets bas Ueberlaufwasscr aus ber neuen Leitung zugcsührt wird. Das Projekt ist auf etwa 450 Mark veranschlagt.

x Ruppertenrod, 17. Juli. Der durch einen Teschintzschuß verletzte Landwirt Adam Kratz von hier geht seiner Wiederherstellung entgegen.

Kreis Lauterbach.

~ Ilbeshausen, 17. Juli. Am Sonntag, 28. M. Mts., werden die Feuerwehren aus der Umgegend in einer Gesamtstärke von etwa 400 Mann nebst ihren (Ge­räten zu einer gemeinsamen Hebung und Bcsici> tignng durch die Kreisbehörde in unserem Orte zusammen' gezogen. Die in den letzten Jahren durch Blitzschaden sich mehrenden Brände machett solche gemeinsamen Hebungen zu einem dringenden Bedürfitis, da die meist kleinen Orte nur eine geringe Anzahl Feuerwehrleute zur Verfiigung haben und bei jedem Brande die Wehren verschiedener Nachbarorte zur Hilfeleistung herangezoqen werden müssen: daher ist ein gut geleitetes Zusammenwirken zur Be>väl- tigung der Brände ein großer Vorteil. Tie Gesamtübung wird von dem Kreisfenerwehrinspettor Jockel-Lauterbach geleitet. Nach ber Besichtigung findet eine Festlichkeit aus einem in der Nähe von Hochwaldhausen hergerichteten Festplatz statt.

Kreis Friedberg.

X Bad-Nauheim, 17. Juli. Ein Kinderfest, das sich auf der Terrasse und im Park abspielte, wurde von der Kurverwaltung heute nachmittag veranstaltet. U. a. wurden schön gelungene Spiele imb Reigen aufgeführt Während des Nachnnttagskonzertes bot das plötzliche Er­scheinen des Zeppelin-LuftschifsesV i kio r i a L u i se" der Kurgästen eine Ueberrasck-ung. Äe Kurfapclle intonierte, während der Luftkreuzer über ber Terrasse schwebte, die Nationalhymne.

Starkenburg uud Rheinhessen.

h. Darmstadt, 17. Juli. Der Inspekteur der 2. Armeeinspektion, Erbprinz von Sachsen- Meiningen, sowie der öeneraf der Infanterie Freiherr v. Scheffer-Boichhorst, tommnnbierenber General des elften Armeekorps, sind auf einer Inspektionsreise hier einge­troffen, um die Trrtppen auf dem Truppenübungs­platz zu inspizieren.

! Riainz, 17. Juli. Der deutsch-a nrerika nischr Lehrerbund macht zurzeit eine Nh einreise. Er fahrt morgen mit zwei Sonbcrzügen von Nübcsheim nach Wies­baden und von da am 20. nach Mannheim. Am 19. bt- sichtigi er Wiesbaden und die Umgegend.

Kreis Wetzlar.

Aßlar, 17. Juli. Auf eine 50jährige Dienstzeit

als Gemeindeförster blickte in diesen Tagen unser Wald­wärter Justus Peter Reinhardt zurück. Oberförster Werner überreichte dem Jubilar das Kreuz zum Allgemei­nen Ehrenzeichen, und von der Gemeinde Aßlar-Klein- Altenstädten unb seinen slollegen wurde er mit Geschenken überhäuft.

Luftjcbi-fcrhrt.

Luftschiffwege über den Atlantischen Ozean.

Fünf Luftschiffer tragen sich mit dem kühnen Plan, ben At­lantischen Ozean zu überfliegen: ber 6., ber Ingenieur Vaniman, hat burch eine tragische Katastrophe seinen Tob gefunben. 2ai wichtigste Problem bei bieser Unternehmung ist cs, ben günstigsten Weg burch bic Luft zu finben. Im Bulletin des Aero-Club von Amerika biskuticrt Raffe Emerson, ber als Ingenieur wie ali Luftschiffer in Europa unb Amerika umsassenbc Erfahrungen ge­sammelt hat, bie Möglichkeit eines solchen Ozcanflugcs, und be­spricht bie einzelnen, babei in Betracht kommenden Wege.Gi ist sehr wohl möglich," so lautet der stolze Auftakt feiner Er­örterungen, baß ber Ozean auf bem Luftwege überwunden werdm wirb, wahrscheinlich vor 1914, vielleicht sogar schon 1912". Tic Frage, ob wir heute bereits Luftschiffe besitzen, bic bazu fäbia finb, bejaht er. Freilich würbe ein Luftschisf, baß bte ganzen 1900 ober gar 3000 englischen Meilen in einem Fluge zurücklegen wollte, geringe Aussicht haben: günftiger stellen sich bic Ehanccn, wenn bic Ucberquerung bes Ozeans in eine Reihe von kürzeren Flügen zerlegt wirb.Auch bie ersten, die den Atlantischen Lzear. zu Schiff durchkreuzten, kamen auf der Route über Island und Grönland 500 Jahre vor Columbus, und Columbus selbst erreichte Amerika auf bem Weg über bie Azoren. Heber 300 Jalüc würd' der Atlantische Ozean auf Segelschiffen durchkreuzt, unb ns: 9 Jakwe, nachdem Dampfmaschinen als Hilfskräfte den Segeln hinzugefügt waren, vollendete ein Schiff die Uebcrfahrt über der Ozean ganz mit Tampttraft, 31 Jahre nach FultonS glückliclte: Fahrt mit bem Tampfboot von New Bott nach Albany. Te: erste Versuch einer Kabellegung über den Ozean mißlang, un. jahrelange Arbeit war vonnöten, um bie drahtlose Telegraph ür transatlantische Entfernungen nutzbar zu machen. Nun scheiic es, als wenn die drahtlose Telegraphie bic Luftschiffahrt int' abhängig Dom Wetter durclfführbar machen würbe." Beim Heber queren bes Ozcans burch bie Luft unterfcheibet Emerson jirr Mcthobcn: bic, bic sich des Winbes bebient, unb solche, bic da» nicht tun. In ber ersteren Gruppe finb folgenbe vier Pläne auf getaucht: 1. Westwärts gerabc über ben Ozean zu treiben, mi i)cn Pasfatwinden nördlich vom Aequator: 2. ostwätts in größere Höhe mit den Anttpassatwinden zu gehen: 3. einem Wirbelsmm norbchtwärts von ber Hauptbampfcrlinic zu folgen; 4. ben oft licken Lnflstrom der nördlichen gemäßigten Zone in einer Höh: