fbegen der schleckten Erfahrungen von 1911 sich weigern, nochmals über die Lohnfrage mit den Zechenverwaltungen in Besprechungen einzutreten. Ich entnehme diese flenntmg aus dem „Vorwärts" vom 9. Mär;. BiS zum 6. März war nach meiner Ansicht ein Anlaß zu einer Beunruhigung nicht vorhanden, sofern cs sich tatsächlich nur darum handelte, eine Steigerung der Löhne in angemesienem Umfange herbei- zuführen.
Die Situation war nach meiner Ansicht günstiger, als in vielen ähnlich liegenden Fällen. Tic Konjunktur stieg, eine Erhöhung der Kohlenpreise war in Aussicht gestellt, die Löhne stiegen, die Zechenverwaltungen waren bereit, weitere Steigerungen eintreten zu lasten. Sie waren, was früher nicht immer dec Fall war, wenigstens in ihrer Mehrzahl auch bereit, mit den ArbeiterauSichüsten über die Lage der Löhne und deren zukünftige Gestaltung zu verbandeln. In- zwischen wurde die Situation etwas unruhiger. In der Preße tauchten Hinweise auf den großen BergorbeiterauSstand in England auf. Gleichzeitig wurde von verschiedenen Rednern ver- toi ebener Parteien dieses hoben HauseS meine Aufmerksamkeit auf die Bergarbeiterbewegung gelenkt. Ich hielt es nunmehr für angezeigt, mit den bctreffenocn Abgeordneten auS diesem Hause in Erörterungen einzutreten, um auS ibr-n Aeußerungen ein Urteil darüber zu gewinnen ob ick meinerseits die Sacke bisher richtig oder falsch oeurteilt hatte. Auf Grund einer mündlicken Besprechung wurden zu mir folgende Abgeordnete geladen: Behrens. Giesberts, Sackse, Schmidt und SosinSkh. Am anderen Tage erschien auch — ungeladen — der frühere Abg. Hue. (Lebhaftes Hört! hört! rechts und im Zentrum: Unruhe bei den Soz.) In dieser Besprechung wurde festgestellt, daß es wesentlick zur Beruhigung beitragen würde, wenn die Zechenverwaltungen Auskunft über den derzeitigen Stand der Lohnfrage geben würden Es ist ricktig. daß von feiten der Vertreter des alten Verbandes betont wurde, daß die Verhandlungen darüber nock im Laufe der vorigen Woche statt- finden müßten, wenn sie Erfolg haben sollten. Das wichtigste war, daß ick meinerseits die Ueberzeuaung gewann, daß mein Urteil in soweit ricktig gewesen war. daß, wenn es sick um eine Erhöhung der Lohne handelte, ein Streik nickt geboten war, und daß die Möglickkeit gegeben war. zu einem friedlichen Ende zu kommen. (Hört. bortl)
Ick habe mich zu diesem Zweck an den preußischen Minister für den Handel gewandt, der mir seine Unterstübung zusagte, aber gleichzeitig mitteilte, daß er seinerzeit bereits in demselben Sinne eingewirkt habe und fein Zweifel darüber bestehe, daß man in den Kreisen der Zcchenverwal- tungen bereit sein würde, den von uns vorgeschlagenen Weg yx betreten, eine Auffassung, die auch mir von führenden Leuten im Ruhrrevier bestätigt wurde. (Hört! Hört!) Der „Vorwärts" vorn 9. März enthält einen Artikel, aus dem ich den Eindruck gewann, daß c8 sich doch empfehlen werde, noch einmal darauf hinzuweiscn, wie nötig und nützlich ein ruhiges Ab- warten und ein Verhandeln mit den Zeckenverbänden sei. Das gab Veranlastung zu dem Artikel der „Aordd. Allg. Ztg.", der nochmals den Zechenverwaltungen Verhandlungen ans Herz legte und noch einmal den Arbeitern das Gewißen schärfen sollte für die Verantwortung, die sie übernehmen würden, wenn sie diese Verhandlungen ablehnen sollten, und gerade unter den obwaltenden Verhältnissen unter Kontraktbruch in den Streik eintreten würden. Am 10. März waren die bekannten Verhandlungen, die zum Streik führten. Diese Verhandlungen wurden bekannt gegeben in der Resolution der Hemer R^eVierkonferenz, in der ein einheitlicher Versuch der Verbände und eine Fortsetzung des Streikes, bis die Revierkonferenz darüber entschieden habe, empfohlen wurde. Um ganz gewissen- baft zu sein, muß ich seststellen, daß in den vorangegangenen Tagen ein Teil der Zechen und zwar ein ganz kleiner Teil Ver- Handlungen mit ihren Arbeiterausschüsten abgelehnt hat. Im allgemeinen aber haben sie ein Verhandeln überhaupt nicht abgelehnt, aber im Gegenteil.
, Nun begann <rm 11. März der Streik. Wie sich die chr i st - l'cken Gewerkschaften dazu gestellt haben, hat Herr S ch c f f er eingehend bargelegt: ich habe seinen Ausfüh- 5 e n ,n ' * t8J)i u 3 u f üg e n. (Lachen der Soz.) Sie vestangen ,n dem für mich im Augenblick allein wichtigen Punkte die Richtigkeit der Anschauung, daß der Zeitpunkt für einen Streik noch nickt gekommen war, auch wenn man auf dem Standpunkt der christlichen Bergarbeiter stand, die glaubten, eine Reihe erheblicher Forderungen an die Zechen- verlvaltungcn stellen zu müßen. Eine ähnliche Stellung haben die evangelischen Bergarbeiter eingenommen. Ich bin auch heute noch der Meinung, daß, wenn -s sich nur darum handelt, eine ange- m^*nc ®r^f)Un0 der Löhne herbeizuführen, der Streik nicht notwendig war und daß er jedenfalls begonnen ist, ehe die vorhandenen Mittel und Möglichkeiten zu einer trieb« heben Scileflung erschöpft waren. (Beifall und Hört! Hört!) Ich will hier in keine Untersuchung darüber eintreten, was zuletzt btc llrfaaje dieses Streiks gewesen ist, welche Erwägungen der Führer den Streik schließlich auSgclöst haben.
ES ist richtig, daß auch die sozialdemokratische Preße auf England hingewiesen hat, obwohl sie ausdrücklich verneint hat, das; ein S y mpathiestreik beabsichtigt werde. Auf der anderen Seite hat diese Preße daraus Angewiesen, daß am 11. März — ba« war der Tag, an dem in einer Reihe anderer Lände r Sympathiedemonstrationen für die englischen Arbeiter beabsichtigt waren (Hört, hört!) — alle biefc Länder ihre Augen auf das Verhalten bet deutschen Berg- keilte gerichtet hatten (Hört, hört!); und ich möchte feststellen, bah mit eine ganze Reihe von Protokollen über Ausschuß, verhanblungen vorliegen, in denen die Ausschußmitglieder des alten Verbandes erklärt haben, die Lohnverhältniße ihrer Zechen seien so, daß man dabei zweifeln könne, ob ein Streif notwendig ist (Hört, hörtl); eß handele sich aber mept um die Löhne, sondern um einen von der Organisation befohlenen Streik (Hört, hört! Rufe von Soz.: DaS steht in den Protokollen?) — ja, das steht in den Protokollen. (Hört, hört!) Nun aber erkläre ich hiermit ausdrücklich: die Frage, waS den Streik veranlaßt hat, will ich heute und hier nicht entscheiden, eß bat nämlich auch kein Jntereße. Was ich nun noch weiter darzulegen habe, ist die zweifellose Richtigkeit der Auffaßung, daß der Streik, wenn er eine Lohnverbesserung er. strebt, in diesem Augenblick nicht notwendig ist. (Zuruf von den Soz.: Da« ist Ihre Auffaßung!) — Gewiß, ich werde sie gleich des Näheren barlcgen. Der Staatssekretär gibt nunmehr Zahlentabellen für bie Bewegung bet Ko hlenpreise auf der einen und der Bergarbeiter, löhne auf der anderen Seite für die Jahre 1906 bis 1911 bezw. 1912. Es ergibt sich hieraus, daß die Preise bei der Fett- kohle im Jahre 1911 gegen das Jahr 1907 um 5,5 Prozent, bei bem Hochofenkoks um 10 Prozent zurückstanden, daß dagegen die Löhne — wenn man bie Verminderung der Zahl der Sckich. ten mit in Rechnung stellt — im Jahre 1911 gegen die des Jahres 1907 nur um 4 Prozent zurückftanden, für alle Berg- arbeitet berechnet, bei den Häuern um 7 Prozent.
Um diele Zahlen richtig zu würdigen, muß man sich auch vor Augen halten, wie die Verhältniße sich voraussichtlich 1912 ge- statten werden. Hierfür habe ich vor mir eine Reihe Zahlen der fiskalischen Zechen. Au« biefen Zahlen ergibt sick. daß die Löhne in diesen Werken jetztschonde ^Höchst- stand de« Jahre« 1908 überschritten haben (Hörtl Hört!) Nun wird man mir vielleicht sagen daß das fiskalilcke Zecken seien, und daß die fiskalischen Zecken in den Lödnen immer etwa» voranzugehen pflegen. DaS ist an sick richtig, ändert aber nicht daS Geringste daran, daß d.e hoben Löhne in ben_ fiskalischen Zechen des RuhrredietS zu entern Steil zurück- zuführen find auf die Lage in anderen Revieren. Ich habe hier auch eine Anzahl Lohnangaben von Privatzechen, die eine ganz ähnliche Entwicklung zeigen. Auch sie ergeben durchweg seit 1911 b*4 in das Iaht 1912 hinein eine
Äum Teil erhebliche Steigerung der Löhne übet baß Muster- Iahr 1908 hinaus. Nun wird man einwenden, daß, selbst wenn der FiskuS und eine Reihe von Privatzechen dieses günstige Bild zeigen, das kein Beweis dafür fei, dag nun die anderen Zechen bas auch machen würben. Jeder, der die Verhältniße kennt, weiß, daß das ausgeschloßen ist. daß die Löhne auf den einzelnen Zechen zwar aus verschiedenen Gründen schwanken, daß aber, wenn bet Fiskus und große Zechen eine Lohnsteigerung vornehmen, bie anderen Zechen unter allen Umständen folgen müßen. (Lebhafte Zustimmung.)
Die Entwicklung ter Dinge i st also nicht, so gewesen, baß ein Streik nottoenbig gewesen wäre. (Hört, hört! rechts unb im Zentr.) Nun kommt noch hinzu, baß auf bie Anregung bet Z e ch enverwaltun- g e n hin fast ausnahmslos noch im Laufe bi.'ser Woche mit den Arbeiterausschüssen verhandelt worben ist und, zwar auch auf ben Zecken, bie grundsätzlich die ArbeiterauSscküße für tie Lohnfrage nickt als zustänbig betrachten. Allerdings ist, bas will ich ausdrücklich feststellen, eine fünfzehnprozentige Lohnerhöhung a l s nicht durchführbar bezeich- n e t worden und zwar sckon aus technischen Gründen, die jeder mit den Verhältnissen Vertraute kennt. Den Arbeiterausschüssen sind die Verhältnisse in den einzelnen Fällen eingehend bargelegt worden. Dte Zecken haben bie tatsächliche Lage ten Ausschuh- mitgliebcrn geschildert, wonach schon bie Löhne feit~ Monaten im Aufsteigen begriffen sind, und sie bähen, ihnen zugesichert, daß bei anhaltender Konjunktur rin weiteres An- steigen eintreten wird. Das alles beweist, baß bie Zechen ein weites Entgegenkommen geübt haben. Aber die Zechen sinb noch weiter gegangen. Sie wären in ter Lage gewesen, sämtliche Arbeiter, die am Montag unter Kontraktbruch die Arbeit niebergclegt haben, nach breitägigem Fehlen als entlaßen anzusehen unb sie mit einem seckstagigen Schichtlohn zu bestrafen
Tie Zechen haben das nickt getan, sondern sic haben biefen Termin auf ben nächsten Sonnabend verschoben. Sie wollen damit den Belegschaften die Möglichkeit geben, noch einmal bie Verhältnisse z u prüfen, und sie wollen denjenigen Arbeitswilligen, die in der Unruhe der ersten Tage infolge mangelhaften Schutzes auf dem Wege zur Arbeit zurück- gehalten wurden, ermöglichen, ohne Verluste zu erleiden, unter ftärlerem Schutz wieder zur Arbeit zu gehen. (Beifall rechts unb im Z-ntrum. Unruhe bei ben Soz.) Ick schließe biefen Teil meiner Ausführungen mit der nochmaligen Betonung, baß angesichts bes Verhaltens ber Zechenverwaltungen, des Standes der Löhne kein hinreichender Anlaß zu einem Streik borlag. (Zuruf bei ben Soz.: „A n - walt ber Zechen!") Hier wird mir zugerufen, ich sei ein Anwalt der Zechen. (Lachen.) Solange ich ein öffentliches Amt bekleide, bin ich bemüht gewesen, die Dinge objektiv unb ruhig barzulegen. Was ich hier getagt habe, sind keine Meinungen, sandern feststehende Zahlen, und ich halte mich für verpflichtet, dieses Material vor dem Lande vekanntzugeben, damit man draußen in der Lage i st, sich über bie Notwendigkeit der jetzigen Lohnbewegung ein unbefangenes U r =■ teil z u bilden. (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum Unruhe unb Zurufe bei ben Soz.) Man hat michnun gefragt, was ich unter ben o b w a ltenbenUm- ständen zur Beilegung des Streiks tun könne. Selbst wenn ich geneigt toäre, jetzt einzugreifen, würden dazu die eigentlichen Voraussetzungen fehlen. (Sehr ricktig!)
Sie (zu den Soz.) sind in ben Streik getreten. (Zurufe bei ben Soz.: Wir?) Ihre Seutel (Heiterkeit.) Also trotz ber Bereitwilligkeit ber Zechen zu Verhanblungen ist ber Streik begonnen worben. SB i r werden zunächst einmal abwarten müssen, zu welchem Ergebnis das Verhalten ber Zechender wo llungen in dieser Woche führen wird. Geht der Streik weiter, so können Sie mit ziemlicher Sicherheit ani ehmen, daß die Zechenverwaltungen bann z u nichts mehr bereit sein werben. (Sehr richtig! rechts und im Zentr., erneuter Zuruf bei ben Soz.: Zecken- antoalt!) I ch bin lern Anwalt ber Zechen, f o n • b c r n i ch prüft jetzt bie Chancen des Streiks. Eine Vermittlung s a n s phrase würde den Streik nicht beendigen, sondern nur verlängern. Eine Vermittlung kann nur bann mit Erfolg aufgenommen werden, wenn die Zeit dafür reif ist und wenn beide Teile für die Vermittlung bereit sind. Ein vorzeitiges Eingreifen in eine derartige Bewegung würde ein b'.refter Fehler fein, und würde daS Ende aur hinanSschieben. (Sehr richtig!) Wenn in dieser ganzen Entwicklung der Streik des Jahres 1912 ein ganz anderes Bild bietet, wie der Streik von 1905, so hat er auch auf der anderen Seite ein ganz neues Bild gezeigt, daß auch für die Behörden, in erster Linie allerdings für die LandeSbehörden, eine Reihe neuer schwieriger Aufgaben gebracht hat. Die Arbeitseinstellung war nur teilweise. Nicht nur große Mengen unorganisierter, sondern auch ber größte Teil ber christlichen Gewerkschaften beteiligt sick auS wohlerwogenen unb zutreffenben Gründen am Streik nicht.
Diese große Menge o r g a n i f i e r t e r 0 r b e i t« . williger stellt selbstverständlich an bie Behüt b e n bie Anforberung eines absoluten unb sicheren Schutze«. (Beifall rechts und im Zentrum, Unruhe bei ben Soz.) Die Arbeitswilligen können beanspruchen, daß die Wege zu den Zechen frei sind, daß sie ohne Schädigung ihres Körper» und ihrer Ehre ben Weg zur Arbeit zurücklegen können. Die Beworben in Preußen sinb sich ber Bebeutung ihrer Ausgabe keinen Augenblick nicht bewußt gewesen. Der Schuh der Arbeitswillige^ ist im weitesten Umfange burckgcführt. ES sind 6 0 00 Polizei- mannfebaften im Ruhrrevier vereinigt worden und wir haben die Hoffnung, daß eS un« gelingen wird, mit diesem Material den Arbeitswilligen einen Schutz zu gewährleisten. (Beifall recktS unb im Zentrum.) Diese Maßnahmen sinb notwendig gewesen — auch nach meiner persönlichen lieber« fleugung notwendig gewesen — weil wi r Ihre (zu ben S o z.) Disziplin bisher überschätzt haben. (Sehr ricktig! im Zentrum.) Wir bleiben dabei. waS der preußische Minister de« Innern wiederholt erklärt bat: ES ist in Preußen nickt üblich, zur Unterstützung ber Polizei Militär her- anzuholen, fofern eß nicht absolut nottoenbig ist. Wenn im Streikgebiet daS Polizeiperfonal. nachdem es nun genügend ein» gewöhnt ist nickt genügt um bie Arbeitswilligen zu schützen, f o wirb bie Regierung nickt zögern, Militär betanzuholen (Großer Lärm ber Soz. Sie rufen: Sckießen 1 Schießen I) Wer zuerst geschoßen bat, das wird sich noch Herausstellen (Zurufe ber Soz.: Auf Vater unb Mutter schießen! Anhaltende Unruhe ) Auf Vater und Mutter wird nicht geschoßen, sondern e 8 werden bie Arbeit«, willigen geschützt gegen Angriffe auf ihre Gesundheit, auf ihre Ehre. (Stürmischer Beifall.! Die öffentliche Arbeit *u schützen da« ist die Aufgabe des Staate». (Lebhafter Beifall: Lärm der Soz.) Ta» man Ihnen unange- nehm sein, aber daran find b’Hcnigen schuld — (der Nachsatz wird vom Lärm verschlungen) Dir werden unnack sichtlich gegen die einschreiten. die die Freiheit anderer unwürdig beschränken. (Stürmischer Beifall.)
SThi. Sachse (Soz.)k
Früher schrieb einmal ber kommandierende General au» dem Streikgebiet nach Berlin: E» ist hier alle« ruhig, bis auf die Ziv-.rbehörde! So auch hier Es ist all«-« ruhig, bis auf da« 8 e nt rum und feine Helfershelfer' (Großer Lärm im Zentr. unb recht«.) Ein großer Teil ber Christlichen i geht mit un«. Heut- haben wieder zahlreiche Christliche die Arbeit
niebergclegt. (Hort, hört! Beifall ber Soz.) Unwahr sinb die Nachrichten über Zusammenstöße in Bochum. Kein einziger Zusammenstoß hat stattgefunden. <Hört, hört!) Tic Christlichen haben bereits selbst Streikbureaus errichtet. Das ist wieder ber alte kameradschaftlich!» Geist von 1905. (Lebh. Beifall ber Soz.) Wieder kämpfen wir gemeinsam und haben unsere StreikburcauS in einem Hause, in einem Zimmer. (Bravo! links.) Alle wären die Christlichen mit urid gegangen, wenn nicht gewiße Leute wären! (Lärm bei ben Soz., Zurufe: Verräter!) Ich will diese Leute nicht näher charakterisieren, um keinen unparlamentarischen Ausdruck gebrauchen zu müßen. (Sehr richtig! bei ben Soz.) Das ist die München- Gladbacher Schule! Sie haben bad Volk verhetzt unb irregeführt. (Gelächter im Zentr.) Viele Christlichen haben sich schon unserem Verbanbe angeschloßcn, ob- gleich bie christlichen Führer sie flehentlich baten, boch auSzu» harren. •
Bezeichnen) ist baß bie gelben Arbeiter ganz auf Seite ber Christlichen stehen. (Gelächter ber Soz.) Sie sagen von den Erklärungen der Christlichen: „Das sind gesunde gelbe Ansichten, tiefe Gründe können wir uns zu eigen machen!“ (Schallendes Gelächter links.) Soweit ist es mit den Christlichen gekommen. Ich gratuliere Ihnen, Herr Schiffer! (Lacken i. Zentr.) ES ist kein Svmpathiestreik für England Der Staats- f.’fretär war ehrlicher als der ZentrumSrebner. Er hat festgestellt, daß diese Lohnbewegung schon seit bem Spätherbst 1910 in ber Luft liegt. Und wenn in England auch alles ruhig gewesen wäre, wir mußten nach ben Wahlen ben Streik machen. (Hört! hörtl) Alles anbere über Verhanblungen mit Englanb ist unwahr. Herr Giesberts hat ben traurigen Mut gehabt, vor einigen Tagen hier zu erklären, ter alte Verbanb habe gesagt, »r wolle ben Christlichen ein schmerzstillendes H a l 8 b a n b umlegen. Alles unwahr! Herr Delbrück erklärte: Voller Schutz ben Arbeitern, bie arbeiten wollen. Wir verlangen auch volle Freiheit, vollen Schutz für bie, bic nicht arbeiten wollen (Stürmischer Beifall ber. Soz.) Schamlos wäre e«, wenn einer bas Gegenteil wollte! Beide Teile müßen geschützt werden. Schon machen bie Christlichen TerrorismuSversuche. (Hort, hört!)
Beim ManSfelder Streik hat ber Kollege Giesberts noch dem einergisch sein wollenden Fraktionskollegen Faßbender Vorwurfe deswegen gemacht, weil dieser den Streikbruch verteidigte und Schuh für bie Streikbrecher verlangte. Seitdem haben wir ein vollständiges Umschwenken im christlichen Lager erlebt. Vor sieben Jahren hat der christliche Führer Efferts erklärt, dte Zechenbesitzer hätten freiwillig noch niemals eine Lohnerhöhung bewilligt. Er hat damals erklärt, daß. wenn bie Zechenbesitzer ihre Versprechungen gehalten hätten, eö 1905 zu keinem Stint gekommen wäre, unb baß, wenn bie Berg- Herren ihre Versprechungen nicht halten, dies Kontraktbruch sei. Jetzt sinb cs bieselben christlichen Führer, bie gegen ben Streik prebigen. uns weis machen wollen, bie Zechenbesitzer würden freiwillig nachgeben. (Abg. Behrens ruft: Tun sie auch!) Nein! Kollege BchrenSl Mit den hartgesottenen Berg- Herren muß man Fraktur sprechen! Da heißt eß: die Zähne gezeigt! Nur bem Mutigen gehört bie Zukunft! (Lebh. Beifall bet ben Soz.) Die christlichen Brüber sagen baS selbst: wenn ihre Führer nicht gegen den Streik toarcn,_ wenn die_ christlichen Arbeiter auf Streikunterstützung rechnen könnten. toürbe Mann und MauS streiken. (Sehr richtig! bei ben Soz.) Herr Giesberts hat unsere zehn Forderungen als durchaus berechtigt bezeichnet, dafür berufe ich mich auf ben Herrn Staatssekretär al» Zeugen. Nur bie Z e i t sei nicht geeignet, sagt Herr GieSbert». Aber wenn die Zeit letzt nicht geeignet fein soll, bann weiß ich wirklich nicht. Der christliche Sekretär Vogelfang hat toon im November 1909 gesagt, in zwei ober drei Jahren würbe ber Kampf mit ben sozialdemokratischen Brüdern entbrennen, bann würde es sich um Sein ober Nichtsein beS christlichen Gewerk - Vereins handeln; würden die Christlichen bann unterliegen, |o mürbe bie Sozialbemokratie bie Regierungspartei werben. (Heiterkeit bei ben Soz.)
Die Christlichen haben politische Motive gehabt, ba« hat Brust selbst anerkannt. Mit Eichenprügeln unb Revolvern ist man früher gegen unS vorgegangen, selbst Frauen hat man damit bedroht. Selbst bie „Köln. Volksztg." hat bei einem christlichen Streik in Lothringen anerkannt, daß bie Arbeitswilligen in ber Regel nicht aus cmftänbigen Elementen bestehen, unb ber Abg. Hitze hat den Streikbruch einen Verrat ber Standcsehre genannt. Danach sind auch Ihre Leute! Militär ist in Dortmund, Polizei zu Tausenden im (Streifgebiet; bie armen Gemeinben müßen ba« bezahlen. (Zuruf vom Zentrum: Sie sind schuld daran!) — Nein Sic! Unser Dreibund ist stolz darauf. Die Arckeiterintereßen *u ver- treten; auch bei Ihnen ist ein Dreibund: Polizei, Scharfmacher unb, Gott fei eS geklagt, ber christliche Gewerkverein! Der bat bie Lüge verbreitet, Hue sei ungeladen zu der Konferenz mit bem Staatssekretär hier im ReichStagsgebäube erschienen. (Zurufe: Da» ist Wahrheit!). — Nein, bleiben Sie bei ber Wahrheit!
Hue mußte sowieso nach Berlin zu einer Sitzung über ein Statut für Volksversickerung. Da habe ich ihm gefügt, bann gehst Du vielleicht auch auf bie Konferenz. Da bin ich hier hinten in bas Zimmer gegangen, ber Staatssekretär war gerade hinaus- gegangen, aber UnterstaatSsekretär Richter war da unb C herberg» Hauptmann v. Velsen. Ich sagte: Hue ist hier, konnte er nicht an bet Sitzung teilnehmen? Bitte, bitte! sagte da der llnterftaatfr felretär (Heiterkeit.), unb Herr v. Velsen sagte: Ja, bitte, holen Sie ibn doch, er ist mein Landsmann! (Heiterkeit.) Hue ist ausdrücklich augelaffen worb.n. Ich frage die Herren Delbrück, v. Velsen unb seinen Chef Shdow, wann bie Lohnerhöhung eintreten sollte, warum hat bie fiskalische Verwaltung keinen Schritt bazu getan? Man hat Schauernachrichten verbreitet; wie find aber bie Unruhen entstanden? Durch da« Vorgehen ber Polizei. Der Redner schildert in diesem Sinne eine Reihe van Vorfällen unb bemerkt auf ba» Gelächter von reckt«: Sie lochen. Sie wollen e« also so haben: Zurufe recht»: Nein, wir lachen, weil e« nicht wahr fein kann!)
ES muß setzt aufgefordert werden, die Kinder nicht in die Schule zu schicken, weil sie Gefahr laufen, von der Polizei der- letzt zu werden. Selbst bie Kölnische Zeitung schreibt a-_ B. au» dem Heiner Bezirk: Wenn einige Bergleute behauptet hätten, ste fürchteten sick zur Arbeit zu gehen, so sei da» nur al« eine Hul- rebe anzusehen. (Hort! Hort! bei ben Soz.) In Solingen wollten die feiernden Arbeiter in eine Versammlung geben; ba erschien berittene Polizei, brängte sie in den Saal hinein und hauten von hinten ein, als cs nicht so schnell ging. (Pfuirufe bei den Soz.)
Vizepräsident Dove: Pfuirufe sind parlamentarisch nicht zv- läffig. (Erneute Pfuirufe.) Wenn Sie damit fortfahren, w muß ich die einzelnen Herren ermitteln unb zur Drbnung rufe«.
Abg. Sachse (Soz.):
Die »Rheinisch-Westfälifche Zeitung', da« Blatt der Zecken- bescher, schreibt noch in ihrer gestrigen MittogSauSgabe- Ma« kann feststellen, daß nach wie vor im allgemeinen die Lage unverändert ist unb mit Aufnahme de« Hamborner Krawall» irgendwelche ernste Äu»toreihingen nicht vorgekommen sind. Gerüchte verdichten sich zu Berichten, aber bei genauer Feststellung ergab e» sich, daß e« verdältni-mäßcg harmlose Zusammenrottungen war««. Streikbureau« werden schon untersagt. So provoziert man. Tie Streikbrecher werden aufpeforbert zu schießen, unb einigen haben die Arbeiter die Revolver schon abnehmen müßen. So geht e» in Deutschland zu, von dem Graf PosodowSkv einmal sagte, daß alle j enkbaren RecktSgarantien vorhanden seien. (Große» Geläckter . :r Soz. Zuruf: Man muß sich schämen, ein Preuße zu sein!) Dir haben die Streikenden zur Ruhe ermahnt unb zur Vermeidung .?« Alkohol«, und wenn der Staatssekretär übet bie Disziplin bei un« spottet — lieber Herr Staatssekretär (Große Heiter- fett): ick wollte Sie einmal sehen und Ihre Kollegen, wenn Sie in bet Weise von den Polizisten behanbelt würden (Stürmischer


