unter den
Lin französisches Gelbbuch über IHarotfo.
In der Mittwoch» Sitzung der franzöfischen Kammer gelangte ein G e l b b u ch über Marokko zur Verteilung. Dieses enthält 5dirütftüde, die sich aus die Ereignisse vom November 1910 bis November 1911 beziehen und gibt eine Zusammenstellung der Zwischenfälle, die sich in Marokko während dieser Zeit ereigneten. Weiler enthält das Gelbbuch die Besprechungen, die mit der spanischen Negierung aus Anlas; der Intervention Spaniens in der Gegend von Larrasch und Elksair eingeleitkt worden waren und endlich die Verband lungcn, die mit dem deutschen Neid) infolge der Ent send un g des „Panther"' nach Agadir geführt wurden, die bekanntlich mit dem deutsch-französischen Marokkoabkommen vom 4. November abgeschlossen worden sind.
Einige Tage vor der Entsendung des „Panther"'beauftragte die franzüsesche Regierung in der Voraussicht, das; der Einzug der Franzosen in Fez eine neue Phase ut der marokkanischen Frage herbeisühren werde, ihren Botschafter in Berlin, mit bet kaiserlichen Regierung über die neuen Eventualitäten
Iden- Zeller: Reisen in Nordoüsibirien und Tschukischen. "Abends 8‘/t Uhr in der Neuen Aula.
A k a d. B i s m a r ck - B n »r d. Vortrag
des Oralen
Tätliche Angriffe ans die Minist-r.
Als Asquith unb bic anderen Minister das Unterhaus verließen, brachten ihnen ihre Parteifreunde lebl>afte Huldigungen dar. Tie Oppositionellen dagegen heulten und schrien: „Abzug", „Keine Hommerule!" Ein U n i o n ist warf ein Buch nach den Ministern, das Churchill am Kren traf. Nach Asquith wurde mit Papier geworfen, doch mürbe der Premierminister nicht getroffen. Nach den Würfen auf die Minister wäre es beinahe zu einer Schlägerei aekommen; denn die Ministeriellen machten Miene, sich auf die Angreifer zu stürzen. Ta sich aber mehrere Reihen Bänke dazwischen befanden, so machte sich der Zorn der Ministeriellen nur in heftigen Rufen Luft, die von der Gegenseite ebenso heftig erwidert mürben. Seit Jahren hat sich in dem Hause nicht eine so erregte Szene zugetragen wie dieses Mal.
«Eine stürmische Sitzung im englischen Unterhaus.
■ London, 13. Nov. 1
Das Haus war M Beginn der Sitzung dicht besetzt. Ehe Premierminister Asquith den Antrag auf Wieder erwä- gung des vorgestern gefaßten Beschlusses einbrachte, erklärte der Sprecher in Erwiderung auf eine Bemerkung Bonar Laws, es sei zwar kein Prctzedcnzfall vorchandeu, daß das Haus im Verlauf der Verl^ndlungen der Bill den Beschluß zurlicknähme, iZustimmung bei der Opposition.) der Antrag des Premtermim- sters sei aber ordnungsgemäß. (Beifall bei den Ministeriellen.) Asauith, der von den Ministeriellen mit lauten Anrufen be grüßt wurde, hob die Bedeutung des Amendements Banburns hervor, meinte aber, daß die Annahme des Amendements nicht die wirkliche Ansicht des Hauses darstelle, da die Regierung in den letzten 15 Tagen während der Aussprache über die Bill Mchrheiten timt durchsämittlich 106 Stimmen gehabt habe. Unter diesen Umständen glaube die Regierung, das Haus müsse Gelegenheit erhalten, zu entscheiden, ob es bei der Annahme von Ban- burhs Amendement bleiben wolle ober nirA- Asquith schloß: Tie Lage ist e r n st. Wenn das Haus seinen Beschluß nicht rückgängig macht, kann die Regierung nicht länger bleiben.
Im Lause der erhitzten Besprechung, die auf AsqurtW Rede folgte, nannte der Unionist Sir William Bull den Premierminister einen Verräter. Er wurde zur Ordnung gerufen und, als er sich weigerte, diesen «Ausdruck zurückzunehmen, von dem Sprecher aus dem Hause g e wiesen. Bull leistete der Aufforderung Folge und verließ das Haus.
Zu erregten Zwischenfällen kam es, als die Opposition den Generalstaatsanwalt dadurch daß sie ihn niederschrie, am Sprechen unmöglich mackste. Nachdem der Lärm eilte Zeitlang angedauert batte, vertagte der Sprecher mit Rücksicht auf die schwere Unordnung unter lautem Beifall der Opposition die Sitzung um eine Stunde.
Als das Haus sich wieder versammelt hatte, zeigte sich daß die Opposition beabsickstigte. die Taktik der Unruhen so r t- zusetzen. Sobald der Generalstaatsanwalt sich wieder erhob, um zu sprechen, brach der Lärm vön neuem los. Ter Generalstaatsanwalt nahm seinen Platz wieder ein. Nun wollt? der Unionist Halmslep das Wort ergreifen, doch die Ovvosition schrie fortgesetzt: Vertagen! Schließlich vertagte der Sprecher unter großem Bestall der Linken das Haus auf morgen.
v. Hoensbroech: JesuitismuS, Jesuitenorden, Jefuilengeßr. Abends 81/, Uhr in Steins Garten.
•• Erledigt ist die Stelle eine? Ne allehrerS an bem j Realgymnasium zu Mainz. Der Stelleninhaber muß den» Gesangunterricht erteilen, einen größeren Schülerchor und ge»l egentlich auch ein Schülerorchester leiten können. Erwünscht ■ ist, daß er den Zeichen- und Turnunterricht in den unter,n Klaffen übernehmen kann. Meldungen sind bis 30. Nov. bei der Ministerialabteilung für Schulangelegenheiten einzu« reichen.
Landwirtschaftskammer. Am 12. November and in Darmstadt eine Sitzung des Vorstandes bei j Landwirtschaft 8 kammer unter Leitung des £>ftni i GeheimeratS HaaS statt. Es wurden in der Hauptsache j innere Verwaltungsangelegenheiten erledigt. Außerdem wurde j der Stundenplan zu dem landwirtschaftlichen VortragSkurfü? I in Mainz genehmigt. Der Kursus findet in der zweit» Januarwoche 1913 statt. Alß Vortragende find bis jetzi ck gewonnen Geh. Hofrat Professor Dr Wagner-DarmstaLl j Geh. Landesökonomierat Müller-Darmstadt, RegierungSiL I Dr. Attinger-München, Syndikus Dr. Kittel-Würzburz Proseffor Remy-Bonn, Profeffor Dr. Krämer-Hohenhem, Profeffor Dr. Kröner-Geisenheim und Dr. L. Müllet- Darmstadt.
** Gießener Stabttheater. Goldfische.. lt gestrige Vorstellung gab Herrn Golk Gelegenheit, sich a einer seinen besonderen Fähigketten unb seinem feine .Humor gut angepaßten Rolle als alternder Schwerenöter namhaft hervorzutun. Er spielte ben liebenswürbiger Lebemann Wolf von Pöchlar-Bensberg mit schön atxe töntem Humor unb vollenbeter Galanterie. Die hübsche Frau Josephine gab Fraulein Olga Rappo mit hey- licher Schelmerei. Eine liebe kleine Emmy war Jräule« be Bruyn. Herr Br üb j am spielte ben Oberleutnar Erich, aber wie er mit seiner Sprache umgeht, mack: seine Leistung zu keinem Genuß. Sein hastiges, fast irnmc in der Fistel schnnmmenbes Organ kann auf bie Davs» nicht angenehm wirken. Sehr hübsch war Herr Großes als schüchterner Liebhaber, und auch Herr Bruchwitzc.- gemütlickier Agrarier gefiel recht gut Von den übrijfl । Darstellern find Herr Bolck als Martin Winter, Fräusta Brehm als Mathilbe und Herr Cliewer als Obeck besonders zu erwähnen. Eine recht unglückliche (Jigt I spiele Hertr Westphal als Leutnant. Die Regie fühn.' [ Herr Go ll.
** Fahrt zur Ausstellung „Der Mens5 Wie aus dem Anzeigenteil unseres heutiben Blattes et- sichtlich, geht der Sonderzug der Universität et Samstag um 9.05 Uhr von Gießen ab. Die Rückfahrt « Darmstadt 4.30 Uhr. Weitere Anmeldungen find nod) c- wünscht.
— Deutscher Sprachverein (Zweigverein Giegn Im unteren Saale des Easä Ebel hielt gestern abends hiesige Ortsgruppe des Allgemeinen „Deutschen Sbra.i Vereins" eine Sitzung ab, in her Prof. Dr. Behaqbel <x'®- anregmben, al lgemeinverst ändlichcn Vortrag Über deub? Wortbildung hielt. Der Redner erläuterte, wie schwer es Jij Umständen sei, die Sprachsormcn der heutigen Tage zu erkläre und wies daraus hin, daß gerade aus diesem Gebiete oft £ unglaublichsten Annahmen und Ableitungen gemacht wurden. -At siele es bisweilen ein, ethymologiscbe Zusammenhänge zu ö (tatteren und Erklärungen über Orts-, Berg unb Famuck namen zu geben, ohne baß sie fich aus urkundliche ä.okuner unb munbartliche Formen der in Betracht kommenden N«r nüber eingelassen hätten. Geheimrat Behaghel warnte vor M artigen Schriften und Werken, die im allgemeinen mehr J taugliches denn gutes Material enthielten. Der Vortrag, der i» stark besucht war, erstreckte sich weiter auf SprachverscmedunM und gab auch hiervon ein vollkommenes, leichtfaßlich« Die Anwesenden folgten ben scsselnben Ausführungen mit epar
Dom 4. September 1911: Um bas soeben behussFeststellung ber Tragweite unserer Erklärungen vom 9. Februar 1909 unterzeichnete Abkommen zu präzisieren, gebe ich Eurer Exzellenz bekannt, baß, falls bie französische Regierung glauben sollte, bas Protektorat über Marokko übernehmen zu müssen, die kaiserlich deutsche Regierung ihr habet kein Hindernis in ben Weg legen würbe. Sie haben mir andererseits mitgeteilt, daß, falls Deutschland wünschen würde, von Spanien Spanisch-Guinea, die Insel C o- risco unb bi c Elo- Bay zu erwerben, Frankreich geneigt wäre, zu seinen Gunsten auf bas Vorzugsrecht zu verzichte n, welches ihm aufgrund des französisch-spanischen Vertrages vom 6. Juni 1900 zusteht. Ich freue mich, von dieser Versicherung Akt zu nehmen unb füge hinzu, daß Deutschland in Feiner Weise bei bat besonderen Neber ein kommen intervenieren wird, die Frankreick imd Spanien untereinander bezüglich Marokkos treffen sollten.
Schließlich telegraphierte Cambon am 2. September 1911 an de Selves: Ick habe beim Staatssekretär eine letzte unb vergebliche Anstrengung unternommen, um einen Vorteil i m Togoland zu erlangen. Ich habe deshalb heute abend ben Abkommen Entwurf mit dem Staatssekretär gc fertigt.
Au- Stadt und fand«
& teilen, 14. November 1912. Tas Gießener Kolonialfest.
Das Kolonial fest der hiesigen Abteilungen bet Deutschen Frauenvereins vorn Roten Kreuz für die Kvloniei unb des Frauenbundes der Deutschen Kolouialgesellschaf-, das gestern nachmittag in Steins Garten abgehalteu wurde, nahm bei außerordentlich starkem Besuch aus allen Streifet j ber Bevölkerung einen sehr schönen Verlauf. Ter grosr I Saal und der Nebensaal waren, dem Eharakter der Ve: I anstaltung entsprechend sehr hübsch ausgeschmückt. Präctz- I rige Gruppen von Palmen unb anderen erotischen Pflanzen I tvechselten mit Büfetts uno Verkaufsständen ab, die nai) I ben einzelnen deutschen Kolonien benannt waren. Damen I der hiesigen Gesellschaft walteten hier in liebenswürdigster ] Weise ihres Amtes uit£> fanden auch rasch unllige Ad» " nehmer, zumal die Preise entsprechend waren unb überall I )erausgcgeben wurde. Besonders gute Geschäfte machte 1 >er Stand mit Handarbeiten, der gegen 9 Uhr ausver- kauft hatte, aber auch die Büfetts, die Settbude und ber j Ziaarreustanb machten glänzende Geschäfte. Tic unter l haltenden Veranstaltungen waren ebenfalls auf deu kolonialen Ton eingestellt. Zunächst gab es einen sehr origi» netten Reigentanz, der von sechs weißen Damen und ; ebensoviel rotbefrackten schloarzen Männern sehr hübio getanzt wurde unb so gefiel, baß er im Laufe des Abends ! noch einmal wiederholt werben mußte. Das danach zur I Aufführung gelangende Theaterstück „Der zündende I Funke" von Paillorou wurde recht wirkungsvoll gc» I pielt, trotzdem die drei Mitwirkenden Mühe hatten, bei i >em im Saale herrschenden Geräusch mit ihren Stiw men. durchzudringen. Allerliebst war die Wachtparabe Funvon Pailleron wurde recht wirkungsvoll ge- j elf kleinen Negertein Lxerzierten und dazu ihr Liedlem | fangen, baß es eine Lust nxir. Auch biese Aufführung mußte zur Freude der jugendlichen Mitwirkenben und be: Zuschauer wieberholt werden. Ein humoristisches Tanz» duett „Malongo vom slongo und seine Frau", bei der auch Anspielungen auf die heimischen Verhältnisse nick, fehlten, schloß die Reihe der besonderen Vorführungcr ab. Zwischendurch ließ bie Kapelle unseres Infanterie. Regiments ihre Weisen ertönen unb nach Abwickelung d. Programms kam die tanzlustige Jugend zu ibxcni Rechte. Ter finanzielle Ertrag der Veranstaltung, der zu Wobl- tätigkcitszwecken in unseren Slolonien bestimmt ist, ist jedenfalls nicht unbedeutend. — Sehr geklagt wurde über die ungenügenden Garderobeverhältnisse. Wenn and) mub Sage ber Verl>ältnisse räumlich keine Verbesserung zu er« zielen ist, könnte doch durcki eine Vermehrung des Per- sonals eine räfcherc Absertignng 'des Publikums ermöglicht werden.
**Tageskalenber für Donnerstag, 14. Nov.: Geseft» schalt für Erd- it n b Völkerkunde: Vortrag von Oskar
zu sprechen. Gelbbuch gibt bic Berichte des BotlchafterS Cambon über seine Unterredgungen mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär v. Kiderlen-W achter wieder. Aus den tierönentlidHen Urkunden gehl hervor, day die sran- zösische Regierung, die bei jeder Maßnahme, wo es ihre weienr- lichcn Interessen erlaubten, die versöhnlichste Haltung bewies, in enger Uebereinftimmung mit d er btt tischen und russischen Regierung blieb. Da die kaiserliche Regierung zu verstehen gab, daß die Grundlagen eines Vergleick>s un Ko ng o gefunden werden könnten und da die franzömchc Regierung aut den Hinweis einging, fand eine Besprechung über Die .ttechle statt, die Frankreich von Deutschland in Marokko zuerkannt werden sollten und über die Ausdehnung der territorialen Konzessionen. welche Frankreich ihm zum Ausgleich un Kongo gewähren sollte.
Aus den 690 Schriftstücken, die das einm Band von 700 Seiten bildende französische Marokko-Gelbbuch enthält, wüte u. a. noch ein Bericht des französischen Botschafters in Berlin Zules Cambon vom 10. Juli 1911 über eine
Unterredung mit dem Staatssekretär v. Kiderlen hervorzuheben. Cambon schreibt:
Ich sand den Staatssekretär zuerst reserviett und auf feiner Hut. Als ich ihn fragte, ob er mir etwas jujagen habe, antwortete er: Nein! Er stellte mir die gleiche fyrage, roorain im gleichsalls erwiderte: Nein! Wir blieben einige Augenblicke schweigsam, und endlich brachen wir das Stilllchweigen. Herr v. <tiber(en sagte mir, daß er bereit wäre, die Unterredung von Kissingen wieder aufzunehmen. Ich bemerkte, datz die Lage durck die Entsendung des „Panther" nach Agadir geändert worden sei. Kiderlen entgegnete: Diese Entsendung.war notwendig wegen der unseren Landsleuten drohenden Gefahren. .Us ich eine Gebärde des Zweifle» machte, bemerkte er. Wir haben die Gefahren nicht in Zweifel gezogen, denen ihre Landsleute in Fez ausgesetzt waren, als Sie dorthin gingen, ^.eutm)- land habe handeln müssen infolge der Beunruhiguiig, die es bezüglich seiner wirtschaftlichen Interessen emtiianb. gehen Schritt für Schritt vorwärts: in Caiablanca behindern .ihre :Zollbeamten offenkundig unsere Einfuhr. Wir haben alles hingenommen, aber das Scheitern der Verständigung über die marokkanischen Eisenbahnen hat uns die Augen geöffnet, und sofort begannen Sie den Bau Ihrer Militärbahncn. — Jhr haben Sie davon verständigt, entgegnete Eambon, unb Sic haben feinen Einwand erhoben. Jawohl, erwiderte Äidcrleii, aber wir betrachteten dies als eine Antcskriptaanwcndung umerer Verständigung, wonach Sie Ihre Militärbahncn ohne Subminion bauen könnten. Ich fühle, daß Sic sich vor allem,dieses Vorteils bemächtigen wollen, aber ohne uns bic Bürgschaften zu bewilli gen, die wir für unsere Industrie verlangten. Es inußtc ein Ende gemacht werden. Ich sagte sodann, schreibt Cambon, daß die französische öffentliche Meinung nach den von ihr bewilligten Opfern niemals an nehmen würde, daß Deutschland territorial und politisch in Marokko festen Fuß fasse. Glauben Sie, erwiderte Kiderlen, daß es in Deutschland keine öffentliche Meinung gibt? Sie wollen, daß wir Marokko vollständig aut- geben. Nun denn, ich für mein Teil würde zustimmen, aber um das in Deutschland annehmbar zu machen, müsjen wir zeigen, daß wir feinen Interessen gedient haben. S i c in ü ff e n uns Genugtuung nach der kolonialen Sette, z. B. im Kongo, geben. Ich erwiderte, berichtet Cambon, wir könnten aut dem kolonialen Boden diskutieren, aber man müsse schnell machen, um die öffentliche Meinung zu beruhigen. .Kiderlen antwortete darauf, er bedürfe der Ansicht des Kolonial st aatssekretärs v. Lindequitt, der aut Urlaub sei und erst in zwei bis drei Tagen zu- rü ckkäm e.
In einem Bericht Cambons vom 1. August 1911 heißt es: Kiderlen, welcher aus Swinemündc zurückgekehrt ist, fragte mich, ob ich ihm einen Vorschlag seitens der französischen Regierung zu machen hätte. Ich bejahte. Bei unserer ersten Unterredung haben L-ie Anspielungen auf unsere kolonialen Inseln gemacht. Nun denn, wir könnten ben Austausch einiger unserer Inseln in Polyne) ieir ober im inbi schcn Ozean gegen bie absolute Freiheit in Marokko prüfen. Wir könnten Ihnen auch gegen ben Zugang zum Bcnuc und dem Entcnschnabel gewisse Gebietsteile ö st lick von Kamerun abtreten, aber keinen Teil der Kongoküste. Wir begannen hierauf zu diskutieren. Kiderlen bemerkte, er wolle den Zugang zum Meere zwischen dem Rio Muni und L i b e r v i l l e , Deutschland wolle außerdem einen territorialen Zugang zum Kongofluß. Diese Angelegenheit bilde einen wesentlichen Teil der Transaktion. Diesbezüglich ist der Entschluß der deutschen Regierung formell.
Am 3. Sept, telegraphierte der Minister des A e u ß c r n de Seines an den französischen Botschafter in Petersburg, Louis: Ich halte es für nützlich. Ihnen den wahren Stand unserer Gesinnungen mitzuteilen, die Sie in aller Aufrichtigkeit der russischen Regierung zur Kenntnis bringen können. Wir hegen keinerlei aggressive Absichten, wir wünschten im Gegenteil eine Verständigung in i t Deutschland unb um zu einer solchen zu gelangen, stimmen wir Opfern an Gebieten zu, bie uns schmerzlich sind. Tie Größe dieser Opfer beu?cift, wie groß unsere Vcrsölmlickkeit ist. Ich bin überzeugt, daß dies in Petersburg gewürdigt werden wird und daß man cinfehen wird, daß Frankreich unmöglich darüber pinausqchen kann, ohne sich moralisch zu verringern. Am 4. September telegraphierte der damalige ftanzösischc Botschafter in Wien, Crvzier, an Minister be Selves: Ter österreick>isch-ungarisck>e Minister bes Aeußern sagte nur: Herr de Selves hat unserem Geschäftsträger iy Paris erflärt, daß er bie Mäßigung und Loyalität unserer Haltung in der Marollo- Angelegenheit würdige. Ich will die Angelegenheit benutzen, um nochmals genau
die Haltung ber österreichisch-ungarischen Regierung hariiilcgcn. Wir haben nur wirtschaftliche Interessen in Marokko. Tic einzige Sache, auf bic wir Wett legen, ist die o ffen e T ü r. Wir haben indes noch ein anderes Interesse an dieser Frage, und ick glaube, dies schon wiederholt gesagt und auch schon Beweise dafür gegeben zu haben: Wir haben ein Interesse daran, daß cs wegen dieser Frage nicht etwa zu einem Kriege kommt, der eine gefährlickw Spannung hervorrusen und auf die allgemeine Ruhe Europas eine Rückwirkung auS- üben würde. Ich wünsche, daß bic gegenseitigen Schwierigkeiten glücklich und schnell zum Vorteil beider Teile unb bemzufolge zum Vorteil ganz Europas gelöst werden.
Tas Gelbbuck enthält weiter den Entwurf folgenden Schreibens des Staatssekretärs
v. Kiderlen-Wächter an Jules Cambon
g e s e tz >e s einrücken, i tnh bie Ausbildungsverhält- nifse schlpierig e r geworben. Tie HeeresverwalNtng sah sich daher Veranlaßfi bie Rekruten für die im Bereiche von Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien detachierten Bataillone von nun an zuerst vier Wochen hindurch in ihren K a d r e sta t io n e n ausbilben zu Paffen unb sie bann er st nach ihren Trupp e n- albteilungcn zu senben. Diese vier Wochen finb nunmehr abgelaufen unb es beginnen «m 14. November bie Abtransporte aus bem ganzen Gebiet ber Monarchie. Bei biefer (Gelegenheit wirb nicht überflüffig fein, bie Leffentlichkeit angesichts der u n g e w o h n t e n T r u p p e n- bewegungen auszullären, daß es sich um keinerlei außergewöhnliche Maßnahmen handelt, sondern daß die Militärzüge, die man an manchen Orten sehen wirb, nichts als Rckrutentransporte sinb, welche bie jährliche Mannschaftsergänzung für bie Truppen des 15. unb 16. Korps nach dem Süden fiihren.
Tie Meldungen eines Berliner Blattes über bie M o - bilisierung ber österreichischen Kriegsmarine unb ber Tonauflottille finb gänzlich haltlos unb aus ber Luft gegriffen. . .
Der König Georg in Lalonrtr.
Athen, 13. Nov. Gestern vormittag kamen der König, Prinz Georg und Prinzessin Alice im Sonderzug in Saloniki an, wo sie auf dem Bahnhofe von dem Thronfolger, den übrigen Prinzeii unb bem Metropoliten empfangen würben. Der König umarmte den Thronfolger und die anberen Prinzen unb begrüßte bie Höheren Offiziere. Darauf begaben sich der König unb bic Prinzen in bie Stabt, begrüßt von bent Jubel einer taufenbköpfigen Menge, bic trotz bes Regens zugegen war. Die Häuser waren mit Flaggen in ben Nationalfarben unb benen ber Berbünbeten geschmückt. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als der .König am Kai ankam. Eine große Menschenmenge folgte dem Zuge des Königs unter anhaltenden Kundgebungen bis zum Haufe Habu Lazaros, wo der König abstieg. Bis zur Nacht untren bic Straßen von einer freudig erregten Menge erfüllt, die den Tag feierlich beging. ™ <
Nachträglich wirb aus Uesküb gemelbet: Bei ber Einnahmevon Saloniki waren auch bie serbische unb bie bulgarische Armee bind) Truppe nabte i- lungen vertreten.
Der beschlagnahmte deutsche Dampfer.
Hamburg, 13. Nov. Die Deutsche Levante- linie teilt mit, sie habe vom Piräus eine Depesche erhalten, in ber bie Hoffnung ausgesprochen wirb, bie griechische Regierung werde den Dampfer „T c n e b o s" wieber freigeben.
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