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14.11.1912 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

162. Jahrgang

Donnerstag, 14. November 1912

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

Rotationsbrud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulflrahe 7. vndinyen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstrasse 16a.

Be,ag4i re» > monntiidiTSlM^ oiertel- tiihrhcti Alk. 2.20 durch lbbole- il Zweigstellen monatlich 65 Bf., durch die Pott m:.2.- viertel- lährl audd)L Veitellq. 3eilcnurcid: lokal 15Ps, auswäri» 20 Pienmq. Chefredakteur: 21 Goetz. Berautivortltch für den politischen teil August Goel;. für .^entQe- 011', .Vermischtes' und .Gerichissaal- R. Neu­rath, für ,Stabt und Band": E.Heg. für den Anzeigenteil £). Beck.

feit, ihre Widerstandskraft fange aber an, j u erlahmen.

Ein Albanese meldet derReichspost" aus Alesia, daß die Montenegriner bis Alesia vorgedrungcn seien, die Stadt aber nicht einnehmen lonnken und durch das Eingreifen der Miriditen eine schwere Schlappe erlitten. Sie mußten Cacaric und Ku Ni räumen.

Ein einwöchiger Waffenstillstand?

DerBert. Lok. An;." meldet aus Konstantinopel: In später Abendstunde vom Mittwoch verlautet, die Pforte hätte mit Bulgarien einen einwöchig en W a f fen sti l l st a nd abgeschlossen. Eine Bestätigung dieses Gerüchts war nicht zu erhalten.

Es wird eilt leeres Gerücht sein. LautMoniteure Oriental" sei der Abschluß des Waffenstillstandes bis Mon­tag zu erwarten.

Konstantinopel, 13. Nov. Wie versichert wird, soll der Minifterrat beschlossen haben, den M ä ch t c n zu antworten, daß nicht die Türkei, sondern d i e vier Balkan st aaten die Bedingungen für d i e^E i n - stellung der Feindseligkeiten und den Frie­densschluß z u formulieren hätten. Die Neber- Mittelung des Beschlusses an die Mächte wird heute durch die Botschafter der Türkei erfolgen. Prinz Sabal) Eddiu richtete an den Sultan einen 0 ffcnen Bries, der in den Straßen Stambuls als Broschüre 0 er - kauft wird, u n d bittet darin den Sultan, s ich mit dem ganzen kaiserlichen Hause an die Spitze der Truppen z u ft eilen, w i e e s die frü­heren Sultane getan hätten. In dem Briefe wird erklärt, die Urfadfe des Unglücks der Türkei sei in der Zentralisation zu suchen. Wenn die Türkei eine Politik der Eintracht mit den Nachbarn verfolgt hätte, so würde der Balkanbund jetzt unter der Führung des Sultans stehen.

Ein türkisches Torpedoboot beschoß zwischen Siliwri und Ks 0 ster 0 s eine Abteilung bulga­rischer Kavallerie mit Erfolg.

Die türkischen Flüchtlinge in Konstantinopel.

Konstantinopel, 13. Nov. Zahlreiche moham­medanische Familien aus den Dörfern der Gegend von E 0 rlu sind hier angekommen, im ganzen etwa 6000. Tie Flüchtlinge werden nach Sin0 pe geschickt. Die Zahl der noch hierverbleibenden Flüchtlinge wird au f 70000 geschätzt. Nach einer amtlichen Mit­teilung sind in den letzten 24 Stunden 15 Cholera fälle auf­getreten, darunter drei unter der Bevölkerung der Stadt. Drei Fälle waren tödlich.

Ein neuer Ausfall aus Adrianopel.

Sofia, 13. Nov. Tas BlattMir" berichtet, daß die Türken gestern einen neuen Ausfall aus Adria­nopel verflicht hätten, jedoch zurückgeschlagen wor­den seien. Hier sind zwei neue russische Sanitätsmissionen eingetroffen.

Ein Geschühnnfall bei den Bulgaren.

Sofia, 13. Nov. Durch die jetzt eingehenden näheren Berichte wird nachträglich bekannt, daß sich bei den Kämpfen bei K 0 tschana ein schwerer Geschützunfall au bulgarischer Seite ereignete. Die bulgarischen Reserve- fori'tationcn, denen vom Oberkommando neue Schnellfeuer­geschütze nach dem System Schneider zugeteilt waren, trafen Vorbereitungen für ein in Aussicht stehendes Gefecht. Als eines der Geschütze geladen iverden sollte, erfolgte bei der Handhabung des Schranbeuverschlusses eine Explosion,

durch ivelche zehn Soldaten getötet und zehn verwundet wurden.

Tic Zukunft von Konstantinopel

In einem Interview mit dem Sofioter Sonderbericht­erstatter der WienerNeuen Freien Presse" versicherte der frühere Minister Natschawitsch, die bulgarische Regierung befreundete s ich bi s jetzt mit der Idee eines Eininarstbes in Konstantinopel nicht. Bulgarien wünsche, daß aus Konstantinopel und Saloniki Freistädte gemacht würden Die Bul­garen würden vor Konstantinopel Halt machen und die (beschicke dieser Stadt der Entscheidung Eu­ropas überlassen.

Der ersolerciche türtifte widerstand in Sfutari.

Rjeka, 13. Nov Eine gestern im Hauptquartier ein* getroffene Meldung besagt: Beunruhigt durch die gestrige starke Beschießung erhob die christliche und mohammeda­nische Bevölkerung Skutaris durch Abgesandte beim Kom­mandanten Hassan Risa Bey Vorstellungen, weil Die Gebäude beschädigt, der Verkehr gestört und die persönliche Sicherheit gefährdet werde. Entweder solle die lieber* gäbe erfolgen ober die Offensive ergriffen werden, um weitere Nachteile für die Stadt zu verhüten. Risa Bey soll erklärt haben, es fei seine Pflicht, solange als möglich auszuharren Die Offen­sive sei jedoch untunlich, weil die Türken sich in L^erteidi- gungsstellung befänden. Von der Uebergabc Skutaris könne vorläufig leine Rede sein. Seit Mitternacht herrscht Sturm u'n d Regen, wodurch die Operations* tätigfeit der Montenegriner ftarf bcein- t r ä d) t i g t und die Mannschaften an der Erfüllung ihrer Aufgaben behindert werden

Woher das montenegrinische Hauptquartier die Einzel­heiten über die Stimmung der Einwohner Skutaris wissen will, erscheint rätselhaft. Jedenfalls aber steht fest, daß die Türken gut auf dem Posten sind

Tic Kämpfe vor Monaftir.

dürften fick), so meldet dasBert Tagebl." aus Belgrad», für Serbien schwieriger gestalten, als anfangs anzunehmen war. Monaftir wird von 40 000 Mann und 50 Kanonen gehalten.

Rußland dämpft in Belgrad.

DasNeue Wiener Tagblatt" meldet aus P e ters - bürg vom 13. Nov. 1 Uhr morgens: Der Minister des Aeußern verständigte den ferbifd)en Gesandten, Ruß* land werdezur Hafenfrage keinediretteStel- lung nehmen, sondern die Austragung lediglich den österreichisch-serbischen Verhandlungen überlassen, wobei Rußland bereitwillig freundschaftliche Unterstützung ge­währen werde, jedoch unter Vermeidung jeglicher Zuspitzung der österreichisch-serbischen Beziehungen.

Eine serbische Beschwerde über einen österreichischen Konsul.

DieVoss. Ztg." meldet aus Belgrad: Der serbische Gesandte in Wien erhob im Wiener Auswärtigen Amt Klage, daß der österreichisch-ungarische Konsul in Prizrend, Prochasko mit seinen Kawaff en und dem Konsulats- personal vom Dache des Konsulats auf die einziehenden, serbischen Truppen geschossen habe. Tie Abberufung des Konsuls wurde verlangt. Im Auswärtigen Amt wurde strenge Untersuchung zugesagt, zugleich aber erklärt, daß, im Falle der Unwahrheit der Beschuldigungen, "Simitsch persönlich zur Verantwortung gezogen werden würde.

Lcsterrcichifche Truppenbewegungen.

Wien, 13. 9Lov. Infolge der größeren Anzahl von Rekruten, welche mit dem Inkrafttreten des n e u e n W e hr-

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

Vie Entscheidung bei Tschataldscha.

Heute meldet der Berichterstatter der WienerReichs- post", warum der Angriff auf die Hauptstellungen der Türken bei Tschataldscha sich so lange verzögert habe: Regengüsse erschwerten den Vormarsch, und aus Adrianopel konnten keine Verstärkungen herangezogen werden. Tamit wird also die Vermutung, die wir gestern ausdrückten, bestätigt. Soeben ist aber eine weitere Mel düng desselben Berichterstatters eingelaufen, wonach die Hauptschlacht jetzt wir kl ick; im Otonge ist. Wenn man die Briefe und Nachrichten betrachtet, die in den letzten Tagen aus Konstantinopel kamen, konnte man auf den Widerstand der türkischen Soldaten keine allzi^roße Hoffnungen setzen In Konstantinopel herrschte Mutlosigkeit und Wirrwarr. Daß in diesen kritischen Zeiten, unmittelbar vor dem Be­ginn der Entscheidungsschlacht, Gerüchte von einem Waffen­stillstand in der Hauptstadt verbreitet werden dürften, ist ein schlechtes Zeichen Der Ministerrat soll beschlossen haben, die Balkanmächte sollten ihre Friedensbedingungen formulieren. Dergleichen Verlautbarungen sprechen nicht für ein entschlossenes Handeln. Ter Prinz Sabah be rettet dem Sultan eine gelinde Blamage mit der Aufforde­rung, das kaiserliche Haus möchte sich an die Spitze der Truppen setzen, denn cd ist $u spät, die Schlacht ist ja schon im Gange. Mohammed V. ist kein Kriegsheld: bas kann ihm niemand übel nehmen, aber er hat auch sonst noch keine Zeichen der Entschlossenheit gegeben.

Trotz all dieser Umstände wird nun berichtet, daß die Türken heldenhaft ihre Stellungen zu halten suchten und daß die Schlachtäußerst blutig" verlaufe. Ihr Widerstand fange aber an zu erlahmen, heißt es zum Schluß Man wird ein Fragezeichen dahinter machen bür fen, denn dieReichspost" darf natürlidi auch nur mel­den, was den Bulgaren gut und dienlich dünkt.

Die heutigen Meldungen lauten:

Der Kriegsberichterstatter der Wiener ^Reichspost" meldet aus dem Hauptquartier der bulga­rischen O starinee vom 12. November: Der Haupt- angriff gegen das Zentrum der türkischen Stellung von Tschataldscha sowie der Vorstoß von Norden her find im n stigon Vorwärts schreiten. In d ep letzten Tagen wurden die Türken aus allen Lorpositionen geworfen. Der Beginn des Hauptangriffs verzögerte sich jedoch um zwei Tage. Die Ursachen waren die infolge des mehrtägigen Regens ein getretenen Schwierigkeiten beim Munitionsnachschub und bei der Heranziehung von Verstärkung^ n von Adrianopel und der schweren Artillerie. Ter Kampf ist äußerst heftig.

Wien, 14. Nov. Der Korrespondent derReichs­post" im bulgarischen Hauptquartier meldet unterm 18. Nov., daß der Kampf um d i e türkische Hauptstellnng im Gange sei und äußerst blutig verlaufe Die erste Armee kämpfe nördlich des Sees Tschek- madsche bis nach Naktasksoy und die dritte Armee äüs der Linie Delijumus-Derkos. Tie Türken ver t eid i g - ten ihre Stellung mit großer Hartnäckig-

Die neueste Oper von Lugen d'Alberi.

Wien, 12. Nov.

ES ist eine seltsame Tatsache, daß Komvonisten, die sich mit einem enrzelnen Werte plötzlich in den Mittelpunkt des Interesses gerückt Laben, dann ihrem ersten guten Erfolg keinen ähnlichen mehr zur Seite stellen tonnen. Wie Maseagni und Leoneavallo bat nun auch 'Eugen d'Albert diese Lehre ziehen müssen Er wiro fernerhin nur der Komponist desTiefland" bleiben, wenn er auch jedes Jahr mit einer neuen £wr herausrückt. Der schritt aus das Gebiet der dreialtigen komischen Oper ist mit derVer- sch.cn lten Frau" volllommen mißglückt, und nun dachte dIAlbert mit einer Wiederholung desTiejland"-Sujets auch eine Wieder holung des großen Erwlges zu erreick-en. Es war vergeblich.

Seine neue Oper ,Liedeske11e n", die beute an der Wiener Volksoper ihre Uraufführung erlebte, hat wieder Rudolf Lothar zum Verfasser Wieder ist der Stoff einem Dickster aus dem glutvollen Süden entlehnt, wenn auch dieFilla del Mar" von Angel Guimera an der bretonischen Küste spielt, wieder steht eine Tran im Mittelpuntte der Handlung, wieder ergeben die Gegen [;c heißer crottscl r Instinkte den Konflikt, wieder endet die Angelegenheit mit Mord und Totschlag Alles stimmt Ins auf eines: Rudolf Lothar hat diesmal vollständig die SVraft versagt, die Handlung dramatisch, geschickt zu disponieren, die Vorgang.- an sich sind nicht originell genug, um für die Dauer eines ganzen Äreaterabends >u interessieren, man ivirb bald tccknahmslos und da auch der Komponist uns nichts Wesentliches zu sagen l>at, iit der Rest Langeweil.', der schlimmste Feind des Erfolges, ,-rer Schluß gar, die Lösung des Konfliktes mit einer Holz backe, steht bart an der .'rcitxe des Komischen. Wir bedauern vielleicht das Schicksal der weiblichen Hauptfigur, wie mir etwa bei der Zeitungs­lektüre von Mitleid für eine uns ganz fremde Person erlaßt wer­den, es geht uns aber dramatisch nicht nahe, ebensowenig wie der Schmerz desHelden".

In der Musik trifft man nickst nur gut bekannte Wendungen ausTiefland", sondern auch eine ganze Menge musikalischer Floskeln, die an einem kurzen Theaterabend eine bequeme hi sw rifdK' Ucbcriid't über di? Opern des 19. Jahrhunderts gestatten. Diese Schöpfung d'Alberts bleibt immer blutleer und inhaltslos, Kapellmeistermusik mit allen Fehlern, ohne die Vorzüge einer solckien. Die Ausführung des Werkes in der Volksoper stand aus respektabler Höhe. Ter starke Erfolg des Abends galt mehr dem persönlich anwesenden Autor, als seinem Werk.

Tr. Iohannes Brandt.

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ReinhardtsVenetianische Nacht" in Lon­don. Nachdem es dem Lord Chamberlain gefallen hatte, aus ganz unbegreiflichen Gründen die Reinhardt-Aufführung eine volle Woche hinauszuschieben, bis er. endlich dem dringenden Ersuchen nachgab, sich in höchst eigener Person eine Probe anzusehen und dann dieVenetian Night" freilich, ging heute Voll- mvel lers neue Pantomime unter rauschendem Beifall für alle Darsteller und Reinhardt selbst am Palace Variete in Szene. Von vornherein sei festgestellt, daß selbst sür die Prüdesten gegen die Vorstellung absolut nichts einzuwenden war, da in allen Teilen die denkbar feinste künstlerische Reserve aufgeboten wurde. Das Werk, das im ?lusdruck des Erotischen weit hinterSumurun" znrücksteht, kann schlechthin als eine Stomöbie der Irrungen be­zeichnet werden. Mit großem Geschick haben der Dickster, der Komponist B ermann und die wundervolle Regie kn nst Rein­hardts 65 verstanden, Traum und Wirklichkeit ineinander zu weben, und der besondere Reiz derVenetian Night" liegt in diesem seltsamen OSemisch von Wirklichkeit und Phantasie. Dieses Gemisch wird so bunt und kaleidoskopisch, daß wir uns manchmal gänzlich darin zu verlieren scheinen, doch gelingt es den Darstellern bald, uns klar zu machen, wo wir uns befinden, lieber den In­halt des Stückes haben wir kürzlich schon eingehend berichtet, sodaß uns beute nur übrig bleibt, den großen Erfolg sestzustellen.

Luther, eine mpthologifcke Figur. Der Ge­burtstag des Reformators rief einen geistvollen Scher; des be­kannten Germanisten v. d. Hagen ins Gedächtnis. Dieser bewies" nämlick in einer später im Drucke erschienenen Rede, daß Luther nie gelebt habe, sondern eine mythologische Figur sei. Er handhabt dabei den üblichen kritisch m Apparat der Philo logen und Kulturhistoriker, um deren Tätigkeit zu persiflieren, mit so großer Fertigkeit, daß er überraschende Wirkungen erzielt. Schon die'Rückbeziehung auf Hsts h» i. Gans, ist verdächtig, und die liegt, abgesehen von der post feftum fabrizierten Prophezeiung vom Wittenberger Sclivan, darin, daß man Luther am Martins- l a ge geboren sein läßt. Eisleben , das als Geburtsort ange­geben wird, bezeichnet durch seinen Namen den Uebergang von der Erstarrung der Kirche zum Glaubensleben, und daß sein Vater ein Bergmann fein soll, deutet darauf hin, daß er die Schatze ber reinen Lehre wieder ans Lickst gebracht hat. Die Er'^hlung von seiner Bekehrung durch einen Lickststrahl ist offensichtlich eine Nach­bildung des Berickstes über die Bekehrung Pauli Apostelgefch. 9, 3, 4), wie dieser überhaupt bei der Konstruktion von Luthers Leben als Vorbild gedient hat. In Wittenberg läßt man ibn gegen Papst und Klerus auftreten, einfach, weil bei der Gründung der Universität der Gedanke ausgesprochen worden war, von hier aus würden einst alle Völkr Weisheit empfangen.

Uebrigens ist auch hier wieder die Rückbeziehung auf Hus: Prag liegt am Weißen Berge (Wittenberg). Tie wichtigsten Stationen seines Lebens sind Orte, an denen die deutsche Sage ihr Wesen treibt. In Augsburg rettete ihn, wie erzählt wird, der Weber Langmantel, offenbar der Teufel mit Fausts Zaubermantel, in Worms tritt er Kaiser und Reich -entgegen, loie einst Sieg­fried den Recken, und schließlich wird er \auf die sagenumwobene Wartburg entführt, und nickst umsonst heißt er chier Irurker Georg. Er soll an dem Trachentöter und Jungfrauenbefreier erinnern. Daraus entstand dann wieder die Sage von feiner Be­freiung der Katharina von Bora und der »Verheiratung mit ihr. Es symbolisiert das nur die Verbindung der neuen Lehre mit der der Katharer. Schließlich läßt man ihn ^wieder in Eisleben sterben, dessen Namen seinen Tod und sein -Leben in sich schließt Luther istalso" eine Figur des Mythus.

Eine nachahmenswerte Bekann tmachun^ haben die bayerischen Behörden ertasten. Sie lautet: ,In Hotels, Gaslhöten und Pensionen kommt es vor, daß den Gästen haupt­sächlich zum Frühstück nicht unmer natürlicher Bienenhonig, sondern Kunsthonig oder ein Gemisch von solchem mit echtem Honig ver­abreicht wird. Wenn die Gäste in dem Glauben gelassen werden, daß es sich in solchen Fällen um natürlichen Bienenhonig handelt, so macken sich die Gescka'tsinhaber eines Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz schuldig und wäre demnach die Rahrungs» mittelpolizei veranlaßt, mit Strafanzeigen vorzugehen. Tie Fnter- essenten werden daher daraus ausmerksam gemacht, daß die Ver­abreichung von Kunsthonig oder anderen Honigerlahmitteln nur dann unbeanstandet bleiben kann, wenn sie auf den den Gästen vorgesetzten Gefäßen in deutlich wahrnehmbarer Weite ausdrücklich als Kunst Produkt deklariert werden. In gleicher Weise muß ver­fahren werden, wenn anstatt Butter ein Kunstvrodukt verabreicht iverden soll * Abgesehen von dein schönen königlich bayerischen Amtsstil würde sich der Erlaß einer solchen Verordnung auch in anderen Bundesstaaten sehr empsehlen.

Kurz e Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Der Internationale Medizinische Kon­greß wird seine nächste Tagung vom 6. bis 12. August 1913 in London ab halten. Entsprechend den durch den ständigen Aus­schuß der Internationalen Medizinischen Kongresse gebilligten Be­schlüssen hat sich auch diesmal ein Deutsches Reichs-Ko m 11 e e gebildet, das sich die Aufgabe gestellt hat, die Interessen der deutschen Teilnehmer nach allen Richtungen hin wahrzunehmen. Durch seine Vermittlung können die Kollegen Rat und Auskunft in allen den ftonnren betreffenden Angelegenheiten erhalten.