Ausgabe 
14.10.1912 Erstes Blatt
 
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Ter Sultan der Türkei ordnete die Gründung eines Hospitals für Verwundete auf seine Kosten an. Die Polizei verhaftete in einein aus Adrianop.'l kommenden Zuge 14 bulgarische Spione. Tie türkischen und rumänischen Sozialisten erließen einen Aufruf an die Völker des Balkans und Anatoliens gegen den Krieg.

Tie türkische Motte.

Eine Lloyds-Meldung aus Konstantinopel besagt: Tie türkischen Kriegsschiffe sind in der Richtung nach dem Schwarzen Meere abgefahren und ankern bei K a v e k im Bosporus.

Ter türkische Thronfolger ist am Sonntag in W i e n eingetroffen. Er dürfte Montag nach Konstantinopel Weiterreisen.

Die Vorbereitungen in Belgrad.

DasDerl. Tagebl." meldet aus Belgrad: Für die Verlegung des Regierungssitzes während der Kriegsdauer von hier ist Kracujewatz ins Auge gefaßt worden. Das Regierungsblatt veröffentlicht einen A^p p e l l an Oesterreich-Ungarn, Serbien jetzt durch Freund­schaft zu verpflichten, es würde sich dann überzeugen, daß Die Serben ein dankbares Volk seien.

Rach einer Meldung derDeutschen Tageszeitung" aus Sem M ii herrscht aber in Belgrad Beunruhigung, weil feststeht, daß eine Mobilisierung Oesterreich- Ungarns unmittelbar bevorsteht, bezw. schon im Gange ist und zwar vorläufig von vier Armeekorps in Südungarn, Kroatien, Slawonien, Bosnien und Herzegowina.

KönigPeter will nach Belgrader Meldungen wahr­scheinlich morgen nach Risch abreisen. Sofort nach seiner Ankunft soll die Kriegserklärung erfolgen.

Tie serbische Skupschtina hat die Gesetze, be­treffend den außerordentlichen Kredit für die Armee im Betrage von 44800000 Dinars und Schaffung eines Moratoriums angenommen. Dann wurde die außerordentliche Session geschlossen.

Der serbische Ministerpräsident Paschitsch erklärte dem Berichterstatter derAgence Havas", die'schon bisher schwierige und kritische Lage habe sich noch dadurch verschlimmert, daß die Türkei irreguläre, aus GesindelzusammengesetzteBandenbewaffne und gegen die wehrlose, serbische Bevölkerung in ber Ge­gend von Kossowo loslasse, deren Waffen die türkischen Behörden seit langem eingezogen hätten.

Mehr als 800 Familien hätten ihre Wohnungen im Stich gelassen, um einem Massaker zu entgehen und seien aus serbisches Gebiet geflüchtet.Wir verlangen", erklärte Paschitsch,für unsere unterdrückten serbischen Brüder die ethnische Autonomie für das Gebiet, das vom Sandschak Novibazar den Sand- fefja! miteinbegriffen im Südosten bis zum Tale der B r eg a V niza reicly, einem Rebenstuß des Vardar, das heißt ostwärts also für ganz Kos so wo und ferner für das Gebiet, das von Al ess io, dem Hasen am adrialischen Meer, längs, des rechten Users des Schwarzen Drin bis zum Ochrida-See sich hinzieht und im Süden durch die Linie O ch r i d a-S e e - K ö p r ü l ü begrenst wird. Was wir heute fordern, ist einzig und allein das, was die Großmächte in Berlin beschlossen haben, indem sie für die serbischen Wilajets der Türkei dasselbe autonome Regime wie für Kreta festgesetzt haben. Es ist den Großmächten nicht ge­lungen, die TureMl-rung der Reformen zu erreichen: jo haben wir es auf uns genommen, sie aus eigener .Kraft duraVusetzen. Einzig und allein ernsthafte und wirksame förmliche Garantien seitens der GroßmäckUe hätten den Ausbruch des Konflikts be­schwören können. Aber sic zeigen wenig Neigung, die Verant­wortung auf sich zu nehmen. In höchstens 48 Stunden werden die Balkanstaaten die Antwort auf die gsterreichisch- ungarisch-russische Rote überreichen. Wir werden zu derselben Beit den Großmächten die Bedingungen vorlegen, die wir für unbedingt notwendig halten, um die Existenz unserer Stamrnes- brüber zu sichern, worauf es uns allein ankommt. Diese Be­dingungen werden gleichzeitig auch der Pforte übermittelt werden. Alles hängt jetzt von der Türkei ab."

In Belgrader gutunterrichteten Kreisen ist allgemein die Ansicht verbreitet, daß die von dem' Ministerpräsidenten Paschitsch auseiuandergesetzteu Bedingungen der Pforte in Gestalt eines Ultimatums unterbreitet werden sollen.

Österreichisch-russische Besprechungen.

Der Londoner Korrespondent desTemps" meldet aus angeblich bester Quelle, daß zrvischen Oesterreich-Un­garn und Rußland Besprechungen schweben, wo­nach die beiden Mächte, um die etwaigen Folgen eines Konfliktes zu vermeiden, und ihre Absichten genug zu kenn­zeichnen, geneigt wären, eine neue Rote zu veröffentlichen, in welcher erklärt würde, daß die gegenwärtige Einteilung des Sandschaks Rovibasar unter keinen Umständen abge­ändert werden könnte. DerTemps" fügt hinzu, daß er weder von französischer, noch von russischer, noch von öster­reichischer Seite eine Bestätigung dieser Nachricht erlangen konnte.

Aus Petersburg wird gemeldet: Tie Minister Witte, Sasonow, Kokowtzow und angeblich auch der Gesandte Iswolski sind zum Zaren nach Spala zum Bericht über die Lage berufen worden.

Griechenland.

Athen, 12. Okt. Der Kronprinz und der Gene- r al st ad finb Tyeutc vormittag acht Uhr zur Armee nach Thessalien abgercist.

Fremde Kriegsschiffe.

Malta, 12. Okt. Ter KreuzerBar hl am" geht heute nach Kreta ab. Das dritte Linienschiff- Geschwader geht voraussichtlich am 25. Oktober von England nach Malta.

Paris, 11. Okt. Aus Algier wird gemeldet, daß der russisctye Kreuzer ,-Olex" beute morgen nach Kreta abgegangen ist.

Ein Ultimatum Italiens?

DieTribuna" erklärt in einem Artikel, daß Italien für den Frieden alles getan habe, was mit seiner natio­nalen Würde vereinbar sei und sagt zum Schluß:

Das Ultimatum Italiens muß am Sonnabend vormittag durch unsere Vertrauensmänner in O u ch y den türkischen Vertrauensmännern mitgeteilt worden sein und wird trotz der Schwierigkeiten der telegr^hischeu lieber Mittelung jetzt auch in die Hände der türkischen Regierung gelangt fein. Man darf hoffen, daß die türkische Regie rang diese Depesche ihrem Inhalt nach verstehen und be greisen wird, daß dieses die letzte Mitteilung ist, die sie in dieser Sprache erhält. Sollte es sich zeigen, daß sie diese Sprache nicht versteht, so wird die Kano n e sprechen.

t'ijm türkisch-italienischen .Kriegsschauplatz.

R o m , 12. Okt. General Briccola telegraphiert aus Ben gl) am vom 11. Oktober, 5 Uhr 30 Minuten abends: Ich bin glücklich, melden zu können, daß gestern unsere ~nippen in Derna neue Erfolge hatten. Die Bri gahe Salsa, welche links von Bumf a f er unter Mit­wirkung der Artillerie und der Brigade (5 a p e l l o operierte, griff den aus regulären türkischen und arabischen Truppen

nebst Artillerie bestehenden Feind an und trieb ihn in die Flucht. Tie Verluste sind nicht genau festgestellt, müssen aber beträchtlich sein. Wir hatten 12 Tote und 83 Ver­wundete. __________________

Deutsches Reick».

Der Kaiser und die Kaiserin sowie die Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Joachim und Gefolge trafen am Samstag nachmittag 3 Uhr in Auto mobilen von (Sabinen in Marienburg ein. Vor dem Schlosse fanden sich zur Begrüßung Landrat Hagemann, sowie Gebeimrat Steinbrecht ein. Sogleich wurde eine ein gehende Besichtigung des Schlosses vorgenommen. Um fünf Uhr erfolgte die Abreise der Allerhöchsten Herrschaften im Sonderzuge nach Danzig-Lang fuhr, wo um 6 Uhr 20 Min. die Ankunft erfolgte.

Am Sonntag morgen ist das Kaiserpaar auf Jagd­schloß Hubertus stock eingetroffen und hat für einige Tage dort Wohnung genommen.

Der Reichskanzler hat sich am Sonntag zum Vortrag beim Kaiser nach Hu­bertusstock begeben.

Die erste Anwendung des Enteignungs­gesetzes.

Vier polnische Rittergüter von zusammen 7000 Morgen sollen demnächst enteignet werden, und zwar Zlotnik bei Pudwitz, das kürzlich an Herrn v. Koscielski verkauft wurde, Koldromb im Kreise Znin, Lippinken, Kreis Schwetz, das dem Abgeordneten v. Saß-Jaworski gehört, und das Frau Helene v. Pot worowska, geborenen v. Koscielski, gehörige Rittergut Bo- zejewiee im Kreise Strelno. Rach einer weiteren Mel­dung sind die polnischen Besitzer von der Absicht der Re­gierung bereits in Kenntnis gesetzt worden.

Zum Abschied des deutschen Gesandten v. Bülow,

der den Berner Posten mit dem preußischen Ge­sandtenposten am Dresdener Hofe vertauscht, bringen Berner Blätter äußerst sympathisch gehaltene Artikel. In einem Leitartikel stelltDer Bund" fest, daß während der 14 Jahre, in denen v. Bülow das Deutsche Reich vertrat, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz sich immer offener, freundlicher und herzlicher gestalteten.

*

Nationalliberale Jugend.

Die Tagung des ReichsverbandeS der Vereine der natio nalliberalen Jugend, die ursprünglich zu einem früheren Termin geplant war, findet am 19. und 20. Oktober zu Frankfurt a. M. statt. Ihr wird am 18. Oktober eine Sitzung des Reichsverbands-Vorstandes vorangehen. Auf der Tagesordnung der beiden öffentlichen Versammlungen am Samstag nachmittag und am Sonn ag vormittag stehen folgende Fragen: Tie politische Lage und die Forderungen der Gegenwart (Imperialismus) mit einem Bericht des VerbandSvorsitzenden Dr. R. Kauffmann aus Stuttgar, und Liberalismus und Sozialismus, Vortragender Privat dozeut Dr. Oscar S t i l l i ch -Berlin.

Die österreichischen Heeres Vorlagen.

Der Heeresausschuß der österreichischen Delegation hat die neuen Militärkredite angenommen.

Aus Marokko.

Nach bisher unbestätigten Gerüchten soll sich die Be­völkerung des Susgebiets für El Hiba erklärt haben El Glaui sandte gegen die Aufständischen eine zweite ^Ibtcilung von 800 Mann ab. Mtugi ist nach Gondafi aufgebrochen, Truppen auszuheben. Dre Nachricht hat in Marakesch eine gewisse Erregung hervorgerufen.

Aus Stadt und Land.

Wietzen, 14. Oktober 1912.

* Aus dem Staatsdienst. Der Großherzog hat den Vortragenden Rat in der Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung des Ministeriums der Finanzen, Geh. Oberfinanzrat Dr. Fuchs, auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner treu und ersprießlich geleisteten Dienste aus dem Staatsdienste entlassen.

** Ordensverleihungen. Der Großherzog hat das Komturkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Phi­lipps des Großmütigen: dem Generalmajor Herhudt v. Rohden, Inspekteur der Jnfanterieschulen, seither Oberst und Kommandeur des Infanterie-Leib-Regiments Groß­herzogin (3. Hessischen) Nr. 117, und dem Oberst v. Mül­ler, Kommandeur der 34. Feldartillerie-Brigade, seither Kommandeur des Großh. Artilleriekorps, 1. Hess. Feld- artitterie-Regiments Nr. 25; das Ritterkreuz 1. Klasse des­selben Ordens: dem Major v. Kropff beim Stabe des Infanterie-Regiments von der Marwitz (8. Pomm.) Nr. 61, feitber Hauptmann und Kompagniechef im Leibgarde-Jn- fanterie-Regiment (1. Hess.l Nr. 115, dem Major v. B u r s z - tini dein?Stabe des Füsilier-Regiments Königin (Schles- wig-Holstein.) Nr. 86, seither Hauptmann und Komp.-Ehef im Inf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, und dem Major v. Pestel beim Stabe des Kulmer Jnf.-Regts. Nr. 141, seither Hauptmann und Komp.-Ehef im Inf.-Regt. Prinz Carl (4. Hess.) 9h:. 118; das Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens: dem Hauptmann Frhrn. Schenck zu Schweinsberg, Komp.-Ehef im Jnf.-Regt. von Wittich s3.Kur- hess.) 9h:. 83, seither Oberleutnant im Leibgarde-Inf.-Regt. '1. Hess.) Nr. 115, dem Hauptmann v. Boeltzig beim Stabe des 4. Garde-Regts. zu Fuß, seither Oberleutnant im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, dem Hauptmann Bölke beim Stabe des 5. Lothr. Jnf.-Regts. Nr. 144, seither Oberleutnant im Ins.-Leibregt. Großherzo­gin (3. Hess.) Nr. 117, dem Oberleutnant Fitting, Lehrer an der Militär-Turnanstalt, seither Oberleutnant im Inf- Veibregt. Großl^erzogin (3. Hess.) Nr. 117, und dem Ober­leutnant v. Grovte im 3. Ostpreuß. Feldart.-Regt. 9h: 79, seitln'r Oberleutnant im Großh. Art.-Korps, 1. Hess. Feld- art.-Ri^t. Nr. 25 verliehen.

** Justizpersonalien. Ter Großherzog hat den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I, Friedrich Conradi, zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, den Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Rheinhessen, Dr. Ernst Mayer, unter Er­teilung des Charakters als Amtsgerichtsrat zum Amts- richter bei dem Amtsgericht Mainz, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach, Dr. Gust. Maurer, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I, den Amts richter bei dem Amtsgericht Lampertheim, Hch. Reitz zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Michelstadt, den Qk- richtsassessor Rud. Br ab aus Aachen zum Amtsrichter

bei dem Amtsgericht Lampertheim und den Gerichtsassessor Rob. Weitert aus Nidda zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach ernannt.

* * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Reallehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt, Heinrich Keil, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu D-armstadt.

* * Ans dem Militärwochenblatt. Infolge Versetzung überwiesen: Kümmel, Oberzahlmeister, bisher beim 1. Bat. 2. Lothring. Jnf.-Regts. Nr. 131, dem 2. Bat. Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Hess. Nr. 116.

* * Erledigt ist die Stelle eines Ministerial- revisors bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen. Meldeschluß 20. Otto der.

* * Zu den Wahlen für die Angestelltenver- sicherung schreibt man uns: Nachdem vor einiger Zeit die dem Hauptausschuß angeschlossenen Verbände eine Wäh­lerversammlung gehalten haben, setzen jetzt die Vertreter derFreien Vereinigung" eine solche auf den 18. Okto­ber an. (Siehe Anzeige.) Als Redner ist hierzu der mit dem Gegenstand bestens vertrante Herr Koym-Frankfurt gewonnen. Es nrirb für viele Angestellte interessant sein, auch einmal die Gründe zu hören, die die Verbände ber Freien Vereinigung" veranlaßt haben, ihre eigenen Wege in der Versichcrungs frage zu gehen. Ter Besuch der Ver­sammlung bietet hierzu Gelegenheit

** D e r f o r t s ch r i t t 1 ich e p oli t is ch e Bi ldu ng s- o er ei n nimmt, wie er uns schreibt, in dieser Woche seine lange unterbrochene Arbeit wieder auf. Im letzten Jahr boten die zahlreichen Wahlversammlungen genug Gelegen­heit, sich in politische Fragen zu vertiefen. In der stilleren Zeit gilt es nun, bas angeregte Interesse nicht einschlafen zu lassen. Ter Verein ist bestrebt, die politischen Probleme möglichst objektiv zu behandeln, um wirkliche Erkenntnis zu fördern. Deshalb wäre es zu wünschen, daß nicht nur die Mitglieder, sondern auch Gäste sich zahlreich einfänben. Lehrer Kinkel, ber am Donnerstag abend im Hotel Schütz - spricht, ist als sehr guter, temperamentvoller Redner be­kannt.

** Der akademische Gesangverein wird, wie er uns schreibt, in der kommenden Konzert-Saison in Ver­bindung mit dem Konzert-Verein folgende Werke zur Auf­führung bringen: 1. Max RegerD i e Nonnen"; Orchester: Meininger Hofkapelle unter Leitung von Pro­fessor Max Reger. 2. BeethovenMissa 'soLem- nis"; Orchester: Meininger Hofkapelle unter Leitung von Professor Trautmann. 3. BerliozRequiem"; Or­chester: die verstärkte Sinfoniekapelle des Palmengartens in Frankfurt a. M. Leitung: Prof. Trautmann. 'Sie an­gestrebte möglichst wirkungsvolle Wiedergabe dieser Werke läßt eine Verstärkung des Chors höchst wünschenswert er­scheinen. Der Vorstand des Vereins erlaubt sich daher, musikalische stimmbegabte Damen und Herren, welche diesen Chorwerken Interesse entgegenbringen, zum Eintritt ein­zulaben. Der Jahresbeitrag beträgt 8 Mark, wovon bei einem Abonnement auf die Aufführungen des Konzert­vereins 6 Mark in Abrechnung gebracht werden. 9ieuanmcf« düngen nimmt Prof. Traut in a n n täglich (außer Mitt­wochs) mittags von 1 Uhr bis 2V2 Uhr in seiner Wohnung Moltkestraße 6 und in den Probeabenden in der Universi­täts-Aula entgegen.

Verein für Franenstimmrecht. Man schreibt uns: 91 m 1. Januar soll baS Gesetz, daß die Zukunft dec Privatangestellten ohne Pensionsberechtigung einiger­maßen sicherstellen will, in Kraft treten. Trotz der Nähe dieses Zeitpunktes herrscht bei oiekn der Versicherungspflichtigen noch sehr große Unkenntnis über ihre Rechten und Pflichten. Schon die Frage: Wer muß sich versichern? ist nicht ganz leicht zu beantworten, weil die Grenzen einzelner Kategorien mir schwer zu ziehen sind. Planche, die nicht dem Versiche- rungSzwange unterliegen, sind sich nicht klar darüber, ob eS vorteilhaft für sie wäre, freiwillig beizntreten, außerdem gibt eS noch verschiedene Punkte, über die zuverlässige Angaben erwünscht fein würden. Die Ortsgruppe Gießen deS Vereins für Frauenstimmrecht hat deshalb in Herrn Dr. Cahn von Frankfurt einen Redner gewonnen, der durch eingehendes Studium deS Gesetzes hervorragend befähigt ist, alle noch herrschenden Unklarheiten und Mißverständnisse zu beseitigen. Es ist darum allen für die Versicherung in Betracht kommenden 'Männer und Frauen, bei denen noch Zweifel über die Be­deutung irgend einer Bestimmung deS Gesetzes herrschen, in ihrem eigensten Jnteresie zu empfehlen, den Vortrag deS Herrn Dr. Cahn zu besuchen. (S. Inserat).

** Stadttheater. In ber morgigen Aufführung von HauptmannsBiberpelz" wirb bieMutter Wolfs" von Fräulein Scholz gegeben unb ber Wehrhahn von unserm neuen Bonvivant .Herrn Brübjam, bem bamit Gelegenheit gegeben ist, sich auch einmal in einer bankbaren Rolle vorzustellen. Von anbei en neuen Mitgliebern wirb Frl. Thale vom Stabttheater in Halberstabt als Abekheid zum ersten Male Gelegenheit haben, sich in einer größeren Auf­gabe zu zeigen; bie junge Künstlerin ist eine Nichte bes bekannten Schriftstellers Oskar Blumenthal. Es wird besonbers darauf hingewiesen, baß bie größeren Pau­se n stets durch Fallen des Hauptvoichanges unb durch längeres Glockenzeichen bekannt gegeben werden.

** Ein Obstmarkt der Kreisstt^aßenver- waltung Gießen ist dieser Tage in den Kellern des Kreisamtsgebäudes eröffnet worden. Die Leitung des Mark­tes liegt in den Händen des Kreisobstbautechnikers He- berer, der die Früchte in einzelnen Abteilungen zur Schau gestellt hat. Das Obst ist in zwei'Sortierungen ausgeleseu, die erste Sorte umfaßt die am besten entwickelten Früchte, die Preise stellen sich auf 15 bis 18 Mk. für den Zentner, während 1911 der Zentner 16 bis 20 Mk. kostete. Die zweite Sorte enthält die Früchte, die in ihrem Aussehen nicht so sehr in die Augen fallen und kleiner geblieben sind, hier kostet der Zentner 9 bis 10 Mk. Die Abnehmer sind mit der Einrichtung außerordentlich zufrieden, weil man von jeder Sorte haben kann und sicher ist, daß man auch gute Früchte und nicht minderwertiges Obst für Tafelobst kauft. Von den vielen Sorten find die hauptsächlichsten: Gold­parmäne, Landsberger, Bohnapsel, Kasseler, Stettiner, Bos- kopp, gelber Edelapsel und Herberts Reinette. Die Hälfte ber gesamten ObstmenHe liefert bie altbewährte, ertrag­reiche Wintergolbparmrme, deren Anbau sich für unsere Gegend sehr empftehlt. Die Preise für die einzelnen Sor­ten sind folgende: Goldparmäne 1. Sorte ber Zentner 16 Mk., 2. Sorte 9 Mk., Herberts Reinette 1. Sorte 18 Mk., 2. Sorte 10 Mk., gelber Edelapfel 1. «Sorte 18 Mk., 2. Sorte 10 Mk., nur in einer Sorte werden verkauft der Zentner Landsberger zu 16 Mk., Moldauer 12 Mk., Bohnapfel 12 Mark, Stettiner 12 Mk., Christinch en 12 Mk, jOberdicks Rei­nette 15 Mk., Prinzenavfel 15 Ah, Rosenapsel 12 Mk., Muskan 15 Mk., Kasseler 15 Mk, von Blenheim 16 Mk., Streifling 12 Mk., Champagner Reinette 12 Mk., gelber Richard 15 Mk., Krummstiel 12 Mk., graue französische