Ausgabe 
14.10.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.

zwei türkische Bataillone, die zum Ersatz TuziS entsandt waren, seien von Malissoren abgesangen worden.

Konstantinopel, 12. Okt Das Kriegsmiirr­st e r i u m gibt bekannt, daß die türkischen Truppen nach erbittertem Kampf den Hügel Z a g z a l e, der von den Montenegrinern besetzt worden war, wie­der eroberten.

An der bulgarischen Grenze.

Saloniki, 12. Okt. (Wien. Korr.-Bur.). Nachrichten von der bulgarischen Grenze zufolge, verlief auch der vor­gestrige Tag ruhig. Eine starke bulgarische Bande feuerte auf ein türkisches Detachement bei Karatepe, wurde aber über die Grenze zurückgctrieben. Biele bulgarische Fami­lien verließen aus Furcht vor dem Kriege die an der Grenze gelegenen Dörfer und flüchteten nach Bulgarien. Ter Ban­denführer Tschernopejeff befindet sich in der Gegend von Melnik und versucht auch die dortigen Bulgaren zur Er­hebung aufzureizen. Das Volk verhält sich aber ruhig. Im Walde bei Krania fand gestern ein Kampf mit einer starken griechischen Bande statt, die unter Zurücklassung von drei Toten flüchtete.

Salon ik, 13. Okt. Wie von gestern aus Pa la nka gemeldet wird, sind zwischen den türkischen uird «bulgarischen Grenzwachen ernste Reibereien entstanden. Von beiden Seiten wurde längere Zeit heftig geschossen. Die Verluste sind unbekannt.

Tie Aaence Havas meldet aus Konstantinopel vom Sonntag 1.30 Uhr mittags: Nach einer Meldung aus Ues- tüb haben die Bulgaren zwei Brücken zwischen Ues- (üb und Kotschana durch Bomben in die Luft ge- spren gt.

Eine Proklamation des Sultans.

Ter Sultan richtete an die Armee eine Prokla» mation, in der diese aufgefordert wird, gegen die Bal­

sern Ter Eintrittspreis ist auf 50 Psg, für die Mitglieder der drei veranstaltenden Vereine sowie die des Kunltvereins auf 20 Pfennig festgesetzt worden; Schüler zahlen 10 Pfennig, Herr Vollbehr ist bereit, selbst kleine erläuternde Vorträge zu halten. Besonders rechnen wir aus den Besuch der Schuljugend und hoffen, daß er unter Führung der Lehrer klassenweise erfolgen wird. Anmeldungen sind an Derrn Zcugwart Riebet zu richten: als Zeit für die Führung der Klaßen empfiehlt sich von 911 oder von 45 Uhr. Am 25. Oktober um 5 Uhr wird die Ausstellung geschlossen, da sie nach München überführt werden wird.

Professor Sievers.

Gießener Stadttheater: Rosenmontag. Otto Erich Hartlebens packende Offizierstragödie Rosen montag ging gestern abend in einer von Herrn Goll vor­züglich eingerichteten Aufführung über unsere Bühne und hinter­ließ dank ihrer feinfühligen bis ins kleinste wohlerwogenen Durch­arbeitung einen starken Eindruck. Fräulein de Bruhn gab als Traube eine ganz hervorragende Charakterstudie des armen, in seinem bißckxrn Lcbensglück schmählich betrogenen Mädchens. Sie! war schon in ihrem ersten Aufttitt von crschütterndlter Tragik und wußte diese Wirkung durch kluges Maßhalten von Akt zu Akt, bis zu dem leidensckmstlichen, verzweifelten Ausbruch des letzten Austritts gewaltig zu steigern. In Herrn Jensen als Hans Rudorf stand ihr ein ebenbürtiger Gegenspieler zur ecitc. Jung, srisch und voller Leidenschaft spielte er den um seine Menschenrechte kämmenden Offizier und führte ihn mit sieghafter Beherrschung seiner schönen Mittel ganz ausgezeichnet durch. Von den übrigen Darstellern, die wir, soweit größere Rollen in Be­tracht kommen, alle schon im vergangenen Winter gesehen haben, sind Herr Goll als Harold, Volck als Peter, Grosser als Moritz zu nennen. In neuen .Rollen zeigten sich Herr Dwor- kowsky als Grobitt'ch, Brüdjam als Klewitz und Klicwer als Kommerzienrat in sehr vorteilhaster Weise. Schade wäre , wenn die gut ausgeärbeitete Darstellung schon, wie das beab­sichtigt ist, von der Bühne verschwände. Warum soll sie nicht durchs Abonnement laufen?

Funde in einer alten Kirche. Bei Erneuerungs- arbeüen in der berühmten Bartholomäuskirche zu Lüttich, in der bereits das vielbesprochene bronzene Taufbecken gefunden wurde, ist man gut interessante und archäologisch wertvolle Tinge ge­stoßen. Als der Fußboden auigerissen wurde, fand man einige Zentimeter darunter eine alte Pflasterung aus kleinen viereckigen Tonziegeln, die schwarz und gelb gefärbt waren. Unter diesem Fußboden wurde ein Gewölbe aus Ziegeln entdeckt, mit einem

montenegrinische Grenze gezogen.

DieBoss. Zeitung" will dagegen aus C e t i n j e wissen:

vor der Entscheidung.

Wie die Antwort der Balkanstaaten auf das Einschreiten oct Mächte ausfallen wird, darüber ist man sich jetzt auch in amtlichen Kreisen ganz klar geworden, und wenn die Norddeutsche Allgem. Ztg." in ihrer Wochenrundschau meint,ba-s Vorgehen Montenegros lasse erkennen, m wel­cher Richtung die anderen Terlnehmer des Balkan-Vrer- bundes sich entsck-eiden würden", so ist das deutlich genug: es gibt Krieg. Das amtliche Blatt bringt im Anschluß an diesen bedeutsamen Vermerk so etwas toie eine Entschuldi­gung für den Mißerfolg der Vermittler:

Die F c st st c l l u n g ist von Wert, daß bin dem Vorschlag Poincaros und der darauf beruhenden Aktion der Mächte der Aus­bruch eines Krieges von Anfang an in Rechnung gezogen wurde Toa Ziel der Mäckstc ist von vornherein über eine prob- lematischeVerhütungdesBalkankriegeshinaus- gegangen. Es kam vor allem darauf an, Vorsorge zu treuen, daß die Großmächte nicht in die Verwicklung hineingezogen würden. Ihr gemeinsam kundgegebener Entschluß, keine Aen- derung des territorialen Statusquo zuzulassen, bietet dafür eine Gewähr. ,

Daß die Kriegsmöglichkeitin Rechnung gezogen wor­den ist, damit wird der amtliche Stilist niemand mehr über­raschen wollen. Wenn man aus dem Wortebrei einen Kern hcrausfischen will, so ist es die Behauptung, daß die Be­ratungen der Mächte nicht ganz vergeblich gewesen seien. Das glauben mir auch: etwas ist besser als gar nichts. Rur meinen wir, daß der Entschluß in Bezug auf den Statusquo nicht als ernstliche Bürgschaft aufgefaßt werden sollte. Tic tatsächliche Lage verschiebt sich und auch das diplomatische Wetter ist keineswegs unveränderlich.

Ueber die Antwortnote Bulgariens auf die Rote der Großmächte will derTemps" wissen, daß sie eine Ablehnung des vermittelnden Eingreifens darstell? Bulgarien wolle von der Türkei direkt verlangen, daß sie ihre Absichten über die Reformen in Mazedonien präzi­siere.' Auch werde von der Pforte die sofortige Demobili­sierung gefordert werden. Zu dieser düsteren Voraussage paßt auch die Meldung aus Konstantinopel, daß das tür- lische Finanzministerium Befehl erhalten habe, den türki­schen Gesandten in Belgrad, Sofia und Athen sofort Gelder für die Heimreise anzuweisen.

Zu allem Ueberfluß ist auf dem montenegrinischen Kriegsschauplatz bereits in Strömen Blut geflossen. Wäh rend die Montenegriner nördlich des Sees von Skutari über die Linie der genommenen türkischen Grenzblockhäuser nicht weiter vorgegangen sind, haben die Kämpfe an der Ost grenze ihnen einen kleinen Erfolg gebracht. Sie sind in die kleine Stadt Bjelopolje eingedrungen, die nur wenige Kilometer von dem Königreich in Sandschak Rowibazar liegt, etlva 25 Kilometer nördlich von Be r a n a, das sich gegen die feindlichen Angriffe gehalten hat. Bjelopolje ist eine kleine, unbedeutende Stadt von etwa 3000 Einwohnern, ein Drittel davon orthodoxe Christen ser­bischer Rasse.

Die letzte Schwierigkeit, die sich bei den türkisch italienischen F r i e d e n s v e r h a n d l u n g e n erhebt, besteht darin, daß die Türkei wünscht, daß alle Artikel des abzuschließenden Friedensvertrags, die zu ihren Gunsten lauten, sofort in Kraft treten, daß aber die zu Gunsten Italiens lautenden Artikel erst nach ihrer Ratifikatton durch das türkische Parlament wirksam werden sollen. So will die Türkei z. B., daß die italienischen Truppen sofort von den ägäischen Inseln zurückgezogen werden, während die

Koloniale Kunstausstellung.

Gießen, 14. Oktober.

Tie Ausstellung v o n Gemälden und kunst- gewerblichen Erzeugnissen aus den Kolonien Kamerun, Südwest- und Ostafrika sowie aus Brasilien, welche Dpm 15.25. inicht 27. Oktober in den Räumen des Gießener Kunstver«ins am Brandplatz und dem oberen Stockwerk des Philipps-Schlößchens oder Neuen Schlosses am Landgraf-Philipp-Platz von der Gesell­schaft für Erd- und Völkerkunde, dem Frauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien und dem Frauenbund der Teutschen Kolonialgesiülschast veranstaltet wird, entstammt den ausgedehn­ten Reisen des Malers Ernst Vollbehr. Herr Vollbehr stammt aus Kiel, bereiste zunächst die Ostküste Brasiliens, sowie den Amazonenstrom, und kam dann bald nach dem schweren Kriege in Südwest in diese Kolonie, später nach Ostafrika und schließlich nach Kamerun, von wo er Anfang 1912 zurückkehrte, echte Reisen umfassen im ganzen fünf Jahre. Seine Gemälde, die mit der Zeit auf eine Anzahl von mehreren Hunderten an- gewachsen sind, wurden seinerzeit zweimal im Reichstagsgebäude in Berlin ausgestellt und erregten als erste große Sammlung farbiger Gemälde aus unseren Kolonien großes Aufsehen. Es find teils Landschaften, teils Porträts der Häuptlinge, deren ö-rauen und hervorragender Mitglieder der einzelnen Stämme von großer Lebenswahrheit und großartiger Farbenpracht: zum Teil geben sie uns auch einen Einblick in das tägliche Leben und in die Feste der Eingeborenen. Unterstützt und sehr wesentlich erläutert werden sie durch eine umfangreiche Sammlung' ethnographischer Gegenstände aus Kamerun und Ostafrika, eine Sammlung, deren Hauptwerk in der Seltenheit der einzelnen Stücke besteht. Nur dem Umstande, daß Herr Vollbehr als Maler eine ganz neue Erscheinung in der Kolonie war und den Häuptlingen wegen seiner Kunst ihr Antlitz auf die Leinwand zu werfen als Zauberer er schien, ist es züzuschreibcn, daß ihm Gegengeschenke gemacht wurden, die in vieler Hinsicht als Unika bezeichnet werden müssen, u. a Thronsessel, Tanzmasken, Waffen und einör der beiden zurzeit in Deutschland befindlichen Wattepanzer aus den nördlichen Grenz gebieten Kameruns. Daher ist es nicht übertrieben, wenn ich be­haupte, daß eine solche Sammlung von Gemälden und Ethno graphiea bisher in Gießen nicht gezeigt worden ist und auch kaum je gezeigt werden wird: denn eine ganze Reihe der Gegenstände kommt, wie bemerkt, wohl nur einmal vor. Ta der^aal des Kunst Vereins nicht im Entferntesten ausreichte, die Sammlung auo zunehmen, so sind dem Maler Vollbehr fünf Säle des oberen Stockes des neuen Schlosses eingeräumt worden. Tie Sammlung wird vom 15.25. Oktober von 111 und 24 Uhr geöffnet

Tach von Schiefertafeln, in dem menschliche Gebeine, darunter drei Schöbel, lagen. Tin wohlerhaltener Grabstein aus Scknefer mit einer schönen gotischen Inschrift von 1545 enthielt die Namen der hier Begrabenen. Unter diesem Stein stieß man auf noch ein älteres Grab von 1331, unter dem sich wieder noch eine ältere Grabstätte befindet. Außerdem wurde noch ein prachtvolles Grab­gewölbe aus Sandstein von künstlerischer Bedeutung freigelegt.

T i n Kinderbuch von Gerhart Hauptmann. Gerhatt Hauptmann hat fachen eine Umdichtung der Lohen grin- Sage in erzählende Prosa für die deutsche Jugend vollendet. Tas Buch, das der Tichter seinem zwölfjährigen Sohne Benvenuto gewidmet hat, wird in ungefähr vierzehn Tagen im Rahmen der Ullstein-Jugendbücher ersckjeinen.

on. Mainzer S t a d t t h e a t c r.Die Hermanns- s ch l a ch t." Eine lange, schwere Zeit ist dahingerauscht, seit Heinrich von Kleist sein großes, von Feindeshatz und Deutschen- stolz getragenes Werk vollendete, das nach des Dichters eigenen Worten einzig und allein für den Augenblick bestimmt war, das die Deutschen entflammen und zum Kampf gegen den Unter­drücker der Freiheit Napoleon begeistern sollte. Hinter dem düstern schleicr großer Vergangenheit zeichnet cs die da­maligen Verhältnisse, die Greueltaten der französischen Krieger- Horden und das Verhalten der Nhcinbnndfürsten. Tie Hermann- schlacht ist das hohe Lied der Freiheit und Vaterlandstiebe, die in ihrem Zorn feine Olrenzen findet, deren ausgleichender Ge­rechtigkeit Gute und Böse ohne Wahl zum Opfer fallen müssen. So ist die Tichtung, in der sich der Schmerz eines der treuesten Teutschen spiegelt, .gerade jetzt wieder der Zeit entsprechend, da uns ein Jahrhundert von jenen Tagen trennt, wo sich Die deut­schen Stämme starkvercint erhoben, um ihre verwüsteten Lande den Fängen des korsischen Adlers zu entreißen. Herrn Hofrat Behrend ist cs sehr zu danken, daß er das M."ck, trotz der ! Schwierigkeiten, die es der Aufführung entgegenbringt, in den diesjährigen Spielplan aufnahm und unter Leitung des Herrn Svringcr eine bis auf Kleinigkeiten treffliche Wiedergabe bot. Die führenden Rollen waren ausgezeichnet besetzt, doch machte sich bei der Fülle kleinerer Rollen ein Mangel an geeigneten Kräften bemerkbar. Herr Krähe spielte den tatkräftigen, diplo­matischen Hermann mit warmer Frische und großer Lebenswahr­heit. Barus und der junge Vcnditius fanden in. den Herren Gnauth und Menck gute Vertreter. Ebenso war der Marbod des Herrn Springer und die Thusnelda Fraulein Tandars dem Rahmen des Stückes fein eingepaßt.

kanländer ihre Pflicht zu tun.

Die Proklamation besagt:

Die Welt kennt die Friedensliebe der Türkei. Die Ottomanen achten die Rechte aller Nattonen und wünschen, daß alle Rationen auch ihre Rechte achten. Tie Ottomanen hegen gegen keine Regierung hinter gebauten und haben beshalv bas Recht, zu verlangen, baß auch bie anberen Regierungen nicht unausrickstig: handeln. Tie Ottomanen wünschen nicht, bas Glück unb ben Fortschritt irgenb eines Volkes zu stören, 'fie können aber trotz der großen Sdyirierigfciten, denen bie Türkei beständig ausgesetzt ist, nicht zugeben, daß anbere Völker ihr Glück unb ihren Fort­schritt stören. Wir führen Reformen aus, deren unser Land bedarf, nach Möglichkeit, allmählich. Dennoch wollen kleine Nachbarn, die cs auf unser Gebiet abgesehen haben unb sehen, baß unsere Fottsckwittc bie BerwirklickTung von unrechtmäßigen Zielen verhindern werden. Unsere Reformen vereiteln unb von unseren Schwierigkeiten profitieren, und setzen sich ins Einvernehmen, unsere Grenzen anzugrei­fen.

Die Proklamation des Sultans hebt hervor, daß Utopisten in Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro, bie Helden­taten, welche bie Türken einst in diesen vier Ländern vollbrachten, ebenso vergessen, wie die Tapferkeit der Türken in Tripolis, indem sie an die türkischen Grenzen Truppen entsandten. Wir sind aeznnmgcn zu mobilisieren und befahlen die gesamte Mobilisation der Reservisten und der Landwehrtruppen der ersten, zweiten und teilweise dritten Inspektion. Tie Proklamation sprichst meitcr in feierlichen Motten aus, die Truppen würden sich ihrer Vor­fahren würdig zeigen und den heiligen Boden des Vater­landes gegen die Feinde verteidigen, die den Otto­manen ihr väterliches Erbe entreißen und bas Glück ihrer Kinder Zerstören wollen, fordett bie Truppen auf, sich ihrer in Tripolis kämpfenden Brüder würdig zu zeigen, und drückt die Ucbcrzeugung aus, daß sie den Siegen ihrer Vorjahren neue hinzu füg en werden und wünscht ihnen den Sieg.

Zurückziehung der türkischen Truppen aus Tripolis erst der türkischen Kammer zur Genehmigung unterbreitet wer- , den solle. Tie Frist, die die italienische Regierung für i den Friedensabschluß gesetzt hat, und die am 12. ds. abends ablaufen sollte, ist nach einer Pariser Meldung auf Tiens- i tag abend verlängert worden. Von einem Abbruch der Verhandlungen kann man noch nicht sprechen. Italien : versucht nur in seiner amtlichen Presse, die Pforte zu weiteren Zugeständnissen kirre zu machen.

Sin montenegrinischer (Erfolg.

Podgoritza, 13. Okt. Die montenegrinische Nordarmee hat gestern unter General Wuko titsch die Stadt Bjelopolje in Altserbien eingenom­men. Die Kämpfe dauerten bis 4 Uhr nachmittags. Als die Truppen in die Stadt einzogen, begrüßten die ser bischen Einwohner die Montenegriner mit Jubel als Be freier vom 500jährigen türkischen Joche. In der serbischen Kirche wurde sofort ein Dankgottesdienst zelebriert. Es sind provisorische montenegrinische Behörden eingesetzt worden.

Die Nordarmee ist nach der Einnahme von Moikowatz gegen Berana vorgerückt. Im hiesigen Spital liegen 310 Verwundete, darunter 18 Türken. Ein neuer Trupp Kriegsgefangener von 28 Mann ist ein getroffen.

Die Stadt Tuzi wurde von den Montene­grinern heute nachmittag vollständig zerniert. Jede Verbindung der Stadt mit Skutari ist unterbrochen. Bisher machten die Montenegriner jüber 300 Kriegsgefangene, die nach Kiksie geschafft wur den. Unter den Verletzten befinden sich viele Malissoren und türkische Soldaten. Die Tochter des Königs Kenia leitet den Samariterdienst selbst.

Salon ik, 13. Okt. Nach den hier vorliegenden Mel düngen gestalteten sich die Kämpfe um Berana über­aus heftig. Die Montenegriner erzielten trotz wiederholter Angriffe angesichts der Todesverachtung, mit der die dür­fen* unb die albanesischen Freiwilligen kämpften, Feine Erfolge, unb mußten unter schweren Verlusten wieder zurückgehen. Die Kampfzone erstreckt sich bis Bje­lopolje, wo ben ganzen Tag heftige Gefechte stattfan- ben.

Der Mitarbeiter bes Reuterschen Bureaus melbet vom 10. Oktober, 4.40 Uhr nachmittags: .Heute mittag haben die Montenegriner bie türkische Befestigung Rogame, in der Nähe ber Stabt Tuzi, genommen. Vom Schlacht- felbe würben viele Verwunbete hierher gebracht. D i e S p i - täler sind üb er füllt. Der König hat im Spital die Schwerverletzten und toten Soldaten besucht: er tüßte sie auf die Stirn unb bankte allen im Namen bes Vater lanbes. Der Sohn bes Königs, Prinz Mirko, trug selbst einen schwerverletzten Soldaten ins Spital. Ein Tele gramm vom 11. Oktober, 9.20 Uhr abends, besagt: lieber 6 000 Malissoren haben sich erhoben und kämpfen hin­ter dem Jiücken der türkischen Armee. Einige hundert da­von sind in Podgoritza eingezogen und verlangen Waffen.

Kon st a n tin op el, 13. Okt. (Reuter Bureau.) Nach einer amtlichen Meldung greifen die Montene­griner Sienitza im Sandschak Novibazar an.

Ko n st a n tin o p el, 13. Okt. Die Montenegriner i sollen ei ne schwere Niederlage erlitten : haben. Sämtliche Albanesen von Ipek sind gegen die

Nr. 242 Erstes Blatt 162. Jahrgang Montag, 14- ©ttob« 19)2

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General-Anzeiger für Oberhessen MDM?

Annahme von Anjrigei, Hotationsdrud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinbruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftratze 7. Land-:'E.dev': stir de,' bi Do^itrngT^UbL Büdingen: Fernsprecher Rr, 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. d B-ck.