Ausgabe 
15.1.1912 Erstes Blatt
 
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Sobald i>tc amtliche Zusammenstellung der genmieit zählen- Mäßigen Ergebnisse aller Wahlkreise erschienen ist, werden wii sie wiedergeben. Für heute mag folgende Uebersicht genügen:

Die Sozialdemokraten haben gewonnen Königsberg Stadt von 5), Stettin-Stadt (F), Wcühavelland-Stadt-Branden bürg (N-, Stadt Breslau-West (F). I^ichenbach-^urode'(Z>, Stadl Magdeburg lbkFi, Wanzleben (WV> Naumburg-Weißenfels-Zeii (F), Ersurt-Schleusingew-Zicgenrück M), Bremen (Fy Braun schweig-Blankenburg lR), Holzminden Gandersheim DVy Reus ältere Linie (bkF), Randow-Greifenhagen (K), Ruppin-Tenwlir (K), Zittau (5), Roßwein-Döbeln N), Erlangen-Fürth (F> Würzburg (Z,, Ehlingen-Kirchheim (91), Reuß j. L. (91), Pirnc (WV-, Meißen <WV>, Sonneberg-Saalfeld (F), Gotha «R Schwarzburg-Rudolstadt (N).

Tie Sozialdemokraten haben verloren Landau-Neus a.t lan N. od. WV.), Durlach-Pforzheim (N), Frankfurt a. O. Le bus (K). '

'Die Rationalliberalen haben verloren Siegen-Mitt genstein lan WV), Westhavelland-Stadt-Brandenburg (<5, Erfurt-Schleusingen-Ziegenruck S), Rostock iS. od. FV), Lyck Marggrabow-Johannisburg (K), Äpenrade-Flensburg (^ od. F) Roßwein-Töbcln iS), Eßlingen-Kirckhüm -©), Schwarzburg Rudolstadt 'S), Rcutz j. L. S), Gifi Horn-Beine (W. od. S). Rothenburg-k^oyerswerda (R od. S). r

Tie Nationalliberalen haben gewonnen Durlach- Pforzheim (von S), Angerburg-Lötzen >K).

Die Freisinnigen haben verloren Königsberg-Stadt (an S), Stadt Stettin (S), Stadt Breslau-West (S), Naumburg-Weißen selb (S). Landshut-Jmrer-Bolkenhain (b. k. F. oder S), Zittav (S), Erlangen-Fürth (S), Besigheim-Heilbronn S oder K).

Tas Zentrum hat verloren Neichenbach-Neurode (an S). Göttingen-Münden-^Tuderstadt (N od. S), Löwenberg (FV od. K> Pfarrkirchen (WV), Glah-Hobelschwerdt (P), Würzburg (S), Bin­gen-Alzey (N od. F). , _

Tie Konservativen haben verloren Wartenberg - velc (an R). Potsdam-Osthavelland iS od. R), Schwerin-Wismar (S od. M>, Tilsit-Niederung (F od. R), Otterndorf-Neuhaus (S od N), Sangerhausen-Eckartsberge (N od. S), Berent-Pr. Stargard (R), Angersburq-Löhen (N), Randoch-Greifenhagen (S), Ruypin- Templin (S), Guhrau-Sleinau-Wohlau (R), Querfurt-Mersebur'' (F od. S). Sie haben gewonnen Lyck-Margrabowa-Johrnnisburg

Tie Reichsparteiler haben verloren Ober-Barnim (an F od. S), Stadt Breslau-Ost (N od. S), Schaumburg-Lippe (S ob. WV-, Braunschweig-Blantenburg (S), Sachsen-Altenburg (S od. N), Fraustadt-Lissa (F od. Z.), Uelzen-Lüchow (N od. W), Gotha (S), Landkreis Danzig (F od. S), Harburg-Rotenburg (S ob. W).

Tie Wirtschaftl. Vereinigung hat verloren Wanz leben (an S), Böblingen-Leonberg (N ob. S), Hofzminden-Ganbers heim (S), Goslar-Zellerfelb (S ob. N), Kassel-Melsungen (S ob N), Pirna (S), Weimar-Apolda (FV od. S), Meißen (S).

Tie Wirtschaft!. Vereinigung gewann Siegen-Witt- genstein (von N).

Ter bayr. Bauernbund hat gewonnen Pfarrkirchen vom Zentrum. *

Die Meldung, daß die Wahl Bassermanns in Saar­brücken durch ein Kompromiß besichert sei, ist, wie Basser- mcrnn erklärt, unrichtig; sre beruht anscheinend auf einem Wahlmanöver.

Die Reich'tag?wahlen in Heffen.

Wie im ganzen Reiche, so haben auch in Hessen die CiHialdemokraten die größte Slirnrnenzah'l aufzuweisen. Von den neun Wahlkreisen sind zwei im ersten Wahlgange ent­schieden worden, Offenbach-Dieburg und Mainz-Oppenheim, und beide fielen in die Hände der Sozialdemokraten. An fünf von den sieben Stichwahlen sind bie Nationalliberalen beteiligt. «Ihre .Gegner sind in Friedberg-iBüdingeu, in Darmftadt-Gr.-Gerau und Worms-Heppenheim Sozialdemo­kraten. In Friedberg-Büdingen und Darmstadt-Gr.-Gerau sind sie auf die Hilfe der Fortschrittlichen Volkspartei an­gewiesen, während ihr Kandidat in Worms-Heppenheim mit Hilfe der Zentrumsstimmen einen glatten Sieg erringen wird. Gegenüber der Hauptwahl von 1907 haben die Fort­schrittler diesmal etwa 1200 Stimmen weniger aufgebracht, während der nationalliberale Dr. Osann über 1000 Stim­men gewonnen hat. 1907 kandidierte in Darmstadt für die Freisinnigen bekanntlich Pfarrer Korell. In dem vielumstrittenen Wahlkreis Alzey-Bingen ficht der Nationalliberale mit einem Fortschrittler in Sticy- wahl, der auf die Stimmen der Sozialdemokratie rechnen kann, die ihm die Wahl sichern dürsten. Wie die Partei­verhältnisse nun einmal liegen, und für eine Leistung immer eine Gegenleistung gefordert wird, haben die Nationallibe­ralen in den Stichwahlen einen schweren Stand. Sie sind, wie gesagt, in zwei Wahlkreisen auf die Hilfe der Fort­schrittspartei angewiesen. In dem einzigen Wahlkreise, in dem die Fortschrittler an der Stichwahl beteiligt sind, finden sie einen Nationalliberalen als Gegner. Bei der Stellung ter beiden Parteien zueinander ist es sehr zweifelhaft, daß die Fortschrittler in Friedbevg-Büdiugen und Darmstadt- Gr.-Gerau für den Natronalliberalen eintreten werden. Man sagt, sie hätten sonst zu befürchten, daß die Sozialdemo- kratie ihnen in Alzey-Bingen die Antwort erteilt und ihre über zweitausend Stimmen in diesem Wahlkreis zum Schwei­gen bringt, wodurch die Wahl Dr. Beckers, der ja bei den Fortschrittlern sich keiner Beliebtheit erfreut, gesichert sein würde.

Vom rein politischen Standpunkte aus wäre eine auch nur indirekte Unterstützung der Sozialdemokratie zu ver­werfen, weil diese in gar keiner Weise Rücksicht auf andere Parteien, selbst der Fortschrittlichen Bolkspartei gegenüber, genommen hat. Sie hat in sämtlichen Wahlkreisen Kandi­daten aufgestellt und hat dadurch der Fortschrittlichen Volks­partei sehr geschadet. Durch dieses Verhalten yat sie in Alsfeld-Lauterbach den fortschrittlichen Kandidaten aus der Stichwahl gedrängt. Und in Alzey-Dingen wäre der Fort­schrittler, wenn die Sozialdemokratie keinen eigenen Kandi- vaten aufgestellt hätte, bereits aus dem ersten Wahlgange als Sieger hervorgegangen. Gerade in diesem Wahlkreise war die sozialdemokratische Kandidatur von vornherein aus­sichtslos. Zieht die Fortschrittliche Bolkspartei aber noch in Betracht, in wie gehässiger Weise sie gerate von der Sozialdemokratie angegriffen wurde, so sollte es ihr eigent­lich nicht schwer fallen dürfen, für Friedberg-Büdingen und Darmstadt-Gr.-Gerau die Unterstützung des nationallibe­ralen Kandidaten au empfehlen. Ganz abgesehen davon, daß ja auch die Nationalliberalen in Darinstadt bei der letzten Landtagswahl Mann für Marrn für den fortschritt­lichen Kandidaten bei der Stichwahl eingetreten sind. Durch ein solches Vorgehen der Fortschrittlichen Bolkspartei würde auch der Boten für eine künftige Einigung der beiden großen liberalen Parteien geebnet werden.

Eine amtliche Aeuherung.

Die amtlicheNordd. Allg. Ztg." schreibt zur Stich­wahl :

Tie Hcruptwahlcn sind vorüber. Sie brachten, was sie nach den erbitterten Kämpfen unter bat bürgerlichen Parteien bringen mußten, einen beträchtlichenGewinnberSozialdemo- Tratte. 64 Mandate gewannen nach den bisher t*orücgenben Nackrickücn bie Sozialdemokraten im ersten Anlauf. Sämtliche bürgerlichen Parteien zusammen nur 144, davon das Zentrum allein 79, bie Parteien rechts von ihm 36, der bürgerliche Liberalis­

mus nur 4. In 120 Wahlkreisen kommt bie Sozialdemokratre zur Stichwahl. Nicht aus eigener Kraft kann sie babei liegen. -d c be § .0? anbat, bas sie noch erwirbt, wirb siebe mb e ut - chen Bürgertum verbanken. Die bürgerlichenJDarteien ctbl't werben bie Schuld daran tragen, wenn bie rote Flut noch oeiter ansteigt. In die Hauptwahl zog bie Sozialdemokratie mit em Schlachtruf: Krieg bis aufs Messer den kon ervativen yrtei» .eitSfrinben, Kampf bis zur Vernichtung den verrät er idyen Zent umspsaffen, unerbittliches Ringen mit den nationalliberalen öcharsmachern, rückhaltlose Fehbe ben fortschrittlich-liberalen Wort. )elbenW e l ch e bürgerliche Partei Fann gemein» aineSache miteinem Gegner machen, bet ihnen allen, oie der ganzen besteh nben staatlichen Ordnung seinen i ngrim - n i g e n Haß so hochmütig ins Gesicht schreit? Jlnb wie steht bk öoztalbemokratie zu unseren nationalen Forderungen t n b Aufgaben? Im Innern betreibt sie bie Absperrung >er Arbeiter von allen anderen Volksschichten. 2er Klassenkamp st ihr Lebenselement, bie soziale Revolution mit der Abschaffung es Privateigentums ihr Ziel. Wahrend sie so im eigenen Lcuckn >en Haß sckürt und gewalttätigen Terrorismus gegen Glieder de: igenen Volkes ausübt, huldigt sie nach außen dem Trugbild : t n e r allgemeinen Völkerverbrüderung. Tei hal st sie die Hoffnung der fremden Neider undGeg- i e r des Deutschen Reiches. Wie bestürzt waren dien rach der unerwarteten Niederlage der Sozialdemokratie bei ben Wahlen im Zahre 1907! Wie w rden sie frohlocken, wenn sich bi Erfolge her sozialdemokratischen Partei am 12. Januar 1912 be. )en Stichwahlen fortsetz'.'n! Unsere Friedenswerke können nur gc» )eihen, wenn wir uns als starke, einige Nation in der Welt be­haupten. Zu ben nahen Aufgaben des neuen Reichs : ags gehört bie Sicherung unserer Wehrfähigkeit Die Partei, welche sich selbst international nennt und in welcher ich der Gedanke des Massenstreiks im Falle einer Mobilmachung hervorwagen durfte, ist ihrem ganzen Wesen nach der Erfüllung Keser wichtigen Aufgabe unfähig. Nicht Mißmut über diesen obei enen mit Recht ober Unrecht als übel empfundenen Zustand in Reick und Staat, nicht Rücksicht auf Parteivorteile durch ein Paktierer mit der Sozialdemokratie lenke den Schritt zur Stich.vahl. Nich ruf Vergangenen Lader der Parteien, auf die Zukunft der Nation richte sich der Blick!

om Zwt cheufall in Dortmund.

Dortmund, 14. Ian. Nach dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses versuchten Sozialdemokraten in ine von den N a t i o n a l l i b e r a l e n cinberufenc Versammlung ein zubringen. Es kam zu Zusam menstößen. Schließlich versuchte bie draußen stehende Meng das Lokal zu stürmen, wurde aber von der Polizei mit der Waffe zurückgetrieben.

vom türiisch-ilalienischcn lrmgsschaup!atz.

Rom, 14. Jan. (Agenzia Stefani.) Der Marine­minister erhielt vom Kommandanten ter Seestrcitkräste im Roten Meer folgenden telegraphischen Bericht über den Kampf bei Kunsida:

Da ich überzeugt war, daß zahlreiche türkische Kanonen-' boote in die Gewässer ter Farsaninseln geflüchtet waren und starte Truppenabteilungen Lohaja, Midi und Kunsida besetzt hielten, beschloß ich ein schnelles und gleichzeitiges Vorgehen mit allen bei Massaua verfügbaren Schiffen. Da­mit die Kanonenboote nicht entkämen und um meine Absicht zu verbergen, ließ ich zunächst von den SchiffenCalabria" undPuglia" ein Lager bei'Gebaltar bombar­dieren und darauf von den SchiffenPiemonte",Gari- baldino" undArtigliere" die Küste absuchen. Gleichzeitig schickte ich die SchiffeCalabria" undPuglia", die von dem Bombardement Gebaltars zurückgekehrt waren, nach Lohaja und Midi und ließ auch diese Plätze bombardieren. Durch das Bombardement wurde das Lager von Lohaja beschädigt und das Fort Midi zerstört. Unterdessen verfolgten derPiemonte",Garibaldino" undArlig- ficre" bei Kunfida sieben türkische Kanonenboote und die kriegsmäßig ausgerüstete JachtFauvete", die sämtlich Lichter angezündet hatten. Sobald die Kanonen­boote bemerkten, day der TorpedobootszerstörerArtigliere" die Küste in einer Entfernung von mehr als 6000 Metern absuchte, eröffneten sie ein Feuer gegen denArtig­liere", der es erwiderte, ohne sich in einen Nahkampf ein­zulassen. Als bald darauf derGaribaldino" undPie­monte" herankamen, entspann sich zwischen den italienischen Schiffen und den türkischen Kanonenbooten, die von den Landbatterien unterstützt tourten, ein heftiger Kampf, der fast drei Stunden dauerte und erst bei Einbruch der Nacht bei völliger Manövrierunfähigkeit der feind­lichen Schiffe endete. Tie Türken verließen in völliger Unordnung ihre Schiffe, von denen sie einige auf den Strand gesetzt halten. Die Italiener hatten keine Ver­luste. Am folgenden Morgen machten die Italiener die Kanonenboote, die sehr stark beschädigt toaren, durch ihr Feuer vollständig unbrauchbar und nahmen die Jacht, die verschont geblieben war, in Besitz. Darauf wurde das Lager und ein Schiff, das unter türkischer Flagge fuhr, beschossen. Ter Feind hatte Kunsida während der Nacht-verlassen, die Besatzungen der Schiffe hatten Mnni.ion, Materialien und Fahnen an Land genommen, die morgens von Schaluppen desPiemontd" in Besitz genommen wurden. Als Kriegs­trophäen wurden mehrere Kanonen, MitraiUeusen, nau­tische Instrumente, Sck-aluppen und Fahnen erbeutet. Von den zerstörten Kanonenbooten halte eines ungefähr.500 Ton­nen und war mit 76 mm und 37 mm Geschützen, ein zweites von 350 Tonnen mit 65 mm und 25 mm Geschützen aus­gerüstet. Die fünf übrigen hatten 200 Tonnen und führten 47 mm und 37 mm Geschütze. Bei keiner Unternehmung wurden Moscheen oder Pcivatwohnungen beschädigt. Ich erwarte, schließt der Kommandant, die baldige Anlnnst des Piemonte" und der Jacht, die in Kunsida geblieben Jinb, um die erbeuteten Materialien aufzunehmen und leichte Ausbesserungen an der Jacht vorzunehmen, dle unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Proli demPiemonte" folgen wird.

Tripolis, 13. Jan. (Agenzia Stefani.) Eine Abteilung Kavallerie unternahm gestern einen Erkundimgsritt nach Bir-el Turk. Sic stieß babei auf etwa 100 Araber, bie auf bie Italiener feuerten unb einen Reiter und ein Pferd verwundeten. Tie Italie­ner zogen sich, nachdem sic bie Stellung des Feindes festgestellt hatten, nach ihrem Lager zurück

Dcuffcbcs Ncich.

Der Kaiser konferierte am Sonntag im königlichen Schloß mit dem Reichskanzler.

DieKrenzzeitun^" erfährt von unterrichteter Seite, die Entwürfe zur Abänderung des preußischen Ein­kommen- und Ergänzung s st euer gesetzes gingen dem Landtag unmittelbar nach der Eröffnung zu. Darin seien die bisl>erigen Tarife so umgestaltet, datz das $u er­wartende Steueraufkommen dem letzten Jahre einschließlich der Zuschläge gleichkommt.Die Zuschläge sind in dem bisherigen Tarife organisch eingearbeitet: oabei wird eine bessere Gestaltung ter Tarife, namentlich die Beseitigung der bisher vorhandenen Sprünge und Unebenheiten an­gestrebt. Da die Tarife ganz neu gestaltet sind, sind die neuen Steuersätze erklärlicherweise teils hoher, teils nied­riger, als die bisherigen einschließlich der Zuschläge. Bis

zu der Einkommensteuerstufe von mehr als 32 000 Mark überwiegen aber bei weitem die niedrigen Steuersätze. Jvt ganzen wird die Veranlagung nach dem neuen Tarif einen Steuerausfalt von etwa 2 bis 3 Millionen bringen."

Zwisck)en Preußen unb Braunschweig ist von den dazu bevollmächtigten Kommissaren ter S.aatsvertrag über die Herrstellung ter Eisenbahn CelleBraun­schweig abgeschlossen worden.

Die Verhandlungen über die Auslieferung des Spions Gauß nehmen, wie dem Lok.-Anz von unter­richteter Seile bestätigt wird, den üblichen Fortgang und Dürften wahrscheinlich ihr Ziel mit ter ebenfalls berwmm- lichen Klausel erreichen, daß Gauß nach feiner Auslieferung in Deutschland aber nicht wegen etwaiger politischer Ver^ gehen, sondern nur weaen der.begangenen gemeinen Ver- brechen abgeurteilt werden dürfe.

Zlnsland.

Die türkische Kammer nahm die Abänderung des Artikels 35 mit 125 gegen 105 Stimmen an. Da aber die ^weidrittelmajorität nicht erreicht ist, wurde die Berfas- sungsänderuna abgelehnt.

Aus Madrid wird gemeldet: Das Kabinett Sa - nalejas ist zurückgetreten._____________________

Aus Stadt und Land.

Gienen, 15. Januar 1912.

** In Audienz empfangen wurden vom Groß- h erzog am Samstag u. a. die Professoren Dr. P o p- pert und Dr. Mittermeier von Gießen und Ober­amtsrichter Frey von Lauterbach.

** Ordensangelegenheit. Der Großherzvg hat dem Geh. Baurat a. D. Friedr. Weiß zu Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von Dem König von Preußen verliehenen Krvnen-Orbens dritter Klasse erteilt.

** Eisenbahnpersonalien. Ernannt wurden: Cisenbahn-Betriebslontrolleur Finger hier zum Eisen bahn-Verkehrsinspektor unter Verleihung der etatsmäß gen Stelle des Vorstantes des Eisenbahnverkehrsam'.es in Gie­ßen, Eisenbahnassistent Linke in Gießen zum Bahnhofs- Dvrsteher. Belohnungen haben erhalten: Lokomotivführer Zobus und Reservelokomotivführer Euler in Schotten ,oiüie Lokomotivführer Rinker in Gießen, weil sie durch besondere Aufmerksamkeit das Ueberfahren von Personen verhütet haben.

"Eheschließungen in Gießen in, Jahre 19 11. Rach dem Ausweis be8 Standesamtes sind in unterer Stabt im abgelaufenen Kalenderjahr 212 Ehen geschlossen worben (gegen 184 un Vorjahre), bie sich auf bie einzelnen Monate ime folgt verteilen: Januar 10 (8), Februar 13 (7), März 10 (16), April 17 (20), Mai 21 (20), Ium 16 (12), Juli 30 (15), August 16 (15), September 17 (12), Oktober 23 (31), November 18 (17), Dezember 21 (11). Dem Alter nach verheirateten sich:

1>-20 21 -24 25-29 30-84 3539 40-49 60-59 60-69 Jahre

0 29 111 47 12 10 1 2 Männer

25 83 62 21 13 6 2 0 Frauen.

Es entfallen auf je 1000 Seelen 6,65 eingegangene Ehen uh letzten Jahre (6 i. V.). Betreffs der Eheschließungen ist Gießen hinter dem Durchschnitt im Reich und selbst in Preußen zurückgeblieben. Die Tabelle über das Alter der Personen, bie 1911 in bie Ehe traten, zeigt, daß mehr als die Hülste der jungen Ehemänner (140) zwischen 2129 Jahre alt waren. Bei den Frauen, die unter 29 Jahren heirateten, vermehrt sich die £at)l auf mehr als 8/t (170).

* Alicefrauenverein f ü r Krankenpflege. Auch dieses Jahr wird der Alicefrauenverein einen Vor- > tragSkursus für Frauen und Mädchen über die Pflege Verwundeter und Kranker unentgeltlich veranstalten. Die Kiirse werden für alle Teilnehmerinnen, auch abgesehen von jedein Krieg und feinerdlot, im alltäglichen bürgerlichen Leben, in der Familie oder sonstwie sich und ihren Sieben- menschen durch Rat und Beistand nützlich erweisen können. Der Sllicesrauenoerein für Krankenpflege betrachtet eS als seine vornehmste Slufgobe, BerusSkrankenpflegermnen auSzubilden unb anzustellen. Da bie Anstellungs-, GehaltS- unb Pensions­verhältnisse der Schwestern deS AlicesrauenvereinS recht günstig sind und sich gegenwärtig ein Mangel an Schwestern bemerkbar macht, so ist hier Frauen und Diädchen eine paffende Gelegenheit zur Erlangung einer Erwerbsstellung gegeben. Nähere Auskunft wird bie VereinSoorsitzende Frau Geh. Juktizrat Gebhardt, Bergstr. 3, erteilen.

** Reichsgründungsfeier. Vom Alldeutschen Verband wird uns geschrieben: Der Eintritt in ein neues Jahrzehnt politischer Betätigung verlangt umsomehr einen Rückblick auf den zurückgelegten Weg und die Lehren, die sich daraus ergeben, je weniger die kommende Strecke zu überblicken ist, und je drohendere Wolken über der Zu^ fünft hängen. Die hiesige Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes hat im vorigen Jahre mit einer Reihe von Vor­trägen über die Entwicklung einzelner Erwerbszweige, wie der Landwirtschaft und des Handels, begonnen, die dann aber durch die Marokkvkrifis unterbrochen wurde. Als Gegenstand für die Festrede bei der am Donnerstag in Steins Garten stattfindenden Reichsgründungsfeier eignet sich wohl kaum etwas besser als ein Ueberolick über die politische Entwicklung Deutschlands seit 1871, wie ihn Pri- vatdozeut Dr. Wirth aus München in einem Bortraa 18711911" geben wird.

** Duetten-und Arien-Abend. Am Mittwoch, 24. Januar, findet in Steins Garten ein Konzert von Frau Ella Steffens-Harnischfeger aus Frankfurt a. Main und Herrn Phil. Ströbel aus Marburg, unter Orchester-Begleitung der Kapelle des Jnfanterie-RegimentS Kaiser Wilhelm" statt. (Näheres im Inseratenteil.)

* * Kun st verein. Die Gemälde-Ausstellung ist nicht vier Tage geschlossen, wie am Samstag ver­sehentlich berichtet wurde, sondern täglich, mit Ausnahme des Samstags, geöffnet.

* Sein 30jähriges Dienstjubiläum feiert heute der Meldeamtsvorsteher Ludwig Sier.

* Unentgeltliche Benutzung der deutschen Patentschriften. Bei der Bibliothek ter Zentral­stelle für bie Gewerbe, Darmstadt, Neckarstr. 3, befindet sich eine Auslegestelle der vom Kaiserlichen Paient- amt in Berlin herausgegebenen Patentschriften über bie seit dem 1. Juli 1877 erteilten Patente. Die Auslegestelle ist geöffnet an den Wochentagen von 1012V2 und 3-51/» Uhr (Samstag nachmittag ausgenommen) und kann von jeder­mann unentgeltlich benutzt werten. Durch diese Einrich­tung soll jedermann Gelegenheit gegeben werden, sich über den Inhalt von Patenten zu unterrichteu. Um auch aus­wärts wohnenden Personen die Einjichi der Patentschriften