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15.1.1912 Erstes Blatt
 
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162. Jahrgang

Erstes Blatt

nmentadtätjsS n"

Die Literatur

Nr. 12

Ter «lehener Anzeiger rlcheinl täflltd), außer «onntagS. Beilagen: : icrinnt wöchentlich Sjehen«5amili<nblätl«r .ivcnnnl u'öcheutl.Uleir- blattfüröenKrei$6ic6en i TieiiStflfliuib Rreitnn);

nein'nl nioimil. Land­wirtschaftliche Seitfragcn /tcniiined)»Anschliisse: fiir die Redntlion 112, ^'erlnn n. Expedition 51 9lbieffe Kit Depeschen:

aus dem Serail" von Mozart undKünstlerleben", Walzer von I. Strauh- auszuführen: der fast ausnahmslos aus Dilettanten kctiua 4J Mitglieder,:) bestehende hstsige Brrheiterverem hatte fid) l;icr im Jntereue der Sache einer Aufgabe unterzogen, dre stellen­weise die Grenzen der Kräfte einer selbst vorzüglich geschulten und eifrigen Vereinstapelle berührt. Eine Arbeit mußte bin geleistet werden, von deren Umrang wenige eine Ahnung haben. Die die Klänge nur so rasch an sich vorüberrauschen lauen. Immer­hin wäre dem strebsamen Verein wohlmeinend zu raten, feine Straft auf die möglichst volllommene Ausführung technisch ein- lad) er er, dabei aber musikalisch gediegener Werte zu konzentrieren es gibt solche zur Genüge; in der Mozartschen Ouvertüre enthielt ja das Programm eine Komposition dieses Charakters.

In der längeren Pause zwischen beiden Teilen der Ver­anstaltung fand auch die leibliche Seite des Menschen gebührende Verüaiichtigung, und mancher für die Kunstgenüssewülige^Geist' begann,schwach im Fleisch" zu werden, als bie Giegener Damen­welt Cririschungen aller Art anbol; anerlenneiiswert ist die Zurückhaltung, mit der dies geschah; wahrend anderwärts ost die liebe Damenwelt so eine Art moralischer Daumenschrauben anzulegen für nölig hält, scheinen sich un.ere schonen Gießecuinen darauf zu verlassen, daß ihre Crscheinung, verbunden nut der Zugkraft des guten Zweckes und der mehr oder minder vollen Börse mit genügender Unwiderstehlichkeit wirten werde. Möge der Kastenbericht dieser schönen Zuoer!ichl Recht geben! Gc- Dcnfcn roir schließlid) außer den schon genannten Acnwirkenden Der so dankenswerten Leistungen und Bemühungen der Herren Dirigenten: Hosiavellmeister Kittel-Darmstadt, A. Kasten und W. Gernhardt-Gießen, sowie last not lca,t der verdienst­vollen Tätigkeit des Automobilklubs und besonders seiner leite/ dcn geschä,lehrenden Persönlichkeiten, deren Gememsinn, Opfcr- roilüglcu und verdienstvolle Arbeitsfreude ihre gebührende iöi loljnuiig in einem recht erspriesjlichen Ergebnis für die bedürttig: Kasse unseres Säuglingsheims Unben möge. v-

Einem Teil der Mitwirkenben wurden Kränze und anbei- ehrende Auszeichnungen zuteil. Derr tzoikapellmeister Kitte! iii Tarmstadt wurde zum Chrendingenten des Orchesterverei:/- ernannt, worüber ihm eine geschmactooll ausgeitatteie Urfun? überreicht wurde. Seinen Dirigenten W. Gernhardt zeichnet der Orchesteroerein durch einen wertvollen Spazierslock aui xie Werten Bai-it/ammer, ftuta, tr-ernl,arot und K. < Studer erhielten prächtige frran&e vom ?t.utomooil-Klub.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen schäft Prostsjor ~x. ^.u.-ia a i p c x, DiDinutuis Tue Minc calogie' und Geologie an der Universität Bern, begeht aui 16. b. M. seinen 70. Geburtstag.

Der Tag von Philippi.

Das war also derT a g Vst n ' >::i Ii i P P i". den Fürst Bülow den Konservativen und Zentrumsleuten ankundigte, als sie die Nacklaststeuer zu Fall gebracht hatten. Es hat unter der Reist:Kanzlerschaft Herrn v. BethmannS und der Regierung seiner blauschwarzen Mehrheit nur der kur­zen Dauer von 2Vs Jahren bedurft, um der^ roozialdemo- lratie, die bei Schluß des Reichstags über 55 >sitze ver- füflte, bereits bei der Hauptmai i zu deren 61 zu verhelfen und sie in sage und schreibe 120 oder 121 Wahl- 1 reifen in zum Teil recht aussichtsvolle Stichwahl zu stellen. Das liegt nicht etwa daran, daß die tyr heute |0i» tienben vier Millionen Wähler, also fast ein drittel der deutschen Wählers.baft. nun alle:., berzeuqt?- «ozlaldsmo- traten wären. Nein, ihre Wahlerfolge und ihr Stimmen» uwachs von einer Million sind ans das Konto der zahl- - eichenMitläufer" zu setzen, die ihr als der radikalsten Partei wegen der allgemeinen Verärgerung,, ja, Empörung des deutschen Volles aus allen Parteien zuströmten. Eine weite Erklärung für das Anwachsen der sozialdemokra­tischen Mandate und die übergroße Beteiligung der Sozial- demokralie an den Stichwahlen aber wird man in der endebrandschen Wahlparole und den Erzbergerschen Re­zept zu suchen haben, die, statt den Damm, den der Liberalis­mus gegen dierote Flut" bildete, zu schirmen, vermn- dtzlen, Nationalliberale und ,jortschritiler seien bei den Dahlen der Sozialbcmolra.iL gänzlich g.cich zu achten und daher ebenfalls aufs schärfste zu bekämpfen.

Die Kosten des sozialdemokratischen Tri- / mp h z u g e s haben daher in erster Linie d i e Lib e r a- len zu tragen. Den Nalionalliberalen sind ^obelu- Roßwein, Aue^oach-Zieiusenbach, Reug j. L., Eßlingen, Anna- berg, Brandenburg, Schwarzburg-Riidolstaot, Erfurt und , ircybcrg verloren gegangen, den Fortschrittlern Konigs- oerg, Stettin, Naumourg, Bremen, Zittau, Sonneberg, Hof, Magdeburg und Heiloroun, währeno dir louservativen Par­teien und das Zentrum mit seinen Anhängseln nur 11 Wahl­weise an die So.UalbcnuHraac abtrezen mußten, weil sie in geschlossener Phalanx in den Wahlkanipf gezogen waren. Daran eben hat es beim Liberalismus gefehlt. Hier hät.c man, wollte man den Kampf nach beiden Fronten er,olg- retch durchfcchtcn, vor allem die Partei der Richttvah»er .etwa zwei Millionen) für sich mobil.fieren, das national- liberale WahUarteil ans ganz Deutschland ausdehnen uno Der sog. demoiraliscben Bereinigung zu Gemüte fuhren müssen, daß es politisch unanständig sei, den alten, eben» falls liberalen Parteien in den Rücken zu fallen. In meiern Sinne liegt ein Teil der Schuld' an dem für iijn ungünstigen Ausgang der Haupiwahlen auch aus Seiten oeb Liberalismus, mag seine durch den Hau^abuuo unter­stützte Agitation auch noch so rührig, gewesen seien.

Die ideale Forderung, die sich der Lioeralismus bei dem jetzigen Wahlkampf setzte, war die Zertrüm­merung des blau sch Warzen Blockes, und zwar ohne daß die Sozialoemotratte dabei zum ausschiaggeoeuueu Faktor innerhalb der Mehrheit des neuen Reichstags weroe. -Dieses Ziel ist bei den Haupiwahlen nicht erreicht worden. Denn von den dabei bcfinit.iv gewählten 2J8 Aogeord- neten gehören die 2/ Konservativen, 5 Reichsparteiter, zwei Wirtschastliche Vereinigung, 1 Bund der Landwirte, <9 Zen­trum, 7 elsaß-lothringisches Zentrum, 1 Lochringer und 15 Polen, im ganzen also 137 Abgeordnete, der bi-.-herigeu Regierungsmehrheit an, denen die Opposition nur vier

und die Lösung der nationalen Aufgaben im kommenden Reichstag erschweren. Denn da es das Zentrum unb sein in nationalen Dingen ebenso unzuverlässiger Anhang (Po­len, Welfen, Elsaß-Lothringer) wahrscheinlich aus über 100 Mandate bringen und die Sozialdemokratie die Aussicht hat, dieselbe Mandatsstärke zu erreichen, so könnte sich ein internationaler schwarz-roter Block bil den, dem die vereinigten Konservativen und Liberalen nicht Widerstand zu leisten vermöchten. Diese Gefahr zu besei­tigen, liegt im Interesse des deutschen Vaterlandes. Da­rauf weist auch der Reichskanzler heute in derNordd Allg. Ztg." hin. *

Berlin, 13. Jan. Um 12 Uhr mittags la^cn sämt­liche 397 Wahlergebnisse vor. Bei Schwerin 1 (Hagenow), Grevesmühlen, ist cs indessen zweifelhaft, ob Pauli (Ämf.) mit dem Fortschrittlichen ober dem Sozialdemokraten in du Stichwahl kommt. Vier elsaß-lothringische, bisher dem Zentrum zugezählte Abgeordnete, sind nach genaueren Bc richten zum elsan-lothrinaischen Zentrum zu rechnen. Da nad) ergibt sich folgende Zusammenstellung des Wahlergeb­nisses:

Definitiv gewählt sind 208 Abgeordnete, nämlich 27 Konservative, 5 Reichspartei, 2 Wirtschaftliche Vereinigung, 79 Zentrum, 15 Polen, 4 Nationalliberale, 1 Bund der Laiidwirte, 64 Sozialdemokraten, 7 elsaß-loth­ringisches Zentrum, 1 Lothringer, 1 Däne, 1 Bauernbünd- tcr, 1 Wilder.

An den 189 Stichwahlen sind beteiligt: 42 Kon- fcröalivc, 17 Reichspartei, 3 Deutsche Reformpartei, drei­zehn Wirtschaftliche Vereinigung, 29 Zentrum, 10 Polen, 64 Nationalliberale, 4 Bund der Landwirte, 53 oder 54 Forlschriitliche Volkspartei, 120 oder 121 Sozial- Demokraten, 2 bayerische Liberale, 2 elsässisch-loth­ringisches Zentrum, 2 Unabhängige Lothringer, 6 Welfen, 3 Bauernbund, 5 Wilde.

Tie Konservativen gewinnen 2 und verlieren 9, die Reichspartei gewinnt 2 und verliert 10, die Wirtschaftliche Vereinigung gewinnt 1 unb verliert 8, bas Zentrum ver­liert 6. (Hierbei ist bie oben erwähnte Aenberung in ber ParteibezeichnungElsaß-Lothringische Abg^rdnete" nicht bcruaHajligt) Tie Polen verlieren 1, bie Nationalliberalen gewinnen 2 und verlieren 16, bie Fortschrittliche Voltspartei verliert 12, bie Sozialdemokraten gewinnen 28 und ver­tieren zwei.

Insgesamt nimmt sich das bisherige Wahlergebnis heraus:

IDoIlltätigteitsoei anjtaltung Des Automobilklub! und Umgebung (U. v. A. L)

Gießen, 13. Jan.

In dem festlich bcicudicten unb in ben Eingaugsräumen ein* Tabciio geschmüctten Stadtthuner traf fick) Heine aoend ber yairpi red der Gießener großen Welt bei ber jiaa) inuhevollcn B^r- bereitungen uno Ueöerivinbuug bctdimtcc '^.a.uuiCLijieitcu zustanoe gewmnnnen Woh.lätigkeit--Beranitaltung des Automobuiluos zu s'unnen des hiesigen Säuglingsheims. Ein Ab^nd von vuiucr Genüsse, auf den wohl alle Teilnehmer, mitwnkerwe ime euip 'äugende, mit Befriedigung zurückb.icken weroen. r>ur ^vohnnn tegeincrie Herzen, kunitgcü^te und hnfsverccke. Gchamen, Hande r.nb Kch.en alles rointe zusammen, um aus mo glich,! genude, la aenugreiche Weise dieimucLe Steuer" für das Gemeinwoh. iereuizuvringen, ci.t Kunststück, wie es sonst auch oie gesanckie ^ ..Finanzreform" nicht zuwege bruchn'. -ras mag ja auaj die, von »bertritischen Geistern ost bnämpiie Berqui^ung von <j.'jb.4ungieii und Vergnügen rechtfertigen; billigen wir doa) der Wohuatigt^i rjie die Polint das Privüegium zu, die Kunst des .ocoglia-en, der» in dieser uiwoilliunmeneu Welt tbeu Erreia-daren zu lein. , Gehen wn zu einer Besprechung der geboteüen Genüs,e uaer, so tann h niere $ Lutgabe niüjt sein, mit dem Acaöliao schiif, cer ^-runittrnii ., rumzuschÄmeiitern ein nud) sonst oft dep.acierteZ mw seijr tütiges Vergnügen, auf das aocr ivezc.ll bei einem Woh.tangnn^- ebenö jeder Verständige gerne verzichien w.ro, und zwar u.n so !! .izeugtcr, je mehr er jajon sei ost bei ähn.ia.en beraniialtuugen mitgeiuirtt und die Schwierigkeiten icmieit ße.crnt hat, die gerade iiir das ideale Wollen mit dem realen Vo.lbriNgen ott niail 511 roller Harmonie gelangen lassen. Genug, wenn ernueo Wollen

) frisch und ehrlich betätigt. _ . ...

Tie Namen oer nunuiuuiben Herren bürgten uongen» basur, daß auch höhere )luniian,prüci)e ans ihre Stcajnung kamen, wooei Libiwcrüänbiicn die bura;. een ubarnficr ber Beran,wuung vedingie mitljeii und Popularität des Programms berückjichtigt werden ich. Herr Bahrhammer vom Scyauipiclhaus in or.inisutl ci> sreute durd) seine geistig beiejten und wiriungsdoU püiiincricn )ste;itationen; ein besonderer Vorzug ist seine tadclws deiii.ia.c Ansspracije, lein Wort, reine Sübe gcht verloren (an ver lituiiu r-,;icrer Buhne kann cs also niajt liegen, wenn man an rnancyen ijeaterabcnbeii so schleckst versteht! . Bei der großen Hastings- j.ulabe von Heine wußte ber Künstler bas dunere Kolorit tressud) t>.rau!.zuaroeiten und neoeiwei auä) die vie.cn tonnaien 'sa)ivaajcit dieser Dichtung geia'iat zu veroeaen; ferner mau).e er uns mu Laugen frisch cmpsundenen und vorgcirageaen Liedern von ien- mm sowie . ii einem sehr stimmungv.otien ycaturgpnälbeWa.d^

dings auch ~ .......- _

steht es Herr Kümmel virtuos, alles memchenmogtiche daraus zu mack)en. yerr Kammerlänger Weber (Ta.ln.mol), den wir bei der Icßten hststgen Oi-crnvorstellung a.syerrn Flnth ' in bciiLustigen Weibern von Windsor" zu bewundern Gel genhcu halten, trug mit warmer Empsindung und scvöne.n weichem ^t.mm- llang zwei Arien wirkungsvoll vor, eine aus dem leider m.i ver­gessenen Vorläufer desuliegenben Hollände.s st aus der Lper Hans Heiling", dem bedeu.endl.en Werke Mar,chners; sodann eine muitkalisch leichter loiegenbc aber gefällige und mit Harst usw geschickt ini.rumeiUierie uiric aus oe.nMas.enöall" von Berdi Sehr interessant und dailtenswert war die nennaje Vorführung emes Teils des dritten Altes der Opercamion unb Dalila" von Sain.-Saöns, die es bedauern läßt, daß man dieses innerlich bcbeu.cnbe W.rk des französstsa,en Komvonisicn in Teu.schland so viel se.tcner zu Horen bekommt, auij.me dom mehr äußerlid) cfieLDOilcn Crci)c,teriad).n, wie derTotentanz und andere. Ein hiesiger Mitbürger, der, wie es scheint, nicht ce- nannt sein will, aoer die vol.e Oefientlichkeit gar mist zu ich.uen hätte, sang die R.l.e b s Samirn, und w r w r.n a ss a ge.: hm e übcrraich:, h.er einer Lcinnng zu begegnen, d.e auw einem ^>eru)s- künstler alle Ehre gemacht hätte ja manwer von dielen dürs.e sich Z. B. hinsichtlich der Teutlichtest der Äustprache hier ge.rost e.it gutes Beispiel nehmen. Schön und r in er dangen l in er der S;cne die >.immungsvollen Jsraerit.n-Thore, die der qemisch.e Chor des hics.gen Bangerk.anzes in da:ik.ns.verterwe;ie übernemmen hal.e. Ti.se ganze Nummer bot r i.i lun.lenich bc.radtec wohl bas imcrcn'antei.e und muhtaLfm werwolstte des ganzen Abends und verdient, mit, besonderer Anerrennung hier hervorgehoben zu werden. Berg.sscn wir endlich nicht das Brchener, bunt die umchiigreiche und D.eli.u.ge Au,ga.e zunel, außer her Begleitung der verschiedenen Solls jtoaj mehrere s.lb^andige Nummern iKoonungsmarich ans denFoltungern" von wret'ch- mer, vihapsodie von Frteoemann, i>uvertiirc zurEntluhrung

Nationalliberale, 0 Fortschrittler, 1 Dänen, 1 Bauernbund und 64 Sozialdernotratcii gegenüberzustellcn hat, also im ganzen nur 70 Abgeordnete. Nur das eine geht aus dem Gewinn- und Berlustkon.o ber einzelnen Parteien hervor, daß, wofern man die definitiven Wahlen vom Freitag betrachtet, der Reichstag eine Verschiebung nach links er­fahren hat. Tenn tie Konservativen haben zwar zwei neue Sitze gewonnen (darunter Oletzko-Lyck von den National^ liberalen), 9 alte Sitze dagegen an die Opposition verloren (darunter Angerbura-!.ötzen an die Nationalliberalen) ( 7); die 'Reichspartei hat zwei Sitze gewonnen und 10 verloren ( 8), die Wirtschaftliche Bereinigung usw. einen neuen Sitz gewonnen (Siegen von den No.ionallibe- ralen), 8 alte aber verloren( .), das Zentrum verliert 6 (' 6) und die Polen einen Sitz (1), so daß sich also der V e r l u st der bisherigen Regierungsmehr­heit auf 2 9 Mandate beziffert. Bon den oppositio­nellen Parteien gewannen die Nattonalliberawn 2 Sitze, verloren aber 16 ( 14), und die Fortschrittler verloren 12 (_ 12). Doch wird dieser liberale Verlust von 26 Mandaten dadurch wettgemacht, daß die Sozialdemo- l'ratie, die zwei Mandate verlor, 2 8 neu gewann (+ 26). Es bleibt somit der Verlust von 29 Mandaten bei der bisherigen Liegierungsmehrheit bestehen, während innerhalb der Lppositton eine Verschiebung nach Links aus. Kosten des Liberalismus ftatigeiunben hat.

Das ist natürlich durchaus feine erfreuliche Erschei­nung. Denn so wird bie Sozialdemokratie, die heule schon 64 Mandate be,itzt und in 120 Stichwahlen gekommen ist, zum a u s s ch l a g g e b e u d e u Faktor innerhalb der bisherigen Opposition. Das Verhältnis: ICO Liberale, 53 Sozialdemorra.en, wie es am Schlüsse des Reichstags bestand, war erträglich. Heute, wo die Sozaildemokra.ie auf oem besten Wege ist, es aus über ICO Manoa.e zu bringen, die Na.ionaiiiberalen bei ber Hauptwahl aber nur vier Mandate errungen haben und der Fortschritt völlig ausge,aileu ist, kann man nur mit Bangen in die Zurun,t des Liberalismus soh^n. Zwar stehen die Nationaittberaien in 65, die Fortschrtttter in 53 Wahlkreisen zur Stichwahl, aber daß sie auch nur die bjälfte dieser Sttchwahlmandctte aus eigener Kraft erobern, erscheint uns me^r denn zweiselmi,t. Zn 23 Krei.en haben es die Nattonaiiiberaleu mit Parteien ber Reattwn zu tun, die Fortschrittler in bereu 21. In 35 Wahlrreijen lämpfeu die ^ca.ioualliberaleu. Lt 3u, bie Fortschrtttter qcgeu die Sozialbem0t.ra.ie, uno in sechs Stichwai-irresteu öesehden sich die bäaen liberalen Richtungen uiueveinanber.

Es wäre zu wünschen, daß die Liveralen diese sechs Stichwahlen auofochten als eine Art Ehrengang 0 h n e Hinzuziehungreattionärerooersozialbemo- i r a t i f a) e r Hilfe. Sehr schwer aber ist es, zu entschei­den, ob der Liberalismus in neu 4/ Stichwahureisen, in denen er mit ber Reattion zu tun hat, die ihm von ber Sozialdem0tra.ie gea.u angwete.te Httse aiine^men soll, unb ob er in ben 65 Wahlkreisen, in denen er gegen bie Sozialeerno^a.ie kämpfe, mit ben Parteien ber^yteatiion ein Wahliomprvmiß oa.,i.i aoschtteßt, L,nen ihre ^.lchwaht- rilfe durch Unttrstützung bei ben reatttonu.-s0oiaioeuir-- /rattschen Sau,Lianen zu vergelten, ^m Interesse der Zertrümmerung des blauschwa^en Vlock..s luge es jeben» falls, bei den Siichwaisten ne ^>».^11. nach b^echt^ zu nehmen, rwer der Liberalismus wirb diese Parole roo^l fallen la,,en müssen anc.c,iä,ib ocr grogen jozialdemoira ischen Wahl- crfogc, die b,n zur Magd ber So.'.iaUenioi :a i? erniedrigen

Montag, 15. Zanuar 19(2

Bei« q-vrei $: monatItcf)75BfDiertel- jährlich Alk. 2.20; durch .'ldhole- iu Zweigstellen nionailirh 65 Pf.; durcv die Post Mk.L üicrtd- jäbtL ausschl. Bestetlg. Zeilenpreis: lokal löl>L auswärts 20 Menuiq. U ßcnebafteur: '21 Goetz. Verankworllich für den

__ volinichen Teil: August

General-Anzeiger für Oderheffen EäiS

2limah'm? von Anzeigen Hotation^bnuf und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: Zchulftratze 7. 2n,^: für den

's " vüdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnhofslratze l6a. Auzeigeuteil: H. Beck

cmjamlut" ton Kar», v.uu.u. Zu..i verrat Herr

Bawl'ainmcr da-, für die T^.amution immer b.'iano.rj banfjarc Gebiet der Tiatclt>Dichtung und ließ uns eine Reche älterer und neuerer zum Teil anai fechstveriaister Scherzgcoichte in va)° cijc^cr Mundart h.ren, mit der er offenbar besonders ver.raut ijr. Herr Kammerrnusiier Suimmel (TarMiwdt), ein geborener Wic- ;eder, weiß seinem Eornet ä Piston eine gam he°enmäßige Vir­tuosität abäugeivinncii und ließ sich durch den stürmischen Beifall noen zu einer Zngaoe bewegen, die aud) die wohttetannte «Len- ~Li c dieses na, sagen wir ci;ima.anheitittm Instrumentes gehörig ans Licht stellte; iür das Allerwttcs - Piston iujemt aner- ,.j) d rn.ach" zu sein. Jedenfalls rer-

Bestand bei Lessious- Schluß

Neuwahl 1913

In der Houpl- wahl definitiv gewählt

In der

Stichwahl

Konservative . . .

68

27 (1907; 38)

43

:Ueici)9partei . . .

25

6 ( r 12)

17

Reiormer A

21

3 ( , 6)

20

Wutsch. Vereiiiignug/

Zentrum.....

106

83 ( , 89)

30

Voten......

20

15 ( , 19)

10

yiauonalliberale . .

61

4 ( n 18)

64

Aouicbiulvpauei . .

49

- ( . 9)

54

coAtalbcmolraiie . .

53

84 ( , 30)

120

Witde......

17

4 ( 17)

18

dtf/

2ub