Handel.
— Preiserhöhungen im Sch uhmacherbandwerk Tie aus dein Rohhäuteniarkt sich abspielenden Vorgänge zwingen zu einer ernsthaften Betrachtung der für das Schuhmacherhandwerk immer schwieriger werdenden L'age. Alle Sorten Leder sind innerhalb eines Jahres durchschnittlich 30—40 Pfg. das Pfund gestiegen und die Preise sind sicher noch lange nicht auf dein Höhepunkt an- gelangt. Durch die vorjährige Maul- und Klauenseuche, die ungünstigen Verhältnisse in der Landiviitschast und durch die verstärkte Nachfrage in Leder und Lederwaren sind die enormen Ausschläge Hervorgernfen. Unter diesen Umständen mußten die Schuhmacher Preisaiifschläge eintreten lassen. Wo die Mehrforderungen auf Widerstand stoßen, findet der Schuhmacher keinen anderen Ausweg, als billigere Ware zu verarbeiten.
Märkte.
F.C. Wiesbaden. Vlehh of-Mark tberk cht vom 30. Sept. Auftrieb: Rinder 103 (Ochsen 60, Bullen 2, Kühe 41), Kälber 82, Schass 47, Schweine 234.
Marktverkauf: Allgemein mittelmäßiges Geschäft; Großvieh Ueberstand. Preise für 100 Pfd.
Lebend- Schlacht- Ochfen. gewicht
Vovsiefschfge, auSgemästete, höchsten Schlacht- Mk. Mk.
wertes im Alter von 4—7 Jahren .... 54—57 98—103 Tie noch nicht gezogen haben (ungejocht) . . 53—56 97—102 Junge, fleischige, nicht auSgemästete und ältere
ausgemästets 48—52 89—95
Bull en.
Dollfleischige, ausgeiv^ höchsten Schlachtiv. . . 50—53 84—90
Vollfleischige, jüngere 44—49 73-82
Fürs en, Küh».
Vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten
Schlachtwertes 52—55 95—100
Vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten
Schlachtwertes bis zu 7 Jahren ... . 44—50 82—91
Wenig gut entwickelte Färsen 45—59 86—94
A eitere ausgemästets Kühe und wenig gut eni-
wickeÜs jüngere Kühe 39—43 72—79
Mäßig genährte Kühe und Färsen 32—38 64—76
Käl der.
Feinste Mastkälber 66—68 110—115
Mittlere Mast- und beste Saugkälber .... 61—64 102—107
Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . 56—60 93—100
Geringere Saugkälber 50—54 84—90
S> ch a fe.
Wetdemastschafe:
Mastlämmer und Masthammel 42-00 88—00
Schwe ine.
Vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebend»
gewicht....... ...... 69'/ -70 88—90
ffiolifleijdjlge Schweine unter 80kg Lebendgewicht 681/.-697, 88-897. Dollfleischrge Schweine von 100—120 kg Lebend-
gewicht.............. 71-72 89—90
Vollsleischige Schweine von 120—150 kg Lebend
gewicht 697,-70'/, 87-88
eingenmben, so daß der große Saal bis aus den letzten Platz besetzt war. Man besprach u. a. die Frage der Wertung der Leistungen der einzelnen Vereine bei den Bundesfesten und gab dem Vorstände Anregungen, wie dies in Zukunft gehandhabt werden soll. Ter Vorschlag, daß die Bundes- vereine bei den Bundesfesten ein bestimmtes Lied nacheinander vorzutragen haben und dieses gewertet bekommet^ fand keine Gegenliebe, dagegen wurde gewünscht, daß jeder Verein ein selbstgewähltes Lied singt. Hierüber, wie auch über den Vorschlag, daß die Beiträge zum Bund erhöht werden sollen, soll in dem im Frühjahr in Gießen stattfindenden Bundestag Beschluß gefaßt werden. Unter großem Beifall fand dann der Vorschlag des Vorsitzenden Annahme, zur Jsahrhundertfeier der Befreiung Deutschlands im Mai n. I. eine gemeinsame Längerfahrt des Lahntal-Sängerbundes nach der deutschen Erke in Koblenz zu veranstalten. Im Anschluß an zwei Vorträge des Gesangvereins Liedertafel hier überreichte der Bundespräsident den Mitgliedern Ahrenz und Hermann für 25jährige Zugehörigkeit zu dem Verein Ehrendiplome. Es schloß sich ein Frühschoppenkonzert und später eine Besichtigung oer Altentümersammlung auf dem Landgrafenschloß mit nachfolgendem Zusammensein im Turnergarten an
W Frankfurt a. M., 28. Sept Zur Abschiedsfeier für den scheidenden Oberbürgermeister Tr. Adickes hatten sich heute abend in dem Raume der Festhalle viele Tausend Bürger Frankfurts eingefunden. Fansarenklänge und brausender Beifall begrüßten den greisen Oberbürgermeister, als er in jugendlicher Frische die Tribüne betrat. Der Festakt wurde eingeleitet durch Gesang des Sängerchors des Lehrervereins von Frankfurt. Hierauf ergriff Stadtverordneter I u n g das Wort. Er feierte den Scheidenden als den großzügigen Reformator, dem die Stadt Frankfurt ihren mächtigen Aufschwung verdanke. Die Stadtweiterung, die ihren Abschluß fand in den großen Eingemeindungen, durch die er die Stadt vor dem Schicksal Berlins bewahrt habe, die gewaltigen Industrie- und Handelsanlagen, die Verbindung zwischen Ost und West, die großen Unterrichtsanstalten und endlich die Schaffung der Universität Frankfurt. Alles verdanke die Stadl seiner machtvollen Persönlichkeit. Nachdem der Redner noch der Tätigkeit des Oberbürgermeisters im Herrenhause und seiner liebenswürdigen Persönlichkeit gedacht hatte, schloß er mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Adickes. An die Festrede schlossen sich Vorführungen lebender Bilder, die den Aufschwung Frankfurts in den letzten 20 Jahren versinnbildlichten und die von Gesang und deklamatorischen Vorträgen eingerahmt wurden. Als das letzte Stück verklungen war, hielt Oberbürgermeister Adickes eine Ansprache in der er seinen Dank für die Ehrung aussprach und ein Hoch auf Frankfurt ausbrachte.
Hochheim a. M., 28. Sept. Anläßlich ihres 25jäh- rigen Bestehens hat die älteste deutsche Sektfirma B u r g c f f und Co. heute eine Feier veranstaltet. Direktor Albrecht Hummel begrüßte die Festgäste und brachte das Kaiser- hoch aus. Der Landrat des Kreises Wiesbaden, Kammerherr von Heimburg übermittelte die Glückwünsche der Regierung und überreichte Ordensauszeichnungen für Angestellte der Firma. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates Geheimer Kommerzienrat Dr. Bamberger gedachte der Ehrengäste, Direktor Hummel der deutschen Industrie und .Landtagsabgeordn. Wolf- Biebrich der Familie Hummel.
Universitäts-Nachrichten.
Königsberg i. Pr. Tcm ordentlichen Professor der landwirtschaftlichen Betriebslehre und Tierzuchtlehre an der Universität Königsberg t. Pr. Dr. phil. Friedrich Albert wurde der Charakter als „Geheimer Regierungsrat" v^lrehen. .Pros. Albert geboren zu Münchenhof bei Ouedlinburg ' steht »m 53. Lebensjahre. Seine akademische Laufbahn begann er 1889 als Privatdozent in .Halle. 1890 wurde er Extraordinarius für fveziclle Tierzuchtlehre und Molkereiwesen als Nachfolger von Pros. Kirchner und siedelte 1901 als Ordinarius imb Strcttar des landwirtschaftlichen Instituts an die Universität Gteßen über, wo er der Nachfolger von Geh-Rat Prof. Thaer war. 1903 wurde Albert nach Königsberg als Nachfolger von Pros. Back' Haus berufen, um hier allgemeine und spezielle Tierzuchtlehre lorotc Betriebslehre in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten. Mit Ablauf des Wintersemesters, Ostern 1910^trat er vom Lehramte zurück und wohnte seither in Eisenach. Sein Arbeitsgebiet liegt ; 31.tr -'.'l'cfi in ivr 2t.nuctr und ^ütterun^slehre.
Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen vorn 21. bis 27. September 1912.
KreiS:
Ain 21. September waren verseucht:
Bon» 21. bis 27. Sept, sind neu verseucht':
‘450111 21. bis
—27. Sept, ist die Seuche erloschen in:
Tarmstodt .
Kranichstein
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Vermischter.
* Feuersbrünste. I n Lorenzo Marques (D c u t s ch - S ü d 0 st) wurde das Amtsgebäude des deutschen Konsulats durch Feuersbrunst zerstört. Das Inventar und die Akteil sind zum Teil verloren. — In der Chinesen st adt Sachaljan ist eine Feuersbrunst ausge- b r 0 ch c n. Ein Stadtviertel ist vollständig, ein anderes halb niedcrgebrannt. — Ein Feuer zerstörte den achtzig Meter langen Speicher der .Handelskammer in Calais. Ter Schaden beläuft sich auf fünfhunderttausend Franks, die Hälfte davon machen Immobilien aus. — Eine Pulverexplosion ereignete sich nach einer Meldung aus Schanghai, am 19. September im Pulvermagazin zu Faucheng (Provinz Hiipeh). Das Magazin und die umliegenden Häuser wurden zerstört, über hundert Menschen sind getötet worden. Felsstücke wurden über den HankiaM'luß fünfhundert Aards weit geschleudert.
* Seltsamer Unfall. Aus Berlin wird untcrm 28. d. M. gemeldet: Heute früh wurden die drei 23 bis 25 Jahre alten Töchter des Kaufmanns Arndt in ihren Betten schwer krank aufgefunden. Gleichzeitig wurde ^eine Treppe tiefer das 17jährige Dienstmädchen eines Schneidermeisters in ihrem Bette tot aufgefunden. In ihrer Kammer waren beide Gashähne geöffnet. Das Gas war in die Wohnung des Kaufmanns Arndt gedrungen und hatte die Töchter betäubt. Es gelang, sie wieder ins Leben zurückzurufen,
Kleine Tagerchronik.
Im Erdbebengebiet der Schwäbischen A kv, insbesondere in der Umgebung von Balingen und Reutlingen fand gestern abeno 7.10 Uhr wieder em Erdstoß nnt starken Erschütterungen der Häuser statt. Es folgten noch ryehrfache Stöße. Vormittags war ein leichter Stoß vorangegangen.
In Kiel erfolgte am Samstag in Anwesenheit der Prinzessin Heinrich von Preußen und des Prinzen Walde- mar, der Stadtbehörden und Abordnungen plattdeutscher Vereine die Einweihung des zur Erinnerung an Klaus Groth am Ufer des kleinen Kiel errichteten Brunnens, eine Schöpfung des Bildhauers Mißfeld t. Unter ben Anwesenden befand sich auch der Sahn des Dichters mit seiner Familie.
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