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01/10/1912 Drittes Blatt
 
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162. Jahrgang

Dritter Blatt

Nr. 231

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

wird genehmigt.

Kreis Wetzlar.

hier eine gute Schul-Vorbereitung sehr von Nöten ist. Um den

besondere Stein- Honen Treppen, baues;

und .Holzkonstruktionen; Eisenkonstrut- hier die verschiedenen Trägerbelastungen, Stützen, einfache Tücher; die Arbeiten des inneren Aus-

Materialkunde; Veranschlagen und Ab-

* Ausgabe der Zulassung zur Rechtsanwalt- chaft. Am 14. September hat der Rechtsanwalt Wtth. N a l) n zu WormS die Zulassung zur Nechtsanwaltschast bei der Kammer für Handelssachen zu WorinS und dem Amts­gericht WormS aufgegeben.

* Vogel schutzgehölzc. Es ist ein Verdienst des Beigeordneten Grünewald, in der Sladtverordnelenver ammlung darauf hingewiesen zu haben, daß durch die berall vorgenommene Feldbereinigung die Hecken an den iainen verschwinden und damit der nützlichen Vogelwelt )ie Ristgclcgcnheit genommen fei. Er wies darauf hin, > es Pflicht nicht nur der städtischen, sondern auch de anders der Verwaltungen der Kreise und der ländlichen Gemeinden sei, durch Anlage von Vogelschutzgehölzen unserer Vogelwelt Gelegenheit zum Nisten und zur Brut zu geben, ehe es zu spät ist und die Vögel aus unserer Gegend ortziehen. Tie Stadt Gießen ist bereits auf dem Gebiet >es Vogelschutzes vorangcgangen und hat aus dem alten W a s e n p l a tz auf der Straße nach Watzenborn-Steinberg durch Anpflanzung ein Vogclschutzgehölz geschaffen. Es sollen zwei weitere 'Anlagen der Art am Damm der Klär- i ecken und in der Licht en au angepflanzt werden. Zu liesem Zwecke werden verwendet: . Wildrose, Weißdorn, Vogclbeer, Hollunder, Ligustersträucher untermischt mit Fichten, Roteiche, Buchen usw. Stämme. Möge dieses Bci- piel allerwärts zur Nacheiferung anspornen.

= Wetzlar, 29. Sept. Die Evang. Arbeiter- und Gesellen»ereine Butzbach, Friedberg, Homburg v. d. H., Gießen, Marburg und Wetzlar halten am 13. Oktober im Saale des Gastwirts Guth hier eine Vertreter-Ver­sammlung ab, bei der neben allgemeinen Vereinsangelegen, heilen, Besprechung deS Winterprogramms der einzelnen Vereine rc. über die Gründung neuer Vereine verhandelt werden soll. Zu der Tagung hat auch der Evang. Männer­verein Salzböden sein Erscheinen in Aussicht gestellt. An die Verhandlungen schließt sich ein gemütliches Zusammensein mit dem Evang. Gesellenverein Wetzlar.

Hessen-Nassau.

J] Marburg, 29. Sept. Unter dem Vorsitze hes Bundespräsidenten Hauptlehrer Storch-Butzbach tngte heute im Restaurant Pfeiffer hier ein -Läng er tag Lahntal-Sängerbundes. Außer den Vertretern der zum Bund zählenden Vereine aus Marburg, Kirchhain, Gießen, Hungen, Lich, Weilburg, Dillenburg, Butzbachs Grünberg, Wetzlar und Londorf Hutten sich die Mitgliej^r der hiesigen Bundesvereine Liedertafel und Lieberkranz

Dienstag, f. ©ttober W2

Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'fchen Unwersuäts - Buch- und oieinbruderti.

R. Lang e, Gießen.

DieGtehener Zamtlienblitter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das KreUMttt für »en Kreis riehen" zweimal wöchentlich. Dieraaäwirtfchasttichen -eit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:S^112. Tel.-Adr.:AnzelgerGießen.

rechnungsarbeiten; Bauleitung usw. Aus dieser Summe des erforderlichen Wissens läßt sich leicht erkennen, da

berechnungeu; Baukonftruktionslehre hier ins der Grundbau in seinen mannigfachen Arten

Giehener Anzeiger

General-Anzerger für Gberhesjen

Deutsche Kolonien.

Im deutschen Urwald.

Aus Victoria Kamerun , im August 1912, wird geschrieben: Seit einigen Wochen, seit die Regenzeit emgetreten tjt, jinb wir hier in oen Häusern emgeschlossen, aber voriger, m den ichonen Iu-ftagen, unterschied sich unser Victoria von eurer Sommer­frische auf Rügen nur durch Neger, Palmen und erhöhte Tempe ratur. .a . . ,

Aber man steckt mitten in einem grünen Gefängnis, und dav ist der Urwald. Ter ist einfach undurchdrmglrch, w datz weder von Jagen noch von Reiten die Rebe fern kann. Elefantengras, Schlinggewächse und Gebüsch sind so dicht und hoch, day man aui drei Schritt an einem Stück Großwild Vorbeigehen kann, ohne eo zu bemerken. Man ist nur auf Zufall angenncscn. -tobet ut der Urwald natürlich sehr wildreich. Wenige Stunden von frier gibt cs viele Elefanten Aber in dem undurchdringlichen Gewirr von Pflanzen und Baumstämmen erzielt ein Europäer selten gute Resultate, nebenbei ist er der damit verbundenen Anstrengung kaum gewachsen. Richtig jagen tarnt man also leider nur im Innern auf den Hochflächen und tpaoa raten. Hier dagegen halt man sich einen Eingeborenen als Jäger, der für,Wildbret sorgt. Ab und zu geht man mal mit zur Jagd, muß dann aber so schwitzen, daß man für Wochen genug frat.

Wir sitzen hier unter den Bakurrts, einem^sehr volkreichen, nicht nnintcUigenlen und ungeheuer gutmütigen etamm. Sotten lotten lfätten die Handvoll Europäer schon längst zum Tempel h>n- ausgejagt. Mit den Südwestern verglic^n, maäMi die hiesigen Eingeborenen überl-aupt einen sehr harmlosen Eindruck. ^,tc Weißen sckemen bei chnen sehr beliebt, denn jeben Morgen werden die Häuser von Leuten, die oft von weit her kommen und sich als Tienftbotcn vermieten möditen, überlaufen. An persönlicher Be­dienung fehlt es also nie. Will inan aber gute Köche und Wascher haben, so muß man sie sich aus Accra oder Togo kommen lassen, denn in diesen Künsten sind die Bakuiris bei allem guten Willen nicht sehr erfahren. Tie Accras sind gut gewachsen, vornehm und sehr exklusiv. Tic Bakuirileute haben viel Aehnlichkert mit exfrinr pansen, sind immer vergnügt, lieben alles Geräuschvolle und haben ein unglaublich drolliges Mienenspiel. Im übrigen sind sie Kava licre und legen ihr ganzes Geld in Jeu und galanten Tarnen an.

Ausgezeickmet bedient und verwöhnt, ivird der Europäer hier bald faul und führt ein rechtes Schlaraffenleben, sitzt auf seiner Veranda, ißt sehr viel, trinkt gut und läßt den heben Gott einen guten Mann fein.

Die Szenerie, in die man vom Ballon bc» Hauses frinaus- blickt, reißt zu immer neuer Bewunderung hin. Victoria wird überragt vom großen und kleinen Kamerunberg, jener etwa 4000, letzterer etwa 1800 Meter hoch, Matterhorn und Rigi dicht neben­einander. Vor uns die blaue See nut vielen kleinen malerischen Inseln und in der ft-erne der riesige Pic von Fernando Po. Eine Vegetation, von der man sich drüben in Europa keinen Begrisf machen kann, so fabellzaft üppig und grün. Tie Temperatur ut feucht-wann, denn Regen fällt auch vor der eigentlichen Regen zeit ungefähr dreimal täglich.

Was Häuser anbetrisst, so ist Victoria der luxuriöseste kleine Platz, den man fiel hier in Afrika denken tarnt. Wenn man das mit Südwest verglicht! Hier sind reizende kleine Villen mit großen Veranden, Wasserleitung (!!) und Palmengärten! Für die Bcguemlichkeit der Beamten, die ausschließlich diese komfor­tablen Häuser bewohnen leider nur drei genießen dazu den Luxus einer deutschen Hausfrau ist hon der Regierung wirklich aufs beste gesorgt.

Sehr amüsant sind oft die Gerichtsverhandlungen, Pallower genannt. Tont comme chez nous: Frau von Schönebeck in schwar­zer Ausgabe Wolff-Metternich dito, großer Schwindel, kleiner Schwindel und grober Unfug, 's ist im Grunde genau so mic in Berlin! Aber diese überwältigende Komik in Rede und Gegenrede! Man kann das gar nicht besäfreiben.

Einige Abivechslung in das sonst sehr beschauliche Leben am Urwaldrand brachte neulich Nacht ein großer Tornado, wobei es in unser Wellbleck^ach einschlug. Tas blitzte und krachte nur so und die Landsckxnt sah sck,auerlich schön aus; noch großartiger als in bcn Tagen, da kein Lüftchen die Ruhe diefes lachenden Himmels stört.

Kreis Friedberg.

Bu tzb a ch, 28. Sept. (Gemeinderatssitzung.) An- wesend; Bürgermeister Flach, die Beigeordneten Hadermann und Heil, die Gemeinderatsmitglieder Braubach, Grauer, Heil, Heyd, Kück-el, Müller, Oppenheimer, Tröster und Tr. Vogt. M^izinal- rat Tr. Vogt verlas folgendes Protokoll der Baukommission vom 19. September 1912: Es wurden verschiedene städtische Gebäude besichtigt und die Kommission schlägt vor, die erforderlichen Mittel in den Voranschlag für 1913 einzustellen: 1000 Mark für Repa­raturen im Turnhallegebäude, insbesondere sollen die Fenster der Nordseite zum Schutz der Scheiben ein Drahtgitter erhalten, die Wände der Keller ein Ueberrourf; die Wohnung des Fräulein Köberer soll durch eine Türe abgeschlossen werden, dazu soll eine überflüssige Türe aus der Turnhalle verwendet weiden. Tie Kommission ist der Ansicht, daß das Tumhallegebäude durch einen Hausmeister ständig beaufsichtigt werden muß, schlägt vor, dieser- halb mit Herrn Leyerz-apf zu sprechen. Ferner beanttagt die Kom­mission: die technische Kommission soll prüfen, ob es nicht mög­lich ist, das Turnhallegebäude an die Heizung der Realschule anzuschließen resp. im nächsten Jahre einen Voranschlag über eine vereinigte Heizungsanlage fertigen zu lassen. Für Jnstand- setzung der städtischen Wohnungen in der Neugasse und Krach­baumstraße 1000 Mark in den VoranscUag einzustellen. Diese Anträge werden angenommen. Gemeinderat Heyd schlägt namens der technischen Kommission vor, für Anschaffung einer neuen Pumpe für das 2. Bohrloch 4000 Mark im Voranschlag vorzusehen, der Antrag wird genehmigt. Gemeinderat'O p p en hei mer schlägt vor: Anlage von dNosaikpflaster (Asphalts an der katholischen Kirche an den Bollerschen Neubauten vorbei bis zum Ostbahnhof. Ter Gemeinderat erteilt hierzu seine Zustimmung. Tie Anttäge Oppenheimer, Herstellung einer Äufenthalthalle für die Kleinkinder- schule, Ausbau der Straße zwischen den Villen Tröster und Klingel bis zur nächsten Straßenkreuzung, werden abgelehnt, die Anträge, Einstellung eines Betrages in den Voranschlag für 1913 für freie Lehrmittel für Kinder, deren Eltern ein Einkommen unter 1200 Mark, und Einstellung von 60 Mark für Milch für die Kinder der Kleinkinderschule, werden für die nächste Sitzung zurückgestellt. Ter Antrag Oppenheimer, die neuprojektierte Straße des Boll­wertwegesGutenbergsttaße" zu benennen, wird genehmigt. Für den verstorbenen Hermann Bartel soll Georg Sparwasser als Feldgescksworener in Vorschlag gebracht werden. 2ie, Tagege­bühren der Feldgeschworenen wurden von 3 Mark auf 4 Mark erhöht. Der Antrag des Beig. Heil, für die neuen Obstbaum- pjlanzungen im freien Felde einen Abstand von 5 Meter von den Nachbaryrenzen vorzufehen, wird abgelehnt. Tie Verlegung der Straßemlucht vom Riedelschen Grundstück nach Norden zu.

Aus Stadt und (and.

Gießen, 1. Oktober 1912.

M Erledigte Stel len. Tie Stelle des Kreis-. geometerS zu Butzbach. Vier Lehrerinnenstellen in Worms, von denen'drei mit evang. und eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzen sind.

2lus der Rechtsprechung der Reichsgerichts, in.

Zum Schein erfolgte Angabe eines höheren Kaufpreises, als des ernstlich vereinbarten, tut Kausprotokoll, macht den Kauf­vertrag unwirksam. E. d. R G. Bd. 78 S. 115.

Durch gerichtlich beurkundeten Vertrag vom 18. März 1910 verkaufte der Beklagte an den Kläger den damaligen Bräutigam und jetzigen Ehemann seiner Tochter seine Grundstücke für d e n vereinbarten Kaufpreis von 60000 Mk ". Hier­von sollten 40 000 Mark gestundet bleiben und der Tochter des Beklagten als Vorbehaltsgut überwiesen und hypothekarisch auf den Grundstücken eingetragen werden. 11 500 Mark sollten bei der Auflassung bar bezahlt werden. 8500 Mark Baukosten, welche durch Instandsetzung der GutSgebände entstanden^ feien, sollte der Kläger zur eignen Berichtigung übernehmen. Diese letztere Be- ftimmung war in beiderseitigem Einverständnis zum Schein aus­genommen Die Kosten der von dem Verkäufer ausgeführten und bezahlten Reparaturarbeiten in Höhe von mehreren Tausend Mark waren bereits bei Bemessung der Anzahlung von 11 500 Mark in Anschlag gebracht worden. Der Käufer hatte die Absicht ge­äußert, seinerseits noch weitere Bcrbesserungsarbeiten vornehmen zu lassen, deren Kosten er auf 8500 Mark veranschlagte, und er hatte gewünscht, da ihn das Gut nach Ausführung dieser Ver­besserungen auf tu lammen 60 000 Mark zu stehen komme, daß dieser Betrag als Kaufpreis in den Kaufvertrag aufgenommen werde, damit die Geschwister der Braut sich nicht später durch die niedrige Bemessung des Kaufpreises beschwert fühlten. Eine Leistungsverbindlichkeit des Käufers an den Verkäufer in Höhe dieser 8500 Mark war also in Wirkliclikeit nicht vereinbart.

Da demnächst der Bellagte die Auslassung des Guts weigerte, erhob der Kläger darauf «läge. Er wurde mit derselben abgeroiefen. In den Gründen des Urteils des R. G. ist erwogen: Tie Unrichtig­keit des protokollierten Kaufpreises, der ein wesentlicher Bestand­teil des Kaufvertrags sei, mache den ganzen protokollierten Kauf­vertrag unrichtig und zum Scheinvertrag und nach § 117 B. G. B. nichtig. Ter wirtlich gewollte Berkaus zu einem nie­drigeren Preis sei auch nicht durch den protokollierten Verkauf zu einem höheren Preis als verdecktes Geschäft nach § 117 Ab st 2 B. G. B gedeckt und wirksam. Nach der den Schutz des Ver­äußerers bezweckenden Vorschrift des § 313 B. G. B. müsse der wirklich gewollte Kausverttag gerichtlich ober notariell protokolliert werden. Ter Verkäufer sei nicht verpftichtet, das Grundstück zu einem niedrigeren, als dem protokollierten, Preis entsprechend einer mündlichen Vereinbarung zu übertragen.

Menschen gipfelt.

** T i e M e i st e r p r ü f u n g s k o m m i s s i o n für die Pro­vinz Cberfrenen schreibt uns auf Grund ihrer Beobachtungen folgendes: Die Prüflinge im Maurer und Zimmerer- Handwerk lassen fortgesetzt in den Prüfungen noch manches zu wünschen übrig, und deshalb dürfte ein Hinweis darauf, was von diesen Prüflingen verlangt werden muß, für die beteiligten Personen von Interesse sein: Der Maurer - und Zimmer- meister bedarf bei Ausübung seines Berufes recht umfangreicher technischer Kenntnisse, die er nur auf dem Wege einer guten systematisch geordneten Schul-Ausbildung sich aneignen kann. Ein einfacher sogenannter Vorbereitungsdrill in den technisck)en Prü­fungsfächern hat nach Mitteilung der Prüfungskommifsion zu ungenügenden Ergebnissen geführt. Einem solchen Vorbereitung^ drillverfahren fehlt all und jedes Fundament, das allein für die Dauer befähigt, weiter arbeiten zu können. In diesen Prü­fungen wird verlangt, daß der Prüfling fachgemäße schriftliche und mündliche Lluskunft geben kann in den folgenden Fächern: Baukunde hier die Elemente des Entwerfens einfacher städtisck-er und ländlicher Gebäude, Umbauten ufw.; Konstruk­tionen im allgemeinen: Statik und Festigkeitslehre hier Anwendung auf die im öoefrbau vorkommenden Konstruk­tionen in Stein, Holz und Eisen: Flächen- und Körper-

** Abschiedsseier f ü r das oberhessischeSchieds- gericht. In stattlicher Zahl hatten sich am Samstag abend im Lenzschen Felfenkcller die Mitglieder des Schiedsgerichts ftir Ober- Hessen zu einer kleinen Feier eingchntben. Bürgermeister Le u u Großen-Linden begrüßte die Erschienenen, die aus allen Teilen Oberhessens gekommen waren. Wadjbcni er in kurzen Worten die Veranlassung des Zusammenseins erwähnt, sprach er dem eiterigen Vorsitzenden, Mgierungsrat Dr. M c r cf, für denen achverftändige Leitung seinen Tank aus. In längerer, von Beifall unterbrochener Rede gab der Vorsitzende ein Bild der Tätigkeit lies Schiedsgerichts während der Dauer seines Bestehens. Er führte u. a. aus: Infolge der Reichsverficherungsordnung wird mit dem 1. Oktober das seither in Gießen bestehende Schiedsgericht ür die Provinz Lberhessen, dem die Erledigung der in ^ack>en >er staatlichen Fürsorgegesetze entstandenen Streitigkeiten znge- wiesen waren, in seiner seitherigen Gestalt aufhören. An feine Stelle tritt das Reichsverficherungsamt in Darmstadt, dem sämt- ' iche Streitfälle Hessens unterstellt sind, ohne die Mitwirkung von Arbeitgeber und Arbeftnehmer zu becinträdnigen ober auf zuheben. Vielmehr sollen diese seither von Zett zu Zeit in )cn Provinzialhauptstädten zwecks Entscheidung der Streitigkeiten zusammentreten. Was nun die Tätigkeit des seitherigen Schieds­gerichts anfoctrifft, so dürfe man wohl ohne Ueberhebung aus- prechen, daß alle dabei Beteiligten stets besttebt lvaren, nach ReckK und Gerechtigkeit die Entscheidung zu treffen. Daß dabei Vorsitzender und Beisitzer nickst immer derselben Meinung gewesen eien, halte er ftir durchaus gesund, denn nur durch Beleuchtung einer Sache von verschiedenen Seiten, werde es möglich sein, ein gerechtes Urteil zu fällen. Jedenfalls aber müsse er die Ansicht entschieden zurückweisen, als ob man bei der Beurteilung in einseitiger Weise mehr auf der Seite der vom Unfall Be­troffenen gestanden habe. Diese Behauptung werde schon dadurch widerlegt, daß die letzten Instanzen verhältnismäßig wenige Fälle zurückverwiesen haben, also int allgemeinen zufrieden waren. Welche Fülle von Arbeitsmaterial im Laufe der 12 Jahre des. Bestehens zu bewältigen war, gehe aus der Tatsache hervor, daß annähernd 5000 Fälle entschieden wurden. Was das heiße, könne man einigermaßen ermessen, wenn man erwäge, welche Fülle von Material und Arbeit sehr oft ein einziger Fall verursacht. Daß dies möglich war, müsse zunächst auf das Konto des guten Ver­hältnisses zwischen Vorsitzendem und Beisitzern, zum größten Teil aber auf Rechnung des Bureaus selbst gesetzt werden, dem er für seine Tätigkeit die verdiente Anerkennung ausspreche. Als Grund­lage aller Entscheidungen seien die Gutachten der Sachverständigen, besonders der Vertrauensärzte, anzusehen. Die nach dieser Rich­tung tätig gewesenen Herren dürften für sich das Zeugnis an- sprechen, infolge großer Gründlichkeit und Sachkenntnis einwand­freies Material geliefert zu haben. Ml es in allem genommen, dürfe man mit der Tätigkeit der Schiedsgerichte zuftieden sein, und die während einer Reihe von Jahren gesammelten Erfahrungen könnten für die Weiterentwickelung und den Ausbau der so segens­reich wirkenden Arbeiterfürsorgegesetze nur von ganz bedeutendem Nutzen sein. Die nun folgenden Redner, sowohl Beamte des Schiedsgerichts, als Arbeitgeber und Arbeitnehmer, hoben ein­stimmig das sclzöne Verhältnis zwischen den einzelnen beteiligten Faktoren hervor, wodurch es für den Einzelnen feine Last, sondern .eine Lust gewesen sei, sich- der nicht leichten Arbeit der Erledigung von Streitsachen zu unterziehen. Medizinalrar Tr. H aber- ko rn-Gießen berichtete noch über seine Erfahrungen bezüglich der Untcri'udmng der Unfälle und wies darauf hin, wie gerade durch die Tätigkeit des Arztes auf dem Gebiete des Unfallwesens eine ganz genaue Wissenschaft, die Unfallkunde, sich herausgebildet habe, die in peinlich genauer Untersuchung und Feststellung der Tätigkeit und Leistungsfähigkeit der einzelnen Körperteile des

taffen. . £

** Der Verein efcem a l i g c r 116er in wiese n hielt am Samstag abend bei Kamerad Sauer seine ordentliche H erbN- Mitgliederversammlung ab, die gut besucht ivar. Aus dein Berickü, den der erste Vorsitzende erstattete, ergab sich, daß der Verein seit dem 1. 2lpril um 36 Mitglieder gewachsen ist und jetzt 450 Mitglieder zählt. Mit Rückfici: auf die im Herbst zur Reserve entlaifenen Mannschaften hofft der Verein, der 3t der oiertfLärffte der Hassia ist, seinen Mitgliederbestand auf pOO zu erhöhen. Das Andenken des verstorbenen Majors »rveifrerr Röder vor Diersburg ehrte die Bersainniliing durch Erl>eben von den Sitzen. Die Satzungsänderungen wurden nach beni Vor d.lagc des Vorstandes genehmigt, so das; in Zukunft die Vor­standsmitglieder auf die Dauer von zwei Jahren gewählt werden. Dem Rechner wurde für das erste Geschäftsjahr Entlastung erteilt und die Rechnungsprüfer ftir 1912 gewählt. Den breitesten Raum nahmen begreiflicherweise die Verhandluiigeu über das Regiments- jubiläum ein. Tas Regiment hatte sich außer Stande erklärt, die Herrichtung des Festplatzes und Durchführung des volksfeftlick>cn Teils des Jubiläums zu übernehmen und den Verein gebeten, diese Arbeiten auf sein stttsiko auszuführen. Darauf beantragte der Vorstand nach eingcfrcnbcn Beratungen einstimmig, die Mit­gliederversammlung solle die llcbemaljmc des v o 1 ksfest 1 ichen Teiles nebst Herrichtung eines entsprechenden Festplatzes bc schließen. Nach einer aussührlickjen Aussprache fand der Antrag des Vorstandes einftimmige Annahme. Beschlossen wurde auch die Anschafftlng einer Vereinsfahne und einer der vier Ent - würfe gutgeheißen. Der Vorstand soll die weiteren Verhandlungen führen. Am 26. Oktober findet eine MonatSversammlilng mit einem Vortrage, am 23. November ein Kommers statt zu Ehren des (Geburtstages des Landesfürsten. Am 21. Dezember soll die Weihnachtsfeier auf der Liebigshöhe stattsinden. Am Sonntag fand das diesjährige S ch l u ß p r e i s f ch i e tz e n statt, das sich mnes sehr guten Besuches erfreute. Tas Ergebnis ist folgendes: I. Meisterscheibe: 1. Preis Petri 53 Ringe, 2. Hellwig 51, 3. Reitz 51, 4. Weeg 47, 5. Georg 47, 6. Seibel 47, 7. Haupt 46, 8. Kaiifmann 45 Ringe; II. Tabellenpreise: 1. Reitz mit 140 Ringen, 2. Petri 134 und 3. Weeg 131; III. Festsck>eibe:. 1. Hellwig 51 Ringe, 2. Reitz 49, 3. Weeg 48, 4. Haupt 46, 5. Petri 46, 6. Dirlamm 42, 7. Herrmann 39, 8. Schmidt 38, 9. Hirsch 31, 10. Schott 29 und 11. Pohl 29; IV. Erste Ehren- scheide: 1. Petri, 2. Stoll, 3. Herrmann. Zweite Ehrenscheibe: 1. Reitz, 2. Hellwig, 3. Deibel. Abends fand nach der Preis-- verteilung in den Räumen des Schützenhauses eine Familiett- zufammenkunft statt, die sehr gemütlich verlief. Dem ersten Vor­sitzenden des Schießausschusses Ph. Herrmann wurde in Anerken­nung seiner Verdienste um das Bereinsschießwesen vom Vorstand eine Statuette überreicht.

jungen Leuten, die eine solche Prüfung künftig abzulegen gedenken, den Weg zur gründlickxn Erlernung dieier Erfordernisse recht­zeitig zu zeigen, mack,en mir auf unsere hessischen Ge - wer beschul en auf niet Ff am, die demnächst ihre Winteriemester beginnen, und vollauf Gewähr und Gele»fenheit bieten zu einer gründ ­lichen sachgemäßen Ausbildung der Maurer und Zimmerer. Be­sonders ältere Gehilfen, die vielleicht schon reckü bald die Meuter- Prüfung oblegen wollen, sollten diesen Himreis mcdt unbcadMct