Schiffe, mit Getreide nach den Häfen de) . tcAmecres, des Kontinents und nach England bestimmt, Vorstellungen erhoben morden seien. T-er Minister crtl.ir.e, der britifche Botschafter in Konstantinopel sei angewiesen worden, der Türkei auseinanderzusetzen, das; nach, der Auffassung Englands ein Zurückhalten dieser Sclnsfe durch, das Völkerrecht nicht gerechtfertigt sei und daß, soweit die Interessen englisck-er Untertanen berührt werden, England strikte sich alle Rechte Vorbehalte.
Deutsches Reich.
Der Bundesrat
bat den zuständigen Ausschüssen überwiesen: den Entwurf eines Gesetzes über das Versahren gegen Zugendliche: eine Vorlage bftr. die Eingliederung der durch die Paragraphen 537 und 91/ Abs. 1 der Versicherungsordnung der Unfallversicherung neu unterstellten Gewerbczweigc und Tätigkeiten in einer gcnossenschaft- lichen Organisation: die Vorlage betr. Aenderung einiger Bestimmungen der Eisenbahn-Betriebsordnung: den Entwurf einer Prüfungsordnung für Tierärzte: den Entwurf der Bekanntmachung betr. das Verfahren vor dem Kaiserlichen Aufsichtsamt für Privat- Versicherung im Falle des 8 369 Abs. 1, Satz 2 des Vcrsicherungs- gcsetzes für Angestellte: die Vorlage betr. die Errichtung eines Rentenausschusses für die Angcstelltenversicherung: die Vorlage betr. die Inkraftsetzung der Vorschriften des Bersicherungsgefetzes für Angestellte: den Entwurf betr. die Bekanntmachung der Ueber- gangsbestimmungen der Reichsversichcrungsordnung: die Vorlage betr. die Aenderung des Militärtarifs für Eisenbahnen: die Vorlage betr. die Errichtung eines Schiedsgerichts der Angestellten- Versicherung; dem Entwurf der Bestimmungen über die Konkurs- statiftik: den Entwurf der Bekanntmachung betr. die Feststellung dcS Börsenpreises von Wertpapieren. Ter Bundesrat hat den Anträgen der Ausschüsse betr die Festsetzung des Durchschnittsbrandes, die Regelung der Vergällungspflicht, ferner betr. die Aenderung der Branntwcinsteuer-Besrciungsordnung, betr. die Aenderungen der Ergänzungen der Branntweinsteuer-Ausführungs-' bestimmungen sowie betr. die Aenderungen der Essigsäure-Ordnung, der Vorlage betr. die Aenderung der Vorschriften über die Bezeichnung der Margarine-.Handelspackungen zugeslimmt und hat dem Männerturnvcrein Lüderitzbucht die Rechtsfähigkeit verliehen.
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Die Neuwahlen zum württembergischen Landtag
sind auf Mittwoch, den 13. November, festgesetzt worden.
Ausland.
Ein Muttcrschaftsgesetz in Australien.
Der australische Bundessenat nahm in dritter Lesung das Mutterschaftsgesetz an, das eine Prämie bis zu einem Maximum von 100 Mark für jedes Kind vorsieht, 5as in Australien von weißen Eltern geboren wird. Die Auszahlung der Prämie wird vom nächsten Samstag ab beginnen.
In Tanger wurde am 10. Oktober ein dort eingetrof- fencs Schreiben deS Sultans Mulatz Jussus in der großen Moschee feierlich verlesen. Ter Sultan gibt darin bekannt, daß er im ganzen Süden des Landes zum Herrscher anßgcrufen worden sei. E l Hi da wurde, nachdem er versuchte, das Land durch verbrecherische Umtriebe zu beunruhigen, b c i Marakcsch aufs Haupt geschlagen. Ter Sultan rühmt die Treue der großen Kaids, die zu dem Zwecke, die letzten Kontingente der Rebellen zu vernichten, eine neue Abteilung ausrüsten. Er verzecht allen früheren Parteigängern El Hibas, die sich unterwarfen. Bei der Verlesung des Schreibens wurden 21 Kanonenschüsse gelöst.
Arbeiterbewegung.
Waldenburg, 10. Okt. Tie niederschlesischen Kohlenverwaltungen haben die Bergarbertcrlöhnc um 10 Pfennig für die Schicht erhöht, was eine Erhöhung des Einkommens der Bergarbeiterschafl um •/< Millionen Mark bedeutet.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 11. Oktober 1912.
Ans der Sitzung der Stadtverordneten.
Es lag wohl an der geringeren Wichtigkeit der Tagesordnung der gestrigen Sitzung unserer Stadtverordneten- Versammlung, daß die Stadtväter erst sehr spät sich in beschlußfähiger Anzahl zusammenfanden. Trotzdem gestaltete sich die Sitzung recht interessant, da vor und nach der Erledigung der zur Beratung stehenden Gegenstände einige wichtige Gegenstände zur Sprache kamen. In erster Linie ist eine Zuschrift des Evang. Kirckienvorstandes zu erwähnen, die die fenietc Mitwirkung der beiden ersten evangelischen Geistlichen an der Armenverwaltung behandelt, soweit sic auf stiftungsmäßigen Rechten beruht. Das Schreiben ging an den Rechtsausschuß, aber es ist wohl anzunehmen, daß die Angelegenheit nicht lediglich vom starren Rechtsstandpunkt geregelt wird, sondern im Interesse der Armenpflege und die seitherige bewährte Mitarbeit der Geistlichen — auch Dekan Beyer gehört dazu — erhalten bleibt. Die Anfrage des Stadtv. Krumm über die Abhaltung der Biehmärkte wird sicher von zahlreichen Ge- schäfrsleuteu mit Interesse begrüßt werden. Hoffentlich gelingt es, daß die Gießener Biehmärkte, deren erster wieder am 28. Oktober stattfinden wird, sich uneder zu ihrer alten Bedeutung emporschnnngen können. Auch die Aussprache über die Geschäftsordnung entbehrte nicht eines gewissen Interesses. Auch die Bürgerschaft ist daran beteiligt, das; es ihren gewählten Vertretern möglich sein muß, sich durch Anfragen über einzelne Sachen zu unterrichten, auch wenn sie gerade nicht auf der Tagesordnung stehen. Und cs wird die Aufgabe aller Beteiligten fein, daß nicht durch Viel- reberei und Stellung überflüssiger Anfragen die Erledigung der Geschäfte notleidet.
** TagcSkalcndcr C t a d t t h c a t er: Freitag abend 8 Uhr: »Matthias Dollinger.'
51 n l n a c m u 111 am Samstag, 12. Oktober, nach- mittags 5 llbr, in bet Süd Anlage (mir bei guter Witterung». Spielplan: 1. Tie schönsten Augen! Marsch von C. RrauBe • 2. ,Fett-Ouvertüre' von 2t. Lortzmg; 3. Ballade aus der Oper .Ter fhcqcnbe Holländer' von R. Wagner: 4. Hallali! Jägerlieder- 'Uotpourri von W. Loder.
, ** Landes mn scum. Ter Großbcrzog hat den Museums -A,,i,tonten Tt. Llug. Feigel in Darm,ladt zum Kustos an dem Landesmuseum zu Darmstadt ernannt.
•• Steuerpersoualien. Tund Entschließung deS Mi nutenumS der Finanzen wurde die (Ernennung des Steuerauffebers Sloni 11 c r zu Gießen zum Pfandmeister für den Beitreibung/.
। '«V * 9u,Jn.n Rachsuchen zurückgcni'mmen Ter Steuerer den yVitrrih l? 1LC,-JAwurde zum Pfandmeister Nlr den ^s«.UrcU)uugsbezirk irurtb cniaimi.
-ts -., g *. L» u f b es chl a g e bestanden Hugo Dol l ans Langd, Chutau Stier au-s Walmdach oihnft n t u ™
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** Flugfesl in Gießen Zur Durchführung des am 27. Oktober auf dem Trieb stattfindonden Flugfctcs, an denen Durchführung sich eine ganze Reihe von Vereinen beteiligt, hatten sich gestern abend auf Einladung des Luftfahrervereins Gießen eine Anzahl Herren zusammengefunden, um die einzelnen Ausschüsse zu bilden und die Arbeitsteilung vorzunehmen. Zu der Veranstaltung sind die bekannten Flieger von StocvhaiiuS und Fräulein Mo bring gewonnen worden, die unter dem Protektorat des hessischen Verbandes für Flugwesen in Mainz eine Fliegerschule errichtet haben. Sic werden am Nachmittag des 2<. Oktober über dem Trieb eine Atizahl von Flügen unternehmen, darunter einen Höhenflug und einen Gleit- und Kurven- slug. Ferner wird ein Wettbewerb im Bombenwerfen veranstaltet, der rein militärischen Charakter trägt und ein hochinterenantes Ereignis werden dürfte. Außerdem wird das Luftschiff V i k- t o r i a Luise von Frankfurt hierherkommen und voraussichtlich um 2 Uhr landen. Nach etwa einitünbigem Ausenthalt wird cs Dann die Rückfahrt antreten. Zu dieser Fahrt haben sich schon fme ganze Anzahl von Damen und Herren gemeldet, und da der Fahrpreis etwa die Hälfte des sonst üblichen beträgt, dürste mit einer starken Inanspruchnahme gerechnet werden. An der Fahrt können sich auch Nicytmitglieder des Lust- sahrcrvercins beteiligen. Sie genießen zwar nicht die gleiche Ermäßigung wie die Mitglieder, haben aber doch eine recht erhebliche Ersparnis gegenüber den gewöhnlichen Zeppelinfahrten.
•• Sladtthealer. Da fortwährend un 2bcaterburcau Anfragen wegen der ersten Sch liier Vorstellung ein» laufen, sei nochmals darauf hingewieseu, daß diese Vor- fletlung Nathan der Weise' mit Herrn Klieivcr in der Titelrolle) am SamStag, 19. Oktober, nachmittags, bei Volks- preisen stattfindet.
** Bczirkstierschauen. Für die ausgefallene Klauenviehausstellung auf der Kreisschau Gießen sollten als Ersatz drei Bezirkstiers Hauen in diesem Herbst abgehalten werden. Der Vorstand des Landw. Kammer- Ausschusses sah sich aber veranlaßt, wegen der noch immer herrschenden Seuchengefahr und der vorgeschrittenen Jahreszeit die Schauen auf nächstes Frühjahr zu verlegen, welches auch für die Interessenten insofern von Bedcuttnig ist, als daß die Tiere im Frühjahr sich in besserer Verfassung befinden und die Landwirte meyr Zeit zum Ausstellen haben wie eben.
** Zu der Kaninchen-Ausstellung des Kaninchenzucht- und Pflegevereins am Sonntag sind weit über 100 Tiere angemeldet worden. Auch haben einige Farmen aus Kaninchenfellen hergestellte Pelzwnren angrmeldet. Letztere werden bei den die Ausstellung besuchenden Frauen sicher Interesse erwecken. Zu dem Vortrage des Preisrichters sind die städtischen und staatlichen Behörden eingeladen.
0 Dic KonkurseinHessen. Im Großherzogtum Hessen wurden im Jahre 1911 215 Konkurse eröffnet gegen 256 im Jahre 1910. Es fielen 6 085 499 Mark nicht vorbcrechtigtc Forderungen (680 313 Mark im Jahre 1910) aus. Die erste Stelle bei den Konkursen nimmt der Waren- und Produktenhandel ein.
** Der städtische Seefischmarkt erfreute sich gestern wieder eines starken Zuspruchs von Hausfrauen aus allen Kreisen. Der Vorrat bestand aus Seelachs, Seehecht, Schellfischen und Kabliau und zwar in guter Qualität und blutfrischer Ware. Man hatte, um die Käufer chneller abfertigen zu können, zwei Verkaufsstellen eingerichtet und dabei die Sorten getrennt, was sich als recht iraktisch erwies. Bei der lebhaften Nachfrage wurde der Vorrat von etwa 16 Zentner Fischen sehr balo geräumt. — Hausfrauen im Süden der Stadt bedauern, d«ß der .städtische Seesifchmarkt für sie zu entfernt liegt und hätten den Wunsch, daß man den Versuch macht, in der Mitte des Südviertels ebenfalls einen wöchentlichen Fischmarkt einzu- richten. Als geeignete Stelle dafür wäre der Platz vor der alten Klinik in Betracht zu ziehen.
Landkreis Gießen.
△ Lich, 10. Okt. Wegen der finanziellen Verhältnisse der Butzbach-Lich-Grünberger Bahn fand gestern hier eine Zusammenkunft der Bürgermeister aus den Gemeinden, die an der Bahnlinie liegen und Stationen haben, statt. Die Bahn weist alljährlich einen hohen Fehlbetrag auf, zu dem die Ok- meinden mehr als seither herangezogen werden sollen. Die Bürgermeister gaben ihre Ansichten zu der Frage kund, die der Bahngesellschaft vorgelegt werden nriro. Alsdann wird eine neue Bürgermeisterversammlung stattfinden.
Kreis Alsfeld.
s. Ilsdorf, 9. Okt. Wie stark das Angebot in Dreschmaschinen zurzeit ist, erhellt die Tatsache, daß in unserem kleinen Dorf drei Dampfdreschmaschinen zur gleichen Zeit brummten. Dasselbe war der Fall in der Nachbavgemeinde Lardenbach. In Ruppertenrod drusck)en in dieser Woche vier Dreschmaschinen gleichzeitig.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 10. Okt. Stadtverordnetensitzung. Anweiend: der Bürgermeister, die Beigeordneten unb sämtliche Stadtverordneten bis auf Langsdorf. Neben verschiedenen klci- ncren Baugesuchen wurden K. Wingcseld, O. Pctrie unb W Bock bic Pläne für Neubauten genehmigt. — Tic Ei senba hn- betricbainftieftion beabsichtigt auf dem von ihr erworbenen Gclänbc an der Görbclheimer Hohl 36 Wohnungen für Beamte zu erbauen und ersucht um Festlegung der Bau- flumtlinie. ES wird beschlossen, die Fluchtlinien an dem ganzen Gelandekompler südlich der Görbclheimer Hohl sestzulegen, damit auch anderen Gelegenheit zur Erbauung von Kleinwohnungen gegeben ist. — Tie Straße entlang der Fauerbachcr Grenze, die direkt aur den neuen Bahnhof führt, wird gegen den Wider- iprud) des Stadtv. Busold mit dem Namen „Wilhelmstraße" benannt. — Vom Tenkmalrat ist ein Antrag gestellt worden, daß die ganze Kaiser st raße unter Denkmalschutz gestellt merben soll. Es müßte also bei allen Neubauten unb baulichen Veränderungen erst die Genehmigung des Denkmalpflegers ein- gcholt werden T»e Versammlung ist einstimmig der Ansicht day man wohl jicnfmalbflege treiben soll, aber nicht in be- Wene. wie dies seither geschehen ist, die die Schädigung einzelner Hausbesitzer zur Folge hatte und Verzögerungen bei Genehmigung ber J8auplone unb Gelbverlupe zur Folge hatte. Ter Antrag wird daher mit lautem Protest einstimmig abgelehnt — 3u bem Vertrag zwischen Bad-Nauheim unb Friedberg weaen gemeinsamer A b s ü h r u n g d c r A b w ä s s e r ist von BadMau- beim der Vorschlag gemacht worden, die Kanalröhren anstatt aus Zement von Guß zu nehmen, um bas Eindringen von Grund- waiscr m das Kanalnctz zu verhüten. Tic Mehrkosten für die Gciamtanlagc würben dadurch 70000 Mk. betrogen und auf den Anteil der Stadt hiervon etwa 20—25 000 Mk. entfallen Nach bem der Bürgermeister den Vorteil der Gußrohren erläutert hm und um endlich zum Abicklutz der schon lange schwebenden An- gclegcnbcü zu kommen, wird zugestimmt und beschlossen daß icde Stadt den von ihr angenommenen Techniker für sich zu bcsablm 6al unb tue Snfl, ,n d-c das Zrenninitcm butÄta «n mu6. »on brn au, uiet Jahr- Dcrtängeri. Tcm jeHnetcgten iBntraa wirb tm r.amen jugeflimmt. Zur StusE d" Kanalanlag- soll an gmgncter Saufüf,rn angenommen"nb Die Stelle auSgeichrieben werden. — Don einem Unternphrn»r auS Fulda t|t der Vorschlag gemacht worden, hier eine Normal- iwim b",,c U6r dradtloser T-leg°Äe
täglich nach der Nornialzeit zu regulieren Tic Q'nften
Mk betragen. Ta aber nicht kfeellt ift waä die Nebenkosten der Empfangsstation ausmachcn, wird der
Antrag vorerst abgelehnt. — Tie Ncchnun- De. Schiller- s ch u l e für 1911 wird genehmigt, ebenso ber V r. ?. \blag für 1913. Ter Zuschuß beträgt statt seither 5000 M! Cat-j iVit. Tie Mehr- ko üen sind durch Annabine eines
sowie Erhöhung des WobnungsgeldcS der Lehrer und Lehrerinnen entstanden. — Tie Visitation der StaDikassc Iv.t zu erheblichen Bemerkungen keinen Anlaß gegeben. — Ein Antrag auf Einführung einer Filial- und Warenhaus st euer wird von Stadtv. Bufold bekämpft. Stadtv. Tamm verteidigt Den Antrag, der nur eine steuerlich Gleichstellung mit anderen Gewerben bedeute, die seither nicht vorhanden ist. 2er Antrag wird bem Finanzausschuß Überwiesen. — Es wird beschlossen, die BiSrnarckstraße an ihrem südlichen Teil tiefer zu legen und das Gefälle der Wilhelmstraße nach der neuen Bahn cb;ufchwächeii. Bis zur nächsten Sitzung fall der Bürgermeister Projekte und Kostenberechnungen vorlegcn. — Einem Antrag der Zigarrenhändler um Einführung des Achtuhrladenschttii'ses wird zu- geftimmt; es sollen Abstimmungslisten aufgelegt werben. — Nach Art. 130 der Städteordnuug fallen die feit beugen Kommissionen in Ausschüsse umgewandelt werden und in ihrer nächsten Sitzung Obmänner wählen.
Kreis Wetzlar.
X Kro sdarf, 10. Okt. Zn den baupolizeilichen Besprechungen, die durch Krcishochbauuieister Eichboff- Wctzlar in vielen KreiSgcmcinden abgebalten wurden, hatten sich auch hier viele Handwerker und Techniker der näheren Umgebung eingefunden. An Hand der neuen Baupolizeiordnung wurden die vorschriftsmäßige Anfertigung von Baugesuchsunterlagen, die wichtigsten Aenderungen der neuen Verordnung, die praktische Ausgestaltung der Neubauten und die auS der Versammlung gestellten Fragen eingehend besprochen.
Hcsfcn-Nafsau.
• Biedenkopf, 10. Okt. In Eckelshausen brannte gestern nachmittag daS gesamte Anwesen deS Einwohners Ludwig Fischbach nieder. — In Röspe im Siegerland verübten beim Bahnbau Birkelbach—Altenhunden beschäftigte Arbeiter in einer Kantine solche Ausschreitungen, daß der Wirt zuni Revolver griff. Ein Arbeiter wurde durch mehrere Schüsse verletzt und mußte nach Marburg in die Klinik gebracht werden.
Provinzial-rlusschuß der Provinz ObcrheFe«.
Gießen, 9. Okt.
Anwesend: Ter Vorsitzende Geh.-Rat Tr. Usinger und 6 Mitglieder. Beginn 9 Uhr, (£nbe l1 \ Uljr.
1. Beschwerde wegen Geruchsbelästigung beim Gewerbebetrieb des Moses Keßler zu Gießen. Schon seit Jahren führen die Nachbarn des M. Keßler über den Geruch Beschwerde, der von dessen Miststätte, besonders beim Verladen des Schweinemistes, ausströmt. Tas Polizeünnt Gießen, sah sich deshalb schließlich genötigt, gegen Keßler einen Polizeibefehl zu erlassen, in dem ihm aufgegeben wurde, das Laden und Abfahren des Mistes in den Monaten Mai bis September vor 6 Uhr morgens und in den Monaten Oktober bis 2loril vor 7Vs Uhr morgens zu bewerkstelligen. Gegen diesen Polizeibefel^i erhob Keßler Klage und beantragte dessen Aufhebung, weil cs ihm unmöglich sei, in den vorgeschriebenen Stunden das Ausleeren des Mistes vorzunehmen. Außerdem sei die Geruchbelästigung nickst stärker, wie bei jedem landwirtschaftlichen Betrieb. Auf Grund der umfangreichen Zeugenvernehmung und nach 9ln» hörung dcs Sachverständigen Mebizinalrat Dr. Haberkom kam der Provinzialausschuß zu der Ansicht, daß frier eine über bas Maß des Getvöfrnlichen hinausaefrenbe Belästigung der Anwohnei-, sowie unter Umständen der Gesundheitsgefälrrbung Dtxrliegc und bestätigte demgemäß den erlassenen Polizeibefefrl.
2. Klage deS Ortsarmenverbandes Wetzlar gegen den Landarmenverband Gießen wegen Unterstützung des H. O. zu Wetzlar. Tie Sachlage erscheint noch nicht frinreichend geklärt. Es wurde deshalb beschlossen, vorerst weiteren Beweis zu erheben.
3. Klage des Ortsarmenverbandes Wallen- rodgegendenOrtsarmenverband Brauer schwend wegen Unterstützung der Familie R. Die Familie R., die in Wallenrod wohnte, geriet mit der Hausbesitzerin in Streit, wcsl-alb ihr diese kündigte. Der Bürgermeister tonnte eine andere Wohnung nicht beschaffen. Er fragte aber dafür, daß der Hausrat der Familie R. rmch Hergersdorf, wo sie vom 1. des darauffolgenden Vierteljahres ab gemietet hatte, verbrackst wurde. Hierdurch entstanden 10 Mark Fufrrkostcn, deren Ersatz Wallenrod von Brauerschwend, wo R. den Unterstützungswofrusitz bat, begehrt. Brau er schwend weigerte sich zu zahlen und ivanbte ein, daß gar keine Hilfsbedürstigkeit Vorgelegen habe. Wenn WalUmrofrE noch ein paar Tage gewartet hätte, würde R. in der Lage gewesen sein, aus seiner Invalidenrente die Kosten selbst zu bestreiten. Ter Provinzialausschuß verurteilte den Oitsannenver band Brauerschwend, an den klägerisckcn Ortsarmenverbanb Wal lcnrob die Hälfte der erwachsenen Kosten in Höhe von 5,20 Mark Zu zahlen. Im übrigen wird die Klage abgewiesen. Die Kosten des Verfahrens sind von den Streitteilen je zur Hälfte zu tragen.
4. Gesuch des Gg. Fr. Seipp zu Dorf Gill um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. Ter Gemeinderat hatte zuerst die Bedürsnisftage verneint, bann aber bejaht mit Rücksicht darauf, daß in Dorf-Gill bei 420 Einwohnern nur eine Wirtschaft besteht. 5in Teil der Gemeinderatsmitglicber, svrach jedoch die Befürchtung aus, daß der Gesuchsteller seine Rechnung nicht ftnden werde. Aus diesem Grunde und wegen angeblich ungenügender Räumlichkeiten wies der jireisausschuß Gicßcn das Gesuch ab. Naclidein in der heutigen Verhandlung nacbgcroicien wurde, daß tatsächlich ein Bedürfnis nach einer weiteren Wirtschaft besteht, auch die iTuhmte länblidjen Ansprüchen genügen, entschied der ProvinzialauSsckiuß, daß bic nachgesucht« Erlaubnis zu erteilen sei.
5. Wirtschaftsbetrieb im Hause Lahnstraße 9. Wilfr. Lindenstruth war für dieses Haus um Wirtschafts- erlaubnis emaetommen. Tas Poli-eiarnt Verneinte aber da- Vra- liegcn eines Bedürfitisses und das Strei5amt nahm deshalb Anstand, die Erlaubnis zu erteilen. Es legte bic Akten dem Provinzial- ausschuß vor der ebenfalls ein Bedürfnis nicht zu erkennen mochte und den Ge;uchsteller abfcklagig heschicd.
<Berid?i>faaL
9)1 annheim, 10. Okt. TaS Schwurgericht verurteilte heute nach zweitägiger Verhandlung wegen Ermordung des Studenten der Sprach,vtsienfcha'teii Hilmar A r j e s auS Norden am 25. Mar auf Dem Katzenbuckel bei Eberbach die beiden Angeklagten Beutel und Krebs zu lebenslänglichem Zuchthaus.
Leipzig, 10. Okt. Im Epionageprozeß Kagel- h a*n ’• <IDUrn. nachmittag 41/, Uhr vom Reichsgericht das Ua r v. , .^Er Angeklagte wurde ivegen verjuchlen Verrats mU'lSnfcher Geheunniste z»l sechs Jahren ZudsthauS, zehn Jahren ^drverltlst iinb Zulasstgkcit der Stellung unter Polizeiaufsicht ver- urteilt. Vier Monate Untersuchungshaft wurden in Anrechnung flphr Amr
Luft-chi-fahrt.
National-FIugspende. .
cn ™ V,1 n-' 10, Tie Absicht, die Sammlungen für die Jtatioual-jluqiDenbc bereits zum 1. Oktober l‘JI2 zn schließen, i't, Dcmgeubeu Wünschen von verschiedenen Seiten entsprechend, aui- ge.eben worden. Tie Eamnüunq soll vielmehr noch während des . Clf ’ortgdeiu werben. Für Ende dieieS Alonats ist jebod) enb- qulltq der Abschluß vorqeseben. ES ergeht daher an die Laminel- icllfn die Bitte, Ende Lftober ihrerseits abzurechnen unb die sich ergebenden Beträge an das Reichskomitee abzustihren, damit loateitenß un Laute des November Die Uebersicht über das Gesamt- ergevms berau6qeaeben und die Bildung des Ruratonun.8 für die vet,o€ui>ung der National-Flugipende durchgcführt werden kann.


