Ausgabe 
10.12.1912 Erstes Blatt
 
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ffätfbe, würde die höchste Stelle schwerwiegende Verände­rungen in der Armee nicht eintreten lassen.

Die Thronrede des Königs Karl von Rumänien.

Bukarest, 9. Dez. Die Parlaments-Session ksk eröffnet worden. Um 11 Uhr vormittags wurde von dein Metropoliten in Gegenwart der Minister. Senatoren, De­putierten, Mitglieder des diplomatischen Korps, zahlreicher Würdenträger und den Epiken der Zivil- und Militär­behörden ein feierlicher Gottesdienst zelebriert. Der König fuhr mit seinem Gefolge vom Palais in das Parlaments- gebäude. Die Abfahrt des königlichen Zuges wurde durch 101 Kanonenschüsse angekündigt. Der König begab sich in Bsgleitung des Thronfolgers, Prinzen Ferdinand und Prin­zen 'Carol in den Sitzungssaal der Kammer. Prinzessin Äisabeth wohnte der Feierlichkeit in der Präsidentenloge bet, wo auch der Präsident der Sobranje Danew Platz genommen hatte. Der König, beim Betreten des Saales durch lebhaften Beifall begrüßt, verlas folgende Thronrede:

Unter den gegenwärtigen bedeutsamen Umständen und der für micb tief schmerzlichen Augenblicke empfinde ich besondere Genugtuung darüber, daß ich mich von den Vertretern ganz Rumäniens umgeben sehe. So begrüße ich Sic, die Sie zur ersten Session der neuen Legislaturperiode versammelt sind, von ganzem Herzen. Mit der Bildung der gegenwärtigen Regierung ist ein neuerlicher Appell an das Land notwendig geworden. Aus den jüngsten allgemeinen Wahlen hervorgegangen, sind Sie, meine Herren, in der Lage, wahre Bedürfnisse des Landes besser zu kennen. Die Politik Rumäniens, in ihrer tra­ditionellen Selbständigkeit alsPolitikderMäßigungund des Friedens in den mit den höchsten Interessen des Landes verträglichen Grenzen (Beifall), versetzt uns in die Lage, mit allen Staaten freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten und uns namentlich des besonderen Vertrauens der Groß Mächte zu erfreuen. (Beifall.) Rumänien beobachtete bei dem Bestreben, zur Lokalisierung des Krieges beizutragen, gegenüber den kriegführenden Balkanstaaten Neutralität, wobei cs je­doch die Entwickelung der Ereignisse, die zahlreiche Interessen des Staates berühren, aufmerksam verfolgte. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, daß diese Haltung günstige Ergebnisse für die guten Beziehungen zu den Balkanstaaten in der neuen Ge­staltung zeitigen wird und daß unsere Interessen Be­rücksichtigung finden. (Langanhaltender Beifall, wieder­holte Bravo, ,jc.)

Rumänien wird als ein wichtiger Faktor des europäischen Konzerts angesehen. Bei der endgültigen Regelung der durch die Balkansrage aufgeworfenen Fragen wird sein Wort Ge­hör finden. (Langanhaltender Beifall.) Das Vertrauen, das die Nation in die ausnahmlos anerkannte Tapferkeit ihrer Soldaten setzt, ist vollauf berechtigt. (Beifall.) Die Armee ist imstande, diesem Vertrauen zu entsprecl'en, sie ist immerdar bereit, ihre Mission zu erfüllen. (Langanhaltender Beifall.) Die neuen Kredite, die von Ihnen für die Armee angesprochen werden, norden in Ihrem erleuchteten Patriotismus ihre Begründung finden. (Beifall.) Meine Negierung unterbreitet Ihnen zur Be ratung mehrere Gesetzentwürfe, die dazu bestimmt sind, das Werk der Konsolidierung und des Fortschritts der rumänischen Staaten in jeder Beziehung zu fördern. Gott spende ihren Arbeiten seinen Segen. (Langanhaltender, stürmischer Beifall.)

Die bulgarische Sobranje

hritb Sonnabend zu einer kurzen Session zur Votierung des Budgets zusammentreten. An maßgebender Stelle in Sofia wird erklärt, daß der König der Bulgaren in der irächsten Zeit eine Reise durch die größeren Städte des neueroberten Gebietes unternehmen und dann Saloniki besuchen wird.

Das bulgarische MattMir" weist alle angeblichen authentischen Nachrichten über die Aufteilung der er­oberten Gebiete unter den Verbündeten, insbesondere zwischen Bulgarien und Griechenland, als vollständig unbegründet zuriick und erklärt, daß neue Grenzen der verbündeten Staaten nach dem Abschluß des Friedens festgesetzt würden. Dieser dürfe keineswegs verzögert werden, denn die Balkanstaaten seien entschlossen, keinen Versuch der Ausflucht seitens der Türkei zu dulden.

Türkische Angriffe auf die Montenegriner.

DasBerliner Taaebl." meldet aus C e t i n j e : Die Türken greifen fortwährend die montenegrinischen Stel­lungen von Skutari an.

Die Frage der Eisenbahnen<

Konstantinopel, 9. Dez. Unter den Fragen, die bei den Friedensverhandlungen geregelt werden müssen, findet sich auch die Frage der Eisenbahnen in den von den Truppen der Balkanstaaten besetzten Gebieten. Interessierte Kreise verlangen, daß im Friedensvertrag eine Klausel ausgenommen wird, nach der die neue Re­gierung alle Rechte und Verpflichtungen bezüglich der Eisenbahnen übernimmt. Eine französische Gesellschaft, die die Konzession für den Bau und Betrieb der Linie Salo- niki-Dede-Ayatsch besitzt, soll jedoch unabhängig davon mit Bulgarien über die Uebernahme der Rentierung des Bau­kapitals durch Bulgarien und Mtretung des Betriebsrechtes verhandeln, sowie darüber, die ganze Angelegenheit even­tuell mit der Anleihe-Emission in Verbindung zu bringen.

Der Friede mit Griechenland?

Konstantinopel, 9. Dez. In Pfortekreisen verlautet, Griechenland werde übermorgen den Waffen ftill- standsvertrag unterzeichnen.

Deutsches Keid>.

Eine Eisenbahn von Travemünde nach Niendorf

Die Bürgerschaft von Lübeck genehmigte Kostenlastantcil und Hergabe von auf lübeckschem Gebiet liegendem, zum Bau einer Eisenbahn von Travemünde nach der oldenburgischcn Ostsccstadt Niendorf erforderlichen Baugeländes, wodurch der Bau der Eisenbahn gesichert ist. Bau und Betrieb der Bahn übernimmt die Lübeck Büchcner Eisenbahn-Gesellschaft.

Aus Sfafct und Land.

® i e öen, 10. Dezember 1912.

Die Hoffestlichkeiten am Darmstädter Hof im Jahre 1913 finden wie folgt statt: 1. Hofball am 7. Januar, 2. Hofball am 14. Januar, Th6 dansant im Neuen Palais am 21. Januar.

* * 3n Audienz empfangen wurde vom Groß- h erzog am Samstag u. a. Pfarrer Hellwig.

- Lehrerpersonalien. In den Ruhestand ver- setzt wurde der Lehrer an der Gememdeschule zu Pfungstadt Jak. Schmidt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten HanS Thomas aus Wöllstein eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Hausen. Der ®ro&berjog bat dem Lehrer an der Gemeindeschule zu Pfungstadt Jak. Schniidt aus Anlaß seiner Versetzung in den Ri,bestand das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen.

Zu Forstassessoren wurden die Forstreferendare Rud. Glaser auS Nordheun, Wilh. Nebel aus Laubach und HanS Rausch aus Gießen ernannt.

LehramtSperfonalien. Der Gro ßher; og hat den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberreal­schule zu Gießen Prof. Hch. LuciuS zum Oberlehrer an dem Landgraf Ludwigs-Gymnasium zu Gießen ernannt.

Staatsbahn-Personalien. Der Großherz og hat den RegierungS- und Baurat Eugen Priester zu Elber- 'eld zum Mitglied einer Eisenbahndirektion in der Hesfisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft ernannt.

** Der Provinzialtag hält eine außerordent­liche Sitzung am Samstag, 21. Dezember, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen ab. Auf der Tagesordnung steht der Erwerb des Elektri- zitätswerrs Nieder-Wöllstadt und die Anlage von Klein­pflaster auf den Hauptverkehrsstraßen Oberhessens sowie ein Bericht über den Stand der Elektrizitätsversorgung.

Stadttheater. Der Name Marzell Salzer ist ein Programm an und für sich, und der nächste Donnerstag abend wird sicher alle Freunde vornehmen HumorS ins Stadt­theater ziehen, wo Professor Marzell Salzer seinen dies­jährigenLustigen Abend* gibt. Besonders sei darauf hingewiesen, daß der Künstler diesmal ein vollständig neues Programm bringt. Abonnenten zahlen am Salzer-Abend gegen Vorweis des zweiten Ermäßigungskupons mir kleine Preise.

** Jubiläums-Vereinigung ehem. 116er. Am Sonntag tagte der Vorstand in Gießen. Alle Mit­glieder, sowie sechs Herren vom Offizierkorps waren er­schienen. Aus hem vom 1. Vorsitzenden Rechtsanwalt Ka u f- m a n n erstatteten Bericht war zu entnehmen, daß sich in der Hvischenzeit wieder einige neue Vereinigungen gebildet haben, so daß ^etzt 45 Vereine mit rund 8o00 Mitgliedern zusammengeschlossen sind. Am 9. Februar soll in Gießen die zweite Sitzung des großen Festausschusses stattfinden, bis zu der der Gießener Verein die Vorarbeiten in seinen einzelnen Arbeitsausschüssen so gefördert haben will, daß eine allgemeine Uebersicht über die Anlage des Festplatzes, die Unterbringung und Verpflegung der alten Kameraden gegeben werden kann. Bezüglich der Einquartierung er­stattete der Vorsitzende des Wohnungsausschusses, Reichs­bankbeamter Burger, Bericht, aus dem sich ergab, daß die Vorarbeiten rüstig vorgeschritten sind. Nicht nur Gießen selbst, sondern auch Heuchelheim, Wieseck, Klein-- und Großen- Linden, Lollar, Wetzlar usw. sollen zur Unterbringung der nt Tausenden zu erwartenden ehemaligen Angehörigen des Regiments herangezogen werden. Demnächst wird sich das Regiment zusammen mit dem Gießener Verein an die Bürgerschaft wenden mit der Bitte um Ueberlassung von Freiquartieren. Ein Teil der Gastwirtschaften hat schon Eruzelräume und Massenquartiere zur Verfügung gestellt. Bezüglich der Bahnfrage wurde der 2. Vorsitzende, Ober- Knegsgerichtsrat Cellarius-Frankfurt, beauftragt, in Ver­handlungen mit der Eisenbahndirektion einzutreten, damit Sondcrzüge gestellt und den Mitgliedern der I. V. Militär­fahrkarten gewährt werden. Da einige Vereinigungen mit der Einsendung der namentlichen Listen im Jttickstanoe sind, konnte der 2. Schriftführer, Postsekretär Fink-Friedberg, nur ein Muster vvrlegen, nach dem er die Festteilnehmer­liste nach Kompagnien unk Jahrgängen getrennt aufstellen will. Die Veteranen aus den Feldzügen von 1866, 1870/71, den Chinawirren und dem Südwestafrika-Aufstand werden ersucht, ihren Militärpaß an das Regiment einzusenden. Bis jetzt haben sich 375 ^eteranen gemeldet. Anfang nächsten Jahres wird in allen Zeitungen Hessens und der benachbarten preußischen Provinzen vom Regiment eine allgemeine Aufforderung an die ehemaligen 116er ergehen, sich an der Hundertjahrfeier des Re-giments zu beteiligen und sich möglichst bald den schon bestehenden Vereinen und Bereinigungen anzuschließen, damit für die Teilnehmer rechtzeitig gesorgt werden kann.

** Die Hessische Vereinigung für Volkskunde hielt am Montag abend ihre Hauptversammlung ab. Der Vor­sitzende, Pfarrer Schulte von Großen-Linden erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, das; die Vereinigung auf allen Gebieten ihre Arbeiten eifrig gefördert hat. Der von Bankdirektor Heichelheim erstattete Geschäftsbericht verzeichnet eine Einnahme von 3965.90 Mk. und eine Ausgabe von 3315.10 Mark. Außerdem besitzt die Vereinigung ein Bankguthaben von 1000 Mk. Der Vorstand besteht im nächsten Jahre aus den Herren Pfarrer Schulte (Vorsitzender), Geh. Hoftat Dr. H a u p t (Stellvertreter), Professor Dr. Helm (Schriftführer), Lehrer Römer (Stellvertreter), Bankdirektor Heichelheim (Rechner) und Fräulein Kalb Henn (Archivarin) Besonderen Dank stattete der Vorsitzende den Erben des verstorbenen Pfarrers Moser in Wohnbach ab, die dessen reiches volkskundliches Material dem Verein schenkten. Den Schluß des Abends bildete ein sehr inter­essanter Vortrag des Pfarrers Nebel aus Laubach über Alt- Laubach und seine Bewohner, der von einer Reihe präch­tiger Lichtbilder begleitet war. Der Vortrag und die Lichtbilder ließen die Vergangenheit Laubachs lebensvoll vor den Zuhörern entstehen und den Redner lohnte lebhafter Beifall. Wir werden den Hauptinhalt des Vortrags in denGieß. Familienblättern" wiedergeben. '

** Feuerwehr. Gestern abend sprach imSächsi­schen Hof" Gaswerks-Direktor S t e d i n g über dieWasser- druckverhältnisse der Gießener Wasserlei­tung. Der Redner leitete den Vortrag mit einer Schil­derung ein, wie das Wasser entsteht. An der Hand einer Karte wurde man mit dem Rohrnetz unserer Stadt ver­traut gemacht, wobei den Feuerwehrleuten viele inter­essante Einzelheiten der Leitung erklärt wurden. Zu dem Vortrag hatten sich beide Wehren in großer Zahl ein­gefunden, die den Worten des Vortragenden mit größtem Interesse folgten. Manche seiner Mitteilungen über die Legung mehrerer Schlauchlinien hatten praktischen Wert für den Feuerwehrmann. Nach dem Vortrag wurden noch einige Anfragen gestellt, worauf Branddirektor Braubach dem Vortragenden Dank aussprach. 1

** Postscheckverkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Novem­ber auf 74 227 gestiegen. (Zugang im November 1121.) Auf diesen Postscheckkonten mürben gebucht 1402 Millionen Mark Gutschriften und 1406 Millionen Mark Lastschriften. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Novem­ber durchschnittlich 157 Millionen Mark. Im Verkehr der Reichspostscheckämter mit dem Postsparkassenamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, der luxemburgischen und belgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Post­scheckbureaus wurden fast 7 Millionen Mark umgesetzt und zwar auf 2890 Uebertragungen in der Richtung nach und auf 13520 Ueckertragungen in der Richtung aus dem'Aus­lande.

Hessen-Nassau.

w Marburg, 9. Dez. Bel Kölbe geriet ein Auto­mobil infolge einer plötzlichen Explosion in Brand und wurde völlig zerstört. Der Chauffeur konnte sich retten. Per­sonen hatten sich nicht in dem Wagen befunden.

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Unter den ferneren Pelzsorten ist besonders ein filberm-m,-. Dclz, der |td) durch einen blämidkit Schimmer mancherlei ^Schattierungen vom hellsten bis zum dunkelsten aurroeut, jebr beliebt, da er neben der bübfdrm r^rbc io unb weich ist, wie Eainn ein anderes Pelzwerk. Dieser Pelz, den alle Damen als Chinchilla kennen, stammt von eine-, kleinen Tierchen, das als Mittelglied zwisckren Hase und Mars zu den Lasenmäusen gehört und in den itorbillercn Sümamerika' besonders in Peru, Bvlvia und Chile ;u Hause ist Fn k1 felsigen Geklüften dieser gewaltigen Gebirgszüge leben die Cft- chillas, die nur eine Länge von 30 Zemimeter erreichen n i ^ledelungen zusammen, ganz nach Art der Murmeltiere in unsere Mpeii. Sie nähren sich von Wurzeln und allerlei Pflanz« und sind muntere Tiere, die eine besondere Gewandtheit i» Klettern haben, denn sie können ohne Schwierigkeit an fteiltr Felswänden empor kl eitern.

Ter kostbare Pelz der Chinchillas war schon in alten 3eitai hochberühmt, und unter der Herrschaft der Inkas verstanden c< die Peruaner, aus den seidigen Haaren des Felles munberbtr ferne Tücher für die Vornehmen des Landes he^ustellen. Heut ist diese Industrie verloren geaangen, aber als Pelzwerk sink die Felle überall außerordentlich begehrt. Die in unserer fort- geschrittenen Zeit leider naturgemäße Folge davon ist, daß m weiten Gebieten ihrer Heimat die Chinchillas beinahe oder aucd völlig ausgerottet sind, dank der rücksichtslosen Verfolgungen. Ganze Scharen von Pelzjägem durchstreiften jahrelang die Kor­dilleren, und wo sie eine Chinchillaansiedlung trafen, wurden di- Schlupflöcher und Baue der Tiere so lange mit Schlingen w Fallen umstellt, bis auch der letzte Bewohner der Siedettmg ge­fangen war. Durch diese unsinnige Methode, die übrigens der Mensch m der ganzen Welt bei jedem irgendwie wertvollen Tier beobachtet, gelang es, im Laufe von ungefähr 50 Johx^ den Bestand der Pelztiere derart zu vermindert, daß heute der echte Chmchittapelz zu einer ziemlich seltenen Kostbarkeit «, worden ist, denn ein Chinchillamantel muß heute mit Tausenden von Mark bezahlt werden. Noch vor 50 Jal/reu erhielten die Jäger für ein Dutzend Felle ungefähr 20 Mk., während sie heute mehr als das Zehnsack^: dafür bekommen.

Um nun ber achfrage nach diesem köstlichen elzwerk einiger­maßen genügen zu können, ist man in neuester Zeit in ©ül* amerifa vielfach dazu über gegangen, die Chinchillas in etnge. friegten Gehegten ^u züchten, was ziemlich leicht sein soll, da die Nahrung der Stere unschwer zu beschaffen ist und im großen und ganzen der unserer Kaninckten gleichkommt. Die meisten der jetzt importierten Chinchillafello kommen schon aus diesen Zucht- anstalten, da die Jagd auf die selten gewordenen Tiere nickt tndjr lohnt: unsere Damenwelt bat die Hoffnung, daß bei größerer Ausdehnung der Zucht der Pelz vielleicht wiä>er billig wird. Die Zucht der Chinchillas bringt übrigens doppelten Vorteil, da bti Fleisch der Tiere als zart und woUschmeckend berühmt ist und in Südamerika gern gegessen wird.

vermischter

iDie Hellseherin" von Orleans. Ein Pro^ß ^ser Woche vor dorn Berufungsgericht von Orleans seineil Abschluß gemnden hat und mit der Verurteilung einer «Selb seherm zu drei Jahren Gefängnis endete, bringt einen charal- terrsttschen Beitrag zur Psychologie der Leichtgläubigkeit. Bei der Verhandlung zeigte sich, daß dieseHellseherin" seit Jahren von verhaltmsrnäßig wenig bemittelten Leuten recht stattliche Summen für allerleiRatschläge" erhielt und ihre Tättgkeit vermutlich noch Jalnzehntelang fortgesetzt hätte, wenn nicht der robuste Smn emes Fleischermeisters schließlich an den wunderbaren (EtgenUbaften der Dame gezweifelt und die Hilfe der Gerictchk m Anspruch genommen hätte. Welche Beträge dieseHellseherin" wren abergläubtschen Opfern zu entlocken wußte, zeigen einig' Falle, bie bei der Verhandlung ans Licht kamen. So zahlte 4 eine junge Frau, die an einem Geschwür am Arm litt, ni£ weniger als 6000 Mark für die folgende recht einfache und rnüJj» lose Verordnung:Wenn Sie mein Haus verlassen," so befc-l die Hellseherin,dann sollen Sie mit ihrem kranken Arm bat Sckwanz des ersten Tieres berühren, das Ihnen begegn^ und alsbald wird das Nebel von Ihnen auf das Tier übergehen" Em anderer Pattent, eine Dame, erfuhr, daß im vorliegend« Jolle eine schwere .Herztuberkulose" die Ursache aller Leid« mare. Es gelang zwar nicht, dieses hartnäckige Leiden zu heilet, aber immerhin konnte die Patienttn von einer offenbar schmerz­haften Hypertrophie des Geldbeutels geheilt werden und verdankt in dieser Hinsicht der übersinnlick)en Heilkünstlerin viel Erlei» terung. Eine besondere Schwäche hatte die Hellseherin für Liebel bedürftige: so war sie bereit, einer voll aufgeblüten Matw« für nur 1000 Franks die Zärtlichkeit eines Jünglings zu ve> schaffen, während em alter biederer Gärtner nicht übet in Schreck« gejagt wurde durch die Versicherung, die bösen Geister seien ibn auf der Spur. Es ist klar, daß solchen bösen Geistern nur damit beizukommen ist, daß man sie in einen Totenschädel einsperr; aber das konnte die Hellseherin natürlich nicht tun, ohne dcs Jawort der fünf Mitglieder des Rates der Natur zu erlanaet Und diese fünf Ratsherrn sind sehr anspruck^volle Leute. D«s Mißgeschick kam erst, als die Hellseherin einem Fleischermeistcr für 100 Franks einenTip" für den Stand des Hammelmarklck m sechs Monaten gab: der Meister befolgte den Rat und verbi ein Heidengeld. Das Merkwürdigste an dem ganzen Prozeß ata ist, daß abgesehen von diesem ketzerischen Fleischermeister alle anderen Opfer der Hellseherin noch heute felsenfest auf die Wunder, kräfte dieser hellen Dame schwören und nicht dazu zu beweg« waren, Anllage zu erheben.

Orientieren. Kür lich wurde in der Zeitschrist M Sprachvereins als Verdeutschung von Orientierung (beim Kirche»' bau) .Cftunq empfohlen, das ausdrucksvoller ist als daS oec* waschene Fremdwort. Und wie ost lieft man dieses trotz feiner Verwaschenheit beute 1 wie sehr ist e§ zum Modewort geworden! Eigentlich orientiert nur der Seemann, d. h. er sucht den Conm ß« ausgangSpuukt, den Osten, auchorientiert* man mit Recht eint j Kirche, d. h. richtet ihren Chor nach Osten: heute aber .orientiert1! man einen Bau gar von Luden nach Norden! Heute sagt mar ti ferner, eine Regierungspolitik sei nach dem und dem GefichtSpurkt orientiert, spricht von einer national orientierten Mitteloartü 3 meint, ~ die Volitik müsse gänzlich neu orten :ert werden usiv. ti usw. statt richten, einrichten, einstellen usw- Und wie viel« Verdeutschungen gibt es doch für .sich orientieren* I ©OWjir bat ihrer ein volles Dutzend, darunter ..sich umfeben* und umschauen*, su diesen stellt sich für viele Fälle ganz vortrefilit -stck umbören*. Dieses Wort ist vielleicht noch kaum ober nur lehr wenig bekannt: bei Heyne fehlt es, Sanders aber bringt ck in folgender Form:Umboren, refl : sich hörend, erfunbiaenb nat etwas umtun (ogU sich umfeben): Warnte vor den UmhörungM und unmaßgeblichen Ratschlägen. Geroinus Lit. 5. 287*: er be­legt es im .Ergänzungsbande' noch auS Freytaa, den Grenzboteir, Mommsen iAuck e. Wort), Rodenberg risiv. Das Hauptwort »lln* börung" scheint zwar nicht besonders empfehlenswert zu fein, aber baS rückbezügliche Zeitwort dürste sich in sehr vielen Fällen als brauchbare und zweckmätzige Verdeutschung vonsich orientieren